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Grüße von Daniel und Jim

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Grüße von Daniel und Jim

„Ich habe beschlossen, Sie zu besuchen, Harry“, frohlockte Lockhardt, als er das nächste Mal in Harrys Geist erschien. „Muss mal schauen, wie die Sicherheitsvorkehrungen so sind. Es wäre natürlich das Beste, ich würde Ihren Körper einfach mitnehmen können. Aber eins nach dem anderen.“

Harry schauderte. Lockhardts gute Laune zerrte an seinen Nerven, aber vor allem empfand er blanke Panik beim Gedanken daran, dass nicht nur sein Geist, sondern auch sein Körper in Lockhardts Gewalt war. Schlimm genug, dass er immer nur nachdenken konnte, wenn Lockhardt in seiner ihm ureigenen Arroganz bei ihm vorbeischaute. Mit einem Mal spürte Harry ein sehr unangenehmes Ziehen. Wie schon die ganze Zeit, seit er hier war, konnte er es ganz und gar nicht zuordnen. „Was tun Sie?“, fragte er alarmiert.

„Ich versuche hier einfach mal ein Stück weiter zu kommen. Sie sind aber auch so unkooperativ.“

Erneut spürte er das seltsame Gefühl. War es eben ein Ziehen gewesen, fühlte es sich jetzt eher wie ein Druck an. Er beschloss, Lockhardt machen zu lassen und den Kontakt zu Malfoy zu suchen. Konnte er ihm seine Angst vermitteln, dass Lockhardt sich seinen Körper holte? Wenn das geschah, dann würde vermutlich niemand mehr ihn retten können. Aber sollte das möglich sein? Lockhardt konnte schließlich nicht einfach ins St. Mungos spazieren und Harry entführen. Oder? Andererseits hatte er die gesamte magische Welt mit seinen Lügengeschichten hinters Licht geführt und seine kriminelle Energie schien seither noch gewachsen zu sein.

Lockhardt hatte den Versuch, weiter in Harrys Bewusstsein vorzudringen, offenbar aufgegeben, denn das Ziehen und Zerren hörte auf. Harry war sehr erleichtert dass er nicht wieder diesen Foltertrick anwendete. Es war schließlich nicht so, dass Harry Einfluss auf irgendetwas hatte, was hier drin geschah, aber er war mehr als dankbar, dass seine Erinnerungen noch ihm allein gehörten. Von all dem Wissen über Horkruxe und dergleichen abgesehen, ging es diesen Idioten definitiv nichts an, was er gerne mit anderen Männern – mit einem anderen Mann! – so trieb.

„Ach Harry, ich glaube, ich werde Sie für längere Zeit alleine lassen müssen. Aber keine Sorge. Ich lasse Sie nicht im Stich.“

So wenig Harry Lockhardts Anwesenheit gefiel - die Aussicht, über längere Zeit nicht mit Malfoy in Kontakt treten zu können, versetzte ihn in Panik. Diese hielt aber nicht lange an, denn die Dunkelheit übernahm wieder.

Zwei Wochen waren vergangen und Draco glaubte, bald den Verstand zu verlieren. Er war einige wenige Male zuhause gewesen, um sich zu duschen und umzuziehen. Ansonsten verbrachte er Tag und Nacht in diesem Zimmer. Was zunehmend zermürbend war, denn Potter lag Tag für Tag bewegungslos vor ihm. Was bedeutete das? Was machte der Täter? Draco wurde das Gefühl nicht los, dass sich etwas zusammenbraute. Gleichzeitig hasste er, dass er nicht mehr mit Potter in Kontakt treten konnte. Das letzte, das er gespürt hatte, war die nackte Panik gewesen und das beunruhigte ihn.

„Wir haben eine Spur!“ Miriam, mit der Draco inzwischen auch per Du war, wie mit dem gesamten restlichen Team, kam hereingestürmt und legte ein Pergament auf den Tisch. Draco warf einen Blick darauf. „Die Selwyns.“ Er überlegte kurz. „Ist nicht die letzte der Selwyns vor einem Jahr gestorben?“

„Richtig! Und jetzt sieh dir an, wen sie beerbt hat.“

„Gilderoy Lockhardt? Aber der ist doch selbst Insasse dieses Krankenhauses.“

„Nicht mehr. Er wurde vor zwei Jahren und zwei Monaten als geheilt entlassen. Eine Heilerin namens Gundula Nowhere hat die Entlassungspapiere unterzeichnet und als Entlass - Adresse wurde das Anwesen der Selwyns angegeben.“

„Wie kam denn das zustande?“, fragte Draco kopfschüttelnd.

