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Beisammen

Das Mädchen Hinter Den Mauern — www.fanfiktion.de · All chapters

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Sooo da bin ich wieder mit einem neuen Kapitel. Ich wünsche viel Spaß und hoffenltich einige Luftanhalter oder Lacher. Ich melde mich nach dem Kapitel nochmal, dann verdauen wir das ganze zusammen :D

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Auf dem Weg zum Speisesaal hielt mich Hanji plötzlich auf.

“Hey Elara, magst du morgen vor der Mission einmal kurz zu mir in meinen Forschungsraum kommen, ich hab noch eine Kleinigkeit für dich.”

“Ja klar natürlich.”

Ich schenkte ihr ein kurzes Lächeln, ehe Hanji auch schon wieder völlig aufgeregt und freudig verschwand. Diese Frau, dachte ich. Konnte sie überhaupt einmal nicht schlecht gelaunt sein. Wie konnte sie eigentlich so gut mit Levi auskommen? Die beiden waren wie Tag und Nacht. Einfach zu unterschiedlich. Kopfschüttelnd setzte ich meinen Weg zur Tür des Saals fort. Irgendwann musste ich Hanji mal ausquetschen über sie und Levi, aber das hatte erstmal Zeit. Schließlich ritten wir morgen das erste Mal wieder hinter die Mauern. Dorthin, wo alles begann.

Sasha, Jean und Connie waren ebenfalls wieder auf ihrem Stammplatz nahe der Essensausgabe. Ohne sie zu begrüßen, setzte ich mich zurück zu ihnen.

“Na lebst du noch.”

Connie grinste mich an.

“Oder sollte ich besser fragen, ob der Hauptgefreite noch lebt.”

Ich rollte mit den Augen und konnte mir ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen.

“Dem geht's sehr gut, hat mich nur fast nen Kopf kürzer gemacht.”

“Was hast du denn wieder angestellt?" wollte Sasha wissen.

"Naja, der Kerl besitzt ja nicht mal einen Stuhl in seinem Büro, also habe ich es mir auf seinem Schreibtisch gemütlich gemacht.”

“Du hast was?” Jean sah mich fassungslos an. Auch die anderen beiden stockten kurz.

“Alter Elara irgendwann bringt er dich wirklich noch um.”

Connie sah mich ernst an.

“Das du nicht im hohen Bogen aus dem Fenster geflogen bist, ist auch echt ein Wunder.”

“Also was das angeht, ich bin aus dem Fenster gesprungen, aber freiwillig. Er musste nicht nachhelfen.”

“Du bist aus dem Bürofenster des Hauptgefreiten geklettert, anstatt wie jeder normale Mensch die Tür zu nehmen?” Jean war sprachlos.

"Tja, ich finde mich halt nicht zurecht in eurem Labyrinth von Gängen, Türen und noch mehr Räumen.”

Ich kratzte mich verlegen am Hinterkopf. Vielleicht hätte ich das lieber nicht erwähnen sollen. Schließlich war es echt irgendwie komisch, aus dem Fenster über das Dach zum Speisesaal zu klettern, weil ich zu faul war, mir einmal den Weg nach unten zu merken. Entschuldigend lächelte ich die drei an.

“Ich benehme mich morgen, okay, aber nur solange Levi es auch tut.”

Sie schüttelten synchron mit dem Kopf.

“Fällt mir nichts mehr zu ein.” Connie lachte.

“Ganz ehrlich, Elara, ich mag dich, sonst würdest du hier auch nicht reinpassen.” sagte Sasha, ehe sie sich wieder ein Stück Brot zwischen die Lippen stopfte. Jean und Connie nickten zustimmend.

"Ey, ich habe eine grandiose Idee.”

Connie sprang mit einem Satz auf.

“Wir treffen uns in einer halben Stunde draußen.”

