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Kapitel 16 Das Erbe der Bestie

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Kapitel 16 Das Erbe der Bestie

Ich lief augenblicklich so extrem rot an, dass ich ernsthaft dachte, mein Kopf müsste in der nächsten Sekunde explodieren. Kinder?! Ich starrte vollkommen fassungslos auf meinen halb leeren Teller Spaghetti, während meine Gabel mit einem klirrenden Geräusch aus den Fingern auf das Porzellan fiel. Er scherzte nicht ein Don scherzte niemals über solche Dinge –, er genoss es in diesem Moment einfach nur aus tiefster Seele, mich vor den Augen meiner besten Freundin komplett aus der Fassung zu bringen.

Isa verschluckte sich lautstark an ihrer eigenen Spucke und hustete heftig. Ihr Gesicht wechselte in Sekundenschnelle von misstrauisch zu fassungslos und landete schließlich bei purer, giftiger Wut. Ihr Hang zum absoluten Problemfall explodierte in einer Zehntelsekunde.

„Deine was?!“, schrie sie fast über den gesamten Couchtisch hinweg, während sie die Gabel drohend in Lukes Richtung streckte. „Du hast sie doch nicht mehr alle! Du hältst ihn seit drei Tagen in deiner Gewalt, hast ihm eine verdammte Hundeleine verpasst und schwadronierst hier ernsthaft über genetische Fortpflanzung?! Du bist zwei Meter purer, geisteskranker Narzissmus, Luke!“

„Es ist schlicht biologische Effizienz, Isabel“, erwiderte Luke vollkommen gelassen, und seine großen Finger trommelten in einem ungerührten, langsamen Takt weiter auf meinem Oberarm herum. „Er hat wunderschöne blau-graue Augen und kupferfarbenes Haar. Ich habe lila Augen. Die mathematische Wahrscheinlichkeit für ein perfektes Ergebnis ist extrem hoch. Aber das verstehst du als einfache Kellnerin vermutlich nicht.“

„Einfache Kellnerin?!“, Isa sprang wütend von ihrem Sessel auf, die Arme tief in die Hüften gestemmt, und funkelte ihn an, als wollte sie ihn eigenhändig in Stücke reißen. „Ich bin die rechtliche Besitzerin seines Cafés, du riesiger Mafia-Scherge! Und ich werde ganz sicher nicht zulassen, dass du ihn hier als Zuchthengst für deine psychopathische Mini-Mafia benutzt! Er geht hier weg, und deine Genetik kann sich im tiefen Schnee verscharren!“

„Er geht nirgendwohin“, raunte Luke, und die plötzliche, eisige Kälte in seiner tiefen Stimme ließ die Luft im gesamten Wohnzimmer schlagartig gefrieren. Er lehnte sich ein Stück zurück, ließ mich aber keinen einzigen Millimeter aus seinem festen, schweren Griff entkommen. Seine lila Augen bohrten sich wie zwei geschärfte Klingen in Isas Gesicht. „Du schreist in meinem Haus, du beleidigst mich an meinem Tisch und du rührst mein Essen nicht an. Du denkst, dein Trotz macht dich stark. Aber in Wahrheit zeigt er mir nur, wie verdammt hilflos du bist. Ich habe diese Diskussion endgültig satt.“

Isa wollte gerade zu einer neuen, epischen Beleidigung ansetzen, doch Luke war um ein Vielfaches schneller. Er hob einfach warnend eine Hand, und dieses mörderisch sanfte, überlegene Lächeln kehrte auf seine Lippen zurück.

„Wenn du noch ein einziges Wort sagst, Isabel“, flüsterte er unbarmherzig leise, „dann lasse ich Nox deinen Teller fressen. Und danach dich. Setz dich hin und schweig.“

Isa hielt mitten im Satz inne. Ihre Lippen blieben geöffnet, aber als sie den eiskalten, mörderischen Glanz in seinen lila Augen sah, schluckte sie ihren Stolz sichtlich mühsam hinunter. Sie wusste ganz genau, dass er es tun würde. Sie war zäh, sie war unheimlich frech, aber gegen die Bestie der Unterwelt hatte sie im Ernstfall keine Chance. Mit einem wütenden, frustrierten Schnauben ließ sie sich zurück in die Kissen sinken und verschränkte die Arme so fest vor der Brust, dass ihre Knöchel weiß anliefen. Luke hatte gewonnen. Er verlor nie.

