LNCrawler

Kapitel 25 Das gläserne Vertrauen

Café Und Mafia — www.fanfiktion.de · All chapters

Kapitel 25 Das gläserne Vertrauen

Ich schob den Hocker langsam zurück, hielt den Blick starr gesenkt und erhob mich. „Ich gehe kurz auf Toilette“, murmelte ich, ohne Isa oder Luke auch nur eines Blickes zu würdigen, und steuerte mit steifen Schritten auf das Badezimmer im Erdgeschoss zu. Kaum war die schwere Tür ins Schloss gefallen, sperrte ich die dumpfen Geräusche der Küche aus. Ich trat an das Waschbecken, drehte den Hahn auf und spritzte mir eiskaltes Wasser ins Gesicht. Das heftige Brennen auf meinen Wangen ließ nach, aber das Hämmern in meiner Brust wurde nur noch lauter. Ich sah in den Spiegel. Das Lederhalsband drückte eng gegen meine Kehle. Ich war eine Ware, eine Jungfrau in den Händen eines Monsters, und heute Abend sollte ich das Schicksal meines eigenen Bruders besiegeln. Ich bekam in diesem Raum keine Luft mehr. Da sah ich es im Augenwinkel: ein großes, breites Fenster an der Seite des Badezimmers.

Ich reagierte völlig ohne nachzudenken. Mein Gehirn schaltete ab, getrieben von einem reinen, wilden Fluchtinstinkt. Ich entriegelte das Fenster, stieß es auf und kletterte hastig über den Rahmen. Als ich herabsprang, landete ich mit einem dumpfen Geräusch im Tiefschnee, der über Nacht noch einmal gewaltig gewachsen war. Die Kälte biss mir sofort in die Waden der Schnee ging mir fast bis zu den Knien. Ich hatte keine Jacke, keine Mütze, nur meinen warmen Pullover. Ich wusste, dass das vollkommen albern war. Ich wusste, dass ich ein lebensgefährliches Spiel spielte und dass Luke ausrasten würde. Aber es war genau wie damals nach dem plötzlichen Tod meiner Eltern: Ich brauchte einfach Luft zum Atmen. Ich musste rennen.

Mit schnellen, keuchenden Schritten stapfte ich durch die weiße Masse auf die rettende Wand aus Tannen zu. Sobald ich den dichten Wald erreichte, wurde der Schnee flacher und reichte mir nur noch bis zu den Knöcheln. Ich fing an zu rennen. Ich rannte blind zwischen den Bäumen hindurch, die kalte Luft brannte in meiner Lunge wie flüssiges Glas.

WROOSH.

Aus dem Nichts sprang ein riesiger, pechschwarzer Schatten direkt aus dem Dickicht vor mich. Der Schnee stob in alle Richtungen auf. Ich bremste so abrupt ab, dass ich den Halt verlor und rückwärts auf den gefrorenen Boden stürzte. Mein Herz setzte einen Schlag aus. Es war Nox. Der gigantische Alpha-Wolf stand breitbeinig vor mir, die Ohren flach angelegt. Er stieß kein wütendes Knurren aus, aber seine gelben Augen fixierten mich unnachgiebig. Er blockierte den Weg tiefer in den Wald komplett. Er knurrte nicht, weil er mich als Beute sah, sondern weil er seinen Job machte: Er war Lukes Waffe, und er passte auf, dass sein Welpe die Grenze nicht überschritt.

„Nox…“, flüsterte ich mit zitternden Lippen, während ich im Schnee saß und den Kopf in den Nacken legte, um zu dem riesigen Tier aufzusehen. Die Kälte kroch langsam durch meinen Pullover. „Bitte… lass mich einfach nur kurz hier sitzen. Ich laufe nicht weg. Ich kann eh nicht weg.“

Der Wolf machte einen langsamen Schritt auf mich zu, schnaubte warmen Atem in die frostige Luft und senkte den Kopf, sodass seine Schnauze fast mein Lederhalsband verknüpfte. Er bewachte mich. Und ich wusste, dass mir die Zeit davonlief.

