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Kapitel 12 – Das geteilte Spiel

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Kapitel 12 – Das geteilte Spiel

„Luke…?“, fragte ich vorsichtig, und meine Stimme klang so leise und brüchig, dass ich mich in der drückenden Stille selbst kaum hörte. Ich krallte meine Finger panisch in den feinen Stoff meiner Hose, um das unkontrollierbare Zittern meiner Hände irgendwie zu verbergen. „Darf… darf ich bitte mit Isabel telefonieren? Ich muss ihr das einfach alles erzählen… und sie ein paar ganz wichtige Sachen fragen. Bitte.“

Luke fror mitten in der Bewegung ein. Er hatte die große Hand bereits an der Klinke der schweren Eichentür liegen gehabt, bereit, mich mit meinen wirren Gedanken allein zu lassen. Er drehte sich unendlich langsam wieder zu mir um, und seine lila Augen verengten sich zu zwei eiskalten Schlitzen. Einen Moment lang herrschte eine so dichte, schwere Stille im Raum, dass man das ferne Ticken der Uhr auf dem Flur hören konnte. Ein Don der Mafia gab seinem Gefangenen kein Telefon. Ein Psychopath erfüllte keine Wünsche. Das widersprach jeder Logik seiner Welt.

Er trat wieder an mein Bett heran. Jeder seiner schweren Schritte auf dem dicken Teppichboden brachte mein Herz dazu, noch schneller und wilder gegen meine Rippen zu rasen. Er ging wieder direkt vor mir in die Hocke, bis sein markantes Gesicht nur noch Zentimeter von meinem entfernt war. Er streckte die Hand aus und strich mir mit zwei Fingern unerwartet sanft über das schwarze Lederhalsband an meiner Kehle.

„Du hast verdammt viel Mut, mein kleiner Welpe“, raunte seine tiefe, samtige Stimme, und ein dünnes, amüsiertes Lächeln stahl sich auf seine Lippen. Er genoss es sichtlich, wie ich ihn mit diesen großen, verängstigten Augen ansah. „Du hast mich gerade eben eiskalt angelogen, hast dein Handy in einer Daunendecke versteckt und mich schamlos missbraucht, um mich von deinem Versteck abzulenken. And jetzt bittest du mich im selben Atemzug um ein Telefonat mit der Person, die sich in meine Geschäfte einmischt?“

Ich schluckte schwer, hielt seinem durchdringenden Blick aber stand, obwohl mein ganzer Körper vor Frost und Angst bebte.

Luke stieß ein leises, rauhes Lachen aus, das mir kurzzeitig den Atem raubte. Er griff mit einer fließenden Bewegung in seine Sakkotasche und zog mein Smartphone wieder heraus. Er drehte das flache Gerät zwischen seinen langen Fingern spielerisch hin und her, während seine lila Augen mich unverwandt fixierten.

„Ich werde mich auf ein Experiment einlassen, Leo“, sagte er ruhig, und sein Tonfall wurde schlagartig unendlich dominant. Er legte das Handy mit einer gezielten Bewegung auf meine Knie, ließ seine Hand aber flach darauf liegen, sodass er die volle Kontrolle über die Situation behielt. „Ein Kompromiss. Du darfst sie anrufen. Du darfst ihr von deinem ersten Kuss erzählen. Aber du wirst den Lautsprecher einschalten. Ich werde direkt neben dir sitzen. Jedes einzelne Wort, das sie sagt, und jede Silbe, die du erwiderst, läuft über mich. Wenn du versuchst, ihr ein geheimes Zeichen zu geben oder das Telefonat zu nutzen, um mich zu hintergehen… breche ich die Verbindung sofort ab. Und die Konsequenzen für euch beide werden dieses Mal nicht aufgeschoben.“

Er nahm die Hand langsam von dem Telefon, setzte sich schwer neben mich auf die weiche Bettkante und zog sich entspannt die Ärmel seines schwarzen Hemdes hoch. Seine riesige Statur strahlte eine erdrückende Wärme aus, die einen krassen Gegensatz zu der Winterkälte bildete, die noch an seiner Kleidung haftete. Er verschränkte die breiten Arme vor der Brust und sah mich erwartungsvoll an.

