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Kapitel 19 Die Geister der Vergangenheit

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Kapitel 19 Die Geister der Vergangenheit

Ich lief augenblicklich purpurrot an. Die Hitze schoss mir so heftig in die Wangen, dass mir für einen kurzen Moment schwindelig wurde und schwarze Punkte vor meinen Augen tanzten. Ich verstand die dreckige Anspielung sofort, und die Tatsache, dass der zwei Meter große Don direkt daneben saß, machte diese Situation zur absoluten Hölle für mich.

„Oh Gott, Isa! Du bist so unglaublich peinlich!“, rief ich verzweifelt aus, hielt mir die brennenden Hände vors Gesicht und wollte am liebsten auf der Stelle im Erdboden versinken. „Warum musst du immer solche Sachen sagen?!“

„Nun, es ist nun mal genau dasselbe Frühstück, das du-weißt-schon-wer damals gemacht hat“, konterte Isa völlig ungerührt von meinem Ausbruch und zuckte locker mit den Schultern, während sie sich eine Locke aus dem Gesicht strich. „Bevor ich ihn dafür krankenhausreif zusammengeschlagen habe.“

Ich erstarrte mitten in der Bewegung. Meine Finger verkrampften sich tief im dichten Fell von Nox, und das Blut in meinen Venen gefror zu Eis. Warum musste sie das ausgerechnet jetzt in diesem Raum erwähnen?!

Du-weißt-schon-wer war Liam gewesen. Ein Junge aus meiner damaligen Mittelschule. Er war unsterblich in mich verknallt gewesen und hatte mir genau dieses anzügliche Frühstück zubereitet, um mich plump und schamlos zu fragen, ob wir das erste Mal miteinander schlafen wollen. Isa, die schon damals ein absoluter, hochgradig beschützerischer Problemfall gewesen war, hatte keine Sekunde gezögert. Sie hatte ihn dafür brutal bestraft und nach allen Regeln der Kunst verprügelt. Liam war damals neunzehn Jahre alt gewesen und ich gerade erst zarte zwölf.

Die Stille, die nach Isas Worten im Zimmer einkehrte, war so schwer, drückend und bedrohlich, dass man das dumpfe Hämmern meines Herzens laut hören konnte. Luke bewegte sich keinen Millimeter. Er saß entspannt auf seinem Stuhl, doch das hauchdünne, amüsierte Lächeln war im Bruchteil einer Sekunde von seinen Lippen gewischt worden. Seine lila Augen verengten sich zu zwei mörderischen, pechschwarzen Schlitzen. Die Aura von eiskalter Dominanz, die er plötzlich verströmte, war so erdrückend, dass Isa am Tisch unwillkürlich die Luft anhielt. Ein Psychopath teilt sein Eigentum nicht und der Gedanke, dass in der Vergangenheit ein anderer Mann Ansprüche auf meine Unschuld erhoben hatte, verpasste Lukes mörderischem Besitzanspruch einen gewaltigen Dämpfer.

„Wer“, raunte Lukes tiefe, samtige Stimme, und der Tonfall war so unbarmherzig leise, dass mir die feinen Haare im Nacken zu Berge standen, „ist du-weißt-schon-wer, Leo?“

Ich schluckte den trockenen Kloß in meiner Kehle hinunter und starrte zitternd zu ihm hoch. Seine lila Augen bohrten sich förmlich in meine Seele, forderten Regel Nummer 2 ein: Keine Geheimnisse.

„Er… er hieß Liam“, stammelte ich mit brüchiger Stimme, während meine Handflächen unter der Decke augenblicklich feucht wurden. „Er war auf meiner Mittelschule. Er war neunzehn… und ich war erst zwölf. Er hat mir dieses Frühstück gemacht, um mich zu fragen, ob… ob wir miteinander schlafen wollen. Aber es ist  nichts passiert! Isa hat ihn sofort zusammengeschlagen und vertrieben. Ich schwöre es, Luke. Vor dir hat mich noch nie ein Mensch angefasst.“

Bei meinen letzten Worten veränderte sich etwas im Raum. Das synchrone, tiefe Knurren des Rudels setzte schlagartig ein. Nox hob den mächtigen Kopf, seine gelben Augen fixierten die Luft, als könnte er die Fährte dieses alten Rivalen riechen. Cerberus fletschte gefährlich die Zähne, und Hades und Erebos spannten ihre Muskeln an. Die Wölfe spürten die eiskalte Raserei ihres wahren Alphas und spiegelten seine mörderische Stimmung wider. Sie waren bereit, für ihren Don und ihren Welpen jeden Feind in Stücke zu reißen.

