Zurück hinter den Mauern
Zurück hinter den Mauern
Hallöchen da bin ich wieder mit einem neuen Kapitel und dem Start in die erste Mission. Was dort wohl alles passieren wird. Ich glaube im Kampf um Leben und Tod ist alles möglich, aber lest selbst. Ich wünsche euch viel Spaß und habt ein schönes und erholsames Wochenende :D
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Pov Elara
Schweigend ritten wir nun schon eine ganze Weile in Richtung Mauer. Connie, Sasha und Jean waren abwesend und ritten ganz hinten. Sie dachten augenscheinlich nach. Levi hingegen war das komplette Gegenteil. Er ritt vorne an der Spitze kurz vor Hanji und war klar, fokussiert und komplett bei der Sache. Hanji hingegen dümpelte mit ihren Augen und Ohren überall in der Gegend herum, hatte sichtlich gute Laune und freute sich schon euphorisch darauf, wieder Titanen zu sehen. Sie hatte mir schon gebeichtet, dass sie gerne einen als Haustier für ihre Forschungen mitnehmen wollen würde, aber Levi ihr sowas von einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte.
Ich selber war ebenfalls in Gedanken gehüllt. Es war das erste Mal seit Wochen, dass ich mich zurück in das Gebiet begab. Angst hatte ich keine, nur Respekt und Ehrfurcht vor der Wahrheit, sollten wir etwas über meine Vergangenheit herausfinden. Ich wusste selber noch nicht, wie ich reagieren würde, sollten wir wirklich etwas herausfinden. Hatte ich dort Freunde oder Bekannte, die dachten, ich wäre schon längst gestorben? Ich wusste es nicht. Allein der Fakt, dass sowohl meine Mutter als auch mein Bruder tot waren, war mir gewiss. Nattfari riss mich aus meinen Gedanken, als er das Pferd neben uns leicht anbrummelte und dann genervt die Ohren anlegte. Jetzt erst bemerkte ich Levi, der schweigend neben mir ritt. Sein Blick strickt nach vorne gerichtet. Seine Haltung streng, klar und makellos. Und seine Ausstrahlung gefährlich lodernd. Ich musterte ihn mit hochgezogener Augenbraue. Egal was er wollte, es konnte nicht gut sein.
“Egal was hinter den Mauern passiert, du fast dein 3D Manöver nicht an.”
Ich blinzelte geschockt. Sein Blick immer noch weit nach vorne gerichtet.
“Bitte was? Das kann nicht dein Ernst sein.”
“Du hast mich schon verstanden.”
“Ich soll einfach nichts tun?”
“Ja”
Immernoch geschockt starrte ich ihn an. Mir blieb fast der Mund offen stehen, so dreist war seine Forderung. Ich sollte also einfach so tun, als würden wir nicht angegriffen werden und zusehen, wie mich ein Titan frass. Toller Plan Levi. Verdammt gut.
“Du bist nicht sicher genug im Umgang mit dem Manöver und würdest entweder gefressen werden oder mir nur im Weg stehen.”
Ich verzog das Gesicht. Das konnte doch bei bestem Willen nicht sein Ernst sein. Doch das war er, denn er fuhr mit seiner Forderung nonchalant fort.
“Du bleibst zu jeder Sekunde bei deinem Pferd. Du ziehst das Gerät nur, wenn es nicht anders geht.”
“Und wenn jemand Hilfe braucht?”
“Dann rufst du:”
“Und was ist, wenn keiner reagiert?”
“Dann rufst du nochmal.”
Ich schüttelte unverständlich den Kopf.
“Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass ich einfach nur Däumchen drehend daneben stehe."
Jetzt sah mich Levi endlich direkt an. Sein Blick war eiskalt und mit einer Schärfe unterlegt, die jedem anderen eine Gänsehaut verpasste. Doch nicht mit mir.
“Doch.”
“Das kannst du sowas von vergessen.”