„Wähl ihre Nummer, Leo“, raunte er eiskalt, und das gefährliche Funkeln in seinen lila Augen zeigte mir, dass er sich auf dieses psychologische Spiel freute. „Lass uns hören, was deine beste Freundin zu deinem neuen Leben zu sagen hat.“

Mit extrem zitternden Fingern tippte ich auf den kühlen Bildschirm und wählte Isabels Nummer. Mein Herz raste so heftig, dass ich fast das Gefühl hatte, Luke könnte das dumpfe Schlagen hören. Er saß direkt neben mir auf der Bettkante, die Arme vor der breiten Brust verschränkt und seine Augen unbarmherzig in mein Gesicht gebohrt. Ich tippte hastig auf das Lautsprecher-Symbol, während das Freizeichen ertönte.

Tuut… Tuut…

„Leo!“, plärrte Isabels Stimme sofort gut gelaunt und ein bisschen zu laut aus dem kleinen Lautsprecher. Im Hintergrund hörte ich das leise Klirren von Gläsern und gedämpfte Musik. Sie schien immer noch in bester Feierstimmung zu sein. „Dass du dich noch mal meldest! Na, hat der heiße Psycho-Boss dich endlich schlafen lassen?“

Ich zuckte heftig zusammen und warf Luke einen panischen Blick zu. Seine Miene veränderte sich kein Stück, aber ein hauchdünnes, gefährliches Lächeln stahl sich auf seine Lippen, als er ihren frechen Spruch hörte.

„Isa, hör mir kurz zu“, unterbrach ich sie hastig, während meine Wangen augenblicklich glühten. „Ich… ich muss dir was erzählen. Vorhin gab es einen Moment, in dem Luke mein ganzes Zimmer auf den Kopf gestellt hat. Er hat alles durchwühlt, die Schubladen herausgerissen, gründlich unter das Bett geschaut – und dann wollte er die Daunendecke aufheben. Genau die Decke, in der das Handy steckte. Ich wusste mir einfach nicht anders zu helfen, Isa. Die nackte Panik hat mein Gehirn komplett ausgeschaltet. Ich bin regelrecht vor ihn gesprungen, habe mich ihm in den Weg gestellt, mich auf die Zehenspitzen gestellt und ihn einfach geküsst.“

„Was?!“, kreischte Isabel förmlich am anderen Ende der Leitung, und ich hörte, wie sie sich an irgendetwas verschluckte. „Du hast den Mafia-Typen abgeknutscht?! Oh mein Gott, erzähl mir jedes verdammte Detail!“

Ich schluckte schwer, spürte Lukes intensiven, lila Blick wie eine physische Last auf meiner Haut und redete einfach verzweifelt drauflos. „Es war kein normaler Kuss, Isa. Es war ein total verzweifelter, brutaler Aufprall. Meine Lippen haben wie verrückt gezittert, als ich sie gegen seine gepresst habe. Er war im ersten Moment wie eingefroren. Er hat sich keinen Millimeter bewegt, während ich meinen ganzen Körper gegen seine riesige Statur gedrückt habe, um ihn physisch von dieser Decke wegzuhalten. Seine Lippen waren so verdammt heiß und er hat nach dunklem Kaffee und der Kälte von draußen geschmeckt. Und dann… dann hat er mich plötzlich mit seinen riesigen Händen an der Taille gepackt. Er hat mich so fest an seine breite Brust gedrückt, dass ich seine Muskeln gespürt habe, und hat den Kuss erwidert. So unendlich intensiv und dominant, Isa, dass mir komplett die Luft weggeblieben ist. Als er sich von mir gelöst hat, war mein Kopf vollkommen leer und ich konnte kaum noch richtig stehen.“

Ich atmete zittrig aus, presste die Knie zusammen und starrte auf meine Bettdecke. „Isa… ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Ich meine, er ist mein Entführer! Aber ich habe seitdem so ein verrücktes, intensives Kribbeln im Bauch, das einfach nicht mehr verschwindet. Jedes Mal, wenn ich ihn ansehe, fängt es wieder an. Ist das normal?“

