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Kontrolle

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Kontrolle

Die Sonne war gerade erst aufgegangen und der Tau glitzerte auf dem weichen Moos des Waldbodens. Die Luft war klirrend kalt und kleine Raureifwölkchen tanzten um Maul, als er sprach.

„Du musst Kontrolle lernen. Kontrolle über deinen Geist und über deinen Körper.“

Der Zabrak umkreiste mich langsam, den langen Holzstab fest in der Hand. Der Griff um meine beiden kürzeren Trainingsstäbe festigte sich, während ich Maul mit meinen Augen folgte.

„Ich wollte dir die Macht mit Hilfe der Meditation beibringen. Ich wollte dich so trainieren, wie es die Tradition verlangt. Doch ich erkenne jetzt, dass es der falsche Weg war. Uns bleibt zu wenig Zeit für dein Training. Das Imperium sucht nach uns und ich muss mein Syndikat wieder aufbauen. Also werde ich dein Training anpassen. Du lernst am besten in der Praxis, also werden wir dein Kampftraining beginnen. Zeig mir deine Kampfhaltung.“

Ich betrachtete die beiden Stäbe in meinen Händen und analysierte, wie ich sie am besten einsetzen könnte. Sie waren länger als meine Dolche, mit denen ich sonst kämpfte. Es war ungewohnt, doch dafür hatten sie auch mehr Reichweite. Ich änderte den Griff um die Stäbe, sodass ich sie nun im Rückhandgriff hielt. Entschlossen nahm ich meine Kampfhaltung ein und Maul umrundete mich prüfend.

„Sehr gut. Damit können wir arbeiten. Jetzt greif mich an.“

Unsicher sah ich Maul an, der keine Anstalten machte sich auf einen Angriff vorzubereiten. Sein Blick ließ jedoch keinen Zweifel an seiner Aufforderung.

Ich schnellte nach vorne und hieb mit einem der Stäbe nach ihm. Maul machte seelenruhig einen Schritt zur Seite und wich meinem Angriff aus, ohne seinen Stab auch nur zu heben. Ohne mich beirren zu lassen, hieb ich weiter auf ihn ein. Ich versuchte ihn zu überraschen, Schwachstellen zu finden, doch Maul wich jedem meiner Angriffe mit einem beinahe gelangweilten Blick aus. Bei einem gewagten Vorstoß nach vorne stellte Maul mir ein Bein und ich fiel mit einem überraschten Aufschrei zu Boden. Es gelang mir mich abzurollen und ich kam hinter Maul wieder auf die Beine. Er schüttelte enttäuscht den Kopf.

„Dein Kampfstil ist roh und unausgeglichen. Du kämpfst ohne Kontrolle, ohne Konzept. Deine Instinkte sind gut, aber du nutzt deine Stärken nicht aus“, stellte er fest und drehte sich zu mir herum.

„Bisher hat es immer gereicht“, murrte ich und Maul sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen an.

„Wer hat dich das Kämpfen gelehrt?“ Ich zuckte mit den Schultern.

„Niemand. Ich habe es auf die harte Art gelernt. Ich wurde immer wieder verprügelt, bis ich mich endlich irgendwann wehren konnte. Aus jedem Kampf habe ich Erfahrung mitgenommen und wenn ich von der Stärke her unterlegen war, habe ich eben getrickst.“ Meine technische Ausrüstung hatte mir schon so manches Mal das Leben gerettet.

„Deine Beobachtungsgabe ist gut. Tricks und Intuition werden aber nicht genug sein, um dich im Kampf gegen die Inquisitoren zu behaupten. Sie mögen willenlose Marionetten sein, aber sie wurden jahrelang im Kampf mit dem Lichtschwert ausgebildet. Du stehst erst am Anfang deines Trainings und es wird auch bei dir Jahre dauern, bis du die Klinge richtig beherrscht. Diese Zeit hast du aber nicht. Also musst du lernen Angriffe zu parieren und im richtigen Moment in die Offensive zu gehen. Fangen wir mit dem Parieren an.“

Ohne Vorwarnung ging Maul auf mich los. Er wirbelte seinen Stab umher als wäre es sein Doppelklingenlichtschwert und bewegte sich dabei so schnell, dass ich kaum reagieren konnte. Mit großer Mühe fing ich seine Schläge ab, wobei Maul mich immer weiter nach hinten drängte. Dann landete er einen Schlag gegen mein Bein und ich musste mir einen Schmerzensschrei verkneifen.

„Schwach“, sagte Maul abfällig und ich wusste das er mich provozieren wollte. Leider gelang es ihm auch. Mein Frust stieg mit jedem gerade so parierten Schlag und jedem Treffer, den Maul landete.