“Elara”
“Levi”
Wir starrten uns verbittert an. Keiner gab nach. Nur das Klappern der Hufe drang zu mir hindurch. Nach einigen Sekunden Stille ergriff ich erneut das Wort und fauchte ihn an.
“Du kannst mir gar nichts verbieten.”
“Doch.”
“Wieso?” wollte ich wissen. Levi schwieg einen Moment, dann sagte er etwas gefasster
“Ich habe keine Lust dich unter einem Titanen her zu kratzen, nur weil du das Gleichgewicht nicht halten konntest.”
Ich funkelte ihn böse an. Insgeheim wusste ich ja, dass ich im Kampf noch nicht bereit war, mit diesem Ding gegen einen Titanen zu kämpfen. Schließlich konnte ich gerade einmal geradeaus fliegen, ohne zu sterben, und mein Handgelenk tat immer noch unter Druck weh. Ich wollte ihm aber nicht Recht geben, die Blöße zeigte ich Levi nicht. Also schwieg ich. Levi ergriff erneut das Wort, wahrscheinlich wusste er genauso wie ich, dass Diskutieren keinen Sinn machte.
“Bring dich einfach nicht um. Nicht für diese Mission. Nicht für irgendwen und schon gar nicht, um mir irgendetwas zu beweisen.”
Ich schwieg und ließ die Worte in meinen Kopf fließen. Levi wandte den Blick unterdessen wieder nach vorne und ritt wieder an die Spitze. Wir waren fast am Ziel. Wir hatten die kleine Stadt, in der das Tor nach draußen lag, fast erreicht. Alle möglichen Gedanken schwirrten durch meinen Kopf. Doch ein Gedanke hatte sich fest verankert. Wenn es wirklich gefährlich wurde, würde ich mich wahrscheinlich nicht an seine Anweisung halten. Und Levi wusste das vermutlich genauso gut wie ich.
Pov Levi
Ich war konzentriert. Der Weg durch die Stadt war ruhig verlaufen. Keine Menschen auf der Straße, die jubelnd und mit leuchtenden Augen den Aufklärungstrupp verabschiedeten und hofften, dass diesmal etwas Gutes passierte. Nur fragende Blicke, die nicht wussten, warum wir hier in einer kleinen Aufstellung Richtung Haupttor ritten. Ich würdigte den Menschen keines Blickes. Auch mein Trupp bekam keinerlei Aufmerksamkeit oder Regung zu spüren. Sie sollten sich fokussieren, genau wie ich es tat. Immernoch schwirrten mir Gedanken über den möglichen Angreifer im Kopf herum. Noch immer hatte ich keinen Anhaltspunkt, wer es sein könnte. Es war zum verrückt werden. Alles, was Elara betraf, war zum verrückt werden. Sie sollte bloß auf Abstand gehen und vielleicht ganz vielleicht befolgte sie sogar meine Befehle. Auch wenn ich das schon als sehr hochgesteckte Ambitionen sah.
Wir erreichten das Haupttor, welches sich nun langsam und schwer öffnete. Ich musste nichts sagen, sie kannten mich alle gut genug, dass ich immer und zu jeder Tag und Nachtzeit dieses verdammte Tor passieren durfte. Zu große Angst hatten sie vor meinem Zorn, falls sie sich weigern sollten.
Jetzt ritten wir hindurch. Kontrolliert, gesittet und stets wachsam. Mein Hand ruhte ruhig am langen Zügel, während meine Augen schon die Umgebung scannten. Vor uns erstreckte sich das weite Land der Titanen. Keine Häuser, keine Menschen, nur Grünfläche und diese Monster. Ich kannte diesen Anblick bereits. Wie so oft ritten wir über die endlosen weiten und passierten vereinzelte Bäume. Hier draußen gab es weder Sicherheit noch einen Ort, der überhaupt sicher wäre. Es gab nur Entscheidungen und die Konsequenzen unseres Handelns. Ich ritt vorne weg. Schräg hinter mir Hanji und Elara und dahinter Jean, Connie und Sasha. Wir blieben dicht zusammen. So eine kleine Formation konnte schnell zum Ziel werden, deshalb mussten die Abstände klein bleiben, damit jeder jederzeit zur Hilfe kommen konnte. Mein Blick scannte jeden Baum, jeden Schatten. Alles konnte Deckung geben, hinter jeder Bewegung konnte der Tod lauern. Jede Sekunde Unachtsamkeit konnte jemanden das Leben kosten.
