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Rise of SkySpider (2021)

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Rise of SkySpider (2021)

Hier der Link zu meiner Zeichnung.

•SkySpider

https://1drv.ms/i/c/c0a114388c74db00/IQC0giuT2qYNSICeMtKxmiuSAaT4j814hABK1RNfuglM5NE

Und so könnt ihr euch Black Cat vorstellen (vom Aussehen her):

https://marvels-spider-man.fandom.com/wiki/Felicia_Hardy

———

—The new suit—

»Wir müssen reden, Sky.«

Das hat Dad gesagt, nachdem ich zögerlich eingestiegen war.

Er nennt mich nur Sky, wenn etwas Schlimmes passiert ist, deswegen weiß ich, was auf mich zukommt.

»Über was?«, frage ich mutig.

»Du weißt genau, worum es geht. Über deine ... Rettungsaktionen in der Mittagspause und nach der Schule. Über 'die mysteriöse Person mit Superkräften', von der alle reden. Darüber, dass du offensichtlich diese Person bist.«

Ich wusste, dass das kommen würde.

Aber ich sage nichts, und eine ganze Weile ist es still.

»Du hättest mich fragen können, weißt du?«, sagt Dad schließlich.

»Ich bin Iron Man, ich kann verstehen, warum du anderen helfen willst. Ich habe es mir sowieso schon gedacht, als du mit Superkräften nach Hause kamst. Ich mein, du bist schon ein Avenger!«

Er seufzt.

»Ich hab mir es schon gedacht, dass du irgendwann mehr tun willst. Aber hättest du nur gefragt ...«

»Ich hab gedacht, ihr würdet es mir verbieten«, sage ich selbstbewusst.

»Ich würde dich unterstützen«, widerspricht Dad.

Okay. Damit ... habe ich überhaupt nicht gerechnet.

Dad grinst.

»Das mit der Sicherheit in der Schule ist so, dass alle wissen, wer du bist. Wenn du aber als Superheldin aktiv bist ... und deine Identität gut versteckst – wie du es schon gut getan hast, mit deinen Mitteln – spricht fast nichts dagegen. Genauer gesagt würde ich dir verbieten, deine Identität zu verraten, weil ich weiß dass du wie ich bist und jeder weiß, dass ich Iron Man bin, weshalb es sehr warscheinlich ist, dass es dir nichts ausmacht, dass jeder deine Identität kennt.«

Sprachlos starre ich ihn an.

»Weißt du, ich habe mir gedacht, ich kann dir nicht alles verbieten, dich nicht an einem Ort festhalten, damit dir nichts passiert.

Du wirst älter. Und das muss man als Vater akzeptieren. Du bist eben die Erste, bei der ich lerne, Vater zu sein. Deshalb ist das nicht so einfach.«

Er atmet einmal tief ein und aus.

»Deswegen ... wollte ich dir etwas zeigen.«

»Sie sollte ... fertig sein«, murmelt er leise, als er die Glastür zur Werkstatt öffnet.

Was genau sollte fertig sein?

Er dreht sich zu mir um und lächelt.

»Ich hab was für dich.«

Ich folge ihm, ohne irgendeine Idee, was er meinen könnte.

»Als du das erste Mal im Fernsehen und danach auf Youtube zu sehen warst, wusste ich direkt, dass du es bist«, fängt er an.

»Diese Netzflüssigkeit ist genial. Und sie funktioniert echt gut mit diesen ... wie nennst du es?«

»Webshooter.«

»Hast du dir das ganz allein ausgedacht?«, fragt er neugierig.

»Schon ... nur hat Eve hat mir ein bisschen geholfen, aber ja. Die Formel hab ich in der Schule aus Versehen entdeckt«, erkläre ich.

Dad bleibt vor dem Schreibtisch stehen, da liegt ein kleines Schmuckkästchen.

Was hat Schmuck damit zu tun?

»Und deine Kraft ist echt unglaublich. Du kannst einfach Autos aufhalten. Ich hätte nicht gedacht, dass du so stark bist, als du uns davon erzählt hast«, murmelt er.

Stolz strahle ich ihn an.

Dann nimmt er das Schmuckkästchen und hält es mir hin.

Ich nehme es, aber gucke ihn skeptisch an.

Er steht nur mit verschränkten Armen da.

»Na los, öffne es schon«, fordert er mich auf.

Also hebe ich den Deckel der kleinen Box.

Darin liegen zwei kleine schwarze Ringe in schwarzem Schaumstoff. An der Oberseite laufen hauchdünne blaue Linien entlang.

Fragend schaue ich zu Dad hoch und er macht eine auffordernde Handbewegung.

»Zieh sie an«, sagt er.

Ich streife mir die beiden an jeweils einen Ringfinger und überlege, was ich jetzt sagen soll.

