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Wunden

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Wunden

Ich erwachte von dem Gefühl einer Hand an meiner Schulter. Instinktiv zuckte ich vor der Berührung zurück und riss die Augen auf. Als ich Mauls Gesicht dicht über mir erblickte, fuhr ich erschrocken hoch. Ich bereute die Bewegung sofort, als ein sengender Schmerz durch meinen Rücken schoss. Ein Schmerzlaut verließ meine Kehle und weiße Punkte tanzten vor meinen Augen. Mit der Hand klammerte ich mich an die Tischkante, bis der Schmerz etwas abebbte und meine Sicht sich wieder klärte. Mit glasigen Augen sah ich zu Maul auf, der einen Schritt zurückgetreten war und die Hände in einer beschwichtigenden Geste in die Luft hielt.

„Ganz ruhig. Wenn ich dir was antun wollte, dann hätte ich das längst getan“, sagte er missbilligend, doch seine Worte verfehlten ihre beabsichtigte beruhigende Wirkung.

„Was willst du“, fragte ich genervt und versuchte mich irgendwie so hinzusetzen, dass es möglichst wenig Schmerzen verursachte. Maul beobachtete meine Bewegungen ganz genau und ich wusste, dass er das Ausmaß meines Schmerzes genau wahrnahm.

„Du hast die Wunde nicht versorgt“, stellte er trocken fest und warf einen Blick in Richtung meines Rückens. Ich widerstand dem Drang mit den Schultern zu zucken.

„Ich kam nicht richtig an die Wunde ran. Der Stoff hat sich mit reingebrannt.“ Maul sah mich einen Moment lang nachdenklich an. Dann schien er einen Entschluss zu fassen.

„Ich werde mir die Wunde anschauen“, sagte er und drehte sich um, wahrscheinlich um ein Medkit zu holen. Ungläubig sah ich ihm nach.

„Was?! Auf keinen Fall. Ich komme gut allein klar“, sagte ich bestimmt und Maul hielt inne. Er drehte sich nicht zu mir um, sondern sah mich über seine Schulter mit einem missbilligenden Blick an.

„Du brauchst meine Hilfe, sonst entzündet sich die Wunde. Und ich glaube kaum, dass das in deinem Interesse liegt“, sagte er final und verließ die Küche. Fassungslos sah ich hinter ihm her. Natürlich hatte er recht, ich konnte die Wunde nicht allein versorgen. Doch alles in mir widerstrebte bei dem Gedanken, dass gerade er sich um meine Wunde kümmern sollte. Immerhin hatte er in den letzten 24 Stunden zweimal mein Leben bedroht.

Maul kam humpelnd zurück in die Küche, ein Medkit in der Hand. Er zog einen Stuhl vor die Sitzecke und warf mir einen auffordernden Blick zu.

„Setz dich hier hin“, ordnete er an und ich folgte seiner Anweisung zähneknirschend. Vorsichtig ließ ich mich so auf dem Stuhl nieder, dass ich mit meiner Vorderseite zur Lehne saß. So hatte Maul uneingeschränkten Zugang zu meinem Rücken. Der Zabrak setzte sich hinter mich auf die Ecke der Sitzbank. Ohne Vorwarnung zog er den Stuhl näher zu sich, sodass ich nun zwischen seinen Beinen saß. Ich wusste das er es tat, um besser an die Wunde zu kommen, doch das machte die Situation nicht angenehmer.

Maul legte das Medkit auf den Tisch und öffnete es, um an den Inhalt zu gelangen. Über meine Schulter sah ich zu, wie er ein paar Gegenstände herausnahm und dann meinen Rücken betrachtete. Er zog seine Handschuhe aus und offenbarte die rote Haut seiner Hände, über die sich weitere schwarze Tattoos zogen. Mir schoss die Frage durch den Kopf, ob er tatsächlich am ganzen Körper tätowiert war. Seine Finger zupften vorsichtig an dem Stoff meines Tops und ich zischte auf, als der Stoff an meiner Wunde zog.