Ich konnte Elara hinter mir schwer ausatmen hören. Sie hatte offensichtlich schlechte Laune, die höchstwahrscheinlich mit meinen Anweisungen zu tun hatte. Ich wusste, dass sie es hasste nichts zu tun. Allerdings wusste ich ebenso, dass sie nicht bereit war zu kämpfen. Und garantiert wusste ich, dass sie irgendwann dennoch kämpfte, weil sie stur war. Innerlich hoffte ich dennoch, dass Elara sich zusammenriß. Hauptsache heute. Mehr als ihr zusagen, dass sie sich nicht umbringen sollte, konnte ich nicht. Der Rest lag in ihrer Hand.
Die Anspannung der Truppe konnte ich bis hierher spüren. Noch nie waren wir in so einer kleinen Anzahl unterwegs. Jeder hatte Sorgen, Gedanken und Befürchtungen, sogar ich. Hier draußen war eben alles möglich. Keine Sicherheit, keine Versprechungen, kein Schutz. Nur Wildnis und der Wille zu überleben.
Elaras Rabe flog krächzend über meinen Kopf hinweg. Er hatte sich ebenfalls der Mission angeschlossen und konnte wohl Titanen ausmachen, so zumindest Elaras Worten nach. Ich vertraute dem Vogel kein Stück. Ich vertraute nur mir selbst. Schließlich war dieses Tier nur ein einfacher Vogel ohne wirklich ein Gehirn. Ich wollte diesem Vogel nicht mein Leben anvertrauen. Schließlich gab es ab jetzt kein zurück mehr.
Pov Elara
Der Wind war stärker geworden, seit wir die Mauer hinter uns gelassen hatten. Ich spürte ihn in meinen Haaren, während Nattfari gleichmäßig über das hohe Gras lief. Die Sonne stand inzwischen höher, aber die Wärme erreichte sie kaum. Nicht hier draußen. Alles fühlte sich anders an. Offener. Größer. Und gleichzeitig gefährlich still. Keine Mauern, keine Häuser und keine Menschen, nur offene Felder, Hügel, vereinzelte Baumgruppen und Wälder. Mein Blick glitt suchend über die Umgebung. Schon wieder musste ich hier überleben. Musste den Titanen ausweichen und gleichzeitig weiterleben. Nur diesmal hatte ich Begleitung. Ich war nicht allein. Hatte bessere Chancen, doch das ungute Gefühl stieg trotzdem in mir hinauf.
Nichts war zu sehen. Nur die endlose Weite der Natur. Schweigen umhüllte uns und ließ bereits meine innere Stimme lauter werden. Etwas sagte mir, dass es keine gute Idee war, hier zu sein. Irgendetwas war hier draußen nur was und wo. Die Minuten verstrichen, ohne dass überhaupt etwas passierte. Mittlerweile stand die Mittagssonne hoch am Himmel und schenkte die einzige Wärme in dieser trostlosen grünen Landschaft. In einiger Entfernung erblickten wir schließlich den ersten Titanen. Ein gekrümmter Arm ragte zwischen einigen Bäumen hindurch. Dann folgte ein kleiner Kopf. Der Titan war gewaltig, wirkte unmenschlich, trotz dieser einzelnen menschlichen Züge, die die Titanen hatten. Er ging langsam, unbeholfen und sah gelangweilt und ausdruckslos gen Himmel. Nox am Himmel blieb ruhig, der Titan hatte uns bis jetzt nicht gesehen. Zu groß war die Entfernung. Dennoch hielt ich unbewusst den Atem an. Als der Titan den Kopf in unsere Richtung drehte und uns ansah, schnitt Levis Stimme ruhig und besonnen durch die Stille.
