Kapitel 22 Das klebrige Spiel
Kapitel 22 Das klebrige Spiel
Leo spürte die plötzliche Veränderung der frostigen Luft. Er bewegte sich schwach in meinem festen Griff und hob langsam das Gesicht aus dem schweren, dunklen Stoff meines Mantels. Seine blau-grauen Augen waren tränenfeucht, riesig und geweitet vor einer intensiven Mischung aus nacktem Entsetzen und fassungsloser Erleichterung.
Er starrte wie gebannt auf die blutverschmierten Mäuler der Wölfe, die sich im Schnee vor uns aufgereiht hatten. Ein heftiger Schauer durchfuhr seinen gesamten Körper, und er presste seine Handflächen so fest gegen meine Brust, dass ich seinen rasenden Herzschlag deutlich spüren konnte. Er wusste genau, was das dunkle Blut bedeutete. Er wusste, was diese Bestien vor wenigen Minuten im Unterholz des Waldes getan hatten. Und doch… als Speedy mit blutigem Fell schwanzwedelnd einen Schritt auf ihn zumachte, wich Leo nicht panisch zurück. Er sah mich an, und in seinem Blick lag dieses verbotene, hitzige Kribbeln, das ich so sehr an ihm liebte. Er war erschüttert von der Brutalität meiner Welt, aber er suchte in genau dieser brutalen Welt Schutz bei mir. Er begriff, dass ich die einzige Bestie war, die ihn vor dem Untergang bewahrte.
Ich verstärkte den Druck meines Arms um seine schmale Taille minimal und beugte mich tief zu seinem Ohr herunter. „Sie haben ihre Arbeit getan, Welpe“, raunte meine tiefe, samtige Stimme direkt an seiner empfindlichen Haut, während meine nackten Finger besitzergreifend über sein Lederhalsband strichen. „Und du hast deine getan. Du bist an meiner Seite geblieben. Wir gehen jetzt rein.“
Ich drehte den Kopf kühl zu Adam und der immer noch klammernden Isabel um. „Adam, bring die Wölfe in den Zwinger zum Saubermachen. Und du, Isabel… ab ins Haus. Es ist Zeit, dass wir diesen Tag beenden.“
Kaum hatten wir die wohlige Wärme der Villa wieder betreten, steuerte Leo zielstrebig auf die offene Küche zu. Er legte seine schwere Winterjacke ab und begann sofort, wie von Sinnen Zutaten auf der Arbeitsplatte bereitzulegen. Ich lehnte mich entspannt gegen den Küchentresen, verschränkte die Arme vor der Brust und fixierte ihn ruhig mit meinen lila Augen. Ich vermutete ganz richtig, dass er einfach etwas zu tun brauchte. Er musste sich ablenken, um die blutigen Bilder der Hetzjagd da draußen irgendwie in seinem Kopf zu verarbeiten.
Isabel trottete mit hängenden Schultern ins Wohnzimmer, sichtlich erschöpft von dem emotionalen Terror der letzten Stunden. Sie ließ sich schwer auf die Ledercouch sinken, starrte einen Moment stumm an die Decke und gab dann ein langes, lautes Seufzen von sich.
„Mann o Mann…“, rief sie plötzlich quer durch den Raum, und ein vertrautes, unverschämtes Funkeln kehrte in ihre tiefbraunen Augen zurück. Ihr Hang zum absoluten Problemfall war durch die warme Raumluft anscheinend wieder komplett aufgetaut. „Jetzt, wo ich diesen Adam mal so aus der Nähe sehe… ist er schon echt heiß. Als ich ihn damals nur so flüchtig im Café gesehen habe, war er irgendwie nicht so verdammt attraktiv.“
Leo stand am Herd, schnitt geschickt frischen Fisch und füllte Teig ab. Als er Isas lüsterne Schwärmerei hörte, hielt er mitten in der Bewegung inne. Ein kurzes, echtes Lachen entwich seiner Kehle ein Geräusch, das mir sofort wieder dieses tiefe Zufriedenheitsgefühl in die Brust jagte. Er drehte sich um, die Schale mit dem Sushireis in der Hand, und sah seine beste Freundin mit einem amüsierten Blick aus seinen blau-grauen Augen an.
