Auge um Auge
Auge um Auge
Der Flug nach Amperon verlief sehr ereignislos. Maul hatte die meiste Zeit in seinem Raum meditiert, auch wenn ich mich fragte, wie er das so lange durchhalten konnte. Wie vereinbart störte ich ihn nicht, sondern beschäftigte mich vor allem mit meiner Genesung. Ich schlief viel und erkundete in der Zeit, in der ich wach war, das Schiff. Im Laderaum entdeckte ich eine Leiter, die in die untere Ebene des Schiffes führte. Dort befanden sich ein weiterer Laderaum, der Maschinenraum und ein Raum mit einer abgeriegelten Tür. Ich war neugierig was dahinter lag, doch ich hielt mich an Mauls Anweisungen. Neben der Küche und dem Bad gab es noch einen Raum, den ich betreten durfte. Zu meiner Freude war es eine kleine Werkstatt. Diese nutzte ich, um meine verbliebene Ausrüstung wieder auf Vordermann zu bringen.
Maul kontrollierte nach einem Tag nochmal meine Wunde, die Dank der Bactapads gut zu heilen begann. Er selbst verschwand für eine Weile in der Werkstatt, um sich an seinem Bein zu schaffen zu machen. Dem Fluchen und den unterdrückten Schmerzlauten nach zu urteilen, klappte das aber nicht besonders gut. Er wusste mit Sicherheit nicht das ich es hörte und ich ließ es mir nicht anmerken. Es tat mir nun beinahe leid, dass ich ihm so viel Schaden zugefügt hatte. Doch da er meine Hilfe ablehnte, hielt sich mein schlechtes Gewissen in Grenzen.
Entgegen aller Logik begann ich mich auf dem Schiff und sogar in Mauls Gegenwart wohler zu fühlen. Etwas hatte mich auf dem Sumpfplaneten zu Maul hingezogen und dasselbe Gefühl hatte ich auch schon auf Jaresh verspürt. Ich konnte es nicht erklären, aber es fühlte sich irgendwie richtig an bei Maul zu sein. Er faszinierte mich auf eine seltsame Art und Weise und ich hatte so viele Fragen, die ich ihm gerne stellen würde. Doch ich wusste das der Frieden zerbrechlich war und ich all diese Gedanken aus meinem Kopf vertreiben musste. Ich konnte ihm nicht vertrauen und durfte nicht auf seine netten Gesten reinfallen.
Daher war ich froh, als sich unsere Reise dem Ende neigte. Als Amperon vor uns auftauchte, war ich unglaublich froh die Staubkugel zu sehen. Maul landete das Schiff in einem der Raumhäfen, während ich mein Schiff etwas außerhalb der Stadt landen ließ. In weiser Voraussicht für meine spätere Flucht.
Der Abend dämmerte bereits, als wir durch die bunten Straßen von Amperon liefen. Das Nachtleben war erwacht und die Gassen waren voll mit Betrunkenen und anderen, die in den Bars und Etablissements nach Vergnügungen suchten. Ich ging voran, dicht gefolgt von Maul. Er war in einen weiten schwarzen Poncho gehüllt und hatte dessen Kapuze tief in sein Gesicht gezogen. Unter dem Poncho waren seine Hände gefesselt, um den Eindruck eines Gefangenen zu verstärken. An meiner Hüfte baumelte schwer Mauls Lichtschwert, dass er mir für die Zeit unserer List anvertraut hatte. Ich trug wie immer meinen Blaster und einen neuen Dolch, den Maul mir gegeben hatte. Meine Vibrodolche versanken vermutlich irgendwo im Schlamm in diesem elenden Sumpf.
Wir bahnten uns einen Weg durch die Gassen direkt auf Pearsons Hauptquartier zu. Mit jedem Schritt wurde ich unruhiger. Das würde nie im Leben gut gehen. Es waren zu viele und obwohl Maul hinter mir lief, wusste ich das er immer noch hinkte. Für seine Sturheit sich nicht helfen zu lassen, würden wir wahrscheinlich beide mit dem Leben bezahlen.
„Ich habe ein ganz mieses Gefühl bei der Sache“, raunte ich und sah unruhig umher, ob jemand uns beobachtete.
„Es wird alles nach Plan laufen“, versicherte Maul mir mit leiser Stimme und ich wollte ihm so gerne glauben.
Doch ich spürte, dass uns ein harter Kampf bevorstand. Vielleicht sollte ich einfach das Weite suchen, wenn der Kampf begann? So hatte ich eine Chance zu fliehen. Aber konnte ich das wirklich tun?
„Halte dich an den Plan und bevor der Morgen anbricht, gehören die Desert Snakes mir“, sagte Maul eindringlich hinter mir, als könnte er meine Gedanken lesen.