Sasha und Jean wussten anscheinend ganz genau, was der andere dachte. Sie sahen sich wissend an und nickten nur. Connie verschwand heimlich nach draußen, während Jean zu einigen anderen Tischen ging und einigen Leuten etwas zuflüsterte. Sasha sammelte unterdessen eine Menge Essen zusammen. Mehr als das sie tragen konnte. Lachend versuchte ich ihr halb zwischen den Armen gerutschtes Brot zu fangen, ehe es auf dem Boden landete. Dann griff ich ihr unter die Arme und befolgte ihre Anweisungen, was ich alles mitnehmen sollte. Eigentlich war es fast alles, was essbar war. Sasha war da hingegen echt ein kleiner Teufel. Ständig stahl sie Essen und prahlte damit, als ob sie einen heiligen Diamanten ausgegraben hätte.

Eine halbe Stunde später saßen wir gemeinsam um ein kleines Lagerfeuer, das Connie sorgsam entfacht hatte. Das Feuer knackte laut, als ein weiterer Scheit in der Mitte des kleinen Kreises zusammenbrach. Funken stiegen in die dunkle Nacht und verschwanden zwischen den Sternen. Rings um die Flammen saßen Soldaten des Aufklärungstrupps auf Decken, alten Kisten oder einfach auf dem Boden. Für einen Abend gab es keine Mauern, keine Berichte und keine Befehle. Nur das Feuer und den Alkohol, den Connie gestohlen hatte.

“Ich sage euch, das ist eine hervorragende Idee gewesen”, verkündete Connie und hob seinen Becher. Dabei machte er eine ausladende Bewegung, die beinahe seinen gesamten Becher verschüttete.

Sasha hatte es sich neben Connie bequem gemacht und hielt bereits die zweite Flasche in den Händen. Es wurde gelacht, geredet und sich gegenseitig aufgezogen, so wie es bei einer ganz normalen Feier von Menschen in unserem Alter passieren würde. Jedoch war die Stimmung anders, bedrückender und dennoch einladend. Jeder wusste, dass es jederzeit vorbei sein konnte. Jeder Tag konnte der letzte sein. Jeder Tag war ein neuer in einem Krieg, der schlicht viel zu groß wirkte.

Jean lehnte sich zurück, blickte ins Feuer und nahm einen Schluck aus seinem Becher. Für einen Moment sagte niemand etwas. Nur die Flammen spiegelten sich in den Augen der Soldaten wieder, während es beinahe friedlich war. Das Feuer knisterte. Die Flasche wanderte weiter. Jemand begann eine Geschichte über einen völlig missglückten Ausbildungstag zu erzählen. Eine andere Soldatin behauptete, Connie habe damals absichtlich einen Kameraden in den Schlamm geschubst. Connie bestritt alles. Ich beobachtete die beiden und schüttelte lächelnd den Kopf. Ich mochte den Abend. Es war anders als alle zuvor. Ich war nicht allein mit meinen Gedanken, konnte mich etwas fallen lassen. Auch wenn das wahrscheinlich der Wirkung des Alkohols zu schulden kam. Dennoch wirkten alle so entspannt, fast schon fröhlich.

Für ein paar Stunden dachte niemand daran, wie zerbrechlich ihr Leben eigentlich war und was gerade hinter den Mauern passierte. Niemand fragte sich, woher ich kam oder was ich hier zu suchen hatte. Sie akzeptierten mich als eine von ihnen, ohne dass ich viel machen musste. Wahrscheinlich weil sie jeden Kameraden gebrauchen konnten oder in der Hoffnung, dass wir uns gegenseitig beschützten. Ganz vielleicht hatte ja sogar Erwin seine Finger im Spiel. Ihn konnte ich nicht ganz einschätzen. Er war ein hervorragender Anführer und Stratege, soviel hatten die anderen mir bereits berichtet, doch seine Beweggründe waren ebenso tief verschlossen wie die von Levi. Erwin ließ sich nicht hinter die Karten schauen, hatte immer bereits mehrere Schritte geplant und war stets zielstrebig unterwegs.