“Nicht reagieren.”
Ich blieb ruhig. Zumindest so ruhig, wie man in so einer Situation sein konnte. Ich zwang mich, den Blick auf etwas anderes zu richten und nicht krampfhaft diesen Titan zu beobachten. Meine Augen blieben an den Ohren meines Pferdes hängen, die spielend im Wind wackelten und in alle Richtungen hörten. Nattfari war ebenso aufmerksam wie ich. Auch er kannte das Leben hier und die ständige Flucht. So ritten wir weiter, ohne den Titan weiter zu beachten. Niemand wagte es zu reden, geschweige denn schneller zu reiten und nach einigen Minuten war der Titan verschwunden. Ich atmete erleichtert aus. Auch die anderen schienen sich lockerer zu machen. Unbewusst hatten wir uns alle im Sattel verkrampft.
Mit der Zeit sahen wir weitere Titanen. Einer stand links von uns auf einem kleinen Hügel, etwa acht Meter groß deformiert und ohne Regung. Der andere lief etwas weiter hinten durch ein altes Feld. Orientierungslos und etwa fünf Meter groß. Wir beachteten sie nicht, ritten einen Bogen um sie herum und ließen sie einfach existieren. Die Titanen bemerkten uns nicht. Das einzige was sie taten, war es langsam und ohne Ziel durch die Gegend zu laufen. Sie wirkten so deplatziert, einfach falsch in der Umgebung. Wie Tiere, die nicht wussten, wohin sie wollten und wozu sie gehörten.
Wir ritten einfach weiter. Das Geräusch der Hufe vermischte sich mit dem Wind, der durch die offene Fläche fegte. Mit der Zeit wurden es immer mehr Titanen. Einer stand mitten auf einem Feld und starrte in den Himmel. Ein anderer saß ziellos zwischen zwei Felsen. Ein dritter wanderte planlos am Rand eines Waldes entlang. Keiner von ihnen bemerkte uns. Es war komisch, fast schon unheimlich. Wie sie einfach dort standen, friedlich ohne irgendwelche Intuitionen. Doch ich wusste es besser. Ich hatte sie beobachtet, wusste wozu sie imstande waren und hatte selbst schon gegen sie gekämpft. Auch die anderen in meinem Trupp plagte der Gedanke an grausame Bilder in ihren Köpfen. Ich konnte es an ihrer Stimmung und ihrer Ausstrahlung merken. Was hatten sie bloß erlebt?
Völlig in Gedanken gehüllt fiel mir Levis Kommentar wieder ein. “Bleib bei deinem Pferd.” Es kotzte mich immer noch an, dass er mich als Ballast ansah, doch irgendwie wollte ich ihn vom Gegenteil überzeugen. Nur wie? Ich biss mir leicht auf die Innenseite meiner Wange, als ein weiterer Titan in der Nähe auftauchte. Viel näher als alle anderen vorher. Wieder blieben wir ruhig, handelten nicht und beobachteten nur. Der Titan sah uns an, machte aber keine Anstalt, sich zu bewegen. Wir waren noch weit genug von ihm entfernt. Trotzdem fühlte ich mich zunehmend unwohler, wollte nicht die Schwachstelle der Gruppe sein. Auch wenn ich wusste, dass das hier kein Training mehr war, dass es hier keine Attrappen gibt, sondern alles hier echt war. Es gab eben keinen zweiten Versuch. Bei einem Treffer war ich so gut wie tot. Dennoch wollte ich helfen und neben ihnen kämpfen. Auf meine Art und Weise.
Ich richtete mich etwas mehr auf, sah konzentrierter nach vorne und versuchte meine Gedanken einzudämmen. Noch war nichts passiert. Noch herrschte allein in meinem Kopf Mord und Totschlag. Doch dieses Szenario wollte ich um jeden Preis verhindern.
