Kapitel 34: Masken der Vergangenheit
Kapitel 34: Masken der Vergangenheit
Nach der intensiven Nähe und dem Rausch der letzten Stunden war im Schlafzimmer wieder diese schwere, drückende Stille eingekehrt. Ich lag auf der Brust des zwei Meter großen Mafiabosses, spürte seine enorme Körperwärme wie einen Schutzwall gegen die Welt und lauschte seinem gleichmäßigen Herzschlag. Luke hatte mir vor Kurzem mit sanfter, aber unumstößlicher Bestimmtheit meine flauschig grüne Schlafanzughose wieder hochgezogen und sich selbst ebenfalls angekleidet.
Das Einzige, was auf meiner Haut brannte, war die Stelle an meinem Hals. Nur knapp neben dem silbernen Halsband und dem leuchtend grünen Stein hatte Luke seine Zähne tief in meine Haut gegraben. Der Bissabdruck pochte heiß und markierte mich unmissverständlich als sein Eigentum.
Luke strich mir mit seinen großen, warmen Fingern langsam und gedankenverloren durch meine braunen Locken. Seine lila Augen fixierten die Decke, während auf seinen Lippen dieses unheimlich ruhige, sanfte Lächeln lag.
„Morgen wird ein anstrengender Tag für dich an der Universität, mein kleiner Welpe“, begann seine samtene Stimme, tief und vollkommen entspannt, während die Worte angenehm in seiner breiten Brust vibrierten. Er wendete den Kopf und sah auf mich herab. Seine Finger glitten von meinen Haaren hinunter zu meinem Hals und strichen mit dem Daumen zärtlich, aber mit spürbarem Druck genau über den frischen, brennenden Bissabdruck.
Ein leises, sadistisches Aufblitzen trat in seine lila Augen.
„Ich habe dir ein kleines Souvenir für deine Kommilitonen dagelassen. Nur für den Fall, dass morgen wieder jemand vergisst, dass du unsichtbar bleiben sollst. Dieser Abdruck wird jeden daran erinnern, zu wem du gehörst, wenn das silberne Halsband allein nicht reicht. Wenn dich jemand ansieht, sieht er mich.“
Er beugte sich ein Stück vor und drückte einen federleichten Kuss auf meine Stirn, bevor er mich noch enger an seinen massiven Körper zog, sodass ich mich kaum noch bewegen konnte.
„Schlaf jetzt, Süßer. Du hast mir heute Abend sehr gut gefallen. Aber vergiss morgen auf dem Campus keine einzige meiner Regeln. Du weißt, dass ich alles sehe.“
Ich seufzte tief auf, rollte genervt mit den Augen und vergrub mein Gesicht noch ein Stück weiter in seinem Kissen. „Ja, ist schon gut, Mama“, murmelte ich mit einer deutlichen Portion Sarkasmus in der Stimme.
In derselben Millisekunde erstarrte die Hand, die eben noch so sanft durch meine braunen Locken gestrichen war. Die entspannte, intime Atmosphäre im Schlafzimmer löste sich augenblicklich in Luft auf. Sie wich einer eisigen, messerscharfen Spannung, die den Raum erfüllte.
Luke reagierte blitzschnell. Bevor ich überhaupt die Luft einsaugen oder meinen Fehler bereuen konnte, schoss sein massiver Arm vor. Er packte mich grob an der Schulter, riss mich mit brutaler Leichtigkeit herum und drückte mich flach auf die Matratze. Seine riesige Zwei-Meter-Gestalt schob sich über mich, sodass er mich komplett unter sich begrub.
Seine lila Augen waren zu zwei gefährlich schmalen Schlitzen verengt. Das sanfte Lächeln war vollkommen aus seinem Gesicht gewischt. Seine Mimik war eine emotionslose, furchterregenden Maske aus purem, kontrolliertem Zorn.