Am anderen Ende der Leitung explodierte Isabel regelrecht vor Freude. „Normal? Leo, du hast endlich mal jemanden abgeschlabbert! Und dann auch noch so einen Traummann, selbst wenn er ein kleiner Psychopath ist! Scheiß auf das schlechte Zeichen, dein Körper feiert gerade Party! Dieses Kribbeln im Bauch sind Schmetterlinge, du Vollidiot! Du bist bis über beide Ohren verknallt, nimm es einfach an! Ich freu mich so sehr für dich, dass du endlich deinen ersten Kuss hattest! Und wie hat der Riese reagiert? Hat er direkt die Kontrolle verloren?“

Ich hielt die Luft an. Isabel feierte den Moment komplett, ohne auch nur zu ahnen, dass die Bestie direkt neben mir saß und jedes einzelne Wort miterlebte. Ich riskierte einen vorsichtigen Blick zu Luke. Seine Reaktion ließ mir das Blut in den Venen gefrieren, jagte mir aber gleichzeitig eine bizarre Hitze durch den Körper.

Er war vollkommen ruhig geblieben. Er schrie nicht, er wirkte nicht einmal verärgert über Isabels lose Lippe. Stattdessen glänzten seine lila Augen vor einem absolut berauschenden, dunklen Triumph. Das Wissen, dass mein ganzer Körper wegen seines Kusses rebellierte und Isabel mich gerade lautstark als „verknallt“ betitelte, fütterte sein psychopathisches Ego ins Unermessliche.

Er tat etwas, das mich fast das Telefon fallen ließ. Er streckte langsam seine riesige, nackte Hand aus, legte die Finger kochend warm an mein Kinn und zwang mich sanft, ihn direkt anzusehen. Er beugte sich so unendlich nah zu mir, dass sein Atem mein Ohr streifte, während er den Blick nicht von meinen blau-grauen Augen abwandte. Er sah mich an, als wäre ich eine Beute, die er soeben endgültig gezähmt hatte. Ein unerbittliches, besitzergreifendes Funkeln lag in seinem Blick, während Isabel am Telefon immer noch fröhlich weiterredete.

„Hallo? Leo? Bist du noch dran oder knutscht ihr schon wieder?“, plärrte Isabels Stimme plötzlich ungeduldig aus dem Lautsprecher.

Ihr Rufen riss mich wie ein plötzlicher Elektroschock aus dieser intimen, berauschenden Starre. Ich blinzelte erschrocken, wich hastig ein Stück von Lukes Gesicht zurück und entkam so seiner Lippenbannmeile, auch wenn seine Hand immer noch warm und besitzergreifend an meinem Kinn lag. Mein Gesicht glühte so heftig, dass es regelrecht wehtat. „Ja! Äm… ja, ich bin noch dran, Isa“, stammelte ich, während ich verzweifelt versuchte, meine eigene Stimme wieder unter Kontrolle zu bringen.

„Sag mal, hat der heiße Riese das Handy eigentlich gefunden, als er deine Decke zerwühlt hat?“, fragte sie unverblümt weiter. „Oder konntest du es vor ihm retten?“

Ich hielt augenblicklich den Atem an. Ein eiskalter Schauer jagte mir über den Rücken. Ich wagte es kaum, auch nur mit dem Kopf zu nicken, aber ich musste ihr schließlich die Wahrheit sagen. Die nackte Wahrheit saß schließlich leibhaftig neben mir auf der Matratze. „Ja… er hat es gefunden. Er hat es vorhin aus der Decke gezogen.“

„Oh Scheiße“, murmelte Isabel am anderen Ende, und für einen kurzen Moment schien sogar sie durch den Schock ein bisschen nüchterner zu werden. „Und was macht er jetzt damit? Hat er dich umgebracht?“

Ich starrte Luke mit klopfendem Herzen an. Seine Reaktion auf mein unfreiwilliges Geständnis war absolut psychopathisch und faszinierend zugleich. Er hatte meine Bestätigung am Telefon gehört, aber er rastete nicht aus, weil wir offen über sein Entdecken sprachen. Stattdessen vertiefte sich das dunkle, triumphierende Glänzen in seinen lila Augen nur noch mörderischer. Er genoss es sichtlich, dass Isabel jetzt wusste, dass er die totale Kontrolle über mich besaß.

