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Kapitel 27 Die Abrechnung am Kai

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Kapitel 27 Die Abrechnung am Kai

Luke bewegte sich keinen Millimeter. Seine lila Augen verengten sich schlagartig zu zwei tiefen, pechschwarzen Schlitzen. Das hauchdünne, psychopathische Lächeln verschwand für den Bruchteil einer Sekunde von seinen Lippen, während er meine unverhohlene Respektlosigkeit genauestens analysierte. Ein Don der Mafia ließ sich nicht befehlen. Ein Mann wie er bediente seine Gefangenen nicht. Doch dann kehrte das dunkle, berauschende Funkeln in seinen Blick zurück. Mein charmanter Trotz schien sein riesiges Ego ins Unermessliche zu füttern. Er liebte es einfach, wenn ich mich wehrte und meine eigenen kleinen Regeln aufstellte.

„Du wirst von Sekunde zu Sekunde unverschämter, Welpe“, raunte seine tiefe, samtige Stimme, und ein mörderisch sanftes Lächeln stahl sich auf seine markanten Züge. „Aber einverstanden. Ein Don kleidet sein wertvollstes Meisterwerk höchstpersönlich ein.“

Er fackelte nicht lange. Er schlug die schwere Daunendecke zurück, erhob sich fließend in seine volle Zwei-Meter-Größe und ging direkt zum Schrank. Er holte mir frische Sachen und half mir mit einer beängstigenden, aber erstaunlich vorsichtigen Präsenz beim Anziehen. Seine großen, kochend heißen Hände strichen über meine nackte Haut, während er mir die Unterwäsche, eine warme Hose und einen dicken Pullover überzog, als wäre ich eine zerbrechliche Puppe. Jede einzelne Berührung ließ das verrückte Kribbeln in meinem Bauch wie eine gewaltige Supernova explodieren. Zum Schluss strich er über das Lederhalsband an meiner Kehle und knöpfte mir behutsam meine Winterjacke zu.

Er selbst zog sich nach einer schnellen Dusche einen maßgeschneiderten, tiefschwarzen Anzug an, der seine gewaltige Statur noch um ein Vielfaches bedrohlicher wirken ließ. Er verzichtete auf ein Hemd darunter; stattdessen trug er einen edlen Rollkragenpullover, der perfekt mit seinem dunklen Ledermantel harmonierte. Als er sich die makellosen, schwarzen Lederhandschuhe mit den Zähnen über die Finger streifte, fror mir das Blut in den Venen. Das unbeschwerte Spiel von eben war vorbei. Vor mir stand wieder der unerbittliche Herrscher der Unterwelt.

Kurz darauf brachen wir auf. Wir gingen schweigend die breite Treppe hinunter, stiegen vor der Villa in den mattschwarzen Jeep und fuhren los. Draußen peitschte der Wind den Schnee gegen die Scheiben, während wir die einsame Waldstraße verließen und auf die Schnellstraße Richtung Hafen einbogen. Während der Fahrt herrschte eine erdrückende, bleierne Stille im Wagen. Ich presste mein Gesicht an die kühle Scheibe, starrte in die Dunkelheit und klammerte meine Finger fest in den Stoff meiner Hose. Die Angst vor dem, was gleich passieren würde, schnürte mir die Kehle zu.

„Du bist still, Leo“, brach Lukes tiefe Stimme plötzlich das monotone Brummen des Motors. Er hielt das Lenkrad mit den behandschuhten Händen ruhig, während sein Blick starr auf die Straße gerichtet blieb. „Du denkst an deinen Bruder.“

„Was… was hat er getan, Luke?“, fragte ich heiser und sah vorsichtig zu ihm rüber. „Warum hat er mich an dich verkauft? Ich verstehe es einfach nicht.“