Er hob eine Hand, und seine großen, heißen Finger schlossen sich mit unerbittlichem, fast schon schmerzhaftem Druck um meinen Kiefer. Er drückte so fest zu, dass ich den Mund leicht öffnen musste und meine Wangenknochen brannten. Er zwang mich, regungslos in seine leeren, eiskalten Augen zu blicken.
„Wie hast du mich genannt, Welpe?“, flüsterte seine samtene Stimme. Sie war so leise, so unfassbar ruhig, und doch vibrierte sie vor einer sadistischen Dunkelheit, die mir das Blut in den Adern gefrieren ließ.
Ich schluckte schwer, unfähig, mich in seinem eisernen Griff auch nur einen Millimeter zu bewegen.
Er beugte sich so tief herunter, dass seine Lippen meinen frischen, pochenden Bissabdruck am Hals streiften. Seine Finger wanderten von meinem Kiefer hinab und tippten mit dem Daumennagel präzise auf den leuchtend grünen Stein meines Silberhalsbandes. Ich spürte das kalte Metall und wusste, dass er nur einen einzigen Knopf drücken musste, um mich zu grillen.
„Ich rate dir dringend, deine Zunge zu zügeln, Süßer“, hauchte er mörderisch an meinem Ohr, und sein Atem schickte mir eine Welle von purer Todesangst durch den Körper. „Ich bin nicht deine Familie. Ich bin nicht deine Mutter. Ich bin dein Herrchen, dein Besitzer und der Mann, der jede Sekunde dein Leben kontrolliert. Wenn ich noch ein einziges Mal so einen Mangel an Respekt aus deinem Mund höre, werde ich dir zeigen, wie ein echter Domestizierungsversuch aussieht. Hast du mich verstanden?“
Er verstärkte den Druck auf mein Halsband für einen kurzen, warnenden Moment, gerade so fest, dass mir die Luft wegblieb, bevor er seine Hand langsam von meinem Hals löste. Seine lila Augen blieben auf mir fixiert, eiskalt und fordernd, während er auf meine Antwort wartete. Der spielerische Trotz von vorhin war komplett verflogen.
Ich schaute Luke völlig verwirrt an, während mein Unterkiefer leicht zitterte. „Ähm… das war nur ein umgangssprachlicher Witz“, brachte ich mit krächzender Stimme heraus. „Das sollte dich jetzt nicht irgendwie beleidigen oder so. Hey… alles okay bei dir? Warum rastest du gleich wegen so was aus und machst mir solche Angst?“
In einer Mischung aus purem Stress und dem verzweifelten Versuch, die Situation irgendwie zu entschärfen, griff ich nach einem der Kissen, die neben mir lagen. Mit zitternden Händen schmiss ich es sanft nach ihm. Das Kissen flog ein kurzes Stück durch die Luft, prallte wirkungslos an seinen massiven Brustmuskeln ab und landete auf dem Laken.
Luke bewegte sich nicht einmal. Er saß einfach nur da, unbeweglich wie eine Statue aus kaltem Marmor, und fixierte mich mit diesen leeren, lila Augen.
Ich musste mich extrem bemühen, die heißen Tränen zurückzuhalten, die mir plötzlich in die Augen schossen. Meine Kehle schnürte sich zu. Er hatte mir mit dieser plötzlichen, eisigen Aktion eine Heidenangst eingejagt. Eine Angst, die viel tiefer saß, als er ahnen konnte.
Plötzlich war da dieses Gefühl. Dieses schreckliche, erstickende Gefühl, das meine Gedanken wie eine dunkle Flutwelle überschwemmte. Die Wände des Schlafzimmers schienen auf mich einzustürzen, und die Gegenwart verschwamm. Mein Verstand raste unaufhaltsam zurück in die Vergangenheit. Zurück zu jener traumatischen Nacht, als mein eigener Bruder Ben versucht hatte, mich mit einem Kissen zu ersticken. Die Erinnerung war so real, dass ich glaubte, den dumpfen Stoff wieder auf meinem Gesicht zu spüren und keine Luft mehr zu bekommen.