„Erbärmlich.“

Ich atmete schwerer unter der Anstrengung und meine Arme zitterten nach jedem Treffer stärker. Maul zeigte keine Anzeichen der Anstrengung. Mit steinerner Miene drosch er voller Präzision auf mich ein und scheuchte mich rückwärts durch den Wald. Als er einen besonders harten Schlag gegen meine Seite landete, war meine Geduld am Ende.

Mit einem Aufschrei warf ich mich nach vorne, duckte mich unter seinem Schlag hinweg und verpasste ihm einen Schlag quer über den Rücken. Ich spürte Mauls Überraschung, doch mein Manöver ließ meine Defensive ungeschützt. Ich wirbelte herum und versuchte Mauls Schlag abzufangen, doch er schlug mir mit einem mächtigen Hieb beide Stäbe aus den Händen. Taumelnd von der Macht seines Schlages ging ich zu Boden und sah, wie Maul zum Schlag ausholte. Vielleicht hätte ich mich wegrollen sollen, doch vor lauter Schreck riss ich meine Hand nach oben. Mit zusammengekniffenen Augen wartete ich auf den Schmerz des Schlages, doch er kam nicht.

Verwirrt riss ich die Augen auf und sah nach oben. Mauls Stab verharrte Zentimeter über meiner Hand in der Luft. Er drückte mit aller Kraft darauf nieder, doch er kam nicht voran. Erst jetzt merkte ich, dass mein Körper vor Anstrengung zitterte. In meinem Körper hallte ein vertrautes Surren wider. Es war die Macht, die ihn aufhielt. Ich war es!

Mauls überraschter Gesichtsausdruck wandelte sich in ein zufriedenes Lächeln. Er zog den Stab zurück und der Druck fiel von mir ab. Erschöpft ließ ich mich auf den Boden fallen und sah zu Maul hoch, der mich zufrieden betrachtete.

„Du hast das erste Mal die Macht für dich eingesetzt. Das war sehr gut“, lobte er und ich konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen. Ich hatte tatsächlich die Macht genutzt! In dieser Sekunde verlor ich jeden Zweifel, den ich je gegenüber meiner Machtempfindlichkeit gehabt hatte. Die Freude, die sich in mir ausbreitete, wurde von Mauls Worten gleich wieder unterbunden.

„Wir wiederholen das. Nimm deine Kampfhaltung ein.“ Stöhnend ließ ich meinen Kopf auf den Waldboden zurückfallen. Das würde noch sehr anstrengend werden.

Die nächsten vier Wochen waren die anstrengendsten meines Lebens. Mein Körper hatte noch nie so wehgetan. Jeder Muskel schmerzte und meine Haut war übersäht von kleinen und größeren Hämatomen. Ich wusste schon nicht mehr, wie ich nachts liegen sollte, ohne das etwas wehtat. Mauls Training war gnadenlos. Wir trainierten jeden Tag mehrere Stunden. Hauptsächlich trainierten wir den Kampf mit Lichtschwertern, wobei wir weiterhin die Trainingsstäbe nutzten. Dabei kämpfte ich abwechselnd mit einem oder zwei Trainingsstäben, um mich auf beide Situationen vorzubereiten. Ab und zu übten wir uns auch im Nahkampf ohne Waffen. Beides brachte meinen Körper an seine Grenzen. Maul war eine Naturgewalt und ich machte mir keine Illusionen, dass ich ihn je in irgendeiner Kampfdisziplin besiegen könnte. Sein jahrelanges Training und seine eiserne Disziplin spiegelten sich in jeder seiner Bewegungen wider.

Trotz seiner deutlichen Überlegenheit achtete Maul präzise darauf mich nicht zu verletzen. Jeder seiner Treffer sollte eine Lehre sein und keine Bestrafung. Es war wirklich ein Wunder, aber abgesehen von den Hämatomen trug ich trotz der Intensität des Trainings keine schwereren Verletzungen davon. Bei den wenigen Treffern, die ich bei Maul landete, achtete ich ebenfalls darauf.

Maul hatte mir die Formen des Lichtschwertkampfes erklärt und brachte mir Form V, Djem So, bei. Die Form war sehr herausfordernd, da ich innerhalb von Sekunden von voller Defensive zu voller Offensive wechseln musste. Maul hatte jedoch weise gewählt, da mir diese Form des Kampfes am besten lag. Durch meine Beobachtungsgabe und Intuition fiel es mir leichter, den richtigen Moment zum Angriff abzuschätzen. Für den Fall, das ich einem Inquisitor über den Weg laufen sollte, hatte ich damit vielleicht eine hauchdünne Chance zu überleben. Ich hoffte jedoch, dass es nicht so weit kommen würde.

