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Kampf um Leben und Tod

Das Mädchen Hinter Den Mauern — www.fanfiktion.de · All chapters

Kampf um Leben und Tod

Hey da bin ich schon wieder mit dem letzten Kapitel der Mission. Jetzt wird es noch einmal spanned. Also spanne ich euch garnicht so lange auf die Folter und wünsche euch viel Spaß beim lesen und hoffentlich mitfiebern :D

Ach und danke Zacia für deine so unfassbar lieben Kommis immer, das motiviert so sehr. Fühl dich ganz dolle gedrückt.

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Pov Elara

Das Krächzen eines Raben weckte mich ruckartig. Kurz darauf verlor ich das Gleichgewicht, wurde dann aber von einem Arm gepackt und am Fallen gehindert. Erst sah ich Nox, der über uns Kreise zog, dann hörte ich eindeutig Stimmen und zum Schluss sah ich Levis sturmgraue Augen direkt neben mir. Auch in ihnen lag kurz Verwunderung, diese wurde aber schnell von seinem ruhigen undurchdringlichen Ausdruck ersetzt. Augenscheinlich hatte auch er bis gerade noch geschlafen. Warte mal, geschlafen? Perplex sah ich von ihm zum Himmel zurück zu ihm. Es war fast hell. Die Sonne stand schon verdammt hoch am Himmel. Wir mussten uns schleunigst fertig machen. Auch Levi schaltete sofort, ließ mich los und antwortete den Stimmen von unten. Also hatte ich sie mir doch nicht eingebildet. Jetzt konnte ich sie auch klar und deutlich hören. Hanji lachte, Connie war besorgt, Sasha erleichtert und Jean genervt. Also alles wie immer. Schnell setzte ich mich auf und bemerkte dabei viel zu deutlich, dass ich doch tatsächlich in Levis Armen geschlafen hatte. Gänsehaut breitete sich aus, ebenso wie ein leichtes Gefühl in meinem Bauch. Ich konnte es nicht zuordnen, wollte es auch einfach nicht. Levi stand bereits, streckte sich und glitt dann gekonnt den Baum hinunter. Ich folgte ihm und nach einigen Sekunden kamen wir sicher unten an. Sofort zog mich Hanji in eine Umarmung.

“Hanji, ich kriege keine Luft.” versuchte ich es vergeblich.

“Oh mein Gott Elara, ich habe mir solche Sorgen gemacht. Ich dachte schon, Levi hätte dich erfrieren lassen.”

“Es geht mir gut, wirklich.” Ich musste unweigerlich lachen. Sasha kam ebenfalls auf mich zu und streckte mir ein Stück Brot hin. Ich ergriff es dankend und ließ meinen Blick über alle wandern. Hanji und Sasha waren augenscheinlich gut drauf, hatten höchstwahrscheinlich zusammengekuschelt im Baum geschlafen und waren putzmunter. Jean und Connie sahen weniger begeistert aus. Sie hatten tiefe Augenringe unter den müden Augen und sahen beide ziemlich blass aus. Sie hatten anscheinend keine angenehme Nacht hinter sich. Unweigerlich musste ich schmunzeln. Da war die Nacht oben mit Levi doch ein Witz gegen das Aussehen der beiden Männer.

“Ihr seht aus, als hätte euch ein Titan die ganze Nacht verfolgt.”

“Halt die Klappe. Der gute Jean fande frieren deutlich besser als neben mir zu liegen.”

"Connie, ich hab keine Lust gehabt, dass du nachher auf mir liegst.”

“Alter Jean, wir sind fast erfroren, das wäre doch echt das kleinste Übel gewesen.”

Genervt wandte sich Jean ab und lief auch schon hinter Levi hinterher, der unterdessen schon bei den Pferden war und die Ausrüstung checkte. Wir folgten schweigend. Konnten uns alle ein Kichern nicht verkneifen. Die beiden konnten sich auch echt anstellen. Sogar ich bin über meinen Schatten gesprungen und hatte mich an Levi gekuschelt. Röte schoss mir bei dem Gedanken in die Wangen. Scheiße nicht schon wieder. Wieso musste mich allein ein Gedanke an ihn so komisch fühlen lassen. Was zum Teufel sollte das. Ich hasste es, hasste ihn und wollte das ganze nicht. Konnte es nicht einfach enden. Ich wollte ihn wieder anschreien, provozieren und ihn soweit von mir wegstoßen, wie es ging. Die Nähe machte mich wahnsinnig.

