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Kapitel 11 – Die Illusion der Kontrolle

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Kapitel 11 – Die Illusion der Kontrolle

„Das ging schneller als erwartet, Leo“, raunte seine tiefe Stimme im stillen Raum, und der Klang vibrierte unangenehm auf meiner Haut. Er sah nicht einmal von seinem Laptop auf. „Du hast noch genau achtzehn Stunden auf der Uhr.“

Ich schluckte den schweren Kloß in meinem Hals hinunter und wich seinem intensiven Blick nicht aus, obwohl mein Herz wild und unaufhörlich gegen meine Rippen hämmerte. „Ich sage dir, wer das Café gekauft hat. Aber unter einer einzigen Bedingung: Du lässt sie da raus. Sie hat absolut nichts mit Bens Schulden oder seinen kriminellen Machenschaften zu tun.“

Lukes Augen verengten sich minimal. Das amüsierte Funkeln wich augenblicklich einer eiskalten, geschäftsmäßigen Dominanz. „Ein Don verhandelt nicht mit seinem Eigentum, Welpe. Sag mir den Namen. Jetzt.“

„Es ist Isabel“, stieß ich hervor, und der Name fühlte sich in meiner Kehle an wie ein bitterer Verrat, auch wenn es im Moment ihre einzige Rettung war. „Sie ist diejenige, die hinter dem Kürzel Isa steckt. Sie hat das Café gekauft. Sie hat es nur getan, weil sie weiß, wie viel es mir bedeutet hat. Sie wollte es für mich retten. Sie hat keine Ahnung von der Mafia, von dir oder von Ben.“

Luke schwieg. Er saß einfach nur völlig unbeweglich in seinem schweren Sessel und musterte mich, wie ein Raubtier eine Beute einschätzt, die unerwartet einen neuen Zug macht. Das Schweigen dehnte sich aus, legte sich wie eine erdrückende Last über den Raum, bis es fast unerträglich wurde.

„Faszinierend“, sagte er schließlich leise, und seine Stimme vibrierte vor einer gefährlichen, unheimlichen Ruhe. Er stand langsam auf, schob den Sessel zurück und baute sich in seiner vollen Zwei-Meter-Größe hinter dem Schreibtisch auf. Er ging langsam um das dunkle Möbelstück herum, bis er direkt vor mir stand. Er war so riesig, dass er mir komplett die Sicht auf den Rest des Zimmers nahm. „Deine kleine, laute Kellnerin also. Ich hatte es vermutet. Aber es gibt ein entscheidendes Detail in deiner Geschichte, das einfach nicht zusammenpasst.“

Er beugte sich zu mir herunter, bis sein Gesicht nur noch Zentimeter von meinem entfernt war. Seine große Hand schnellte plötzlich nach vorn. Seine langen Finger schlossen sich fest um mein Lederhalsband, und er zwang mich mit einem unnachgiebigen Ruck, den Kopf weit in den Nacken zu legen. Seine lila Augen brannten sich tief in meine blau-grauen.

„Woher weißt du, dass Adam das Kürzel Isa gefunden hat, Leo?“, raunte er, und sein warmer Atem streifte meine Lippen. Sein Griff am Halsband wurde minimal fester, gerade genug, um mir die Luft zum Antworten zu lassen, aber mir gleichzeitig seine absolute Macht zu demonstrieren. „Ich habe diesen Namen vorhin am Telefon mit Adam besprochen. Du standest oben an der Treppe. Du hast uns belauscht. Das erklärt, warum du weißt, wonach wir suchen – aber es erklärt nicht, woher du weißt, dass sie den Laden tatsächlich gekauft hat. Du hast gestern im Jeep noch geschworen, du hättest keine Ahnung.“ Er strich mit dem Daumen langsam über meine pulsierende Halsschlagader, während sein Blick eiskalt und berechnend wurde. Er hatte die Falle zugeschlagen. „Du hast Kontakt nach draußen, nicht wahr?“, flüsterte er, und ein mörderisches, besitzergreifendes Funkeln trat in seine Augen. „Du hast mit ihr gesprochen. Seit du in dieser Villa bist. Sag mir, wie, Leo. Wo versteckst du es?“

Ich spürte, wie das Leder meines Halsbandes tiefer in meine Haut schnitt. Die Luft wurde knapp, und das schwere Hämmern meines Herzens dröhnte mir laut in den Ohren. Aber anstatt unter seinem mörderischen Blick einzuknicken, schoss mir das reine Adrenalin durch die Adern. Ich durfte ihm mein Handy unter gar keinen Umständen überlassen. Wenn er Isabels Nummer fand, war sie endgültig verloren.