Ich drehte mich panisch von Luke weg, zog die Knie an die Brust und presste mein Gesicht in die Matratze. Ich versuchte krampfhaft, ruhig ein- und wieder auszuatmen. Alles ist gut, hämmerte es in meinem Kopf. Du lebst noch. Du erstickst nicht.
Aber es funktionierte nicht. Ich spürte, wie eine massive Panikattacke mit voller Wucht auf mich zurollte. Mein Atem wurde flacher, schneller, ein hysterisches Keuchen. Mein Herz raste so brutal gegen meine Rippen, dass es wehtat. Die nackte Todesangst übernahm die Kontrolle über meinen Körper, und ich fing am ganzen Leib an zu zittern wie Espenlaub.
Lukes Reaktion war sofort spürbar. Das eiskalte, tödliche Starren in seinen Augen wich einem messerscharfen, fast schon klinischen Interesse. Er war ein Psychopath er fühlte meine Angst nicht –, aber er erkannte die physischen Symptome einer schweren Panikattacke sofort. Sein Besitz drohte gerade, hyperventilierend in seinen Armen zu kollabieren. Er zögerte keine Sekunde. Mit einer fließenden, unglaublich schnellen Bewegung überwand er die Distanz auf der Matratze. Seine riesige Zwei-Meter-Gestalt schob sich von hinten eng an meinen zitternden Körper. Er wartete nicht auf Erlaubnis. Seine massiven, extrem heißen Arme schlangen sich von hinten bombenfest um meine Taille und rissen mich rückwärts gegen seine breite, harte Brust. Er schloss mich ein wie in einen eisernen Schutzpanzer, sodass ich mich kaum noch bewegen konnte.
„Leo. Hör mir zu“, befahl seine samtene Stimme. Sie war nicht mehr wütend, sondern tief, dunkel und verdammt dominant.
Er legte seine große, heiße Handfläche flach auf meine Brust, genau über mein wild hämmerndes Herz, während seine andere Hand meinen Nacken umfasste und meinen Kopf sanft nach hinten an seine Schulter zwang.
„Atme. Du erstickst nicht, Welpe. Spür meine Hand. Spür meinen Herzschlag.“
Er drückte seinen massiven Oberkörper noch fester gegen meinen Rücken, sodass ich die gleichmäßigen, kräftigen Schläge seines Herzens durch seine Haut spüren konnte. Seine intensive Körperwärme brannte sich förmlich durch den dünnen Stoff meiner flauschig grünen Hose und umhüllte mich komplett.
„Konzentrier dich auf mich, Süßer“, raunte er mörderisch leise, direkt an meinem Ohr, während sein Atem meine Haut streifte. Seine Finger strichen mit festem, beruhigendem Druck über mein Silberhalsband. „Du bist in meinem Zimmer. Auf meinem Bett. Niemand tut dir hier etwas, das ich nicht erlaube. Ich kontrolliere diesen Raum, und ich kontrolliere deinen Atem. Langsam einatmen, Leo. Jetzt.“
Er gab den Takt vor, atmete tief und schwer an meinem Ohr ein und aus, während er mich so fest umklammert hielt, dass er mich physisch im Hier und Jetzt festhielt. Er ließ mir keine Wahl, als mich seiner massiven Präsenz zu beugen und die Panik langsam gegen die erstickende Sicherheit seiner Arme eintauschen zu lassen.
( Luke)
Ich hielt ihn fest an meine Brust gepresst. Das heftige Zittern, das seinen schmalen Körper eben noch geschüttelt hatte, ließ langsam nach. Ich spürte unter meiner Handfläche, wie sein Herzschlag von einem rasenden Hämmern zu einem gleichmäßigeren, ruhigeren Rhythmus zurückfand.
Ich wusste, dass ich zu weit gegangen war. Meine Reaktion war zu heftig gewesen. Hätte ich nicht auf seinen dummen, umgangssprachlichen Spruch reagiert, wäre das alles überhaupt nicht passiert. Er würde immer noch glücklich und zufrieden an meiner Brust liegen, noch immer völlig überwältigt von dem intensiven Sex, den wir vor Kurzem miteinander hatten. Ich hatte die perfekte Kontrolle über seine Emotionen für einen Moment verloren, weil mein eigenes Ego mir im Weg gestanden hatte. Ein seltener Fehler. Aber mein Welpe war zerbrechlicher, als seine freche Lippe auf dem Uniflur vermuten ließ.