„Wenn ich wegen dir draufgehe, dann bringe ich dich um.“
Ich konnte das Zucken von Mauls Mundwinkeln zwar nicht sehen, doch ich spürte das ihn meine Drohung amüsierte.
Vor uns tauchte unser Ziel am Ende der Straße auf. Es war ein großes Gebäude mit mehreren Stockwerken. Im untersten Stockwerk tummelten sich die Schmuggler und Piraten. Dort tranken sie und prahlten mit ihren Eroberungen, während sie ihr erbeutetes Geld ausgaben. Im zweiten Stockwerk lagerte Pearson die wertvollen Güter, die er nicht in seinen anderen Lagerhäusern unterbringen wollte. Im dritten Stockwerk waren private Räumlichkeiten und Pearson hatte sein Büro im obersten Stockwerk. Das bedeutete, wir mussten uns durch das gesamte Gebäude kämpfen, wenn wir es wieder verlassen wollten.
Wir traten an die Eingangstür heran, an der ein Weequay und ein Nikto Wache hielten. Sie sahen erst mich und dann Maul misstrauisch an.
„Der Boss erwartet dich. Aber von einer Begleitung hat er nichts erzählt“, sagte der Weequay und beäugte Maul neugierig.
Ich griff Maul am Arm und riss diesen nach vorne, um den beiden Wachen die Handschellen zu zeigen. Die Welle von Wut, die bei der Aktion von Maul ausging, entging mir dabei nicht. Aber es musste schließlich überzeugend wirken.
„Er ist ein Geschenk für Pearson. Und jetzt lasst mich durch“, forderte ich und die beiden Wachen traten murrend zur Seite.
Als wir eintraten, erwarteten uns zwei weitere Wachen, die uns deuteten ihnen zu folgen. Wir gingen durch die große Halle, die voll mit Desert Snakes war. Ich hoffte das Maul so gut war wie er behauptete, sonst waren wir geliefert.
Gemeinsam mit den Wachen betraten wir den Fahrstuhl und fuhren in das oberste Stockwerk. Dort angekommen geleiteten uns die Wachen zu der großen Tür, hinter der sich Pearsons Büro verbarg. Der Twi´lek öffnete die Tür und kündigte uns an.
„Die Kopfgeldjägerin, Boss“, sagte er und ich atmete noch einmal tief durch.
Dann betrat ich den Raum, gefolgt von Maul und die Tür schloss sich wieder hinter uns. Jetzt waren es nur noch Pearson, seine drei Wachen und wir. Es gab keinen Weg zurück.
„Ren, du bist tatsächlich gekommen“, sagte Pearson grinsend und verschränkte die Finger vor sich. Dann fielen seine dunklen Augen auf Maul und seine Stirn legte sich in Falten.
„Was soll das? Wer ist das“, fragte er unruhig und Maul schritt an mir vorbei.
Mit einem Ruck brach er die Handschellen auf und zog die Kapuze von seinem Kopf. Als Pearson Maul erkannte, weiteten sich seine Augen und ich spürte seine Angst.
„Was zum …. Du solltest tot sein“, rief Pearson erschrocken aus und sprang so schnell von seinem Stuhl auf, dass dieser hintenüberfiel.
„Sei versichert ich bin mehr als lebendig. Mächtige Feinde haben versucht mich zu töten und sie alle haben versagt. Wer bist du, dass du denkst das zu schaffen, was allen anderen misslungen ist?“
Mauls Stimme war gefährlich ruhig und ich spürte die Wut, die in ihm brannte. Pearson wich erschrocken zurück und stieß eine seiner Wachen vor sich.
„Bringt sie beide um“, rief er voller Angst, doch noch bevor die Wachen einen Schuss abfeuern konnten, hatte Maul sein Lichtschwert von meiner Hüfte in seine Hand gerufen und es aktiviert.
Als die Blasterschüsse fielen, parierte er sie mit einer unglaublichen Leichtigkeit und streckte die Wachen mit ihren eigenen Schüssen nieder. Pearson wich ängstlich zurück und stolperte über eine seiner toten Wachen. Noch bevor er zu Boden gehen konnte, streckte Maul seinen Arm aus und Pearson erhob sich in die Luft. Ein verzweifeltes Krächzen verließ seine Kehle, während seine Finger hilflos nach der unsichtbaren Hand um seinen Hals krallten. Ich selbst hatte das durch Maul schon erlebt, doch es zu sehen machte es noch beängstigender.
„Du bist ein Nichts für mich, Pearson. Alles, was du hast, wird mir gehören und deine Knochen werden auf diesem staubigen Planeten verrotten“, knurrte Maul so finster, dass selbst ich zusammenzuckte.