»Danke, Dad. Die sind ... echt cool?«

Er muss schmunzeln.

»Du denkst doch nicht etwa, dass das normale Ringe sind?«

Er lacht, als er meinen verdutzten Gesichtsausdruck sieht.

»Schlag die zwei Ringe mal aneinander«, sagt er.

Also balle ich meine Hande zu Fäusten, schlage sie zusammen und warte gespannt, was passiert.

Die Ringe ... breiten sich aus!

Ich schaue meine Hände an, die jetzt  in metallisch-grau glänzenden Handschuhen stecken.

Dieses seltsame Metall breitet sich auf meinem kompletten Körper aus, bis auch mein Kopf bedeckt ist.

Ein Holo-Interface schaltet sich ein und gibt mir ziemlich viele Infos auf einmal.

Hallo, Sky , sagt Eve.

»Oh!«, rufe ich überrascht.

Ich blicke an mir herunter. Über dem schwarz-grauen Anzug laufen blaue, leuchtende Linien, wie auf den Ringen. Die Ringe sind mit dem Anzug verschmolzen.

Auf meiner Brust ist eine riesige, blaue Spinne und an meinen Handgelenken echt modern aussehende Webshooter.

»Sieht so cool an dir aus, wie ich dachte«, sagt Dad.

»Wie ... Woher ...«, stottere ich.

Dad tippt sich zur Veranschaulichung auf den Nano-Reaktor auf seine Brust.

Wie bei mir verbreiten sich die Nano-Partikel auf seinem Körper.

»Ach so!«, rufe ich aus.

»Das ist auch Nanotech!«

Dad nickt.

»Ich dachte, du könntest ein Upgrade gebrauchen. Du hast die arme Mütze zerschnitten und musst immer in der schweren Winterkleidung herumschwingen.«

Die Maske verschwindet von meinem Kopf.

Das geht ja vollautomatisch!

»Das Modell der Webshooter und die Formel der Netzflüssigkeit habe ich in deinem Zimmer gefunden, als du in der Schule warst. Hab's optimiert. Stärkere Zugkraft und längere Haltbarkeit. Und deine Lieblingsfarbe war schon immer Blau, deswegen dachte ich, das würde dir gefallen. Wir können es aber  noch ändern, wenn du willst.«

Ich betrachte mich in einer spiegelnden Glasscheibe.

»Nein, das ist perfekt«, hauche ich.

»Sie ist total perfekt.«

Dad lacht.

»Wollen wir eine Runde fliegen?«, fragt er.

»Wie ... kann ich doch gar nicht!«, sage ich verwirrt.

»Doch«, widerspricht er.

»Sag mal Eve, dass sie die Flügel ausfahren soll«, erklärt er mit einem schelmischen Grinsen auf den Lippen.

Ich starre Dad an, bevor ich schwer schlucke und mit zögernder Stimme wiederhole: »Eve, fahre ... Flügel aus.«

In der Glasscheibe sehe ich, wie zwei riesige blaue Flügel an meinem Rücken entfalten.

»Kann ich mit denen fliegen?!«, flüstere ich überwältigt.

»Jap, kannst du. Du hast dir so oft gewünscht, fliegen zu können, wie ich oder Sam. Und ich dachte, so Repulsoren wie bei mir würden nicht ins Design passen.«

Ich ... ich kann es nicht glauben!

»Das ist perfekter als perfekt!«, sage ich strahlend.

»Testflug gefällig, Skyle?«, fragt Dad noch einmal.

Ich bekomme kein Wort raus, also nicke ich nur hastig.

Wir gehen zusammen raus, meine Maske fährt wieder über meinen Kopf.

Als ich durch die Tür laufe, klappen sich die Flügel wieder ein, damit ich durchpasse.

Daran muss ich mich erstmal gewöhnen.

Und wie komme ich jetzt in die Luft?

Dad schwebt bereits über dem Boden und hilft mir.

»Du musst in die Luft springen, dann werden die Düsen an deiner Wingsuit aktiviert, genau wie die Flügel und du bekommst einen kleinen Schub. Der Rest kommt ganz automatisch, das bekommst du schon hin.«

Ich folge Dads Anweisungen und schwebe .

Wie bei meinem ersten Schwingen durch die Stadt kann ich nicht aufhören, vor Begeisterung zu jubeln.

Ein unglaubliches Gefühl.

Viel besser als am Netz zu schwingen!

Und den Rest mache ich wirklich, als hätte ich es schon tausend Mal gemacht. Ich sause durch die Luft, mache Loopings und will gar nicht mehr aufhören.

Und wie schnell ich sein kann!

Der See und der Wald rasen an mir vorbei.

Und obwohl ich schon extrem schnell bin, Dad ist immer noch schneller und überholt mich ganz leicht.

