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Hinter den Mauern

Das Mädchen Hinter Den Mauern — www.fanfiktion.de · All chapters

Hinter den Mauern

Hey an alle die es hierhin verschlagen hat. Ich habe in der letzten Zeit wieder voll die Lust zum schreiben bekommen. Vor allem die liebe Zacia hat mich mit ihrer FF zu Levi doch ein wenig gecatcht. Danke Dafür :) Deshalb ist jetzt das hier entstanden. Ich hoffe euch gefällt meine Story. Ich schreibe noch nicht lange, deshalb verzeiht wenn es noch Fehler gibt. Ich freue mich über euer Feedback und wünsche euch nun viel Spaß mit Elara und Levi.

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POV Elara

Die ersten Morgenstrahlen der aufgehenden Sonne fielen durch das dichte Blattwerk meines nächtlichen Schlafplatzes. Hoch oben in den Baumkronen streckte ich mich und gähnte leise. Noch war es friedlich. Mein Blick schweifte über das ferne Land, das sich zu meinen Füßen erstreckte. Grüne Wiesen soweit das Auge reicht. Ein kleiner Flusslauf, der sich in der Nähe durch das Grün schlängelte und riesige Bäume, die in den Himmel ragen. Das war mein Zuhause.

Ein leichter Wind wehte durch meine langen braunen Haare. Kurz schloss ich die Augen und genoss den Moment des Friedens, bevor die richtige Welt dort draußen erwachte. Eine Welt, in der ich tagtäglich ums Überleben kämpfte.

Schnell verstaute ich meine beiden Messer in meinen Stiefeln, zog mir meinen Köcher mit Pfeil und Bogen über und blickte mich kurz um. Ich hatte nicht mehr viel Zeit, bis die Titanen wieder aus ihrem Schlaf erwachten. Zügig kletterte ich die Äste nach unten und behielt dabei stets meine Umgebung im Auge. Jede noch so kleine Bewegung könnte meinen Tod bedeuten, deshalb war ich stets vorsichtig.

Mit der Zeit lernte ich jedoch, in dieser rauen Welt zu überleben. Ich nahm meine beiden Messer in die Hand und stach sie tief in die Rinde des Baumes. Dann ließ ich mich hinunter gleiten. Ein paar Sekunden später landete ich unbeschadet auf dem Waldboden. Schnell steckte ich meine Messer zurück an ihren Platz und rannte sofort los zur Wiese. Zu Fuß war ich so gut wie tot. Doch zu Pferd hatte ich eine Chance.

Ich pfiff einmal. Es dauerte keine zehn Sekunden, bis ein lackschwarzer Friese auf mich zu galoppierte und kurz vor mir zum Halten kam. “Guten Morgen, Nattfari, bereit für einen weiteren Tag.” sprach ich das Pferd an, legte ihm liebevoll meine Hand an den Hals. Nattfari brummelte mich zur Begrüßung kurz an, bevor ich mich mit einem Satz auf seinen Rücken schwang. Das warme Fell des stattlichen Rappen schmiegte sich direkt an meine Beine, während er sich kraftvoll in Bewegung setzte.

Mein Blick glitt von Nattfari in den Himmel. Über uns kreiste ein schwarzer Rabe, krächzte und flog dann Richtung Süden davon. Ein kurzes Lächeln huschte über meine Lippen. Nox hatte bereits den Weg markiert. Nattfari verstand sofort und bewegte sich gemütlich in die Richtung, in der der Rabe flog.

Durch die Hilfe des Rabens, der die Titanen bereits aus großer Entfernung sehen konnte, blieben wir meist von einer Begegnung verschont. Nur sehr selten kamen wir in einen direkten Konflikt mit ihnen. Wir waren stets in Bewegung und rasteten nur nachts, wenn die Titanen schliefen.

POV Levi

Der Wind roch leicht nach Regen. Ich zog die Zügel etwas kürzer und ließ den Blick über die Ebene wandern. Vor uns lag nichts als hohes Gras, vereinzelte Baumgruppen und die endlose Weite, die sich zwischen den Hügeln verlor. Hinter uns in einer großen Entfernung standen die Mauern. Sicher. Zumindest so sicher, wie etwas in dieser Welt sein könnte.

“Abstand halten, Formation!"