Das Lachen der anderen brachte mich wieder in die Realität. Becher wurden angestoßen, Flaschen herumgereicht. Laute Gespräche halten durch die Stille der Nacht, wo das Feuer langsam herunterbrannte. Ich schnappte ein Gespräch zwischen einer jungen Frau mit einem roten Schal, einem kleineren blonden Mann und einem jungen Mann mit dunklen längeren Haaren, die er sorgfältig zu einem Knoten gebunden hatte auf.

“Eren du hattest einen tiefen Kratzer.”

Die Frau schien besorgt zu sein. Der junge Soldat namens Eren lachte verlegen.

“Er ist gegen einen Türrahmen gelaufen.” kam es von dem Blonden.

“Der Türrahmen stand halt im Weg.”

Eren kratzte sich verlegen am Hinterkopf und wandte sich zu dem Blonden um.

“Armin musst du mir immer in den Rücken fallen, du weißt doch wie Mikasa ist.”

Der Blonde namens Armin klopfte Eren einmal auf die Schulter, ehe er zu lachen anfing. Die Frau mit dem roten Schal, namens Mikasa wirkte allerdings weniger belustigt. Sie sah Eren mit einer Ernsthaftigkeit an, die mir eine Gänsehaut verpasste. Schnell wandte ich meine Augen und Ohren von dem Gespräch ab und sah wieder zu Connie hinüber, der bereits in schallendes Gelächter ausbrach.

“Hey Connie ich kann da halt nichts für.”

“Du hast dich ernsthaft bei deiner ersten Übungseinheit so sehr verlaufen, dass du zwei Stunden lang dachtest, du würdest absichtlich eine geheime Route erkunden.“ wiederholte Connie lachend.

“Du bist in einem Hühnerstall gelandet.” warf Jean in den Raum.

“Das war nicht meine Schuld.” versuchte sich der Soldat zu verteidigen.

“Du hast dich bei den Hühnern entschuldigt.” Connies Stimme versagte fast, so laut musste er lachen.

“Sie sahen wütend aus!”

Ich konnte mir ebenfalls ein Grinsen nicht verkneifen. Das hörte sich tatsächlich ziemlich dämlich an. Aber wahrscheinlich konnte jeder hier eine Geschichte erzählen, die die anderen zum Lachen brachte.

Plötzlich ließ sich jemand neben mir auf den Baumstamm sinken.

“Ist hier noch frei?”

“Du sitzt schon.” konterte ich direkt.

“Dann nehme ich das als ein Ja."

Ich warf ihm einen kurzen Seitenblick zu. Der Soldat war gut gebaut, groß, blond und hatte einen leichten Dreitagebart. Dann unterbrach ich die kurze Stille.

“Du bist erstaunlich dreist.”

“Ich dachte, das gefällt dir.”

“Woher willst du das wissen?”

Er lehnte sich etwas zurück.

“Intuition.”

Mehr kam nicht von ihm. Ich hob fragend eine Augenbraue. Was wollte er von mir? Augenscheinlich hatte er getrunken. Vielleicht erhoffte er sich auf eine Chance bei der neuen. So dreist wie er war, würde es mich nicht einmal wundern. Ich war dennoch neugierig und hielt das Gespräch am Laufen.

“Gefährliche Eigenschaft.”

“Kann manchmal nützlich sein.”

Für einen kurzen Moment sah er mich an, dann schenkte er mir ein ehrliches Lächeln.

“Ich bin übrigens Reiner.”

“Elara freut mich.”

“Das klingt schon eher nach einer Einladung.”

Ich wandte meinen Blick wieder dem Feuer zu. Innerlich musste ich schmunzeln. Er versuchte also doch mit mir zu flirten. Tja, worauf er sich da einließ, sollte er lieber nicht wissen.

“Du interpretierst ziemlich viel in einen Satz.”

“Man muss Chancen erkennen, wenn sie sich bieten.”

“Und wenn gar keine Chance da ist?”

“Dann erschaffe ich eine.”

Ich lachte leise. Reiner musterte mich offensichtlich. Irgendwie hatte dieser Kerl mein Interesse geweckt. Nicht weil er mein Typ war oder ich nach etwas suchte, sondern eher weil er absolut der festen überzeugen war, die Situation zu kontrollieren. Ich wollte ihm beweisen, dass das absolut nicht der Fall war.