„Ich muss das Shirt aufschneiden“, stellte Maul fest und sah mich an, als wollte er mein Einverständnis einholen. Ich seufzte geschlagen. Anders würde es nicht gehen.

„Tu was du tun musst“, erwiderte ich und legte meine Tentakel über meine Schulter, damit er einen besseren Zugang hatte. Maul griff nach einer Schere und begann das Top von unten nach oben entlang des Schnittes aufzuschneiden. Dann schnitt er das Top über meinen Schultern auf, sodass der Stoff lose nach vorne fiel. Da er meinen Sport-BH zum Glück ganz gelassen hatte, gab ich mir keine Mühe mich mit dem Stoff zu bedecken. Achtlos ließ ich das nun unbrauchbare Top zu Boden gleiten. Ich spürte Mauls Blick und dann legten sich plötzlich seine Finger auf meine gemusterte Haut. Mein erster Impuls war es davor zurückzuschrecken. Doch als die Wärme seiner Fingerspitzen in meine Haut sickerte, hielt ich inne.

Anders als die meisten Meeresbewohner waren wir Nautolan keine direkten Kaltblüter. Wir hatten die Möglichkeit unsere Körpertemperatur unabhängig von unserer Umgebung zu regulieren, produzierten bei normaler Körperbelastung aber kaum überschüssige Körperwärme. Das ermöglichte es uns, auch in sehr kalten Gewässern zu überleben, ohne zu viel Energie zu verlieren. Als Folge dessen war unsere Haut im Normalfall relativ kalt. Wir froren deshalb nicht, aber wie viele andere Nautolan fühlte auch ich mich zu Wärme hingezogen. Und Maul strahlte eine unglaubliche Wärme aus. Ich würde es nie zugeben, doch ich genoss das Gefühl seiner warmen Finger auf meiner Haut.

Glücklicherweise wurde ich aus meinen Gedanken gerissen, als Mauls andere Hand nach dem Stoff griff, der noch in meiner Wunde steckte. Selbst diese kleine Bewegung verursachte höllische Schmerzen und ich sah ihn über meine Schulter an.

„Bitte sei nicht allzu grob“, bat ich ihn und hasste den schwachen Klang meiner Stimme. Maul erwiderte meinen Blick kurz, bevor er die Augen wieder auf die Wunde richtete.

„Keine Sorge. Ich habe schon einige Lichtschwertwunden in meinem Leben versorgt. Ich weiß was ich tue.“ Trotz seiner Beschwichtigung klammerte ich mich mit beiden Händen an die Stuhllehne, bereit für den Schmerz, der sicher kommen würde.

Als Maul begann den Stoff aus der Wunde zu ziehen, biss ich mir auf die Wange, um nicht laut loszuschreien. Der Schmerz war unbeschreiblich, während Maul den Stoff Stück für Stück aus der Wunde löste. Er war vorsichtig, doch das linderte meinen Schmerz nicht. Die kauterisierte Wunde riss auf und Blut quoll aus ihr hervor. Meine Hände krallten sich so krampfhaft in die Stuhllehne, dass es wehtat. Maul zog ein besonders großes Stück Stoff aus der Wunde und ich konnte meinen Schrei nicht länger unterdrücken. Eine Hand schnellte durch die Luft und griff nach der ersten Sache, die sie finden konnte. Leider war das Mauls Bein. Doch das konnte mich im Moment nicht weniger stören. Meine Finger krallten sich in den Stoff seiner Hose kurz über dem Knie und fanden darunter kaltes Metall. Da es Maul nicht zu stören schien und es ihm dank der Prothese keine Schmerzen bereitete, krallte ich mich weiter an sein Bein wie an eine Rettungsleine.

Als er endlich fertig war, keuchte ich erleichtert auf. Kalter Schweiß stand auf meiner Stirn und mein Körper zitterte. Mit Mühe löste ich meine verkrampfte Hand von seinem Bein und legte sie zurück auf die Stuhllehne.

„Entschuldigung“, murmelte ich und traute mich nicht ihn anzusehen.

„Das stört mich nicht“, entgegnete Maul knapp und ich wusste das er es ohne Hintergedanken so meinte.