Ich musste Erwin nicht einmal ansehen, um zu wissen, dass der Befehl von ihm kam. Die Formation zog sich auseinander. Pferdehufe schlugen auf den trockenen Boden, während die Mitglieder des Aufklärungstruppes ihre Positionen einnahmen. Ich hasste diese Momente. Nicht wegen der Titanen. Wegen der Stille davor. Ein Titan kündigte sich selten an. Kein Trommeln, kein Brüllen. Manchmal waren es nur leise Schritte. Ein dumpfes Geräusch in der Ferne. Dann noch eines. Und plötzlich war er da. Ich hob den Kopf. Ein Vogel flog über uns hinweg. Ein schwarzer Rabe. Er kreiste einmal über der Formation und verschwand anschließend zwischen den Wolken.

“Seltsam”, murmelte Hanji hinter mir.

Ich sah kurz zu ihr.

“Was?”

“Der Rabe.”

“Ist ein Vogel.”

Hanji verzog leicht das Gesicht. “Ich meinte nur…”

“Dann behalt es für dich.”

Sie schwieg. Gut. Ich richtete meine Aufmerksamkeit wieder nach vorne. Dann blieb mein Pferd abrupt stehen. Die anderen Tiere reagierten sofort. Innerhalb weniger Sekunden kam die gesamte vordere Reihe zum Stillstand. Ich sprang aus dem Sattel. Vor uns lagen Fußspuren. Groß. Zu groß für einen Menschen. Ich ging in die Hocke und strich mit zwei Fingern über den Boden. Frisch.

“Titan”, murmelte ich kühl.

Sofort veränderte sich die Stimmung. Ich stand auf und sah zu Hanji, die neben mir auf ihrem Pferd saß.

“Wie groß?"

“Schwer zu sagen mindestens zehn Meter.”

Erwin war inzwischen ebenfalls neben uns angekommen. Ich sah zurück auf die Spur. Sie führte direkt nach Westen. Genau dorthin, wo die Formation weiterziehen musste. Mein Blick suchte die Ebene nach verdächtigen Bewegungen ab.

“Levi.” Erwins Stimme saß mir im Rücken.

Ich griff nach meinem 3D-Apparat. Das vertraute Gewicht der Klingen in meinen Händen beruhigte mich mehr als jedes Wort.

“Formation halten.”

Dann stieß ich mich vom Boden ab. Der erste Haken schoss in einen Baum. Gas. Ich wurde nach vorne gerissen. Der Boden verschwand unter mir. Für einen Moment gab es nur den Wind und mich. Dann sah ich ihn. Der Titan stand einige hundert Meter entfernt zwischen den Bäumen. Zehn Meter. Dünne Arme. Ein ungewöhnlich langer Hals. Das Gesicht fast leer. Aber er bewegte sich nicht. Ich verlangsamte. Etwas stimmte nicht.

Ein Titan, der mich bemerkte, hätte längst reagiert. Ich zog eine Klinge und flog näher heran. Kurz bevor ich den Titanen erreicht hatte, drehte er den Kopf. Zu schnell. Ich schoss nach oben. Eine Hand raste durch die Stelle, an der er gerade noch gewesen war. Scheiße. Ich setzte einen Haken in den Nackenbereich des Titans und zog mich herum. Die Klinge schnitt durch das Fleisch. Doch der Titan fiel nicht. Ich landete auf einem Ast und sah, dass sich die Wunde bereits wieder schloss. Schneller als gewöhnlich. Interessant.

Hinter mir ertönte ein Schrei. Sofort drehte ich mich um. Ein zweiter Titan war zwischen den Bäumen aufgetaucht. Dann ein dritter. Meine Augen verengten sich. Erwin hatte die Situation ebenfalls erkannt.

“Levi!”

“Ich sehe es!”

Dann sprang ich. Ein Haken. Ein weiterer. Gas. Ich raste zwischen den Bäumen hindurch, schnitt dem ersten Titanen die Augen weg und drehte mich im Flug um. Der zweite Titan griff vergebens nach mir. Ich schoss unter ihm hindurch direkt auf den Nacken des ersten Titans. Zwei Klingen. Ein Schnitt. Der Titan begann zu zerfallen. Die anderen beiden Titanen hatten das Interesse bereits an mir verloren und gingen nun auf die Einheit los. Ich landete zurück im Baum. Noch bevor ich mich ganz aufrichten konnte, hörte ich Erwins Stimme.

"Zurück!"