Die dunkle Präsenz, die stets von ihm ausging, schien sich auszuweiten und den ganzen Raum einzunehmen. Unsicher machte ich einen Schritt zurück.
„Und jetzt stirbst du.“
Maul zog den strampelnden Nikto mit der Macht zu sich heran und spießte ihn mit seinem Lichtschwert auf. Ein erstickter Schrei verließ Pearsons Kehle, bevor er leblos zu Boden sackte. Maul stand einen Moment nur da und blickte auf den Leichnam hinab. Dann erklang auf einmal ein Piepsen von einer der totgeglaubten Wachen.
„Eindringlinge“, brachte er noch hervor, bevor ich einen Blasterschuss zwischen seinen Augen platzierte. Doch es war zu spät. Ein Alarm schrillte los und ich wusste, dass es hier in wenigen Sekunden von Desert Snakes nur so wimmeln würde.
„Verdammt und was jetzt“, rief ich verärgert und endlich drehte Maul sich um.
Seine Augen glühten noch stärker als sonst und ich spürte die Wut, die weiter ungemildert von ihm ausging.
„Bleib hinter mir“, sagte er und öffnete die Tür. Wir wurden bereits erwartet.
Blasterschüsse durchschnitten die Luft des Korridors und drohten uns zu treffen. Doch Maul hatte andere Pläne. Er aktivierte die zweite Seite seines Lichtschwertes und bewegte die Klingen so schnell, dass ich ihnen kaum mit den Augen folgen konnte. Mit einem animalischen Brüllen rannte Maul auf die Desert Snakes los und ihre Angst schlug mir wie eine Welle entgegen. Der Zabrak schnitt sich durch die steigende Flut von Angreifern, als wären sie nicht die kleinste Herausforderung für ihn. Dabei bewegte er sich so schnell und beweglich, wie ich es einem Mann mit kybernetischen Beinen niemals zugetraut hätte. Maul stieß sich von den Wänden ab, überschlug sich in der Luft und griff die Desert Snakes nun von hinten an.
Obwohl ich wusste das Maul gut allein zurechtkam, mischte auch ich mich jetzt in das Getümmel. Ich rannte auf die Angreifer zu und wich geschickt ihren Schüssen aus. Mauls Beispiel folgend sprang ich mit Anlauf gegen die Wand und stieß mich kräftig von ihr ab. Mit einem Hechtsprung segelte ich über die Angreifer, rollte mich auf dem Boden ab und kam hinter Maul wieder auf die Beine. Während Maul sich mit den Angreifern aus dem Korridor beschäftigte und mir ihre Schüsse vom Leib hielt, kümmerte ich mich um die kleinen Angriffswellen, die immer wieder aus dem Aufzug kamen. Während des Kampfes spürte ich Mauls Augen auf mir, als würde er beobachten, wie ich mich schlage. Davon ließ ich mich nicht allerdings aus der Ruhe bringen, sondern folgte stattdessen meinen Instinkten, um Angriffen auszuweichen und meine Gegner niederzustrecken. Maul und ich bearbeiteten die Angreifer von beiden Seiten und schafften es sie in kürzester Zeit alle niederzustrecken.
Ich zog den Dolch aus der Brust eines Duros und ließ seinen sterbenden Körper zu Boden fallen. Mein Blick fuhr zu Maul, der über den Leichen seiner Opfer stand. Beide Seiten seines Lichtschwertes waren aktiviert und erleuchteten den Zabrak in ihrem roten Schein. Es war ein beeindruckendes Bild, soviel war sicher.
„Wollen wir jetzt Welle um Welle bekämpfen“, fragte ich und wischte meinen Dolch an einem der Toten ab.
„Nein, das bringt nichts. Wenn ich das Kartell übernehmen will, dann brauche ich auch die Schmuggler. Wenn sie alle tot sind, wäre das sinnlos“, erklärte Maul und wandte sich dem Fahrstuhl zu.
Er streckte seine Hand aus und ballte sie zur Faust. Die Türen des Fahrstuhls begannen sich quietschend zu verformen und mit einem Ruck riss Maul die Türen heraus. Er schleuderte sie über meinem Kopf durch den Korridor, wo sie mit einem lauten Krachen zum Liegen kamen. Dann schnitt er das Kabel des Fahrstuhls durch, der gerade im Begriff war zu uns hochzufahren. Die Kabine sauste den Schacht hinunter und landete mit einem lauten Knall wieder am Grund des Schachts.
„Was sollte das jetzt“, fragte ich verwirrt und trat neben Maul an den offenen Schacht. Sein glühender Blick fuhr zu mir.
„Wir lassen sie nicht mehr zu uns kommen. Wir gehen zu ihnen“, erklärte er und ich verschränkte die Arme vor der Brust.
„Und wie soll das gehen, du Genie? Du hast den Fahrstuhl zerstört.“ Maul grinste teuflisch.