Luke legte den Kopf ganz leicht schief, und dieses hauchdünne, mörderische Lächeln kehrte auf seine Lippen zurück. „Ben war gierig, Leo. Und feige. Er hat geglaubt, er könnte das illegale Geld meiner Organisation für seine eigenen Pokerrunden am Güterbahnhof benutzen. Als er gemerkt hat, dass meine Männer ihm auf den Fersen sind, hat er nach einem Ausweg gesucht. Er wusste ganz genau, wie fasziniert ich von dir war, als ich dich das erste Mal im Café gesehen habe.“ Er machte eine kurze Pause, seine lila Augen blitzten im fahlen Licht der Armaturenbrett-Beleuchtung dunkel auf. „Er hat dich als Ablenkung benutzt, Welpe. Er dachte, wenn er mir dein reines, unberührtes Leben auf dem Silbertablett serviert, wäre ich so sehr mit dir beschäftigt, dass ich seine Fährte verliere. Er hat dich wie eine wertlose Münze eingetauscht, um sich ein Frachtschiff nach Übersee zu kaufen. Er hat deine Unschuld für seine eigene Freiheit geopfert.“

Die Worte trafen mich wie ein physischer Schlag in die Magengrube. Tränen der Wut und des tiefen Schmerzes schossen mir in die blau-grauen Augen. Mein eigener Bruder hatte mich weggeworfen, um seine eigene Haut zu retten.

„Und deswegen wirst du heute Abend direkt an meiner Seite stehen, Leo“, flüsterte Luke unbarmherzig leise, und er nahm für einen kurzen Moment eine Hand vom Lenkrad, um mir fest an den Nacken zu greifen. Seine Lederhandschuhe fühlten sich kühl und dominant auf meiner erhitzten Haut an, während er das Halsband ganz leicht anspannte. „Du wirst sehen, wie die Ratte vor dem Alpha im Staub kriecht. Und du wirst ganz allein entscheiden, ob er für diesen Verrat mit seinen Beinen, seinen Händen… oder seinem Leben bezahlt.“

Ich schluckte schwer, das klebrige Kribbeln in meinem Bauch raubte mir komplett die Sinne, als der Jeep die ersten Containerhallen des Hafens passierte. Die Scheinwerfer schnitten durch den dichten Nebel, und in der Ferne konnte ich bereits das schwache Licht des alten Lagerhauses sehen, vor dem Adams Wagen parkte. Die Jagd war vorbei und das Gericht stand unmittelbar bevor.

Der Jeep kam mit einem dumpfen Ruck im schlammigen Schnee vor der riesigen, rostigen Lagerhalle am Hafen zum Stehen. Das monotone Brummen des Motors erstarb, und augenblicklich legte sich eine erdrückende, eiskalte Stille über den Wagen. Draußen peitschte der Wind den Nebel vom dunklen Wasser auf. Mein Herz hämmerte so brutal gegen meine Rippen, dass ich kaum atmen konnte. Das Fieber brannte immer noch leicht auf meinen Wangen, und der riesige Hoodie unter meiner Jacke fühlte sich plötzlich an wie ein bleierner Panzer.

Luke stieg aus, seine schwere Zwei-Meter-Gestalt schnitt durch das schwache Licht der Hafenlaternen. Er ging um den Wagen herum, öffnete meine Tür und half mir mit einer beängstigenden, aber erstaunlich vorsichtigen Präsenz beim Aussteigen. Seine behandschuhte Hand hielt mein Handgelenk fest umschlossen, bis ich sicher im Matsch stand. Gemeinsam schritten wir auf das massive Stahltor der Halle zu. Luke lief voraus, sein schwarzer Ledermantel wehte im Wind, während ich dicht in seinem Schatten blieb. Das Lederhalsband an meiner Kehle drückte unbarmherzig kalt gegen meine Haut, als wir das Innere der Halle betraten.

Drinnen roch es nach Rost, Öl und nackter Angst.

In der Mitte des Raumes, unter einer einzelnen, flackernden Glühbirne, stand bereits Adam in seiner gewohnt kühlen Killer-Eleganz. Isabel war nicht hier Adam hatte sie zu ihrer eigenen Sicherheit in seiner Wohnung gelassen. Neben Adam bauten sich drei riesige, bullige Schläger unserer Organisation auf. Und in ihrer Mitte, gefesselt an einen schweren Holzstuhl, saß er.

Mein Bruder Ben.

