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Gedankenkarrusselle

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Gedankenkarrusselle

Daniel … Harry saß versonnen in seinem Büro über einer aufgeschlagenen Akte und ließ seine Gedanken schweifen. Endlich hatte der Mann einen Namen und seither konnte Harry an nichts anderes mehr denken. Im Nachhinein hatte er sich gewundert, dass Daniel ihn nicht nach seiner Telefonnummer gefragt hatte. Es war ihm schon öfter passiert, dass er danach gefragt wurde, aber er hatte nun mal kein Telefon. Insofern war es wiederum gut, dass Daniel nicht gefragt hatte, denn er hätte die Aussage nur als Abfuhr verstehen können. Hatte Daniel damit gerechnet, dass Harry ihn nach seiner Nummer fragte und war jetzt seinerseits verunsichert? Und mit einem Mal war sich Harry nicht einmal mehr sicher, ob er Daniel überhaupt seinen Namen gesagt hatte!

Er versuchte, sich die Situation noch einmal vor Augen zu führen. Er war gekommen und dann hatte er Daniel geküsst. Merlin! Diese Küsse waren von einem anderen Stern! Und dann hatte er ihn gefragt, wie er hieß. Und Daniel hatte es ihm gesagt. Aber er hatte nicht nach Harrys Namen gefragt. War er noch zu sehr in seiner Rolle gewesen, so dass er keine Forderung hatte stellen wollen? Oder war ihm einfach egal, wie die Person hieß, die sich an ihm bediente? Würde er Harry jetzt für einen ungehobelten Klotz halten, der es nicht nötig hatte, seinem Fickpartner seinen Namen zu sagen, auch wenn er ihn eben noch selbst danach gefragt hatte?

Harry fuhr sich zum gefühlt hundertsten Mal durch die Haare. Was für idiotische Gedanken wälzte er denn hier? Er versuchte, sich wieder auf die Akte zu konzentrieren. Alles war besser, als sich diese dummen Gedanken zu machen.

Als er mittags in die Kantine kam, lief er ausgerechnet Malfoy in die Arme. Der grinste über das ganze Gesicht. „Schau an, der Auserwählte gibt sich die Ehre! Ich hoffe, sie haben es dir in deinem Büro recht bequem eingerichtet.“

„Geh mir aus dem Weg, Malfoy“, knurrte Harry. Der Kerl hatte Nerven!

„Oh, verzeih! Ich vergaß, den roten Teppich auszurollen! Es wird nicht wieder vorkommen.“

Harry wandte sich zum Gehen. Der Appetit war ihm vergangen.

Draco hatte schlechte Laune. Er ärgerte sich über sich selbst. Erneut hatte er seinen Mund nicht halten können, als er Potter so unverhofft begegnet war. Vielleicht hätte er es geschafft, wenn er darauf vorbereitet gewesen wäre, aber so … so hatte der Reflex übernommen und der reagierte eben mit Beleidigungen. Aber wo diese ihm bis vor kurzem noch ein gutes Gefühl gegeben hatten, kam er sich zunehmend erbärmlich war. Meine Güte, er war doch kein Teenager mehr!

Aber man musste ihm zu Gute halten, dass er gerade nicht ganz Herr seiner Sinne war. Zu oft musste er an den gestrigen Abend denken und daran, wie er geendet hatte. Der andere hatte ihn nach seinem Namen gefragt und Draco war schon ziemlich stolz auf sich, dass er trotz postkoitaler Vernebelung mit Daniel geantwortet hatte. Der andere hatte ihn daraufhin nur wieder geküsst – nicht, dass es daran auch nur die kleinste Kleinigkeit auszusetzen gäbe! Aber weder hatte er ihm seinen eigenen Namen verraten, noch hatte Draco es geschafft, oder gewagt, oder was auch immer, danach zu fragen. War das einfach ein Versehen gewesen? Oder hielt der andere ihn nicht für würdig, seinen Namen zu kennen? Wollte er vielleicht, dass er ihn „Sir“ oder „Master“ nannte, wenn sie ihre … Spiele ausweiten sollten? Das wäre grundsätzlich kein Problem. Dennoch würde Draco eigentlich schon gerne wissen, wie der Mann hieß, der ihn in die Besinnungslosigkeit vögelte. Dann wiederum fiel ihm ein, dass es etwas heuchlerisch war, sich darüber aufzuregen, denn weder war der Name, den er genannt hatte, sein richtiger, noch kannte der andere sein wahres Aussehen.