(Luke)

Ich lehnte immer noch an der Küchenanrichte und drehte das leere Weinglas zwischen meinen Fingern. Adam und Isabel redeten drüben am Tresen weiter, ihr Geplänkel war inzwischen zu einem leisen, fast schon vertrauten Tuscheln geworden. Mein Assistent war abgelenkt, aber mein Verstand war es nicht. Ich warf einen Blick auf die Uhr an der Wand. Sieben Minuten. Leo war jetzt schon ziemlich lange auf der Toilette. Zu lange für jemanden, der eben noch abwesend in die Ferne gestarrt und die Luft gesucht hatte. Mein hauchdünnes Lächeln erlosch im Bruchteil einer Sekunde. Meine lila Augen verengten sich zu zwei gefährlich kalten Schlitzen.

„Adam. Schweig“, raunte meine tiefe, samtige Stimme durch den Raum.

Das Tuscheln am Tresen erstarb augenblicklich. Isa spannte sich sofort wieder an, und Adam sah mich mit einem alarmierten, fokussierten Blick an. Er kannte diesen Tonfall. Er bedeutete, dass etwas meine perfekte Symmetrie gestört hatte.

Ich stieß mich vom Tresen ab und ging mit schnellen, lautlosen Schritten den Flur entlang zum Badezimmer. Ich legte keine Hand an die Klinke. Ich schloss die Augen und lauschte. Keine Spülung. Kein fließendes Wasser. Eine drückende, schwere Stille. Ich drückte die Tür mit einem einzigen, festen Ruck auf. Das Badezimmer war leer. Und das große Fenster zur Westseite stand sperrangelweit offen, während die eisige Winterluft den Raum flutete. Auf dem Sims klebten ein paar frische Schneeflocken von seinen Socken.

Ein tiefes, gefährliches Brodeln flammte in meiner Brust auf, gemischt mit einem berauschenden, dunklen Jagdinstinkt. Er war aus dem Fenster gesprungen. Ohne Jacke, mitten in der Kälte. Er testete meine Grenzen schon wieder kurz nachdem er mir im Bett bewiesen hatte, wie wehrlos er unter mir war. Ich trat zurück in den Flur, wo Adam und eine kreidebleiche Isabel bereits hinter mir aufgedreht waren.

„Er ist weg“, sagte Adam eiskalt und griff instinktiv nach hinten zu seiner Waffe.

„Lass sie stecken, Adam“, raunte ich, und ein mörderisch sanftes Lächeln kehrte auf meine Lippen zurück, während meine lila Augen dunkel aufblitzten. Ich schnappte mir meinen schwarzen Ledermantel von der Garderobe. „Er läuft nicht weit. Er hat keine Schuhe und keine Jacke. Und er vergisst, dass mein Rudel den Wald kontrolliert.“ Ich drehte mich zu Isabel um, die sich zitternd an den Türrahmen klammerte. „Deine Worte vorhin auf der Couch waren sehr mutig, Isabel. Du hast gesagt, er hat Stil und wird sich mir nicht fügen. Jetzt ist er da draußen. Wenn er in das Kraftfeld läuft, weil er panisch wird, ist es dieses Mal deine Schuld.“

Ich wartete ihre Antwort nicht ab, sondern stürmte zur Terrassentür hinaus in den Schnee. Seine Spuren waren tief, unkoordiniert und führten direkt auf den Waldrand zu. Ich folgte ihnen nicht rennend, sondern mit weiten, unaufhaltsamen Schritten. Er brauchte Luft? Ich würde ihm zeigen, dass die einzige Luft, die er ab heute atmen durfte, aus meinen Lungen stammte.

Als ich die ersten Tannen erreichte, spürte ich über das GPS-Signal meines Satellitentelefons genau, wo der Sensor seines Halsbandes war. Er stand still. Und als ich durch das Unterholz brach, sah ich auch, warum. Leo saß im Schnee, den Pullover durchnässt, die Knie an die Brust gezogen. Und direkt vor ihm stand Nox. Der pechschwarze Alpha hielt ihn in Schach, den Kopf gesenkt, treu und unerbittlich. Ich blieb ein paar Schritte vor dem Wurzelwerk stehen. Meine zwei Meter Körpergröße warfen einen gewaltigen, dunklen Schatten über meinen zitternden Welpen, und meine lila Augen fixierten sein kreidebleiches Gesicht.