„Wir springen“, sagte er und bevor ich fragen konnte, was das heißen soll, hatte Maul mich schon gepackt.
Er riss mich mit sich in den Schacht und ich stieß einen erschrockenen Schrei aus. Maul rammte sein Lichtschwert in die Wand des Schachtes und hielt mich fest, während er unseren Fall verlangsamte. Unsanft landeten unsere Füße auf dem Dach der abgestürzten Fahrstuhlkabine und ich stieß den Zabrak wütend von mir.
„Sowas machst du nie wieder“, schrie ich, doch Maul beachtete mich gar nicht.
Er rammte sein Lichtschwert in den Boden und schnitt einen Kreis hinein. Die Decke des Fahrstuhls fiel klappernd in die Kabine hinein und Maul sprang durch das Loch hindurch. Einen Moment zögerte ich, doch dann folgte ich ihm. Als ich in der abgestürzten Kabine landete, hatte Maul die Insassen bereits getötet und die Tür aufgesprengt.
Wir waren wieder im Erdgeschoss des Gebäudes angekommen und sahen uns nun gut 100 Desert Snakes gegenüber, die allesamt ihre Waffen auf uns gerichtet hatten. Es lag so viel Wut, Angst und Verwirrung in der Luft, dass er mir fast den Atem raubte. Mein Kopf pochte von der Sinnesüberflutung und ich versuchte mit aller Macht, mich nicht von den Gefühlen der Piraten beeinflussen zu lassen. Ich atmete tief durch und konzentrierte mich auf den Zabrak, der vor mir stand. Einatmen, ausatmen. Fokus.
Maul hatte sein Lichtschwert bedrohlich erhoben und starrte den Haufen Piraten feindselig an.
„Genug des Blutvergießens! Euer Anführer ist tot, gestorben durch meine Klinge. Mein Name ist Maul, Anführer des Schattenkollektivs. Kapituliert und schließt euch mir an. Niemand wird mehr sterben und ihr alle könnt von dem Schutz des Schattenkollektivs profitieren“, verkündete Maul mit kraftvoller Stimme und ich spürte die Unsicherheit, die von allen Piraten im Raum ausging.
Sie warfen sich fragende Blicke zu und senkten zögerlich ihre Blaster. Wie alle Piraten waren sie Feiglinge und nur an ihrem eigenen Leben und ihrem Gewinn interessiert. Sie hatten keine Ehre und würden niemanden verteidigen, der bereits tot war. Nach einer gefühlten Ewigkeit der Spannung, legte die Piraten nach und nach ihre Blaster nieder. Sie senkten unterwürfig die Köpfe und erkannten Maul als ihren neuen Anführer an. Ich spürte Mauls Zufriedenheit als ich an seine Seite trat und meinen Blaster wegsteckte. Erleichterung durchströmte mich, da es jetzt endlich geschafft war. Doch meine Erleichterung währte nur kurz.
„Ihr Feiglinge“, dröhnte eine schnarrende Stimme und die Menge teilte sich vor dem Trandoshaner, der gesprochen hatte. Ich erkannte die hässliche Fratze sofort. Basko!
„Ich werde mein Knie nicht vor dir beugen. Pearson war schwach genug sich töten zu lassen, aber ich werde es nicht sein“, spie Basko und sah Maul herausfordernd an.
„Du willst einen Zweikampf“, fragte Maul unbeeindruckt und Basko nickte grinsend.
„Ja. Aber nicht gegen dich, sondern gegen sie“, sagte Basko und deutete mit seinen Klauenfingern auf mich. Mauls Blick fuhr zu mir herum und er sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen an.
„Nimmst du an“, fragte er, sodass es jeder hören konnte.
Meine Hände ballten sich zu Fäusten, als ich Basko finster anstarrte. War das ein Test? Wollte Maul sehen, ob ich mich gegen jemanden wie Basko behaupten konnte? Wollte er testen, ob ich mich bei der ersten Gelegenheit gegen ihn wenden würde?
Was hatte ich für eine Wahl? Um meinen Deal mit Maul zu erfüllen, musste ich ihm helfen die Desert Snakes unter seine Herrschaft zu bringen. Doch wenn Maul das Gesuch eines Herausforderers ablehnte, würden die Piraten ihn nicht als Anführer anerkennen und dafür Basko folgen. Dann würden sie uns angreifen und unsere Chancen gegen 100 Piraten zu bestehen, standen meines Erachtens nicht besonders gut. Außerdem hatte ich eh noch eine Rechnung mit Basko offen. Daher nickte ich und trat vor.
„Ich nehme an“, sagte ich laut und ein Raunen ging durch die Piraten. Basko lachte zufrieden.
