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Schrecken im Wald

Das Mädchen Hinter Den Mauern — www.fanfiktion.de · All chapters

Schrecken im Wald

Hey da bin ich wieder mit dem nächsten Update. Dieser Part wird nochmal einiges in Frage stellen und endlich ein bisschen Schwung in die Story hinter Elaras Vergangenheit bringen. Ich hoffe es gefällt euch :)

Also viel Spaß beim lesen. Über Rückmeldungen würde ich mich wie immer sehr freuen.

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Als ich auf dem bekannten Platz ankam, waren die anderen bereits anwesend. Sasha winkte mich zu ihrer Gruppe heran. Connie und Jean standen ebenfalls bei ihr.

“Na bereit fürs erste Gruppentraining." Kam es von Connie

Ich nickte stumm. Auch wenn mir der Umgang mit dem 3D Manöver noch ungewohnt war, freute ich mich doch endlich mal mit den anderen zu trainieren. Levis Stimme ließ uns aufhorchen.

"Standardroute und los.”

Sofort erhoben sich die ersten in die Bäume. Ich wartete bis ganz zum Schluss, um niemandem in die Quere zu kommen und stieß mich dann ebenfalls vom Boden ab. Das vertraute Gefühl des Windes, in Kombination mit der Mechanik des 3D Manövers der letzten Tage, prägte sich in mein Gehirn ein. Nicht zu viel denken, einfach machen. Seine Worte. Ich dosierte das Gas und ließ mich durch die Lüfte ziehen. Es war zwar noch zaghaft und kaum Geschwindigkeit, dennoch flog ich, ohne gegen einen Baum zu knallen.

Immer weiter zog ich mich nach oben in die Baumkronen, behielt mein langsames, aber kontrolliertes Tempo bei und gewöhnte mich langsam an den Rhythmus und die Bewegungen. Irgendwann hatte ich die erste Runde geschafft, wurde zwar von allen bereits überholt, doch das hielt mich nicht auf. Sasha schenkte mir im Vorbeifliegen ein breites Grinsen und auch Jean sah stolz aus. Ich konzentrierte mich auf die Abläufe, ohne zu viel nachzudenken. Den Gashebel betätigte ich mittlerweile wie von selbst. Auch das Gleichgewicht konnte ich gut halten, nur die Entfernung und Geschwindigkeit konnte ich noch nicht genau einschätzen. Bei jedem Schuss des Hakens stellte ich mir vor, wo er einschlagen sollte und wo ich hin wollte. Das half mir extrem, meinen Weg zu finden.

Nach einer guten halben Stunde hatte ich mich so weit eingegroovt, dass ich ein wenig an Tempo zunahm. Connie flog sicherheitshalber einige Meter neben mir her, die anderen waren nicht zu sehen. Ich lächelte ihm zu, denn ich war extrem stolz auf meine Fortschritte. Außerdem machte es mir unfassbar viel Spaß, durch den Wind zu fliegen. Mehrfach musste ich mich zwingen, meine Konzentration zu halten und nicht ins Träumen zu geraten.

"Hey, du machst das echt gut.” Connies Stimme kam von ein paar Metern vor mir.

“Danke, ich lerne halt schneller, wenn es Spaß macht.” erwiderte ich ihm. Doch bevor ich noch etwas hinzufügen konnte, ertönte ein lauter Knall und Sekunden später ein stechender Schmerz an meinem Arm. Ich schrie kurz auf, bevor ich das Gleichgewicht verlor. Ich hatte keine Chance mehr einen Haken zu setzen und knallte gegen einen dünnen Ast. Mein Haken verfing sich direkt im dichten Astwerk, schlug sich um mein linkes Handgelenk und wickelte sich in den Ästen auf. Ich fiel einige Meter durchs Geäst, ehe ich mit einem Ruck im Arm zum Stehen oder besser gesagt hängen kam. Für einige Sekunden realisierte ich nichts mehr außer ein Brummen in meinem Kopf, dann hörte ich Levis Stimme.

“Connie hole die anderen und sucht diesen Mistkerl.”

Dann landete Levi auch schon einige Meter unter mir auf einem Ast. Ich hing rund 30 Meter über dem Boden, verheddert an einem Arm in den Ankern des 3D Manövers und konnte mich nicht bewegen. Seine Stimme kam langsam zu mir durch.