Um nicht noch weiter in diesen bescheuerten Gedanken zu verweilen, ging ich zu Jean und legte ihm eine Hand auf seinen Arm. Er sah mich genervt an, seine Augen wurden jedoch schnell weicher. Ein lautes Ausatmen seinerseits signalisierte mir, dass er den Stress der Nacht noch nicht gänzlich überwunden hatte.

“Keine Sorge, meine Nacht war auch echt beschissen. Ich wäre echt lieber bei euch gewesen, anstatt mit Levi in diesem verdammten Baum zu hocken.”

“Das wäre echt schön gewesen, du bist mir deutlich lieber als Connie. Der Typ hat sie doch nicht mehr alle.”

Ich musste lächeln.

“Was hat er denn so schlimmes getan?” wollte ich dann doch wissen.

Jean zwickte sich genervt in den Nasenrücken. Offensichtlich wollte er nicht darüber reden, also schwieg ich und ließ ihn in Ruhe. Levis Stimme schnitt genau in diesem Moment durch die Stille.

“Allesamt aufsitzen und mir hinterher.”

Sofort bewegten wir uns. Ich schwang mich schnell auf Nattfaris Rücken, ehe wir uns alle in Bewegung setzten und hinter Levi herritten.

“Statusbericht.” forderte er.

“Ausrüstung intakt, Gasvorrat halb leer.” fing Hanji an. Die anderen drei stimmten mit ein. Dann kehrte wieder Stille ein, während wir der aufgehende Sonne entgegenritten.

Pov Levi

Wir ritten immer weiter, versuchten, weitgehend jegliche Konfrontation aus dem Weg zu gehen, was uns glücklicherweise bislang sehr gut gelang. Doch es war wieder mal zu ruhig. Es war, als würde bald ein Gewitter aufziehen und uns alle ins Verderben stoßen. So wie es bei den letzten zwei schlimmen Begegnungen mit Titanen auch war. Erst war es verdächtig still, wie die Ruhe vor dem Sturm, bis es mit einem lauten Knall explodierte und sich die Stille schlagartig in Chaos und Gefahr verwandelte. Ich wusste es, kannte diese verdammten Biester zu gut. Jedes Mal, wenn man sich nur einen Hauch sicher fühlt, starb jemand. Jedes verdammte Mal. Deshalb wusste ich es besser, machte es besser. Kein Winkel dieses beschissenen Gebietes übersah ich. Meine Augen und Ohren waren überall. Diese Kreaturen aus der Hölle waren vor mir nicht sicher.

Doch mein Kopf schob immer wieder verräterisch die Bilder der letzten Nacht dazwischen. Als würde er mich krampfhaft daran erinnern, wen es zu schützen galt. Nein! Ich schützte sie alle, ohne Ausnahme und keine Bevorzugung. Auch wenn mich das Bild von Elara nicht mehr losließ, wie sie schlafend an mich gelehnt endlich mal friedlich war. Doch diese Gedanken hatten hier nichts verloren. Ich schob sie in die letzte Ecke meines Kopfes, konnte mich später damit befassen, wenn alle wieder sicher hinter den Mauern waren. Dann war es Zeit, diese Gedanken auszulöschen, Elara endlich wieder auf Abstand und Distanz zu bekommen und sie so schnell wieder zu vergessen, wie sie plötzlich aufgetaucht war.

Jetzt musste ich vor allem eins sein. Konzentriert, einsatzbereit und fokussiert. Ablenkungen waren hier mehr als Fehl am Platz, also richtete ich mich wieder gerade auf meinem Pferd auf und beobachtete die Ferne mit dem Blick eines Adlers.

