Charmantestes Lächeln
Charmantestes Lächeln
Harry hatte natürlich darüber nachgegrübelt, wer Daniel in Wirklichkeit war und seine Neugier hatte ihm keine Ruhe gelassen. Also hatte er am nächsten Morgen erneut einen Abstecher zu Cassy gemacht.
„Guten Morgen Cassy, sag mal, dieser Daniel …“
Cassy lachte. „Du willst wissen, wie er aussieht?“
Harry stutzte. „Woher weißt du das?“
„Gestern war Daniel hier und hat gefragt, wie du aussiehst. Er hat wohl einen Arbeitskollegen, der auch Jim heißt …“
„Arbeitskollege … okay …“ Harry fuhr sich durch die Haare. Nun, er würde bestimmt auch nicht zugeben, dass er mit einem Daniel den besten Sex aller Zeiten hatte. Gehabt hatte. Sofort war da wieder der Stich in seinem Herzen.
„Also, um deine Frage zu beantworten“, holte Cassy ihn wieder in die Gegenwart zurück. „Daniel hat sehr helle blonde Haare, hellgraue Augen, helle Haut und ein spitzes Kinn.“
Harry unterdrückte ein Stöhnen. Das durfte doch nicht wahr sein! Aber vielleicht war sein Daniel … Er rief sich zur Ordnung. Seinen Daniel gab es nicht mehr und es sprach sehr viel dafür, dass Draco Malfoy dieser Daniel gewesen war. Wie groß war denn die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein anderer Zauberer diesen Namen ausgedacht hatte oder tatsächlich so hieß? Vor allem, wenn man die gestrige Reaktion von Daniel berücksichtigte.
„Alles in Ordnung? Du siehst irgendwie traurig aus.“
Harry nickte. „Ja, es ist alles gerade etwas … kompliziert.“
Immerhin hatte Harry, nachdem er in der Aurorenabteilung angekommen war, nicht mehr viel Zeit gehabt sich darüber Gedanken zu machen, wie es möglich war, dass ausgerechnet Draco Malfoy so devot war. Kaum hatte er sich an seinen Schreibtisch gesetzt, kam ein Notruf rein.
Sie standen mit zehn Aurorinnen und Auroren vor einem großen Tor. Harry sah sich um. Sie mussten sich vor dem Gelände eines großen Herrenhauses befinden, denn rechts und links des Tores erstreckte sich eine mindestens drei Meter hohe Mauer.
„Das ist hier der Lieferanteneingang“, erklärte einer der Kollegen. „Daher ist der Fluch bisher nicht aufgefallen. Glücklicherweise hat eine Hauselfe gespürt, dass etwas nicht in Ordnung ist und so wurden wir verständigt.“
Harry fühlte sich unwohl. Er würde gleich Malfoy gegenüberstehen und konnte nur inständig hoffen, dass dieser noch nicht darauf gekommen war, wem er sich so schamlos hingegeben hatte. Das würde er Harry niemals verzeihen, auch wenn Harry natürlich überhaupt nichts dafür konnte. Aber Malfoy würde ihm natürlich die Schuld geben und vielleicht sogar behaupten, Harry hätte das alles absichtlich eingefädelt, um Malfoy zu demütigen.
Ein Ploppen kündigte das Erscheinen einer Person an. Harry stutzte. Das war nicht Malfoy, sondern einer der anderen Fluchbrecher.
„Guten Tag, Mr. Miller“, begrüßte Miriam den Mann. „Kommen Sie heute zu zweit?“ Auch Miriam schien noch fest mit Malfoy zu rechnen, was nur logisch war, hatte er doch die Expertise in dem Fall.
„Es tut mir leid, meine Damen und Herren, aber Sie müssen mit mir Vorlieb nehmen. Mr. Malfoy ist krank.“
Harry verkniff sich ein Schnauben. Krank! Wie konnte der Arsch sich jetzt krankmelden, wo sie vor so einer Situation standen! Aber insgeheim verstand er Malfoy. Und bestimmt wäre der auch nicht gerade auf der Höhe seiner Fähigkeiten, wenn er wusste, dass Harry hinter ihm stand und sich vielleicht daran erinnerte, was sie gestern Abend noch zusammen gemacht hatten. Allerdings – und das wurde Harry in dem Moment bewusst – war damit der Beweis erbracht, dass Malfoy wusste, dass Harry Jim war.