Der nächste Titan war näher. Viel näher. Ich erkannte ihn erst, als er zwischen den Bäumen hervortrat. Nattfari verlangsamte seinen Schritt, wurde unruhiger. Behutsam legte ich eine Hand auf seinen Hals und schickte ihn leicht vorwärts. Ein mulmiges Gefühl breitete sich in mir aus. Nox am Himmel zog ebenfalls unruhige Kreise über unsere Köpfe. Ein Pferd schnaubte nervös, ein anderes schüttelte den Kopf. Die Pferde spürten es ebenfalls. Diese Ruhe. Diese Stille. Der Titan vor uns bewegte sich nicht, stand einfach nur da und sah uns aus leblosen Augen aus an. Sein Kopf war leicht zur Seite geneigt, als würde er lauschen. Instinktiv griffen meine Finger fester in die Mähne meines Friesen. Niemand sagte ein Wort. Nur das Handzeichen von Levi war zu sehen. Wir sollten weiterreiten nicht handeln. Die Pferde wurden unruhiger. Eines brach seitlich aus der Reihe. Sasha musste es gezielt zurück auf ihre Position lenken. Ich zwang mich, den Blick von dem Titan zu wenden. Nicht hinsehen. Weiter. Ich konzentrierte mich auf den Hufschlag von Nattfari, auf den Atem der anderen und auf den leisen Wind.
Dann plötzlich ein dumpfes Knallen. Wir zuckten alle zusammen, sahen wie der Titan einen Baum umgestoßen hatte. Einfach so. Mit einer einzelnen Bewegung. Der Stamm krachte donnernd zu Boden, ein Schwarm Vögel schoss aus dem dichten Blattwerk hinaus. Nattfari zuckte unter mir. Beruhigend streichelte ich ihn. Das Pferd von Hanji stieg minimal. Der Titan kam näher, blieb dann stehen und sah uns einfach nur nach. Ich konnte seinen Blick beinahe körperlich spüren. Eine eiskalte Gänsehaut zog sich über meinen gesamten Rücken. Mein Herzschlag beschleunigte sich, mein Atem wurde schneller. Es war der blanke Horror. Zudem veränderte sich die Landschaft. Es wurde dichter, unübersichtlicher. Mehr Wald. Mehr Hügel. Weniger Sicht. Und die Titanen wurden häufiger. Tauchten dichter vor uns auf und verschwanden genauso spurlos wieder.
Einer tauchte plötzlich zwischen zwei Hügeln auf. Dann ein zweiter. Weiter hinten noch einer. Die Situation war ernst. Jeder von uns scannte die Umgebung nach einer möglichen Bedrohung. Ein Titan bewegte sich parallel zu uns. Er ging, während wir ritten. Er blieb auf gleicher Höhe. Immer wieder konnte ich seinen riesigen Körper zwischen den Bäumen hindurch sehen. Doch dann blieb er plötzlich stehen. Sein Kopf drehte sich in Zeitlupe zu uns. Seine Augen bohrten sich in meinen Körper. Langsam war es zu viel. Es reichte schon fast an Folter heran, wie die Titanen uns beobachteten. Einfach gruselig. Ich hatte ein sehr ungutes Gefühl, verlangsamte Nattfari und ritt nun dicht neben Jean her.
“Warum steht er?” Meine Stimme war zögerlich, fast schon ängstlich. Auch Jean sah den Titanen an.
Sein Blick war ebenso unruhig.
“Ich weiß es nicht, aber es ist gruselig.” antwortete er leise.
Der Titan hob langsam den Kopf. Ich hatte das Gefühl, dass er uns nun direkt ansah und uns musterte. Kaltschweiß breitete sich auf meiner Stirn aus. Ich hatte das Gefühl, dass die Temperatur um bestimmt fünf Grad kühler geworden war. Ich zitterte leicht. Dann hörte ich Hanjis beunruhigte Stimme.
“Levi”
“Was?”
“Der Titan…”
“Ich sehe ihn."