Gegen Mittag hörte ich es zuerst. Ein dumpfes Knacken im Unterholz. Sofort hob ich meine Hand. Mein Trupp blieb stehen, hörte es ebenfalls. Die Pferde schnaubten unruhig. Leder knarrte. Irgendwo weiter vorn flatterte ein Vogel aus den Bäumen. Ich ließ den Blick über die Lichtung wandern und konnte einen Titanen zwischen zwei Bäumen ausmachen. Vielleicht drei Meter. Er taumelte zwischen den Bäumen hindurch, den Kopf schief gelegt, als lausche er einem Geräusch, das nur er hören konnte. Hinter dem ersten Titanen tauchte ein zweiter auf, dann ein dritter. Es wurden immer mehr.

“Wir umgehen auf der linken Seite. Keine unnötigen Bewegungen. Niemand verschwendet Gas, solange es nicht sein muss.”

Meine Stimme war klar und deutlich, dann setzten wir uns wieder in Bewegung. Langsam, ohne viel Aufsehen zu erregen, ritten wir links am Waldrand entlang. Mein Blick immer weiter suchend. Ich wollte keinen übersehen, das wäre fatal. Plötzlich hörten wir einen Titanen direkt hinter uns. Er war unbemerkt näher gekommen. Nicht nah genug, aber zu nah. Ich sah ihn, spornte mein Pferd weiter an und legte an Tempo zu. Die anderen folgten. Wie auf Kommando kamen weitere Titanen aus dem Wald und traten auf die große Lichtung. Wiedermal waren wir umzingelt.

“In die Bäume spart Gas, keine Konfrontationen.”

Die anderen feuerten ihre Haken ab und schwangen sich in die Höhe. Kurz nach ihnen sprang auch ich aus dem Sattel und aktivierte mein eigenes Manövergerät. Der vertraute Druck des Gases trieb mich nach oben.

“Elara durch den Wald, wir schützen dich.”

Sofort ritt sie los. Trieb ihr Pferd dichter in das Unterholz der Bäume. Wir schossen über ihr durch den Himmel. Lautlos, präzise und gefährlich. Baumstämme schossen an mir vorbei, während ich mich zwischen den Ästen hindurch bewegte. Ich zog die Klingen, drehte mich in der Luft und ließ mich auf den ersten Titanen herabfallen. Ein sauberer Schnitt und der Titan sackte zusammen. Die anderen flogen weiter. Keine Konfrontation. Sie mussten Gas sparen. Nur das zählte. Ohne wären wir so gut wie tot.

Ein zweiter Titan kam von rechts. Ich wich ihm aus setzte einen Haken in einen Stamm und zog mich herum. Meine Klinge traf den Nacken, doch der Winkel war schlecht. Ich musste nachsetzen. Zeitverschwendung, aber nötig. Ein weiterer Titan näherte sich der Lichtung. Abermals schoss ich einen Haken ab, zog mich herum und tötete ihn, bevor er uns vollständig erreichen konnte. Doch als ich mich zum nächsten Ziel wandte, bemerkte ich, dass der Gasstrahl meines linken Antriebs schwächer wurde. Nur ein wenig. Aber genug. Der Vorrat ging zu Ende, war fast aufgebraucht. Ich musste eine Entscheidung treffen. Jetzt.

Mein Blick glitt über die Lichtung. Zu viele Titanen waren so weit verstreut, dass wir sie nicht alle ausschalten konnten, mit den verbliebenen Reserven.

“Haltet Abstand zueinander. Wir gehen zurück auf die Pferde. Treffpunkt Südseite.”

Meine Kameraden schossen durch die Bäume weiter ins dichte Unterholz. Hier waren wir im Vorteil. Wir konnten mit wenig Gas weite Strecken meistern und vor allem schneller als die Titanen navigieren. Innerlich hoffte ich, dass wir sie hier abschütteln und unbeschadet zurück auf die Pferde kamen. Doch ich wusste, dass es garantiert nicht reibungslos verlief. Ich hatte von allen noch am meisten Gas, hielt die Titanen so weit es ging von den anderen weg.

