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Kapitel 14 – Die unsichtbare Grenze

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Kapitel 14 – Die unsichtbare Grenze

Ich trat vor den großen Kontrollbildschirm an der Küchenwand, auf dem automatisch die Live-Videos der versteckten Überwachungskameras aufgeschaltet wurden. Das Bild flackerte kurz bläulich auf, dann schärfte es sich mit einem Mal. Am äußersten Waldrand, mitten im tiefen, unberührten Schnee, kniete eine kleine, zitternde Gestalt. Sie trug eine viel zu große, unförmige Winterjacke, ihre wilden, braunen Haare waren voller weißer Schneeflocken und sie hielt sich wimmernd den linken Arm. Die Kamera fing ihr Gesicht in einer scharfen Nahaufnahme ein, als sie schmerzerfüllt den Kopf hob. Tiefe braune Augen. Ein absolut vertrauter Gesichtsausdruck von purem Trotz, der in diesem Moment jedoch von dem schweren Schock des Elektroschocks überlagert wurde.

Isabel.

Diese kleine, laute Kellnerin. Dieser absolute Problemfall war tatsächlich zu meinem abgeschotteten Anwesen gekommen. Der hochempfindliche Sensor des elektromagnetischen Feldes hatte sofort angeschlagen, weil sie kein autorisiertes Halsband trug – das Feld hatte sie mit einem brutalen, unsichtbaren Schlag direkt rückwärts in den Schnee geworfen. Sie zitterte heftig, versuchte aber verzweifelt und mit den Tränen kämpfend, wieder auf die Beine zu kommen. Sie war allein. Sie war komplett ohne Waffen. Und sie war direkt in die Höhle des Löwen marschiert.

„Isabel!“, stieß Leo neben mir fassungslos hervor, und seine Stimme überschlug sich förmlich vor nacktem Entsetzen. Er stürmte nach vorn und presste die Hände flach gegen den flimmernden Bildschirm, als könnte er sie allein durch diese Geste vor dem Unheil beschützen. „Oh mein Gott, Luke, nein! Das Feld hat sie erwischt! Bitte, du musst das Feld sofort abschalten! Sie blutet am Arm, sie… sie stirbt dort draußen in der Kälte!“

Er drehte sich panisch zu mir um, heiße Tränen schossen ihm in die Augen und er packte verzweifelt mit beiden Händen den dunklen Stoff meines schwarzen Hemdes. Er zitterte am ganzen Körper, vollkommen überwältigt von der blanken Angst um das Leben seiner besten Freundin.

Ich rührte mich keinen Millimeter. Ich starrte starr und ausdruckslos auf den Bildschirm. Mein analytischer Verstand analysierte die Situation in Millisekunden. Sie hatte das Handy-Telefonat von gestern also wirklich genutzt, um den genauen Standort zurückzuverfolgen. Sie hatte meine unmissverständliche Drohung einfach ignoriert. Ein eiskaltes, mörderisches Lächeln legte sich langsam auf meine Lippen, während meine lila Augen dunkel und gefährlich aufblitzten.

„Sie hat meine Grenzen getestet, Leo“, raunte meine tiefe, samtige Stimme, und ich nahm seine zitternden Hände mit einem festen, eisernen Griff von meinem Hemd, um ihn kühl zu fixieren. „Ich habe ihr gestern klipp und klar gesagt, was passiert, wenn sie sich einmischt. Und jetzt ist sie hier. Auf meinem Boden.“

Ich blickte zurück zum Kontrollbildschirm. Nox und Cerberus hatten den gellenden Alarm ebenfalls gehört. Ihre riesigen, dunklen Gestalten schälten sich bereits bedrohlich aus dem tiefen Schatten der Tannen und schlichen langsam auf die verletzte Isabel im Schnee zu. Sie witterten den Eindringling. Sie warteten nur noch auf mein erlösendes Signal.