Als ich ihn sah, drehte sich mir augenblicklich der Magen um, und heiße Tränen der Wut und des Ekels schossen mir in die blau-grauen Augen. Er sah einfach nur schrecklich aus. Seine schmierigen, braunen Haare klebten regelrecht an seiner Kopfhaut, völlig verfilzt und dreckig. Er roch so bestialisch, als hätte er seit Monaten keine Dusche mehr gesehen. Seine Kleidung war komplett übersät mit dunklen Schmutzflecken, Ölrückständen und tiefen Löchern. Seine Zähne, die er entblößte, als er panisch nach Luft schnappte, waren ungepflegt und ekelhaft gelb. Überall in seinem Gesicht zeichneten sich frische Schnittspuren ab, und sein rechtes Auge war so brutal zusammengeschlagen, dass es tiefblau und komplett zugeschwollen war. Das war der Mann, der mich für ein Bahnticket verkauft hatte.

Sobald das schwere Stahltor hinter uns ins Schloss krachte, schnellte Bens Kopf nach oben. Als sein gesundes Auge mich in Lukes viel zu großen Sachen erblickte, fing er augenblicklich an, wie am Spieß zu flehen.

„Leo! Leo, mein kleiner Bruder, bitte!“, schrie er heiser, und der Speichel flog ihm von den gelben Zähnen. Er wand sich verzweifelt in den engen Fesseln. „Du musst mir helfen! Sag diesem Monster, er soll mich freilassen! Ich bin dein Fleisch und Blut, Leo! Ich habe das alles nur für uns getan! Bitte, stirb nicht für meine Fehler, sag ihm, er soll mich laufen lassen!“

Luke rührte sich keinen Millimeter. Er stand in seiner vollen Größe direkt neben mir, die Hände lässig in den weiten Taschen seines schweren Mantels vergraben. Bei Bens jämmerlichem Geheule legte er den Kopf ganz leicht schief, und dieses hauchdünne, psychopathische Lächeln kehrte auf seine Lippen zurück. Seine lila Augen glänzten vor unbarmherzigem, dunklem Amüsement. Er genoss die totale Unterlegenheit dieser elenden Ratte.

„Dein Bruder jammert laut, Welpe“, raunte Lukes tiefe, samtige Stimme, und der unmissverständliche Tonfall ließ den winselnden Ben augenblicklich verstummen. „Er bettelt um Gnade bei der Währung, die er selbst weggeworfen hat. Lächerlich.“

Ich schluckte schwer. Das klebrige Kribbeln in meinem Bauch wurde von einer plötzlichen, eiskalten Entschlossenheit komplett überrollt. Der Anblick dieses erbärmlichen Häufchens Elend ekelte mich nur noch an. Ich wollte seine verlogenen Worte nicht mehr hören. Nicht vor ihnen allen.

„Luke“, sagte ich leise, und meine Stimme klang erstaunlich fest durch die riesige, rostige Halle. Ich sah zu ihm hoch, suchte seine lila Augen. „Ich will alleine mit ihm reden. Bitte.“

Luke fror mitten in der Bewegung ein. Das mörderisch sanftes Lächeln erstarb auf seinen markanten Zügen, und seine Augen verengten sich zu zwei gefährlich kalten Schlitzen. Ein Don der Mafia überließ seinen Gefangenen nicht unbeaufsichtigt. Doch als er in meine glasigen, vom Fieber glänzenden Augen blickte und den unerschütterlichen Trotz darin sah, atmete er langsam durch die Nase aus. Er willigte ein wenn auch extrem widerwillig.

„Fünf Minuten, Leo“, flüsterte er so leise, dass nur ich es hören konnte, während seine nackten Finger kurz das Leder meines Halsbandes anspannten. „Adam und meine Männer gehen mit mir vor das Tor. Aber wenn diese Ratte auch nur versucht, dich anzufassen… reiße ich ihm eigenhändig die Kehle raus.“

Er gab Adam ein kurzes, scharfes Handzeichen. Mein Assistent neigte respektvoll den Kopf, und die drei bulligen Schläger traten sofort zurück. Gemeinsam mit Luke schritten sie zum Ausgang und ließen mich mit Ben allein in der düsteren Halle zurück.

Kaum war das schwere Tor ins Schloss gefallen und die Schritte der Männer draußen verhallt, veränderte sich Bens Miene im Bruchteil einer Sekunde. Das winselnde, feige Flehen war wie weggewischt. Seine gelben Zähne bissen sich wütend zusammen, und ein hasserfülltes, ekelhaftes Grinsen trat auf seine Lippen. Er fing sofort an, mich unbarmherzig runterzumachen und aufs Gröbste zu beleidigen.