„Ein Ausflug aus dem Badezimmerfenster, Leo?“, raunte meine tiefe, samtige Stimme durch die winterliche Stille. Ich zog mir langsam die schwarzen Lederhandschuhe an. „Sehr kreativ. Aber du hast vergessen, dass meine Bestien dich überall finden. Und dieses Mal… gibt es keinen Kuss, der mich ablenkt.“

Ich stand unbeweglich über ihm, während der eisige Wind an meinem Mantel zerrte. Ich hatte mit vielem gerechnet mit Trotz, mit einer panischen Ausrede, vielleicht sogar mit einem weiteren, verzweifelten Versuch, mich anzugeifen. Doch was ich stattdessen sah, ließ meinen mörderischen Jagdinstinkt im Bruchteil einer Sekunde einfrieren. Leo sah zu mir auf. In seinen blau-grauen Augen glitzerten dicke, heiße Tränen, die langsam über seine gefrorenen Wangen liefen. Doch da war kein Kampfgeist mehr. Kein Trotz. Er sah so zerbrechlich aus, als hätte er sich innerlich komplett aufgegeben.

„Ich dachte… dass du nicht kommen würdest“, flüsterte er, und seine Stimme war so brüchig, so voller echter, tragischer Verzweiflung, dass es fast im Raum hallte. Er schluckte schwer und sah mich aus diesen großen Bambi-Augen an. „Als Strafe.“

Seine Worte sickerten wie flüssiges Eis in meinen Verstand. Er dachte, ich würde ihn zur Strafe hier draußen in der Kälte erfrieren lassen. Er dachte, ich hätte ihn aufgegeben. Ein unbeschreibliches, berauschend intensives Gefühl explodierte in meiner Brust. Mein Besitzanspruch flammte so heiß auf, dass mir die eisige Kälte des dichten Waldes nichts mehr anhaben konnte. Er verstand es immer noch nicht. Er begriff einfach nicht, dass ich ihn niemals, unter gar keinen Umständen, sich selbst überlassen würde. Er war mein unbeschriebenes Blatt, mein wertvollstes Meisterwerk. Ich würde eher diese ganze Stadt in Schutt und Asche niederbrennen, als auch nur tatenlos zuzusehen, wie mein Eigentum bleibenden Schaden nahm.

Nox reagierte als Erster. Der pechschwarze Alpha-Wolf hob langsam den mächtigen Kopf, warf mir einen klugen, tiefen Blick aus seinen gelben Augen zu und stieß ein tiefes, fast schon mitleidiges Schnaufen aus. Er spürte instinktiv, dass die Gefahr gebannt war. Mit einer unheimlichen Sanftheit drängte sich das riesige Raubtier noch enger an Leos durchnässte Flanke, legte den breiten Kopf schützend über Leos Knie und fing an, die gefrorenen Hände meines Welpen mit seinem warmen Atem zu wärmen. Er bewachte ihn nicht mehr wie eine Beute er beschützte ihn vor dem Erfrieren.

Ich tat zwei große Schritte nach vorn, verkürzte den Abstand zwischen uns vollends und ging direkt vor Leo im tiefen Pulverschnee in die Hocke. Meine zwei Meter Körpergröße schotteten ihn komplett vom Rest des Waldes ab. Ich zog mir mit den Zähnen den rechten Lederhandschuh aus und warf ihn achtlos beiseite. Ich streckte meine nackte, kochend heiße Hand aus, legte meine Finger fest um sein Kinn und zwang ihn sanft, aber unnachgiebig, mir direkt in die lila Augen zu sehen. Seine Haut war eiskalt, und er zitterte so heftig, dass seine Zähne laut vernehmbar aufeinanderklapperten.

„Dich hier draußen sterben lassen, Leo?“, raunte meine tiefe, samtige Stimme direkt an seinen zitternden Lippen, und mein warmer Atem verbrannte sein gefrorenes Gesicht. Ein mörderisch sanftes, ernstes Lächeln stahl sich auf meine Züge. „Du unterschätzt meinen Besitzanspruch maßlos. Du gehörst mir. Mit jedem Atemzug, mit jedem ersten Mal. Ich würde dich niemals der Kälte überlassen. Wenn du brennst, dann nur durch mich.“

Ich wanderte mit den Fingern langsam von seinem Kinn hinunter zu dem Lederhalsband an seiner Kehle, strich über das eiskalte Material und spürte das wilde, panische Rasen seiner Halsschlagader. Das verrückte Kribbeln in seinem Bauch musste in diesem Moment wieder wie eine gewaltige Supernova explodieren.