Luke atmete langsam durch die Nase aus. Er stand auf. Seine zwei Meter Körpergröße schattierten den gesamten Tisch, als er mit langsamen, unaufhaltsamen Schritten auf mein Bett zuging. Isa drückte sich panisch so tief in ihren Stuhl, wie sie nur konnte, das lose Mundwerk war ihr schlagartig wieder vergangen.

Luke ging vor mir in die Hocke, schob Nox mit einer Handbewegung beiseite und packte mein Kinn mit einem unnachgiebig festen, kochend heißen Griff. Er zwang mich, ihm direkt in seine lila Augen zu sehen, in denen ein  berauschendes, besitzergreifendes Feuer brannte.

„Liam…“, wiederholte er den Namen leise, und ein mörderisch sanftes Lächeln kehrte auf seine Lippen zurück, das mir das Blut in den Venen gefrieren ließ. Er strich mit dem Daumen fest über meine Unterlippe, als wollte er jeden Gedanken an diesen Jungen physisch wegwischen. „Ein Glück für ihn, dass Isabel ihn damals erwischt hat. Wenn ich herausfinde, wo diese Ratte heute steckt, wird er sich wünschen, er hätte dieses Würstchen niemals angepackt.“ Er beugte sich so nah zu mir, dass sein warmer Atem meine Lippen verbrannte, und sein Blick glitt hinunter zu meinem Lederhalsband. „Du warst zwölf, Leo. Ein unschuldiges, reines Kind. Niemand hatte das Recht, dich so anzusehen. Ich bin froh, dass deine Freundin damals so nützlich war. Aber merk dir eines, Welpe: Dieser Liam ist Geschichte. Adam wird heute nicht nur nach deinem Bruder Ben suchen, sondern auch nach den Kontakten dieses Mittelschülers. Niemand fordert ungestraft das Eigentum des Dons heraus. Jedes einzelne erste Mal gehört ab jetzt mir. Und diese Eier und das Würstchen… wirst du jetzt schön aufessen. Jedes einzelne Stück.“

Ich starrte ihn mit riesigen Bambi-Augen an, völlig perplex und unfähig zu atmen. Das Kribbeln in meinem Bauch explodierte wie ein Lauffeuer aus nacktem Entsetzen und einer verbotenen, hitzigen Anziehungskraft. Er jagte jetzt sogar Geister aus meiner Vergangenheit, nur um sicherzugehen, dass ich ganz und gar ihm gehörte. Trotz der mörderischen Drohungen und der nackten Panik um Liam konnte ich nicht anders ein unwillkürliches, schwaches Grinsen stahl sich auf meine Lippen. Seine psychopathische Eifersucht auf einen Geist aus meiner Mittelschule war so  absurd, aber auf eine verbotene, hitzige Art verpasste es mir weiche Knie. Auch Isa drüben auf dem Stuhl presste die Lippen so fest zusammen, dass ihre Wangen zitterten. Sie musste sich bei Lukes brutaler, aber irgendwie unfreiwillig komischer Ansage über „das Würstchen“ ein fassungsloses Lächeln mühsam verkneifen.

Die düstere, erdrückende Mafia-Atmosphäre im Zimmer hielt jedoch genau zwei Sekunden.

„Aaah! Hilfe! Lass los, du Monster!“, schrie Isa plötzlich gellend auf und klammerte sich panisch mit beiden Händen an der Tischkante fest.