„Ich muss die Wunde reinigen und nähen, wo sie aufgerissen ist“, erklärte Maul und ich nickte. Der schlimmste Schmerz war vorbei, das war zumindest meine Hoffnung. Maul kramte wieder im Medkit herum und nahm Tupfer, Nadel und Faden hervor. Mit einer Sanftheit, die ich ihm nie zugetraut hätte, begann Maul die Wunde und die Haut auf meinem Rücken zu reinigen. Als er den ersten Nadelstich setzte, zuckte ich zusammen. Er hielt kurz inne, doch ich deutete ihm weiterzumachen. Es tat weh, doch diesen Schmerz konnte ich aushalten.

Um mich abzulenken, versuchte ich herauszufinden, was Maul gerade fühlte. Wollte er mir wirklich helfen oder hatte er andere Hintergedanken? Zu meinem Erstaunen konnte ich jedoch nichts spüren. Das war seltsam. Bei unseren bisherigen Aufeinandertreffen hatte ich immer deutlich seine Wut und seinen Hass gespürt. Sie waren so stark gewesen, dass ich Mühe hatte mich davon nicht beeinflussen zu lassen. Doch jetzt war da nichts. Als würde er seine Gefühle kontrollieren und vor mir verstecken. War das überhaupt möglich? Das machte mich neugierig.

„Wo kommst du her“, fragte Maul plötzlich unvermittelt, während er die Wunde vernähte. Ob er aus Interesse fragte oder um mich abzulenken, wusste ich nicht. Ich beschloss aber darauf einzugehen, um mich weiter von der Nadel in meinem Fleisch abzulenken.

„Glee Anselm“, brachte ich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und sah auf meine Hände, die sich in die Sitzlehne krallten.

„Soweit ich weiß ist dein Volk friedliebend und hat die Republik im Krieg unterstützt. Wie kommt es, dass du deinen Planeten verlassen hast und Kopfgeldjägerin geworden bist“, hakte Maul nach und ich zögerte kurz. Ich wollte ihm nicht zu viel von mir verraten.

„Es gab nichts mehr für mich auf Glee Anselm“, erwiderte ich daher knapp und Maul brummte verstehend. Jetzt spürte ich einen kleinen Funken Neugierde, der von ihm ausging.

„Von dem, was ich über dich gelesen habe, bist du eine sehr gute Kopfgeldjägerin. Und du scheinst nicht einfältig zu sein. Es wundert mich daher, dass du den Auftrag mich zu töten angenommen hast“, spekulierte Maul und ich zischte schmerzerfüllt, als er mit der Nadel etwas tiefer als notwendig in meine Haut stach. Ich wusste, was Maul meinte. Im Alleingang einen Syndikatsanführer zu töten war Wahnsinn. Das hatte ich von Anfang an gewusst. Und hier war ich nun. In den Klauen des Schattenlords.

„Der Auftrag wurde mir aufgezwungen. Ich hatte die Wahl den Auftrag anzunehmen und dich zu töten oder selbst getötet zu werden. Da fiel die Wahl nicht besonders schwer. Für den Fall das ich abhaue oder versage, sollten mir andere Kopfgeldjäger auf den Hals gehetzt werden. Das ist mit Sicherheit auch bereits passiert.“

„Wer hat dich beauftragt“, fragte Maul weiter und ich war nur zu gewillt ihm den Namen zu sagen.

„Trem Pearson.“ Ich spie den Namen aus und Maul wirkte überrascht.

„Der Name sagt mir nichts“, stellte er fest und ich konnte es ihm nicht verübeln. Für jemandem der die größten Syndikate der Galaxis anführte, waren kleine Kartelle wie das von Pearson wahrscheinlich nur Dreck am Stiefel.

„Er führt die Desert Snakes auf Amperon an. Unter ihm arbeiten vor allem Schmuggler und Piraten. Auf Amperon ist er der inoffizielle Herrscher. Er wollte dich aus dem Weg schaffen, weil dein Schattenkollektiv und der Frieden zwischen den Syndikaten angeblich seinem Geschäft schaden“, erklärte ich und seufzte erleichtert, als Maul endlich den letzten Stich gesetzt hatte und den Faden abschnitt.