Und er bewies mir in genau diesem Moment, wer hier das Sagen hatte. Luke nahm seine Hand von meinem Kinn, bewegte sich mit einer unheimlichen, raubtierhaften Langsamkeit und beugte sich so nah über meine Knie, dass seine breite Schulter meine Brust streifte. Er sah mich ununterbrochen an, während er seine großen Finger ausstreckte und mir das Smartphone ganz sanft aus der Hand nahm. Ich leistete keinen Widerstand. Ich konnte es schlicht nicht.

Er drückte jedoch nicht auf Auflegen. Er behielt den Lautsprecher aktiv, hielt das Handy dicht an seine Lippen und ergriff selbst das Wort. Seine tiefe, samtige Stimme dröhnte ruhig und absolut dominant durch den Raum und direkt in das mikrofon: „Nein, Isabel. Ich habe ihn nicht umgebracht“, raunte Luke, und ein mörderisch sanftes Lächeln schwang in seinem Tonfall mit. „Aber wie du richtig festgestellt hast: Ich habe sein Handy. Und ich habe jedes einzelne Wort gehört, das du über meine Küsse und seine Schmetterlinge im Bauch gesagt hast.“

Am anderen Ende der Leitung herrschte schlagartig eine so absolute, tödliche Stille, dass man Isabels geschockten Atemzug deutlich hören konnte. Jede gute Laune war bei ihr wie weggewischt.

„Und da du dich ja so unendlich für deinen besten Freund freust“, fuhr Luke eiskalt vor, während seine lila Augen sich tief in meine blau-grauen bohrten, „wirst du jetzt ganz genau zuhören. Er gehört mir. Mit jedem ersten Mal. Und wenn du dich noch einmal in meine Geschäfte einmischst oder versucht, unter dem Namen Isa Verträge für sein Café zu unterschreiben… dann wird das nächste Telefonat, das wir führen, dein letztes sein. Haben wir uns verstanden?“

Ich saß mit weit geöffnetem Mund da, absolut unfähig zu atmen. Er hatte die Falle endgültig zugeschlagen. Er hatte Isabel direkt mit dem Tod gedroht, während ich hilflos daneben saß. Die nackte Panik um Isabel mutierte in einer Zehntelsekunde zu purer, blinder Wut. Ich dachte nicht mehr nach. Ich vergaß seine zwei Meter Körpergröße, ich vergaß das Casino, ich vergaß seine psychopathische Natur. Mit voller Wucht schlug ich ihm auf den muskulösen Oberarm.

„Aus!“, schrie ich ihn an, und meine voice überschlug sich förmlich vor reiner Verzweiflung. „Lass das! Das ist verdammt noch mal nicht witzig! Sie ist schon viel länger da als du und sie darf mein Café kaufen! Schließlich ist es meins!“

Mein Schlag prallte von seinem harten Arm ab, als hätte ich gegen eine massive Steinmauer geschlagen. Meine Handfläche brannte höllisch, aber ich starrte ihn trotzig an, während mir die Tränen heiß in die Augen schossen. Lukes Reaktion war erschreckend. Er zuckte nicht einmal zusammen. Er sah nicht mal auf seinen Arm hinunter. Stattdessen drehte er den Kopf unendlich langsam zu mir, und dieses hauchdünne, dunkle Lächeln auf seinen Lippen vertiefte sich nur noch mehr. Seine lila Augen glänzten vor einer berauschenden, gefährlichen Belustigung. Dass ich ihn vor den Ohren meiner besten Freundin attackierte, verletzte sein Ego kein Stück. Es amüsierte ihn nur. Er fand es süß, wie mein kleiner Welpe versuchte, die Zähne zu zeigen.

Bevor er antworten konnte, ertönte Isabels voice aus dem Lautsprecher. Das beschwipste Glucksen war völlig verschwunden. Sie klang zutiefst schockiert, aber trotz der Angst schoss ihr typischer Hang zum Problemfall durch. „Leo?! Oh mein Gott, du hast ihn gerade geschlagen?!“, stammelte sie fassungslos. „Bist du lebensmüde? Und… und du, Riese! Hör mal gut zu! Ich habe das Café rechtlich völlig legal gekauft, bevor deine Mafia-Schergen es dichtmachen konnten! Wenn du Leo anrührst oder mir drohst, dann… dann…“ Sie brach kurz ab, schluckte hörbar und schrie dann wütend ins mikrofon: „…dann schicke ich dir meine Anwälte auf den Hals, du riesiger Psychopath!“

Ich schlug mir entsetzt die Hände vor das Gesicht. Isabel, nein. Man droht einem Don nicht mit Anwälten.