Seine Atmung beruhigte sich spürbar. Die hektischen Züge aus Luft wurden tiefer, und er kam langsam, aber sicher zur Ruhe. Der lähmende Griff der Panik ließ ihn endlich los.
Ich lockerte meinen eisernen Griff um seine Taille ein winziges Stück, ließ ihn aber nicht gehen. Meine Hand wanderte wieder hinauf zu seinen braunen Locken, strich sachte durch die weichen Strähnen und drückte seinen Kopf sanft ein Stück zur Seite, damit ich sein Gesicht im gedimmten Licht sehen konnte. Seine Wangen waren immer noch leicht gerötet, und an den Wimpern hingen die Reste von Tränen, die er so dringend hatte zurückhalten wollen.
Als die Panikattacke endgültig vorbei war und die Realität des Zimmers zu ihm zurückkehrte, regte sich Leo in meinen Armen. Er blinzelte ein paar Mal, als müsste er den Nebel vor seinen Augen vertreiben. Doch statt sich wie sonst tiefer in meine Nähe zu flüchten oder dankbar meine Wärme anzunehmen, spürte ich, wie sein Körper plötzlich wieder an Spannung gewann.
Er atmete einmal tief und zittrig durch die Nase aus. Dann hob er langsam die Hände, legte die Handflächen gegen meine massiven Brustmuskeln und fing an, sich mit sanftem, aber erstaunlich bestimmtem Druck von mir wegzuschieben. Er wollte Distanz. Er wandte den Blick ab, schaute stur auf die Bettdecke und rutschte ein Stück auf der Matratze nach hinten, bis er nicht mehr direkt an mich gepresst war. Seine Lippen waren schmal zusammengepresst, und in seinen Augen lag eine Mischung aus tiefer Erschöpfung und einer leisen, verletzten Bitterkeit. Er sagte kein Wort, aber die Art, wie er sich zusammenrollte und mir den Rücken zudrehte, war eine stumme Barriere, die er zwischen uns hochzog. Der kleine Welpe hatte sich in seinen Bau zurückgezogen und die Tür zugeschlagen.
Ich starrte ihn einen Moment lang einfach nur verwundert an. Ein leises Seufzen entwich meiner Kehle, während ich das Handtuch der Emotionen für diesen Moment beiseitelegte. Ich beugte sich vor, griff nach der weichen Bettdecke und deckte seinen schmalen Körper sanft bis zu den Schultern zu. Dann drehte ich mich um, trat von der Matratze und wollte den Raum verlassen, um für den Rest der Nacht in das Gästezimmer zu gehen. Ich wollte ihm den Raum geben, den er scheinbar brauchte.
Ich hatte die Klinke der schweren Holztür gerade in der Hand, als eine leise, brüchige Stimme die Stille des Raumes durchschnitt.
„Bleib hier… bitte.“
Ich fror in der Bewegung ein. Langsam drehte ich mich um. Leo saß aufrecht im Bett, die Decke eng um sich geschlungen. Er sah mich aus großen, glitzernden Augen an, in denen sich das gedimmte Licht des Zimmers spiegelte. Er schniefte kurz, wirkte so klein und schutzlos in diesem riesigen Bett.
Jede Distanz, die ich eben noch aufbauen wollte, war im Bruchteil einer Sekunde verflogen. Ich lief mit großen, lautlosen Schritten zu mir zurück, schwang sich auf die Matratze und nahm ihn ohne ein weiteres Wort fest in die Arme. Ich zog seinen warmen Körper an meine breite Brust und spürte, wie er sich sofort an mich klammerte. Ich hob eine Hand, strich ihm beruhigend durch die braunen Locken und fragte ganz sanft an seinem Ohr: „Warum hast du mich eben weggestoßen, Süßer?“
Leo vergrub sein Gesicht tief an meinem Hals, genau dort, wo seine Finger mein Shirt umklammerten. „Weil du nicht sehen solltest, wie ich weine“, antwortete er mit erstickter, leiser Stimme.