„Das werden wir noch herausfinden, aber vermutlich steckt nicht viel mehr dahinter als eine alte einsame Frau, die die Bücher unseres Gilderoy schon immer ganz fabelhaft fand. Und da sie ohne Nachkommen war, hat sie ihre ganze Energie in das Projekt Lockhardt gesteckt.“

„Ist bekannt, wie sie gestorben ist?“

Miriam sah auf. „Meinst du, er hat sie umgebracht?“

Draco zeigte auf Potter. „Er hat einen Fluch auf Türen gelegt, um sich eines Menschen zu bedienen. Das ist nicht so weit von Mord entfernt.“

Miriam zuckte zusammen und Draco bereute seine Worte. Er wollte hier keine Schwarzmalerei betreiben, Potter lebte immerhin noch und mit Lockhardt als möglichem Täter hatten sie jetzt etwas, womit die Auroren arbeiten konnten. Dennoch gab es ein Problem. Selbst wenn sie Lockhardt fassten: wenn er sich nicht bereit erklärte, den Fluch zu lösen, würde Potter vielleicht nie wieder aufwachen. Er straffte die Schultern. Nein! Soweit würde er es nicht kommen lassen. „Kannst du vielleicht eine Stunde hierbleiben“, bat er Miriam. „Ich muss kurz ins Ministerium und mir ein paar wirklich üble Bücher ausleihen.“

Und so verbrachte Draco die nächsten Tage damit, einen Gegenzauber zu dem analysierten Fluch zu entwickeln. Er beschriftete Pergament um Pergament, verwarf seine Ansätze wieder, holte noch mehr Bücher, jedes voller noch mehr dunkler Magie. Aber er musste ganz tief in diese Materie eintauchen, um den Fluch komplett lösen zu können.

„Draco, du musst mal eine Pause machen“, sagte Melissa, als sie eines Morgens in der Tür stand.

„Nein, ich kann nicht.“ Er hob den Kopf. „Aber du kannst mir einen Gefallen tun.“

„Na klar.“

„Kennst du Cassy`s Candys?“

Melisse grinste. „Logisch. Der Laden ist für die eine oder andere Sonderrunde beim Training verantwortlich.“

Draco lächelte. „Gut. Kannst du mir dort einen großen Latte Macchiato und einen, nein zwei Schokoeclairs besorgen?“

„Das mache ich gerne.“

„Ach, und Melissa. Sag Cassy einen schönen Gruß von Daniel ...“ er blickte zum Bett. „und Jim.“

Melissa hob eine Augenbraue, sagte aber nichts mehr, und verschwand.

„Aufwachen, Schlafmütze! Na, Sie sind mir ja einer! Liegen hier nur faul rum und ich muss die ganze Arbeit machen.“

Harry stöhnte. „Was …?“

„Na, ich habe in den letzten zwei Wochen geschuftet wie ein Berserker.“

„Zwei Wochen?“

„Ja! Aber jetzt habe ich den Kniff raus.“

Mehr sagte Lockhardt nicht, aber Harry merkte sofort, was er meinte. Er spürte nicht mehr nur ein unklares Ziehen oder einen undefinierbaren Druck. Es war eher, als würde jemand ein Brecheisen an einer Tür ansetzen. Harry war in höchste Panik. Unter gar keinen Umständen durfte Lockhardt Zugriff auf sein Bewusstsein erhalten. Er versuchte, irgendwie gegen das widerliche Gefühl anzukämpfen und schien damit Erfolg zu haben.

„Machen Sie es mir doch nicht so schwer, Harry! Am Ende des Tages werde ich sowieso bekommen, was ich will.“

Der Schmerz wollte dieses Mal gar nicht aufhören. Welle um Welle erfasste Harry und wenn er ein Bewusstsein für das Atmen gehabt hätte, hätte er geglaubt, zu ersticken. Schließlich, nach einer sich endlos anfühlenden Zeit, ließ der Schmerz nach. Und unmittelbar begann Lockhardt erneut damit, Harrys Bewusstsein knacken zu wollen. Harry hielt erneut dagegen.

Es dauerte vier Runden, bis Lockhardt aufgab. Harry hatte keine Energie mehr, irgendetwas an Malfoy zu senden. Dieser hatte hoffentlich auch so mitbekommen, dass es dringend an der Zeit war, ihn hier heraus zu holen!