„Nun denn!“, riss Mr. Miller ihn aus seinen Gedanken. „Ich habe mir die Aufzeichnungen von Mr. Malfoy angesehen und ich denke, wir werden das schon zusammen hinbekommen.“
Er begann, die Aurorinnen und Auroren anzuweisen, wo sie stehen sollten und was sie zu tun hatten. Harry hatte ein schlechtes Gefühl. Am liebsten hätte er vorgeschlagen, selbst zu gehen und dafür Malfoy zu holen. Aber wie sollte man das irgendjemandem erklären? Also straffte er die Schultern, blickte in die angespannten Gesichter seiner Kolleginnen und nickte ihnen zu. „Wir bekommen das hin.“
„Harry, Harry, Harry … dass wir uns unter diesen Umständen wieder treffen dürfen!“
Harry wusste nicht, wo er war. Alles war irgendwie neblig und sein Kopf dröhnte. Er versuchte, sich umzudrehen, aber das ging nicht. Er versuchte, seine Arme zu heben, aber irgendwie hatte er gar keine Arme. Panik erfasste ihn.
„Keine Sorge, mein Bester. Sie haben Ihren Körper nicht verloren. Ich befinde mich in Ihrem Geist und, um ehrlich zu sein, habe ich keine Ahnung, was ihr Körper gerade macht.“
Harry versuchte, sich zu konzentrieren. Er kannte die Stimme und als er aufhörte, ein Bewusstsein für seinen Körper erlangen zu wollen, erfasste ihn die Erkenntnis. „Lockhardt!“
„Sie erinnern sich, wie schön. Aber das ist ja nicht weiter verwunderlich, wo Sie doch bereits im zweiten Schuljahr in meine Fußstapfen treten wollten.“
„Was ist das hier? Wo sind wir? Was wollen Sie?“
Lockhardt lachte glockenhell. „Langsam, mein Lieber. Ich werde Ihnen meinen genialen Plan schon noch erläutern. Aber zuerst einmal muss ich sagen, dass es wirklich ein Glücksfall ist, dass ausgerechnet Sie jetzt hier sind! Und das, wo ich doch ein bisschen böse mit Ihnen bin. Immerhin habe ich meine verlorenen Jahre Ihnen und Ihrem Freund zu verdanken.“
„Sie sind nicht mehr im St. Mungos?“
„Nein, schon seit zwei Jahren nicht mehr. Ich bin geheilt! Die Medizin hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Ich hatte eine wunderbare Heilerin, die mich nie aufgegeben hat. Und hier bin ich! Und jetzt, mit der Kontrolle über Ihren Geist, werde ich zu neuer Berühmtheit gelangen.“
„Wie stellen Sie sich das vor? Ich habe nicht mal Kontrolle über meinen Körper.“ Harry versuchte, die aufsteigende Panik zurückzudrängen. Er war hier – wo immer „hier“ war – mit Gilderoy Lockhardt und hatte keine Ahnung, was in der Wirklichkeit mit ihm und seinem Körper geschah. Er überlegte, woran er sich erinnern konnte. Wie war er hier gelandet? Ach ja! Sie waren gerufen worden wegen des Fluchs und Malfoy war nicht gekommen. Ein kurzer Stich bei der Erinnerung an Malfoy, aber das musste er jetzt ganz weit nach hinten schieben. Stattdessen war dieser Mr. Miller erschienen … Er hatte sie angewiesen, wie sie den Schutzschild aufbauen sollten und Harry hatte ein ganz mieses Gefühl gehabt. Von Anfang an war der Schild instabil gewesen, der Fluch viel zu stark. Und dann war das geschehen, was Harry befürchtet hatte: Mr. Miller hatte es nicht geschafft, den Fluch zu brechen, stattdessen hatte er sich einen Weg durch den Schild gebahnt und hatte Harry getroffen. Offensichtlich.