„Das wird dein Ende sein, Kleine“, schnarrte er und rollte seine Schultern, bereit zum Kampf.
Ich legte meinen Holster mit dem Blaster ab und schritt an Maul vorbei in den Kreis, der sich um uns gebildet hatte. Ich zog meinen Dolch und nahm eine Kampfhaltung ein.
„Ich habe dich schon einmal besiegt und das werde ich wieder tun“, knurrte ich und griff Basko ohne zu zögern an.
Mit dem Dolch hieb ich nach Basko, der meinen Angriffen jedoch erstaunlich geschickt auswich. Er hatte aus unserer letzten Begegnung gelernt. Angestachelt von seiner Wut ging er zum Gegenangriff über und ich duckte mich unter seinen langen Armen weg. Durch einen mutigen Vorstoß gelang es mir, Basko einen tiefen Schnitt an der Seite zuzufügen, was die große Echse wild aufschreien ließ. Die Menge um uns herum johlte und feuerte uns beide an, doch ich beachtete sie nicht. Eine Sekunde Unaufmerksamkeit und es könnte mich mein Leben kosten.
Basko ging mit neuer Entschlossenheit auf mich los und ich hatte Mühe seinen wilden Schlägen auszuweichen. Ich versetzte ihm einen Tritt gegen das Bein und zielte mit dem Dolch auf seinen Hals. Basko fing meinen Arm jedoch ab und packte ihn mit seinen Klauen. Ehe ich es mich versah, schleuderte er mich durch die Luft und ich schlug hart auf dem Durabetonboden auf. Ich stöhnte auf, als die Wunde auf meinem Rücken protestierte. Ich spürte die Wärme meines Blutes auf der Haut uns wusste, dass die Wunde wieder aufgerissen war. Der Schmerz blendete mich kurz, doch ich zwang mich zur Konzentration. Rechts von mir brüllte Basko triumphierend und schlug sich mit den Fäusten gegen die Brust. So schnell bekam er mich nicht klein!
Als Basko mir seinen Rücken zudrehte, schnellte ich auf die Beine und rannte auf die Echse zu. Von hinten sprang ich ihn an und schlang meine Arme in einem Schwitzkasten um seinen Hals. Der Trandoshaner brüllte wütend und griff nach mir, doch dieses Mal ließ ich nicht locker. Basko bemerkte, dass er mich so nicht loswerden würde und ließ sich stattdessen auf den Rücken fallen. Meine Körper schrie vor Schmerz, als der massige Trandoshaner auf mir landete und mein Kopf auf den Boden knallte. Einen Moment war ich benommen vom Schmerz und diesen Moment nutze Basko aus, um auf mich zu klettern.
„Dieses Mal kannst du dich nicht retten“, knurrte er und legte eine seiner massigen Klauen an meinen Kopf, um ihn zur Seite zu drücken.
Die andere hielt meine Schulter an den Boden gedrückt, während er den Rest meines Körpers mit seinem Gewicht fixierte. Basko leckte sich über die scharfen Zähne und öffnete sein Maul, um mir den Hals aufzureißen. Ich schrie verzweifelt auf und drückte meine Arme gegen seine Brust, um seine Zähne von meinem Hals fernzuhalten. Meine geweiteten Augen fanden Maul, der mich mit unleserlichem Blick ansah. Seine Augen blitzten kurz nach unten und ich folgte ihrem Weg, bis ich meinen Dolch auf dem Boden liegen sah. Er war etwas außer Reichweite und ich musste Basko loslassen, um danach greifen zu können. Ich sah wieder zu Maul und sah die Aufforderung in seinem Blick.
`Bring es zu Ende´, hörte ich plötzlich eine Stimme in meinem Kopf und ich könnte schwören das es seine war. Mir bleib jedoch keine Zeit darüber nachzudenken.
Meine zitternden Arme ließen Basko los und der Trandoshaner schnellte nach unten. Ich schaffte es mich gerade so weit zur Seite zu lehnen, dass seine Schnauze auf den Boden traf und nicht auf mein Fleisch. Seine Ablenkung nutzend befreite ich mich von seinen Klauen und griff nach dem Dolch. Ich wusste nicht, wie ich es schaffte, doch meine Hand schloss sich um den Griff des Dolches und ich drehte mich blitzschnell zu Basko herum. Der Trandoshaner packte meinen Hals und grub seine Klauen hinein, doch ich ließ mich nicht mehr aufhalten. Mit aller Kraft, die ich aufbringen konnte, rammte ich den Dolch in seinen Hals. Basko schrie gepeinigt auf und ließ von mir ab, um seine Klauen an seinen eigenen Hals zu pressen. Doch es hatte keinen Sinn. Mein Stich war präzise gewesen und hatte seine Halsschlagader getroffen. Blut sprudelte aus der Wunde und die Echse brach reglos halb auf mir zusammen.