"Elara, alles gut?”

“Glaub schon.”

“Kannst du dich befreien?”

“Ich kann es versuchen, aber da geht es verdammt tief runter.”

Ich blickte mich um. Unter mir waren nur vereinzelt Äste, einen freien Sturz würde ich nicht überleben. Über mir hing meine gesamte Ausrüstung in diesem Ast. Hochziehen konnte ich vergessen. Mein einer Arm tat höllisch weh, der andere hing in den Seilen. Mein Blick fiel auf Levi, der circa zwei Meter unter mir auf einem Ast stand. In seinen grauen Augen spiegelte sich die Ruhe in Person wider, doch ich merkte, dass auch er nicht ruhig war. Ein kurzes Zucken in seiner Mimik verriet es mir. Seine Stimme klang ruhig, zu ruhig für ihn.

“Schneid dich los,ich fang dich.”

“Dein Ernst?” antwortete ich überrascht. Kurze Stille, dann erwiderte er ruhig.

“Elara vertraue mir.”

Ich sah zu ihm hinunter. In seinen Augen war kein Stück Unsicherheit zu erkennen. Kurz überlegte ich, dann nickte ich ihm zu. Mit meinem verletzten Arm versuchte ich mein Messer aus meinem Stiefel zu fischen. Es dauerte einen Moment, bis ich es sicher in der Hand hatte. Dann fing ich an alles durchzuschneiden, was ich durchtrennen konnte.

Es vergingen Minuten. Nur das Geräusch des Messers war zu hören. Ich schnitt schnell und präzise die Äste und das ganze Gewirr, das sich um meine Hand gewickelt hatte, durch. Dann entknotete ich den Rest der Anker, bis ich mich befreien konnte. Innerlich betete ich, dass Levi mich nicht unten aufkommen ließ. Dann zählte ich laut bis drei und ließ los. Ich fiel. Einige Sekunden lang schloss ich die Augen und wartete, bis mich zwei Arme packten und mich fest umschlossen. Ich krallte mich unbewusst in sein Hemd, schlang die Beine fest um seine Taille, um mich zu halten. Doch ich fiel nicht. Levi hatte mich fest an sich gezogen und wartete einige Sekunden, bis ich mich vom ersten Schock beruhigt hatte.

“Ich hab dich, keine Panik, ich lasse dich nicht fallen."

Seine Stimme war ruhiger als sonst. Seine Hände ruhten fest an meinem Rücken. Nach einigen Atemzügen sprach er ruhig weiter.

“Halt dich fest, ich bring uns hier runter.”

“Okay” mehr war ich nicht imstande zu sagen.

Levi richtete sich vorsichtig auf, hielt mich immer noch fest und gleitete elegant die Bäume hinunter. Ich spürte den Wind, der durch meine Haare wehte, der mich vor einigen Minuten noch frei fühlen ließ und nun drückend auf mir lag. Ohne Kontrolle. Nur Vertrauen in einen Menschen, den ich eigentlich nicht ausstehen konnte. Ich spürte Levis Atem dicht an meinem Ohr und fühlte seine Wärme überall an meinem Körper. Meine Hände ruhten träge um seinen Hals, versuchten sich mit letzter Kraft noch irgendwie festzuhalten. Was war da eben geschehen? Ein Knall und plötzlich dieser stechende Schmerz in meinem Arm. Ein Knall… immer wieder ging ich das Szenario durch. Bis sich mein Kopf an etwas aus meiner Vergangenheit erinnerte.

Ein Knall war zu hören. Überall Stimmen, sie lachten. Dreckig und belustigend. Ich stand stocksteif da. Auf einer Mauer. Es war fast dunkel. Ich konnte die Silhouetten vor mir kaum noch erkennen. Es waren Männer. Drei Stück. Ihre Hände spürte ich ganz deutlich. Ebenso ihre Blicke. Dann sah ich mich um. Hinter mir stand jemand. Ich betrachtete die Gestalt lange, bis ich meinen Bruder erkannte. Gekrümmt, die Hand an seiner Seite und Zorn in seinen Augen. Die Männer lachten wieder. Plötzlich spürte ich einen Ruck und dann fiel ich. Leise hörte ich Xanders Stimme, die mir zurief. “Elara Nein!” Doch mehr bekam ich nicht mit. Meine Sicht wurde schwarz, als ich auf dem kalten Boden aufschlug…

Levi riss mich mit seinen Worten aus meinen Gedanken.