Ich saß immer noch knallrot daneben, starrte starr geradeaus und pickte mechanisch ein weiteres Speckstückchen aus meinen Nudeln, um es dem treu wartenden Speedy vor der Couch zuzuwerfen. Mein Herz raste wie verrückt bei dem Gedanken an seine Worte. Unsere Kinder… Ich hasste ihn dafür, wie er Isa behandelte, aber diese dunkle, besitzergreifende Zukunft, die er da gerade skizziert hatte, jagte mir eine Hitze durch den Körper, die mich komplett fassungslos machte.

Isa schnaubte so wütend, dass ihre nassen Haare ihr ins Gesicht flogen. Sie starrte mich mit einer Mischung aus fassungsloser Verzweiflung und purer Genervtheit an. „Leo, hilf mir doch mal!“, rief sie über den Couchtisch hinweg. „Dein… dein was-auch-immer da neben dir redet von Genetik und Kindern, aber du willst doch gar keine! Sag ihm das!“

Mein Herz setzte einen heftigen Schlag aus, und die Röte auf meinen Wangen pulsierte so heiß, dass mir schwindelig wurde. Isa hatte recht. Ich hatte noch nie Kinder gewollt. Der Gedanke, in dieser grausamen, unberechenbaren Welt die Verantwortung für ein anderes Leben zu tragen, hatte mir schon immer Angst gemacht. Nach dem plötzlichen Tod unserer Eltern und dem bitteren Verrat von Ben war dieser Wunsch in mir endgültig gestorben. Ich wollte einfach nur mein Café führen und meine Ruhe haben. Ich schluckte schwer, wich Lukes lila Blick aus und starrte auf meine Hände, die im Stoff meines Pullovers vergraben waren.

„Ich… ich will wirklich keine Kinder, Luke“, flüsterte ich leise, und meine Stimme zitterte ganz leicht. Ich zwang mich mühsam, den Kopf zu heben, um ihm direkt in die Augen zu sehen. „Ich wollte noch nie welche. Das weiß Isa ganz genau.“

Luke bewegte sich keinen Millimeter. Der schwere Arm um meine Schultern blieb  ruhig, doch die Finger, die auf meinem Oberarm trommelten, hielten schlagartig inne. Die Luft im Wohnzimmer fror in einer Zehntelsekunde zu einer eiskalten, drückenden Masse zusammen. Lukes Miene veränderte sich nicht plump. Ein Mann wie er geriet nicht in Erklärungsnot. Aber das amüsierte, spöttische Lächeln verschwand komplett von seinen Lippen. Seine lila Augen verengten sich zu zwei dunklen,  intensiven Schlitzen, während er mich musterte. Er analysierte meinen echten, tief sitzenden Widerstand.

Wollte er wirklich Kinder? Ein Don der Mafia dachte nicht an Windeln wechseln oder Vorlesen. Für ihn ging es um etwas ganz anderes: Erbschaft, Vermächtnis und die unaufhaltsame Erweiterung seines Besitzes. Ein Kind von mir wäre die absolute, genetische Manifestation seiner totalen Kontrolle über mein Leben. Es würde bedeuten, dass ich für immer an ihn und seine Unterwelt gekettet wäre, ohne jede Chance auf Entkommen. Er wollte keine Familie er wollte einen perfekten Thronfolger für sein Imperium. Und er wollte, dass dieser Thronfolger von mir stammte.

Er beugte sich langsam zu mir herunter, bis sein Gesicht nur noch Zentimeter von meinem entfernt war. Seine große Hand wanderte von meiner Schulter hoch zu meinem Nacken, vergrub sich fest in meinen braunen Locken und zwang mich sanft, aber unnachgiebig, ihn direkt anzusehen.