„Du kleine, erbärmliche Hure!“, zischte er mir entgegen, und sein gesundes Auge blitzte bösartig auf. „Sieh dich doch mal an! Du ertrinkst in den teuren Klamotten von diesem Psychopathen und trägst eine Hundeleine um den Hals! Hast du dich ihm direkt auf dem Silbertablett serviert? Hast du dich von ihm ficken lassen, während ich da draußen um mein Leben rennen musste? Du bist nichts weiter als sein wertloses Haustier, Leo! Ein kleiner, schwacher Junge, der ohne mich sowieso verhungert wäre!“

Ich antwortete nicht. Jedes einzelne seiner giftigen Worte prallte von mir ab, weil ich in diesem Moment begriff, dass dieser Mann niemals mein Bruder gewesen war. Ich drehte mich langsam um und ging zu dem schweren Foltertisch, der an der Seite im tiefen Schatten der Halle stand. Auf dem rostigen Metall lagen Zangen, Ketten und verschiedene Waffen ordentlich aufgereiht. Mein Blick blieb an einem ganz bestimmten Gegenstand hängen. Ich streckte die Hand aus und nahm ein kurzes, schweres Schwert vom Tisch. Das kalte Metall lag fest und schwer in meinen Fingern. Ich drehte mich um, schliff die Klinge langsam über den Rand des Tisches, was ein helles, schneidendes Geräusch erzeugte, und ging mit ruhigen Schritten zurück auf den gefesselten Ben zu.

Ich blieb direkt vor ihm stehen, hob das kurze Schwert an und ließ die scharfe Spitze nur Millimeter vor seiner gelben Nase in der Luft schweben. Meine blau-grauen Augen fixierten sein zusammengeschlagenes Gesicht ohne jede Angst.

„Na, Ben?“, flüsterte ich, und ein eiskaltes, trotziges Lächeln stahl sich auf meine Lippen, das dem von Luke erschreckend ähnlich sah. „Erinnerst du sich noch an unser kleines Spiel von früher? Das Spiel mit den Schwertern im Garten? Nur dass die Klinge dieses Mal verdammt noch mal echt ist.“

Bens gesundes Auge weitete sich schlagartig vor blankem Entsetzen. Er hielt den Atem an, starrte auf das schwere Metall vor seinem Gesicht und brachte kein einziges Wort mehr heraus. Er begriff erst jetzt, dass sein kleiner Bruder nicht mehr der schwache Welpe von damals war.

Draußen vor dem Tor stand Luke, das schwarze Satellitentelefon in der Hand, und beobachtete die Szene unbarmherzig durch die Spiegelung des kleinen Sichtfensters. Ein berauschendes, stolzes und gefährliches Funkeln trat in seine lila Augen, als er sah, wie sein Meisterwerk das Schwert erhob. Er wusste in diesem Moment ganz genau: Ich war das Alpha an seiner Seite. Und das Urteil über die Ratte hatte gerade erst begonnen.

Mit zwei schnellen, präzisen Schnitten trennte ich die Fesseln meines Bruders durch. Ben rieb sich fluchend die Handgelenke, doch ich gab ihm keine Zeit zum Verschnaufen. Ich ging zurück zum Waffentisch, packte das zweite Kurzschwert am Griff und warf es ihm ohne Vorwarnung direkt vor die Füße. Ben reagierte blitzschnell. Er fing es mitten in der Luft ab, und das hasserfüllte Glühen in seinem Auge flammte mörderisch auf. Ohne eine einzige Sekunde zu zögern, ging er auf mich los.

Die Klinge sauste auf mich herab. Ich blockte den Hieb ab, das Metall klirrte ohrenbetäubend durch die leere Halle, ich parierte den nächsten Stoß und schlug sofort selbst zu. Ben konnte gerade noch so ausweichen. Er stieß einen wütenden Schrei aus und versuchte sofort, mich erneut quer aufzuschlitzen. Doch mein Körper bewegte sich wie von selbst. Getrieben vom puren Adrenalin und dem überstandenen Fieber machte ich eine elegante Schraube über seinen Kopf hinweg. Im Moment der Landung ließ ich mich flach auf den gefrorenen Boden fallen, zog das Schwert durch und schlitzte das Bein von Ben auf.