Harry wusste nicht, wieviel Zeit vergangen war, seit der Fluch ihn getroffen hatte. War er direkt hier aufgewacht? Lag sein Körper noch vor dem Tor oder schwebte er, wie damals Katie, über der Erde und schrie ganz fürchterlich? Immerhin – Schmerzen hatte er keine. Zumindest nicht hier in diesem Teil seines Gehirns.
„Sie grübeln zu viel, Harry. Wir beide werden es schon schaffen, ihren Körper dahin zu bewegen, wo ich ihn haben will.“
„Wo Sie ihn haben wollen? Wie kommen Sie denn darauf, dass ich Ihnen die Kontrolle über meinen Körper gebe?“
Lockhardt lachte ein widerliches Lachen und gleich darauf fühlte Harry einen Schmerz, wie er ihn noch nie gespürt hatte. Er hatte keine Ahnung, was ihm weh tat. Er war Schmerz. Dann war es mit einem Mal vorbei, so schnell wie es begonnen hatte.
„Können Sie sich jetzt vorstellen, dass Sie mir die Kontrolle über Ihren Körper geben werden?“
Harry sagte nichts. Er verstand immer noch nicht, wie dieser Fluch funktionierte. „Wo sind Sie denn überhaupt? Also Ihr Körper.“
Lockhardt schnaubte. „Das lassen Sie meine Sorge sein, Harry. Jetzt, da ich diesen Zugang habe, kann ich mich um weitere Vorbereitungen kümmern. Schlafen Sie gut. Oder was auch immer.“
Harry wartete kurz ab, nachdem Lockhardt offenbar verschwunden war. Der weiße Nebel um ihn wurde dunkler. Nein! Er wollte wach bleiben – oder was auch immer er hier drin war! Er musste nachdenken! Er musste …
Draco wusste nicht, wann er zuletzt einen Heuler bekommen hatte, aber er wusste, dass keiner jemals eine derart schreckliche Nachricht enthalten hatte, wie der, den Miles ihm geschickt hatte.
Er war darauf gefasst gewesen, dass Miles wütend auf ihn war, weil er nach dem ersten Notruf nochmals klargestellt hatte, dass er krank war. Wie sollte er professionell arbeiten, wenn Potter hinter ihm stand! Das war ganz und gar undenkbar! Er hatte geglaubt, es wäre besser für alle Beteiligten, wenn ein Kollege den Fall übernehmen würde. Aber offenbar hatte er sich ganz schrecklich geirrt.
„Malfoy! Wenn Sie Ihren Hintern nicht umgehend ins St. Mungos verfrachten, werde ich Sie eigenhändig an den Ohren hierherziehen! Egal, welche Krankheit Sie zu haben glauben! Bestimmt können Sie sich im St. Mungos angemessen behandeln lassen, während Sie den Fluch von Potter nehmen!“
Der Fluch hatte Potter getroffen. Etwas in Draco wurde eiskalt. Potter, der Jim war, der so rücksichtsvoll und zärtlich zu ihm gewesen war, der immer auf ihn aufgepasst hatte und selbst in ihren letzten gemeinsamen Minuten alles getan hatte, damit Draco so schnell wie möglich gehen konnte.
Er beeilte sich, Miles Aufforderung zu folgen und stand zwanzig Minuten später mit Miles und Potters beiden Kolleginnen in einem großen Krankenzimmer, in dem Potter bewusstlos auf dem Bett lag. Äußerlich war er unverletzt, aber als Draco eben hereingekommen war, hatte er sich wie unter einem Cruciatusfluch verkrampft.
„Verdammte Scheiße!“ Draco hätte nie gedacht, aus Miles‘ Mund einen derartigen Fluch zu hören, aber es war wohl ein sicheres Zeichen, wie blank die Nerven aller Beteiligter lagen. Der Krampf dauerte ungefähr eine halbe Minute, dann erschlaffte Potters Körper wieder. Allerdings bewegten sich seine Augen hinter den geschlossenen Lidern und sein Kiefer wirkte angespannt. Draco zog den Zauberstab und sprach einen Diagnosezauber. Keine Frage. Potter war verflucht worden. Er fuhr sich übers Gesicht und wandte sich an die drei anderen.