„Zu dem Zeitpunkt hattest du ja auch gerade mit Bela geschlafen“, rief Leo völlig ungeniert zurück, und ein freches Grinsen stahl sich auf seine Lippen. „Du warst sexuell befriedigt, Isa! Also hast du einfach nicht richtig hingesehen!“
Ich zog augenblicklich eine Augenbraue hoch. Sexuell befriedigt. Mein hauchdünnes, psychopathisches Lächeln vertiefte sich, während meine lila Augen zu der Couch rüberwanderten. Diese kleine Kellnerin war wirklich ein wandelndes Pulverfass.
Isas Reaktion war filmreif. Das unbeschwerte Grinsen fror im Bruchteil einer Sekunde auf ihren Lippen ein, und ihre karamellfarbene Haut verfärbte sich in Rekordzeit zu einem tiefen, flammenden Knallrot. Sie verschluckte sich lautstark an ihrer eigenen Spucke, sprang fast von der Couch auf und fuchtelte wild mit den Händen in der Luft herum.
„Leo!!!“, kreischte sie mit sich überschlagender Stimme, völlig entsetzt darüber, dass ihr bester Freund ihre privaten Bett-Geschichten vor mir ausplauderte. „Halt den Mund! Oh mein Gott, das musst du doch nicht laut sagen, während der zwei Meter große Teufel direkt daneben steht! Du bist so unmöglich!“
„Ich stelle nur biologische Fakten fest, Isa“, konterte Leo fröhlich, sichtlich erleichtert darüber, den Spieß nach der Würstchen-Eier-Blamage vom Frühstück endlich mal umgedreht zu haben.
Ich stieß ein tiefes, raues Lachen aus, das die beiden auf der Stelle verstummen ließ. Ich trat zwei Schritte näher an den Tresen heran, sodass mein riesiger Schatten den Küchenbereich dominierte. „Faszinierend, Isabel“, raunte meine tiefe, samtige Stimme im Raum, und das dunkle Amüsement in meinem Tonfall ließ sie auf der Couch sofort wieder ein Stück kleiner werden. „Deine hormonelle Ablenkung im Café hat meinem besten Killer damals also das Leben erleichtert. Gut zu wissen, dass du so leicht zu durchschauen bist. Wenn Adam gleich reinkommt, werde ich ihm ausrichten, dass er dein volles, ‚sexuell unbefriedigtes‘ Interesse geweckt hat. Er wird sich sicher geehrt fühlen.“
„Tu das bloß nicht, Riese!“, stöhnte Isa verzweifelt und vergrub das brennende Gesicht in ihren Händen, während sie sich ganz tief in die Kissen drückte.
Ich wandte den Blick von ihr ab und fixierte wieder meinen kleinen Welpen. Leo stand am Herd und kochte fleißig weiter. Er rollte kunstvoll frisches Sushi und frittierte goldbraune Corndogs. Doch mein Verstand registrierte sofort ein ganz bestimmtes Detail: Er füllte die Corndogs mit klebrigem, geschmolzenem Käse statt mit Würstchen.
Ein besitzergreifendes, gefährliches Funkeln trat in meine Augen. Ein mörderisch sanftes Lächeln stahl sich auf meine Lippen, während ich beobachtete, wie geschickt seine Finger sich bewegten. Er strich sich eine braune Locke aus der Stirn, vermied es aber tunlichst, mich anzusehen. Er kochte ohne Würstchen weil der gestrige Spruch über das lange Würstchen beim Frühstück und Isas lüsterne Kommentare über das „Umwerfen“ ihm immer noch so tief in den Knochen saßen, dass er die bloße Form von Fleisch im Teig nicht ertragen konnte. Er wich mir aus. Er versuchte verzweifelt, die sexuelle Anspannung wegzukochen.
Ich trat von hinten ganz nah an ihn heran. Mein muskulöser Körper berührte fast seinen Rücken, und ich beugte mich so tief zu seinem Ohr herunter, dass mein warmer Atem seine Haut verbrannte. Meine nackten Finger strichen ganz sachte über das Leder seines Halsbandes an seiner Kehle, was sein Herz augenblicklich wieder wie verrückt gegen seine Rippen hämmern ließ. Das Kribbeln in seinem Bauch musste wie ein Lauffeuer explodieren.