In der Zeit, in der wir nicht kämpften, ließ Maul mich meine Form üben oder meditieren, um meine Verbindung zur Macht zu stärken. Es fiel mir leichter zu meditieren, seit Maul meine Blockade gelöst hatte. Mittlerweile gelang es mir auch kleinere Objekte mit der Macht zu bewegen, auch wenn ich mich dafür stark konzentrieren musste. Am leichtesten fiel mir die Nutzung der Macht nach wie vor im Kampf.

Dank des Trainings und der Meditationen, gelang es mir tatsächlich auch, meine Alpträume in den Griff zu bekommen. Natürlich würde ich mein Trauma nie vergessen oder hinter mir lassen können, doch ich begann langsam es zu akzeptieren. Maul brachte mir bei meine Gefühle im Kampf zu nutzen, auch wenn ich versuchte das mit Vorsicht anzuwenden. Mir war klar, dass Maul mich zu sich auf die dunkle Seite der Macht ziehen wollte. Ich war mir allerdings nicht sicher, ob ich das wirklich wollte. Zwar erkannte ich die Vorteile, doch ich hatte Angst, dass es mich zu sehr verändern könnte. Daher entschied mich zunächst für eine Gradwanderung. Die Zeit würde zeigen, in welche Richtung ich mich wenden würde.

Trotz meiner unglaublichen Erschöpfung gelang es mir zwischen den Trainingseinheiten noch Deadeye zu reparieren. Der kleine Droide war mit einem freudigen Surren wieder zum Leben erwacht und hatte mich aufgeregt umkreist. Ich war froh ihn wieder bei mir zu haben. Deadeye war jahrelang oft meine einzige Gesellschaft gewesen und er war mir ans Herz gewachsen. Nun da er wieder einsatzbereit war, schickte ich ihn auf Patrouille, um den Wald für uns im Auge zu behalten. In den ganzen Wochen war uns in dieser tiefen Einöde niemand begegnet, doch man konnte nie sicher genug sein.

In den wenigen ruhigen Momenten, die ich mit Maul teilte, begannen wir mehr übereinander zu erfahren. Ich erzählte Maul Geschichten aus meinen Jahren als Kopfgeldjägerin. Im Gegenzug erzählte Maul mir davon, wie er zusammen mit seinem Bruder Savage das Schattenkollektiv aufgebaut und den Thron von Mandalore eingenommen hatte. Er erzählte mir auch davon, wie Darth Sidious ihn hatte jagen lassen, wobei er den Großteil seiner Mandalorianer verloren hatte. Auch die anderen Syndikate hatten sich in seiner Stunde der Not von ihm abgewandt und Maul war entschlossen sich für ihren Verrat zu rächen.

Maul hatte seinen Einfluss auf die Syndikate verloren und mir entging die Ironie der Situation nicht. Pearson hatte nichts davon gewusst und mich auf Maul angesetzt, damit sich sein Griff um die Syndikate lösen würde. Wäre Pearson richtig informiert gewesen, dann hätte er mich nie zu dem Auftrag gezwungen und ich wäre Maul vermutlich nie begegnet. Maul hatte einmal gesagt, dass es mir bestimmt war ihn zu finden. Damit hatte er wohl recht gehabt.

Um mich von meinem schmerzenden Körper abzulenken, brachte ich Maul abends dazu mit mir Dejarik zu spielen. Erst war Maul skeptisch, doch er fand schnell gefallen an dem Spiel. Immerhin ging es um Strategie und Maul war der geborene Stratege. Ich hatte nicht den Hauch einer Chance gegen ihn zu gewinnen. Normalerweise hätte mich das frustriert, doch seine subtile Freude über jeden Sieg, ließ auch meine Freude an dem Spiel steigen.

Maul verschwieg mir vieles aus seiner Vergangenheit, vor allem über seine Jugend und seine Herkunft. Doch durch die Details, die er bereit war mit mir zu teilen, lernte ich Maul besser kennen. Und ich musste zugeben, dass mir gefiel, was ich entdeckte.

Langsam lernte ich zudem Mauls Gefühle besser zu lesen, auch wenn er sie weiterhin vor mir verbarg. Das war jedoch ein Geheimnis, das ich für mich behielt.

Durch das Zielfernrohr meiner Sniper nahm ich das kleine Tier ins Visier, dass etwa 500 Meter entfernt von mir auf dem Waldboden saß. Es wühlte zwischen den Wurzeln eines Baumes nach etwas Essbarem und hob den Kopf, als ein Vogel schrie. Blitzschnell feuerte ich den Schuss ab und traf das Tier direkt in den Kopf. Es war sofort tot und ich hob lächelnd den Blick von meinem Zielfernrohr. Das würde eine schöne Mahlzeit abgeben.