Mein Kopf schnellte herum. Speedy, der bis eben noch friedlich auf meinem Kopfkissen gedöst hatte, war lautlos vom Bett geschlüpft. Der schlanke, wilde Wolf hatte sich mit den scharfen Zähnen bombenfest im dicken Stoff von Isas rechtem Turnschuh verbissen. Er knurrten nicht einmal böse er hatte die Rute steil nach oben gestreckt, wedelte glücklich mit dem Schwanz und ging tief in die Vorderbeine. Er spielte mit ihr Tauziehen. Mit einem kräftigen Ruck zog er an ihrem Fuß, sodass Isa mitsamt dem Holzstuhl ein Stück über den Teppich rutschte und wild mit den Armen in der Luft ruderte.

Ich starrte das Spektakel eine Sekunde lang fassungslos an, bevor die ganze schwere Anspannung der letzten Tage einfach von mir abfiel. Ein lautes, unbeschwertes Lachen entwich meiner Kehle. Ich hielt mir den Bauch und lachte so heftig, dass mir die Tränen in die Augen schossen. „Isa! Er will nur spielen! Er denkt, dein Schuh ist sein gelber Ball von draußen!“

„Das ist nicht witzig, Leo! Er frisst meinen Fuß! Riese, pfeif deine Bestie zurück!“, kreischte Isa, während sie verzweifelt versuchte, ihren Fuß aus Speedys Kiefern zu befreien, was den Wolf nur noch mehr anspornte, sich rückwärtszustemmen und kräftig zu ziehen.

Ich riskierte einen Blick zu Luke. Er war bereits wieder aufgestanden und stand in seiner vollen Zwei-Meter-Größe neben dem Tisch. Ich hielt panisch den Atem an, bereit, dass er Speedy wütend wegschlug oder Isa für den Lärm bestrafte. Doch Luke tat nichts dergleichen. Er stand einfach nur  unbeweglich da, die Hände lässig in den Hosentaschen seines schwarzen Hemdes vergraben, und blickte amüsiert auf das Chaos hinunter. Auf seinen Lippen lag wieder dieses hauchdünne, mörderisch sanfte Lächeln. Seine lila Augen glänzten vor dunklem Amüsement. Er fand das Spektakel überhaupt nicht bedrohlich er genoss es sichtlich, wie meine beste Freundin, dieser wandelnde Problemfall, von einem seiner Wölfe komplett bezwungen wurde. Er sah von Isa rüber zu mir. Als er mein echtes, unbeschwertes Lachen hörte, veränderte sich das Glänzen in seinen lila Augen schlagartig. Dieser  besitzergreifende Blick kehrte in seine Züge zurück, aber er war um einiges weicher als noch vor wenigen Minuten. Er strich sich flüchtig mit den langen Fingern über das markante Kinn und schien es sichtlich zu genießen, dass die düstere, erdrückende Stimmung für einen kurzen Moment verflogen war. Er akzeptierte das Chaos in seinem Zimmer, weil es mich zum Lächeln brachte und mein Lächeln gehörte schließlich laut Regel Nummer 1 einzig und allein ihm.

„Speedy. Aus“, raunte Lukes tiefe, samtige Stimme schließlich im Raum. Es war kaum mehr als ein leises Flüstern, aber der Befehl war von einer absoluten, unnachgiebigen Härte durchdrungen.

Der Wolf hielt mitten in der Bewegung inne. Er ließ Isas durchnässten Schuh sofort los, schnaubte einmal enttäuscht durch die feuchte Nase und trottete mit gesenktem Kopf zurück zu meinem Bett, wo er sich mit einem tiefen Seufzer flach an meine Füße legte.

