Kapitel 21 Das Recht des Blutes
Kapitel 21 Das Recht des Blutes
Ich hatte zu keinem Zeitpunkt vor, dieses Spiel abzusagen. Ein Verräter musste in meiner Welt sterben, um die Ordnung aufrechtzuerhalten, und meine Wölfe brauchten die regelmäßige Jagd, um scharf, unbarmherzig und wachsam zu bleiben. Aber als ich die heißen Tränen in seinen blau-grauen Augen aufsteigen sah, regte sich dieser intensive, unkontrollierbare Beschützerinstinkt in meiner Brust. Ich wollte ihn nicht brechen. Ich wollte ihn zähmen und an mich binden.
Ich beugte mich so tief zu ihm hinunter, dass mein warmer Atem seine Lippen streifte. Ich nahm eine Hand von seiner Hüfte, legte die großen Finger fest an sein Kinn und zwang ihn sanft, aber unnachgiebig, mich direkt anzusehen.
„Atme, Leo“, raunte ich so leise, dass Adam und Isabel es an der massiven Eingangstür nicht hören konnten. Mein nackter Daumen strich beruhigend über seine Unterlippe, hinunter zu dem eng anliegenden Lederhalsband an seiner Kehle. „Hör mir jetzt genau zu. Das Spiel wird stattfinden. Das Gesetz der Unterwelt duldet keine Ausnahmen für solche Ratten. Aber du wirst hier drinnen nicht ohnmächtig werden, und du wirst ganz sicher nicht daran zerbrechen.“
Ich spannte das Leder seines Halsbandes minimal an, gerade genug, um seine gesamte Aufmerksamkeit ganz an mich und meine lila Augen zu fesseln. Seine Handflächen pressten sich verzweifelt gegen meine Brust, und ich spürte das rasende Hämmern seines Herzens unter meinen Fingern. Das verrückte, intensive Kribbeln in seinem Bauch musste in diesem entscheidenden Moment wieder wie eine gewaltige Supernova explodieren.
„Ich werde dich nicht zwingen, jeden einzelnen Biss der Wölfe da draußen mitanzusehen“, flüsterte ich mit einem mörderisch sanften, unerbittlichen Lächeln direkt in sein kreidebleiches Gesicht. „Du wirst auf der Terrasse direkt an meiner Seite stehen. Meine Hand wird schützend in deinem Nacken liegen, und du darfst die Augen fest schließen, wenn es dir zu viel wird. Du bist das Alpha an meiner Seite, Welpe. Die Bestien jagen für uns, nicht gegen uns. Vertrau mir. Dir passiert hier drin gar nichts.“
Leo starrte mich aus seinen großen Bambi-Augen an. Die Tränen liefen ihm unaufhaltsam über die geröteten Wangen, aber unter meinem festen, heißen Griff schien die nackte Panik in seinem Blick langsam einer tiefen, fassungslosen Ergebenheit zu weichen. Er war vollkommen perplex von meinem intensiven Versuch, ihn zu beruhigen, während ein blutender Mann in der Halle um sein Leben bettelte. Er nickte ganz schwach, vollkommen unfähig zu sprechen, und krallte seine Finger instinktiv in den Stoff meines Hemdes, als wäre ich der einzige, unumstößliche Halt in diesem blutigen Wahnsinn.
Ich löste die Hand langsam von seinem Kinn, klopfte ihm zweimal sachte auf die Wange und drehte mich wieder zu Adam um. „Bring ihn nach draußen zum Waldrand“, befahl ich eiskalt, und jede Sanftheit war im Bruchteil einer Sekunde wieder aus meiner Stimme gewischt. „Leo und ich kommen gleich nach. Mal sehen, wie schnell unsere Ratte im Tiefschnee laufen kann.“
Während Adam den wimmernden Verräter an den Haaren über die Terrasse in den tiefen Schnee zerrte, tippelte Isabel ihm wie hypnotisiert hinterher. Ihr Blick klebte förmlich an seinen breiten Schultern, und noch bevor die schwere Glastür ins Schloss fiel, hörte ich, wie sie Adam mit einer für sie ungewohnt leisen, fast schon schüchternen Stimme ansprach. Adam antwortete mit seinem tiefen, kühlen Raunen. Ein psychopathisches Amüsement glitt über meine Züge. Der wandelnde Problemfall und meine eiskalte rechte Hand die beiden fingen tatsächlich an, im tiefsten Winter mitten vor einer geplanten Hinrichtung miteinander zu flirten.