Ich schlang die Sniper zurück über meine Schulter und verzog das Gesicht, als meine Muskeln bei der Bewegung schmerzten. Mittlerweile gewöhnte sich mein Körper an das harte Training, doch den Muskelkater würde ich so schnell nicht loswerden. Immerhin zahlte sich das Training aus. Ich war schneller und kräftiger geworden und hielt Mauls Attacken schon besser stand. Auch Maul war zufrieden mit meinen Fortschritten, was für mich das größte Lob war.

Über den weichen Waldboden lief ich zu der Stelle, an der ich das Tier erlegt hatte. Es war nicht besonders groß, doch für ein oder zwei Mahlzeiten würde es reichen. Ich hatte es mir zur Aufgabe gemacht Nahrung zu jagen und zu sammeln, da ich die Rationen langsam nicht mehr sehen konnte. Zwar war ich keine außergewöhnlich talentierte Köchin, doch meine Mahlzeiten waren durchaus genießbar. Maul war zunächst skeptisch gewesen, doch ich wusste das auch er die Abwechslung schätzte.

Ich hob das Tier auf und band die Hinterpfoten mit einem Seil zusammen, das ich dann an meinem Gürtel befestigte. In meiner Tasche waren bereits ein paar Pilze und Wurzeln, mit denen ich das Fleisch zubereiten konnte. Die Sonne begann langsam zu sinken und ich machte mich auf den Rückweg zur Höhle. Dabei behielt ich meine Umgebung wachsam im Auge. In diesen Wäldern waren nach Anbruch der Dunkelheit Raubtiere unterwegs, denen ich lieber nicht begegnen wollte.

Als ich die Höhle beinahe erreicht hatte, spürte ich auch einmal eine Gefahr hinter mir. Ich duckte mich gerade noch rechtzeitig, um dem Schlag zu entgehen. Überrascht wirbelte ich herum und starrte Maul an, der mich aus dem Hinterhalt angegriffen hatte. Warum hatte ich seine Präsenz nicht gespürt?

„Was soll das“, fragte ich irritiert und machte einen Schritt zurück. Maul zuckte mit den Schultern.

„Du musst immer mit einem Angriff rechnen“, entgegnete er und holte mit dem langen Stab erneut nach mir aus. Fluchend wich ich aus und ließ ich meine Tasche und das erlegte Tier auf den Boden fallen. Ich legte meine Sniper ab und hob kampfbereit meine Fäuste.

„Na dann komm her.“ Maul ließ sich nicht zweimal bitten.

Er hieb mit dem Stab auf mich ein und ich wich seinen Schlägen geschickt aus. Mit den Händen lenkte ich seinen Stab von meinem Körper weg und wartete auf die Chance zuzuschlagen. Maul drehte sich und holte mit seinem Bein nach mir aus, doch ich sprang flink darüber hinweg. Seine Deckung war eine Sekunde lang offen und ich machte einen Satz nach vorne, um ihm einem leichten Schlag in die Seite zu versetzen. Maul knurrte wütend und hieb mit neuer Kraft nach mir. Ich drehte mich und trat nach ihm, doch Maul sah seine Chance und stieß seine Hand nach vorne. Sein Machtstoß brachte mich aus dem Gleichgewicht und ich fiel hintenüber. Den Schwung des Falls nutzend, rollte ich mich rückwärts und sprang wieder auf die Beine. Mauls zufriedenes Grinsen entging mir dabei nicht.

Der Zabrak wirbelte den Stab herum, hieb nach meinen Armen und Beinen, doch ich hielt seinen Angriffen stand. Er trieb mich nach hinten und plötzlich blieb mein Fuß in einer Wurzel hängen. Ich konnte mich gerade noch so fangen, doch die Ablenkung ließ mich meine Deckung vernachlässigen. Bevor Maul oder ich reagieren konnten, hatte das Ende des Stabes mich einmal quer über das Gesicht erwischt. Der Schlag hallte dumpf in meinem Schädel wider und für eine Sekunde wurde mir Schwarz vor den Augen. Blind stieß ich meine Hände nach vorne und warf Maul mit einer gewaltigen Machtwelle nach hinten. Als sich meine Sicht wieder klärte, war ich erschrocken. Ich hatte es tatsächlich geschafft Maul gute 15 Meter von mir zu stoßen. Eine Kerbe zog sich durch den Waldboden, wo Maul seinen Stab in die Erde gerammt hatte. Ich hätte mich darüber gefreut, wenn nicht der eiserne Geschmack von Blut meinen Mund gefüllt hätte.

„Kriff“, fluchte ich stöhnend und hob meine Hand an meine pochende Schläfe.

Meine Nase blutete und ich hatte mir auf die Wange gebissen. Angewidert spuckte ich Blut aus. Mein Blick traf Maul, der mich für eine Sekunde nur ungläubig anstarrte. Ihn hatte die Kraft hinter dem Machtstoß ebenso überrascht wie mich. Er fing sich jedoch schnell wieder und kam mit besorgter Mine auf mich zu.