Die Menge wurde für einen Moment lang ganz leise. Dann hörte ich schwere Schritte und jemand stieß den toten Trandoshaner kraftvoll von mir. Ich sah nach oben und erblickte Maul, der über mir stand und mir seine Hand entgegenstreckte. Ohne zu zögern ergriff ich sie und ließ mich von ihm auf die Füße ziehen. Maul sah mich einen Augenblick an und ich spürte seine Zufriedenheit deutlich. Dann drehte er sich um und sah die Piraten um uns herum siegessicher an.
„Euer Herausforderer wurde besiegt. Wagt es noch jemand sich gegen mich stellen?“
Keiner wagte es mehr Widerstand zu leisten. Einer nach dem anderen beugten sie das Knie und schworen Maul die Treue. Wir hatten es geschafft!
Maul sah mich aus seinen gelben Augen zufrieden an.
„Du hast gut gekämpft“, lobte er und ich erlaubte mir ein Lächeln. Seine Augen fuhren zu meinem Hals, an dem Basko blutige Spuren hinterlassen hatte.
„Du blutest“, stellte Maul fest, doch ich winkte nur kopfschüttelnd ab, froh das er das Blut auf meinem Rücken durch die Robe nicht sah.
„Nicht der Rede wert. Was hast du jetzt vor“, fragte ich und rieb mir über den wunden Hals.
„Ich werde Ordnung in diesen Haufen bringen. Es wird nicht lange dauern. Und danach werden wir aufbrechen. Du kannst schon zum Schiff zurückkehren, wenn du willst“, bot Maul an und ich sah ihn überrascht an.
Er ließ mich alleine gehen? Das war meine Chance diesem ganzen Wahnsinn endlich zu entfliehen!
„Dann werde ich das tun“, entgegnete ich und wandte mich zum Gehen.
Ich verließ das Hauptquartier der Desert Snakes und machte mich auf den Weg zum Schiff. Jedoch nicht zu dem von Maul. Meine Schritte führten mich aus der Stadt heraus, wo ich mein Schiff hatte landen lassen. Immer wieder sah ich mich um, da ich das Gefühl hatte Mauls Augen auf mir zu spüren. Doch er war nicht da. Beinahe überkamen mich Schuldgefühle dafür, dass ich einfach so verschwand. Doch ich verfluchte mich gleich wieder dafür. Warum sollte ich ein schlechtes Gewissen haben? Ich hatte versucht Maul zu töten und er dafür mich. Ich hatte ihm gegen den Inquisitor geholfen und ihm geholfen die Desert Snakes für sich einzunehmen. Ich schuldete ihm gar nichts!
Nach etwa einer Stunde erreichte ich mein Schiff und sprang die Laderampe hinauf. Als sie sich hinter mir schloss, atmete ich endlich auf. Gleich würde ich von all dem hier entfliehen. Ich war mir sicher, dass Maul mir dieses Mal nicht folgen würde. Es gab nichts mehr, dass er von mir brauchte und nach meiner Hilfe würde er wohl kaum wieder nach mir suchen, um mich umzubringen.
Ich ließ mich in meinen Pilotensitz fallen und machte das Schiff startklar. Es war in einem schlechten Zustand nach den Wochen im Sumpf, aber ich wollte nicht länger auf Amperon bleiben, um es Instandsetzen lassen. Dafür würde ich einen anderen abgelegenen Ort finden. Das Schiff war startklar und ich hob meine Hand, um die Triebwerke zu starten. Doch meine Hand zögerte den Knopf zu drücken. Warum zögerte ich nur, verdammt?!
Meine Gedanken flogen zu Maul. Er hatte mir keinen Grund gegeben ihm zu vertrauen. Er hatte nur getan was notwendig war, um mich für seine Zwecke einzusetzen. Nichts gab mir Anlass zu glauben, dass mein Leben ihm irgendwas wert war. Und doch zog mich etwas in mir zu ihm. Als wäre es meine Bestimmung an seiner Seite zu sein. Es klang albern und ich konnte es nicht erklären, doch es fühlte sich nicht richtig an zu gehen. Gerne würde ich mir einreden, dass es nur an meiner Angst vor dem Imperium und dem Schutz lag, den Maul mir gewähren konnte. Doch ich wusste das das nicht der Grund war.
Mein halbes Leben lang hatte ich so gut wie niemandem vertraut. Nicht nach dem, was auf Glee Anselm passiert war. Jeder dem man in dieser rauen Galaxis begegnete, war auf irgendetwas aus. Sobald man auch nur die kleinste Schwäche offenbarte, wurde sie gnadenlos ausgenutzt. Das hatte mich dazu gebracht mich von allem abzuschotten. Es machte mich einsam, aber hielt mich am Leben. Ich wollte unbedingt wieder jemandem vertrauen, doch warum schien dieser jemand ausgerechnet Maul zu sein?! Es gab kaum eine schlechtere Wahl dafür. Leider war ich gut darin schlechte Entscheidungen zu treffen.
