Das erste Training
Das erste Training
Hey alle zusammen. Irgendwie musste ich das Kapitel trennen. Es macht für mich einfach Sinn diese Spannung einfach zu verinnerlichen bevor es jetzt richtig los geht mit dem "Training". Dafür lade ich euch das ebenfalls direkt mit hoch. Also nochmals viel Spaß beim lesen. Ich hoffe es gefällt euch.
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Ich wusste nicht, wie lange Levi und ich da standen und uns gegenseitig provozierten. Zu lange wahrscheinlich. Erst als Levi seinen Umhang von den Schultern fallen ließ und ihm ein leises “Tss” entwich, rührte ich mich. Er hatte nicht nachgegeben, genauso wenig wie ich. Er hatte den Augenkontakt zu seinen Gunsten umgewandelt und positionierte sich nun kampfbereit vor mir.
“Na dann zeig mir doch mal was du kannst, oder willst du doch lieber kneifen?”
Ein kurzer Moment. Dann bewegte ich mich präzise auf ihn zu. Meine Bewegungen waren kontrolliert. Jede Faser meiner Muskeln wusste, was sie zu tun hatten. Pure Kontrolle lag in meinen Zügen. Dann griff ich zuerst an. Ein gerader Schlag zum Gesicht. Levi wich aus, packte mein Handgelenk und wollte mich mit einer Drehung aus dem Gleichgewicht bringen. Ich reagierte sofort, verlagerte mein Gewicht und riss mich los. Mein Ellenbogen schoss nach hinten. Levi duckte sich darunter hinweg. Seine Faust traf beinahe meine Rippen. Ich drehte mich im letzten Moment weg und setzte mit einem Tritt gegen seine Seite nach. Levi fing den Angriff ab, schob mein Bein zur Seite und versuchte, mich mit einem schnellen Stoß gegen die Schulter zurückzudrängen. Doch ich blieb stehen.
“Das war's?” provozierte ich ihn.
Levis Augen verengten sich. Er griff erneut an. Diesmal schneller. Ein Schlag, ein zweiter, ein tiefer Tritt. Ich blockte den ersten, wich dem zweiten aus und sprang über den Tritt hinweg. Kaum landete ich, war ich wieder bei ihm. Meine Faust streifte seine Wange. Ein dünner roter Strich erschien auf seiner Haut. Stille.
“Ups.” entwich es mir provokant.
Levi wischte mit dem Daumen über die Wange und betrachtete das Blut.
“Du wirst übermütig.”
“Du bist nur schlecht gelaunt, weil ich dich getroffen habe.”
“Ich bin schlecht gelaunt, weil du existierst.”
Mein Mundwinkel zuckte nach oben, bevor Levi zu einem neuen Schlag ansetzte. Diesmal war nichts mehr von Zurückhaltung zu spüren. Ich fing seinen ersten Schlag ab, doch Levi täuschte nur an. Er drehte sich, hakte mein Bein weg und brachte mich beinahe zu Fall. Im letzten Moment stützte ich mich mit einer Hand auf dem Boden ab, nutzte den Schwung und trat nach seinem Kinn. Levi wich geschickt aus. Unsere Bewegungen wurden schneller. Ein Schlag nach dem anderen. Ein Block folgte auf den nächsten und ein Tritt schneller als der vorherige.
Ich erwischte seine Schulter. Levi traf meinen Oberarm. Wir wichen gleichzeitig ein paar Schritte zurück. Ein schwerer Atem lag in der Luft. Wir wussten inzwischen, dass keiner dem anderen deutlich überlegen war. Und genau das machte es gefährlich. Ich wischte mir mit dem Handrücken über die Lippe. Ein kleiner Blutfleck zeichnete sich auf meiner Hand ab.
“Du wirst schlechter.”