“Selbstbewusst.”

“Muss man sein.”

“Oder arrogant.”

“Das liegt im Auge des Betrachters.”

Reiner rückte ein kleines Stück näher zu mir. Nicht viel, aber gerade genug, dass ich es bemerkte. Mutig war er ja, das konnte ich ihm nicht abstreiten.

“Und?”, fragte er.

“Und was?”

“Wie beurteilst du mich?”

Ich tat so, als würde ich wirklich genau darüber nachdenken, dabei musterte ich ihn demonstrativ langsam von oben bis unten. Wenn er schon mit mir flirten wollte, sollte er aufpassen, wer hier die Oberhand behielt. Schließlich war er augenscheinlich ein paar Jahre jünger als ich, aber den Spaß wollte ich mir nicht entgehen lassen. Sollte er doch denken, dass er Erfolg bei mir hatte. Später würde er es bereuen, wenn ich ihn abblitzen ließ. Also spielte ich mit.

"Hm… Schwierig"

“Schwierig?”

“Aber du weißt es ja.”

Reiner grinste.

“Was weiß ich?”

“Dass du gut aussiehst.”

Er blinzelte überrascht. Ich konnte sehen, dass er mit vielem gerechnet hatte, aber offenbar nicht damit. Dann nahm ich einen Schluck aus meinem Becher und beobachtete Reiner aus dem Augenwinkel. Er war sichtlich überfordert. Also setzte ich nach.

“Was ist, hab ich dir die Sprache verschlagen? Du bist auf einmal so still.”

“Du machst es mir nicht gerade leicht.”

Reiner sah mich an. Ich hielt seinem Blick stand. Für einen Moment sagte keiner etwas. Das Feuer knackte. Von der anderen Seite des Platzes drang lautes Lachen herüber. Plötzlich beugte er sich ein wenig zu mir herunter. Seine Stimme war ein Hauch tiefer und leiser als zuvor.

„Man munkelt, dass du ziemlich gefährlich seist, Elara?"

Ich lächelte unschuldig.

“Ich?”

Er nickte.

“Warum?”

“Weil du genau weißt, was du tust. Besonders wenn es um den Hauptgefreiten geht.”

Ich legte meinen Kopf leicht schief. Sah ihn fragend an. Ein leichtes Lächeln zierte meine Lippen.

“Und was tue ich deiner Meinung nach jetzt gerade?”

“Du flirtest mit mir.”

“Du bist wirklich überzeugt von dir.”

“Habe ich nicht recht?”

Ich ließ mir einen Moment Zeit. Wollte ich dieses Spiel noch weiter treiben oder ihn jetzt schon auf Trockeneis legen? Ich entschied mich für ersteres. Ein bisschen Unterhaltung musste sein, auch wenn Reiner garantiert niemals ernst in mein Beuteschema fallen würde. Dafür war er mir einfach zu jung und zu grün hinter den Ohren. Allein ein Kommentar hatte ausgereicht, um ihn sprachlos zu machen. Er hatte sich zwar wieder schnell gefangen, aber für jemandem an meiner Seite war er mir zu weich. Schließlich müsste er mich händeln können und das konnte nicht jeder. Dennoch wollte ich mir die kleine Ablenkung nicht entgehen lassen, bevor es morgen in Titanengebiet ging. Also rückte ich ein kleines Stück näher an ihn heran und antwortete auf seine Frage mit einem “Vielleicht.”

“Vielleicht?”

“Vielleicht flirte ich mit dir.”

“Und vielleicht?”

Ich schenkte ihm ein amüsiertes Lächeln.

“Vielleicht habe ich einfach Spaß daran, dich ein bisschen aus dem Konzept zu bringen.”

Reiner lachte.

“Also spielst du nur mit mir.”

“Wer sagt, dass du nicht auch mit mir spielst?”

“Touché.”

Er sah mich einige Sekunden lang an.

“Dann sind wir wohl beide nichts besser.”

“Vielleicht.”