„Du hattest Angst vor dem Lagerhaus heute Abend, nicht wahr?“, flüsterte ich, und mein Blick wurde unbarmherzig dominant. „Deswegen bist du aus dem Fenster gesprungen. Weil du dachtest, du könntest deiner Zukunft entkommen. Aber du hast mir gerade bewiesen, dass du tief in deinem Inneren genau weißt, wer dich rettet. Du hast darauf gewartet, dass ich dich hole.“

Ich gab ihm keine Zeit zu antworten. Ich löste den Griff von seinem Halsband, schob meine Arme unter seinen zitternden, durchnässten Körper und hob ihn mit einer mühelosen Leichtigkeit hoch in meine Arme. Er wog fast nichts. Ich drückte ihn brutal eng gegen meine nackte, heiße Brust unter meinem Mantel, sodass er jeden meiner schweren Herzschläge spüren konnte. Leo leistete keinen Widerstand mehr. Er schlang die Arme fest um meinen Nacken, vergrub sein Gesicht tief im Stoff meines Mantels und weinte leise, während Nox lautlos aufstand und uns wie eine königliche Leibgarde zurück zur Villa folgte. Er hatte den Kampf gegen mich verloren und gewonnen zugleich.

Wir befanden uns auf halber Strecke im verschneiten Unterholz, das dichte Fell von Nox streifte ab und zu meine Beine. Ich trug Leo sicher in meinen Armen, hielt seinen durchnässten, zitternden Körper fest an meine Brust gepresst. Seine eiskalten Finger waren tief in meinem Nacken vergraben, und ich konnte seinen flachen, unregelmäßigen Atem an meiner Halsschlagader spüren. Mein Jagdinstinkt war gestillt, ersetzt von einer berauschenden, besitzergreifenden Ruhe. Plötzlich bewegte er sich schwach in meinem Griff. Er zog den Kopf ein kleines Stück zurück, sodass ich in seine großen, tränenfeuchten Bambi-Augen sehen konnte.

„Warum packst du eigentlich immer mein Halsband?“, raunte er, und seine Stimme war so leise, so brüchig vor lauter Kälte und emotionaler Erschöpfung. Er schluckte schwer, sah mich an und hauchte die nächsten Worte direkt in die frostige Luft: „Küss mich doch einfach gleich…“

Ich hielt mitten im Schritt inne. Meine schweren Stiefel versanken im Tiefschnee. Für einen kurzen Moment setzte mein perfekt kalkulierender Verstand komplett aus. Ein Don der Mafia wurde nicht überrumpelt, aber mein kleiner Welpe hatte gerade mit einem einzigen Satz meine gesamte Kontrolle ins Wanken gebracht. Er forderte mich heraus. Er fragte nicht mehr nach Freiheit, er flüchtete nicht mehr vor meiner Brutalität er verlangte nach meinen Lippen. Freiwillig. Mitten im kalten Wald, nachdem er gerade versucht hatte, aus einem Badezimmerfenster zu fliehen. Nox stoppte ebenfalls neben uns, schnaubte warmen Atem in die Luft und blickte klug zu uns hoch, als würde er auf meine Reaktion warten.

Ein tiefes, unglaublich heißes Gefühl von Triumph explodierte in meiner Brust. Das hauchdünne, mörderisch sanfte Lächeln kehrte auf meine Lippen zurück, und meine lila Augen glänzten vor einem dunklen, intensiven Feuer. Er war mein Meisterwerk, und er hatte sich soeben selbst gezähmt.

„Du wirst immer unverschämter, Welpe“, raunte meine tiefe, samtige Stimme, und der unmissverständliche, verruchte Tonfall ließ die Luft zwischen uns augenblicklich knistern.

Ich gab ihm keine Zeit zum Nachdenken. Ich beugte mich tief zu ihm herunter, presste ihn noch ein Stück brutaler an meine nackte, heiße Brust unter meinem Mantel und legte meine Lippen unbarmherzig auf seine. Es war kein sanfter Kuss wie vorhin im Schnee. Es war ein fordernder, besitzergreifender und dominanter Aufprall. Ich saugte seinen erstaunten Keuchton direkt in mich auf, drang tief in seinen Mund ein und zeigte ihm mit jeder Bewegung meiner Lippen, wer hier die totale Macht besaß. Seine eiskalten Lippen wurden unter meinen sofort kochend heiß. Er zitterte heftig, hielt sich mit aller Kraft an meinen Schultern fest, während das verrückte Kribbeln in seinem Magen wie eine kleine Supernova explodieren musste.