„Es … es tut mir leid. Ich habe mich heute nicht gut gefühlt und war mir sicher, dass mein Kollege …“
Miles winkte ab. „Ist nicht Ihre Schuld. Aber was ist jetzt mit Potter?“
„Der Fluch ist in ihm.“
„Jaja! Das … das haben die Kolleginnen mir schon berichtet! Aber was kann man da tun?“
Draco schüttelte den Kopf. „Ich habe keine Ahnung. Ich muss das in Ruhe analysieren. Ich hatte noch nie mit so etwas zu tun!“
Er blickte in drei blanke Gesichter. Hatten sie wirklich geglaubt, er würde hier auftauchen und Potter von dem Fluch befreien können? Der Fluch hatte Potters Geist eingenommen. So viel konnte schief gehen!
„Können Sie mir bitte erzählen, was genau vorgefallen ist?“, bat er die Aurorinnen und Miriam Stone begann zu berichten.
„Es war ein Tor in einer Mauer. An sich schon sehr groß.“
Draco nickte. Vermutlich hätten sie zu zweit sein müssen, um den Fluch kontrolliert zu brechen.
„Mr. Miller hat uns angewiesen, das verwobene Schild herzustellen … Harry …“ jetzt schluchzte Miriam auf. „Harry hat ihn noch gefragt, ob wir nicht mehr Leute brauchen würden und eine zweite Reihe bilden sollten.“
Ja, das wäre das Mindeste gewesen. Draco biss sich auf die Lippen. Wegen seiner gekränkten Eitelkeit hatte der Fluch Potter getroffen. Und nicht nur wünschte er das nicht einmal Potter. Er hatte auch keine Ahnung, was die Person anstellen konnte, jetzt wo sie ganz offensichtlich Kontrolle über dessen Geist hatte. Er blickte wieder zu Potter, der jetzt völlig entspannt da lag. Der angespannte Zug war völlig verschwunden. Draco erhob sich und sprach nochmals einen Zauber.
„Interessant“, murmelte er.
„Was?“, hörte er dreistimmig.
„Ich konnte vorhin eine andere Präsenz wahrnehmen. Die ist jetzt verschwunden.“
„Was bedeutet das?“ Miles war ganz offensichtlich nicht erfreut, Draco alles aus der Nase zu ziehen, das spürte Draco. Aber er war sich ja selbst so unsicher. Er wandte sich zu den anderen. „Ich möchte klarstellen, dass ich selbst im Grunde nur spekuliere. Ich hatte noch nie mit so etwas zu tun. Flüche auf Lebewesen sind kompliziert. Flüche auf Menschen sind eine Katastrophe. Flüche auf magische Menschen …“ Er hob entschuldigend die Hände. „Ich kann nicht einmal sagen, ob es ein Vorteil oder ein Nachteil ist, dass Potter über so großes magisches Potential verfügt. Einzig eine Sache macht mir etwas Hoffnung.“
„Und die wäre?“
„Potter konnte den Imperiusfluch in der Schulzeit abwehren.“
„Das kann er immer noch“, sagte Melissa sofort.
"Ja, das dachte ich mir. Sie trainieren das ja regelmäßig.“ Er blickte wieder zu Potter. „Also, das ist meine Arbeitshypothese, bis ich eines Besseren belehrt werde: Jemand versucht, Potter zu manipulieren, ähnlich einem Imperiusfluch. Offenbar hat diese Person aber keine – oder noch keine – Gewalt über Potters Körper. Im Moment scheinen beide irgendwie in Potters Gedächtnis gefangen zu sein. Wobei diese Person offenbar in der Lage ist, Potter Schmerzen zu bereiten. Das macht mir etwas Sorgen. Vermutlich ist es gut, dass Potter bewusstlos ist. Denn sobald er aufwacht könnte es sein, dass wir es nicht mehr mit Potter zu tun haben. Es sollten also stets zwei Auroren bereitstehen, um mich im Zweifelsfall zu unterstützen. Auroren, die sich nicht scheuen, Potter auszuschalten.“
Miles ließ sich auf den Besucherstuhl fallen. „Merlin steh uns bei!“
Draco zuckte kurz zusammen. Auf Merlin konnte er gerade wirklich verzichten!