Draco stand völlig hilflos über dem sich wieder und wieder in Krämpfen aufbäumenden Körper. Der gerufene Heiler konnte auch nicht mehr tun, als dafür zu sorgen, dass Potters Atemwege frei blieben und er sich nicht die Zunge abbiss.

Das schlechte Gewissen machte Draco zu schaffen. Er hatte es sich eben mit zwei Eclairs und dem Kaffee gut gehen lassen, als er Potters Magie so deutlich gespürt hatte, als hätte der einen Zauberstab auf ihn gerichtet. Vielleicht, weil er seit zwei Wochen auf ein Zeichen wartete, aber vermutlich auch, weil die Verzweiflung und die Angst, die aus der Magie sprach, ihn mitten ins Herz trafen. Wütend hatte er den restlichen Kaffee und das halbe Eclair vom Tisch gewischt. Er war nicht zum Kaffeeklatsch hier! Er hatte zu tun!

Beinahe war Draco froh, dass Potter nach diesen Anfällen für die nächsten Tage ohne Bewusstsein blieb. Er mochte sich nicht vorstellen, wie schmerzhaft diese Episoden waren. Er war inzwischen immerhin ein gutes Stück weitergekommen und fragte sich insgeheim, warum es den Auroren noch nicht gelungen war, Lockhardt festzunehmen. Aber der hatte sich bestimmt gut versteckt. Die Frage war, wie er weiter vorgehen würde. Offenbar gelang es ihm nicht, die Kontrolle über Potters Geist vollständig zu übernehmen. Aber Potter war komplett ausgeschaltete, wenn Lockhardt sich nicht einklinkte. So oder so – wenn sie nicht wollten, dass Potter für hirntot erklärt wurde, dann musste er diesen Fluch lösen!

Und so vergingen weitere drei Tage. Tage in denen Draco nur das nötigste aß und trank. Eben so viel, dass sein Gehirn noch funktionierte. Er verließ das Zimmer nur für wenige Minuten, um sich frisch zu machen oder hin und wieder neue Kleider anzuziehen. Um so etwas Nebensächliches wie eine Rasur oder Haarpflege scherte er sich nicht mehr. Er hatte das sichere Gefühl, dass er handeln musste, bevor es Lockhardt irgendwie gelang Potter zu brechen. Nicht auszudenken, jemand mit Lockhardts Wahnsinn hätte Zugriff auf Potters Magie. Zum Glück nahm Miles die Sache auch ernst und nach wie vor saßen zwei Auroren rund um die Uhr vor der Tür – zum Schutz von und vor Potter, je nachdem, wie die Sache ausging.

Harry wollte das nicht mehr. Er wollte nicht mehr in dieser Nebelsuppe herum wabern, ohne wirkliche Sinne, ohne ein Bewusstsein für seinen Körper. Er hasste, dass er überhaupt nur mit Lockhardts Anwesenheit nachdenken konnte. Er hasste die Angst, die ihn inzwischen überfiel, kaum dass Lockhardt in sein Bewusstsein trat.

„Guten Tag, Harry.“

Lockhardts gute Laune ließ Harry aufhorchen.

„Ich liebe es, am Ende als Sieger aus einer Sache hervorzugehen. Das ist mein Naturell. Nur so war es mir möglich, all die Abenteuer zu Papier zu bringen, für die ich berühmt wurde.“

Harry sagte nichts.

„Und weil ich immer noch ein Meister in Sachen Gedankenmanipulation bin, habe ich eine Lösung für unser kleines Problem gefunden. Ich kann das nicht quasi mechanisch innerhalb Ihres Bewusstseins lösen. Nicht alleine. Ich brauche einen kleinen Schubser von außen. Und den werden Sie in den nächsten Minuten erhalten.“

Harry erstarrte vor Angst.

Draco hatte seine Aufzeichnungen mehrfach geprüft. Er war sich bereits gestern sicher gewesen, aber er hatte darüber geschlafen, etwas gegessen, sich sogar geduscht und rasiert. Er war sich sicher. Er hatte den Gegenfluch!

Eben wollte er nach draußen gehen, um einen der Auroren zu bitten, Miriam und Melissa zu rufen, als mehrere Dinge gleichzeitig geschahen. Zuerst verspürte er die bekannte Magie von Potter, die ihm erneut nichts als Panik sendete. Zur selben Zeit wurde die Tür aufgestoßen wurde, und der Heiler kam herein.