Ich packte sein Halsband dieses Mal nicht ich bewies ihm, dass ich kein Leder brauchte, um ihn komplett an mich zu fesseln. Allein meine Lippen reichten aus, um sein Gehirn vollständig lahmzulegen. Als ich mich quälend langsam wieder von ihm löste, waren seine Lippen rötlich, nass und leicht geöffnet. Seine blau-grauen Augen waren vollkommen glasig, die Pupillen maximal geweitet vor schierer Überforderung und dieser verbotenen, hitzigen Anziehungskraft. Das tiefe Purpurrot schoss ihm unbarmherzig zurück in die Wangen.

„Das Halsband erinnert dich daran, dass du mein Eigentum bist, Leo“, flüsterte ich direkt an seinem Mund, während mein warmer Atem sein gefrorenes Gesicht verbrannte. Ich strich ihm mit dem Daumen über die feuchte Unterlippe. „Aber wenn mein kleiner Welpe so süß darum bettelt, geküsst zu werden… werde ich dir diesen Wunsch jederzeit erfüllen. Und heute Nacht… wirst du noch viel mehr von mir verlangen. Und jetzt bringen wir dich ins Warme.“

Ich ging mit weiten, unaufhaltsamen Schritten weiter durch den Schnee, während Leo den Kopf erschöpft an meine Schulter legte und kein einziges Wort mehr herausbrachte. Er hatte den Kampf gegen mich endgültig verloren und sich meinen Lippen komplett ergeben.

(Leo)

Mein ganzer Körper zitterte unkontrolliert, und ich spürte, wie eine unbarmherzige, glühende Hitze von innen heraus in mir aufstieg. Meine Temperatur stieg rasant. Meine Nase kribbelte furchtbar, mein Hals brannte wie Feuer, und plötzlich konnte ich es nicht mehr zurückhalten. Ich nieste einmal laut auf und vergrub das Gesicht tiefer in Lukes Brust. Die Kälte im Wald ohne Jacke hatte sofort zugeschlagen. Luke hielt mitten im Schritt inne. Er sah auf mich herab, und seine lila Augen verengten sich zu zwei besorgten, aber intensiven Schlitzen. Er fluchte nicht, aber sein Griff um meine Hüften wurde schlagartig noch fester, noch dominanter. Er beschleunigte seine Schritte, während Nox dicht an unserer Seite blieb.

Kaum hatten wir die massive Villa wieder betreten, ignorierte Luke sowohl Isabel als auch Adam, die schweigend am Tresen der offenen Küche warteten, komplett. Seine Konzentration galt einzig und allein mir. Er trug mich mit seinen weiten, unaufhaltsamen Schritten die breite Treppe hoch in den dritten Stock, doch er steuerte dieses Mal nicht mein eigenes Zimmer an. Stattdessen stieß er die schwere Tür zu seinem privaten, riesigen Schlafzimmer auf. Der gesamte Raum roch intensiv nach ihm nach teurem Holz, frischem Schnee und einer unterschwelligen Gefahr. Nox zögerte keine Sekunde, lief geschmeidig voraus und warf sich mit einem tiefen Schnauben direkt mitten auf Lukes riesiges Bett.

Luke setzte mich mit äußerster Vorsicht auf der Bettkante ab. Er baute sich in seiner vollen Zwei-Meter-Größe direkt vor mir auf, strich mir flüchtig über das Lederhalsband und fixierte meine glasigen, blau-grauen Augen. Seine Stimme klang zutiefst ruhig, aber unnachgiebig hart.

„Du bist krank, Welpe“, raunte er, und sein kochend warmer Atem wärmte mein gefrorenes Gesicht. „Ich lasse dir jetzt ein heißes Bad ein. Zieh deine Sachen schon mal aus. Ich will nichts Nasses mehr an deinem Körper sehen.“

Er drehte sich um und verschwand im angrenzenden, luxuriösen Badezimmer, wo kurz darauf das laute Rauschen des einlaufenden Wassers ertönte. Ich saß zitternd da, mein Kopf dröhnte heftig, und das klebrige, verführerische Kribbeln in meinem Magen flammte trotz des aufkommenden Fiebers sofort wieder auf. Ich tat gehorsam, wie mir geheißen. Mit klammen, kraftlosen Fingern streifte ich mir den nassen Pullover und die feuchte Hose von den Gliedern, bis ich nur noch in Unterhose dastand. Das Lederhalsband drückte kalt gegen meine Kehle.