“Du sagst dieses Wort ziemlich oft.”

“Vielleicht gefällt es mir.”

“Mir gefällt es.”

Ich schüttelte lächelnd den Kopf.

“Du gibst wirklich nicht auf.”

“Nicht, wenn es interessant wird.”

“Und ich bin interessant?”

Reiner musterte mich. Diesmal war sein Blick etwas ernster, nicht mehr so anbaggernd wie zu Anfang, eher wirklich interessiert.

“Sehr sogar.”

Ich spürte, wie sich mein Lächeln für einen Moment veränderte. Reiner spielte seine Rolle verdammt gut, also beschloss ich sein Spiel noch ein wenig weiterzutreiben. Ich beugte mich noch ein Stück näher zu ihm hinüber, dicht an sein Ohr und flüsterte.

“Dann solltest du vielleicht besser aufpassen.”

“Worauf?”

Ich lächelte, zog mich wieder ein Stück zurück und hielt seinem brennenden Blick stand.

“Dass du dich nicht am Ende selbst in dein Spiel verstrickst.”

Kurze Stille, dann erwiderte Reiner leise.

“Ich glaube, dafür ist es bereits zu spät.”

“Dann bist du wohl selbst schuld.”

“Damit kann ich leben.”

Ich hob meinen Becher und stieß gegen den von Reiner. Dann nahm ich einen großen Schluck und stand auf. Sofort spürte ich seinen brennenden Blick auf meinem Rücken, als ich mich vom Platz entfernte und ein Stück in den dunklen Wald hinein schlenderte. Die Stimmen der anderen am Feuer wurden leiser. Allein Reiners Schritte einige Meter hinter mir halten leise durch die Stille der Nacht. Ich wusste, er würde mir folgen. Ich wusste, er konnte nicht widerstehen. Es amüsierte mich, mit ihm zu spielen. Ich hatte ihn gewarnt, mehrfach und doch spielte er mit dem Feuer. Ja, es war vielleicht nicht ganz fair von mir, ihn alsbald von mir zu stoßen, aber etwas Vergnügen konnte nie schaden, denn heute könnte der letzte Abend sein. Morgen geht es hinter die Mauern, dorthin, wo ich am liebsten nie wieder hin wollte. Dorthin, wo alle Albträume wahr werden konnten. Diesen einen Abend wollte ich mir nicht nehmen lassen, deshalb blieb ich irgendwann stehen und drehte mich zu Reiner um, der einige Meter hinter mir ebenfalls zum Stehen kam.

“Du bist schlecht darin, unauffällig zu sein.”

Reiners Mundwinkel hob sich leicht.

“Dann hätte ich mir ja keine Mühe geben müssen, leise zu sein.”

Ich schmunzelte und sah ihn an.

“Du hättest auch einfach sitzen bleiben können.”

“Hätte ich…. Aber ich wollte meine Chance nutzen”

“Welche Chance?” fragte ich amüsiert.

“Dich zu überzeugen.”

Ich ging einen einzigen Schritt auf ihn zu, erwiderte seinen Blick und musterte ihn direkt.

“Und wie willst du das anstellen?”

Ich war neugierig auf seine Antwort. Reiner überlegte eine Sekunde, dann ging er ebenfalls langsam auf mich zu, hielt den Blick starr auf meine Augen gerichtet und sprach leiser als zuvor.

“Vielleicht weniger Reden und mehr machen.”

Ich blieb still, ließ den Satz auf meiner Zunge zergehen. Reiner stand nun dicht vor mir. Auch er war still geworden. Das Licht des Lagerfeuers flackerte nur noch schwach zwischen den Bäumen und auch die Geräusche der anderen waren weit entfernt. Für einen kurzen Moment war alles ruhig. Ich spürte, wie seine blauen Augen runter zu meinen Lippen wanderten. Nur kurz nicht zu auffällig, aber mit einer deutlichen Botschaft dahinter. Ich wich nicht zurück. Wartete auf eine Reaktion seinerseits. Schließlich hob er langsam eine Hand und strich mir eine lose Strähne meiner roten Haare aus dem Gesicht. Seine Hand berührte mit völliger Absicht meine Wange und blieb einige Sekunden liegen. Dann wanderte sie zu meinen Lippen, strich kurz hinüber, ehe sie an unter meinem Kinn Platz fand.