Ich krallte meine Finger in seine breiten Handgelenke und versuchte vergeblich, seinen eisernen Griff von meinem Hals zu lockern. Ich zwang mich, ihm direkt in diese bodenlosen, lila Augen zu sehen. „Du wolltest nur wissen, wer das Café gekauft hat!“, stieß ich heiser und atemlos hervor, während meine Stimme vor Wut vibrierte. „Mehr habe ich nicht gesagt! Und jetzt lass mich los, verdammt noch mal!“

Luke rührte sich keinen Millimeter. Er stand da wie eine unbezwingbare Statue aus schwarzem Stoff und eiskalter Kontrolle. Mein plötzlicher Ausbruch schien ihn überhaupt nicht zu überraschen, aber das gefährliche, psychopathische Glänzen in seinen Augen veränderte sich. Er merkte genau, dass ich mich in die Enge getrieben fühlte. Dass ich wie ein wildes Tier kämpfte, weil ich etwas Kostbares beschützte. Er schwieg für ein paar quälend lange Sekunden. Seine großen Finger am Halsband lockerten sich nicht, aber er verringerte den Druck gerade so weit, dass ich wieder richtig einatmen konnte. Ein dünnes, erschreckend ruhiges Lächeln stahl sich zurück auf seine Lippen. Er genoss es einfach, wie sehr ich mich gegen ihn aufbäumte.

„Du bist so herrlich berechenbar, wenn du panisch wirst, Leo“, raunte seine tiefe, samtige Stimme direkt vor meinem Gesicht. Er ließ mein Halsband nicht los, sondern zog mich mit einem einzigen, festen Ruck noch ein Stück näher an sich heran, bis meine Brust seine breite Statur berührte. „Du denkst, du hättest das Spiel beendet, weil du mir Isabels Namen hingeworfen hast. Aber du hast mir gerade erst bewiesen, dass mein Verdacht stimmt. Du versteckst etwas vor mir. Und ich dulde keine Geheimnisse in meinem Haus.“

Er löste plötzlich die Hand von meinem Hals, doch bevor ich auch nur einen Zentimeter zurückweichen konnte, packte er mich blitzschnell am Handgelenk. Sein Griff war wie eine Handschelle aus purem Stahl. Er drehte sich um und zog mich einfach unnachgiebig hinter sich her – heraus aus dem Arbeitszimmer, quer durch das Wohnzimmer und direkt auf die breite Marmortreppe zu.

„Luke! Lass mich los! Was tust du da?!“, schrie ich panisch und versuchte mit aller Kraft, mich mit den Füßen auf den Stufen zu bremsen. Es war völlig nutzlos. Gegen seine zwei Meter Körpergröße und seine brutale Kraft hatte ich nicht den Hauch einer Chance. Er schleppte mich die Treppe hoch, als wäre ich nichts weiter als eine leichte Tasche.

„Ich hole mir jetzt, was mir gehört, Welpe“, antwortete er, ohne sich umzusehen oder das Tempo zu verringern. Seine Stimme war vollkommen ruhig, kein bisschen außer Atem, und genau das machte mir die größte Angst. „Wir gehen jetzt in dein Zimmer. Und wir werden dieses Nest so lange auf den Kopf stellen, bis ich finde, womit du meine Regeln gebrochen hast.“

Mein Magen krampfte sich in nacktem Entsetzen zusammen, als wir den Flur des dritten Stocks erreichten und auf meine offene Zimmertür zusteuerten. Das Handy lag in der Daunendecke auf dem Boden. Wenn er den Raum durchsuchte, war es nur eine Frage der Zeit, bis er den Bezug abtastete.