„Keine Würstchen im Teig, Leo?“, raunte ich so leise an seinem Ohr, dass die errötete Isabel auf der Couch es unmöglich hören konnte. Mein Blick fixierte seine zitternden Hände. „Du weichst mir also aus. Du denkst, wenn du nur Käse benutzt, vergesse ich, was deine Freundin vorhin über das Umwerfen gesagt hat. Ein niedlicher Versuch, mein kleiner Welpe. Aber geschmolzener Käse ist viel heißer… und er zieht lange, klebrige Fäden. Genau wie das Verlangen, das ich heute Nacht an dir stillen werde.“
Leo hielt mitten in der Bewegung inne, die Zange in seiner Hand klapperte leise gegen die heiße Pfanne, und er starrte mich aus riesigen, tränenfeuchten Bambi-Augen an. Er war komplett perplex, unfähig zu atmen, während die Hitze wieder unbarmherzig in seine Wangen schoss.
Das metallische Klacken der Hintertür zerriss die dichte, aufgeladene Atmosphäre in der Küche wie ein Peitschenhieb. Leo hielt mitten in der Bewegung inne, die Augen immer noch riesig und glänzend, während sein Atem flach und unregelmäßig gegen meine Brust stieß.
Adam trat herein.
Er hatte das graue Sakko abgelegt, die Ärmel seines weißen Hemdes waren hochgekrempelt, und an seinen Händen klebten noch ein paar verräterische Spuren von Wasser und Seife vom Saubermachen der Wölfe. Seine grünen Augen fixierten mich sofort, und in seinem Blick lag eine ungewohnte, dringliche Ernsthaftigkeit, die das erotische Knistern in der Küche im Bruchteil einer Sekunde im Keim erstickte. Er hielt eine dünne, schwarze Mappe in der Hand.
„Boss, wir haben ein Ergebnis“, sagte Adam mit seiner ruhigen, tiefen Stimme. Er trat an den Tresen heran, schien Isas brennenden Blick auf seiner karamellfarbenen Haut geflissentlich zu ignorieren, öffnete die Mappe und legte ein ausgedrucktes Dokument vor mich hin. „Die Männer haben die alten Lagerhallen am Güterbahnhof durchsucht. Sie haben dort zwar nicht Ben gefunden, aber sie haben den Unterschlupf ausgehoben, in dem er sich die letzten Tage versteckt hat. Und sie haben etwas im Müll gefunden. Ein zerrissenes Bahnticket.“
Ich nahm die Hand von Leos Halsband, richtete mich in meine volle Zwei-Meter-Größe auf und fixierte das Dokument. Meine lila Augen verengten sich zu zwei mörderischen Schlitzen.
„Wohin führt das Ticket, Adam?“, fragte ich eiskalt.
„Nach Übersee, Boss“, antwortete Adam, und ein gefährliches Funkeln trat in seine grünen Augen. „Der Zug fährt morgen Abend um exakt zweiundzwanzig Uhr. Er hat die Stadt noch nicht verlassen. Er wartet nur auf den richtigen Moment, um zum Bahnhof zu schlüpfen.“
Ein dünnes, psychopathisches Lächeln stahl sich auf meine Lippen. Die Jagd hatte ein klares Ziel bekommen.
Er hatte sein graues Sakko abgelegt und die Ärmel seines weißen Hemdes bis zu den Ellbogen hochgekrempelt. Seine karamellfarbene Haut war makellos, doch an seinen Knöcheln klebte noch ein winziger, dunkler Streifen Blut vom Saubermachen der Wölfe. Er strahlte diese eiskalte, kontrollierte Ruhe aus, die ihn zu meiner perfekten rechten Hand machte. Er warf einen kurzen Blick auf mich, registrierte meine extreme Nähe zu Leo am Herd, verzog aber keine Miene. Seine grünen Augen wanderten langsam weiter zum Wohnzimmer direkt zu der Couch.
Isas Reaktion war die absolute Krönung des Abends. In dem Moment, in dem Adam die Küche betrat, gefror jede einzelne Bewegung in ihrem Körper. Sie saß mit angewinkelten Beinen auf der Ledercouch, die Hände immer noch halb vor dem hochroten Gesicht vergraben. Als sie ihn sah die hochgekrempelten Ärmel, die nackten Unterarme und diese unverschämte, maskuline Aura –, wechselte ihre Gesichtsfarbe im Bruchteil einer Sekunde von Knallrot zu einem fast schon ungesunden Purpur. Sie starrte ihn an, als hätte sie den leibhaftigen Gott der Sünde gesehen, und schaffte es vor lauter Überwältigung nicht einmal mehr, zu blinzeln. Jedes lose Mundwerk, jeder trotzige Spruch war komplett weggeschmolzen. Sie war und unrettbar sprachlos.