“Wir sind unten. Du kannst loslassen”

Ich zitterte. Mein Atem ging schnell. Vorsichtig lockerte ich den Griff meiner Beine, nur um im nächsten Moment zusammen zu sacken. Levi hatte mich. Er hielt mich dicht bei sich. Auf wackeligen Knien stand ich an ihn gelehnt, die Stirn gegen seine Brust gelehnt. Das Zittern wurde schlimmer. Ich wusste nicht mehr wohin mit mir. Das Gefühl, keine Luft zu bekommen, war erdrückend.

“Ruhig atmen.”

Levis Stimme riss mich erneut aus meinen Gedanken. Tränen schossen in meine Augen. Ich atmete einige Male tief ein und aus. Dann hob ich meinen Blick und traf direkt in Levis graue Augen. Sie waren eigentlich nicht mal grau. Sie hatten einen ganz zarten Blauschimmer. Warum mir das jetzt gerade auffiel, wusste ich nicht, ich musste mich allerdings auf irgendetwas konzentrieren, um nicht wieder in kompletter Panik zu versinken. Levi ließ mich. Er sah mich einfach nur an, kein böser Kommentar, ich solle mich zusammenreißen und kein plötzliches distanzieren. Seine Augen verrieten nichts über ihn. Sie waren so klar und konzentriert wie immer, doch irgendwie bildete ich mir ein, sie seien weicher als sonst. Nicht so tödlich.

Wir standen einige Minuten einfach nur da, bis sich mein Atem wieder halbwegs beruhigt hatte und mein Herz wieder normal schlug. Dann löste ich mich langsam von ihm, ging einen Schritt zurück und stand immer noch wackelig da. Levi sah mich schweigend an. Er wartete auf eine Reaktion meinerseits.

“Ich…” versuchte ich stotternd. Es brauchte einige Momente, bis ich meine Stimme fand.

“Ich hab mich an was erinnert." Warum ich ihm das jetzt erzählte, war mir rätselhaft, doch ich musste es jemandem sagen, sonst fraß es mich von innen auf.

“Dieser Knall… den hab ich schon mal gehört… damals.. Auf der Mauer. Sie haben gelacht… über mich… Sie haben etwas getan, was ich nicht wollte… Mein Bruder stand da… wahrscheinlich um zu helfen… dann wurde ich geschubst und es wurde schwarz.”

Levi hörte aufmerksam zu, unterbrach mich nicht und stellte auch keine Fragen. Er nickte zum Schluss verständnisvoll.

“Du hast dich erinnert. Das ist gut.”

“Gut?” Wiederholte ich “Es hat sich angefühlt, als würde ich sterben.”

“Du hattest eine Panikattacke." Seine Stimme war klar und ruhig. “Das bedeutet, aber du fühlst noch etwas, du bist nicht gebrochen.”

Ich sah ihn schockiert an. Was hatte er gerade gesagt? Ich konnte mich erinnern, war nicht kaputt. Woher wusste er das alles überhaupt?

“Levi?”

“Mhm.”

“Woher…?”

Er stoppte mich mit einer kurzen Bewegung, als er seine Hand auf meine Schulter legte.

“Lass mich deine Wunde ansehen.”

Ich nickte und drehte meinen Arm zu ihm. Levi sah sich meinen Unterarm an. Es war zum Glück nur ein Streifschuss. Sollte relativ schnell verheilen, laut seiner Aussage. Auch mein anderes Handgelenk nahm er in die Hand. Es war übersät mit blauen und teils grünen Spuren. Kein Wunder, schließlich hing an meinem Handgelenk mein ganzes Gewicht. Levis Blick glitt zügig über mich. Doch er sah keine weiteren großen Verletzungen, abgesehen von vielen kleinen Schürfwunden.

"Komm, lass uns zurück gehen. Hanji soll sich das angucken.”