Einem kleineren Titanen schnitt ich den Nacken auf und landete auf einem schrägen Stamm. Das Gas zischte nur noch kurz, als ich den nächsten Haken abfeuerte. Der Zug ließ nach. Ein weiterer Titan drehte sich zu mir. Sofort zog ich meine Klinge. Ich hatte noch genug Kraft, um das Ding zu töten. Aber danach würde ich kaum noch Reserven haben, um mich aus einer weiteren gefährlichen Situation zu befreien. Also wartete ich geduldig, bis der Titan nah genug war, dann sprang ich schnitt ihm mit einem Schlag den Nacken in zwei.

Innerlich zählte ich die verbliebenen Gasreserven meiner Truppe im Kopf zusammen. Zu wenig. Viel zu wenig. Wir mussten zu den Pferden. Jetzt. Ich stieß mich ab und flog durch den Wald. Der Waldrand kam näher, die Titanen ließ ich hinter mir. Das Gas war fast aufgebraucht. Mit einem letzten Gasstoß schoss ich aus dem Wald, landete auf dem Boden, rollte mich ab und stieg sogleich auf mein Pferd. Kurz sah ich durch meine Truppe. Alle da keiner schwer verletzt.

“Los.”

Wir setzten uns in Bewegung, galoppierten so schnell es ging über die große Wiese.

“Statusupdate.” forderte ich

“Mein Gas ist leer, sonst ist bei mir alles in Ordnung.” fing Sasha an.

“Bei mir das gleiche.” ertönte auch Connies Stimme.

“Bis auf ein paar Kratzer fehlt mir nichts, habe aber auch kein Gas mehr.” gab Jean von sich.

“Ich hab noch einen Gasstoß, vielleicht zwei, aber meine Klingen sind alle durch.” ergänzte auch Hanji nun.

“Ich hab noch etwas Gas, aber das nützt hier ja nicht wirklich jemanden etwas.” kam es ebenfalls von Elara.

Ich nickte. "Tja, ich hab auch nichts mehr, also heißt es jetzt überleben.”

Ein Schweigen ging durch die Runde und zum ersten Mal fragte ich mich wirklich, ob meine Fähigkeiten ausreichen würden, um alle lebend zurückzubringen.

Pov Elara

Ein Titan näherte sich von hinten. Schnell, schneller als wir reiten konnten. Ich sah es in Levis Gesicht und seiner Ausstrahlung. Er überlegte, doch kam zu keinem Entschluss. Die anderen sahen sich hilfesuchend um, doch jeder blieb ruhig. Panik half uns allen nicht weiter. Wir waren nicht allzu weit entfernt von den Mauern. Wir würden sie heute Abend im Laufe der nächsten Stunden erreichen, doch nicht, wenn uns nicht schleunigst etwas einfiel. Er kam näher. Mit jeder Minute verkürzte sich der Abstand zwischen ihm und uns. Irgendwann hatte ich genug, zog meinen Bogen, spannte einen Pfeil und zielte auf die Augen des Titans. Der Pfeil traf. Der Titan brüllte auf und riss den Kopf zurück. Es war kein tödlicher Treffer. Nicht einmal annähernd, aber er hatte ihn abgelenkt. Und genau das brauchten wir.

Lange konnten wir dieses Tempo nicht mehr durchhalten, die Pferde waren genauso erschöpft wie wir. Die Klingen der anderen waren inzwischen ebenfalls unbrauchbar, stumpf oder einfach kaputt. Wir hatten nichts mehr. Keine Klingen. Kein Gas und bald auch keine Pferde mehr, wenn wir das Tempo nicht bald drosseln konnten. Und zu allem Übel war der Titan hinter uns bereits dicht an unseren Fersen.

Wir brauchten eine andere Möglichkeit. Irgendetwas, um diesen verdammten Titanen zu töten. Dann fiel mein Blick auf Levi und plötzlich hatte ich einen Plan. Einen schlechten Plan. Einen Plan, bei dem Levi mich vermutlich eigenhändig erwürgen würde, sobald wir wieder in Sicherheit waren. Aber es war ein Plan.

“LEVI!”, rief ich

"Was?!"