Sofort zog sich der Aufklärungstrupp ein Stück zurück, die beiden Titanen folgten ihnen. Ich blieb im Baum sitzen und machte mich bereit, wieder loszustürmen sobald sich eine Gelegenheit ergab. Über uns kreiste wieder der schwarze Rabe und krächzte auffällig Laut. Ich sah ihm kurz nach. Ein ungutes Gefühl breitete sich in meinem Magen aus.

POV Elara

Nox kreiste unruhig über mir. So hatte ich diesen Vogel noch nie erlebt. Er krächzte ununterbrochen und zog mich in eine bestimmte Richtung, in der er schon mehrfach verschwunden war. Langsam wurde ich nervös. Sind es Titanen? Aber dann würde Nox mich nicht in ihre Richtung ziehen. Merkwürdig.

Er hat aufjedenfall etwas gefunden, das seine Aufmerksamkeit geweckt hat. Je näher wir auf das unbekannte Ziel zu ritten, desto nervöser wurde ich. Plötzlich krächzte Nox. Jetzt musste ich aufpassen. Ich verlangsamte Nattfari und ritt über einen kleinen Hügel, der die Sicht auf das dahinterliegende Tal langsam frei gab.

Das erste, das mir in den Blick fiel, waren mehrere Titanen in Aufruhr. Dann fiel mein Blick auf mehrere Pferde, die die Titanen umzingelten. Und auf diesen Pferden saßen tatsächlich Menschen. Lebendige Menschen. Mein Herz machte einen Sprung. Nach all den Monaten, hatte ich tatsächlich andere Überlebende gefunden. Die Menschen kämpften unten mit zwei Titanen. Sie nutzten irgendwelche komischen Apparate, die sie in der Luft hielten. Praktischer als mein Pfeil und Bogen.

Ich musste unweigerlich schmunzeln. Ein Mann auf einem weißen Pferd stach besonders heraus. Er war offensichtlich der Anführer dieser Truppe. Hielt sich bewusst zurück, um die Situation zu überblicken, rief seinen Kameraden hin und wieder Befehle zu. Langsam und stets auf der Hut näherte ich mich der Truppe durch ein kleines Waldstück. Ich wollte nicht auffallen, wollte weiter beobachten.

POV Levi

Ich saß weiterhin im Baum, hatte bereits die nächsten Titanen im Blick, die über eine Erhöhung rechts von mir durch den Wald kamen. Die anderen beiden Titanen sollte die Truppe locker erledigen, sonst bringe ich sie nachher eigenständig um.

Langsam kamen die zwei Titanen näher heran. Mein Griff um die Klingen verstärkte sich, dann sprang ich ab. Mein Haken verankerte sich in einem nahen Baum. Gas. Ein weiterer Haken. Ohne mit der Wimper zu zucken, erreichte ich die beiden Titanen, stieß mich an einem Baum ab und raste direkt in den Nacken des ersten. Ein präziser Schnitt, eine schnelle Drehung. Gas. Ein weiterer Haken im anderen Titanen und schon drehte ich mich in der Luft auf den zweiten zu. Ich schoss über seinen Arm, schlitzte mit der Klinge seine Haut entlang. Dann verankerte ich meinen Haken in den Nacken des zweiten, zog mich heran und schnitt mit beiden Klingen ein X hinein.

Der Titan unter mir gab nach, fiel auf die Knie und zerfiel. Der zweite lag bereits am Boden und zerfiel. Zu einfach. Ein kurzes Zucken huschte über meine Mundwinkel, ehe ich mich mit einem kräftigen Sprung vom Boden ab stieß und abermals auf einem nahen Baum landete. Ein kurzer Blick auf den Trupp in meiner Nähe reichte, um mir ein leises Knurren zu entlocken. Unfähiges Pack. Könnt nicht mal zwei Titanen töten. Der Aufklärungstrupp, unweit von mir entfernt, war in pures Chaos gefallen. Was für Nichtsnutze. Meine Stimmung war am Boden. Das wird noch ein ernstes Nachspiel geben, wenn wir zurück sind.

POV Elara

Ich beobachtete weiterhin den Kampf. Chaos lag in der Luft. Verzweifelte Rufe kamen von einzelnen Mitgliedern. Ich wollte mich nicht einmischen. Wollte den Kampf nicht stören. Plötzlich riss einer der Titanen einen jungen Mann vom Pferd. Der Mann rutschte einige Meter durch das Gras, bevor er liegen blieb. Er richtete sich schnell auf, versuchte verzweifelt, an seinem komischen Apparat irgendetwas zu machen. Seine Angst konnte ich bis hier spüren.