»Wie schnell kann ich fliegen?«, schreie ich ihm zu, in der Hoffnung, dass er mich hört.

»Au! Schrei mir nicht ins Ohr! Die Anzüge sind verbunden, du kannst ganz normal reden« , ertönt Dads Stimme direkt an meinem Ohr.

»Hilfe! Erschreck mich nicht so!«

»Ja, hätte ich dir vielleicht vorher sagen sollen. Und du kannst ungefähr 120 bis 160 km/h fliegen. Mit Boost, sagen wir ... 200.«

»Das ist voll krass!«

»Meine Mindestgeschwindigkeit sind 300 km/h, Skylee« , sagt Dad und ich kann sein Grinsen hören.

»Angeber«, sage ich augenrollend.

Aber ich kann trotzdem nicht aufhören zu grinsen.

Ich bin einfach nur ... glücklich .

Ich fliege mit Dad neben mir.

»Danke, Dad«, sage ich zögerlich.

»Ich weiß gar nicht, was ich sagen ...«

Meine Stimme bricht und ich habe Tränen in den Augen.

»Gar nichts. Flieg.«

Dad erklärte mir dann noch, was die Suit alles kann.

Wie ich es vorhin zum ersten Mal gemacht habe, kann ich die Nanopartikel mit den Ringen aktivieren. Wenn ich aber in Gefahr bin, wird es von Eve ausgelöst, ohne dass ich was machen muss.

Die Suit hat so einen Silent Mode, der Geräusche dämpft, sodass ich, lautlos laufen kann. Ich kann auch sprechen, ohne dass man es außerhalb hört, wenn ich den Mode aktiviert habe. Bei kleinen Schäden gibt es einen kleinen Extra-Speicher in der Wingsuit, die die Lücke auffüllen. Die Webshooter sind auch mit der Wingsuit verbunden, da gibt es einen größeren Speicher von Netzflüssigkeit.

Dad hat sogar Scout in die Suit eingebaut! Ich kann ihn genauso benutzen wie vorher, nur kann er auch von Eve gesteuert werden.

Außerdem habe ich eine Heizung, wenn es kalt ist, und sowas wie eine Klimaanlage, wenn es extrem heiß ist. Die Suit ist wasserdicht, im Wasser habe ich dann auch ein bisschen Sauerstoffreserve und der Anzug ist feuer- und kugelsicher, außerdem kann ich Nachtsicht einschalten. Am Ende erklärte mir Dad noch, dass Eve meine Stimme verzerren kann, falls ich in der Öffentlichkeit angesprochen werde. Damit ich älter klinge, als ich bin.

Der Anzug hat auch einen Tracker, was ich zuerst blöd fand, aber ich habe mich an Dads Versprechen an Mom und auch mich erinnert. Dass so etwas, was mir passiert ist, nie mehr passieren wird.

Und Dad hat mir erlaubt, dass ich zur Schule fliege.

Das wird viel schneller gehen, nur so 15 bis 20 Minuten statt 40 mit dem Auto.

Dann kann ich nach Hause, wann mich möchte.

(Ich habe aber eine Sperrzeit um 20 Uhr, wo ich zuhause sein muss. Wenn ich später da bin, darf ich nicht mehr allein in die Stadt.)

Mit Mom mussten wir darüber aich reden, Dad hat gesagt, dass er sonst Ärger kriegt, wenn ich in NYC Verbrechen bekämpfe und sie nichts davon weiß.

»Ich kann dich sowieso nicht aufhalten. Genau wie deinen Vater«, hat sie gesagt.

»Aber pass auf dich auf, versprichst du mir das?«

Ich nickte.

»Versprochen.«

—'Ne Menge Reporter—

»Wir sind hier direkt am Geschehen. Unser mysteriöser Superheld hat gerade einen Raub verhindert und hat sich dazu bereit erklärt, ein paar Fragen zu beantworten« , spricht die Frau mit dem Mikrofon in die Kamera.

Seit ich die neue Suit habe, ist YouTube explodiert. Auch im Fernsehen zeigen sie viel mehr von mir als vorher. Und es war davor schon viel.

Die Leute rätseln über mich, wie alt ich bin, wie ich heiße, ob ich zu den Avengers gehöre.

Und ich habe eine Menge komische Spitznamen: Wallcrawler, Spiderhero, Crime-Fighter, ...

Außerdem weiß keiner, ob ich ein Mädchen oder ein Junge bin, weil viele Zeugen verschiedene Sachen erzählen und ich nie was sage, sodass man es an meiner Stimme erkennen könnte.

(Ja, ich gucke YouTube-Videos von mir selbst.)

Wenn ich nichts sage, legen die sich irgendwann auf einem Namen fest, der mir gar nicht gefällt, deswegen habe ich leider keine andere Wahl, als dieses Interview durchzuziehen.