Ein tiefes, unheimlich ruhiges Gefühl der Befriedigung breitete sich in meiner Brust aus. Auf meinen Lippen bildete sich augenblicklich wieder dieses sanfte, wunderschöne Lächeln, das pure Gefahr ausstrahlte. Meine lila Augen funkelten in der Dunkelheit vor totalem Besitzanspruch. Er wollte sich vor mir verstecken. Vor mir.
Ich lockerte den Griff um seinen Oberkörper ein winziges Stück, legte zwei Finger unter sein Kinn und zwang ihn sanft, den Kopf zu heben. Mit dem Daumen wischte ich ihm eine der heißen Tränen von der Wange, bevor meine Finger langsam abwärtsglitten und den leuchtend grünen Stein seines Silberhalsbandes berührten.
„Mein süßer, kleiner Welpe“, raunte meine samtene Stimme, so leise und dunkel, dass es den Raum vibrieren ließ. „Hast du etwa unsere Hausregel Nummer zwei vergessen? Totale Transparenz. In dieser Welt gibt es keine verschlossenen Türen für mich. Du darfst dich niemals vor mir verstecken, und du darfst erst recht keine einzige Träne vor mir verbergen. Ich will alles von dir sehen. Deine Wut, deinen Trotz, deine Freude… und deinen Schmerz.“
Ich beugte mich tiefer, atmete seinen vertrauten Duft ein und drückte einen heißen, besitzergreifenden Kuss genau auf den frischen Bissabdruck an meinem Hals, den ich ihm vorhin verpasst hatte.
„Du musst deine Schwäche nicht vor mir verstecken, Leo“, flüsterte ich sadistisch gegen seine Haut. „Ich bin der Einzige, der dich weinen sehen darf. Und ich bin der Einzige, in dessen Armen du sicher bist. Schlaf jetzt. Du gehörst mir, mit jeder einzelnen Träne.“ eo schluchzte heftig auf, während ein Schwall heißer Tränen über sein Gesicht lief. Er umklammerte mich mit einer fast schon verzweifelten Kraft, als wäre ich der einzige feste Punkt in einer einstürzenden Welt. Ich spürte das unaufhaltsame Zittern seines Körpers gegen meinen.
Ohne ein weiteres Wort zu sagen, hob ich ihn sanft an, verlagerte mein Gewicht und legte mich genau in die Mitte des gigantischen Bettes, sodass er komplett auf mir lag. Seine Arme schlangen sich um meinen Hals, sein Gesicht vergrub er an meiner Schulter. Er weinte so lange, bis die pure emotionale Erschöpfung ihn endlich übermannte. Seine Atemzüge wurden tiefer, das Zittern erstarb, und er schlief schließlich tief und fest auf meiner Brust ein. Ich strich ihm ein letztes Mal durch die braunen Locken, schloss die Augen und genoss das triumphierende Gefühl seiner totalen Abhängigkeit.
(Luke)
Als der nächste Morgen anbrach, drang das kühle, graue Herbstlicht durch die großen Fensterscheiben des Schlafzimmers. Mein interner Wecker funktionierte wie gewohnt präzise. Ich öffnete die Augen und blickte auf den schlafenden Welpen auf meiner Brust hinunter. Leo atmete ruhig, sein Gesicht war vollkommen entspannt. Nur die leichte Rötung um seine Augen und der dunkelrote, unübersehbare Bissabdruck an seinem Hals zeugten von den Stürmen der vergangenen Nacht.