„Was du in deiner Vergangenheit wolltest, Leo, interessiert mich nicht mehr“, raunte seine tiefe, samtige Stimme direkt an meinen Lippen. Der Tonfall war so  dominant, dass mein Gehirn sofort wieder den Dienst quittierte. „In deiner alten Welt gab es nur Verlust. Aber in meiner Welt bestimme ich, was deine Zukunft bringt. Wenn ich entscheide, dass dieses Imperium ein Vermächtnis braucht, dann wirst du es mir schenken. Dein Wille ändert  nichts an den Regeln meines Hauses.“

Er ließ meinen Nacken los, blickte mit schneidender Überlegenheit hinüber zu Isa und setzte mit einem mörderisch sanften Lächeln nach: „Und du, Isabel, solltest schleunigst aufhören, ihm Flohgedanken ins Ohr zu setzen. Seine Wünsche gehören ab jetzt mir.“

Isa starrte ihn mit offenem Mund an, unfähig, auf diese eiskalte Arroganz überhaupt noch etwas zu erwidern. Sie sah mich an, und in ihren Augen lag pure, fassungslose Sorge. Sie begriff jetzt, dass Luke keine Grenzen akzeptierte.

Ich saß starr da, und das Kribbeln im Bauch fühlte sich plötzlich an wie ein reißendes Lauffeuer aus nackter Angst und einer verbotenen, hitzigen Faszination. Er hatte meine gesamte Zukunft bereits verplant. Das war einfach zu viel. Kinder? Ein Vermächtnis für sein Imperium? Meine Ohren dröhnten laut, und die Wände des Wohnzimmers schienen schlagartig auf mich einzustürzen. Ich stammelte irgendetwas Unverständliches, riss mich mit einer letzten, verzweifelten Kraftanstrengung aus Lukes schwerem Griff und stolperte von der Couch. Ich musste hier raus. Weg von diesem Sofa, weg von seinen unheimlichen lila Augen, weg von dieser erdrückenden Hitze. Ich steuerte panisch auf die Terrassentür zu. „Hey, warte! Was ist los?“, rief Lukes tiefe, samtige Stimme hinter mir her. Zum allerersten Mal seit meiner gewaltsamen Entführung klang er nicht mehr vollkommen kontrolliert oder unnahbar, sondern fast schon sichtlich irritiert über meine plötzliche, panische Flucht von der Couch.

Sofort fauchte Isas Stimme wütend dazwischen, laut und voller brennender Wut: „Du hast ihn komplett überfordert, du riesiger Psychopath! Jetzt weiß er überhaupt nicht mehr, was er denken soll! Ich hoffe verdammt noch mal für dich, dass du ihm so einen kranken Scheiß nicht schon früher an den Kopf geworfen hast!“

Ich hörte das dumpfe Knarzen schwerer Schritte hinter mir auf dem Parkett. Luke war aufgestanden. Er folgte mir. Aber ich konnte ihn in diesem Moment einfach nicht mehr sehen, ich hielt die Nähe nicht mehr aus. Ich hielt den Atem an, riss die schwere Schiebetür mit aller Kraft auf und stürmte kopfüber nach draußen in die eiskalte Winterluft. Ich brauchte Abstand. Dringend. Abstand von ihm, von seinen erdrückenden Regeln, von seiner gesamten Mafia-Welt.

Ich rannte los. Meine Stiefel versanken tief im Pulverschnee, während der frostige Wind mir die heißen Tränen auf den Wangen in Sekundenschnelle gefrieren ließ. Die Kälte brannte wie flüssiges Feuer in meiner Kehle, aber ich hörte nicht auf. Ich rannte am mattschwarzen Jeep vorbei, tiefer und tiefer hinein in den dichten, verschneiten Wald, bis die Umrisse der prachtvollen Villa komplett hinter den dunklen Tannen verschwanden. Ich dachte in meiner Panik nicht an das lebensgefährliche elektromagnetische Feld. Ich dachte an gar nichts mehr.

Schließlich kam ich völlig außer Atem an einem riesigen, uralten Baum an. Seine gewaltigen, knorrigen Wurzeln standen weit aus der gefrorenen Erde hervor und bildeten im tiefen Schnee eine Art natürliche, geschützte Höhle das perfekte Versteck. Ich kroch dankbar unter eine der massiven Wurzeln, zog die Knie fest an die Brust, vergrub mein Gesicht darin und schluchzte laut auf. Die Tränen liefen mir unaufhaltsam übers Gesicht.