„Guten Morgen, Mr. Malfoy.“

Draco merkte sofort, dass etwas nicht in Ordnung war. Die mechanische Stimme des Mannes, der leere Blick! Er stellte sich ihm in den Weg. „Guten Morgen, Heiler Willings“, sagte er freundlich. „Was haben Sie denn da für ein Medikament?“

Der Fluch traf ihn unvorbereitet und er wurde zur Seite geschleudert. „Auroren!“, rief er, wobei seine Stimme etwas kläglich klang, hatte der Heiler ihn doch mit voller Wucht gegen die Wand geschleudert. Dennoch hatten die beiden Auroren wohl den Tumult wahrgenommen und standen nun mit gezogenen Zauberstäben in der Tür. Aber es war zu spät. Der Heiler hatte Potter bereits eine Flüssigkeit zwischen die halb offenen Lippen geträufelt.

Draco rappelte sich auf, während einer der Auroren den Imperius löste, der auf dem Heiler gelegen hatte. „Was haben Sie ihm gegeben?“, fragte Draco.

Der Heiler schüttelte den Kopf. Offenbar musste er erst mal wieder Herr seiner Sinne werden. Dann wurden seine Augen groß vor Entsetzen. Er kam aber nicht dazu, etwas zu sagen, denn in dem Moment schlug Potter die Augen auf. Draco erschauderte. Das war nicht Harry Potter, der sie da anblickte, soviel war sicher.

Harry fühlte nichts. Es war angenehm. „Mach die Augen auf“, sagte eine Stimme und er gehorchte, ohne zu wissen, was gehorchen war. Er stellte es einfach nicht in Frage. Waren das überhaupt seine Augen, die er da geöffnet hatte?

„Na, wen haben wir denn da?“, sagte die Stimme. „Mr. Malfoy und zwei Auroren. Schalte sie aus!“

Harry sah, dass ein blonder Zauberer seinen Zauberstab auf ihn gerichtet hatte. Er fixierte den Mann. Er würde ihn …

Er zögerte, als sein Blick auf die Lippen des Mannes fiel. „Harry …“, hörte er den Mann sagen. Es hörte sich seltsam an.

„Schalt. Ihn. Aus!“ Der Befehl war eindeutig. Aber jetzt sagte der Mann plötzlich etwas anderes. „Jim … ich bin es. Daniel. Erinnerst du dich?“

Daniel … Mit einem Mal wurde er von den unterschiedlichsten Gefühlen überwältigt. Waren das überhaupt seine Gefühle? Er wusste es nicht. Der Mann vor ihm … er war nicht Daniel … aber er kannte ihn … und er kannte Jim. Niemand kannte Daniel und Jim ….

Draco sah, wie es hinter Potters Iris flatterte. Er hatte den richtigen Punkt getroffen. Und jetzt musste er schnell sein. Wenn Potter Ernst machte, würde die ganze Station in Schutt und Asche liegen, soviel war klar. Er kannte den Gegenfluch inzwischen auswendig und begann, ihn leise murmelnd zu sprechen. Es war ein langer Fluch, er kostete Energie und Kraft und er durfte nicht unterbrochen werden. Draco schwitzte. So viel hing hiervon ab! Aber er löste keine Sekunde lang den Blickkontakt zu Potter. Zu Jim! Er würde das hier gut machen! Er würde Potter da raus holen, so wie er es versprochen hatte!

„Es ist irrelevant, was der Mann zu dir sagt! Eliminiere ihn. Eliminiere alle, die sich dir in den Weg stellen!“

Harry neigte den Kopf. Er hörte die Stimme in seinem Kopf und ein großer Teil von ihm wollte ihr gehorchen. Aber ein anderer Teil wusste, dass es in Wirklichkeit nicht das war, was er wollte. Er wollte … er wollte diesen Mann vor sich küssen. Machte das Sinn?

Er wollte eben aufstehen und auf ihn zugehen …

Draco sah, wie Potter aufstand. Er hoffte inständig, die Auroren würden jetzt nicht eingreifen, aber er konnte ihnen nicht sagen, dass sie sich zurückhalten sollten. Er war kurz davor! Nur noch ein paar Worte. Potter machte einen Schritt auf ihn zu und noch einen. Er war nur noch eine Armlänge entfernt, als Draco die letzte Silbe sprach und Potter in seinen Armen zusammenbrach.

„Was ist passiert?“, Miriam und Melissa kamen gleichzeitig in das Zimmer gerannt. Potter lag wieder auf seinem Bett und für Außenstehende musste es so wirken, als habe sich nichts verändert. Dabei hatte sich alles verändert! Der Fluch war gebrochen!