„Und warum hat er gerade dich für den Auftrag ausgewählt?“

„Ich hatte in der Vergangenheit ein paar … Unstimmigkeiten mit Pearson. Vermutlich hat er gehofft, dass ich bei dem Versuch dich zu töten sterbe, oder Schlimmeres. So oder so hatte er nichts zu verlieren, wenn er mich schickt. Wenn ich bei dem Versuch gestorben wäre, dann würde er kein Geld verlieren und wenn ich Erfolg gehabt hätte, dann hätte er sein Ziel erreicht. Er weiß wie ich arbeite und wie effizient ich bin. Und ich bin eine verdammt gute Schützin“, erklärte ich und schielte über meine Schulter.

„Nicht das das bei dir was gebracht hätte“, fügte ich hinzu und sah Maul neugierig an.

„Woher wusstest du eigentlich genau wo ich war? Du kannst mich aus der Entfernung unmöglich gesehen haben.“ Maul sah von der Wunde auf, auf die er gerade Bactagel auftrug.

„Ich habe gespürt das du mich angreifen willst“, erwiderte er kryptisch und ich drehte mich auf dem Stuhl, um ihn besser ansehen zu können.

„Hat das was mit der Macht zu tun? Du bist offensichtlich kein Jedi, aber du kannst mit einem Lichtschwert umgehen und die Macht nutzen. Was bist du“, fragte ich neugierig und bemerkte, wie Maul bei dem Wort Jedi die Augen verengte und kurz Hass in ihm aufflammte.

„Ich war ein Sith“, erwiderte er knapp und packte meine Schulter, um mich sanft aber bestimmt wieder nach vorne zu drehen. Seine Antwort machte mich aber nur noch neugieriger.

„Was heißt du warst ein Sith? Warum bist du keiner mehr? Und wie bist du dazu gekommen ein Syndikat aufzubauen“, fragte ich und hörte Mauls genervtes Knurren.

„Mein Meister hat mich fallen lassen als ich ihm nicht mehr von Nutzen war. Um mich an ihm zu rächen brauche ich Macht und Einfluss“, fauchte Maul und ich spürte Wellen von Hass und Zorn von ihm ausgehen. Die Gefühle waren so stark, dass ich wieder Mühe hatte mich nicht von ihnen beeinflussen zu lassen. Ich beschloss nicht weiter nachzuhaken und schwieg, während Maul zwei große Bactapads auf meiner Wunde anbrachte.

„Dreh dich mit dem verletzten Arm zu mir“, ordnete Maul an, seine Stimme nun wieder ruhig und kontrolliert. Seiner Aufforderung nachkommend drehte ich mich so, dass nun meine rechte Seite ihm zugewandt war. Maul griff nach meinem Arm und drehte ihn etwas, um die Wunde in Augenschein zu nehmen. Das Bactagel hatte schon ein wenig gewirkt und die Wunde leuchtete nicht mehr so feuerrot wie gestern. Maul griff nach dem Bactagel und trug es mit ruhigen Fingern auf die Wunde auf. Meine Augen folgten seinen Fingern und betrachteten die Tattoos auf seiner Haut nachdenklich.

„Warum hilfst du mir? Warum interessiert es dich, ob meine Wunden sich entzünden“, fragte ich schließlich, als Maul ein weiteres Bactapad auf die Wunde klebte und seine Arbeit beendete.

„Ich brauche dich“, sagte er und ich sah ihn überrascht an.

„Wofür? Wobei könnte ich dir schon helfen?“ Maul lehnte sich ein Stück zurück und ich drehte mich auf dem Stuhl, sodass ich ihm komplett zugewandt saß. Den Fakt das ich dabei quasi halb nackt war und immer noch zwischen seinen Beinen saß, ignorierte ich lieber.

„Wir fliegen zusammen nach Amperon. Du wirst mir helfen diesen Pearson zu töten und sein Kartell unter meine Herrschaft zu bringen.“ Ungläubig sah ich ihn an.