Isa atmete keuchend aus, strich sich die wilden braunen Haare aus dem Gesicht und starrte wütend auf ihren völlig durchnässten, vollgespeichelten Turnschuh. „Dein Hund hat eine gewaltige Macke, Luke. Ernsthaft.“

Luke würdigte ihren Kommentar keines einzigen Blickes. Er trat näher an mein Bett heran, beugte sich so tief zu mir herunter, dass sein warmer Atem meine Lippen streifte, und fixierte meine blau-grauen Augen. „Das Lachen steht dir viel besser als die Tränen, Welpe“, flüsterte er so leise, dass Isa es drüben am Tisch nicht hören konnte, während seine großen Finger flüchtig das schwarze Leder meines Halsbandes berührten. „Und jetzt iss auf. Bevor Speedy merkt, dass auf deinem Teller noch ein Würstchen liegt.“

Es war einfach zu spät. In genau der Sekunde, in der das Wort Würstchen Lukes Lippen verließ, zuckten Speedys Ohren kerzengerade nach oben. Der schlanke, wilde Wolf schoss wie ein geölter Blitz aus seiner gemütlichen Position an meinen Füßen empor. Bevor ich auch nur blinzeln oder meinen Teller in Sicherheit bringen konnte, machte er einen gierigen Satz nach vorn. Seine Schnauze schnappte blitzschnell zu, und mit einem triumphierenden Schmatzen riss er das ziemlich lange Würstchen direkt von meinem Frühstücksteller.

Ich starrte fassungslos auf den leeren Platz auf dem Porzellan, wo gerade noch mein ungeliebtes Essen gelegen hatte. Dann guckte ich zu Speedy, der sich mit dem Diebesgut bereits wieder stolz im Kreis drehte, um es hastig und genüsslich herunterzuschlingen.

Ein kurzes, geschocktes Schweigen legte sich über das Zimmer, bevor Isa drüben am Tisch regelrecht explodierte. Sie schlug sich die Hände auf die Knie und fing so laut an zu lachen, dass ihre wilden braunen Haare ihr ins Gesicht flogen.

„Oh mein Gott!“, kreischte sie vor Vergnügen, und ihre tiefbraunen Augen tränten vor Lachen. „Das ist Karma, Riese! Das ist das absolute Karma! Dein mörderischer Luxus-Wachhund pfeift auf deine eiskalten Mafia-Befehle, sobald er Fleisch riecht! Er hat dir gerade dein ganzes Erziehungs-Drama weggeschnappt!“

Ich konnte nicht anders. Das purpurrote Glühen auf meinen Wangen wich einem unkontrollierbaren Grinsen. Ich hielt mir die Hand vor den Mund, um nicht laut loszuprusten, und sah vorsichtig zu Luke nach oben. Ich hatte schreckliche Angst, dass er Speedy jetzt zur Strafe wegtun oder Isa für ihren Schadenfreude-Anfall quer durch den Raum schleudern würde. Schließlich hatte er mir gerade noch befohlen, jedes einzelne Stück aufzuessen.

Doch Luke bewegte sich keinen Millimeter. Er stand in seiner vollen Zwei-Meter-Größe neben meinem Bett, die Hände immer noch lässig in den Hosentaschen seines schwarzen Hemdes vergraben. Er sah ruhig auf den kauenden Wolf hinunter, und für den Bruchteil einer Sekunde verengten sich seine lila Augen zu zwei eiskalten Schlitzen. Ein normaler Mafia-Boss hätte die Beherrschung verloren, weil ein Tier seine Autorität untergraben hatte. Aber dann entspannte sich seine Miene auf diese unheimliche, psychopathische Art. Dieses hauchdünne, mörderisch sanfte Lächeln kehrte auf seine Lippen zurück. Seine lila Augen glänzten vor dunklem Amüsement, als er das totale Chaos betrachtete. Er genoss es sichtlich, wie Isa sich amüsierte und wie ich ihn trotz der Angst anlächelte. Er akzeptierte den Diebstahl, weil er mein Lächeln zurückgebracht hatte und nach Regel Nummer 1 gehörte das schließlich ihm.

Er trat einen Schritt näher an mein Bett heran, sodass sein riesiger Schatten mich wieder komplett verschluckte. Er beugte sich so tief zu mir herunter, dass sein warmer Atem meine Lippen streifte, und legte seine großen Finger ganz leicht an mein Lederhalsband.