(Luke)

Ich stieß die schwere Eichentür auf und schob Leo ruhig, aber bestimmt in den Raum. Er stolperte ein paar Schritte vorwärts, fing sich mühsam ab und starrte mich mit schreckgeweiteten, blau-grauen Augen an. Seine schmale Brust hob und senkte sich in rasendem Tempo.

„Luke, bitte, hier ist absolut nichts!“, stieß er verzweifelt hervor, doch ich ignorierte sein Flehen komplett.

Ich zog mir seelenruhig die schwarzen Lederhandschuhe an und begann, sein Zimmer systematisch zu sezieren. Ein Don überlässt nichts dem Zufall. Ich riss die hölzernen Schubladen des Nachttischs heraus, drehte sie komplett um – nichts. Ich durchwühlte den begehbaren Kleiderschrank, tastete jedes einzelne Kleidungsstück ab, checkte die weiche Matratze und suchte gründlich unter dem Bett. Nichts. Keine Drähte, keine Elektronik, kein Telefon. Mein Blick verfinsterte sich minimal. Er musste es verdammt gut versteckt haben.

Dann glitten meine lila Augen langsam über den Dielenboden und blieben an der zerwühlten, dicken Daunendecke hängen, die er vorhin im Zorn dort hingeworfen hatte.

Ich tat zwei große Schritte auf die Decke zu und beugte mich hinunter, um das schwere Gewebe aufzuheben und gründlich abzutasten. Plötzlich passierte etwas, das ich in keiner einzigen meiner Berechnungen vorhergesehen hatte.

Ein kleiner, wilder Wirbelwind stellte sich mir mitten in den Weg. Leo sprang regelrecht vor mich. Seine Hände krallten sich verzweifelt und fest in das Revers meines schwarzen Sakkos. Ich wollte ihn gerade unsanft beiseiteschieben, als er sich abrupt auf die Zehenspitzen stellte, den Kopf weit in den Nacken warf und seine Lippen brutal auf meine presste.

Ich erstarrte mitten in der Bewegung. Meine Hand blieb knapp über der Daunendecke in der Luft hängen. Es war kein sanfter, romantischer Kuss. Es war ein verzweifelter, fordernder, fast schon schmerzhafter Aufprall zweier Welten. Seine Lippen zitterten heftig gegen meine, heiß und feucht, angetrieben von purem Adrenalin und der nackten Panik eines in die Enge getriebenen Tieres. Er schmeckte nach dem süßlichen Chai-Tee von vorhin, nach der eisigen Winterluft, die immer noch draußen vor dem Fenster lauerte, und nach der salzigen Spur seiner frischen Tränen. Er presste seinen gesamten, schmalen Körper mit einer unerwarteten Wucht gegen meine zwei Meter Statur, als wollte er mich physisch mit seinem eigenen Fleisch und Blut von dieser Daunendecke abschirmen.

Sekundenlang rührte ich mich nicht. Mein Verstand, der sonst jede Situation in Millisekunden analysierte, setzte für einen Moment komplett aus. Mein Herz schlug mit einem Mal spürbar schwerer und träger gegen meine Rippen. Das Gefühl seiner weichen Lippen auf meinen war wie ein elektrischer Schlag, der mich mitten in der Bewegung einfrieren ließ. Er, der mich gestern noch geschlagen, beschimpft und verflucht hatte, küsste mich freiwillig.

Dann setzten die Zahnräder in meinem Kopf wieder ein – und die eiskalte Logik kehrte zurück. Er lenkt mich ab.

Ein dunkles, fast schon raubtierhaftes Amüsement flammte in meiner Brust auf, gepaart mit einem berauschenden Gefühl des Triumphs. Er hatte sich selbst verraten. Dieser Kuss war seine absolute Kapitulation, seine letzte, verzweifelte Waffe, um mich von dem eigentlichen Versteck wegzulocken. Und das Beste daran? Er unterschätzte mich maßlos, wenn er ernsthaft dachte, dass ein Kuss mich blind für die Realität machen würde. Ich erwiderte den Kuss nicht sofort, sondern genoss einfach das Zittern seines Körpers für ein paar Sekunden. Dann wanderten meine großen Hände langsam an seine schmale Taille. Ich packte ihn fest, drückte ihn unnachgiebig noch ein Stück enger an meine breite Brust und vertiefte den Kuss für den Bruchteil einer Sekunde mit einer besitzergreifenden, dominanten Härte, die ihm vollends den Atem raubte. Ich zeigte ihm unmissverständlich, dass er mit dem Feuer spielte.