“DU HAST KEIN GAS MEHR, ODER?”

Er starrte mich über seine Schulter an, als hätte ich gerade gefragt, ob Wasser nass sei.

“WAS GLAUBST DU DENN?!”

“ICH HABE NOCH WELCHES!”

Levi verlangsamte sein Pferd und lenkte es direkt neben mich. Er war neugierig, aber ebenfalls skeptisch. Der Titan holte weiter auf. Seine Schritte erschütterten den Boden. Er streckte bereits seine Hand aus und versuchte nach uns zu greifen.

"Levi, wir müssen die Gasflaschen tauschen sofort.”

“Warum?”

"Wir haben keine Klingen mehr! Keiner von uns hat noch Gas! Wenn wir nichts tun, holt er uns ein. Und wenn er uns einholt, können wir nur hoffen…”

“Okay und dann?” fragte Levi.

“Das Gas reicht für einen Versuch. Du musst mich hinter den Titanen bekommen. Ich kann ihn töten, aber es ist schwierig.”

Levi sah mich schweigend an.

“Es ist die einzige Chance.”

Er nickte, entledigte sich seiner Gasflaschen und nahm meine beiden entgegen. Dann sah er mich an, hielt den Blick kurz stand und streckte mir dann seine Hand entgegen. Ich ergriff sie und wurde sogleich zu ihm auf sein Pferd gezogen. Zusammen standen wir nun auf dem Rücken des Pferdes und balancierten uns mit größter Mühe. Ich zog meinen Bogen, legte den ersten Pfeil ein und zielte wieder auf die Augen. Levi hielt mich an der Taille fest. Mein Stand war somit sicher genug, dass der erste Pfeil das linke Auge traf. Der Schuss war nicht perfekt, doch die Spitze drang tief genug ein, um ihn aufbrüllen zu lassen. Er riss den Kopf zur Seite und schlug mit beiden Armen um sich.

“JETZT!”, schrie ich.

Levi schoss los. Hielt mich fest an sich, dass ich bloß nicht fiel und umrundete den Titan. Ich legte den nächsten Pfeil ein, versuchte mich irgendwie auszubalancieren und spannte die Sehne bereit für den Schuss. Der Titan schlug um sich. Immer wieder mussten wir den Angriff abbrechen, ausweichen und neu ansetzen, um nicht zu sterben. Irgendwo musste eine Lücke sein. Das Gas reichte nicht mehr lange. Levi war ebenfalls am Ende seiner Kräfte. Seine Schulter machte ihm gerade mehr als zu schaffen. Doch ich konzentrierte mich. Mein Atem wurde ruhig. Meine Sicht klarer. Mein Blick fokussierter. Ich musste treffen, es gab keine andere Möglichkeit. Wenigstens konnten die anderen in einiger Entfernung halten und den Pferden eine kurze Pause gönnen. Sie würden es schaffen, das wusste ich.

Als der Titan sich plötzlich drehte und sein Nacken nur eine Millisekunde offen lag, schoss ich. Der Pfeil zischte durch die Luft. Ich hielt den Atem an. Genau in diesem Moment ging uns das Gas aus und wir kamen auf dem Boden auf, rollten uns ab. Für eine Sekunde sah ich Sterne. Blieb liegen und betete. Unterdessen zog Levi bereits an meinem Handgelenk.

“Steh auf.”

Meine Sicht wurde klarer und mit einem Satz ließ ich mich von Levi in den Stand ziehen. Der Titan fiel nicht. Scheiße. Wir rannten los. So schnell es eben ging. Levi hatte mich immer noch am Handgelenk gepackt und zog mich hinter sich her. Halb stolpernd, halb rennend versuchten wir irgendwie von diesem Titanen wegzukommen. Neben uns prallte plötzlich eine riesige Hand auf. Wir verloren beide das Gleichgewicht und wurden von den Füßen gerissen. Levi stand nach einigen Sekunden wieder, wich nach hinten aus. Der Titan folgte ihm. Scheiße. Ich musste etwas tun. Jetzt. Bevor er ihn erreichte. Die Schreie der anderen waren im Hintergrund zu hören. Ich blendete sie aus. Atmete tief ein und aus, legte den nächsten Pfeil ein und schoss. Ich traf das Kniegelenk mit voller Wucht. Der Titan brüllte. Ich gab ihm keine Pause, legte direkt den nächsten Pfeil ein, schoss aufs zweite Kniegelenk und zwang den Titanen somit in die Knie. Levi wich zurück, hatte eine Chance.