Levi deutete auf meine Lippe. Ich reagierte nicht. Mittlerweile hatten sich unbemerkt einige Rekruten sowie Hanji und Erwin in einem gesunden Abstand am Rande des Trainingsplatzes eingefunden und bewunderten das spektakel zwischen Levi und mir. Einige wirkten überrascht, andere verunsichert und wieder andere waren einfach nur neugierig. Wir bekamen es nicht mit. Weder das gemurmelt wurde, noch das wir beobachtet wurden. Unsere Blicke blieben auf den jeweils anderen geheftet, um nur den kleinsten Fehler zu finden.
Er kam wieder auf mich zu. Ich wartete. Im letzten Moment wich ich seinem Schlag aus, griff nach seinem Arm und wollte ihn über die Hüfte werfen. Levi erkannte den Ansatz. Er verlagerte sein Gewicht. Ich verlor den Hebel. Im nächsten Moment lag ich mit dem Rücken im Dreck. Levi war über mir, ein Knie neben meiner Hüfte, seine Hand hatte mein Handgelenk bestimmend auf den Boden gedrückt. Für einen Sekundenbruchteil sahen wir uns nur an. In seinen Augen lag immer noch kein Ausdruck, bloß pure Konzentration und Fokus. Ich atmete schwer. Dann schob sich ein provokantes Lächeln auf meine Lippen.
“Hab ich dich.”
Levis Augenbraue zuckte.
“Du liegst am Boden, nicht ich.”
Ohne ihm zu antworten, riss ich mein freies Knie hoch. Levi wich instinktiv zurück. Das reichte. Ich drehte mich, riss mein Handgelenk aus seinem Griff und brachte ihn mit einem schnellen Hüftwurf aus dem Gleichgewicht. Jetzt lag Levi auf dem Rücken. Schnell setzte ich ein Knie auf seine Brust, um ihn zu fixieren.
“Unentschieden.” provozierte ich ihn.
Levi sah zu mir hoch. Seine Augen waren kalt. Keine Spur von Ärger in seinem Gesicht. Seine Stimme war emotionslos, als er sprach.
“Nimm die Hand runter.”
“Warum?”
Die Provokation hatte gesessen. Levis Hand schoss nach oben. Er packte mein Handgelenk. Mit einer einzigen Bewegung drehte er mich zur Seite. Ich verlor den Halt. Levi war in einem Sekundenbruchteil wieder oben. Doch bevor er mich vollständig fixieren konnte, rammte ich meine Schulter gegen seine Brust und rollte ihn erneut zur Seite. Wir kamen beide gleichzeitig wieder auf die Beine. Dreck hatte sich in meinen Haaren verfangen.Levi sah nicht besser aus. Für einen Moment standen wir einfach nur da. Keiner griff an. Keiner wich zurück.
“Tss” entkam es Levi. Kurze stille, dann folgte:
“Du wolltest es so, also heule nachher nicht.”
Dabei wurden seine Augen starr. Das Grau wich einem noch dunkleren Grau. Ich hatte Levis Kampfgeist geweckt, das wusste ich in diesem Moment, denn die Ausstrahlung, die von ihm ausging, hatte sich schlagartig ins Bedrohliche verändert. Der nächste Zusammenprall war härter als alles zuvor. Levis Faust raste auf mich zu. Ich duckte mich darunter hinweg, doch statt zurückzuweichen, ging ich direkt in den Gegenangriff. Meine Schulter krachte gegen seine Brust. Levi taumelte einen Schritt zurück. Nur einen. Ich setzte nach. Ein Schlag gegen seine Rippen. Levi blockte. Ein Ellenbogen. Er fing ihn ab. Ein Tritt gegen sein Knie. Er wich aus. Dann traf seine Faust meine Schulter. Ich verzog das Gesicht, stieß ihn zurück. Levi blieb stehen. Ich sah das kurze Zucken in seinem Kiefer. Ich hatte genau den Punkt getroffen.
„Verlierst du die Beherrschung Levi?“
Mein Kommentar hatte nur ein Ziel, ihn weiter zu provozieren.