„Luke, ich flehe dich an!“, schrie Leo auf, und im nächsten Moment ging er vor mir auf die nackten Knie. Er umfasste meine Beine, krallte sich an meiner Hose fest und sah mit großen, verängstigten Bambi-Augen zu mir auf. „Ich tue alles! Ich sage dir die ganze Wahrheit, ich gehorche dir, ich bleibe für immer hier bei dir! Aber lass die Wölfe nicht an sie heran! Bitte, bring sie nicht um!“

Ich sah von oben herab auf meinen kleinen, am Boden kauernden Welpen. Sein emotionaler Zusammenbruch war perfekt. Isabel war direkt in meine Falle gelaufen – und sie war ab jetzt das ultimative Druckmittel, um Leos Willen für immer zu brechen. Ich legte den Kopf leicht schief, während Leo vor mir auf den Knien kauerte und den Stoff meiner Kleidung umklammerte. Seine blau-grauen Augen waren riesig, voller Tränen, und sein herzzerreißendes Flehen hallte schneidend durch die sterile Küche. Jedes Wort, das aus ihm heraussprudelte – dieses verzweifelte Betteln um das Leben seiner Freundin –, amüsierte mich zutiefst. Ein dünnes, zufriedenes Lächeln stahl sich auf meine Lippen. Seine Angst schmeckte süß, und das Wissen, dass dieses kleine braunhaarige Biest an der Grundstücksgrenze mir die absolute Macht über meinen Welpen schenkte, berauschte mein gesamtes Ego.

Ich stieß ihn sanft, aber unnachgiebig zurück. „Bleib hier“, raunte ich kühl, drehte mich um und marschierte mit ruhigen, schweren Schritten hinaus in die Garage.

Ich hatte nicht vor, auch nur eine Sekunde zu warten. Der schrille Alarm gellte unbarmherzig weiter durch die Hallen. Ich drückte auf den Funkschlüssel des mattschwarzen Jeeps, stieg ein und ließ den Motor mit einem tiefen, grollenden Fauchen anspringen. Doch mein Welpe dachte gar nicht daran, brav zu gehorchen. Die Beifahrertür flog mit Schwung auf. Leo sprang atemlos auf den Sitz, sein Gesicht kreidebleich, die Augen wild vor Panik. Noch bevor er auch nur ansetzen konnte, etwas zu sagen, drückte ich blitzschnell den Knopf der Zentralverriegelung. Das dumpfe, schwere Klack der Kindersicherung besiegelte, dass er festsah. Er würde mir nicht entkommen. Nicht jetzt.

Ich jagte den schweren Geländewagen über die verschneite Auffahrt, hinein in den dichten, stockdunklen Wald. Neben mir schlug Leo wie von Sinnen mit den Fäusten gegen die Scheibe, trat verzweifelt gegen das Armaturenbrett und flehte mich an, das Feld abzuschalten. Ich schwieg eisern. Meine großen Hände lagen absolut ruhig und kontrolliert auf dem Lenkrad. Ich war der Don. Ich bestimmte, wer in meinem Reich lebte und wer starb.

Nach wenigen Minuten scharfer Fahrt bremste ich den schweren Wagen abrupt ab. Die hellen Scheinwerfer schnitten durch das dämmrige Weiß und erfassten die Szene am Waldrand haargenau.

Dort kauerte Isabel im tiefen Schnee, den verletzten, blutenden Arm fest an ihren Körper gepresst. Und direkt um sie herum standen sie bereits. Meine Waffen. Meine Raubtiere. Nox blockierte ihr jeden einzelnen Fluchtweg, die Lefzen gefährlich hochgezogen, während Cerberus und Hades bedrohlich knurrten. Speedy und Erebos hielten den Kreis eisern geschlossen. Sie warteten nur auf mein erlösendes Signal, um die Ratte zu zerfleischen, die mein Territorium verletzt hatte.

Ich wollte gerade den Motor abstellen, um in aller Ruhe auszusteigen und die Kontrolle über die Situation zu übernehmen, als das Geschehen in einer einzigen Millisekunde komplett meinen Berechnungen entglitt.

Leo hatte den kleinen Spalt des offenen Fensters auf meiner Fahrerseite genutzt. Mit einer wahnwitzigen, verzweifelten Schnelligkeit warf er sich über die Mittelkonsole, drückte mit der Hand den Fensterheber nach unten und stürzte sich ohne Rücksicht auf Verluste kopfüber aus dem offenen Fahrerfenster direkt hinaus in den tiefen Pulverschnee.

„Leo, nein!“, brüllte ich mit einer Stimme, die ich selbst kaum wiedererkannte.