Sofort zog ich meine Messer, rannte auf den Titanen zu und rammte ihm die Messer mit voller Wucht in den Rücken. Er schrie wieder. Doch das war mir sowas von egal. Langsam kletterte ich den Rücken hinauf. Stück für Stück zog ich ein Messer aus dem Fleisch des Titans und rammte es ein Stück weiter oben erneut mit voller Kraft hinein. Er wehrte sich, versuchte irgendwie mit seinen Armen an mich heranzukommen, doch scheiterte. Nach einigen Minuten kam ich oben an. Schoss meine Haken links und rechts in die Haut des Titans, steckte meine Messer wieder zurück und zog meinen Bogen. Ich legte einen Pfeil ein, spannte und schoss direkt in den Nacken. Der Titan grölte, doch ich legte bereits nach, bis er schlussendlich weiter auf die Knie sank und zu Staub zerfiel.

Schwer atmend lockerte ich die Haken und ließ mich von dem leblosen Körper gleiten. Mein Blick ging zu Levi, der unversehrt einige Meter neben mir stand. Er sah mich mit einer Mischung aus Erleichterung, Bewunderung und Stolz an. Ein kurzes Lächeln huschte über meinen Mundwinkel, ehe ich mich auf ihn zu begab.

Noch bevor ich ihn erreichen konnte, sprang Sasha schon vom Pferd und fiel mir um den Hals. Auch die anderen sahen schockiert, aber erleichtert aus.

“Mein Gott Elara, ich hatte echt schiss.” kam es von der jungen Frau.

“Es ist alles gut.”

Beruhigend streichelte ich Sasha über den Rücken. Sie war wirklich emotional. Irgendwann zog Connie sie von mir herunter und buxierte sie wieder auf ihr Pferd. Dann stieg auch ich zurück auf Nattfaris Rücken und zusammen machten wir uns auf den Weg zu einem nahegelegenen Waldstück. Wir waren alle viel zu erschöpft, zudem hatten wir auch keinerlei Waffen mehr, um uns zu verteidigen. Daher fiel die Entscheidung schnell uns auf die Bäume zurückzuziehen und bis in die Nacht zu warten. Das restliche Stück konnten wir in der Nacht gut bewältigen. Ohne besondere Vorkommnisse erreichten wir die Bäume und halfen uns gegenseitig nach oben. Es dauerte einige Zeit, doch schließlich saßen wir zu sechst oben in der Baumkrone auf verschiedenen Ästen und atmeten tief durch. Ich blickte mich um, sah in die Gesichter meiner Kameraden. Connie und Sasha saßen dicht beieinander und unterhielten sich mit gedämmter Stimme. Hanji stand in einer Baumkrone und beobachtete fleißig die Titanen in der Nähe. Jean lehnte an einem Baumstamm und betete gen Himmel und Levi saß schweigend ein paar Meter entfernt. Seine Schulter merkbar entlastend.

In diesem Moment war ich einfach nur dankbar, dass alle lebten und halbwegs unverletzt aus diesem Drama herauskamen. Jeder von uns hatte bestimmt eine Unterkühlung, Schlafmangel und unendlich viele blaue Flecken und Schürfwunden. Levis Schulter war das Schlimmste an einer Verletzung, die aufgetreten war. Erleichtert atmete ich auf und ließ mich ebenfalls gegen einen Stamm sinken. Bald schon würden wir zurück hinter den Mauern sein. Bald würde es wieder einen geregelten Alltag geben. Bald schon musste ich über meine Erinnerungen sprechen und ganz vielleicht hatte Erwin schon etwas über meinen Angreifer erfahren.

