Kapitel 17 Die Hüter des Alphas
Kapitel 17 Die Hüter des Alphas
Ich drehte mich wortlos um und folgte den tiefen, unregelmäßigen Spuren, die Leos schwere Stiefel im frischen Schnee hinterlassen hatten. Meine Schritte waren gleichmäßig, ruhig und von einer unaufhaltsamen Bestimmtheit. Ich ging ihm nach, nicht um ihn wie ein wildes Tier zu jagen, sondern um mein kostbarstes Eigentum in diesem unwegsamen Gelände im Auge zu behalten. Und was ich am Ende dieses einsamen Weges unter den riesigen Wurzeln des alten Baumes vorfinden würde, sollte mein gesamtes Weltbild für immer auf den Kopf stellen.
Ich stapfte unbeirrt durch den tiefen Pulverschnee, und die beißende Kälte des Waldes legte sich wie eine kühlende Decke über mein erhitztes Gesicht. In meinem Kopf drehten die Gedanken förmlich durch. Diese kleine Kellnerin, dieser wandelnde Problemfall Isabel… sie hatte verdammt noch mal recht gehabt. Es störte mich massiv, das vor mir selbst zuzugeben. Sie kannte Leo weitaus besser als ich. Sie verstand seine tiefen emotionalen Wunden, während ich sie bisher nur wie mathematische Gleichungen oder logische Variablen analysiert hatte.
Ich strich mir mit dem schwarzen Lederhandschuh über die Stirn, um die Schneeflocken wegzuwischen. Vielleicht sollte ich sie wirklich nicht umbringen. Vielleicht konnte dieses Mädchen in manchen Situationen sogar noch nützlich werden, um mir zu erklären, wie genau mein Welpe in seinem Inneren tickte. Aber sie konnte ganz sicher nicht auf Dauer bei mir wohnen. Oh nein. Die Villa gehörte mir, Leo und meinen Raubtieren. Für eine laute, rebellische Kellnerin war in meinem goldenen Käfig einfach kein Platz.
Ich folgte den einsamen Spuren im Schnee immer weiter, bis ich tiefer in das dichte Unterholz des Waldes kam. Plötzlich hielt ich mitten in der Bewegung inne. Vor mir ragte der riesige, uralte Baum auf, den Leo vorhin in seiner Panik angesteuert hatte. Seine gewaltigen, knorrigen Wurzeln bauten eine natürliche Höhle im tiefen Schnee. Und was ich dort drinnen sah, ließ meinen sonst so scharf kalkulierenden Verstand für einen langen, fassungslosen Moment komplett einfrieren.
Dort, im eisigen Herzen des tiefen Waldes, lag Leo. Er hatte die Knie immer noch fest an die Brust gezogen, aber er weinte nicht mehr. Er schlief. Seine braunen Locken waren voller weißer Schneeflocken, und seine Wangen schimmerten blass und verletzlich im bläulichen Dämmerlicht des anbrechenden Tages. Aber er war nicht allein. Meine vier gefährlichsten, tödlichsten Waffen umschlossen seinen schmalen Körper in einer perfekten, friedlichen Symbiose. Nox, der pechschwarze Alpha-Wolf, hatte sich wie eine massive, fellige Schutzmauer direkt hinter Leos Rücken gelegt, sodass Leo sich vollkommen sicher an ihn anlehnen konnte. Cerberus lag schwer atmend quer über Leos Beinen, um sie zu wärmen, während die Brüder Hades und Erebos den Kreis von vorne schlossen. Sie knurrten nicht. Sie fletschten nicht die Zähne. Sie wärmten ihn mit ihren schweren Körpern und beschützten ihn vor dem frostigen Wind, als wäre er ein fester Teil ihres eigenen Rudels.
Als meine schweren Stiefel leise im Schnee knirschten, hob Nox langsam den mächtigen Kopf. Seine bernsteinfarbenen Augen fixierten mich ruhig. Er stieß kein drohendes Knurren aus es war ein stummes, respektvolles Signal zwischen zwei Alphas. Er passte auf unseren gemeinsamen Schatz auf.