„Das Bad ist fertig. Geh rein, Leo“, befahl Luke, als er wieder aus dem Badezimmer trat. Er trug mittlerweile keine Oberbekleidung mehr, und seine stählernen Muskeln glänzten im fahlen Licht der Dämmerung. Er wartete erst gar nicht, bis ich antwortete, sondern marschierte mit schweren Schritten direkt aus dem Zimmer und ging nach unten in die Küche. Er wollte mir einen heißen Tee kochen, ein Fieberthermometer, Hustensaft, Nasenspray und sämtliche Schmerzmittel besorgen, um mich so schnell wie möglich wieder aufzupäppeln.

Ich schlüpfte in das dampfende, heiße Badewasser und stöhnte leise auf, als die wohlige Wärme meine gefrorenen Muskeln umschloss. Ich lehnte den Kopf erschöpft zurück und schloss die Augen. Plötzlich knarrte die Tür leise. Ich schreckte hoch, doch es war nicht Luke. Nox schob sich lautlos ins Badezimmer. Der riesige, pechschwarze Alpha-Wolf trug tatsächlich einen kleinen, gelben Ball im Maul, den er irgendwo im Haus gefunden haben musste. Er trottete direkt an den Wannenrand, ließ den Ball mit einem nassen Plop ins Wasser fallen, setzte sich hin und sah mich erwartungsvoll aus seinen gelben Augen an.

Ein schwaches Lächeln stahl sich auf meine Lippen. Trotz des hämmernden Schmerzes im Kopf nahm ich den nassen Ball und warf ihn quer durch das Badezimmer. Nox flitzte hinterher, schnappte ihn elegant und brachte ihn mir schwanzwedelnd zurück. Wir spielten eine ganze Weile Tauziehen und Ballwerfen direkt im Badezimmer, bis das Wasser langsam abkühlte.

Ich stieg aus der Wanne, trocknete mich zügig ab und ging hinüber zu Lukes riesigem Kleiderschrank, um mir etwas Frisches anzuziehen. Doch als ich die Türen öffnete, schluckte ich schwer: Hier hingen ausschließlich Lukes Sachen. Alles war schwarz, maskulin und riesig. Ohne lange nachzudenken, griff ich nach einem seiner tiefschwarzen Hoodies. Als ich ihn überzog, reichte er mir fast bis zu den Knien er war mir viel zu groß. Dazu nahm ich mir eine seiner Boxershorts, die an meinem zierlichen Körper locker als normale, weite Shorts durchging. Ich sah im Spiegel verloren aus wie ein kleiner, kranker Junge, der in den Sachen seines Entführers ertrank, während das Lederhalsband an meinem Hals unter dem Stoff hervorblitzte.

Nox stupste meine Hand an, und gemeinsam gingen wir die Marmortreppe wieder hinunter in die Küche. Als ich die letzte Stufe erreichte, blieben alle drei am Tresen wie angewurzelt stehen. Das Tuscheln zwischen Isa und Adam erstarb augenblicklich. Luke stand am Herd, ein Fieberthermometer und die Medikamente bereits ordentlich auf der Anrichte aufgereiht. Adam hielt mitten in einer Bewegung inne, und Isa starrte mich mit schreckgeweiteten, tiefbraunen Augen an. Der Anblick von mir mit hochroten Fieberwangen, glänzenden Augen, vollkommen erschöpft, aber komplett eingehüllt in Lukes riesige Klamotten, während der mächtige, schwarze Alpha-Wolf wie eine Leibgarde treu neben mir trottete ließ den dreien glatt die Sprache verschlagen.

Lukes lila Augen verengten sich schlagartig zu zwei tiefen, intensiven Schlitzen. Ein mörderisch sanftes, berauschendes Lächeln stahl sich auf seine Lippen, als er sah, wie perfekt seine Sachen an meinem reinen, kranken Körper aussahen. Er besaß mich jetzt visuell mehr denn je.