Pov Levi

Meine Schulter brachte mich bald um den Verstand. Sie schmerzte ins Unermessliche. Der weitere Sturz hatte es nicht besser gemacht. So ein verdammter Mist. Mein Blick ging hinüber zur Elara. Sie saß schweigend an einem Stamm gelehnt und verdaute offensichtlich das Geschehene. Auch wenn ich es niemals zugeben wollte, hatte sie mich heute echt beeindruckt. Ohne zu zögern, hatte sie ihr Leben riskiert, um die anderen zu retten. Um mich zu retten. Sie wusste sofort, dass sie handeln musste, egal wie. Innerlich verfluchte ich mich, dass ich nicht in der Lage gewesen war, diesen verdammten Titanen zu töten. Es musste erst soweit kommen, dass wir fast draufgingen. Ich fühlte mich schwach, unnötig, wie ein Versager. Auch wenn ich wusste, dass das hier nicht meine Schuld war. Irgendetwas stimmte die ganze Mission lang schon nicht. Mein Bauchgefühl trübte mich nie.

Wieder sah ich rüber zu ihr. Sie hatte die Augen geschlossen. Ihre langen roten Haare wurden leicht durch den Wind getragen. Ihre Sommersprossen spielten mit dem Licht, das durch die Blätter kam. Ihre Kleidung war an mehreren Stellen aufgerissen und auf ihrer Wange zog sich ein dunkler Streifen aus Schmutz und Blut entlang. Sie sah erschöpft aus. Verdammt erschöpft.

Meine Gedanken gingen wie automatisch zurück zum Kampf. Elara hatte entschieden. Sie hatte einen Plan. Auch wenn er leichtsinnig und vielleicht ziemlich dumm war, doch sie traf dumme Entscheidungen, weil sie andere retten wollte. Und das war beinahe noch schlimmer. Es würde sie irgendwann das Leben kosten. Da war ich mir ziemlich sicher.

Ich machte mir Vorwürfe. Was wäre, wenn es schiefgegangen wäre und sie draufgegangen wäre? Ich hätte die Verantwortung tragen müssen, nicht sie. Ich wäre derjenige, der sich zuerst geopfert hätte. Aber Elara? Sie war nicht verpflichtet, sich so zu verhalten. Sie war keine Soldatin, die jahrelang gelernt hatte, wie man in einem Kampf Entscheidungen traf, ohne sich von Angst oder Mitgefühl überwältigen zu lassen. Sie machte noch immer Fehler mit ihrer Ausrüstung. Sie setzte ihre Haken manchmal zu tief, verlor beim Richtungswechsel unnötig Schwung und vertraute gelegentlich darauf, dass ihr Glück sie schon irgendwie retten würde. Und trotzdem hatte sie entschieden.

Ich riss mich ruckartig aus meinen Gedanken. Konzentrier dich Ackermann, dachte ich, gereizt. Ich darf mir um sowas keine Gedanken machen. Nicht um sie und nicht um jemand anderes. Wir mussten zur Mauer zurück. Lebend. Und da brauchte ich jede Konzentration. Ich durfte mich nicht in Möglichkeiten verlieren. Nicht in Gedanken darüber, was passieren könnte. Nicht in dem, was man verlieren könnte. Und schon gar nicht in Menschen, deren Verlust man sich nicht leisten konnte.

Dann schossen mir wieder die Bilder von gestern Nacht in den Kopf. Wie sie an mich gekuschelt geschlafen hatte. Ich hätte sie wecken können, hätte sie verscheuchen können, doch ich hatte diese verdammte Idee selbst. Ich war ein Idiot, ein Schwächling. Ich hatte mir geschworen, niemals mehr jemanden an mich heran zu lassen und diesen Schwur werde ich bis in mein Grab nehmen. Da konnte selbst Elara nichts dagegen ausrichten. Ab Morgen würde es wieder anders laufen. Sobald wir die Mauern erreichten, wird sie für mich nichts weiter als eine von vielen Soldaten sein. Niemand, so wie es sich gehörte. Mit genug Abstand und Distanz und vor allem Kontrolle über Situationen.