»Nun, erstmal die Frage: Wer bist du? Ich denke, das interessiert jeden.«

Ich muss nicht lange überlegen. Den Stimmenverzerrer habe ich schon angestellt, sodass ich zwar weiblich, aber ein wenig älter klinge.

»SkySpider.«

»Wie bist du auf diesen Namen gekommen? Du bist doch nicht Sky Stark?«

»Nein, nein. Sky wegen dem Fliegen, wissen Sie? Und die Spinne, die mich gebissen hatte, hieß so.«

»Verstehe. Das lässt uns zu deinen Superkräften kommen. Du wurdest also von einer Spinne gebissen und hast diese Superkräfte bekommen?«

Ich nicke nur.

»Okay. Und wer bist du wirklich, wenn nicht Sky Stark?«

»Eigentlich hätte ich gar kein so großes Problem damit, es zu sagen, aber mein Vater hat es mir verboten. Und wer ist so dumm, sich eine Maske anzuziehen, dann aber jedem Menschen zu erklären, wer er ist?«

Die Frau lacht.

»Ja, das ist verständlich. Aber wie bist du zu dem Upgrade gekommen? Am Anfang hattest du noch keine Flügel und so einen extrem modernen Anzug.«

»Das kann ich leider nicht sagen«, antworte ich.

»Hat Tony Stark dich finanziert?«

»Dazu sage ich nichts«, wiederhole ich mich.

»Na gut. Eine letzte Frage noch: Gehörst du zu den Avengers?«

Ich nicke.

»Ja, das tue ich.«

»Okay, dann vielen Dank, dass du dir Zeit für uns genommen hast! Nun, New York, wir haben eine neue Superheldin: SkySpider!«

Was sie danach noch erzählt, höre ich nicht mehr, weil ich schon in der Luft bin.

Ich gehe aus dem Schulgebäude und aus dem Tor, um in der nächsten Seitenstraße meine Suit anzuziehen und in Richtung Midtown zu fliegen, da stehen direkt vor mir plötzlich Reporter. Einer filmt mich und spricht währenddessen: »Wir haben hier die Bestätigung: Sky Stark geht auf die Bloomingdale Middle School. Sie ist gerade aus dem Gebäude gelaufen.«

Ich drücke mich an ihnen vorbei. »Lassen Sie mich in Ruhe.«

Währenddessen schießen mir tausend Fragen durch den Kopf.

Woher wissen die, dass ich auf die Bloomingdale gehe?

Wie haben sie mich gefunden?

Warum folgen sie mir?

Wie komme ich hier raus?

Aber sie lassen mich natürlich nicht in Ruhe.

»Wir folgen ihr jetzt, vielleicht erfahren wir ja etwas über die Starks. Bleiben Sie dran!«

Die sind wohl live, und eine Million Menschen beobachten mich gerade.

Sie ignorieren meine Proteste völlig. Ich kann nicht wegfliegen, ohne dass sie sehen, wie ich den Anzug aktiviere, und ich kann auch nicht über die Gebäude fliehen, weil sie dann sehen, welche Kräfte ich habe.

Ich bin in der Zwickmühle.

Aber da fällt mir ein, dass ich Dad rufen kann.

Ich hole mein Holo-Phone raus und flüstere: »Eve, kannst du Dad holen?«

Nur ein paar Minuten muss ich noch vor den Reportern herlaufen.

Dann höre ich das Geräusch von Dads Repulsoren und drehe mich um.

Er landet hinter mir, nimmt mich unter den Armen und fliegt mit mir gerade nach oben. Er fliegt in die entgegengesetzte Richtung als nach Hause, und als wir weit genug weg von den Reportern weg sind, aktiviere ich die Suit und Dad lässt mich los. Dann fliegen wir nebeneinander mit einem Umweg nach Hause.

»Gute Entscheidung mich zu rufen«, sagt Dad während des Fluges.

»Was, wenn das wieder passiert?«, frage ich.

»Dann rufst du mich wieder.«

Linkin Park dröhnt in meinen Ohren und ich genieße den Flug.

Schon von weitem erkenne ich die Menschenmenge vor dem Tor meiner Schule.

Oh oh.

Sag mir nicht ...

Ich nähere mich meiner Schule aus sicherer Entfernung und habe Glück – keiner hat mich bemerkt. Jetzt höre ich auch die lauten Rufe.

»Ist das hier Sky Starks Schule?«

»Sky, komm raus!«

Och neee, nicht schon wieder. Wie soll ich denn jetzt da reinkommen?!

Nachdem ich einen Moment ratlos dastehe, habe ich eine Idee und fliege ich an ein Fester von der anderen Seite des Gebäudes, an mein Klassenzimmer.