Ich spürte, wie eine unbeschreibliche, tiefe Faszination meine eiskalte Wut komplett ersetzte. Mein Besitzanspruch flammte heißer auf als jemals zuvor, aber dieses Mal mischte sich eine bizarre, berauschende Bewunderung darunter. Leo war kein gewöhnlicher Gefangener. Er war kein schwaches Opfer, das vor meinen Monstern einknickte. Er hatte meine Bestien in nur vier Tagen so sehr gezähmt, dass sie sich weigerten, ihn als Beute zu sehen. Sie sahen ihn als ihren Welpen. Als das Alpha an meiner Seite.
Ich ging langsam auf das Wurzelversteck zu, trat so lautlos wie möglich in den engen Kreis der Wölfe. Hades und Erebos machten mir widerwillig, aber gehorsam Platz. Ich ging vor dem schlafenden Leo in die Hocke. Seine blau-grauen Augen waren fest geschlossen, an seinen langen Wimpern hingen feine Eiskristalle. Er sah so rein und unschuldig aus, mitten im Kreis der Bestien. Isabels Worte hallten in meinem Kopf wider: „Er braucht verdammt noch mal Zeit für sich. Einen Moment, um zu atmen.“
Ich zog mir den rechten Lederhandschuh langsam mit den Zähnen aus, warf ihn in den Schnee, streckte die nackte Hand aus und fuhr ihm mit den Fingerspitzen überraschend sanft über die eiskalte Wange. Leo zuckte im Schlaf ganz leicht zusammen, atmete tief aus und schmiegte sein Gesicht unbewusst noch enger an Nox’ weiches, dichtes Fell. Ein dünnes, mörderisch sanftes Lächeln stahl sich auf meine Lippen. Ich würde ihn hier draußen nicht aufwecken und ich würde ihn auch nicht anschreien. Er hatte sich seine Ruhe verdient. Aber er würde lernen, dass ich derjenige war, der ihn am Ende zurück ins Warme brachte.
Ich schob meine Arme behutsam unter seinen zitternden Körper. Mit einer Leichtigkeit, die mich selbst für einen Moment innehalten ließ, hob ich Leo aus seinem Wurzelversteck hoch. Er wachte nicht auf. Seine blau-grauen Augen blieben fest geschlossen, aber er bewegte sich im Schlaf, gab ein leises, erschöpftes Wimmern von sich und kuschelte sein Gesicht instinktiv eng an meine breite Brust. Seine kalten Hände krallten sich schwach in den Stoff meines Hemdes. Ein tiefes Gefühl von absolutem Triumph und einer seltsamen Wärme breitete sich in mir aus.
Ich trat rückwärts aus der kleinen Höhle heraus. Sofort erhob sich Nox. Der schwarze Alpha schüttelte den Schnee aus seinem Fell, und dicht hinter ihm folgten Cerberus, Hades und Erebos. Gemeinsam schritten wir durch das dichte Weiß des Waldes zurück zur Villa. Die vier Bestien flankierten mich wie eine königliche Leibgarde, und in meiner Mitte lag der Junge, der sie alle gezähmt hatte.
Wir erreichten die Terrasse. Ich stieß die schwere Glastür mit dem Fuß auf und betrat das warme Wohnzimmer. Isabel stand immer noch wie angewurzelt am Tresen der offenen Küche. Als sich meine zwei Meter Statur mit dem schlafenden Leo auf den Armen im Türrahmen aufbaute dicht gefolgt von vier riesigen, lautlosen Raubtieren –, erstarrte sie komplett. Jede Farbe wich aus ihrem Gesicht, und sie presste die gesunde Hand panisch gegen den Mund. Sie rührte sich keinen Millimeter, vollkommen gefangen in der puren Angst vor den Wölfen. Erst als sie sah, wie friedlich Leo an meine Brust gekuschelt war, löste sich ihre Starre ein wenig. Sie brachte kein lautes Wort heraus. Ihre Stimme war kaum mehr als ein hauchdünnes, erschrockenes Flüstern in der Stille des Raumes.