Und zum allerersten Mal in meinem gesamten Leben spürte ich sie: die nackte, unkontrollierbare Panik. Sie traf mich wie ein physischer Schlag mit voller Wucht in die Magengrube. Mein sonst so perfekt kalkulierender Verstand setzte für einen Moment komplett aus. Das bläuliche Warnlicht auf meinem Armaturenbrett signalisierte mir im Sekundentakt, wie verdammt nah er der unsichtbaren Grenze des elektromagnetischen Feldes bereits war. Der Sensor in seinem Lederhalsband war scharf gestellt. Noch ein einziger unüberlegter Schritt vorwärts, und das Feld würde ihn erfassen, würde seinen schmalen Körper mit tausenden Volt grillen. Er war mein kostbarster Besitz. Mein einziges, reines Meisterwerk. Ich durfte unter gar keinen Umständen zulassen, dass er vor meinen Augen zerstört wurde.

Ich riss die Fahrertür auf und sprang aus dem Jeep. Die beißende Kälte schlug mir entgegen, aber ich spürte sie nicht im Geringsten. Meine zwei Meter Körpergröße schnellten wie ein geölter Blitz durch den tiefen Schnee. Ich sah, wie Leo sich schluchzend im Weißen aufrichtete, wie er blind losrennen wollte, um sich schützend vor Isabel zu werfen. Er vergaß das tödliche Feld, er vergaß sich selbst – nur um diese wertlose Person da drüben zu retten.

Ich dachte nicht an das Risiko für mich selbst. Ich dachte nicht daran, dass ich selbst den tödlichen Schlag abbekommen könnte, wenn ich die unsichtbare Linie berührte. Ich wusste nur, dass ich ihn da sofort wegholen musste.

Mit einem brutalen, weiten Satz warf ich meinen massiven Körper direkt zwischen Leo und die gefährliche Grenze. Ich rammte ihn regelrecht von den Beinen, riss ihn mit aller Kraft rückwärts mit mir in den tiefen Schnee, weit weg von der Gefahrenzone. Wir prallten hart auf dem gefrorenen Boden auf, und ich begrub seinen zitternden Körper komplett unter meinem enormen Gewicht, blockierte jede seiner verzweifelten Bewegungen.

Mein Atem ging in schweren, unregelmäßigen Stößen. Mein Herz hämmerte so wild gegen meine Rippen, dass es schmerzte. Das nackte Adrenalin raste heiß durch meine Venen, und eine mörderische, besitzergreifende Wut übernahm augenblicklich die totale Kontrolle über mich. Meine großen Hände krallten sich so heftig in seine Schultern, dass ich seine Knochen unter dem Stoff spürte. „Bist du vollkommen wahnsinnig geworden?!“, brüllte ich ihn direkt ins Gesicht an, und meine Stimme bebte vor einem Zorn, den ich noch nie zuvor in meinem gesamten Leben empfunden hatte. Ich fixierte seine tränenüberströmten Bambi-Augen mit meinen lila Augen, die dunkel vor Raserei blitzten. „Du hättest dich fast umgebracht für diese wertlose Person! Du gehörst mir, Leo! Ich entscheide, wann du brennst, und niemand sonst!“

Er starrte mich einfach nur an, völlig perplex und starr vor Schreck. Er hatte meine ungeschminkte Panik gesehen. Er hatte mit eigenen Augen gesehen, dass das kalt kalkulierende Monster eine Schwachstelle hatte: ihn.

Ein paar Meter weiter gab die verletzte Isabel im tiefen Schnee ein schwaches, fassungsloses Keuchen von sich. Sie starrte entsetzt auf mich, wie ich Leo fest im Schnee fixiert hielt, und stammelte fassungslos unter Tränen: „Leo… was… was zur Hölle ist das für eine geisteskranke Dark-Romance-Scheiße, in der du hier gelandet bist…?“

Ich würdigte sie keines einzigen Blickes. Ich hielt meinen Welpen einfach nur dicht an den gefrorenen Boden gepresst, während mein Herz in der Brust langsam wieder seinen gewohnten Rhythmus fand. Er hatte versucht, mir zu entkommen – und ich hatte bewiesen, dass ich durch die Hölle gehen würde, um ihn zu behalten. Er lag unter mir im kalten Schnee, absolut unfähig, sich gegen meine Statur zu bewegen, während meine großen Hände seine schmalen Schultern eisern am Boden fixierten. Seine blau-grauen Augen waren riesig, schwammen in heißen Tränen, und sein ganzer Körper bebte unaufhörlich unter meinem Gewicht.