Er seufzte. Er hatte noch etwas Zeit, bevor er einen Termin hatte und so beschloss er, sich bei Cassy einen Kaffee und ein Dessert zu gönnen.

„Hey, Daniel. Was kann ich dir Gutes tun?“

„Hallo Cassy, ich nehme einen Latte Macchiato und einen von diesen Eclairs.“ Draco deutete auf eines der süßen Teile mit Schokoladenüberzug.

„Kommt sofort.“ Cassy bereitete den Kaffee vor und Draco setzte sich an die Theke und sah sich um. An zwei Tischen saßen weitere Gäste und eine Mutter diskutierte mit ihrem Sohn, welche – und vor allem wie viele – Süßigkeiten in die Tüte kommen sollten. Draco genoss es, diesen kleinen Moment ganz profanen Alltags zu beobachten und als Cassy ihm das Glas und sein Eclair brachte, war seine Laune schon viel besser. Er sollte aufhören, sich so viele Gedanken zu machen. Was machte es schon für einen Unterschied, ob er wusste, wie der Typ hieß? Er sollte froh sein, dass der ihn nicht nach seiner Telefonnummer gefragt hatte. Eines war klar: sollte er jemals ein Telefon besitzen, diesem Menschen hätte er seine Nummer sofort gegeben. Aber er besaß natürlich keines – wen sollte er denn auch bitte anrufen? Und obwohl er damit einer unschönen Situation entgangen war, bekam das Gedankenkarussell nun doch wieder neuen Schwung.

Entschlossen biss er in sein Eclair. Schluss jetzt!

„Cassy, war bekommst du?“, fragte er zehn Minuten später und griff bereits nach seiner Geldbörse.

Cassy kam zu ihm. „Das ist heute für dich frei. Jim hat gesagt, dass er die nächste Bestellung von dir übernimmt.“

Draco hob erstaunt die Augenbrauen. „Tatsächlich. Na, das ist ja nett. Dann richte diesen ominösen Jim meinen Dank aus.“

„Mach ich“, sagte Cassy lachend. „Vielleicht schafft ihr es ja mal, gleichzeitig hier zu sein.“

„Ja, wer weiß.“ Und damit verließ Draco das Café. Bestimmt war dieser Jim eine viel einfachere Bekanntschaft als der Fremde aus dem Shadows . Einfacher … aber vermutlich nicht ansatzweise so interessant.

Draco fragte sich, wem er eigentlich etwas hatte vormachen wollen. Den ganzen Tag über hatte er gegrübelt, ob er heute Abend ins Shadows gehen sollte und natürlich saß er nun an der Bar und fühlte sich irgendwie seltsam angreifbar. Noch nie hatte er sich einem anderen Menschen derart angebiedert, aber dass er den Fremden beim letzten Mal so spät ebenfalls an der Bar sitzend angetroffen hatte, gab ihm etwas Mut. Einzig die Sache mit dem Namen war geeignet, ihn zu verunsichern.

Er hatte sein Getränk eben geleert und überlegte, ob er nochmal etwas bestellen sollte, als er aus den Augenwinkeln sah, wie jemand sich ihm näherte. Er schaffte es gerade noch, sich auf dem Barhocker in die entsprechende Richtung zu drehen, als sich bereits starke Arme um ihn legten. Ganz kurz war er irritiert, spürte er doch so etwas wie eine Art Schwingung. Aber er kam nicht dazu, den Gedanken weiter zu verfolgen, denn er wurde in einen sinnesraubenden Kuss gezogen.

Als sie sich lösten, blickte der andere ihn mit strahlenden Augen an. „Ich heiße übrigens Jim.“

Draco runzelte die Stirn. Das war ja ein witziger Zufall, dass er jetzt in so kurzer Zeit zwei Menschen kennenlernte – oder irgendwie auch nicht – die Jim hießen. Kurz überlegte er, ob er den Jim vor ihm fragen sollte, ob er öfter mal bei Cassy war. Es war immerhin nicht ausgeschlossen, dass es sich um dieselbe Person handelte. Aber dann fiel ihm ein, dass Cassy ihn zwar als Daniel kannte, er dort aber sein Aussehen nicht verändert hatte und damit irgendwie nicht derselbe Daniel war wie hier im Shadows .

Jim musterte ihn aufmerksam. „Irgendwas mit meinem Namen nicht in Ordnung?“

Draco lachte verlegen auf. „Nein, alles in Ordnung. Ich … ich bin froh, dass ich jetzt weiß, wie du heißt.“ Jim brummte und zog Draco näher zu sich. Er biss ihm sanft in die Ohrmuschel und raunte dann. „Das ist gut, denn dann kannst du meinen Namen schreien, wenn ich dich gleich ordentlich durchficke.“

Draco erschauderte. Oh ja, das würde er ganz bestimmt tun.