„Was?! Das ist unmöglich. Pearson beschäftigt über 300 Schmuggler und Piraten. Natürlich sind nicht alle im Hauptquartier, aber es sind immer mindestens 100 Mann vor Ort, alle bis an die Zähne bewaffnet. Wie sollen wir die alleine ausschalten“, fragte ich und Maul verschränkte die Arme vor der Brust.

„Ich habe bereits gegen größere Mächte gekämpft als ein paar feige Schmuggler“, erwiderte Maul selbstsicher und ich hörte die Arroganz in seiner Stimme. Doch nach allem, was ich bis jetzt gesehen hatte, glaubte ich es ihm sogar. Er brauchte mich nur um Pearson zu finden. Was er danach mit mir machen würde, wenn ich nicht mehr von Nutzen war, wollte ich lieber nicht wissen.

„Bei allem nötigen Respekt, aber mit diesem Bein wirst du das wohl kaum schaffen“, sagte ich und deutete mit dem Kopf auf das Bein, dass ich mit meinem Dolch verletzt hatte. Mauls Augen verengten sich.

„Und wessen Schuld ist das“, knurrte er und der Blick aus seinen glühenden Augen ließ mich etwas zusammenschrumpfen.

„Ich habe mich nur verteidigt“, entgegnete ich stur, beschloss aber die Wogen zu glätten.

„Ich kann mir das gerne anschauen, wenn du mich lässt. Mit Technik kenne ich mich aus“, bot ich an, doch Maul schüttelte den Kopf.

„Das wird nicht nötig sein“, sagte er knapp und erhob sich. Ich stand ebenfalls auf und folgte ihm mit meinem Blick. Maul blieb stehen und drehte sich zu mir um. Dann glitt sein Blick über meinen Körper und ein Schauer durchfuhr mich. Welcher Art wusste ich nicht zu sagen.

„Du solltest die dreckige Kleidung ausziehen“, merkte Maul an und ich sah an mir herunter. Meine Stiefel und Hose waren tatsächlich von getrocknetem Schlamm überzogen, der vom Kampf im Sumpf an mir hängengeblieben war.

„Was schlägst du vor? Das ich hier nackt rumlaufe“, erwiderte ich stumpf und sah Maul mit hochgezogenen Augenbrauen an. Überraschung huschte über Mauls Gesicht, als hätte er das gar nicht bedacht.  Er fing sich jedoch schnell wieder und drehte sich um.

„Warte hier“, ordnete er an und verschwand dann aus der Küche. Wenig später erklangen Mauls schwere Schritte im Türrahmen und ich sah zu ihm auf. In den Armen hielt er ein Bündel dunkler Kleidung. Er kam auf mich zu und drückte es mir in die Hände.

„Nimm das, solange du deine eigene Kleidung nicht hast“, sagte er und drehte sich sofort wieder zum Gehen um. Überrascht sah ich auf die Kleider und erkannte, dass es seine Sachen waren. Wärme stieg in meine Wangen und ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte.

„Danke“, brachte ich heraus und sah Maul nach, der aus der Küche verschwand, ohne es zur Kenntnis zu nehmen. Doch er hatte es gehört, dessen war ich mir sicher.

Einen Moment stand ich nur so da und starrte auf die Kleidung in meinen Händen. Dann beschloss ich Mauls Anweisung nachzukommen und verließ die Küche, um ins Bad zu gehen. Dort angekommen legte ich die Kleidung auf dem Waschbecken ab und drehte mich etwas, um meinen Rücken im Spiegel zu betrachten. Maul hatte meine Haut vom Blut gereinigt und die Wunde sauber mit den Bactapads abgeklebt. Er hatte gute Arbeit geleistet, dass musste ich ihm lassen.