Ich legte eine Hand an Leos Taille und lenkte ihn sanft, aber unnachgiebig zur Marmortreppe. Wir stiegen die Stufen hinauf in den dritten Stock, um das restliche Rudel zu holen und uns wetterfest anzuziehen. Leo hielt den Blick gesenkt, seine blau-grauen Augen wirkten immer noch riesig vor Schreck, aber das Zittern war durch meine Worte in der Küche merklich abgeflaut. Seine Handflächen waren warm, wo sie im Vorbeigehen kurz meinen Unterarm gestreift hatten.
„Ist dir eigentlich aufgefallen, dass deine beste Freundin und meine rechte Hand ineinander verknallt sind?“, brach ich schließlich die Stille des Flurs. Meine tiefe Stimme hallte ruhig von den Wänden wider.
Leo hielt mitten im Schritt kurz inne. Er sah zu mir hoch, und ein schwaches, süßes Lächeln stahl sich auf seine Lippen, bevor er leise seufzte und nickte. „Isa steht auf Männer im Anzug. Und auf Probleme. Adam erfüllt anscheinend beides perfekt.“
Ich stieß ein raues, leises Lachen aus. „Sie hat einen verdammt gefährlichen Geschmack. Adam fackelt nicht lange. Genau wie ich.“
Wir betraten sein Zimmer. Die fünf Wölfe waren sofort hellwach. Nox hob den mächtigen, schwarzen Kopf von der Matratze, während Speedy bereits schwanzwedelnd von den Kissen sprang und sich vor Leos Füße warf. Das Rudel spürte die geladene Elektrizität in der Luft. Sie rochen das frische Blut des Verräters, das unten an der Tür klebte, und das unbarmherzige Jagdfieber spannte ihre Muskeln wie gezogene Drahtseile an.
„Zieh dich an, Welpe. Es ist eisig da draußen“, befahl ich ruhig.
Ich ging an seinen Kleiderschrank, holte seine dicke Winterjacke und seine smaragdgrüne Mütze heraus. Während er sich mechanisch in die warmen Sachen packte, zog ich mir meinen schweren, schwarzen Ledermantel über und streifte mir die makellosen Lederhandschuhe über die Finger. Ich trat von hinten an ihn heran, zog ihm die Kapuze über die braunen Locken und ließ meine Hände kurz auf dem Leder seines Halsbandes ruhen. Das verrückte Kribbeln in seinem Bauch musste wieder wie ein Lauffeuer explodieren, als ich mich zu seinem Ohr hinunterbeugte.
„Du bist bereit“, raunte ich. „Vergiss nicht, was ich dir in der Küche versprochen habe. Du stehst direkt an meiner Seite.“ Ich drehte mich zum großen Bett um und hob zwei Finger in die Luft. „Nox. Cerberus. Hades. Erebos. Speedy. Down. Fuß.“
Die fünf riesigen Raubtiere glitten lautlos von der Matratze. Sie formierten sich augenblicklich in einer perfekten Reihe direkt hinter mir und Leo. Ihre gelben Augen glänzten mörderisch, ihre Lefzen zuckten leicht, aber sie gaben keinen einzigen Ton von sich. Sie gehorchten aufs Wort. Gemeinsam schritten wir den Flur entlang und gingen die Marmortreppe wieder hinunter. Ich lief voraus, meine zwei Meter Körpergröße schnitten den Weg ab, während Leo dicht in meinem Schatten blieb, flankiert von den Wölfen. Jedes Mal, wenn Speedy im Gehen kurz mit der Schnauze gegen Leos Hand stieß, suchte mein Welpe Halt im dichten Fell des Wolfes.
Als wir die untere Halle erreichten und auf die geöffnete Terrassentür zugingen, schlug uns die beißende Kälte des Winters entgegen. Draußen im Schnee wartete Adam, den wimmernden Verräter fest im Griff, und direkt daneben stand Isabel, die wie gebannt auf das mörderische Spektakel wartete. Das Spiel im Schnee konnte beginnen.