Seine Stimme war ruhig. Zu ruhig. Wir gehorchten trotzdem. Trieben die Pferde weiter vorwärts. Doch hinter mir ertönte plötzlich ein lautes Wiehern. Ein Pferd scheute. Connie versuchte, sein Pferd krampfhaft zur Ruhe zu zwingen. Für einen kurzen Moment herrschte Chaos, bis Connie es schaffte, sein Pferd etwas zu beruhigen. Der Titan neben uns hatte sich bereits in Bewegung gesetzt. Langsam aber zielsicher kam er auf uns zu. Wir ritten weiter. Immer Levi hinterher. Ich spürte meinen Puls bis in den Hals. Der Titan kam näher. Nicht schnell, aber konstant. Er beschleunigte. Nur ein wenig. Aber genug.
“Nicht kämpfen!” rief Levi.
Ich sah zu ihm. Er hatte bereits eine Hand am Griff seiner Klinge. Bereit. Aber noch nicht gezogen. Wir trieben die Pferde weiter. Der Wind schlug mir ins Gesicht. Hinter mir krachten die ersten Bäume zu Boden. Der Titan bahnte sich langsam einen Weg durch den Wald. Immer schneller. Mein Herz raste. Angst und Adrenalin mischten sich. Levi ritt unterdessen weiter. Ruhig. Kontrolliert. Als wäre alles in Ordnung. Aber ich wusste es besser. Mittlerweile kannte ich Levi, hatte die winzigen Züge seinerseits lesen gelernt und wusste, dass er nicht ruhig war. Seine Schultern spannten sich minimal, seine Haltung war einen ticken zu aufrecht und seine Hand zuckte ganz leicht um den Griff des 3D Manövers. Er war angespannt. Sehr angespannt. Und dann sah ich rechts von uns etwas zwischen den Bäumen. Einen weiteren Titanen. Noch einen. Mein Atem stockte. Wir waren nicht mehr allein. Und diesmal schienen die Titanen uns nicht einfach nur zu beobachten. Sie kamen näher. Ich griff unbewusst nach meinem neuen Bogen. Dann erinnerte ich mich an Levis Worte. “Du fasst dein 3D-Manövergerät nicht an.” Doch konnte ich wirklich warten und mich zurückhalten, sollten sie uns gleich angreifen?
Pov Levi
Wir waren umzingelt, das wusste ich in der Sekunde, als die beiden Titanen vor uns aus dem Wald traten. Einer parallel zu uns kam schnell auf uns zu. Die anderen beiden links und rechts vor uns. Ich überlegte, wägte jede Möglichkeit ab. Ich wollte keine Konfrontation. Das Beste war es, Gas zu sparen, kein unnötiges Manöver. Nicht für drei normale Titanen. Ich hob die Hand und befahl der Gruppe, somit stehen zu bleiben. Dann beobachtete ich die aufkommende Situation genauestens. Ich sah mich um, nicht hektisch, nicht überrascht, sondern eher kontrollierend. Der Titan neben uns kam immer noch weiter auf uns zu. Einer der Titanen vor uns machte ebenfalls einige Schritte in unsere Richtung. Die Pferde wurden zunehmend unruhiger, scharten mit den Hufen auf dem weichen Boden und schnaubten immer mal wieder. Ich wusste, dass meine Truppe mir vertraute, wusste, dass kein Wort mehr Bedeutung hatte als meines. Deshalb blieb ich ruhig, vertraute auf mein Urteil und meine Wahrnehmung.
“Ruhig bleiben.”
Meine Worte waren direkt, kühl und ohne einen Hauch von Anspannung. Der Titan kam Stück für Stück näher. Vor uns war der Wald zu dicht für ein Ausweichmanöver, links war das Gelände leicht abschüssig und offen. Hinter uns ebenfalls zu dicht und rechts verlief eine leichte Senke zwischen den Bäumen. Dort, wo einer der Titanen auf uns zukam. Es gab kaum Deckung, alles war zu offen oder zu dicht. Ich sah keine Möglichkeit die Titanen komplett friedlich zu umgehen
“Mir nach.”