„Ich habe es geschafft“, murmelte Draco, der mit einem Mal sehr müde war. Der Heiler, der am Bett stand und Potter untersuchte, nickte zustimmend.

„In der Tat, Mr. Malfoy. Meinen höchsten Respekt! Sie haben den Fluch gelöst.“

„Warum ist Harry dann immer noch bewusstlos?“, fragte Miriam.

„Ich habe ihn in ein Heilkoma versetzt. Sein Gehirn braucht etwas Zeit, um sich zu erholen. Soweit der Diagnosezauber zeigt, hat er keine bleibenden Schäden, aber es sind beinahe vier Wochen vergangen, seit der Fluch ihn getroffen hat.“

Draco schauderte. Vier Wochen! Er war tatsächlich vier Wochen Tag und Nacht an Potters Seite gewesen und das, obwohl er sich geschworen hatte, dem Idioten nie mehr nahe zu kommen.

„Mr. Malfoy! Sie sind ein Genie!“ Miles hatte den Raum betreten. „Ich werde Sie für einen Orden vorschlagen! Niemand außer Ihnen hätte das geschafft.“

Draco widersprach nicht. Miles hatte recht – niemand anderes hätte das geschafft. Aber das lag nicht nur an seiner Expertise. Vor allem lag es an der nicht zu leugnenden Verbindung zwischen Potter und ihm. „Wenn Sie einverstanden sind, gehe ich jetzt erstmal nach Hause“, sagte er müde und stand auf.

„Natürlich! Erholen Sie sich! Wir wollen hoffen, dass auch Potter bald wieder auf den Beinen ist und dann können wir uns nochmal zusammensetzen und alles besprechen.“

Draco seufzte. Sich mit Potter zusammen zu setzen, konnte er sich gerade so gar nicht vorstellen, aber er hatte ja immerhin alles dafür getan, dass das überhaupt wieder möglich sein würde. Also nickte er. „Ja, melden Sie sich einfach bei mir, wenn es soweit ist.“

„Daniel! Was war nur los? Ich habe dich und Jim schon ewig nicht gesehen und das, nachdem ihr beide unabhängig voneinander nach dem anderen gefragt habt. Und dann kommt Melissa hier rein und sagt mir Grüße von euch beiden!“

Draco hatte es gerade so geschafft, ein großes Frühstück bei Cassy zu bestellen, als sie ihn schon mit ihren Fragen überfiel. Er hob beschwichtigend die Hände, um Cassys Redeschwall zu stoppen. „Es tut mir leid, Cassy. Ich war beruflich sehr eingespannt und Jim … er hatte einen Unfall.“

„Einen Unfall? Aber woher weißt du das? Ich dachte, ihr kennt euch nicht? Geht es ihm gut?“

Draco seufzte. Er war selbst schuld. Warum hatte er Melissa auch diesen Gruß von Jim und Daniel ausrichten lassen?

„Es geht ihm wieder gut. Tatsächlich war er mein Patient und wir haben uns dadurch kennengelernt.“ Das war nicht ganz gelogen und kam der Wahrheit, so wie man sie einem Muggel präsentieren konnte, am nächsten.

„Oh, da bin ich erleichtert. Aber das ist ja ein witziger Zufall, dass ihr euch jetzt doch noch kennengelernt habt. Auch wenn der Anlass nicht so schön ist.“ Cassy stellte den Latte Macchiato vor Draco ab und begann, das Frühstück vorzubereiten. Draco sah ihr zu und genoss den ruhigen Moment. Er hatte 36 Stunden geschlafen, wie er heute Morgen voller Verwunderung festgestellt hatte und war mit einem Bärenhunger aufgewacht. Da er keinerlei Vorräte mehr zuhause gehabt hatte, hatte er beschlossen, Cassy einen Besuch abzustatten und sich dabei ein Frühstück zu gönnen.

Nachdem Cassy ihrer Empörung und Verwunderung genügend Luft gemacht hatte, machte Draco sich über das üppige Frühstück her und genoss den Alltag in dem Café, der an ihm vorbei rauschte. Er dachte an nichts. Nicht an Jim, nicht an Potter, nicht an Flüche und wie man sie brechen konnte. Für diesen einen Moment schaffte er es, das alles auszublenden. Er würde sich früh genug wieder mit alldem befassen müssen. Soviel war sicher.

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Hallo ihr Lieben,

ich freue mich sehr, dass die Geschichte euch so gut gefällt.

Tatsächlich ist das das vorletzte Kapitel.

Danke für euren Support.

LG Luna