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Das Spukhotel — www.fanfiktion.de · All chapters

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Das Hotel sah schon von außen so aus, als hätte es seit mindestens hundert Jahren niemand mehr renoviert.

Mokuba stand vor dem Eingang, die Hände in den Taschen seiner Jacke vergraben, und betrachtete das alte Gebäude mit leuchtenden Augen.

„Das ist perfekt!“

Seto, der neben ihm stand, hob eine Augenbraue.

„Perfekt für einen Abriss.“

„Seto!“

Yugi musste sich ein Grinsen verkneifen. Hinter ihm standen Joey, Téa, Tristan und Bakura, die ebenfalls neugierig das Hotel musterten.

„Also, ich finde es ziemlich gruselig“, gab Téa zu.

„Genau deswegen ist es doch spannend!“, sagte Mokuba begeistert. „Hier sollen nachts Geister auftauchen. Angeblich hört man Schritte auf den Fluren, obwohl niemand dort ist, und manche Gäste haben sogar behauptet, dass Türen von selbst aufgehen.“

Seto verschränkte die Arme.

„Geister existieren nicht.“

„Du bist nur zu feige, es herauszufinden.“

Seto sah seinen kleinen Bruder an.

„Ich bin nicht feige.“

„Dann bleibst du ja hier.“

„Natürlich.“

Mokuba grinste zufrieden.

„Wusste ich doch.“

Einige Stunden später hatte sich die Gruppe auf ihre Zimmer verteilt.

Das Hotel war tatsächlich seltsam.

Mehrmals waren irgendwo Schritte zu hören gewesen. Einmal hatte sich eine Tür bewegt, obwohl niemand in ihrer Nähe gewesen war. Yugi versuchte weiterhin, eine vernünftige Erklärung dafür zu finden.

Seto hingegen blieb vollkommen unbeeindruckt.

„Zugluft“, sagte er jedes Mal.

„Und die Schritte?“, fragte Mokuba.

„Jemand läuft.“

„Obwohl niemand da war?“

„Dann hast du dich eben geirrt.“

Mokuba verdrehte die Augen.

„Du bist wirklich der schlechteste Partner für eine Geisterjagd.“

„Und trotzdem hast du mich mitgenommen.“

„Weil du mein Bruder bist.“

Seto schwieg kurz.

„Bedauerlicherweise.“

Mokuba grinste.

Kurz nach Mitternacht wurde es plötzlich still.

Viel zu still.

Mokuba lag in seinem Bett und starrte zur Tür.

Knarr.

Er setzte sich auf.

„...Hallo?“

Keine Antwort.

Dann hörte er Schritte auf dem Flur.

Langsam.

Schritt.

Schritt.

Schritt.

Mokuba schluckte.

„Das ist bestimmt nur jemand vom Personal.“

Die Schritte kamen näher.

Dann blieb alles still.

Mokuba atmete erleichtert aus.

Bis sich der Türgriff bewegte.

„Nein.“

Die Tür ging einen Spalt auf.

Mokuba sprang aus dem Bett.

„NEIN!“

Er rannte aus seinem Zimmer, den Flur entlang und direkt in das Nachbarzimmer.

Seto, der gerade in einem Buch gelesen hatte, sah irritiert auf.

Mokuba schloss hastig die Tür hinter sich.

„Seto!“

„Was?“

„Da war etwas!“

Seto sah ihn an.

„Etwas?“

„Ein Geist! Ich schwöre! Die Tür hat sich von alleine geöffnet!“

Seto legte sein Buch zur Seite.

„Und deshalb stürmst du mitten in der Nacht in mein Zimmer?“

Mokuba nickte.

„Ja.“

„Warum?“

Mokuba deutete auf das Bett.

„Ich schlafe heute hier.“

Stille.

Seto starrte seinen Bruder an.

Mokuba starrte zurück.

Seto blinzelte einmal.

Dann noch einmal.

„Nein.“

„Bitte.“

„Nein.“

„Seto!“

„Mokuba.“

„Ich habe Angst.“

Seto seufzte tief und fuhr sich über die Stirn.

„Du bist siebzehn Jahre alt.“

„Und?“

„Du wirst schön wieder in dein Bett zurückkehren.“

Mokuba sah ihn entsetzt an.

„Du willst mich einfach einem Geist ausliefern?!“

„Es gibt keine Geister.“

„Aber die Tür—“

„Zugluft.“

„Und die Schritte?“

„Irgendein Gast.“

„Und wenn es doch ein Geist war?“

Seto stand auf und ging zur Tür.

„Dann werde ich ihm erklären, dass er sich ein anderes Hotel suchen soll.“

Mokuba musste trotz seiner Angst kurz lachen.

Seto öffnete die Tür und sah auf den leeren Flur.

Nichts.

Er schüttelte den Kopf.

„Siehst du? Nichts.“

Mokuba blieb dicht hinter ihm stehen.

„Vielleicht versteckt er sich.“

„Ein Geist versteckt sich.“

„Ja.“

„Natürlich.“

Seto schloss die Tür wieder.

Mokuba sah erneut zum Bett.

„Also... darf ich?“

Seto verschränkte die Arme.

„Nein.“

„Nur heute.“

„Nein.“

„Ich verspreche auch, dass ich nicht schnarche.“

„Du schnarchst.“

„Tu ich gar nicht!“

„Doch.“

„Seto!“

Ein leises Knarren ertönte plötzlich aus dem Badezimmer.

Beide erstarrten.

Mokuba packte sofort Setos Arm.

Seto sah langsam zur Badezimmertür.

Sie bewegte sich.

Ein Spalt.

Dann noch einer.

Mokubas Augen wurden riesig.

„Seto...“

„Bleib hinter mir.“

Gemeinsam starrten sie auf die Tür.

Plötzlich sprang sie auf.

„AAAAAH!“

Etwas Schwarzes schoss heraus.

Mokuba klammerte sich an seinen Bruder.

Seto wich einen Schritt zurück.

Und dann—

„Miau.“

Beide sahen nach unten.

Eine kleine schwarze Katze saß mitten im Zimmer.

Mokuba blinzelte.

Seto schwieg.

Die Katze setzte sich hin und putzte sich seelenruhig die Pfote.

Mokuba begann zu lachen.

Seto schloss für einen Moment die Augen.

„Ich hasse dieses Hotel.“

Mokuba grinste.

„Also darf ich jetzt hier schlafen?“

Seto sah ihn an.

„Nein.“

„Seto!“

„Du hast gerade Angst vor einer Katze gehabt.“

„Ich wusste nicht, dass es eine Katze ist!“

„Dein Bett.“

„Aber—“

„Dein. Bett.“

Mokuba seufzte dramatisch.

„Du bist wirklich herzlos.“

Er ging zur Tür.

Dann drehte er sich noch einmal um.

„Gute Nacht.“

Seto nahm wieder sein Buch.

„Gute Nacht.“

Mokuba verschwand auf dem Flur.

Drei Sekunden später steckte sein Kopf wieder durch die Tür.

„Seto?“

„Was?“

„Kann ich wenigstens die Katze mitnehmen?“

Seto sah zur Katze.

Dann zu Mokuba.

„Meinetwegen.“

Mokuba grinste.

„Danke!“

Und damit verschwand er mitsamt der Katze wieder in seinem Zimmer.

Seto schüttelte den Kopf.

„Siebzehn Jahre alt...“

Aus dem Flur hörte er Mokubas Stimme:

„Ich hab dich gehört!“

Seto musste unwillkürlich lächeln.