Obwohl die Rollenverteilung nach wie vor klar war, hatte Draco das Gefühl, dass Jim heute irgendwie anders mit ihm umgegangen war. Nicht, dass sie plötzlich sanften Kuschelsex gehabt hatten, aber irgendwie hatte es sich intimer angefühlt. War das logisch? Konnte man denn noch intimer miteinander sein, als sie es schon gewesen waren? Vielleicht, so überlegte er, während er an seinem Strohhalm zog, war das, was sie jetzt taten, auf eine gewisse Art das Intimste, was sie bisher geteilt hatten. Sie saßen nach dem Sex miteinander an der Bar und tranken einen Cocktail.

„Ich habe mich gefragt, ob es für dich interessant wäre, wenn wir einen der Räume hier mieten würden. Dann wären wir ungestört und könnten unsere … Spiele etwas ausbauen.“ Jim sah ihn über sein Getränk fragend an. Und obwohl sein Vorschlag darauf hinauslaufen würde, dass sie ihre Rollen noch mehr ausleben konnten, sah er gerade gar nicht wie der dominante Mann aus, der sich Draco so drapierte, wie es ihm gefiel. Und Draco musste zugeben, dass dieser Jim ihm auch sehr gefiel.

„Ich glaube, das würde mir gefallen“, erwiderte er. Was ihm besonders daran gefallen würde, war die Tatsache, dass er dann sicher wusste, dass sie sich wieder sehen würden und wann!

Jim grinste. „Wie sieht es am Donnerstag bei dir aus? An den Wochenenden sind die Räume oft belegt.“

Draco nickte. „Das würde mir passen.“

Harry war ganz aufgeregt, als er am nächsten Morgen in seinem Büro saß. Er hatte ein Date mit Daniel! Wie sie gestern so entspannt nach dem Sex zusammengesessen hatten, da hatte er geglaubt, den anderen auf eine gewisse Art und Weise zu kennen. War es, weil sie unabhängig voneinander so verrückt nacheinander waren? Fakt war, dass Harry noch bei keinem Mann, mit dem er im Shadows unverbindlichen Sex gehabt hatte, etwas Derartiges gefühlt hatte. Er musste Daniel wiedersehen und die Vorstellung, der andere könnte mit einem anderen Mann Sex haben, ließ eine wütende Flamme der Eifersucht in ihm aufsteigen. Aber so sehr er sich freute, dass sie nun diese Verabredung hatten, fragte er sich doch, wo das hinführen würde. Wenn er jetzt schon Eifersucht entwickelte, wie sollte das dann weiter gehen? Daniel war ein Muggel und er würde ihm sehr, sehr lange nicht reinen Wein einschenken können. Davon abgesehen, dass er eben weder Jim hieß, noch wirklich aussah wie Jim. Das konnte doch auf Dauer nur in einer Katastrophe enden! Er stützte den Kopf in die Hände. Es wurde wirklich Zeit, dass er wieder in den Außendienst kam! Hier am Schreibtisch wälzte er nur dumme Gedanken!

„Harry? Alles okay?“ Melissa, seine Kollegin, stand in der Tür. Sie grinste verständnisvoll, auch wenn sie natürlich gar nichts verstehen konnte. Aber vermutlich interpretierte sie den Zustand seiner Haare als Ausdruck endloser Langeweile. „Ich glaube, ich habe was, das dich aufheitern dürfte.“

„Okay?“ Harry sah sie skeptisch an. „Und was könnte das sein?“

„Ein Einsatz.“ Sie hob die Hände, Harrys Einwand bereits erwartend. „Miles hat es angewiesen. Wir sind gerade unterbesetzt wegen der Urlaubszeit und es ist … ein bisschen dubios. Wir hätten dich gerne dabei.“

Harry sprang auf. „Warum sagst du das nicht gleich!“ Natürlich war er froh, der staubtrockenen Akte auf seinem Schreibtisch zu entkommen, aber in Wahrheit floh er vor allem vor dem sich unerbittlich drehenden Gedankenkarussell.

„Okay“, sagte Miriam, Harrys Kollegin, die offenbar den Einsatz leitete, als er und Melissa in ihrem Büro erschienen. „Gut, dass du da bist. Ich denke, wir sollten auf jeden Fall zu dritt sein bei diesem Einsatz.“

„Worum geht es denn?“, fragte Harry.