Ich bewegte mich langsam und mit kalkulierter Vorsicht, um ihn nicht zu wecken. Ich schob ihn von meiner Brust auf die weichen Kissen, deckte ihn bis zum Kinn zu und stand lautlos auf. Nach einer schnellen, heißen Dusche zog ich mir einen meiner maßgeschneiderten, dunklen Anzüge an. Ich trat noch einmal an das Bett heran, strich ihm sanft eine Locke aus der Stirn und flüsterte: „Aufwachen, Süßer. Die Universität wartet nicht.“
(Leo)
Ich blinzelte verschlafen, stöhnte leise auf und rieb sich die Augen. Als ich mich aufrichtete, fiel mein Blick sofort in den großen Spiegel an der Wand und ich erstarrte.
Meine Finger wanderten automatisch zu meinem Hals, strichen über das silberne Halsband mit dem grünen Stein und blieben genau auf dem heftigen Bissabdruck liegen. Meine Wangen färbten sich augenblicklich rosa.
Eine Stunde später fuhren wir auf den Parkplatz der Universität. Diesmal saßen wir im Brabus Rocket 900, Lukes mörderisch schneller Luxus-Limousine. Er stieg aus, öffnete mir die Beifahrertür und ich spürte sofort die Blicke der wenigen Studenten, die bereits auf dem Campus herumliefen. Ich hatte mir einen weiten, schwarzen Hoodie übergezogen, aber der Kragen saß tief genug, dass man das Silberhalsband und den frischen Fleck an meinem Hals bei jeder Bewegung aufblitzen sehen konnte.
Noch bevor wir die großen Flügeltüren der Universität erreichten, kam uns eine Gestalt mit schnellen Schritten entgegen. Es war Isabel. Ihr Blick flog sofort zu Luke, voller Misstrauen und unterdrücktem Ärger, doch sie hielt brav den Mund. Dann sah sie mich an und ihre Augen weiteten sich zu riesigen Tellern, als sie den Bissabdruck an meinem Hals bemerkte.
Hinter ihr tauchte lautlos Adam auf. Seine markanten Kiefermuskeln waren angespannt, und seine strahlend grünen Augen fixierten Isabel mit einer besitzergreifenden, dominanten Ruhe. Er legte ihr eine Hand auf die Schulter eine klare Geste, die ihr signalisierte, dass sie sich strikt an die Regeln zu halten hatte.
Luke legte mir eine Hand in den Nacken, drückte seine Finger sanft über dem Sensor meines Halsbandes zusammen und beugte sich tief zu mir herunter.
„Denk an die Regeln, mein kleiner Welpe“, raunte seine samtene Stimme für mich hörbar, während sein Blick kalt zu Isabel und Adam glitt. „Unauffälligkeit. Totale Transparenz. Und kein Wort zu Fremden. Adam und Isabel werden dich beobachten. Ich erwarte dich heute Nachmittag ohne Zwischenfälle zurück.“
Er gab mir einen kurzen, besitzergreifenden Kuss auf die Schläfe, drehte sich um und ließ mich mit meiner besten Freundin und seinem Assistenten allein auf dem Flur zurück. Jetzt lag es an ihnen, seine Regeln im Hörsaal durchzusetzen.
(Luke)
Ich schritt mit schnellen, großen Schritten zurück zu meinem Wagen, ließ den Motor an und fuhr vom Parkplatz der Universität. Nur wenig später glitt der massiv getunte, pechschwarze Brabus Rocket 900 geschmeidig durch den Stadtverkehr, bis ich den großen Gebäudekomplex einer meiner zahlreichen Scheinfirmen erreichte. Das brutale Wummern des Motors erstarb, als ich den Wagen auf meinem privaten Stellplatz parkte. Ich stieg aus, betrat das hochmodernen Glasgebäude und drückte im Foyer den Knopf für den Fahrstuhl. Das Display kletterte lautlos nach oben, bis sich die Türen im 20. Stock öffneten.
Heute am Vormittag stand ein straffes Programm an. Ich hatte drei Besprechungen angesetzt. Die erste war ein virtuelles Meeting mit einem kleineren Drogendealer-Ring, die mir erklären sollten, wie die neuen Drogenverstecke aussahen. Das zweite war das Treffen mit den Cops, und das letzte sollte unten im Keller stattfinden mit meinem Folterer, der gerade Leos Bruder Ben in der Zange hatte.