Levi antwortete nicht. Er griff an. Ich konnte seinen ersten Schlag noch abfangen. Den zweiten nicht. Seine Faust traf meine Seite. Die Luft entwich schlagartig aus meinen Lungen. Ich taumelte. Levi wollte bereits nachsetzen. Ich riss den Arm hoch und fing seinen nächsten Schlag ab. Meine Finger schlossen sich um sein Handgelenk. Dann zog ich und rammte mein Knie in seinen Bauch. Levi keuchte. Ich nutzte den Augenblick, packte ihn und schleuderte ihn zu Boden. Hart. Staub wirbelte auf.
“Bleib liegen und gib endlich auf.”
Levi lag einen Moment reglos. Dann hob sich sein Mundwinkel für eine Millisekunde. Nicht amüsiert, sondern gefährlich.
“Du hast wirklich keine Ahnung, wann du aufhören solltest.”
Er zog mein Bein weg. Ich stürzte. Bevor ich mich abfangen konnte, war Levi bereits über mir. Seine Hand drückte mein Handgelenk gegen den Boden. Ich versuchte, mich loszureißen. Nichts. Levis Griff war eisern.
“Gibst du endlich auf.”
“Fick dich.”
Levis Blick wurde schmal.
“Falsche Antwort.”
Ich riss mein zweites Handgelenk frei und schlug ihm mit dem Handballen gegen den Kiefer. Sein Griff lockerte sich. Ich nutzte den Moment, drehte mich unter ihm weg und kam wieder auf die Beine. Levi stand ebenfalls auf. Blut lief inzwischen aus seiner Lippe. Dann kam er wieder auf mich zu. Ich wich aus. Doch dieses Mal wich ich nicht einfach aus, sondern änderte den Rhythmus. Ein Schritt nach links. Drehung. Tritt. Levi blockte. Ich täuschte einen weiteren Tritt an und schlug stattdessen mit dem Ellenbogen. Levi duckte sich. Ich drehte mich mit. Meine Faust traf seine Wange. Levi reagierte sofort. Er packte meinen Arm, drehte ihn auf den Rücken und brachte mich mit einem Hebel zu Boden.
“Gib auf.”
“Träum weiter.”
Er erhöhte den Druck. Dann verlagerte ich instinktiv mein Gewicht. Levi erkannte es zu spät. Ich riss mich los und schlug direkt wieder nach ihm. Er wich aus und ich stand wieder.
“Jetzt hast du es geschafft.”
Ich hob das Kinn.
“Was?”
“Mich wütend zu machen.”
“Das war der Plan.”
Dann griff er erneut an und ich blockte wieder. Der Aufprall ließ meinen Arm schmerzen. Levi machte ernst, dass konnte ich anhand der Wucht seiner Schläge spüren. Ich schlug zurück. Levi wich aus. Dann sprang ich auf ihn zu, stieß mich an seiner Schulter ab und landete hinter ihm. Levi drehte sich. Zu spät. Mein Ellenbogen traf seinen Rücken. Er ging auf ein Knie. Ich setzte nach. Doch Levi fing meinen Knöchel. Ich verlor das Gleichgewicht. Wir stürzten und schließlich lag ich wieder unter ihm. Levi hielt meine beiden Handgelenke fest über meinem Kopf..
Levis Stimme erklang ruhig: “Gib auf.”
“Niemals” entkam es mir direkt.
Levi drückte fester, legte sein Gewicht immer weiter auf mich.
“Ich muss nicht gewinnen.”
Ein kurzer Moment.
“Ich muss nur dafür sorgen, dass du verlierst.”
Levis Blick veränderte sich kurz. Das reichte mir, um ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen und ihn von mir zu stoßen. Wir kamen beide gleichzeitig hoch. Keiner sagte etwas. Dann liefen wir wieder aufeinander zu. Der nächste Schlag traf mich an der Schläfe. Ich schwankte. Nur um ihm mit einem Schlag gegen seine Nase zu antworten. Keine zwei Sekunden später trat Blut heraus. Er richtete sich auf. Keine offene Aggression. Keine Wut. Nur diese eiskalte Präzision, die ihn so gefährlich machte.