Wir standen kurz vor der geöffneten Terrassentür, die eisige Luft schnitt bereits in den warmen Raum. Doch bevor ich den ersten Schritt auf den tiefen Schnee setzen konnte, hielt Leo mitten in der Bewegung inne. Er zögerte nicht. Mit einer plötzlichen, tiefen Entschlossenheit ging er mitten im Flur auf die Knie, direkt vor den fünf mörderischen Bestien. Ich fror in der Bewegung ein. Meine lila Augen verengten sich.
Leo streckte die Arme aus und zog Nox und Speedy gleichzeitig fest an sich. Er vergrub sein Gesicht in ihrem dichten, pechschwarzen Fell und flüsterte ihnen Worte ins Ohr, die nur sie hören konnten. Er umarmte sie nacheinander fest, verzweifelt und mit einer unendlichen, tragischen Sanftheit. In seinen blau-grauen Augen standen schwere Tränen. Er tat es, weil er ganz genau wusste, was diese Tiere gleich da draußen im dichten Wald tun würden. Er wusste, dass sie gleich eine Ratte gnadenlos zerfetzen und fressen würden. Aber er verurteilte sie nicht dafür. Er begriff, dass es ihre Natur und mein unbarmherziger Befehl war. Er hatte sie trotzdem noch unglaublich gern.
Die Reaktion meines Rudels ließ mir das Blut in den Venen gefrieren vor purem, berauschendem Besitzanspruch. Nox, der sonst jedem Menschen mit einem einzigen Biss die Kehle aufriss, stieß ein tiefes, fast schon sanftes Schnaufen aus. Er drückte seine mächtige Schnauze direkt an Leos Hals, genau an die Stelle, an der mein schwarzes Lederhalsband seine Haut berührte. Er akzeptierte ihn vollständig als sein Alpha-Gegenstück. Speedy begann sofort, aufgeregt mit der Rute zu wedeln, und leckte Leo hastig über die Wange, während Cerberus und die Brüder Hades und Erebos sich eng an seine Beine drängten, um sich ihre Abschiedskrauler abzuholen. Sie holten sich die stumme Erlaubnis ihres zweiten Herrn für die Jagd. Ein dünnes, mörderisch sanftes Lächeln stahl sich auf meine Lippen. Mein psychopathisches Ego wurde durch dieses Bild in dieser Sekunde ins Unermessliche gefüttert. Er gehörte mir so vollkommen, mit jeder Faser seines Körpers, dass selbst meine brutalsten, auf das Töten abgerichteten Waffen bedingungslos vor ihm kapitulierten.
Ich blickte rüber zu Adam, der am äußersten Rand der Terrasse stand und den winselnden Verräter fixierte. Meine rechte Hand starrte durch die geöffnete Glastür auf die Szene im Flur, und seine grünen Augen waren so riesig geweitet, wie ich es noch nie zuvor bei ihm gesehen hatte. Adam war vollkommen fassungslos. Er arbeitete seit Jahren für mich und hatte schreckliche Dinge miterlebt. Er kannte diese Wölfe, seit sie winzige Welpen waren. Sie tolerierten ihn zwar, sie gehorchten seinen Handzeichen, wenn ich mal nicht da war aber sie ließen sich unter gar keinen Umständen von ihm berühren. Wenn Adam auch nur die Hand nach Nox ausstreckte, fletschte der Alpha sofort die Zähne. Und jetzt sah er, wie dieser zierliche, lockige Junge im Pullover das gesamte Rudel umarmte, als wären es harmlose Schoßhunde.
Ich legte eine Hand an Leos Nacken, spürte die Hitze seiner weichen Haut und zwang ihn sanft, wieder aufzustehen. „Es ist Zeit, Welpe“, raunte meine tiefe, samtige Stimme.
Wir traten gemeinsam hinaus in den tiefen Schnee auf die weite Terrasse. Isabel stand dicht neben Adam, ihre tiefbraunen Augen wanderten sofort wieder fasziniert zu seiner karamellfarbenen Haut, doch als sie den blutenden Mann auf den Fliesen sah, schluckte sie schwer. Ich schritt bis an den äußersten Rand der Stufen, meine zwei Meter Körpergröße warfen einen unbezwingbaren Schatten über den gefesselten Verräter.