Vorsicht begann ich meine Stiefel auszuziehen. Die Bewegung zog schmerzhaft an meiner Wunde und ich atmete scharf ein. Sobald der Schmerz abebbte, fuhr ich fort. Wie in Zeitlupe zog ich meine Stiefel aus, legte meine Ausrüstung ab und zog meine Hose und Unterwäsche aus. Mein Blick fuhr zu der Dusche. Es wäre am einfachsten mich in der Dusche zu reinigen. Leider konnte ich nicht komplett duschen, da ich Mauls Arbeit nicht gleich wieder zunichtemachen wollte.

Ich betrat in die Dusche und schloss die Tür hinter mir. Über den Regler startete ich das Wasser an und stellte mich so hinein, dass es meinen Rücken nicht berührte. Ich seufzte bei dem Gefühl des Wassers auf meiner Haut und schloss die Augen. Für einen Moment genoss ich das Gefühl der Geborgenheit, das es mir schenkte, bevor ich damit begann meine Haut zu waschen. Ich ließ mir Zeit und versuchte mich so zu bewegen, dass die Wunde am Rücken geschont blieb.

Als ich das Wasser abstellte und die Duschtür öffnete, fiel mir auf, dass ich gar nicht nach einem Handtuch gesehen hatte. Mein Blick schweifte durch das kleine Badezimmer und ich sah ein einziges Handtuch, das sauber auf einem Hocker gefaltet war. Es war Mauls Handtuch, soviel war klar. Warum sollte er auch mehrere Handtücher haben, wenn er allein auf dem Schiff war? Ich zuckte mit den Schultern und griff nach dem Handtuch. Wenn ich schon seine Kleider trug, dann machte das jetzt auch nichts mehr. Schnell trocknete ich mich ab und hängte das Handtuch zum Trocknen über die Duschtür. Dann zog ich meine Unterwäsche wieder an und griff nach der Kleidung, die Maul mir gegeben hatte. Zuerst schlüpfte ich in die Hose, die aus einem weichen und leichten Stoff gefertigt war. Die Hose war zwar weit, reichte mir jedoch nur bis zur Mitte der Unterschenkel. Kurz war ich verwundert, bis mir einfiel, dass Mauls Hosen nur bis zu seinen Knien reichten. Sobald ich meine Stiefel wieder anzog, würde man es eh nicht mehr sehen. Als nächstes schnappte ich mir die langärmlige, schwarze Robe. Sie schmiegte sich angenehm an meinen Körper, auch wenn ich schon jetzt meine Armfreiheit vermisste. Ich gab mir Mühe die Robe so zu tragen, dass ich nicht so einen tiefen Ausschnitt hatte wie Maul. Der Gedanke amüsierte mich zwar kurz, doch ich wusste das das keine gute Idee war. Glücklicherweise lag ein Gürtel dabei, der mir half die Robe wie gewünscht zu schnüren.

Ich betrachtete mich im Spiegel und stellte fest, dass es entgegen meiner Erwartung gar nicht so schlecht aussah. Zwar bevorzugte ich meine Kleidung, doch es hätte deutlich schlimmer kommen können. Ich beschloss noch meine Hose und die Stiefel in der Dusche vom Schlamm und Dreck zu befreien und reinigte die Dusche danach wieder.

Mit meiner Ausrüstung auf dem Arm ging ich zur Tür und drückte auf den Türöffner. Mit einem leisen Zischen öffnete sich die Tür und ich blickte direkt auf Mauls tätowierte Brust. Überrascht sah ich den Zabrak an, der mit hinter dem Rücken verschränkten Händen auf mich herabsah. Es sah nicht aus, als wäre er gerade zufällig hier stehen geblieben. Wie lange hatte er schon so hier gestanden?

Mauls Blick fuhr über meinen Körper. Er sagte nichts, doch ich spürte seine Zufriedenheit darüber, dass ich das Angebot seiner Kleidung angenommen hatte. Bevor ich ihn fragen konnte, warum er hier stand, drehte Maul sich um und ging in Richtung Cockpit.

„Folge mir“, sagte er und ich setzte mich verwirrt in Bewegung. Dabei entging mir Mauls Humpeln und die Funken nicht, die immer noch aus seinem verletzten Knie schossen. Wir erreichten das Cockpit und Maul blieb vor dem Pilotensitz stehen.