Als der Titan ihn ansah und lächelte, wich der junge Mann instinktiv zurück. Er war verletzt. Blut tropfte aus einem seiner Beine. Sein Pferd ebenfalls verletzt. Er hatte keine Chance. Der Titan kam mit schnellen Schritten auf ihn zu. Ich muss eingreifen, sonst stirbt er. Sofort galoppierte ich los. In wenigen Augenblicken war ich bei dem jungen Mann, stellte Nattfari und mich zwischen ihn.

“Bleib hinter mir!” schrie ich ihn an.

“Aber…”

“Hinter mir.”

Meine Stimme ließ keinen Widerspruch zu. Ich legte langsam einen Pfeil auf die Sehne und zog sie zurück. Der Titan erschien in meinem Blickfeld. Etwa acht Meter groß. Nackt, deformiert und mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Mein Atem entwich langsam. Konzentration. Nicht auf die Augen. Das wäre zu riskant. Der Nacken, zu weit entfernt. Ich brauchte einen Moment. Der Titan machte einen weiteren Schritt. Dann blieb er stehen. Sein Kopf senkte sich. Sein Arm kam ausgestreckt auf uns zu.

Ich spannte meinen Bogen, zielte und schoss auf sein Knie. Die Sehne schnellte los. Der Pfeil bohrte sich tief in das Gelenk. Der Titan knickte ein. Sein Oberkörper stürzte nach vorne. Ich sprang vom Pferd, landete auf der Schulter des Titans. Er brüllte. Seine Hand griff nach mir. Sofort duckte ich mich weg, spannte erneut einen Pfeil und zielte direkt in seinen Nacken. Der Pfeil bohrte sich tief in das Fleisch des Titans. Er sackte zusammen und zerfiel zu Staub. Ich sprang von seinem leblosen Körper und rollte mich über den Boden ab. Dann sah ich den jungen Mann an.

“Kannst du aufstehen”

Ein Nicken. Ich hielt ihm meine Hand hin und zog ihn in den Stand. Sein Blick lag fragend auf mir.

“Danke” brach seine Stimme.

Ich schenkte ihm ein kurzes Lächeln, bevor ich hinter mir einen verdächtigen Windhauch vernahm. Sofort zog ich einen Pfeil, spannte die Sehne und drehte mich in weniger als einem Hauch zu dem Geräusch um. Vor mir stand ein mürrisch aussehender Mann. Sein grüner Umhang wehte im Wind. Seine Haare fielen ihm leicht ins Gesicht. Sein Blick war starr auf mich gerichtet.

“Runter mit dem Bogen”

Seine Stimme klang mürrisch. Seine grauen Augen fixierten mich. Er verströmte eine unheimlich starke Ausstrahlung. Langsam ließ ich den Bogen sinken. Sein Blick ließ mich nicht aus den Augen.

“Springer”, sprach er den jungen Mann an.

Dieser salutierte direkt vor ihm "Hauptgefreiter".

“Geh mir aus den Augen, sofort!”. Der junge Mann namens Springer? zuckte kurz, bevor er sofort Richtung der anderen Menschen verschwand. Mittlerweile war auch der andere Titan zu Fall gebracht worden. Der Hauptgefreite sah mich weiterhin skeptisch an. Seine Augen verrieten keine einzige seiner Gedanken. Und dann..

“Levi!”

Er drehte den Kopf. Der Mann auf dem weißen Pferd  zeigte nach hinten. Zwei Titanen. Sie waren zwischen den Bäumen aufgetaucht. Viel zu nah. Der erste war ungefähr sieben Meter groß. Der zweite etwas größer. Und beide kamen direkt auf uns  zu.

“Verdammt”, murmelte Levi.

“Alle zurück! Nicht stehen bleiben!” kam es erneut von dem Mann auf dem weißen Pferd.

Die Soldaten trieben ihre Pferde an. Die Titanen kamen näher. Ich zog mich geschickt auf Nattfaris Rücken, zog einen Pfeil aus meinem Köcher und sah zu dem Mann namens Levi herunter. Levi sah mich an.

“Was machst du?” kam schnippisch von ihm.

“Dir den Rücken freihalten.”

“Dann verfehl nicht.”

“Mach ich nie.”