„Wie schlimm ist es“, fragte er und musterte mein blutverschmiertes Gesicht. Ich fuhr mir mit dem Handrücken über den Mund, um das Blut aus meiner Nase fortzuwischen.

„Nur ein bisschen Nasenbluten. Nichts schlimmes.“ Meine Stimme war ruhig und ich legte den Kopf etwas in den Nacken, um die Blutung zu stoppen. Maul glaubte mir kein Wort.

Er griff nach meiner Hand, die ich noch immer an meine Schläfe gepresst hatte. Maul zog sie sanft von meinem Kopf weg und ich bemerkte erstaunt das Blut darauf. Seine Mine verhärtete sich.

„Das ist mehr als Nasenbluten. Du hast eine Platzwunde“, stellte er unzufrieden fest und ich spürte das er wütend war. Nicht auf mich, sondern auf sich selbst.

„Das macht nichts. Ich hatte schon schlimmere Wunden.“

Ich wusste das er sich schuldig fühlte und versuchte Maul zu beruhigen. Das klappte nicht besonders gut. Er legte vorsichtig seine Finger an meine Wange und drehte meinen Kopf, um die Wunde in Augenschein zu nehmen. Die Bewegung sendete einen Schmerz durch meine Schläfe und ich zischte unwillkürlich auf. Seine Augen verdunkelten sich.

„Das hätte nicht passieren dürfen.“

Vorsichtig hob ich meine Hand und legte sie auf seine, die immer noch auf meiner Wange ruhte. Ich schloss sie um seine behandschuhten Finger und führte seine Hand sanft von meiner Wange weg. Seine glühenden Augen bohrten sich in meine und ich schenkte ihm ein warmes Lächeln.

„Maul, es ist alles in Ordnung. Ich habe einfach nicht schnell genug reagiert. Das kann passieren“, versicherte ich ihm und merkte, wie Maul sich etwas entspannte.

„Lass uns einfach zum Schiff zurückgehen, in Ordnung?“

Maul nickte grimmig und sammelte meine Sachen auf. Wir gingen zurück zum Schiff und erreichten bei Einbruch der Dunkelheit die Höhle. Sobald wir den Laderaum betraten, schloss sich die Laderampe hinter uns.

„Du brauchst nichts sagen. Ich warte in der Küche.“

Ich hatte gespürt das er etwas sagen wollte und war mir sicher, dass er wieder darauf bestand die Wunde zu reinigen. Über meine Schulter sah ich wie Maul den Mund wieder schloss und mit grimmiger Mine verschwand, um das Medkit zu holen. Grinsend ging ich in die Küche und zog den Stuhl an die Sitzecke heran. Bevor ich mich darauf niederließ, wusch ich noch meine blutverschmierten Hände und nahm mir ein nasses Tuch. Damit versuchte ich das mittlerweile getrocknete Blut von Mund und Kinn zu wischen.

Maul kam in die Küche und musterte das blutige Tuch in meiner Hand. Seinem Blick nach zu urteilen, hatte ich es eher schlimmer als besser gemacht. Er legte das Medkit auf den Tisch und setzte sich auf die Sitzbank.

„Rutsch bitte etwas näher“, sagte er, während er Utensilien aus dem Medkit hervorsuchte.

Ich tat wie mir geheißen und rutschte mit dem Stuhl zwischen seine Beine. Dabei streifte mein Knie aus Versehen seinen Oberschenkel und ich klemmte beide Beine hastig unter den Stuhl. Plötzlich stieg Wärme in meine Wangen und ich erinnerte mich schnell daran die Mauern um meinen Geist hochzuziehen. Zu meiner Erleichterung schien Maul nichts gemerkt zu haben.

Maul betrachtete mein blutverschmiertes Gesicht mit Unmut. Er zog sich den Handschuh der rechten Hand aus und griff nach einem Tupfer und Desinfektionsmittel. Zwei Finger seiner linken Hand legten sich an mein Kinn und drehten meinen Kopf sanft zur Seite, sodass er die Wunde genauer betrachten konnte. Maul zögerte kurz und legte dann seine linke Hand an meinen Kopf, um mich während der Behandlung in Position zu behalten. Dabei legten sich seine behandschuhten Finger auf die Ansätze meiner Tentakel. Als das Leder die empfindliche Haut berührte, machte sich Gänsehaut auf meinem Körper breit. Doch dieses Mal blieb die Übertragung der Emotionen aus.