„Hör mir genau zu, Ratte“, dröhnte meine Stimme eiskalt und unbarmherzig ruhig durch die frostige Stille des Waldes. Ich sah kühl auf den winselnden Mann hinab. „Das Spiel ist denkbar einfach. Adam wird dir gleich die Fesseln von den Handgelenken schneiden. Du hast exakt dreißig Sekunden Vorsprung, um in diesen dichten Wald zu rennen. Wenn du es schaffst, die unsichtbare Grenze am Ende der Tannen zu überqueren, bist du ein freier Mann. Ich werde dich nicht jagen lassen, wenn du außerhalb meines Bodens bist.“ Ich machte eine kurze Pause, und mein Blick glitt mörderisch sanft zu den fünf Wölfen, die sich knurrend links und rechts von mir und Leo aufstellten. Ihre Muskeln waren maximal angespannt. „Aber nach dreißig Sekunden“, fuhr ich fort, und die Schärfe in meiner Stimme ließ den Mann erzittern, „lasse ich mein Rudel los. Wenn sie dich einholen, bevor du die Grenze erreichst… nun, sie haben heute noch kein Fleisch bekommen. Willigst du in die Regeln ein, oder soll Adam dich direkt hier auf den Fliesen exekutieren?“
Der Mann blickte panisch von mir zu den fletschenden Zähnen von Cerberus, dann zu der scheinbaren Freiheit des dunklen Waldes. Er hatte keine Wahl. Es war eine reine Illusion von einer Chance, aber es war seine einzige.
„I-Ich willige ein!“, schrie er heiser, während ihm der Speichel von den Lippen lief. „Ich laufe! Lass mich laufen, Boss! Bitte!“
Ich gab Adam ein kurzes, scharfes Kopfnicken. Das Spiel war eröffnet.
Adam zog mit einer fließenden Bewegung sein scharfes Messer und trennte die Fesseln des Verräters mit einem einzigen Schnitt durch. In derselben Sekunde sprang die Ratte auf. Panisch, stolpernd und keuchend rannte der Mann los, stürzte sich in den hüfthohen Tiefschnee und hastete auf die dichte Wand aus Tannen zu. Ich verschwendete keinen einzigen Blick mehr an ihn. Ich trat einen großen Schritt nach vorn und positionierte mich direkt hinter Leos Rücken. Meine zwei Meter Körpergröße umschlossen ihn wie ein massiver, unbezwingbarer Panzer. Ich schlang einen Arm bombenfest um seine schmale Taille, zog seinen zitternden Körper brutal eng gegen meine Brust und legte meine freie, warme Hand von hinten an seinen Nacken, genau über den Rand des Lederhalsbandes. Er spürte meine Hitze, während ich mich so tief zu seinem Ohr hinunterbeugte, dass meine Lippen seine Haut berührten.
„Sag los, mein kleiner Welpe“, raunte meine tiefe, samtige Stimme direkt in seinen Verstand. Meine lila Augen glänzten dunkel vor absolutem Besitzanspruch. „Sag los. Gib ihnen das Signal.“
Leo hielt für den Bruchteil einer Sekunde den Atem an. Seine Finger krallten sich bereits verzweifelt in den teuren Stoff meines schwarzen Mantels. Er wusste genau, was jetzt passieren würde, aber mein unerbittlicher Befehl duldete keinerlei Widerspruch. Er sammelte all seine Kraft, schluckte den Kloß der Angst hinunter und hauchte zittrig: „Los.“
WROOOOARRR!
Im selben Moment explodierte das Rudel. Die fünf riesigen Bestien schossen wie geölte Blitze zeitgleich nach vorn. Nox pflügte an der Spitze durch das strahlende Weiß, dicht gefolgt von Cerberus, den Brüdern Hades und Erebos und dem wilden Speedy. Sie gaben keinen einzigen Ton von sich es war eine lautlose, perfekt koordinierte Todesjagd im tiefen Schnee. Ihre Muskeln arbeiteten präzise, während sie im Nu hinter den ersten Bäumen verschwanden und der Fährte des Verräters folgten.