Ich nickte und lief wackelig neben ihm her. Meine Knie waren noch nicht wieder vollständig stabil und auch mein Kopf machte noch Probleme. Die Erinnerung schoss stetig zurück vor mein inneres Auge. Ließ mich kurz innehalten, bevor ich langsam einen neuen Schritt gehen konnte. Levi dauerte das anscheinend zu lange, denn plötzlich packte er mich unter den Knien und hob mich in einer fließenden Bewegung hoch.

"Hey, ich kann selber gehen.” protestierte ich lautstark.

“Sehe ich, beim nächsten Loch kippst du um, wie ein nasser Sack.”

Da war er wieder. Den Levi, den ich kannte. Kühl, distanziert und immer einen “netten” Spruch parat. Widerwillig ließ ich mich zurück zum Hauptquartier tragen. Das war wohl echt das letzte. Die anderen denken, ich wäre Gott weiß wie tot, wenn sie mich so sehen sollten.

"Kann ich nicht das letzte Stück selbst laufen?”

“Nein”

“aber hier sind keine Löcher mehr”

"Ist mir egal. Du schaffst es trotzdem dich umzubringen”

Widerwillig gab ich mich geschlagen, aber nicht bevor ich ihm mit meiner Hand gegen die Brust boxte. Er sah fragend zu mir herunter.

“Sollte das ein Schlag sein?”

"Nächstes Mal schlage ich richtig zu, keine Sorge. Wollte nur nicht im Dreck liegen.”

“Tss”

Damit war das Gespräch beendet und Levi lief weiter auf die Krankenstation zu. Ich hatte das Gefühl, dieser Mann wollte mit mir einen Marathon gewinnen. So schnell wie er um die Ecken lief und so leicht wie ich anscheinend in seinen Armen lag. Nach einer weiteren  Minute stieß Levi mit dem Ellenbogen auch schon rau eine Tür auf. Hanji im Inneren zuckte merklich zusammen.

"Ey, Brillenschlange mache dich nützlich.”

Hanji schob ihre Brille wieder zurück in ihren Haarschopf, ehe sie unbeholfen fast schon von ihrem Hocker stolperte.

“Was ist passiert?” fragte sie neugierig.

“Streifschuss rechter Arm, großflächige Quetschungen, linkes Handgelenk und diverse Schürfwunden.” Levis Stimme blieb ruhig, hatte allerdings eine gewisse Schärfe dahinter.

"Levi, du sollst sie beim Training nicht umbringen.” Hanji sah ihn empört an, als er mich schließlich auf eine der Liegen absetzte und auf dem Absatz kehrt machte. Direkt wieder Richtung Tür.

“Hanji..”

Seine Stimme war trocken.

“Mach deine scheiß Arbeit und lass mich meine machen.”

Damit verschwand Levi bereits wieder hinter der Tür.

Pov Levi

Verdammte scheiße wer wagte es in meinem Training eine Rekrutin anzuschießen. Das wird Konsequenzen geben und nicht gerade kleine. Diese Person wird mich jetzt richtig kennenlernen. Innerlich hoffte ich, dass meine Truppe den Angreifer stellen konnte. Doch insgeheim wusste ich, dass das nicht möglich war. Selbst ich hatte den Angreifer erst wahrgenommen, als es schon zu spät war. Es musste ein Profi gewesen sein. Aber was wollte er von Elara? Sie war ein niemand. Keiner kannte sie, keiner wusste von ihr und keiner hatte eine Ahnung, wo sie herkam. Kurz stockte mein Gedanke. Das war es. Irgendwie mussten Informationen durchgesickert sein, dass wir eine Frau im Aufklärungstrupp hatten, die hinter den Mauern lebte. Doch wer konnte von diesen Informationen profitieren und wer sah sie als Bedrohung an? Irgendetwas stinkte hier zum Himmel. Später musste ich unbedingt mit Erwin darüber sprechen, jetzt galt es, schnellstmöglich meine Truppe zu finden. Vielleicht, ganz vielleicht hatten sie etwas gesehen.

Schnellen Schrittes lief ich aus dem Hauptquartier und trat sogleich auf den Innenhof. Meine Truppe erwartete mich bereits. Anhand ihrer Blicke konnte ich bereits erkennen, dass sie keinen Erfolg hatten.