„Oh mein Gott…“, hauchte sie leise, und ihre tiefbraunen Augen wanderten fassungslos von mir zu den Tieren. „Die… die Wölfe. Sie haben ihm nichts getan?“
Ich würdigte sie keines Blickes und gab ihr keinerlei Antwort. Ich ging an ihr vorbei direkt zur breiten Marmortreppe und stieg die Stufen hinauf in den dritten Stock. Das Rudel folgte mir auf Schritt und Tritt, das leise Klacken ihrer scharfen Krallen auf dem harten Boden hallte im Flur wider. Oben angekommen, schloss sich uns auch Speedy an, der treu vor der Schlafzimmertür gewartet hatte.
Ich stieß die Eichentür zu Leos Zimmer auf. Ich trat an das große Bett heran, beugte mich vorsichtig hinunter und legte ihn mit äußerster Vorsicht genau in die Mitte der Matratze. Ich zog ihm die schweren Stiefel von den Füßen und deckte ihn bis zu den Schultern sorgfältig mit der Daunendecke zu. Das eng anliegende Lederhalsband war an seiner Kehle zu sehen, ein makelloser Kontrast zu seiner blassen Haut. Kaum lag er im Bett, passierte etwas, das mich unwillkürlich lächeln ließ. Ein dünnes, mörderisch sanftes Lächeln stahl sich auf meine Lippen.
Die Wölfe warteten nicht auf meinen Befehl. Nox sprang als Erster lautlos aufs Bett und legte sich majestätisch an Leos Rückseite. Cerberus rollte sich schwer am Fußende über seinen Beinen zusammen. Hades und Erebos sprangen links und rechts auf die Matratze und bildeten eine schützende Barriere, während Speedy sich quer über das Kopfkissen legte, direkt über Leos braune Locken. Sie positionierten sich alle fünf um ihn herum, schlossen die Augen und schliefen ebenfalls augenblicklich ein. Sie wärmten ihn, sie bewachten ihn. Er war ihr Welpe.
Ich griff in meine Sakkotasche, zog mein Telefon heraus und hielt diesen einzigartigen Moment in einem lautlosen Foto fest. Das Bild von meinem reinen, unschuldigen Eigentum inmitten meiner gefährlichsten Bestien war von einer so dunklen, perfekten Ästhetik, dass ich es für immer besitzen musste. Ich drehte mich um, verließ das Zimmer leise und schloss die Tür ab, ohne den Riegel vorzuschieben. Sie brauchten kein mechanisches Schloss mehr; das Rudel war ab jetzt das sicherste Gefängnis der Welt. Ich ging die Treppe wieder hinunter und betrat die Küche. Isabel saß zitternd auf einem Hocker am Tresen, den Teller mit den kalten Nudeln immer noch unberührt vor sich. Als sie mich eintreten sah, spannte sich ihr gesamter Körper sofort wieder an. Ich lehnte mich entspannt gegen die dunkle Arbeitsplatte, verschränkte die breiten Arme vor der Brust und fixierte sie ruhig mit meinen lila Augen.
„Er schläft“, sagte ich leise, und meine tiefe Stimme dröhnte im stillen Raum. „Und meine Wölfe schlafen bei ihm. Sie haben ihm kein einziges Haar gekrümmt, Isabel. Sie haben ihn gewärmt, als er im Schnee lag und wegen deiner unbedachten Worte geweint hat.“
Isabel schluckte schwer, ihre tiefbraunen Augen funkelten trotz der nackten Angst schon wieder trotzig. „Wegen meiner Worte? Du hast ihn psychisch terrorisiert, Luke!“
„Du hast mir vorhin eine Lektion in Psychologie erteilt, kleine Kellnerin“, unterbrach ich sie eiskalt, und mein mörderisch sanftes Lächeln kehrte auf meine Lippen zurück. „Du hast gesagt, er braucht Zeit zum Atmen. Und ich habe ihm diese Zeit gegeben. Ich habe ihm seine Wölfe gelassen, und ich habe ihm sein Leben gelassen. Aber jetzt, wo du hier bist und gesehen hast, wer ich wirklich bin… wirst du mir einen Nutzen bringen. Du wirst mir helfen, ihn an dieses neue Leben zu gewöhnen. Denn wenn du versuchst, ihn noch ein einziges Mal zur Flucht zu überreden… wirst du sehen, wie schnell meine Wölfe von treuen Beschützern wieder zu tödlichen Waffen werden.“
Ich machte eine kurze Pause, ließ die Drohung im Raum wirken und setzte mit dominanter Härte nach: „Und jetzt erzähl mir alles, was du über seinen Bruder Ben weißt. Denn die Jagd ist noch lange nicht vorbei.“
Isabel starrte starr auf die Tischplatte des Tresens. Ihre Finger kneteten nervös den Stoff des geliehenen Pullovers, und ihre karamellfarbene Haut war immer noch deutlich blasser als sonst. Sie wusste ganz genau, dass sie in der Falle saß. Jede freche Lippe, jeder Funke Trotz war in diesem Moment wie weggewischt. Ich stand in meiner vollen Zwei-Meter-Größe vor ihr, die Arme vor der Brust verschränkt, und ließ meine lila Blicke unbarmherzig auf ihr ruhen. Das Schweigen in der Küche war meine stärkste Waffe; es zwang sie dazu, unter dem drückenden Druck einzuknicken.