„Ahhh! Du verdammte, kleine Hure!“, schrie er gurgelnd vor Schmerz, stolperte rückwärts und fluchte ununterbrochen. Das Blut sickerte sofort dunkel durch den Schmutz seiner Hose. Blind vor Wut schlug er nur noch wild nach mir. Ich wich geschickt zurück, blieb vollkommen konzentriert und parierte jeden einzelnen seiner unkoordinierten Schläge mit Leichtigkeit.

Dann ging ich zum finalen Angriff über. Ich täuschte einen Schlag von vorne an, drehte mich blitzschnell hinter den Rücken meines Bruders, brachte ihn mit einem gezielten Tritt gegen die Kniekehle aus dem Gleichgewicht und schleuderte ihn mit aller Kraft über meine Schulter.

Ben knallte mit einem dumpfen Aufprall auf den harten Boden. Bevor er überhaupt begreifen konnte, wie ihm geschah, kniete ich über ihm, drückte mein Knie fest auf seine Brust und fixierte ihn unbarmherzig am Boden. Die scharfe Spitze meines Kurzschwerts presste ich direkt gegen seine Kehle, sodass jede seiner kleinsten Bewegungen die Haut einritzen würde.

Ben verzog das Gesicht und zischte hasserfüllt: „Mama und Papa hatten dich immer lieber… und so dankst du es mir?! Du bist nichts weiter als ein verzogenes Gör! Ich habe dir verdammt noch mal überhaupt nichts getan!“

„Nichts getan?“, erwiderte ich, und meine Stimme vibrierte vor jahrelang angestauter Wut, während ich die Klinge noch ein Stück fester an seine Haut drückte. „Und was war das eine Mal, als du mich brutal zusammengeschlagen hast, nur weil ich neue Schuhe bekommen habe?! Oder das Mal, als du mir meinen Arm so lange auf den Rücken gedreht hast, bis er beinahe gebrochen ist, und Mama dich schreiend von mir wegzerren musste?! Oder das eine Mal, als du versucht hast, mich im Schlaf mit dem Kissen zu ersticken, und Papa dich dafür drei Tage lang im Keller eingesperrt hat?! Du musstest monatelang zur Therapie, Ben, weil du schon als Kind ein narzisstischer, geisteskranker Egoist warst!“

Ben schnaubte den Speichel von den gelben Zähnen und funkelte mich bösartig an. „Ich? Wer hat denn bitteschön immer alles gekriegt, was er wollte?! Wer war Mamas goldener Junge?! Und wer hat alles verloren, als Mama und Papa gestorben sind?! Du! Es war immer wieder nur du! Es war ein reiner Glücksfall, dich bei diesem Psycho abzuschieben. Dieser kranke Bastard hat dich doch eh schon ver…“ Bevor er das letzte Wort aussprechen konnte, zog ich meine freie Hand zurück und schlug ihm mit aller Wucht mitten ins Gesicht. Seine Lippe platzte sofort blutig auf. Ich legte den Kopf weit in den Nacken, entblößte die Zähne und knurrten ihn so gefährlich an, dass ich mich selbst in diesem Moment kaum wiedererkannte: „Wage es verdammt noch mal nicht, so über ihn zu sprechen!“

Ben spuckte das dunkle Blut auf den gefrorenen Boden und brach plötzlich in ein lautes, hysterisches Lachen aus. Es war ein komplett irres, durchgeknalltes Lachen, das dumpf durch die gesamte, leere Halle hallte.

„Was willst du dagegen tun, kleiner Bruder?“, spottete er gehässig, und sein gesundes Auge blitzte voller Hohn auf. „Du hast doch überhaupt nicht den Mut, mich umzubringen. Du warst schon immer schwach… und er ändert rein gar nichts daran.“

Doch mitten im Satz erstarb sein hämisches Lächeln auf den Lippen. Sein Blick wanderte schlagartig von meinem Gesicht weg. Er sah nicht mehr mich an. Seine Pupille weitete sich vor blankem, ungläubigem Entsetzen, als er jemanden direkt hinter mir fixierte.