Ein Fenster ist offen.

Ich klettere hinein und der Anzug verschwindet in den Ringen.

Irgendwer hat gestern diesen Reportern gesagt, dass ich hier auf die Privatschule gehe, und die haben es dann der Presse verraten.

Ich gehe raus aus der Schule und trete genau vor das Tor, so, dass mich keiner erreichen kann. Als ich näher komme, richten sich alle Kameras auf mich und ein paar rütteln am Tor.

»Wo wohnt ihr?«, fragt einer.

»Bist du SkySpider?«, ein anderer.

»Lasst mich und die Schule in Ruhe, sonst bekommt ihr es mit Iron Man zu tun!«, rufe ich ihnen entgegen.

»Ach, echt?«, fragt ein Reporter spöttisch.

»Dein Daddy wird nicht immer da sein, um dir aus der Patsche zu helfen, Kleine!«

Er lacht fies, und andere stimmen mit ein.

»Wirklich?«, ertönt eine vertraute blecherne Stimme.

Alle drehen sich um.

Da steht Dad als Iron Man, seine Arme mit den leuchtenden Repulsoren erhoben.

»Verschwindet«, droht er.

Zögerlich ziehen sich ein paar zurück, aber längst nicht alle.

»Ich sagte, VERSCHWINDET. Lasst meine Tochter in Ruhe.«

Da sind nun doch alle eingeschüchtert und nach ein paar Momenten ist keiner mehr da.

Dad fliegt über das Tor und landet neben mir.

»Ich sollte ein Wörtchen mit deiner Schule reden.«

Dad hat ein kurzes Gespräch mit dem Rektor, danach fällt die erste Schulstunde aus, weil sich alle in der Aula treffen sollen.

Ich stehe mit Dad auf der Bühne – er hat einfach wirklich einen Anzug mit Krawatte unter seiner Iron-Man-Rüstung an!

Die ganze Schule sitzt vor uns und Dad erhebt das Wort. Er hat ein Mikrofon in der Hand.

»Als ich meine Tochter an dieser Schule angemeldet habe, habe ich zur Bedingung gestellt, dass keiner erfährt, dass sie auf diese Schule geht.

Aus Sicherheitsgründen, für uns so wie für euch.

Aber irgendwer ...«

Er hat die Brille auf, die mit Friday gekoppelt ist, und die scannt vermutlich gerade jedes Gesicht ab, als er prüfend mit dem Blick über die Menge huscht.

»... irgendwer hat verraten, dass Sky hier in die Schule geht. Eigentlich sollte euch bewusst sein, wie schlecht das wäre. Viele von sind zwar nicht so bekannt wie wir, aber auch nicht unbekannt.

Versteht doch, dass ich meine Tochter nur beschützen will.

Vielleicht ...«

Dad schaut mich kurz an, zögerlich, ob er es erzählen soll. Aber es ist für mich okay, das habe ich ihm doch vorhin gesagt.

»Meine Tochter wurde schon zwei Mal entführt. Bei dem ersten Mal war sie erst vier Jahre gewesen, und sie hat danach psychische Probleme gehabt. Sie sind schon längst kein Thema mehr, also keine Sorge. Das zweite Mal war, als sie acht war. Das war genau da, wo die Hälfte der Menschheit ausgelöscht wurde. Das war der Grund, warum die Welt dachte, sie wäre gestorben.

Und ich weiß, dass hier irgendjemand ein Video macht, aber es ist okay, sogar nötig. Ich möchte nicht nur, dass ihr, diese Schule, das wisst, sondern dass es jeder versteht.

Versetzt euch in unsere Position und bitte beachtet, warum uns das so wichtig ist.

Friday hat bereits jede Spuren der Hinweise und Videos auf den Standpunkt dieser Schule gelöscht, und wenn es noch einmal zu so einer Situation kommt, wird es ernsthafte Probleme geben.«

Dad wendet sich zum Gehen, aber ich bleibe stehen und nehme ihm das Mikro aus der Hand.

»Ich möchte noch was sagen, an alle meine Mitschüler. Dad hat es eigentlich schon gesagt, aber ich dachte, es ist wichtig, wenn ich auch etwas dazu sage.

Stellt euch vor, ihr seid weltweit bekannt. Es gibt nicht nur Fans auf der Welt, sondern auch Feinde. Dad hat gegen echt viele gekämpft und er wurde auch zwei Mal entführt, nicht nur ich.«

Ich schaue kurz zu Dad, er lächelt mir aufmunternd zu.

»Stellt euch vor, euch würde so was passieren. Und dann irgendwann danach versucht ihr, normal zu leben. In eine normale Schule zu gehen, nicht nur Homeschooling zu haben. Und dann wird diese Sicherheit wieder gefährlich, weil irgendwer dich verrät. Denkt mal drüber nach. Bitte.«

Meine Hand zittert ein bisschen, als ich  Dad das Mikrofon zurückgebe.

»Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit«, schließt er ab.

Es wird sogar für uns applaudiert.

Ich bin Dad so dankbar. Er hat zwar von meinen zwei Entführungen erzählt, aber ich weiß, dass es wichtig ist, weil es sonst einfach nicht bei den Menschen ankommt.

Als wir beide von der Bühne gehen, und wir einen Moment hinter dem Vorhang stehen, zupfe ich an Dads Ärmel, damit er stehen bleibt.

Er schaut mich fragend an, aber ich sage nichts, sondern umarme ihn nur fest. Ich lege meinen Kopf auf seine Brust und atme einmal tief ein und aus.

»Danke, Dad«, flüstere ich.

Er hat seine Arme auch schon um mich gelegt und streicht mir über den Rücken.

»Hab ich doch gern gemacht, Skylee«, sagt er sanft und gibt mir einen Kuss auf die Haare.

»Du warst auch sehr mutig.«

»Weißt du was, Skyle, ich habe eine Idee für ein Upgrade deiner Suit.«

Gespannt folge ich ihm in die Werkstatt.

Ich gebe ihm die Ringe und er legt sie in ein Gerät.

»Und zwar dachte ich, dass es nützlich wäre, könntest du dich in der Suit unsichtbar machen. Ein Junge hat mir vor acht Jahren diese Idee mit retroreflektierenden Panelen für meine Anzüge gegeben, aber das ist nicht so mein Stil. Aber wenn du dich unsichtbar machen könntest und so etwas mit diesen Menschenmengen wieder passiert, könntest du einfach an ihnen vorbeifliegen.«

Unsichtbarkeit ist unglaublich! Mit dem Silent Mode dazu ist es so, als wäre ich gar nicht da. Das einzige, was ich vermeiden sollte, ist, andere zu berühren.

Ein paar Reporter – nicht so viele wie beim letzten Mal – sind am nächsten Tag wieder da. Aber ich kann einfach an ihnen vorbeifliegen und in die Schule gehen, ohne dass sie mich sehen.

Als ich dann später mal aus dem Fester schaue, sind sie weg.

Hoffentlich bleibt das auch so.

Einen anderen Vorteil hat es auch. Wenn mich keiner sehen kann, kann es auch weniger Bilder auf YouTube oder in den Nachrichten geben. Aber sie wissen trotzdem, dass ich da bin, ich bin ja immer noch aktiv.

Es baut sich bei mir eine Routine ein.

Schule, Be-SkySpider-Time, nach Hause fliegen.

Aber an einem Nachmittag entdecke ich – oder eher Eve – Black Cat.

—Black Cat—

Sky, du wirst beobachtet , merkt Eve an.

Ich schaue mich nicht um, aber mein Spinnensinn fängt an zu klingeln.

»Von wem?«, frage ich.

Black Cat, die du bereits im Fernsehen gesehen hast.

Endlich. Ich fliege um einen Wolkenkratzer, werde unsichtbar und mache eine schnelle Kehrtwende.

Da steht sie, auf einem Hochhaus. Sie schaut sich suchend nach mir um, findet mich aber nicht.

Ich lande neben ihr auf dem Gebäude und laufe zu ihr. Schleichen ist unnötig, sie hört mich sowieso nicht.

Schräg hinter ihr schalte ich den Silent Mode aus.

»Wer bist du?«, frage ich laut.

Sie zuckt unmerklich zusammen, dreht sich aber nicht zu mir um.

»Unsichtbarkeit. Sehr praktisch. Schade, dass ich nicht von meinem Vater finanziert werde, sonst wäre mir das auch möglich.«

Was? Sie weiß es?

»Sag es keinem!«, warne ich sie.

»Nur, wenn du mich in Ruhe lässt.«

»Ich habe doch gar nichts gegen dich gemacht!«, wehre ich mich.

»Ich meine, in Zukunft. Lass mich mein Ding machen und du machst deins. Dann kommt keiner zu Schaden.«

Ich denke viel über diese Begegnung nach. Stimmt schon, ich hatte vor, sie irgendwie zu besiegen, dass sie ins Gefängnis kommt und so.

Aber jetzt kann ich das nicht machen!

Wenn ich sie bedrohe, verrät sie meine Identität, was wiederum bedeutet, dass ich nicht mehr SkySpider sein darf, wegen Dad's Regeln.

Mann!

»Was ist los, Sunshine?«, fragt Mom beim Abendessen.

Sieht man mir das so krass an?

Ich versuche eine neutrale Miene aufzusetzen und sage: »Nichts.«

Mom zieht ihre Augenbrauen hoch.