Ein eindeutiger Befehl. Niemand antwortete. Nur das antreiben der Pferde ließ mich wissen, dass sie mir folgten. In die Schneise hinein, direkt auf einen der Titanen zu. Es war nicht viel Platz, ringsherum standen Bäume zu dicht beieinander. Langsam ritten wir dem Titanen entgegen.
“Keine hektischen Bewegungen.”
Ein weiterer Befehl, auf den meine Truppe sofort reagierte. Sie befolgten ihn, ohne mit der Wimper zu zucken. Kurz huschte mein Gedanke zu Elara, die äußerst angespannt auf ihrem Pferd saß. Ich hoffte inständig, dass sie mir hierbei einfach vertraute. Der Titan vor uns kam näher, hatte uns fast erreicht, als ich meine Hand nach rechts ausstreckte und ein durchdringendes “Jetzt” die Stille durchschnitt. Sofort drehten wir nach rechts ab. Dort war eine kleine Lichtung im Wald, die ich vorher durch die Bäume erspäht hatte. Immer noch ruhig und besonnen, ritten wir weiter. Der Titan hatte abgedreht und kam jetzt durch den Wald auf direktem Wege auf uns zu. Die Gruppe bewegte sich geschlossen in die kleine Schneise zur Lichtung. Dann erklang das erste Krachen eines Baumes. Ich ließ meinen Blick einmal kurz zur Seite wandern und sah den Titan ruhig an. Er hatte die ersten Bäume umgestoßen, die dicht neben meiner Truppe aufkamen. Die anderen beiden Titanen waren weiter hinten schon fast verschwunden, sie kamen durch die zu dichten Bäume kaum voran. Genauso wie ich es geplant hatte.
Auch der Titan dicht neben uns, wurde durch die Bäume stark behindert, sodass der Abstand zu ihm langsam aber sicher immer größer wurde. Trotzdem war er noch zu nah. Viel zu nah. Die Pferde kämpften sich durch das dichte Unterholz. Sie hatten es ebenfalls nicht leicht in diesem Gelände. Die Formation musste ich deshalb auflösen. Wir ritten zu zweit dicht nebeneinander, stießen mit den Füßen permanent an Stämme oder blieben fast an Büschen hängen. Doch wir mussten weiter. Ruhig, besonnen mit einem kühlen Kopf immer weiter.
Plötzlich krachte ein Baum nur wenige Zentimeter neben Jean auf den Boden. Er bildete zusammen mit Connie das Schlusslicht.
“Heilige Scheiße.” kam es von ihm, doch er blieb ruhig und trieb sein äußerst nervöses Pferd weiter vorwärts.
Nach einiger Zeit wurde das Gelände offener. Wir hatten die Lichtung erreicht, ritten schweigend am Rande in den Schatten der Bäume und lauschten jedem Geräusch. Mehr Platz, mehr Abstand, genau das, was wir jetzt brauchten. Ich ließ meinen Blick kurz über meine Schulter schweifen. Der Titan folgte uns nicht mehr, sein Blick ging suchend durch den Wald. Auch der andere war langsamer geworden und der dritte schon gar nicht mehr zu sehen. Wir ritten weiter durch den Wald. Keiner sprach, alle lauschten. Doch es war kein Stampfen, kein Krachen zu hören. Nur die Pferde, die über den Waldboden liefen.
"Puhh, das war knapp.” entkam es Sasha, die lautstark ausatmete.
“Zu knapp.” antwortete ich ruhig, ließ dann meinen Blick über die Gruppe wandern. Alle da. Keine Verletzten. Nur geschockte und zum Teil erleichterte Gesichter. Irgendwo in der Ferne hörte ich erneut ein dumpfes Geräusch. Ein Titan, der sich durch den Wald bewegte. Sofort verstummte das Gespräch und wir ritten schweigend weiter. In der Hoffnung, dass uns kein erneuter Titan in den letzten Abendstunde so nahe kam.