Ich setzte mich an meinen massiven Mahagoni-Schreibtisch und startete den Gruppenanruf auf dem großen Tischdisplay. Nach einem kurzen Knacken erschien das Gesicht einer vermummten Gestalt auf dem Bildschirm.
„Ah… b-b-b-boss!“, schoss es sofort aus dem Lautsprecher. Die Stimme des Mannes zitterte merklich vor Angst. Er schluckte schwer und fuhr hastig fort: „N-neues Versteck… in T-T-Tauchflaschen! Ganz unten am B-Boden befestigt!“
Ich bewegte keine Miene. Meine lila Augen fixierten den Bildschirm mit eisiger Kälte.
„Gut“, sagte ich mit meiner gewohnt ruhigen, samtenen Stimme, in der jede Silbe wie eine stumme Drohung lauerte. „Und jetzt hör auf, die Drogen schon im Vorhinein selbst zu nehmen. Ansonsten wirst du sie bald aus eigener Tasche bezahlen müssen. Mit Zinssätzen, die dir die Sprache auch ganz ohne Drogen verschlagen werden.“
Ohne eine Antwort abzuwarten, tippte ich auf den Bildschirm und legte auf. Amateure. Zu jung und viel zu neugierig. Eigentlich sollte ich sie alle in eine Entzugsklinik stecken. Aber nun gut so konnten sie die Rauschmittel da draußen wahrscheinlich wenigstens glaubhafter verkaufen, da sie die Wirkung am eigenen Leib kannten. Aber egal. Sie funktionierten, und das war alles, was zählte.
Genau in diesem Moment klopfte es dreimal kurz an der schweren Eichentür meines Büros. Ich legte die Hände flach auf den Schreibtisch und sagte ruhig: „Herein.“
Die Tür öffnete sich, und ein Polizist betrat den Raum. Aber nicht irgendeiner. Nein, es war der leitende Ermittler der hiesigen Mordkommission. Der Mann war das wandelnde, stereotype Beispiel eines Polizisten: ein leicht ansetzender Bauch, ein buschiger, grau melierter Schnauzer, müde Augen und eine schlecht sitzende Uniformjacke. In der linken Hand hielt er eine offene Pappschachtel mit fettigen Donuts, während er sich gerade die Reste von Puderzucker von den Fingern leckte. Er strahlte diese billige Art von Wichtigtuerei aus, die mich innerlich zutiefst langweilte.
Er ging ohne zu grüßen auf meinen Schreibtisch zu, schob sich mit einer respektlosen Vertrautheit einen Stuhl heran und ließ sich schwer in das teure Leder sinken. Die Donutschachtel stellte er dreist mitten auf dem Holz ab.
„Luke“, begann er und sah mich mit zusammengekniffenen Augen an. „Wir haben ein Problem. Meine Jungs haben gestern Nacht am Hafen zwei Leichen aus dem Becken gefischt. Beide sauber durchlöchert. Und das Schlimmste daran? Zeugen wollen ein verdammt lautes, schwarzes Motorrad in der Nähe gehört haben. Eine Kawasaki, wenn ich mich nicht irre. Kommt dir das bekannt vor?“
Ich bewegte keinen Muskel. Mein Gesicht blieb eine emotionslose, eiskalte Maske. Ich lehnte mich langsam in meinem massiven Chefsessel zurück, legte die Finger zu einem Dach zusammen und fixierte ihn mit meinen faszinierenden lila Augen. Ich ließ die Stille im Raum bewusst wachsen, bis der Ermittler unruhig auf seinem Stuhl hin- und herrutschte und sein Schnauzer ganz leicht zuckte.
„Sie haben Recht, Ermittler“, raunte meine Stimme, so leise und samtweich, dass die Drohung darin wie Gift durch das Büro kroch. „Das ist ein Problem. Aber nicht meines. Sondern Ihres.“