»Sicher?«

Da gebe ich nach. Ich will sie nicht anlügen.

»Ähhhm ... Heute nach der Schule ist was passiert«, sage ich und schaue Dad an.

»Was genau?«, fragt er.

»Ich hab Black Cat getroffen. Sie weiß, wer ich bin.«

Sofort sieht Dad angriffsbereit aus, als würde Black Cat gleich hier reinplatzen.

»Aber sie hat mit mir einen Deal gemacht. Ich soll sie in Ruhe lassen und sie lässt mich in Ruhe«, beschwichtige ich ihn und nehme eine Gabel Nudeln in den Mund.

Während ich kaue, wechseln Mom und Dad so komische Blicke, als könnten sie telepathisch kommunizieren oder so. Ich verstehe es jedenfalls nicht.

Morgan, die mir gegenüber sitzt, grinst mich an.

Automatisch grinse ich zurück.

Die Tomatensoße geht ihr bis zu den Wangen, was einfach nur niedlich aussieht.

»Bleib bei diesem Deal, Skyle, okay? Dann gibt es keine Probleme.«

Zwei Seiten, die beide dasselbe sagen, aber mein Bauchgefühl sagt, ich sollte das Gegenteil machen.

Immer mehr Räube und Diebstähle bekomme ich mit, wo sie sogar gesichtet wird.

Mein Bauchgefühl sagt tu etwas gegen diese Ungerechtigkeit.

Ich habe einen Plan. Vielleicht lässt sie mit sich reden? Wenn ich sie nicht angreife ... das zählt doch als in Ruhe lassen, oder?

Heute nach der Schule bleibe ich die ganze Zeit unsichtbar und halte Ausschau nach ihr.

Da, in einer dunklen Gasse.

Ich sehe ihren Schatten, die weißen Haare.

Sofort fliege ich ihr hinterher.

Aber wohin sie auch will, sie ist zu schnell. So kann ich nicht mit ihr reden.

»Black Cat!«, rufe ich.

Sie wird noch schneller. Na toll.

Ich schieße ein Netz nach ihr, aber kurz bevor es sie trifft, wird es ... irgendwie abgelenkt?

Ich versuche es wieder. Ich habe doch richtig gezielt ... das ist definitiv unmöglich.

Also überhole ich sie mit meiner Höchstgeschwindigkeit, gehe vor ihr in Sturzflug und mache mich sichtbar.

Fast rennt sie gegen mich, kann sich aber gerade noch so fangen.

Sie knurrt und streckt mir ihre Krallen entgegen.

Beschwichtigend hebe ich die Hände.

»Ich will nur reden«, sage ich schnell.

»Was gibt's denn zu Reden?«, fragt sie spöttisch.

»Durch Unterhaltungen kann man mich nicht davon abhalten, Gerechtigkeit zu schaffen.«

Genau das meine ich! Wir haben verschiedene Vorstellungen von Gerechtigkeit.

Aber bevor ich das laut aussprechen kann, ist sie schon an mir vorbei und im Schatten verschwunden.

—Second Home—

Es sind Sommerferien, und wir gehen als Familie für zwei Wochen zum Avengers Compound.

Steve holt uns mit einem Quinjet ab.

»Hey«, begrüßt er uns.

»Schön euch zu sehen.«

»Hi Steve!«, sage ich freudig.

Morgan ist auf meinem Arm und sie schaut Steve schüchtern an.

»Hallo Morgan«, sagt Steve freundlich.

Sie bleibt stumm, also begrüßen Mom und Dad ihn noch, dann startet Steve den Jet.

Die anderen sitzen im 'Wohnzimmer' vom Compound, als wir dort ankommen.

Alle freuen sich, uns zu sehen, genau so wie ich mich freue, sie zu sehen. Über ein Jahr ist es her, seit ich sie das letzte Mal gesehen habe.

Alle bis auf Steve und Wanda sind von Morgan überrascht und begrüßen sie.

Sie wirkt ein bisschen überfordert.

Ich gehe zu Wanda und umarme sie.

Sie ist so still, als wäre sie immer noch traurig wegen Vision. Allgemein ist die Stimmung bedrückt, und das nach drei Jahren seit dem Snap. alle versuchen mit ihrem Leben weiterzumachen und das Beste draus zu machen.

Aber sie lächelt mich an und sagt:

»Ich freue mich, dass du wieder da bist. Es ist so still ohne dich.«

Bevor ich was erwidern kann, fragt Thor mich grinsend: »Hey, Sky, wie läuft's denn so als die neue Superheldin von New York?«

»Echt super!«, sage ich strahlend.

»Zeig mal deinen Anzug«, fordert Sam mich mit einem Kopfnicken auf.

Ich schlage meine zwei Ringe zusammen und beobachte die Reaktion der Avengers.