„Ich… ich weiß nicht viel“, fing sie leise an und hob zögerlich den Blick. „Ben war immer ein verdammter Egoist. Er hat Leo ständig belogen. Aber vor etwa zwei Wochen… da kam er plötzlich völlig aufgelöst ins Café. Er hat am ganzen Körper gezittert und ständig panisch aus dem Fenster geschaut.“
„Wovor hatte er Angst, Isabel?“, forderte meine tiefe, samtige Stimme eine präzise Antwort.
Sie schluckte schwer. „Er meinte, er hätte sich mit den falschen Leuten angelegt. Den wirklich falschen Leuten. Er hat von einem illegalen Pokerring in den alten, verfallenen Lagerhallen am Güterbahnhof erzählt. Da hat er anscheinend Haus und Hof verspielt und noch viel mehr. Er sagte mir, er hätte einen todsicheren Plan, um unterzutauchen. Er hat ein Bahnticket erwähnt. Keine Ahnung wohin. Aber er meinte, er hätte ein perfektes Pfand, das dich so sehr ablenken würde, dass du gar nicht erst nach ihm suchst.“ Isabels Stimme brach ganz kurz, und heiße Tränen der Wut schossen ihr in die Augen. „Er hat Leo gemeint“, flüsterte sie, und ihre Stimme bebte vor tiefer Verachtung für Bens Verrat. „Er wusste ganz genau, dass du Leo schon mal im Café gesehen hattest. Er wusste, dass du ein Auge auf ihn geworfen hattest. Er hat seinen eigenen Bruder als Ablenkung benutzt, damit er Zeit hat, um über die Grenze zu kommen. Das ist alles, was ich weiß, Luke! Mehr hat er mir nicht gesagt!“
Ich rührte mich keinen Millimeter. Mein eiskalter Verstand scannte jedes einzelne Wort, jede feine Nuance ihrer Stimme. Sie log nicht. Die Informationen über den Güterbahnhof deckten sich exakt mit den ersten Berichten, die Adam mir vor ein paar Stunden geschickt hatte. Ben war dumm, gierig und feige. Aber er hatte recht gehabt: Er hatte mir tatsächlich das perfekte Pfand hinterlassen. Leo war kein einfaches Tauschobjekt mehr. Er war mein wertvollstes Meisterwerk geworden.