Mit sanften Fingern begann Mal die Wunde und die umliegende Haut zu reinigen. Ich verkniff mir einen Schmerzenslaut, als das Desinfektionsmittel in der Wunde brannte und hielt still, um Maul nicht zu stören. Seine Augen waren konzentriert auf die Wunde gerichtet und sein Gesicht war dem meinen unglaublich nahe.

Zum ersten Mal bot sich mir die Gelegenheit, sein Gesicht in Ruhe aus der Nähe zu betrachten. Meine Augen folgten fasziniert dem Verlauf seiner Tattoos, die perfekt zur Form seines Gesichtes passten. Sie verliehen Maul einen einschüchternden Anblick, doch ich fand sie wunderschön. Am meisten zogen mich jedoch seine Augen in den Bann. Sie leuchteten wie flüssiges Gold und schienen direkt in meine Seele zu blicken. Mir war auf Amperon aufgefallen, dass sich seine Augen veränderten. Nachdem er Pearson angegriffen hatte, hatten seine Augen in einem unnatürlichen Gelb geleuchtet. Der rote Ring um seine Iris war kräftiger gewesen und das Weiß seiner Augen wurde von roten Adern durchzogen. Es waren die Augen eines Killers gewesen. Davon war jetzt keine Spur zu sehen. Ich wusste nicht, ob es mit der dunklen Seite der Macht zusammenhing. So wie sie jetzt waren gefielen mir seine Augen aber auf jeden Fall besser.

Es war schwer zu sagen, wie alt Maul war. Ich vermutete, dass er maximal ein paar Jahre älter war als ich. In seinen schönen Augen lag jedoch der Ausdruck eines Mannes, der schon zu viel Leid in seinem Leben erfahren hatte. Das minderte keineswegs seine Ausstrahlung. Vor ein paar Wochen war mir das erste Mal aufgefallen, wie gut Maul eigentlich aussah. Ich hatte vorher nie darauf geachtet, da ich immer in irgendeiner Art Gefahr geschwebt hatte. Nachdem es mir allerdings aufgefallen war, fiel es mir schwer nicht mehr darauf zu achten. Sicher, seine rote Haut, die schwarzen Tattoos, die glühenden Augen und nicht zu vergessen die spitzen Hörner ließen ihn gefährlich aussehen. Vielleicht trug aber gerade das zu der Anziehung bei.

Mit aller Mühe hatte ich versuchte diese Art Gedanken zu unterdrücken, auch aus Angst das Maul sie aufschnappen könnte. In diesem Moment konnte ich mich jedoch nicht dagegen wehren.

„Du starrst.“

Mauls Worte rissen mich aus meinen Gedanken und ich blinzelte den Zabrak vor mir erschrocken an. Mauls Augen waren weiter auf seine Arbeit gerichtet, doch auf seinen Lippen lag ein leichtes Grinsen. Oh bitte Meeresgeist, lass ihn das nicht gehört haben!

„Wo soll ich denn sonst hinschauen“, verteidigte ich mich schnell und spielte auf den Umstand an, dass sein Gesicht nun mal direkt vor meinem war. Maul sagte nichts, doch ich spürte das ihn meine Reaktion amüsierte. Eine peinliche Stille machte sich zwischen uns breit und ich zerbrach mir den Kopf darüber, wie ich sie brechen könnte. Schließlich beschloss ich eine Frage zu stellen, die mich schon länger beschäftigte.

„Maul?“

„Hmm“, erwiderte der Zabrak, während er Blut von meiner Wange wischte.

„Ich habe dich nie gefragt, woher du kommst“, stellte ich fest und Maul hielt einen Moment inne.

„Warum solltest du das wissen wollen?“ Es war keine Ablehnung in seiner Stimme, nur Verwunderung.

„Ich bin noch nie jemandem wie dir begegnet. Ich kenne ein paar Zabraks, aber die sehen ganz anders aus als du. Kommst du auch von Iridonia?“

Maul zögerte kurz und legte den blutigen Tupfer weg, um nach drei Klammerpflastern zu greifen.

„Dathomir ist mein Heimatplanet“, sagte er knapp und ich sah ihn überrascht an.

„Von Dathomir habe ich noch nie etwas gehört. Wie ist es da“, fragte ich neugierig und hielt still, während Maul mit den Klammerpflastern die Wunde verschloss.

„Es ist ein düsterer und gefährlicher Planet. Die meiste Zeit ist er in Nebel gehüllt und in schwaches blutrotes Licht getaucht. Die dunkle Seite der Macht ist dort stark und es gibt Hexen, die diese Macht für ihre dunkle Magie nutzen. Ich stamme aus einem Clan, der sich `Nachtbrüder´ nannte. Es waren alles männliche Zabrak, die von dem Matriarchat des Ordens der Nachtschwestern beherrscht wurden. Sie waren ihre Krieger und wurden von den Nachtschwestern in Ritualen zur Fortpflanzung ausgewählt“, erzählte Maul und ich sah ihn erstaunt an.