„Ich habe den Kurs auf Amperon geändert. Wir brauchen noch zwei Tage bis dorthin“, erklärte Maul und ich nickte verstehend, auch wenn mir diese Aussicht nicht gefiel.

„Du wirst diesen Pearson kontaktieren und ihm sagen, dass du zu ihm kommst“, fügte Maul hinzu und ich sah ihn ungläubig an.

„Und was soll ich ihm sagen“, fragte ich skeptisch, doch Maul schien die Frage bereits erwartet zu haben.

„Sag ihm, dass du erfolgreich warst und ihm einen Beweis dafür bringst. Liefere ihm keine Details. Dein Auftrag war es mich zu töten, also wird er davon ausgehen das ich nicht mehr lebe. Das bringt uns einen Vorteil, wenn wir seinen Stützpunkt einnehmen“, erklärte Maul und dann verhärtete sich sein Blick.

„Und denke nicht mal daran mich zu verraten.“ Seine Stimme klang so bedrohlich, dass es mir einen Schauer über den Rücken jagte. Dennoch rollte ich nur mit den Augen und legte meine Ausrüstung auf dem Copilotensitz ab.

„Mach dir keine Sorgen. Pearson wäre der Letzte, mit dem ich mich verbünden würde. Ich will ihn genauso gerne tot sehen wie du“, versicherte ich Maul und er nickte grimmig. Dann zog er sich etwas zurück, um während des Holoanrufes unentdeckt zu bleiben.

Ich verband das Commlink an meiner Armschiene mit dem Holo des Cockpits und rief Pearson. Es dauerte einen Moment, doch dann tauchte das ledrige Gesicht von Trem Pearson auf dem Holoprojektor auf. Die Augen des Nikto weiteten sich überrascht, als er mich erkannte.

„Sieh einer an, Ren. Ich hätte nicht gedacht dein hübsches Gesicht wiederzusehen“, begrüßte mich Pearson und lehnte sich in seinem Stuhl zurück.

„Du siehst ganz schön mitgenommen aus“, bemerkte er und ich sah das dreckige Grinsen auf seinem Gesicht.

„Du hast mich auch auf ein Himmelfahrtskommando geschickt“, knurrte ich und Pearson lachte.

„Und doch lebst du noch. Sag bitte nicht du kommst angekrochen, damit ich das Kopfgeld auf dich aufhebe. Ich fürchte den Preis für eine solche Großzügigkeit möchtest du nicht bezahlen“, sagte Pearson und seine dunklen Augen blitzten boshaft. Meine Hände ballten sich zu Fäusten. Oh, wie würde ich es genießen ihn sterben zu sehen.

„Das wird nicht nötig sein“, erwiderte ich und musste mich bemühen meinen Hass im Zaum zu halten.

„Ich habe den Auftrag erfüllt.“ Das schien Pearson ehrlich zu überraschen.

„Tatsächlich? Ich muss sagen, dass mich das überrascht. Ich weiß zwar zu was du fähig bist, aber ich hätte nicht gedacht, dass du das durchziehen könntest“, sagte Pearson und sah mich nachdenklich an.

„Und wo ist der Beweis“, hakte er nach und ich schüttelte den Kopf.

„Den bekommst du in zwei Tagen. Ich komme nach Amperon und bringe dir den Beweis höchstpersönlich. Dann gibst du mir meine Kredits und wir sehen uns nie wieder“, sagte ich und Pearson grinste.

„Man könnte glauben du vertraust mir nicht“, sagte er in einem gespielt beleidigten Tonfall und ich verschränkte die Arme vor der Brust. Wenn ich ihm jetzt den Beweis zeigen würde, den es ja eh nicht gab, dann würde Pearson mich mit Sicherheit weder bezahlen noch das Kopfgeld aufheben. Er war eben ein dreckiger Lügner.

„Glaub was du willst. Hebe das Kopfgeld auf. Du willst wohl kaum, dass ich von Kopfgeldjägern gefunden werde, bevor du deinen wertvollen Beweis hast, oder“, fragte ich provokant und Pearson nickte.