„Aufwachen! Wir sind ja nicht zum Vergnügen hier!“
Harry versuchte, sich zu orientieren. Er brauchte einige Momente, bis er sich an seine mehr als beschissene Situation erinnerte.
„Nun, ich habe ein bisschen recherchiert. War nicht allzu schwierig. Der Tagesprophet überschlägt sich ja geradezu, was die Meldungen über Ihren Zustand betrifft.“
„Und wie ist mein Zustand, wenn ich fragen darf?“, knurrte Harry.
„Nun, man hat Sie natürlich ins St. Mungos gebracht, Fluchschadenabteilung. Zu lustig, dass Sie jetzt da sind, wo ich die ganzen Jahre über war.“
„Ja, wirklich sehr amüsant. Und wie geht es jetzt weiter?“
„Nicht so ungeduldig junger Freund. Soweit ich weiß, werden Sie nicht nur von Heilern, sondern auch von einem Fluchbrecher behandelt. Mr. Malfoy, wenn ich es richtig weiß.“
Harry zuckte zusammen. Malfoy war bei ihm? Trotz allem, was zwischen ihnen gewesen war? Vielleicht hatte sein schlechtes Gewissen ihn dazu getrieben. Oder vielmehr Miles, der jetzt vermutlich mit gezogenem Zauberstab verlangte, er solle wieder gut machen, dass er nicht vor Ort gewesen war. Aber würde Malfoy das gelingen? Harry musste darauf hoffen und vielleicht versuchen, Kontakt mit ihm aufzunehmen. Irgendwie!
Der Schmerz, der ihn durchzuckte, traf ihn aus heiterem Himmel.
„Harry, Harry, Harry! Wenn ich hier bei Ihnen bin, kann ich nicht zulassen, dass Ihre Gedanken abschweifen. Ich verlange Ihre volle Aufmerksamkeit!“
Der Schmerz ließ nach.
„Gut, da wir uns in der Sache einig sind, werden wir jetzt etwas ausprobieren.“ Harry wartete ab, nichts passierte.
„Was probieren wir denn aus?“
„Verdammter Doxymist! Wieso geht das denn nicht? Wieso wachen Sie nicht auf?“
„Keine Ahnung. Weil Sie mir einen verdammt gefährlichen Fluch aufgehalst haben?“
„Halten Sie den Mund! Ich muss nachdenken!“
Harry schwieg. Er hatte keine Lust, erneut Opfer der schmerzvollen Behandlung zu werden. Und während er wartete, glaubte er die Präsenz einer anderen Magie zu spüren. Nicht innerhalb dieser …. Wattewelt, sondern irgendwo anders. Vielleicht an seinem Körper? Er versuchte, darauf zu reagieren, obwohl er keinerlei Kontrolle über irgendetwas hatte. Aber vielleicht spürte die Person – Harry bildete sich einfach mal ein, es wäre Malfoy – dass sich etwas veränderte. Einfach nur, weil Harry ihn bemerkt hatte.
„Was tun Sie denn?“
Harry zuckte zusammen. Konnte Lockhardt die Präsenz von Malfoy auch spüren?
„Ich habe keine Ahnung, was ich tue“, sagte Harry. „Ich versuche, irgendetwas zu fühlen. Aber das funktioniert nicht.“
„Das ist tatsächlich ein Problem, mit dem ich nicht gerechnet hatte“, gab Lockhardt zu. „Aber keine Sorge, Harry. Wir werden auch dieses Problem lösen.“
Und damit war er verschwunden, was Harry an dem dunkler werdenden Nebel bemerkte. Mit aller Macht versuchte er, Malfoy zu signalisieren, dass er da war! Dass er Hilfe brauchte! Dass er …
Draco hatte Potter genau beobachtet. Die Augenbewegungen hatten wieder eingesetzt und kurz darauf hatte Potter wieder gekrampft. Er hatte erneut einen Diagnosezauber gesprochen und dann glaubte er, etwas zu spüren. Etwas, das kein Zauber zeigen konnte und vielleicht niemand sonst spüren konnte. Aber Draco spürte es, weil er diesem Menschen, der hier lag, so nah gewesen war, wie niemandem sonst in seinem ganzen Leben. Er kannte Potters Magie – Jims Aura, wie er sie im Shadows genannt hatte - und sie griff nach Draco, versuchte, ihn zu erreichen. Ohne darüber nachzudenken, griff Draco nach Potters Hand und drückte sie. „Ich werde dich von diesem Monster befreien“, murmelte er und hoffte, dass er nicht zu viel versprach.