„Glück für dich, Welpe“, raunte seine tiefe, samtige Stimme so leise, dass Isa es am Tisch nicht hören konnte. Das gefährliche, besitzergreifende Funkeln in seinem Blick brannte sich tief in meine blau-grauen Augen. „Speedy hat dich vor den zwei gekochten Eiern gerettet, die du noch vor dir hast. Aber freu dich nicht zu früh. Ich werde mir die verpasste Lektion heute Abend auf eine andere Weise zurückholen. Und jetzt iss den Rest, bevor mein Rudel beschließt, auch noch deinen ganzen Teller zu fressen.“

Ich schluckte schwer, und das verrückte, intensive Kribbeln in meinem Bauch explodierte schlagartig wieder. Er hatte die totale Kontrolle zurückgewonnen, selbst in diesem lächerlichen Moment.

Ich blickte über den Rand meines Tellers hinweg zu Isa. Sie saß immer noch mit verschränkten Armen da und starrte ihr Rührei an, als könnte es sie jeden Moment anspringen. Das Lachen über Speedy war abgeklungen, und die Blässe auf ihrer karamellfarbenen Haut machte mir echte Sorgen. Ich kannte sie einfach zu gut.

„Isa“, sagte ich leise und sah sie flehend aus großen Bambi-Augen an. „Iss doch bitte etwas. Du weißt doch ganz genau, wie schlecht es dir geht, wenn du zu wenig isst. Du wirst dann total aggressiv und siehst hinter jeder Ecke Gefahren. Bitte, bitte iss was.“

Isa zuckte kurz zusammen, als hätte ich sie ertappt. Sie warf mir einen wütenden, aber insgeheim dankbaren Blick aus ihren tiefbraunen Augen zu. Sie wusste, dass ich recht hatte. Wenn sie Hunger hatte, mutierte ihr ohnehin schon komplizierter Charakter zu einer tickenden Zeitbombe.

„Ich bin nicht aggressiv, Leo!“, zischte sie sofort los, was meine Theorie im Grunde direkt bewies. Sie griff aber trotzdem mit einer heftigen, widerwilligen Bewegung nach der Gabel. „Ich bin nur… extrem vorsichtig! Und der Riese hier trägt nicht gerade zu meiner Entspannung bei.“

Sie spießte eine winzige Portion Rührei auf, schaute Luke noch einmal giftig an, als würde sie prüfen, ob er heimlich grinste, und schob sich das Essen schließlich in den Mund. Sie kaute so demonstrativ langsam und genervt, als würde sie auf harten Steinen herumkauen, aber sie aß. Endlich. Ein Stein fiel mir vom Herzen.

Ich riskierte einen Blick zu Luke. Er hatte sich wieder aufgerichtet und stand in seiner vollen Zwei-Meter-Größe neben dem Tisch, die Hände entspannt in den Taschen seines schwarzen Hemdes. Er hatte meine kleinen Bettel-Worte ganz genau mitgehört. Auf seinen Lippen lag dieses hauchdünne, psychopathische Lächeln, das mich innerlich immer so unruhig machte. Seine lila Augen glänzten vor dunklem Amüsement. Er fand es anscheinend faszinierend, wie gut ich diesen wandelnden Problemfall lesen konnte und wie mühelos ich sie mit ein paar lieben Worten dazu gebracht hatte, ihren Stolz herunterzuschlucken. Das fütterte seine Ansicht von vorhin nur noch mehr: dass ich kein schwacher Mitläufer war, sondern jemand, der Menschen und Raubtiere gleichermaßen lenken konnte.

„Aggressiv und paranoid bei akutem Hunger…“, raunte Lukes tiefe, samtige Stimme, und er trat einen Schritt näher an den Tisch heran. Er beugte sich ein Stück zu Isa hinunter, sodass sein riesiger Schatten sie komplett einnahm. „Ein faszinierender Charakterzug, Isabel. Gut, dass Leo dich so fest im Griff hat. Ich dachte schon, ich müsste dich wegen deines schlechten Benehmens heute Nacht wieder in dein Zimmer sperren.“

Isa hielt mitten im Kauen inne, die Gabel schwebte zitternd in der Luft. Sie funkelte ihn an, wagte es nach der Wolfs-Lektion aber nicht mehr, laut zu werden.