Leo nutzte das Eintreffen meines Assistenten wie einen Rettungsring. Er riss sich mit einer schnellen, fast schon panischen Bewegung aus meinem Schatten, trat einen großen Schritt vom Herd zurück und versuchte verzweifelt, seine zitternden Hände an einem Küchentuch abzuwischen. Seine blau-grauen Augen flitzten nervös von mir zu Adam und dann zu Isa. Er war so dankbar für die Ablenkung, auch wenn das purpurrote Glühen auf seinen eigenen Wangen ihn immer noch als mein Meisterwerk brandmarkte.
„A-Adam…“, stammelte Leo mit brüchiger Stimme und deutete hastig auf die dampfenden Platten auf dem Tresen. „Das Essen ist gleich fertig. Es gibt Sushi und… und Corndogs mit Käse. Setz dich doch.“
Adam zog eine Augenbraue hoch, ging mit langsamen, unaufhaltsamen Schritten an mir vorbei und blieb am Tresen stehen. Er blickte kurz auf das frisch zubereitete Essen, dann hinüber zu Isabel, deren Blick ihn immer noch förmlich auffraß. Ein unmerklich amüsiertes, fast schon arrogantes Lächeln glitt über seine Lippen. Er genoss ihre Faszination sichtlich. Ich lehnte mich entspannt zurück, verschränkte die Arme vor der Brust und ließ mein hauchdünnes, psychopathisches Lächeln wiederkehren. Meine lila Augen blitzten dunkel vor absolutem Amüsement.
„Du kommst genau zum richtigen Zeitpunkt, Adam“, raunte meine tiefe, samtige Stimme durch den Raum. Ich sah kurz zu der zitternden Isabel, die am liebsten im Sofa versunken wäre, und dann wieder zu meiner rechten Hand. „Isabel hat gerade lautstark über deine Attraktivität nachgedacht. Leo hat festgestellt, dass sie beim letzten Mal schlichtweg sexuell zu abgelenkt war, um dein volles Potenzial zu erkennen. Aber jetzt, wo sie hungrig ist… scheint sie deine hochgekrempelten Ärmel sehr zu schätzen.“
„Luke, nein!!!“, kreischte Isa vom Sofa aus, warf sich ein Kissen vors Gesicht und stöhnte so verzweifelt auf, dass die Federn der Couch knackten.
Adam stieß ein leises, raues Lachen aus, das wie eine tiefere Kopie meines eigenen klang. Er wandte den Blick nicht von der Couch ab, stützte die Ellbogen auf den Tresen und fixierte die schüchterne Isabel mit seinen intensiv grünen Augen. „Ist das so?“, raunte er, und seine Stimme klang wie Samt und Stahl. „Ein Glück, dass ich die Wölfe weggesperrt habe. Du scheinst heute besonders viel Aufmerksamkeit zu brauchen, kleine Kellnerin.“
Ich sah zu Leo hinunter, der fassungslos den Kopf schüttelte, während das verrückte Kribbeln in seinem Bauch bei meinen Worten nur noch heftiger explodieren musste. Das Spiel in meinem Haus war in vollem Gange und heute Nacht würde keiner von ihnen meinen Regeln entkommen.
Wir saßen schließlich alle am großen Mahagonitisch in der Küche. Ich hatte mich wieder direkt neben Leo platziert, meinen schweren Arm unnachgiebig um seine Schultern gelegt, um ihn fest an meine Seite zu pressen. Gegenüber saßen Adam und Isabel. Die Teller mit dem frisch gerollten Sushi und den goldbraun frittierten Käse-Corndogs standen zwischen uns, und der Duft von geschmolzenem Cheddar erfüllte den Raum. Isa hatte sich endlich ein Herz gefasst und angefangen zu essen. Das Sushi schien ihr zu schmecken, aber sie wagte es kaum, den Blick vom Teller zu heben. Jedes Mal, wenn Adam mit seinen hochgekrempelten Ärmeln nach den Stäbchen griff, lief sie sofort wieder leicht rötlich an.