“Bericht Springer”

“Wir haben den Eindringling nicht finden können, es war, als wäre er nicht dagewesen. Haben das ganze Gebiet mehrfach abgesucht, keine Spur mehr von ihm.”

“Gute Arbeit, wegtreten."

Die Gruppe salutierte und schritt dann gleichmäßig an mir vorbei. Irgendetwas ließ mir keine Ruhe. Ich machte mich sogleich auf den Weg zurück an den Ort, an dem Elara angeschossen und gestürzt war.

Circa fünf Minuten später stand ich oben in den Bäumen und sah mich um. Das Einschussloch hatte ich direkt gefunden. Vorsichtig strich ich mit meiner Hand über das kaputte Holz. Eine tiefe Einkerbung hatte sich in die Rinde gefressen. Die Patrone war groß genug, um sie zu töten. Doch der Schuss traf nicht. Hatte der Schütze verfehlt oder war es Absicht? Nein, es musste absichtlich gewesen sein, er war ein Profi. Sonst hätten ihn meine Soldaten aufgespürt. Mein Blick fiel auf die Ausrüstung von Elara, die noch immer in dem Ast hing. Wer hatte es bloß auf sie abgesehen? Was wusste sie? Oder eher gesagt, was wussten die anderen über sie?

Ich blieb noch einige Minuten, prägte mir alles genau ein, bevor ich mich still auf den Weg zu Erwin machte. Als ich schließlich vor seinem Büro stand, klopfte ich laut. Kurze Stille, dann ertönte auch schon Erwins gelassene Stimme, die mich herein bat. Erwin saß hinter dem Schreibtisch, Hanji davor auf einem der Stühle. Sie sahen mich beide fragend an.

“Nichts.” gab ich ruhig von mir.

Erwin legte seine Hände ineinander, dachte nach, Hanji hingegen wippte von einem aufs andere Bein.

“Es war geplant", erwiderte ich.

“Das dachte ich mir bereits.”

Natürlich wusste Erwin Bescheid. Er hatte keine Sekunde verschwendet, nicht alle Eventualitäten durchzugehen und logisch zu schlussfolgern. Deshalb schätzte ich ihn so. Er dachte erst, bevor er entschied. Kein Wort war ungeplant. Keine Geste zufällig.

“Levi.” Erwin sprach mich an

“Mhm”

“Ich will, dass du Elara beschützt, bis wir wissen, womit wir es hier zu tun haben.”

“Das wird ihr nicht gefallen.”

“Ich weiß, dennoch müssen wir vorbereitet sein.”

Ich nickte stumm.

“Sie hat was von einer Mauer erzählt.”

Erwin und Hanjis Blick glitten fragend auf mich.

“Wann?”

“Sie sagte, sie ist von einer Mauer gestoßen worden und danach wachte sie im Titanengebiet auf. Ihr Bruder sollte ebenfalls dort gewesen sein.”

“Dann gibt es ganz sicher noch einen Ort hinter den Mauern, in dem Menschen leben. Wie spannend.”

Hanjis Euphorie stieg ins Unermessliche.

“Levi”

Erwin sah mich an.

“Ich will, dass du das untersuchst. Nimm ein kleines Team mit und finde Antworten. Ich werde mich derweil hier umhören.”

Ich nickte, stand auf und wollte gerade das Büro verlassen, als ich mich noch einmal zu Hanji drehte.

“Hanji mach alles startklar, wir werden morgen früh losreiten.”

Sie nickte begeistert. Dann verließ ich Erwins Büro und machte mich auf die Suche nach meinem Trupp. Ich fand sie schließlich zusammen mit Elara im Speisesaal.

“Springer, Braus, Kirschstein, Sturmjäger in fünf Minuten in meinem Büro.”

Meine Stimme ließ keine Widerworte zu.

Pov Elara

"Habt ihr ne Ahnung, was der Hauptgefreite um diese Uhrzeit noch von uns will", fragte Sasha schlecht gelaunt.

Levi hatte uns gerade vom Essen vertrieben. Nun waren wir vier auf dem Weg in sein Büro.

"Wahrscheinlich was Neues wegen des Schützen", meinte Connie.