“Ist das immer noch Spaß für dich?” Seine Stimme war nicht mehr wie ein Flüstern. Sein Atem spürte ich dicht an meinem Körper. Ich hob meinen Kopf, sah ihn direkt an und antwortete auf meine altbekannte provozierende Art.

“Vielleicht. Vielleicht auch nicht.”

Reiner lächelte. Hob mein Kinn ein Stück zu sich nach oben.

“Du machst es mir verdammt schwer.”

“Ich bin eben nicht leicht zu haben.”

Es trennten uns nur noch wenige Zentimeter. Ich spürte seinen Atem bereits heiß auf meinen Lippen. Wollte ich es wirklich so weit treiben? Wollte ich ihn wirklich küssen? Oder sollte ich es hier und jetzt beenden? In seinen Augen spiegelte sich Entschlossenheit wider. Auf seinen Lippen lag ein leichtes Grinsen und seine Finger, die immer noch mein Kinn umschlossen hatten, spürte ich nun mehr als deutlich. Ich musste mich entscheiden, sollte ich oder sollte ich nicht…

Doch die Entscheidung wurde mir mit der Sekunde abgenommen, in der eine viel zu ruhige Stimme die Stille wortwörtlich zerschnitt.

“Ich hoffe, ich störe nicht.”

Wir zuckten zusammen. Instinktiv suchte ich die Quelle der Stimme. Und da stand er. Einige Meter entfernt, die Hände locker in den Taschen seiner Hose. Auf seinem Gesicht lag keine Regung. Weder Überraschung noch Wut noch sonst irgendetwas. Nur dieser vollkommen ausdruckslose Blick, der irgendwie schlimmer war als jedes Anschreien. Reiner trat sofort einen Schritt zurück und salutierte.

“Hauptgefreiter.”

Levi sah ihn an. Dann war es totenstill.

Es vergingen einige Sekunden, in denen wir uns alle anstarrten, dann fand mich mein Selbstbewusstsein wieder und ging sofort auf Angriff über.

“Was willst du Levi?”

„Die Frage ist eher, was genau macht ihr hier?“

Reiner öffnete den Mund. Schloss ihn aber direkt wieder. Er hatte offensichtlich nicht den Mut, seinem Hauptgefreiten die Meinung oder eher die Wahrheit zu sagen. Bei mir war es anders. Ich hatte kein Problem damit, ihm hier und jetzt mal wieder die Hölle heiß zu machen. Schließlich ging es Levi einen Scheiß an, was wir in unserer Freizeit taten, solange wir funktionierten, wenn es drauf ankam. Levi bemerkte es. Die winzige Regung in meinem Ausdruck. Sein Blick wanderte automatisch zu mir und fixierte mich. Reiner war inzwischen zu Luft geworden. Wir starrten uns an. Seine grauen Augen schnitten mir förmlich in die Seele, doch das war mir sowas von egal. Ich blickte einfach finster zurück. Sollte er mich doch anschreien, würde eh nichts ändern. Demonstrativ verschränkte ich die Arme und sah Levi herausfordernd an.

“Wie wäre es, wenn du deinen Arsch von hier wegbewegst und jemand anders mit deiner schlechten Laune nervst.”

Levi hob eine Augenbraue. Sah mich einfach nur an und erwiderte rein garnichts auf meine Provokation. Reiner sah zwischen Levi und mir hin und her. Er war sichtlich gestresst und verunsichert, kratzte sich am Hinterkopf und trat unruhig auf der Stelle rum.

"Ich glaube, ich..”

Versuchte Reiner irgendwie zum Ausdruck zu bringen. Ich unterbrach ihn prompt.

“Bleib”

Levi sah mich an, sagte immer noch kein Wort. Seine Fassade war wie immer perfekt. Keinerlei Regung kam hindurch. Kurz huschte sein Blick zu Reiner hinüber, der sofort zusammen zuckte. Dann wieder zu mir.