„Das klingt, als wären sie Sklaven“, stellte ich trocken fest und nun sah Maul mich an.

„Das mag für Außenstehende so wirken, aber durch die Rituale gehören die Nachtbrüder zu den besten Kriegern der Galaxis.“

Nachdenklich schwieg ich, als Maul Bactagel auf meine Wunde auftrug. Ich bezweifelte, dass die Nachtbrüder viel von der Galaxis sahen, wenn sie als Sklaven gehalten wurden. Allerdings war ich klug genug meine Missbilligung nicht auszusprechen.

„Und haben alle Nachtbrüder solche Tattoos wie du“, hakte ich vorsichtig nach und Maul hielt inne. Er wischte sich mit einem Tuch das Bactagel von den Fingern und sah auf die tätowierte Haut seiner Hand.

„Das ist kompliziert.“ Ich spürte, dass das Thema einen Wirbelsturm von Gefühlen in Maul auslöste. Daher beschloss ich nicht nachzufragen und es so stehen zu lassen, doch Maul sprach weiter.

„Nachtbrüder erhalten bereits als Säuglinge in einem Ritual der Nachtschwestern die Tattoos auf dem Gesicht und auf der Brust. Die Tattoos am restlichen Körper verdienen sie sich durch Rituale und Kämpfe. Meine Mutter war die Ordensmutter der Nachtschwestern, wodurch mir bereits in der Kindheit am ganzen Körper Tätowierungen verliehen wurden.“

Mauls Augen verfinsterten sich und er rieb mit dem Daumen über die Tattoos auf seinem Handrücken, als könnte er sie dadurch fortwischen.

„Mein Meister holte mich als Kind von meinem Planeten fort, um mich auszubilden. Er entriss mir meine Stammesmarkierungen und verlieh mir in einem alten Ritual der Sith neue Tätowierungen.“

„Das muss schmerzhaft gewesen sein.“ Maul hob abrupt den Blick zu mir.

„Schmerz ist mir gleichbedeutend.“

Auch wenn er den Satz mit voller Überzeugung sprach, wusste ich das es nicht stimmte. Er hatte mit Sicherheit viel Schmerz in seinem Leben erfahren und es hatte ihn geprägt und abgehärtet. Dennoch spürte ich seinen Schmerz ganz deutlich, auch wenn er sich Mühe gab ihn zu verbergen.

„Bist du je zurückgekehrt? Nach Dathomir?“

Maul atmete tief durch und lehnte sich ein Stück zurück. Ich erkannte einen Anflug von Trauer, der von ihm ausging.

„Erst nach sehr vielen Jahren. Aber heute gibt es dort nichts mehr. Sidious hat eine Droidenarmee geschickt, die die meisten Nachtschwestern getötet hat. Die Nachtbrüder kämpften auf Ord Mantell an meiner Seite gegen Count Dooku, wobei die meisten fielen. Der Rest meines Clans wurde in der zweiten Schlacht von Dathomir ausgelöscht, bei der auch meine Mutter starb. Auf Dathomir sind nur noch vereinzelt Überlebende anderer Clans verstreut. Es gibt nur zwei aus meinem Clan, die überlebt haben. Und sie sind Teil meines Schattenkollektivs.“

Ich spürte unwillkürlich Wut in mir aufsteigen. Umso mehr Maul von diesem Darth Sidious erzählte, umso mehr hasste ich diesen Mann. Er hatte Maul von seiner Heimat und seiner Familie fortgerissen, ihn brutal trainiert und wie es schien misshandelt. Als wäre das nicht genug, hatte er seinen Planeten zerstört und seine Familie getötet. Obendrein war dieser Mistkerl auch noch für so viel mehr Tod und Leid in dieser Galaxis verantwortlich. Mauls Durst nach Rache wurde für mich immer verständlicher. Ich fasste einen Entschluss.

„Ich werde dir helfen, dich an ihm zu rächen“, versprach ich entschlossen und Maul sah mich einen Moment überrascht an. Dann schlich sich ein kleines Lächeln auf seine Lippen.

„Wenn die Zeit gekommen ist, bin ich froh dich an meiner Seite zu wissen.“

Das überraschte nun mich. Maul wich schnell meinem Blick aus und sah auf das blutige Tuch in meinen Händen. Er zog es aus meinem Griff und warf es achtlos zu Boden. Dann nahm er einen neuen Tupfer mit Desinfektionsmittel und richtete seinen Blick auf mein blutverschmiertes Kinn. Ich begriff, was er vorhatte und schüttelte den Kopf.