Fluchend hieb ich mit der Faust auf die Steuerkonsole meines Schiffes. Es wäre unglaublich dumm zu dem Zabrak zurückzukehren, der Ärger förmlich anzuziehen schien. Und doch war da etwas an ihm, dass mich faszinierte. Vielleicht war es seine dunkle Aura oder die Gefahr, die er ausstrahlte. Es war ein Fehler, doch mein Herz hatte entschieden ihn zu machen, bevor mein Kopf es sich anders überlegen konnte.
Ich deaktivierte mein Schiff und begann meine wichtigsten Sachen zusammenzusuchen. In meinem Rucksack verstaute ich Kleidung und Ausrüstung und in meine Umhängetasche packte ich mein Werkzeug, einige technische Komponenten und mein Datapad. Ich schnappte mir noch meine zwei Vibrodolche, die ich immer als Reserve auf dem Schiff lagerte und steckte sie wieder an ihren Platz an meinem Gürtel. Nachdem ich mir beide Taschen umgeschnallt hatte, schulterte ich noch meine Sniper. Wenn ich auf Mauls Schiff bleiben würde, dann wollte ich zumindest meine Sachen dabeihaben.
Sobald ich mein Schiff verlassen hatte, machte ich mich auf den Weg zurück in die Stadt und zu dem Raumhafen, in dem Maul das Schiff abgestellt hatte. Ich brauchte lange für den Weg, da ich meine Entscheidung ein gutes dutzend Mal in Zweifel zog und dann doch wieder meinen Weg fortsetzte.
Es waren drei Stunden vergangen, seit ich Maul verlassen hatte. Ob er schon wieder auf dem Schiff war? Mir kam der Gedanke, dass er meine Abwesenheit akzeptiert und seinen weg alleine fortgesetzt haben könnte. Doch als ich in den Raumhafen eintrat, entdeckte ich sein Schiff. Die Laderampe war offen und unbewacht. In einer Stadt voller Gauner nicht die schlauste Idee. Doch wovor sollte sich jemand wie Maul schon fürchten?
Ich atmete noch einmal tief durch und schritt dann die Laderampe hinauf. Meine Augen fanden sofort den Zabrak, der unruhig im Laderaum auf und ablief. Als er meine Präsenz bemerkte, hielt er sofort inne und sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen überrascht an.
„Ich dachte du wärst abgehauen“, stellte Maul kühl fest und ich zuckte mit den Schultern.
„Ich bin aber hier, wie du siehst. Ich dachte mir nur ich könnte ein paar Sachen von meinem Schiff holen, wenn ich schon hierbleibe“, erklärte ich und verschwieg den Teil, in dem ich tatsächlich hatte fliehen wollen.
Maul musterte mich einen Moment nachdenklich, als wüsste er genau, was ich vorgehabt hatte. Dann nickte er jedoch zufrieden und verschränkte die Hände hinter dem Rücken.
„Sehr gut. Wir werden in Kürze starten. Bringe deine Sachen weg und triff mich im Cockpit“, sagte er und verschwand dann in Richtung des Cockpits.
Ein Lächeln schlich sich gegen meinen Willen auf meine Lippen und ich folgte Maul in das Schiff hinein. Meine Taschen und meine Sniper legte ich in meinem Raum ab, bevor ich zu Maul in das Cockpit trat. Er saß bereits im Pilotensitz und bereitete das Schiff zum Abflug vor. Ich ließ mich neben ihm im Copilotensitz nieder und sah Maul zu. Schließlich startete er das Schiff und wir verließen Amperon. Ich verspürte fast ein wenig Wehmut, da ich die alte Staubkugel vermutlich für lange Zeit nicht sehen würde. Es gab dort zwar nichts das mich hielt, doch über die Jahre war es mir zu einer vertrauten Zuflucht geworden. Das brachte mich auf eine Frage.
„Wo fliegen wir hin“, fragte ich und Maul warf mir einen kurzen Blick zu, während er das Schiff aus der Atmosphäre steuerte.
„Das muss ich noch entscheiden“, antwortete er kryptisch und ich verschränkte die Arme vor der Brust.
„Kehren wir nicht zu deinen Mandalorianern zurück“, hakte ich neugierig nach, doch Maul schüttelte den Kopf.
„Noch nicht. Ich will vorher noch etwas überprüfen“, sagte er und ich rollte mit den Augen.
„Und was?“ Nun sah Maul mich an, einen genervten Ausdruck auf dem Gesicht.