„Es ist etwas seltsam“, sagte Miriam zögernd. „Es geht schon wieder um ein verlassenes Gebäude. Diesmal wurden wir aber von einer Hexe informiert, die in derselben Straße wohnt. Sie hat sich vor ein paar Wochen schon einmal gemeldet, weil sie Licht dort gesehen hat. Eine Überprüfung hat aber nichts Auffälliges ergeben.“

„Warum hat sie überhaupt die Auroren informiert?“, fragte Harry.

„Sie hat wohl zuerst die Muggelpolizei verständigt, aber die schienen sie erst gar nicht ernst zu nehmen und laut ihrer Aussage hat das Haus früher einmal einer Hexe gehört.“

Harry nickte. „Okay. Und was ist aktuell passiert?“

„Sie war vorhin wieder hier. Sie schwört, dass jemand sich in dem Haus befindet und dass Zauber gesprochen werden.“

„Okay, dann lasst uns mal nachschauen, was da los ist“, sagte Melissa und sie machten sich auf den Weg.

Harry und die beiden Frauen standen am Gartenzaun, der das fragliche Gebäude umgab. Nachdem sie die erforderlichen Zauber gesprochen hatten, um hier in der Muggelgegend nicht weiter aufzufallen, begannen sie, Zauber auf das Haus zu sprechen, um herauszufinden, ob sich jemand darin befand. Die drei sahen sich an: „Schutzzauber,“ murmelte Miriam. Langsam und systematisch hoben sie die vorhandenen Muggelabwehr – und andere Zauber auf. Als sie es somit bis vor die Haustür geschafft hatten, stöhnte Harry auf.

„Was ist?“, fragte Melissa alarmiert.

„Ein Fluch. Wir brauchen einen Fluchbrecher.“

Miriam sagte: „Ich würde ja vorschlagen, dass du wieder ins Büro gehst und wir alleine auf Malfoy warten, aber …“

Harry winkte ab. „Ich tendiere eher dazu, Verstärkung zu holen, als euch hier alleine zu lassen. Es sei denn, ihr traut mir nicht mehr nach dem letzten Vorfall.“ Der Gedanke war ihm eben erst gekommen und er tat erstaunlich weh.

„Was?“ „Quatsch!“

Harry schmunzelte. Wirklich daran geglaubt hatte er zwar nicht, aber die Vehemenz seiner Kolleginnen tat ihm doch gut.

„Ich rufe Verstärkung und Miriam ruft den Fluchbrecher. Vielleicht haben wir ja Glück und Malfoy hat keine Zeit.“

Harry sagte nichts. Wenn er ehrlich war, hoffte er durchaus, dass Malfoy kommen würde. An dieser Sache war etwas faul und er wusste, dass Malfoy – egal was für ein Arschloch er war – der Beste seines Fachs war. Aber Harry würde sich eher die Zunge abschneiden, als ihm das zu sagen.

Als Draco am Einsatzort ankam, war er recht entspannt. Potter war im Innendienst, so dass er nicht in die Lage kommen würde, sich zusammenreißen zu müssen. Er war gespannt, worum es sich diesmal handelte. Normalerweise wurde er nicht so häufig zu einem aktuellen Einsatz gerufen. Oft war seine Expertise im Nachgang zu einer Verhaftung erforderlich oder er wurde von Privatpersonen beauftragt, die dubiose Gegenstände geerbt hatten. Er stockte, als er die Steinstufen zu der Haustür des Objekts hoch schritt. Potter stand mit seinen Kolleginnen vor dem Haus, seine Miene unergründlich.

„Hast du Auslauf bekommen? Oder hatten die Kollegen im Innendienst schon genug von dir?“ Verdammt! Er hatte sich doch zusammenreißen wollen! Was war das nur mit Potter?

„Malfoy“, fing Melissa Brown ihn ab. „Wir haben Verstärkung gerufen, aber vielleicht kannst du schon mal mit einer Diagnose beginnen.“

Draco nickte und nahm ihren kühlen Ton durchaus zur Kenntnis. Er begann, großflächige Zauber zu sprechen, aber – wie er schon von Beginn an vermutet hatte – der Fluch lag nur auf der Haustür. Die Verstärkung war inzwischen angekommen und so standen nun sechs Aurorinnen und Auroren um ihn herum.