Ein kurzes Grinsen huschte über meine Mundwinkel. Dann spannte ich meinen Bogen. Der kleinere Titan kam näher, holte aus. Mein Pfeil schoss los. Direkt ins Auge. Der Titan taumelte. Levi war bereits unterwegs. Sein Haken schoss nach oben. Gas. Er flog zwischen den Bäumen hindurch, zog eine Klinge und raste auf den Titanen zu. Der Titan versuchte, nach ihm zu greifen. Zu langsam. Levi schnitt ihm das Handgelenk durch. Drehte sich. Zweiter Schnitt. Beide Achillessehnen. Der Titan stürzte. Levi schoss nach oben. Eine Drehung. Ein sauberer Schnitt durch den Nacken. Der Körper begann zu dampfen. Hinter ihm brüllte der zweite Titan. Ich hatte inzwischen den nächsten Pfeil eingelegt. Der Titan stürmte los. Levi sah es sofort.

“Runter!”

Ich duckte mich. Levi schoss über mich hinweg. Seine Klinge schnitt durch die Finger des Titans, welcher sofort lautstark brüllte. Dann landete er auf einem Ast. Instinktiv schoss ich erneut auf die Augen des Titans. Treffer. Der Titan griff blind um sich. Levi zog sich mit einem Haken um den Baum herum und raste nach vorne. Sein Körper drehte sich in der Luft. Eine Klinge. Dann die zweite. Ein Schnitt. Direkt in den Nacken. Der riesige Körper kippte nach vorne und krachte zwischen die Bäume. Levi landete auf dem Boden. Stille. Nur das Zischen des verdampfenden Körpers war noch zu hören. Ich senkte langsam meinen Bogen und sah zu Levi rüber. Er war schnell und wahnsinnig stark, das musst ich ihm lassen.

“Das war knapp.” entfuhr es mir.

“Nein.”

Ich sah ihn fragend an. Er blickte zu den beiden dampfenden Titanenkörpern.

“Alles geplant.”

Ich hob eine Augenbraue.

“Natürlich.”

Levi blickte mich von der Seite aus  an “tss, was du nicht sagst” Dann drehte er mir den Rücken zu und stapfte Richtung der Waldgrenze.

“Arrogantes Arschloch.” kam mir etwas zu laut über die Lippen.

“Das hab ich gehört” knurrte er. Kurze Stille. Dann erklangen aus der Ferne erneut Titanenschritte. Levi blieb kurz stehen, sah mich über seine Schulter hinweg ernst an und lief dann ohne weiteren Kommentar davon.

POV Levi

Schnellen Schrittes lief ich aus dem Waldstück. Nur um direkt in das nächste Chaos zu stürzen. Connies Pferd war verwundet und konnte kaum selbst gehen. Connie selbst stand inmitten einer offenen Fläche, die anderen Mitglieder des Aufklärungstruppes hatten sich mittlerweile ein gutes Stück zurückgezogen. Was zum… dachte ich. Connies Blick ging auf mich. Unmerklich zuckte er. Meine Laune war im Keller und meine Emotionen eiskalt.

“Springer!” schrie ich. Er zuckte.

“Auf mein Pferd und weg hier, sonst verfüttere ich dich an die Titanen"

Ja, meine Stimmung war mies. Sehr mies. Mussten diese Idioten von Soldaten echt so inkompetent sein, dass man ihnen alles aus dem Arsch ziehen muss. Connie nickte nur und humpelte auf mein Pferd zu. Schnell stieg er auf und ritt den anderen hinterher. Verdammte scheiße alles muss man hier selber machen. Meine Gedanken malten sich schon die Ansage aus, die meine Truppe später von mir zu hören bekam.

Doch vorher musste ich lebend aus dem Gebiet entkommen. Naja lebend komme ich hier sicher raus, die Frage ist nur wie lange brauche ich zu Fuß und wie viele Titanen töte ich auf dem Weg.

Doch bevor ich diese Frage beantworten konnte, erschien neben mir wieder diese mysteriöse Frau, die einfach aus dem Nichts aufgetaucht war und Connie gerettet hat. Eigentlich war es mir egal, wer sie war. Doch meine Neugier, was sie hier draußen zu suchen hatte, überragte den Drang, sie zu ignorieren und einfach weiter zu gehen. Also blieb ich stehen, sah sie mit einem kalten Blick an und wartete auf eine Reaktion.