Der nächste Zusammenprall war brutal. Keiner wich mehr freiwillig zurück. Jeder Treffer wurde beantwortet. Jeder Angriff provozierte einen Gegenschlag. Ich traf seine Schulter. Levi traf meine Seite. Ich traf seinen Kiefer. Er brachte mich zu Boden. Ich riss ihn mit mir, rollte mich ab und sprang direkt wieder auf die Beine. Blut klebte uns beiden im Gesicht und an den Händen. Schweiß rann unsere Stirn herunter. Kurz bevor wir erneut aufeinander losgehen konnten, erklang eine harte Stimme vom Rande des Platzes.
“GENUG!”
Levi ließ seine Hände sinken, ich tat es ihm gleich. Unsere Blicke trafen sich, fechteten den Kampf weiter aus. Keiner wollte nachgeben, bis Levi schließlich sein allzu bekanntes “Tss” ausspuckte und seine Aufmerksamkeit auf Erwin richtete, der nun näher getreten war.
“Ich muss schon sagen ich bin beeindruckt, auch wenn ihr euch fast umgebracht hättet.” Seine Worte klangen irgendwie stolz.
“Allerdings solltet ihr beim nächsten Mal einen Gang runterschalten und trainieren, nicht töten.”
“Hätte ich es ernst gemeint, wäre sie schon längst unter der Erde.” zischte Levi.
“Das glaubst auch nur du.” konterte ich.
Sein Blick glitt wieder auf mich. Fixierte mich: "Ich bringe dich gleich unter die Erde.”
Ich lächelte trotz Schmerzen.
“Dann solltest du dich beeilen.”
Levi sah mich an. Ein kaum sichtbares Zucken erschien an seinem Mundwinkel.
„Beim nächsten Mal.“
Dann ging er. Ich dachte über seine Worte nach. Dann wurde mir klar, dass es für ihn tatsächlich nur eine Trainingsrunde gewesen war und er tatsächlich wesentlich stärker war als ich. Hatte er sich absichtlich zurückgehalten, um zu schauen, was ich konnte. Hatte ich tatsächlich die ganze Zeit nach seinen Regeln gespielt. Was für ein verdammtes Arschloch. Aber das war noch nicht vorbei. Das nächste Mal machte ich ihn fertig. Das schwor ich mir.
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“Hast du dich ernsthaft an deinem ersten Tag mit dem Hauptgefreiten angelegt?” Sashas Worte waren schockiert, aber anerkennend. Ich nickte bloß und schenkte ihr ein verschmitztes Lächeln.
“Hat er nicht anders verdient. Er ist so ein Arsch.”
Jean und Connie saßen mit offenen Mündern mir gegenüber, musterten jede meiner Verletzungen und wussten überhaupt nicht, was sie sagen sollten. Sasha hingegen war Feuer und Flamme. Nicht nur weil es Essen gab, sondern ebenfalls, weil sie begeistert war.
“Alter Elara, ich dachte mir schon, dass du was drauf hast, aber das… das war der ober Hammer. Du bist echt die erste Person, die sich traut, gegen den Hauptgefreiten zu kämpfen und dann auch noch so erfolgreich. Ich würde gerne wissen, wie er aussieht.”
"Tja, wie soll er schon aussehen? Gelangweilt, genervt, dreckig, verschwitzt und ne offene Lippe. Ach ja, stimmt, seine Nase war ebenfalls blutig.”
Connie und Jean starrten mich immer noch unglaubwürdig an. Sasha lachte, ehe sie sich ein Stück Brot in den Mund schob.
“Elara sag mal, wo hast du so kämpfen gelernt?”
Ich hob den Blick und sah Sasha direkt an. Dann zuckte ich mit den Schultern.
“Keine Ahnung, kann mich nicht daran erinnern. Ich glaube, ich war im Militär, aber das weiß ich nicht sicher.”
Sasha nickte nur, ehe wir stillschweigend weiter aßen.