Dann löste ich meine Lippen abrupt von seinen. Er keuchte heftig auf, seine blau-grauen Augen waren völlig glasig, seine Pupillen maximal geweitet vor Schock. Er dachte wohl für einen Moment, er hätte mich erfolgreich getäuscht. Ich sah ihm direkt in die Seele, während ein mörderisch sanftes Lächeln auf meine Lippen zurückkehrte. Ich nahm eine Hand von seiner Taille und strich ihm fast schon mitleidig über die Wange.

„Ein herrlicher Versuch, Leo“, raunte meine tiefe, vibrierende Stimme direkt an seinen nassen Lippen. „Du hast alles riskiert. Du hast mir sogar dein Lächeln und deine Lippen gesenkt, nur um mich zu täuschen. Regel Nummer 1 hast du damit zwar erfüllt… aber du hast mir gerade auch dein Versteck auf dem Silbertablett serviert.“

Bevor er reagieren konnte, hob ich ihn mit einer Hand an der Taille komplett an, setzte ihn unsanft, aber unbeschadet auf der Bettkante ab und drehte mich um. Ich bückte mich, packte die dicke Daunendecke und fuhr mit den Fingern direkt über den schweren Stoff. Es dauerte keine zwei Sekunden, bis ich die harte, flache Form des Smartphones mitten im Bezug spürte. Ich zog den Reißverschluss auf, griff hinein und zog das Handy heraus. Ich drehte mich langsam um, hielt das elektronische Gerät triumphierend zwischen zwei Fingern hoch und fixierte den kreidebleichen, völlig fassungslosen Leo mit meinen lila Augen. Ich stand mit dem Smartphone zwischen den Fingern vor ihm, bereit, seine mörderische kleine Täuschung in Stücke zu reißen. Doch als ich den Blick hob, um seinen endgültigen Zusammenbruch zu genießen, passierte etwas, das mich mitten in der Bewegung einfrieren ließ.

Leo saß auf der Bettkante, vollkommen starr. Seine blau-grauen Augen waren riesig, starrten aber nicht auf das Handy in meiner Hand. Sie starrten ins leere Nichts. Seine Lippen waren leicht geöffnet, noch immer rötlich und nass von dem harten Aufprall gegen meine. Er wirkte nicht mehr panisch. Er wirkte vollkommen fassungslos, traumatisiert von einer Realität, die ich im ersten Moment nicht verstand. Dann bewegten sich seine Lippen ganz leicht, und ein hauchdünnes, zittriges Flüstern entrann seiner Kehle.

„Mein erster Kuss…“, hauchte er, kaum hörbar in der absoluten Stille des Raumes.

Ich bewegte mich keinen Millimeter. Das spöttische Triumphgefühl in meiner Brust erstarb augenblicklich. Sein erster Kuss?

Mein analytischer Verstand raste, suchte nach Logik, nach einer Schwachstelle. Er war ein wunderschöner Junge, der in einem gut besuchten Café mitten in der Stadt gearbeitet hatte. Er hatte Freunde wie diesen lauten Problemfall Isabel. Die Vorstellung, dass er in seinem Alter noch absolut unberührt war – eine reine Jungfrau in jeder einzelnen Hinsicht –, hatte ich in meinen Berechnungen niemals einkalkuliert. Für mich war er mein kostbares Eigentum, das ich zähmen musste. Aber plötzlich begriff ich, dass er eine völlig unbeschriebene Seite war. Dass vor mir noch nie ein Mensch seine Haut, seine Lippen oder seine Seele berührt hatte.