Mein Kopf dröhnte so heftig, dass sich die gesamte Wohnküche vor meinen Augen zu drehen begann. Die Hitze des Fiebers pulsierte unbarmherzig in meinen Schläfen, und als ich den Fuß auf die allerletzte Stufe der Marmortreppe setzte, gaben meine Beine einfach den Dienst auf. Sie knickten wie weiches Wachs unter mir ein. Ich schloss die Augen und stellte mich auf den harten Aufprall auf den Fliesen ein doch er kam nicht.

Mit einer unfassbaren, raubtierhaften Schnelligkeit reagierte Nox. Der riesige, pechschwarze Alpha-Wolf warf seinen massiven Körper im Bruchteil einer Sekunde direkt unter mich. Er fing meinen stürzenden Körper mit seiner breiten Flanke ab, stemmte sich fest gegen mein Gewicht und hielt mich so geschickt im Gleichgewicht, dass ich unwillkürlich meine Finger in sein dichtes, warmes Fell krallte. Er verhinderte, dass ich ungebremst auf den harten Marmor knallte.

„Leo!“, schrie Isa vom Sofa auf und wollte schon panisch losrennen. Doch sie kam nicht mal einen Schritt weit.

Luke stürmte bereits wie ein geölter Blitz quer durch die Küche auf mich zu. Er war immer noch oberkörperfrei, seine stählernen Muskeln spannten sich unter der nackten Haut an, und seine lila Augen blitzten vor blanker, besitzergreifender Panik auf, als er mich dort auf dem Wolf zusammensacken sah. Er duldete nicht, dass sein kostbarstes Eigentum Schaden nahm. Bevor ich überhaupt richtig begreifen konnte, was geschah, schoben sich seine großen, kochend heißen Hände unter meine Achseln. Er hob mich mit einer unbeschreiblichen Leichtigkeit von Nox’ Rücken herunter, zog mich dicht an seine nackte Brust und trug mich die letzten Meter hinüber zur großen Ledercouch. Er setzte mich sanft in die Kissen, drückte mich unnachgiebig nach hinten und baute sich sofort wieder in seiner vollen Zwei-Meter-Größe über mir auf. Seine riesige Statur strahlte so viel Hitze aus, dass mir gleichzeitig heiß und eiskalt wurde.

Er verlor keine Sekunde. Mit einer schnellen, unbarmherzigen Bewegung hielt er mir das Fieberthermometer hin und drückte mir nacheinander das Nasenspray, den Hustensaft und die Schmerzmittel in die Hand.

„Nimm das. Sofort, Welpe“, befahl seine tiefe, samtige Stimme, und der unmissverständliche, vollkommen bestimmende Tonfall darin ließ mein Herz trotz des Fiebers wie verrückt gegen meine Rippen hämmern. Seine großen Finger wanderten hoch zu meinem Nacken und spannten das Lederhalsband ganz leicht an, während er mich aus seinen dunklen Augen fixierte. „Du wirst jetzt alles schlucken, was ich dir gebe. Du hast dich heute genug meinen Regeln widersetzt.“

Ich war viel zu schwach und erschöpft, um noch irgendeinen Trotz aufzubringen. Das klebrige Kribbeln in meinem Magen lähmte mich komplett. Mit zitternden Fingern nahm ich die Medikamente entgegen, schluckte den Hustensaft und die Schmerzmittel hinunter und ließ mir von ihm das Thermometer in den Mund schieben. Ich fügte mich seinen Befehlen komplett, weil seine besorgte Dominanz mir in diesem Moment eine seltsame, verbotene Geborgenheit schenkte.

Luke trat einen Schritt zurück, und seine lila Augen wanderten in einer quälend langsamen, hungrigen Linie an mir hinauf und hinab. Ein mörderisch sanftes Lächeln stahl sich zurück auf seine Lippen. Er betrachtete mein Outfit wie ich in seinem tiefschwarzen Hoodie ertrank, der mir fast bis zu den Knien reichte, und wie seine weite Boxershorts an meinen zierlichen Beinen wie eine normale Shorts aussah. Das eng anliegende Lederhalsband blitzte perfekt am Ausschnitt des riesigen Hoodies hervor. Er fand den Anblick atemberaubend, weil ich nun auch visuell vollkommen als sein Eigentum gebrandmarkt war.