Ein kalter Schauer jagte mir über den gesamten Rücken. Ich hielt das schwere Schwert an seiner Kehle fest und blickte langsam nach hinten über meine Schulter.

Da stand er.

Luke hatte das schwere Stahltor vollkommen lautlos geöffnet und war eingetreten. Er stand in seiner vollen Zwei-Meter-Gestalt im tiefen Schatten des Raumes, den schwarzen Ledermantel elegant um die breiten Schultern gelegt, die Hände lässig in den Taschen vergraben. Auf seinen Lippen lag kein Funken Zorn. Stattdessen bildete sich dieses hauchdünne, mörderisch sanfte Lächeln auf seinen Zügen, und seine lila Augen glänzten vor einem berauschenden, stolzen Feuer. Er hatte alles mitbekommen. Er hatte meinen erbitterten Kampf, meine Schraube und meine brutale Verteidigung seines Namens genau beobachtet.

„Ein meisterhafter Kampf, Leo“, raunte Lukes tiefe, samtige Stimme durch die riesige Halle, und der unmissverständliche, verlockende Tonfall ließ mein Herz sofort wie verrückt gegen meine Rippen hämmern. Jedes einzelne Wort von ihm vibrierte vor dunklem Stolz. Er schritt langsam auf uns zu, seine schweren Stiefel klackten unbarmherzig auf dem harten Boden. Er baute sich direkt über uns auf, schob mich sanft mit einer Hand an der Hüfte beiseite und blickte eiskalt auf den zitternden Ben hinab. „Deine Ratte von Bruder hat recht, Welpe. Du musst ihn nicht umbringen. Denn Beleidigungen gegen den Herrscher der Unterwelt… werden in diesem Haus ganz traditionell von mir geregelt.“

Ich erhob mich langsam, mein ganzer Körper zitterte heftig vom Adrenalin und der schieren Erschöpfung, während ich das Schwert langsam sinken ließ und Luke fassungslos ansah. Das klebrige Kribbeln in meinem Magen explodierte heftiger denn je. Er war gekommen, um das Urteil endgültig zu vollstrecken. Mein Kopf dröhnte. Das Adrenalin, das mich eben noch angetrieben hatte, sackte schlagartig in sich zusammen und hinterließ nur eine bleierne, zitternde Erschöpfung. Der bittere Geschmack von Bens Worten lag mir auf der Zunge. Ich starrte auf das Kurzschwert in meiner Hand, dann auf meinen Bruder, der blutend und jämmerlich im Staub lag, und schließlich zu Luke auf.

Die unerträgliche, verlockende Anspannung in diesem Raum drohte mich im wahrsten Sinne des Wortes zu ersticken. Ich sagte kein einziges Wort mehr. Ich ließ das schwere Metall der Klinge einfach mit einem lauten, scheppernden Klang auf den Boden fallen. Ich drehte mich um und begann, mit unsicheren, langsamen Schritten auf das schwere Stahltor zuzugehen. Ich wollte einfach nur weg von hier. Weg von Ben, weg von diesem blutigen Wahnsinn und weg von Lukes lila Augen, die mich fast schon schmerzhaft intensiv fixierten.

Ich hatte gerade mal drei Schritte gemacht, da passierte es.

Luke fackelte nicht lange. Seine zwei Meter große Gestalt bewegte sich mit einer unfassbaren, raubtierhaften Schnelligkeit, die mich im Nu einholte. Noch bevor ich die Klinke des Tors auch nur im Ansatz erreichen konnte, schnappte seine große, in schwarzes Leder gehüllte Hand von hinten nach mir. Er packte mich unnachgiebig am Handgelenk, drehte mich mit einem einzigen, festen Ruck herum und drängte mich mit seiner schieren Masse direkt rückwärts gegen das kalte Metall des Stahltors. Ein dumpfer Aufprall ging durch meinen gesamten Körper, und im nächsten Moment war ich komplett in seinem breiten Schatten eingesperrt. Er stützte eine Hand direkt neben meinem Kopf gegen das Tor und blockierte jeden Fluchtweg.