„Warum akzeptiert er nicht einfach, dass ich das nicht möchte?“, weinte ich fassungslos in die Dunkelheit des Unterholzes hinein. „Warum nimmt er mir alles weg und verplant mein ganzes Leben…?“

Plötzlich knackte ein Ast in der Nähe. Ich zuckte heftig zusammen und hielt augenblicklich den Atem an, bereit, Lukes riesige Zwei-Meter-Gestalt im Dickicht auftauchen zu sehen. Doch stattdessen schob sich eine mächtige, pechschwarze Schnauze vorsichtig in mein Wurzelversteck.

Es war Nox.

Der Alpha-Wolf hatte anscheinend mein verzweifeltes Schluchzen im Wald gehört. Seine großen, gelben Augen musterten mich ohne jede Aggression oder Spur von Gefahr. Er stieß ein leises, beruhigendes Schnaufen aus, kroch ganz vorsichtig unter die große Wurzel und legte sich direkt hinter meinen Rücken. Er bildete eine riesige, angenehm warme Barriere gegen den eiskalten Wind, und ich konnte mich erschöpft an sein dichtes Fell lehnen.

Nur wenige Augenblicke später knirschte der Schnee erneut. Erebos, Hades und Cerberus schälten sich nacheinander aus dem dichten Dickicht. Die drei mächtigen Raubtiere kamen vollkommen lautlos auf mein Versteck zu. Sie knurrten nicht. Sie sahen mich einfach nur mit einer seltsamen, fast schon beschützerchenden Sanftheit an. Einer nach dem anderen krochen sie ebenfalls unter die großen Wurzeln. Sie legten sich eng um mich herum, schlossen mich komplett in ihre Mitte ein und wärmten meinen zitternden Körper mit ihrem schweren, dichten Fell.

Ich saß mitten in meinem ganz persönlichen Wolfsrudel, geschützt vor der eisigen Kälte und der Welt da draußen. Aber ich wusste ganz genau: Luke würde nicht aufgeben. Seine Schritte würden mich auch hier finden.

(Luke)

Als die Terrassentür mit einem lauten Knallen ins Schloss krachte, blieb ich mitten im Wohnzimmer stehen. Meine lila Augen waren fest auf die Stelle gerichtet, an der Leo gerade im tiefen Schnee verschwunden war. Mein Verstand setzte für eine kurze Millisekunde aus. Er war geflohen. Schon wieder. Und dieses Mal nicht aus einem kalkulierten Fluchtversuch heraus, sondern weil mein Wunsch nach einem Vermächtnis ihn komplett in die Knie gezwungen hatte.

Ich spürte, wie eine eiskalte, besitzergreifende Wut in mir aufstieg. Ein Don lässt sich nicht weglaufen. Ein Mann wie ich duldet keinerlei Rebellion. Ich drehte mich um, schnappte mir meinen schwarzen Mantel von der Stuhllehne und wollte mit großen, unbarmherzigen Schritten zur Tür stürmen. Ich würde ihn sofort zurückholen, und dieses Mal würde das Lederhalsband ihm unmissverständlich zeigen, was es bedeutete, meine Geduld zu strapazieren.

„Halt! Bleib stehen, du riesiger Idiot!“, schrie Isabel plötzlich schrill.

Bevor ich die Schwelle zur Terrasse überschreiten konnte, warf sich die kleine Kellnerin mit vollem Körpereinsatz vor mich. Sie stellte sich mir direkt in den Weg, die Hände flach gegen meine breite Brust gestemmt, obwohl sie gegen meine zwei Meter Körpergröße wie eine zerbrechliche Puppe wirkte. Ihre tiefbraunen Augen brannten vor einer Mischung aus nackter Angst und absolutem, feurigem Trotz. Sie zitterte am ganzen Körper, aber sie wich keinen einzigen Zentimeter zurück.