„Bitte… tu ihr nichts“, wimmerte er leise, und seine raue Stimme brach vor lauter Verzweiflung komplett. Er sah mich so unendlich flehend an, als hänge sein gesamtes Leben nur noch von meinem nächsten Atemzug ab. „Sie war die Einzige, die für mich da war, als meine Eltern gestorben sind… und mein Bruder sein wahres Gesicht gezeigt hat. Bitte… du darfst sie mir nicht auch noch wegnehmen.“

Seine gebrochenen Worte sickerten langsam in meinen Verstand. Die Einzige. Wieder schoss dieses unbarmherzige, psychopathische Besitzergreifungsgefühl durch meine Venen, aber die mörderische Raserei von eben ebbte langsam ab. Sie war seine Vergangenheit gewesen. Sein einziger Halt in einer Welt voller bitterer Verluste und Verrat. Und nun flehte er mich – das Monster, das sein gewohntes Leben zerstört hatte – auf Knien um Gnade an. Er kapitulierte vor mir.

Ich sah intensiv auf seine zitternden, rötlichen Lippen. Ich gab ihm keine verbale Antwort. Stattdessen beugte ich mich langsam tief zu ihm hinunter und presste meine Lippen auf seine. Es war kein harter, dominanter Kuss wie gestern. Ich küsste ihn überraschend sanft, hielt seine Lippen für einen langen, intensiven Moment gefangen und sog seinen verzweifelten Atem tief in mich auf. Es war ein stummes, besitzergreifendes Versprechen mitten im eiskalten Schnee: Ich nehme sie dir nicht weg. Aber du bezahlst von nun an mit deiner absoluten Ergebenheit.

Als ich mich von ihm löste, keuchte er leise auf, völlig perplex von dem plötzlichen Stimmungswechsel. Ich richtete mich in meine volle Zwei-Meter-Größe auf, stand auf und zog ihn mit einem einzigen, festen Ruck an seiner Hand hoch auf die Beine. Er taumelte kurz im Schnee, hielt sich instinktiv an meinem Arm fest und starrte mich mit schreckgeweiteten Augen an.

Ich drehte den Kopf kühl zu dem schwarzen Alpha-Wolf, der immer noch bedrohlich knurrend vor der zitternden Isabel im Schnee stand. „Nox. Bring sie her“, befahl ich. Meine Stimme war wieder vollkommen ruhig, eiskalt und schnitt wie ein Messer durch die frostige Luft.

Nox zögerte keine einzige Sekunde. Das riesige Raubtier machte einen weiten Satz nach vorn. Isabel schrie gurgelnd vor Angst auf, als der Wolf seine mächtigen Kiefer schloss und sie unsanft am dicken Stoff ihres Mantels packte. Er biss nicht in ihr Fleisch – er war perfekt abgerichtet –, aber er schleppte sie unbarmherzig und grob über den gefrorenen Boden hinter sich her, direkt auf uns zu. Ihre Beine schleiften durch den tiefen Schnee, während sie verzweifelt versuchte, nicht komplett das Gleichgewicht zu verlieren.

„Isabel!“, rief Leo panisch und wollte schon wieder blind losrennen, doch ich legte einen Arm von hinten bombenfest um seine schmale Taille, zog seinen Rücken gegen meine breite Brust und hielt ihn unnachgiebig fest. Er durfte keinen einzigen Schritt näher an die gefährliche Grenze machen.

Als Nox die wimmernde, völlig verängstigte Isabel direkt vor meinen schweren Stiefeln im Schnee fallen ließ, winselte der Wolf leise und trat respektvoll zurück. Isabel lag keuchend auf den Knien, ihre wilden braunen Haare waren voller Eis, ihr Gesicht tränenverschmiert. Sie hielt sich immer noch den schmerzenden Arm, der den heftigen Elektroschock abbekommen hatte.

Ich blickte eiskalt von oben auf sie herab. „Du hast meinen Boden betreten, Isabel“, raunte meine tiefe, samtige Stimme. „Und du hast meinen Welpen in akute Lebensgefahr gebracht. Eigentlich solltet ihr beide jetzt die Konsequenzen spüren.“

Leo weinte leise an meiner Brust, seine Finger krallten sich verzweifelt in meinen Ärmel. „Luke… bitte…“, flüsterte er vollkommen gebrochen.