“tss”

Wieder dieser laut. Er machte mich wütend. Fast schon rasend. Es klang einfach wie eine verdammte Provokation, ohne überhaupt ein Wort zu sagen. Natürlich sprang ich voll drauf an. Ich ging mit langsamen Schritten auf Levi zu, fixierte seine grauen Augen, die den Schein des Mondes widerspiegelten.

"Stört dich das etwa?”

Meine Tonlage war provokant. Meine Wortwahl gewagt und meine Haltung schrie nach Konfrontation.

“Nein.”

“Klingt aber fast so.“

“Dann hörst du falsch.”

“Ich höre ausgezeichnet.”

“Das bezweifle ich.”

Ich lachte kurz auf. Wollte er mich eigentlich komplett verarschen. Er kreuzte hier einfach auf und machte eine halbe Szene. Reiner neben mir wäre beinahe im Boden versunken. Ihm war das alles viel zu unangenehm. Dennoch lag ein Hauch Bewunderung in seinem Blick. Ich glaube er genoss es genauso wie ich Levi mal ordentlich die Meinung zu Geigen.

"Levi, du bist unerträglich. Kannst du nicht einfach verschwinden?”

Sein Blick verfinsterte sich. Er atmete hörbar laut aus und verschränkte die Arme vor seiner Brust.

"Sagt die richtige.”

Reiner räusperte sich.

“Soll ich vielleicht doch…”

“Nein” kam direkt von mir.

“Ja”, sagte Levi gleichzeitig.

Levis und mein Blick glitt gleichzeitig zu Reiner hinüber. Er hob nur entschuldigend die Hände. Entschied sich dann allerdings zu gehen und den Befehl seines Vorgesetzten auszuführen. Seine Schritte hallten noch einige Sekunden über dem Erdboden, bis sie schließlich verschwanden. Levi sah mich wieder an.

“Und jetzt?” wollte ich endlich wissen. Ich war maximal sauer auf ihn. Levi trat einen Schritt näher. Blieb direkt vor mir stehen. Ich hob demonstrativ das Kinn und schenkte ihm einen finsteren Blick. Er stand wenige Zentimeter vor mir entfernt. Wir töteten uns wahrscheinlich gerade gegenseitig mit unseren Augen, denn in seinen lag nichts freundliches mehr.  Er antwortete immer noch nicht. Sah mich einfach nur an.

“Feigling.” rutschte es mir heraus.

Ein kaum sichtbares Zucken ging über Levis Mundwinkel, eher er doch zu einer Antwort ansetzte.

“Du provozierst gerne.”

“Und du reagierst gerne darauf.”

Levi schwieg. Ich lächelte provozierend und sah ihn wieder an. Dann antwortete Levi mit einer Seelenruhe.

“Du machst das absichtlich.”

“Was?”

“Mich zu provozieren.”

“Vielleicht.”

Ein Zucken huschte über meinen Mundwinkel. Er hatte recht, ich machte das mit purer Absicht und genoss es zutiefst, wie er mich an funkelte.

Ich wollte etwas erwidern, doch Levi beugte sich leicht zu mir herunter, um die nächsten Worte mit Nachdruck und einer Schärfe zum Ausdruck zu bringen, die anderen wahrscheinlich direkt die Seele eingefroren hätten.

“Du solltest das besser lassen, sonst vergesse ich mich.”

Ich trat einen Schritt nach vorn. Jetzt passte vielleicht noch ein Stück Papier zwischen uns. Ich spürte die Wärme, die von ihm ausging. Sein Atem, der immer noch gegen mein Ohr hauchte und seine Worte, die in meinen Gedanken nachhallten. Ich wollte etwas erwidern, wollte ihm die Stirn bieten. Langsam bewegte ich meinen Kopf ein Stück zurück. Nur soweit, dass ich in seine Augen blicken konnte und das Grau mir wieder begegnete. Meine Nasenspitze berührte seine für eine Millisekunde. Wir hielten beide inne. Warteten auf die Reaktion des jeweils anderen. Ich merkte schnell, dass er mir doch ein wenig zu nah war. Es fehlten vielleicht ein paar Zentimeter zwischen uns. Ich spürte seinen Atem plötzlich überdeutlich. Er sah mir einfach nur in die Augen. Für einen kurzen Moment war der Streit vergessen. Keiner bewegte sich. Niemand reagierte. Ich hob den Blick ein wenig.