Draco erwachte mit einem steifen Nacken. Er war tatsächlich an Potters Bett eingeschlafen. Wie erbärmlich konnte man sein! Da hatte er sich geschworen, diesem Idioten nie wieder nahe zu kommen und jetzt schlief er, Potters Hand umklammert, an dessen Bett ein. Um Draco herum lagen Unterlagen, Notizen, Bücher … Nichts davon hatte ihn irgendwie weitergebracht.
Es klopfte an der Tür und Melissa steckte den Kopf herein. „Ich dachte, Sie wollen vielleicht mal einen Kaffee und eine Ablösung.“
„Kaffee ist prima“, erwiderte Draco und sprach einen schnellen Frischezauber auf sich. „Aber ich schlage vor, wir nennen uns beim Vornamen. Ich heiße Draco.“
„Melissa.“
Sie schwiegen eine Weile, beide Potter betrachtend. „Ich werde versuchen, eine Signatur des Fluches zu extrahieren“, sagte Draco nach einer Weile. „Nach dem Krieg wurden sehr viele verfluchte Gegenstände konfisziert und die Flüche ausgelesen. Jetzt, wo der Fluch quasi in Potter verkapselt ist, kann ich ihn vielleicht in Ruhe analysieren. Und ihr könntet mit dem Ergebnis versuchen, den Ursprung des Fluchs herauszufinden.“
Melissa nickte. „Das wäre gut, dann hätte ich wenigstens das Gefühl, Harry zu helfen.“
Draco verstand Melissa. Sie fühlte sich bestimmt mit schuldig für die Situation, in der ihr Kollege jetzt war. Dennoch war Draco sich sicher: Wenn einer der Auroren es schaffen konnte, sich dem Fluch zu widersetzen, dann war es Potter. Und – aber das würde er natürlich niemals zugeben – ihre besondere Verbindung konnte ihnen vielleicht auch einen Vorteil verschaffen.
„Okay, dann werde ich mal versuchen, etwas über diesen Fluch herauszufinden“, sagte Draco und stellte die Kaffeetasse ab. Er erhob sich und in dem Moment bemerkte er, dass Potters Augen sich unter den Lidern wieder bewegten. Das war eine gute Gelegenheit! Er beeilte sich und griff nach einem Pergament. Konzentriert führte er den Zauberstab über Potters Kopf, ganz eindeutig die fremde Präsenz spürend. Da Potter nicht wieder gefoltert wurde, nahm Draco das als Hinweis, dass dem Täter nicht auffiel, dass Draco Zugriff auf die Fluchsignatur nahm. Dankbar nahm er jede Information an, die er nur bekommen konnte, so lange die Person in Potters Geist war. Schließlich erschlafften Potters Gesichtszüge und die Präsenz war verschwunden.
Draco hielt seinen Zauberstab über das Pergament und – für ungeübte – unleserliche Zeichen reihten sich aneinander. Melisse beobachtete das alles stumm und erst, als Draco den Stab senkte, jauchzte sie: „Du hast es geschafft!“ Sie stellte mehrere Duplikate der Niederschrift her, beließ eine bei Draco und verschwand mit den anderen, um sich auf die Suche nach dem Fluch zu machen.
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Hallo ihr Lieben,
ich bin sehr gespannt, was ihr zu dieser Entwicklung sagt :)
Freut ihr euch, den lieben Gilderoy wieder zu treffen?
LG Luna