POV Elara

Ich ritt auf den Hauptgefreiten zu. Wollte er gerade wirklich laufen. Im Titanengebiet. War er denn so lebensmüde? Ja er war stark, dass hatte ich gerade selber gesehen, aber so dumm und naiv konnte doch selbst er nicht sein oder? Widerwillig hatte ich mich dazu entschlossen, ihm zu helfen. Nattfari blieb rund einen Meter vor ihm stehen.

Levis Blick lag durchdringend auf mir. Ich konnte keinerlei Regung in seiner gesamten Ausstrahlung wahrnehmen. Er verschränkte die Arme vor der Brust und sah mich mit seinen grauen Augen direkt an. Was war nur falsch mit dem? Musste ich unweigerlich denken. Ich streckte dem Hauptgefreiten meine Hand entgegen, doch er zuckte nur kurz mit der rechten Augenbraue.

“Na los, jetzt spring schon drauf, oder willst du echt laufen?” fragte ich ihn.

Als Antwort erhielt ich ein kurzes Murren, ehe er tatsächlich auf mich zu kam. Meine ausgestreckte Hand ignorierte er komplett. Mit einem gekonnten Satz saß er auch schon hinter mir auf Nattfari.

"Geht doch" murmelte ich.

Alles, was ich noch von ihm hörte, war ein leises “pff”. Da hat aber jemand richtig gute Laune. Kopfschüttelnd trieb ich Nattfari in die Richtung, in der auch seine Truppe unterwegs war. Hinter uns waren schon die nächsten Titanen auf dem Weg in unsere Richtung, doch wir konnten sie zum Glück bald weit hinter uns lassen. Nach ein paar Minuten erreichten wir die Gruppe, zu der dieser mürrische Kerl hinter mir gehörte. Ich hatte mir zwar gedacht, dass ich komisch angeschaut werde, doch die Blicke der anderen waren erstaunt, erschreckt und neugierig.

Der Mann auf dem weißen Pferd ritt als erster zu uns herüber. Kurz darauf musterte er mich, bevor er sich an den Mann hinter mir wandte.

“Wir ziehen uns zurück”. Levi antwortete nicht. Ich konnte mir gut vorstellen, dass er nur düster herein blickte und die Augen verdrehte.

Langsam ließen wir den Wald hinter uns, doch niemand aus der Gruppe wagte es, langsamer zu werden. Staub hing zwischen den Bäumen, vermischt mit dem metallischen Geruch von Blut und dem scharfen Rauch, der noch immer aus dem Gebiet hinter uns aufstieg. Die Pferde schnaubten erschöpft, ihre Hufe schlugen einen gleichmäßigen Rhythmus in den weichen Boden.

“Halt dich gerade”, sagte der Mann hinter mir trocken.

Ich warf ihm über die Schulter einen irritierten Blick zu. “Ich sitze gerade.”

“Dann hör auf, dich so viel zu bewegen, sonst landen wir gleich beide im Dreck.“

“Vielleicht liegt das daran, dass du hinter mir sitzt.” gab ich genervt von mir.

Wie kann der sich denn so aufspielen? Ist der Kerl noch nie ohne Sattel auf einem Pferd geritten? Da kann man halt nicht stocksteif sitzen.

Levi atmete hinter mir merklich genervt aus. Einige Soldaten warfen daraufhin heimliche Blicke zurück. Es war schließlich ein ungewöhnlicher Anblick: Levi, der normalerweise niemanden so nah an sich heranließ, saß schweigend hinter einer Frau, die er nicht kannte.

Plötzlich rutschte Nattfari einige Schritte über die ausgetretene Erde der vorherigen Pferde, konnte sich allerdings gerade noch fangen. Für eine Sekunde verlor ich mein Gleichgewicht. Levis Arm schoss sofort um meine Taille und hielt mich fest. Ich spürte seinen Griff und wurde augenblicklich still.

“Ich hatte dich”, murmelte er trocken.

“Das habe ich bemerkt.” entkam es mir etwas zu launisch.

Er ließ mich wieder los, sobald Nattfari wieder einen besseren Grund unter den Hufen hatte.

“Dann pass besser auf.”

Ich atmete leise aus. “Du bist erstaunlich freundlich auf einmal.”

“Das war keine Freundlichkeit.”

“Was dann?”

“Wenn du vom Pferd fällst, müssen wir anhalten.”

Ich lachte kurz auf. “Wenn das dein einziges Problem ist.”

Levi antwortete nicht mehr. Doch als der Weg erneut uneben wurde, legte er seine Hand etwas näher an meine Seite, das konnte ich spüren.