“Was ist jetzt?”

Meine Stimme war brüchiger als sonst und weniger provokant, wie ich es gerne gehabt hätte. Levi antwortete ebenso ruhig. Doch seine Stimme ließ keinen Hauch von Kontrollverlust oder irgendetwas dergleichen durchblicken.

“Nichts."

"Du bist verdächtig still.”

“Du redest genug für zwei.”

“Dann solltest du mich vielleicht zum Schweigen bringen.”

Ein winziger Moment. Levi sah mich an. Seine Augen wanderten für den Bruchteil einer Sekunde zu meinen Lippen. Ich bemerkte es. Und er bemerkte, dass ich es bemerkt hatte. Die Spannung zwischen uns wurde beinahe greifbar. Dann schien er selbst zu realisieren, wie nah wir einander waren. Er zog den Kopf kaum merklich zurück. Ich tat es ihm gleich. Die Spannung zerbrach sofort. Levi sah mich noch einige Sekunden finster an, dann drehte er sich auf dem Absatz um und ließ mich stehen.

“Du hättest dich eh nicht getraut, mich zu küssen.” rief ich ihm provozierend hinterher.

Dann rutschten meine Gedanken automatisch zu der eben abgespielten Szene. Was zum Teufel war das bitte gerade. Ich hätte ihn nicht wirklich geküsst. Niemals wäre es so weit gekommen. Ich hatte ihn provoziert, wie ich es immer tat. Doch der Spruch ging doch ein wenig zu weit. “Dann solltest du mich vielleicht zum Schweigen bringen….” Was hatte ich mir denn dabei gedacht? Natürlich klang das absolut zweideutig. Kein Wunder, dass Levis Augen für eine Millisekunde auf meinen Lippen lagen. Das war bei so einer dämlichen Aussage auch komplett zu erwarten. Ich hasste mich dafür. Wieso konnte ich es auch einfach nicht gut sein lassen? Nein, wieder mal musste ich noch eine Schippe drauflegen und ihn noch mehr provozieren. Langsam sollte ich verstehen, dass diesen Mann nichts und niemand so leicht aus dem Konzept bringen konnte. Nicht einmal eine so dumme Aussage seiner Rekrutin, die er wahrscheinlich verabscheute. Da waren wir uns wenigsten einig. Ich konnte ihn ebenso nicht leiden. Er war arrogant, besserwisserisch, launisch und einfach immer da, wenn man ihn nicht brauchte. Was wollte er überhaupt hier? Wahrscheinlich mir meinen einzigen Abend versauen, bevor es morgen losgeht.

Stimmt, da war ja noch was. Morgen ging es wieder hinter die Mauern. Und vorher sollte ich noch bei Hanji vorbeischauen. Sie hatte mich doch darum gebeten. Also machte ich mich völlig verwirrt und selbsthassend auf den Weg in mein Zimmer, um vielleicht noch ein paar Stunden Schlaf zu bekommen, ehe morgen der Alltag wieder losging.

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Puhhh was soll ich sagen, wo fange ich denn da an. Irgendwie hat sich diese Szene so in meinem Kopf gebrannt, dass ich sie schreiben musste. Hättet ihr gedacht sie würde Reiner küssen? Tja so viel Kontrolle hatte sie dann bei unserem lieben Hauptgefreiten nicht mehr.  Vielleicht liegt da einfach zu viel Spannung in der Luft, die sich doch mal irgendwie entladen musste. Uff unsere Elara scheut sich auch vor so einem dreißten Spruch nicht. Was Levi darüber wohl denkt. Ihr könnt gespannt sein :D