„Wo willst du hin, Welpe?“, raunte seine tiefe, samtige Stimme direkt an meinem Gesicht, und sein kochend heißer Atem verbrannte meine eiskalte Wangenhaut.

Ein mörderisch sanftes, hauchdünnes Lächeln lag auf seinen Lippen, doch seine lila Augen brannten vor einem besitzergreifenden, dunklen Stolz, der mir komplett den Verstand raubte. Das verrückte Kribbeln in meinem Magen explodierte heftiger denn je. Er nahm seine andere Hand, legte die behandschuhten Finger fest um mein Halsband an der Kehle und spannte es ganz leicht an, um mich zu zwingen, ihn anzusehen.

„Du hast mich vor dieser Ratte verteidigt, Leo“, flüsterte er unbarmherzig leise, und der besitzergreifende Tonfall ließ mein Herz wie verrückt gegen meine Rippen hämmern. „Du hast das Schwert für meinen Namen erhoben. Du denkst, du kannst jetzt einfach so tun, als wäre nichts passiert, und aus diesem Tor spazieren? Das Spiel ist erst vorbei, wenn ich es sage. Du bleibst genau hier an meiner Seite und siehst zu, wie ich den Mann breche, der es gewagt hat, dich als Ware zu benutzen.“

Ich starrte ihn aus riesigen, tränenfeuchten Bambi-Augen an, die Hände flach gegen seine nackte Brust unter dem Ledermantel gepresst, während mein ganzer Körper vor lauter Fieber und Überforderung bebte. Er ließ mich nicht gehen. Er forderte meine absolute Ergebenheit ein, jetzt mehr denn je.

Mein ganzer Körper zitterte so heftig, dass meine Knie am kalten Metall des Stahltors beinahe wieder nachgaben. Die Hitze des Fiebers staute sich unter Lukes schwerem Ledermantel, und seine eiserne Hand an meinem Halsband raubte mir jede klare Luft zum Atmen. Ich hielt es einfach nicht mehr aus.

„Ich… ich will nicht. Bitte hör auf“, wimmerte ich, und heiße Tränen der totalen emotionalen Überforderung schossen mir in die blau-grauen Augen. Ich legte den Kopf beschämt in den Nacken, unfähig, diesem unbarmherzigen, lila Blick standzuhalten. Ich krallte meine Finger tiefer in den dichten Stoff seines Rollkragenpullovers. „Bitte, Luke. Bring mich einfach weg von hier.“

Luke rührte sich keinen Millimeter. Er stand wie eine unbezwingbare Wand über mir, sein riesiger Schatten begrub mich vollkommen. Er hörte mein winselndes Flehen, und für einen quälend langen Moment passierte gar nichts. Dann veränderte sich das mörderisch sanfte Lächeln auf seinen Lippen. Es wich einer tiefen, berauschend intensiven Ernsthaftigkeit. Er analysierte meinen Zusammenbruch das Zittern meiner Lippen, meine heiße Haut und die pure Erschöpfung, die das Fieber in mir hinterlassen hatte. Er begriff, dass ich mein Soll für heute erfüllt hatte. Ich hatte gekämpft. Ich hatte ihn vor Ben verteidigt. Ich war das Alpha an seiner Seite gewesen. Und ein Mann wie er beschädigt sein wertvollstes Meisterwerk nicht, wenn es sich bereits komplett gefügt hat.

Er löste den eisernen Griff von meinem Lederhalsband. Doch anstatt zurückzuweichen, wanderte seine nackte, kochend heiße Hand nach oben an meine Wange. Er strich mir überraschend zärtlich über die tränenfeuchte Haut, während sein Daumen über meine Unterlippe glitt. Das verrückte, klebrige Kribbeln in meinem Bauch explodierte sofort wieder wie ein reißendes Lauffeuer. Seine Berührung hatte etwas so verlockendes an sich, dass mir schwindelig wurde.

„Genug für heute, mein kleiner Welpe“, raunte seine tiefe, samtige Stimme direkt an meinem Gesicht, und sein warmer Atem verbrannte meine eiskalten Lippen. Der besitzergreifende Tonfall ließ mein Herz wie verrückt gegen meine Rippen hämmern. „Du hast mir bewiesen, wohin du gehörst. Ich erlöse dich aus dieser Halle.“