Das Thema am Tisch drehte sich anfangs um etwas, das die beiden völlig unvorbereitet traf: die rechtliche und logistische Zukunft von Leos Café.
„Die Papiere für die Eigentumsübertragung sind sauber, Boss“, brach Adam das Schweigen mit seiner ruhigen, tiefen Stimme und nahm sich einen der Corndogs. Er blickte kurz zu Isabel rüber, seine grünen Augen blitzten amüsiert. „Isabel hat den Kauf gestern Abend über eine Offshore-Holding abgewickelt. Sehr geschickt für eine Zivilistin. Aber meine Männer haben die Konten bereits gesichert. Das Café gehört jetzt offiziell ihr aber die Einnahmen laufen über unsere Kanäle.“
Isa hielt mitten im Kauen inne, schluckte hastig und funkelte Adam trotz ihrer Schockverliebtheit trotzig an. Ihr Hang zum Problemfall war eben nicht ganz totzukriegen. „Das ist mein Laden! Ich habe mein eigenes Erspartes dafür benutzt, um Leos Lebenswerk zu retten! Ihr könnt nicht einfach meine Konten überwachen!“
„Wir können alles, Isabel“, erwiderte ich vollkommen gelassen, und meine Finger trommelten in einem langsamen, unbarmherzigen Takt auf Leos Oberarm, während meine lila Augen sie fixierten. „Sieh es als Schutzgebühr. Du darfst das Café führen, du darfst dort arbeiten. Aber da dein bester Freund ab jetzt an meiner Seite lebt, ist dieser Laden eine direkte Erweiterung meines Reiches. Wenn dort eine Ratte auftaucht, erfahren wir es zuerst.“
Leo bewegte sich schwach in meinem Griff. Er starrte auf seinen Teller, wo er den geschmolzenen Käse seines Corndogs mit der Gabel in lange, klebrige Fäden zog. Das verrückte, intensive Kribbeln in seinem Bauch musste bei der Erwähnung seiner dauerhaften Zukunft in dieser Villa wieder wie verrückt explodieren.
„Und was ist mit Ben?“, flüsterte Leo leise, und seine blau-grauen Augen suchten kurz meinen Blick, bevor er wieder wegsah. Er wollte das Thema wechseln, die sexuelle Anspannung und die absolute Kontrolle im Raum waren ihm einfach zu viel.
Das Gespräch wechselte augenblicklich zu einer eiskalten, geschäftsmäßigen Härte.
„Deine Männer behalten die Häfen und den alten Güterbahnhof im Auge, Luke“, berichtete Adam, und seine Stimme verlor jede Sanftheit. Er wurde wieder zum emotionslosen Killer. „Ben hat gemerkt, dass die Luft dünn wird. Er hat versucht, sich bei ein paar kleinen Straßengangs im Norden zu verstecken, aber niemand riskiert seinen Kopf für eine Ratte, die Schulden bei der Mafia hat. Wir werden ihn bis morgen Abend lokalisiert haben.“
Isa starrte geschockt von Adam zu mir. Das Thema über die Jagd auf Bens Bruder holte sie brutal in die Realität zurück. Sie begriff wieder, mit was für Monstern sie hier eigentlich am Tisch saß.
„Du… du wirst ihn doch nicht umbringen, oder?“, fragte sie leise und sah mich mit einer Mischung aus Angst und Trotz an. „Er ist Leos Bruder, egal was für ein Mistkerl er ist.“
Ich legte ein hauchdünnes, mörderisch sanftes Lächeln auf die Lippen, während ich mich tiefer zu Leo hinunterbeugte, sodass mein Atem seine Wangenhaut streifte. Meine nackten Finger wanderten langsam hoch zu seinem Lederhalsband und übten einen ganz leichten, besitzergreifenden Druck aus.
„Was mit Ben passiert, entscheide ich, wenn er vor mir auf den Knien liegt, Isabel“, raunte meine tiefe, samtige Stimme durch die Küche, und ich genoss es, wie Leo unter meiner Berührung die Luft anhielt. „Er hat mir ein unvollständiges Pfand überlassen. Er hat mir verschwiegen, dass sein Bruder eine unberührte, reine Jungfrau ist. Ein unbezahlbares Meisterwerk. Allein für diese Geheimniskrämerei hat er eine harte Lektion verdient. Aber darüber reden Leo und ich heute Nacht ganz allein, wenn du im Gästezimmer schläfst.“