Sobald die Wölfe losgestürmt waren, brach die letzte Gegenwehr in Leo komplett zusammen. Er drehte den Kopf, klammerte sich mit einer unbeschreiblichen, hilflosen Verzweiflung an mich und vergrub sein Gesicht tief in der Brust meines Mantels. Er drückte sich so eng an mich, als wollte er mit meinem Körper verschmelzen, um dieser grausamen Realität zu entkommen.
Ich hatte es ihm vorhin in der Küche versprochen. Ich hielt mein Wort. Ich lockerte den Griff an seiner Taille nicht, sondern hob meine großen, nackten Hände und legte sie sanft, aber unnachgiebig von beiden Seiten über seine Ohren. Ich presste meine Handflächen fest gegen seinen Kopf, schirmte ihn komplett ab und zog sein Gesicht noch tiefer in meinen Ledermantel. Er sollte nichts hören müssen. Keine brechenden Äste, kein nahendes Knurren und vor allem nicht die qualvollen, gurgelnden Schreie des Mannes, die kurz darauf aus dem Dickicht des Waldes drangen, als Nox ihn unbarmherzig einholte.
Während mein kleiner Welpe blind und taub an meiner Brust kauerte und das verrückte Kribbeln in seinem Bauch ihn komplett lähmte, hob ich den Kopf. Meine lila Augen fixierten ungerührt das Unterholz. Ich beobachtete alles haargenau. Ich sah, wie die Tannen in der Ferne bebten, wie der Schnee von den Ästen aufgewirbelt wurde und wie mein Rudel seine Pflicht erfüllte, um mein Imperium von einer Ratte zu säubern. Ein dünnes, mörderisch sanftes Lächeln stahl sich auf meine Lippen. Das Spiel war perfekt verlaufen. Ich strich mit den Fingern ganz sachte über die weichen, braunen Locken, die unter seiner smaragdgrünen Mütze hervorschauten. Er hatte mir bedingungslos gehorcht. Und in meinen Armen war er vor jeder Bestie dieser Welt sicher sogar vor meinen eigenen.
Ich hielt Leo immer noch fest an mich gepresst, meine Handflächen lagen dämpfend auf seinen Ohren. Über seine Schulter hinweg sah ich rüber zu Adam. Die Szene, die sich dort abspielte, war fast schon amüsanter als die Jagd selbst. Meine sonst so eiskalte, professionelle rechte Hand hielt Isabel fest umschlungen. Die kleine Kellnerin zitterte wie Espenlaub und hatte sich mit beiden Händen in Adams graues Sakko gekrallt. Adam redete mit einer ungewohnt leisen, beruhigenden Stimme auf sie ein, während seine Finger sanft ihren Rücken strichen.
Ich zog eine Augenbraue hoch und wackelte vielsagend mit ihnen in Adams Richtung. Adam fing meinen amüsierten Blick auf. Er, der sonst nie die Beherrschung verlor, grinste plötzlich wie ein absoluter Idiot, als er merkte, dass ich ihn eiskalt erwischt hatte. Ein leises, raues Lachen entwich meiner Kehle. Der wandelnde Problemfall hatte meinen besten Killer in Sekundenschnelle weichgekocht. Das würde ich ihm noch wochenlang genüsslich unter die Nase reiben.
Die absolute Stille des Winters legte sich wieder über die weite Terrasse. Es war vorbei. Nach einer Weile knackten die Äste am Waldrand. Ich nahm meine Hände langsam von Leos Ohren, hielt ihn aber immer noch fest an meiner Brust fixiert. Aus dem dichten Unterholz trotteten sie nacheinander hervor. Nox ging voraus, gefolgt von Cerberus, den Brüdern und Speedy. Ihre Schritte im Schnee waren schwer und zufrieden. Ihre Mäuler und das dunkle Fell um ihre Schnauzen waren komplett mit frischem, dunklem Blut verschmiert. Sie hatten ihre Pflicht erfüllt. Nox hob den Kopf, sah zu mir hoch und stieß ein leises, sattes Schnauben aus. Sie schmeckten den Tod der Ratte immer noch auf den Zungen.