„Das brauchst du nicht. Ich …“

Maul fuhr mit dem Tupfer über meine Lippen und meine Worte erstarben. Er legte seine Hand an meine Wange, um mich still zu halten und begann das Blut auf meiner unteren Gesichtshälfte wegzuwischen.

„Halt einfach still. Irgendwie muss ich dich ja zum Schweigen bringen.“

Und das schaffte er. Hitze schoss in meine Wangen. Mauls Grinsen nach zu urteilen, bemerkte er es und ich senkte schnell meinen Blick. Da er aber immer noch direkt vor mir war, blickte ich statt in sein Gesicht nun direkt auf seine Brust. Der Schnitt der Robe erlaubte einen tiefen Einblick auf seine tätowierte Haut vom Hals bis zum Gürtel. Ich schluckte unwillkürlich und versuchte meinen Blick irgendwo anders hinzulenken. Doch wie sollte ich?

Meine Augen klebten an den schwarzen Markierungen, die sich in perfekter Symmetrie über seinen muskulösen Oberkörper zogen. Am meisten zog mich das Muster auf seiner Brust in den Bann, das an ein umgekehrtes Herz erinnerte. Ein weiteres Mal schoss mir die Frage durch den Kopf, ob er am ganzen Körper tätowiert war. Vielleicht wäre es besser, wenn ich es nicht herausfand.

Mauls Nähe, seine behandschuhten Finger an meiner Wange, sein intensiver Blick und der Anblick vor mir, ließen mein Herz auf einmal rasen. Verdammt, Ren! Reiß dich zusammen! Du bist eine erwachsene Frau und das ist nicht der erste Mann, den du siehst!

Ich wusste nicht was mit mir los war, doch ich schrieb es dem Schlag auf den Kopf zu. Mit aller Kraft versuchte ich mein Herz zu beruhigen und meine Gedanken vor Maul zu verbergen. Dass er einen dieser Gedanken aufschnappte war das Letzte, was ich gebrauchen konnte.

Mit einer unglaublichen Sanftheit reinigte Maul mein Gesicht und ich ließ es still über mich ergehen. Irgendwann war es überstanden und Maul lehnte sich auf der Sitzbank zurück. Mühevoll verkniff ich es mir erleichtert aufzuatmen.

„Du solltest dich ausruhen“, stellte Maul fest und ich nickte etwas zu eilig.

„Das werde ich. Danke für deine Hilfe“, sagte ich und stand auf, um die Küche zu verlassen.

Ich spürte, dass Mauls Augen mir folgten. Im Türrahmen hielt ich inne und drehte mich noch einmal zu ihm um.

„Sie sind schön“, sagte ich, ohne nachzudenken und sah die Verwirrung auf Mauls Gesicht.

„Deine Tattoos. Sie passen zu dir.“

Maul sah mich überrascht an und plötzlich konnte ich seinem intensiven Blick nicht mehr standhalten. Schnell verschwand ich aus der Tür und atmete auf, als ich Mauls Augen nicht mehr auf mir spürte. Ich dankte dem Meeresgeist dafür, dass ich durch meine Hautfarbe keine roten Wangen bekommen konnte, wie es bei Menschen der Fall war. Ansonsten hätte ich vermutlich geradezu geglüht.

Als ich mein Zimmer erreichte und sich die Tür hinter mir schloss, schlug ich die Hände vor mein Gesicht. Meine Wunde dankte es mir, aber das war mir gerade gleich. Mit einem Stöhnen ließ ich mich rückwärts auf mein Bett fallen und schloss frustriert die Augen. Warum hatte ich das gesagt? Sicher, ich hatte alles so gemeint, aber was war nur in mich gefahren?!

Nach allem was Maul mir erzählt hatte, war es nur allzu verständlich das er seine Tattoos und vor allem ihren Ursprung verabscheute. Sidious hatte versucht Maul seine Herkunft und seine Identität zu entreißen. Wie durch ein Wunde hatte Maul dem standgehalten. Dennoch konnte ich den Gedanken nicht ertragen, dass jemand so perfektes wie er sich für seinen Körper und seine Vergangenheit schämte. Hatte ich es deswegen ausgesprochen? Ich hoffte es sehr. Denn die Alternative könnte problematisch werden.

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Notes:

Es ist wieder Maul-Sonntag!

Ren und Maul lernen sich langsam besser kennen.

Und plötzlich spürt Ren Gefühle, die sie selbst noch nicht ganz einordnen kann.

Mal sehen, wohin das führt. ;)

Vielen Dank, dass ihr dieses Kapitel gelesen habt.

Ich freue mich über jede noch so kleine Reaktion von euch und hoffe, dass euch die Geschichte weiterhin gefällt.

Im nächsten Kapitel wird es ernst für Ren, also bleibt dran.

Das nächste Kapitel kommt nächste Woche Sonntag.