Ich sah kurz hinunter zu ihm, strich ihm flüchtig über eine nasse Locke und blickte dann wieder zu der fassungslosen Kellnerin auf dem Boden. „Aber Leo hat mich darum gebeten, dich am Leben zu lassen. Und ich neige dazu, meinem Eigentum seine Wünsche zu erfüllen, wenn er sich im Gegenzug als brav erweist. Ihr kommt beide mit ins Haus.“ Ich packte Isabel grob am Kragen ihrer Jacke, zog sie mit einer Leichtigkeit auf die Beine, die ihr jegliche Farbe aus dem Gesicht trieb, und stieß sie in Richtung des Jeeps. „Einsteigen. Hinten.“

Isabel starrte mich aus riesigen, tiefbraunen Augen an. Sie war ein absoluter Problemfall, laut und frech am Telefon, aber hier draußen, angesichts meiner Statur und meiner Wölfe, war ihr jedes lose Mundwerk komplett vergangen. Sie zitterte so heftig, dass sie kaum die Autotür aufbekam, und kletterte panisch auf die Rückbank.

Ich öffnete die Beifahrertür für Leo. Er sah mich an – die blau-grauen Augen voller Tränen, aber in seinem Blick lag dieses Mal eine tiefe, fast schon fassungslose Erleichterung. Er stieg schweigend ein, winkelte seine Beine sofort wieder eng an die Brust und starrte durch die Trennscheibe nach hinten zu seiner Freundin. Ich setzte mich ans Lenkrad, schaltete den Gang ein und wendete den Jeep.

Auf der kurzen Rückfahrt zur Villa herrschte eine erdrückende, bleierne Stille im Wagen. Doch im Rückspiegel konnte ich genau beobachten, was passierte: Isabel saß weit vorgebeugt auf der Rückbank, starrte wie hypnotisiert auf Leos Nacken und hielt sich geschockt die Hand vor den Mund. Durch den nassen, heruntergerutschten Pullover war das eng anliegende, schwarze Lederhalsband an Leos Kehle vollkommen freigelegt worden. Sie begriff erst jetzt die wahre Dimension seines Gefängnisses.

Und ich? Ich genoss jede Sekunde dieser Autofahrt. Ich hatte sie jetzt beide in meinem goldenen Käfig. Und das Spiel fing gerade erst an.

Kaum waren wir zurück an der Villa, stellte ich den Motor ab. Ich spürte das rasende Adrenalin immer noch in meinen Adern, doch meine Miene war längst wieder zu dieser unerschütterlichen, eiskalten Maske erstarrt. Ich stieg aus, riss die hintere Tür des Jeeps auf und zog Isabel unsanft am Kragen nach draußen. Sie keuchte auf, stolperte im Schnee, aber ich hielt sie unnachgiebig im Griff. Hinter mir schlug die Beifahrertür zu. Leo. Er rannte los, die blau-grauen Augen voller Panik, und wollte instinktiv zu seiner besten Freundin stürzen.

„Speedy!“, rief ich scharf durch die kalte Luft.

Der Wolf reagierte augenblicklich. Wie ein geölter Blitz schoss er aus dem Schatten der Garage hervor, schnitt Leo gekonnt den Weg ab und drängte ihn mit seinem massiven, felligen Körper sanft, aber absolut unnachgiebig zurück. Leo stolperte rückwärts in den Schnee, starrte den Wolf fassungslos an und versuchte vergeblich, an ihm vorbeizukommen.

Während Speedy ihn erfolgreich blockierte, brachte ich die zitternde Isabel durch den Seiteneingang nach drinnen. Sie sah mich aus riesigen, tiefbraunen Augen an, den verletzten Arm fest an die Brust gepresst. Sie war die laute, freche Kellnerin am Telefon gewesen hier drinnen, in meinem Reich, war sie nur noch ein verängstigtes kleines Etwas. Ich stieß sie in Richtung des Flurs im ersten Stock. „Geh duschen und zieh dir was anderes an. Verstanden? Du hast exakt fünf Minuten.“

Isabel zitterte am ganzen Körper, starrte mich kurz an und nickte dann hastig, bevor sie wie eine Ertrinkende in das Gästezimmer im ersten Stock stürmte. Die Badezimmertür fiel kurz darauf krachend ins Schloss.