„Aus dem Weg, Isabel“, raunte meine tiefe, samtige Stimme. Ich verengte die Augen zu gefährlichen Schlitzen, während die Luft im Raum augenblicklich zu Eis gefror. „Du hast heute schon genug Grenzen überschritten. Reiz dein Glück nicht aus.“

„Nein! Ich gehe hier nicht weg!“, schrie sie mir furchtlos entgegen, und ihr Hang zum Problemfall war wieder vollkommen da. Sie presste ihre kleinen Hände fester gegen mein Hemd. „Hör mir verdammt noch mal zu! Du hast ihn komplett überfordert! Kapierst du das in deinem psychopathischen Riesengehirn eigentlich nicht? Er hat gerade erst erfahren, dass sein eigener Bruder ihn wie ein Stück Vieh an dich verkauft hat. Er hat erfahren, dass sein geliebtes Café wegradiert wurde. Du hast ihm seinen ersten Kuss genommen, ihn vor meinen Augen auf die Couch gedrängt, und dann fängst du an, von Kindern und Genetik zu labern?! Er weiß überhaupt nicht mehr, wo oben und unten ist!“

Ich hielt mitten in der Bewegung inne. Ich spürte das wilde Hämmern ihres Herzens unter meinen Händen, als ich ihre Handgelenke packte, um sie beiseite zu schieben. Aber ich drückte nicht zu. Ich hörte ihr zu. Ein Mann wie ich ignoriert Fakten nicht, wenn sie logisch sind. Und Isabels Worte besaßen eine erschreckende, psychologische Logik.

„Er läuft nicht weg, weil er dich hassen will, Luke“, fuhr sie etwas leiser fort, und eine unerwartete Ernsthaftigkeit trat in ihren Blick. „Er läuft weg, weil er keine Luft mehr kriegt. Sein ganzes Leben wurde in drei Tagen in Schutt und Asche gelegt. Er braucht verdammt noch mal Zeit für sich. Einen Moment, um zu atmen, ohne dass du ihn fixierst, anfasst oder seine Zukunft verplanst. Wenn du jetzt wie eine Bestie hinter ihm herstürmst und ihn wieder an die Leine nimmst, brichst du ihn komplett. Und ich weiß, dass du das nicht willst. Du willst, dass er dir freiwillig gehört.“

Ich schwieg. Die Stille in der Villa war erdrückend. Ich blickte auf die kleine Frau hinunter, deren Knöchel weiß anliefen vor Anspannung. Sie hatte recht. Mein Besitzanspruch war so absolut, dass ich Leos emotionale Belastungsgrenze schlichtweg übersehen hatte. Ich wollte eine unbeschriebene Seite füllen, aber ich hatte die Tinte zu schnell verschüttet.

„Du bist erstaunlich klug für eine einfache Kellnerin, Isabel“, raunte ich eiskalt, ließ ihre Handgelenke los und trat einen Schritt zurück. Ich strich meinen Mantel glatt. „Du hast recht. Ich will ihn nicht brechen. Ich will, dass er sich fügt.“

„Dann lass ihn für eine Stunde in Ruhe“, atmete sie sichtlich erleichtert aus.

Ich sah sie mit einem hauchdünnen, mörderisch sanften Lächeln an. „Das werde ich. Aber ich werde ihm trotzdem nachlaufen. Denn du vergisst ein entscheidendes Detail, kleine Kellnerin.“ Ich ging an ihr vorbei, schob die Terrassentür auf und trat hinaus in den frostigen Wind. Der Schnee knirschte unter meinen schweren Stiefeln, während ich mich noch einmal zu ihr umdrehte. „Draußen im Wald sind meine Wölfe. Nox, Cerberus, Hades und Erebos haben den Alarm von vorhin immer noch im Blut. Wenn sie ihn im Unterholz finden, während er schwach ist und weint… könnten sie ihn als Beute sehen. Ich lasse ihn nicht allein da draußen. Nicht, weil ich seine Freiheit beschneiden will… sondern weil ich der Einzige bin, der ihn vor meinen eigenen Bestien beschützen kann.“

Isabel wurde augenblicklich wieder kreidebleich im Gesicht. Sie begriff die Gefahr sofort. Sie starrte mich fassungslos an, brachte aber kein einziges Wort mehr heraus.

„Bleib im Haus, Isabel“, befahl ich ruhig und zog mir die schwarzen Lederhandschuhe an, während meine lila Augen im fahlen Winterlicht dunkel aufblitzten. „Wenn du einen Schritt vor die Tür machst, schalte ich das elektromagnetische Feld wieder auf maximale Frequenz. Und dieses Mal holt dich kein Wolf da raus.“