„Der Fluch ist dem vom letzten Mal ähnlich, aber ich fürchte, er ist stärker. Wir brauchen ein verwobenes Schutzschild direkt hier an der Tür.“ Er blickte sich um und traf Potters Blick. Kurz zuckte er zusammen, aber dann fing es sich wieder. „Potter, es wäre gut, wenn du und Brown mit etwas Abstand hinter den anderen bleiben würdet, um auf eventuelle … Überraschungen zu reagieren.“

Draco hatte bewusst Potter für diesen Job ausgewählt, weil Potter einfach das schnellste Reaktionsvermögen hatte. Das würde er ihm zwar nicht sagen, aber wenn jemand mit unvorhergesehenen Entwicklungen umgehen konnte, dann war es Potter. Er positionierte sich vor der Tür und atmete tief durch. „Alle bereit?“

Ein sechsstimmiges „Ja“, ertönte und Draco sprach den Zauber, um den Fluch zu lösen.

Harry und Melissa standen mit gezogenen Zauberstäben hinter ihren Kolleginnen und Kollegen. Harry war erstaunt über Malfoys professionellen Umgang nach seinem ersten Ausrutscher. Sollte der Idiot vielleicht doch auch etwas aus dem letzten Einsatz gelernt haben? Er kam nicht dazu, sich noch länger Gedanken zu machen. Er sah, dass Malfoy versuchte, den nun freigesetzten Fluch zu brechen, während die Auroren um sie herum den Schutzschild aufrecht hielten. Malfoys Zauberstabarm zitterte vor Anstrengung und der Schweiß lief in Strömen über seine Schläfen. Melissa setzte eben an: „Vielleicht sollten wir doch den anderen mit dem Schild …“, da ertönte ein markerschütternder Schrei. Alle zuckten zusammen, was den Schild ins Wanken brachte und durch eine dieser Lücken schoss der Fluch direkt auf Melissa zu.

Harry beschwor einen Schildzauber, was bewirkte, dass der Fluch daran entlang schoss. Schnell versuchte Harry, seinen Zauber so um den Fluch herum zu legen, dass der keinen Ausweg mehr fand, aber er konnte keine geschlossene Kugel formen. Außerdem hatte der Fluch eine gewaltige Kraft. Harry spürte, dass seine Kolleginnen und Kollegen seinen Schild verstärkten und sah, wie Malfoy jetzt hervortrat, an die offene Seite des Schilds – ungeschützt vor dem Fluch. Etwas in Harry wollte Malfoy dort wegziehen, wollte ihn beschützen, aber er kam gar nicht dazu, denn offenbar hatte es genau diesen freien Zugriff gebraucht. Malfoy sprach ein paar Zauber und der Fluch löste sich auf. Keiner der Auroren wagte, den Schild aufzuheben. Alle sahen Malfoy erwartungsvoll an. Der stand noch kurz mit wachsamer Miene vor ihnen, fuhr mit dem Zauberstab durch die Luft und nickte schließlich. „Er ist gebrochen.“

„Du siehst erschöpft aus.“ Cassy schob Draco eine heiße Milch mit Honig hin.

Draco nickte. Das war heute ziemlich knapp gewesen, aber immerhin hatte er den richtigen Riecher gehabt, Potter in die zweite Reihe zu stellen. Natürlich hatten sie alles in allem auch viel Glück gehabt, dennoch musste Draco – natürlich nur für sich – zugeben, dass Potter mal wieder exzellent reagiert hatte. Er nahm einen Schluck von der Milch. Eigentlich war er todmüde, aber dann hatte er sich gedacht, dass ein bisschen Normalität vor dem Schlafengehen ihm guttun würden. Cassy wusste nichts von Flüchen und Auroren und all dem Mist. Sie war einfach nur eine einfühlsame Person, die ihm eine heiße Milch mit Honig machte.

Sie plauderten noch ein bisschen über Belanglosigkeiten, während Cassy alles sauber machte. Draco war der letzte Kunde und er hatte schon ein schlechtes Gewissen, dass sie seinetwegen jetzt nochmal dreckiges Geschirr hatte. Er sollte sie wenigstens nicht noch länger aufhalten. Also stand er auf und bezahlte. Dabei musste er an Jim denken. Ob er wirklich die Person war, deren Geldbörse er gefunden hatte? Hätte er doch nur einen Blick auf den Ausweis geworfen, dann wäre es ihm klar gewesen! Er schüttelte gedanklich den Kopf über seine vielen verwirrenden Gedanken. Es war definitiv Zeit fürs Bett! „Gute Nacht, Cassy!“

„Gute Nacht, Daniel. Schlaf gut.“

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So, das wird ja auf mehreren Ebenen verwirrend mit den beiden ... Bin gespannt, was ihr zu den vielen verwirrenden Gedanken sagt.

LG Luna