Ein seltsames, berauschendes und unendlich besitzergreifendes Gefühl explodierte in meiner Brust. Es war kein bloßes Amüsement mehr. Es war die absolute, dunkle Gewissheit, dass ich der Erste war. Und dass ich für immer der Einzige bleiben würde. Ich steckte das Smartphone, ohne es überhaupt eines Blickes zu würdigen, langsam in meine Sakkotasche. Die gelöschte Anrufliste und Isabel waren mir für diesen Moment völlig egal. Ich trat näher an das Bett heran, baute mich in meiner vollen Zwei-Meter-Größe über ihm auf, bis mein Schatten ihn komplett verschluckte, und ging langsam vor ihm in die Hocke.

Ich zog mir mit den Zähnen den rechten Lederhandschuh aus und warf ihn achtlos aufs Bett. Dann hob ich die nackte, warme Hand und legte meine Finger an sein Kinn. Sein Körper zuckte ganz leicht zusammen, als meine nackte Haut die seine berührte, aber er wich nicht zurück. Er war schlicht zu perplex. Ich zwang ihn sanft, mich anzusehen, und fixierte seine glasigen Augen mit meinen lila Augen.

„Dein erster Kuss, Leo?“, raunte meine tiefe, samtige Stimme, und dieses Mal lag nicht der geringste Hauch von Spott darin. Es war ein dunkles, unerbittliches Versprechen. Ich strich mit dem nackten Daumen über seine Unterlippe, spürte das feine Zittern seiner Haut. „Du hast deine Unschuld an ein Monster verkauft, nur um deine kleine Freundin zu schützen. Ein verdammt hoher Preis für so eine wertlose Lüge.“ Ich beugte mich noch ein Stück weiter vor, sodass mein Atem sein Gesicht wärmte, und meine Stimme wurde zu einem gefährlich leisen Flüstern. „Aber du hast mir gerade etwas gegeben, das du niemals wieder zurückbekommen wirst. Du hast mir deine Reinheit geschenkt. Und jetzt, wo ich weiß, dass vor mir niemand deine Lippen berührt hat… werde ich erst recht dafür sorgen, dass es niemals ein anderer tut. Du gehörst mir, Welpe. Mit jedem einzelnen ersten Mal, das dir noch bevorsteht.“

Ich ließ sein Kinn los, erhob sich langsam wieder und sah kühl auf ihn herab. Das Handy blieb unangetastet in meiner Tasche. Das psychologische Spiel hatte sich in diesem Moment für immer verändert.

„Zieh deine Schuhe aus und leg dich ins Bett“, befahl ich ruhig. „Ich werde das Handy jetzt untersuchen. Und morgen früh… reden wir darüber, was dieser Kuss dich ab jetzt kosten wird.“

(Leo)

Ich saß wie versteinert auf der weichen Bettkante und starrte ihn aus großen, fassungslosen Bambi-Augen an. Mein Herz hämmerte so heftig gegen meine Rippen, dass ich kaum atmen konnte. Ich hatte mich gerade mit diesem unüberlegten Flüstern komplett vor ihm entblößt. Luke wusste jetzt, dass ich eine Jungfrau war – unberührt, rein, eine völlig unbeschriebene Seite. Die Art und Weise, wie seine lila Augen bei meinen Worten aufgeleuchtet waren, jagte mir eine extreme Gänsehaut über den gesamten Körper. Dieser psychopathische Besitzanspruch in seinem Blick war jetzt noch viel dunkler, noch unbarmherziger als jemals zuvor.

Er hatte das Handy in seiner Tasche verschwinden lassen. Er wollte gehen. Er wollte mich hier alleine lassen, um mein Telefon zu zerlegen und mich zu kontrollieren. Die nackte Panik um Isabel schnürte mir augenblicklich die Kehle zu. Wenn er das Handy knackte und merkte, dass ich die gesamte Anrufliste gelöscht hatte, würde er erst recht durchdrehen und den Betrug riechen. Ich musste ihn hierbehalten. Ich musste dieses bizarre, neue Machtverhältnis irgendwie ausnutzen, das mein Geständnis gerade unfreiwillig erschaffen hatte.

Ich schluckte schwer, hob den Blick und sah zu seiner zwei Meter großen Gestalt auf, die mich komplett im dunklen Schatten vergrub.