Luke stieß ein tiefes, rauhes Lachen aus. Es war kein wütendes Geräusch, sondern das amüsierte Lachen eines Mannes, der die Situation vollkommen unter Kontrolle hatte. Er hob das Handy wieder an die Lippen. „Rechtlich legal?“, raunte seine samtige voice, und die Kälte darin ließ selbst mich auf der Bettkante erzittern. „Niedlich, Isabel. Wirklich. Aber in dieser Stadt bin ich das Gesetz. Behalt das Café, wenn es dir so viel bedeutet. Sieh es als mein persönliches Geschenk an dich dafür, dass du dich so rührend um Leos Vergangenheit kümmerst. Aber wenn du noch einmal versuchst, ihn zu kontaktieren oder ihm Fluchtgedanken in den Kopf zu setzen… nützen dir auch deine Anwälte nichts mehr. Denn im Gegensatz zu ihnen hinterlasse ich keine Papierspuren.“

Mit einer fließenden, unbarmherzigen Bewegung drückte er auf den roten Button. Klick. Er legte einfach auf. Mitten in Isabels nächstem Protest.

Er steckte das Smartphone lässig in seine Sakkotasche, drehte sich ganz zu mir um und baute sich wieder bedrohlich über mir auf. Seine zwei Meter Körpergröße schnitten mich komplett vom Rest des Raumes ab. Er packte meine beiden Handgelenke mit einer einzigen Hand, hielt sie mühelos fest und drückte mich sanft, aber unnachgiebig zurück in die Kissen.

„Du hast mich schon wieder geschlagen, Leo“, flüsterte er, und sein lila Blick brannte sich tief in meine blau-grauen Augen, während sein Atem meine Lippen streifte. Er war mir so unglaublich nahe, dass mein Gehirn komplett ausschaltete. „Und du hast deine laute Freundin verteidigt. Ich habe ihr das Café gelassen – für dich. Aber dein Trotz wird ab jetzt harte Konsequenzen haben. Du hast mir vorhin deinen ersten Kuss geschenkt. Und morgen wirst du lernen, was es bedeutet, wenn der Don der Unterwelt sich nimmt, was ihm rechtmäßig gehört.“

Mein Herz raste so heftig, dass es schmerzhaft gegen meine Rippen schlug, während Luke meine Handgelenke losließ und sich langsam in seine volle Größe aufrichtete. Was wollte er morgen mit mir anstellen? Worüber wollte er reden? Die Andeutungen dieses Mannes machten mir unbarmherzige Angst, und doch war da diese verrückte, glühende Hitze in meiner Brust, die ich einfach nicht abstellen konnte. Er hatte Isabel das Café gelassen – für mich. Er hatte eine Grenze für mich gezogen.

Als die Zimmertür schließlich ins Schloss fiel und der metallische Riegel von außen vorschoss, lag ich noch stundenlang wach. Ich starrte in die Dunkelheit, während draußen der eisige Wind durch die Tannen peitschte, und malte mir die schlimmsten und intensivsten Szenarien aus. Irgendwann übermannte mich die pure emotionale Erschöpfung.

Es war noch tiefste Nacht, kurz vor dem eigentlichen Sonnenaufgang, als mich ein leises, metallisches Geräusch plötzlich aus dem Schlaf riss. Das Klick des Schlosses. Ich blinzelte verschlafen, die Augen noch schwer von der Erschöpfung, und wollte mich gerade tiefer in der Daunendecke vergraben, als ich die gewaltige, dunkle Silhouette bemerkte, die bereits schweigend neben meinem Bett stand.

Luke.

Er trug keinen Anzug wie am Tag zuvor, sondern ein einfaches, schwarzes Hemd, dessen Ärmel bis zu den Unterarmen hochgekrempelt waren. In dem fahlen, bläulichen Licht der Dämmerung wirkten seine lila Augen fast pechschwarz und unendlich intensiv.