Ein dünnes, mörderisch sanftes Lächeln stahl sich auf meine Lippen. Ich zog mein Satellitentelefon aus der Tasche und wählte Adams Nummer. „Adam“, raunte ich in den Hörer, ohne den Blick von der zitternden Isabel abzuwenden. „Schick die Männer sofort zum alten Güterbahnhof. Er hat dort bei den illegalen Runden gespielt. Sucht nach Hinweisen auf ein Bahnticket. Er denkt, er kann fliehen. Findet ihn. Lebend.“
Ich legte ohne eine Verabschiedung auf und steckte das Telefon wieder weg. Isabel starrte mich fassungslos an. „Und was… was passiert jetzt mit mir?“, stammelte sie und rutschte nervös auf ihrem Hocker nach hinten. „Du hast gesagt, ich darf mein Café behalten. Lässt du mich jetzt gehen?“
Ich trat einen Schritt näher an den Tresen heran, verringerte den Abstand zwischen uns komplett, bis mein riesiger Schatten sie gänzlich verschluckte. Ihre nackte Angst war fast physisch greifbar. „Du gehst heute Nacht nirgendwohin, Isabel“, sagte ich ruhig, und die Kälte in meiner Stimme ließ sie erzittern. „Es ist stockdunkel draußen, und meine Wölfe schlafen oben bei Leo. Wenn du das Haus verlässt, reißt Cerberus dich in Stücke. Du wirst die Nacht im Gästezimmer im ersten Stock verbringen. Die Tür wird von außen verschlossen sein zu deiner eigenen Sicherheit, versteht sich.“
Ich beugte mich ein Stück zu ihr herunter, und mein Blick wurde dominant. „Morgen früh wirst du Leo beim Frühstück Gesellschaft leisten. Du wirst normal sein. Du wirst ihm keine Fluchtgedanken in den Kopf setzen, und du wirst ihm helfen zu verstehen, dass seine Zukunft hier drinnen liegt. Wenn du dich als nützlich erweist, darfst du danach in deine kleine Welt zurückkehren. Wenn nicht… nun, Gennaro im Casino hat heute eine Hand verloren. Du könntest dein loses Mundwerk verlieren. Geh aufs Zimmer.“
Isabel brachte kein einziges Wort mehr heraus. Sie stand hastig auf, hielt sich den verletzten, verbundenen Arm und flüchtete regelrecht die Treppe hoch in den ersten Stock. Das laute, schwere Klick des Schlosses, als ich sie von außen einsperrte, besiegelte das Ende dieses turbulenten Tages. Ich ging zurück in den Flur und blickte hinauf in den dritten Stock, wo mein kleiner Welpe sicher inmitten seiner Bestien schlief. Morgen würde ein neuer Tag beginnen. Und die Jagd auf Ben war nun endgültig eröffnet.
(Leo)
Ein sanfter, gleichmäßiger Druck auf meiner Brust und eine wohlige, fast schon erdrückende Wärme holten mich langsam aus dem Schlaf. Ich blinzelte träge. Das bläuliche, kalte Licht des anbrechenden Morgens schnitt durch die hohen Fenster meines Zimmers und malte lange, schmale Schatten an die Decke. Ich wollte mich gerade instinktiv strecken, doch ich stellte fest, dass ich mich kaum bewegen konnte. Als mein Blick klarer wurde, stockte mir augenblicklich der Atem aber nicht vor Angst, sondern vor einer tiefen, ungläubigen Faszination.
Ich lag nicht allein in dem großen Bett. Das gesamte Wolfsrudel hatte mich über Nacht regelrecht belagert. Nox, der riesige, pechschwarze Alpha, lag wie ein massiver Schutzwall direkt an meinem Rücken, seine gleichmäßige Atmung hob und senkte mich ganz leicht im Takt. Cerberus hatte seinen narbigen, schweren Kopf quer über meine Beine gelegt und wärmte sie wie eine dicke Decke. Links und rechts von mir hatten sich Hades und Erebos schützend zusammengerollt, und Speedy? Der schlanke, wilde Wolf lag tatsächlich quer über meinem weichen Kopfkissen, seine Schnauze nur wenige Zentimeter von meinen braunen Locken entfernt.
Ich war komplett eingekesselt von Lukes tödlichsten Waffen. Und doch fühlte es sich in diesem Moment überhaupt nicht wie ein Gefängnis an. Es war so warm und friedlich. Vorsichtig, um bloß niemanden aufzuwecken, befreite ich eine Hand unter der Daunendecke. Mein Finger streifte dabei unabsichtlich das eng anliegende Lederhalsband an meiner Kehle. Ein kurzer Schauer lief mir über den Rücken. Die unsichtbare Fessel war immer noch da. Sie erinnerte mich unbarmherzig daran, wer mich besaß. Und wer diese Wölfe befehligte.