„Stellst du immer so viele Fragen“, fragte er mürrisch und ich grinste.
So kaputt mein Leben auch war, hatte ich immer versucht mir meine Neugierde und einen Teil der uns Nautolanern so häufig zurecht nachgesagten Fröhlichkeit zu bewahren. Daher konnte ich mir meine Antwort nicht verkneifen.
„Kann schon sein. Gibst du immer so kryptische Antworten“, entgegnete ich und sah den Hauch eines Lächelns über Mauls Gesicht huschen.
Er steuerte das Schiff in den Hyperraum und schaltete den Autopiloten ein. Dann wandte er sich mir in seinem Sitz zu.
„Ich spüre das eine Frage dich besonders beschäftigt“, stellte er fest und ich sah ihn überrascht an. Ich hatte so viele Fragen, aber es stimmte, was er sagte.
„War das auf Amperon ein Test? Wollest du sehen, wie ich kämpfen kann und ob ich mich gegen dich wende, sobald sich die Möglichkeit bietet?“
Maul schien die Frage erwartet zu haben, dennoch nahm er sich einen Moment Zeit zum Antworten.
„Du hast nicht ganz Unrecht mit deiner Annahme. Ich wollte sehen zu was du fähig bist und ob du im Vergleich zu anderen Söldnern Loyalität besitzt. Du hast in beiden Punkten überzeugt. Ich weiß das du an mir und meinen Absichten zweifelst, aber ich versichere dir, dass ich dir deine Treue entlohnen werde. Ich biete dir Schutz vor dem Imperium und die Möglichkeit, über dich selbst hinauszuwachsen. Wenn du dich mir und meinem Schattenkollektiv anschließt, steht dir eine große Zukunft bevor.“
Ich musste zugeben das Maul gut mit Worten umgehen konnte. Mein Schicksal hatte mich auf irgendeine verdrehte Weise zu ihm geführt und ich wusste, dass ich bei ihm richtig war. Nur der Grund blieb mir noch verborgen.
„Ich werde mich dir anschließen“, sagte ich und spürte Mauls Zufriedenheit bei meinen Worten.
„Allerdings habe ich ein paar Bedingungen, wie du dir sicher vorstellen kannst.“
Mauls Augenbrauen zogen sich zusammen, doch er deutete mir fortzufahren.
„Ich folge dir und deinen Befehlen und erkenne dich als Anführer an. Aber ich werde nicht vor dir kriechen wie diese Schmuggler. Ich schlage eine Partnerschaft vor, wobei ich dich vor deinen Leuten nicht in Frage stellen werde“, sagte ich und versuchte meine Worte vorsichtig zu wählen. Maul ließ sich nicht anmerken, was er dachte.
„Fahre fort“, forderte er mich ruhig auf und ich schluckte schwer. Es war riskant zu viel zu verlangen, doch wenn nicht jetzt wann dann?
„Außerdem habe ich, wie du bereits festgestellt hast, viele Fragen und ich möchte die Antworten dazu haben.“ Maul überlegte kurz, doch dann nickte er schließlich.
„Deine Bedingungen sind annehmbar. Du hast mir deinen Wert heute bewiesen und ich bin bereit dir dafür Vertrauen entgegenzubringen. Deine Fragen werde ich nach meinem Ermessen und Möglichkeiten beantworten“, versicherte er mir und eine Welle der Erleichterung durchfuhr mich.
Ich war nicht in der Position Forderungen zu stellen. Deshalb freute es mich umso mehr, das Maul sich einsichtig zeigte.
„Sind wir uns einig“, fragte Maul und streckte mir seine Hand entgegen.
„Eine Bedingung hätte ich noch“, sagte ich und Maul warf mir einen genervten Blick zu.
„Was denn noch“, fragte er ungeduldig und ich grinste.
„Du lässt mich endlich dein Bein reparieren.“ Maul sah mich einen Moment nur an, doch dann nickte er schließlich.
„Einverstanden“, erwiderte er und ich griff grinsend nach seiner Hand.
„Dann haben wir einen Deal.“
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Notes:
Hallo ihr. Ich hoffe euch hat das Kapitel gefallen. :)
Ich hoffe auch das jemand da draußen ist und Spaß daran hat meine Geschichte zu lesen.
Da ich leider bisher noch keinerlei Rückmeldung bekommen habe, weiß ich nicht ob die Geschichte ankommt oder nicht.
Ich will auch nicht nach Antworten fischen oder so, aber ich möchte wissen ob es sich lohnt die Geschichte weiter hier hochzuladen.
Es würde mir wirklich sehr viel bedeuten, wenn ihr ein Favo oder einen Kommentar für mich da lasst.
Keine Scheu, ich beiße auch nicht. :D
Liebe Grüße an euch alle!
Stormfire