“Das hätte doch locker bis morgen warten können” Jean hatte sichtlich keine Lust auf noch ein Gespräch mit dem schlecht gelaunten Hauptgefreiten.

"Tja, keine Ahnung was er will, aber so leicht lass ich mich nicht von ihm durch die Gegend schicken, wenn es nicht überlebenswichtig ist.” gab ich ebenfalls meinen Senf dazu.

Wir liefen weiter durch die Gänge, rätselten und machten kurze Zeit später vor der Bürotür halt. Jean erbarmte sich als erstes und klopfte energisch gegen die Tür. Statt einer Antwort öffnete Levi schweigend, ließ uns hinein und verschloss hinter uns die Tür.

"Willst du uns umbringen?” stachelte Ich.

“tss dafür müsste ich nicht mal abschließen", erwiderte er kühl.

"Ich will gar nicht lange um den heißen Brei reden. Erwin hat eine Mission autorisiert. Morgen früh reiten wir los. Strikte Diskretion, keine Worte zu irgendjemand. Habt ihr mich verstanden.”

Connie, Sasha und Jean salutierten gleichzeitig. Ich stand da und machte keine Anstalt mich zu bewegen. Ein leichtes Nicken reichte dem Hauptgefreiten offenbar aus, um das als ein Ja zu werten.

"Gut, ihr könnt gehen. Sturmjäger, du bleibst."

Die anderen drei verschwanden sogleich wieder aus der Tür, nachdem Levi den Schlüssel umgedreht hatte. Ich nutzte die Chance, mich in seinem Büro umzusehen. Viel gab es nicht. Ein Schreibtisch, auf dem jedes Blatt, jedes Heft, ja selbst sogar die Tasse geometrisch ausgemessen im rechten Winkel lagen. Ein altes Regal ohne persönliche Gegenstände, gefüllt mit Akten sortiert nach Farbe und Größe. Und schließlich ein Fenster. Mehr hatte dieser Raum nicht zu bieten, außer dass man vom Boden essen konnte. Kein einziges Staubkorn war zu sehen, alles stand an seinem Ort und es roch irgendwie nach Krankenstation, gemischt mit herbem Tee.

"Wie kannst du hier drinnen arbeiten?” fragte ich direkt.

“Ich mag Ordnung und klare Strukturen.” erwiderte Levi stumpf.

“Das hat doch nichts mehr mit Ordnung und Strukturen zu tun. Das Zimmer ist steril und so riecht es auch.”

Ich war sprachlos, wie konnte ein Mensch so einen krassen Putzfimmel haben.

“Tss lass das meine Sorge sein.”

“Warum ich eigentlich mit dir reden wollte.” begann er, als ich mich dreist wie ich war einfach auf seinen Schreibtisch setzte. Levis Blick tötete mich.

“Was denn du hast nicht mal einen Stuhl.”

"Wenn du was unordentlich machst, dann bring ich dich um.”

"Jaja, schon verstanden, was ist denn noch so wichtig.”

Levi atmete merklich zweimal langsam durch, ehe er den Blick wieder auf mich richtete.

"Du sagtest, du wurdest von einer Mauer gestoßen.”

"Ja, komm zum Punkt."

“Weißt du, wo dieser Ort ist.”

Ah, ich wusste, worauf er hinaus wollte.

“Sorry Levi kann mich leider nicht mehr dran erinnern. Hab die ganzen Monate keine Mauer geschweige denn irgendetwas Menschliches gesehen.”

Er nickte nur

"Gut, dann verschwinde aus meinem Büro und sei morgen früh pünktlich.”

Ich hatte gehofft, dass das Gespräch schnell beendet sein würde, aber dass er mich eiskalt aus seinem Büro schmiss, damit hatte ich nicht gerechnet. Ich ließ mich langsam von seinem Schreibtisch gleiten, doch statt zur Tür zu gehen, ging ich zum Fenster.

“Was soll das?”

“Du hast nicht gesagt, wie ich verschwinden soll.”

Ich schenkte ihm ein provozierendes Lächeln, bevor ich das Fenster aufschob und hinaus aufs Dach sprang. So ging es deutlich schneller zurück in den Speisesaal, wo mein Essen wahrscheinlich nun kalt sein sollte.