„So sei es. Ich gebe dir die zwei Tage“, erwiderte er und beugte sich dann vor.

„Aber wenn du mich betrügst, dann wirst du es bereuen“, raunte er bedrohlich und beendete dann den Anruf. Als sein Bild verschwand, fluchte ich wütend.

„Dreckiger Bastard“, knurrte ich und spürte, wie Maul auf mich zukam. Ich sah zu ihm auf und zu meiner Erleichterung schien er zufrieden.

„Gut gemacht“, sagte er, doch ich konnte mich über sein Lob nicht freuen. Ich stand jetzt zwischen zwei Männern, denen mein Leben nur so lange etwas wert war, wie ich ihnen Nutzen brachte. Auch wenn Maul im Moment keine Bedrohung darstellte, wusste ich, dass sich das sehr schnell ändern konnte. Sobald Pearson tot war, musste ich so schnell wie möglich das Weite suchen.

Maul sah mich einen Moment nachdenklich an, als wollte er meine Gedanken lesen. Dann drehte er sich um und sah mich über seine Schulter hinweg an.

„Komm mit“, forderte er mich auf. Ich schnappte mir meine Sachen und folgte ihm. Maul führte mich in den Korridor, vorbei an der verschlossenen Tür, schräg gegenüber der Küche.

„Das ist mein Raum. Du wirst ihn nie und unter keinen Umständen betreten. Und du wirst mich nicht stören, wenn ich mich darin befinde“, erklärte Maul bestimmt und ich sah ihn überrascht an. Er blieb vor der zweiten verschlossenen Tür stehen und drehte sich zu mir um.

„Du kannst dich auf dem Schiff frei bewegen. In der Küche sind Rationen, an denen du dich bedienen darfst. Es gibt aber kein Herumgeschnüffel und alle Türen, die verschlossen sind, bleiben verschlossen. Verstanden“, hakte Maul nach und ich nickte überrascht.

„Verstanden“, bestätigte ich und Maul schien zufrieden. Dann drückte er mit der Hand auf den Türöffner und die Tür neben seiner glitt leise auf. Dahinter lag ein dunkler Raum mit einem schmalen Bett, einem Tisch mit zwei Stühlen und einer Truhe.

„Das ist dein Raum. Nutze ihn nach deinem Ermessen“, sagte Maul und ich sah ihn erstaunt an. Auf sein aufforderndes Nicken hin betrat ich den Raum und die Lichter aktivierten sich. Der Raum war nicht groß und nur spartanisch eingerichtete, doch es war mehr als ich mir hätte erhoffen können. Ich drehte mich zu Maul um, der mich beobachtete. Ich wusste nicht, warum er all dies tat, doch ich war ihm unglaublich dankbar dafür.

„Danke. Für alles“, sagte ich ehrlich und Mauls Augen weiteten sich kurz überrascht. Dann nickte er jedoch und wandte sich zum Gehen.

„Ich werde nun meditieren. Störe mich nicht dabei“, sagte er nun wieder kühl und verschwand dann in seinen Raum. Die Tür glitt wieder zu und nun stand ich allein in meinem neuen Zimmer. Ich versuchte zu verarbeiten, was alles seit meinem Aufwachen passiert war. Auch wenn Maul seit Beginn unserer unfreiwilligen Allianz sehr gütig gewesen war, wusste ich das unter der Oberfläche ein Monster lauerte. Und ich befürchtete, dass es meinen Tod bedeuten könnte. Doch erstmal musste ich mich dem stellen, was vor mir lag. Und das war mich an dem zu rächen, der mein Leben zerstört hatte. Trem Pearson.

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Notes:

Dieses Kapitel war zur Abwechslung etwas ruhiger. Aber keine Sorge, nächste Woche gibt es wieder etwas Action. Pearson hat keine Ahnung was auf ihn zukommt. ;)

Das nächste Kapitel gibt es nächste Woche Sonntag.

Ich würde mich riesig über Feedback jeder Art freuen, wenn euch die Geschichte gefällt. Ich bin dankbar für jeden Leser und für euren Support. ^-^