»Das sieht aus wie Magie ...«, sagt Loki verwundert.

»Das ist Nanotechnologie«, erkläre ich.

»Dad benutzt das auch.«

»Hey, hast du meine Flügel kopiert?!«, fragt Sam gespielt empört, als ich sie ausklappe.

»Musst du Dad fragen, er hat mir den Anzug gemacht«, sage ich.

»Sie wollte unbedingt fliegen. Außerdem habe ich sie selbst entwickelt, nicht von dir kopiert«, wehrt sich Dad, als Sam ihn vorwurfsvoll anschaut.

Der Anzug verschwindet wieder in den Ringen.

»Können wir was sokovianisches kochen?«, frage ich Wanda.

Wir stehen in der Küche und überlegen, was wir für heute Abend machen wollen.

Ich möchte Wanda irgendwie aufmuntern.

Also zeigt sie mir ein Rezept, das sie als Kind gerne gegessen hat.

Das erinnert sie kurz an ihre Familie, und sie fragt mich schnell nach meiner Familie, um sich abzulenken.

Während wir Gemüse schneiden und in die Pfanne geben, kommt irgendwie das Thema beschützen auf.

»Ich werde alles dafür tun, dass Morgan nichts passiert! Mit meinen Superkräften kann ich sie beschützen.«

Kurz ist es still. Ich gucke auf meine Füße.

»Ich will nicht, dass ihr so etwas wie mir passiert.«

Wanda streicht mir über den Rücken.

»Hey, keine Sorge. Wenn ihr in Gefahr seid, habt ihr die ganzen Avenger hinter euch, die helfen werden.«

Sie legt eine Hand an meine Wange und schaut mir in die Augen.

»Ich habe meine Familie und Vision verloren, und ich werde nicht zulassen, dass du dasselbe durchleben musst. Versprochen.«

Plötzlich riecht es verbrannt.

»Oh! Jetzt müssen wir von vorne anfangen!«, sage ich lachend, als ich das verbrannte Gemüse in der Pfanne sehe. Wanda stimmt in mein Lachen mit ein.

Ich dachte kurz, das Thema Familie hat sie wieder traurig gemacht, aber das Essen hat alles gerettet.

—Luc—

Seit mehr als einem halben Jahr habe ich Black Cat jetzt schon nicht wieder gesehen.

Plötzlich schlägt mein Spinnensinn an und ich schaue mich schnell nach der Ursache um.

Ich erwarte schon Black Cat, aber es ist nur ein schwarzhaariger Junge, der mir irgendwie bekannt vorkommt.

Er läuft mit Kopfhörern und Smartphone über die Straße, dummerweise da, wo kein Zebrastreifen oder Ampel sind.

Ein LKW biegt um die Ecke und scheint ihn noch nicht bemerkt zu haben.

Ich lasse mich aus dem Stand von der Kante des Hochhauses fallen, falte meine Flügel auf, gleite blitzschnell auf den Jungen zu und greife ihn von hinten unter den Arme.

Ich fliege knapp am LKW vorbei, der quietschend anhält und mich vor Schreck anhupt.

Als ich auf einem Dach lande, setze ich ihn ab und gehe einen großen Schritt zurück. Die Flügel falten sich automatisch wieder ein und ich fange empört mit meiner Standpauke an.

»Was fällt dir eigentlich ein, dass du mit Kopfhörern und Smartphone in der Hand über die Straße läufst? Du wurdest fast von dem LKW erwischt!Wäre ich nicht da gewesen ...«

Ich lasse den Rest des Satzes in der Luft hängen.

Und jetzt weiß ich auch, woher ich den Jungen kenne.

Er geht auf meine Schule, in meine Parallelklasse.

Nur sein Name fällt mir nicht ein.

Er sagt immer noch nichts, sondern starrt mich nur an.

Von Nahem erkenne ich jetzt auch seine stechend dunkelblauen Augen.

Dann linst er von dem Dach hinunter und sieht sein Smartphone, das ihm aus der Hand gerutscht ist, zersplittert auf der Straße liegen.

Der LKW ist drüber gefahren.

»Mein Smartphone ...«, flüstert er bestürzt.

»Ähhhm ... ich meine, danke. Fürs Retten«, verbessert er sich schnell.

Viel wichtiger als sein Smartphone ist ja wohl sein Leben.

»Gern geschehen«, sage ich kühl.

»Ich bin übrigens Luc. Also ... eigentlich Lucas, aber mir ist Luc lieber«, stellt er sich vor.

Keine Ahnung, warum er mir das erzählt.

»Und du bist SkySpider, richtig? Ich hab dich echt oft auf YouTube gesehen.«

Ich nicke.

»Cool«, kommentiert er.

»Um das Smartphone kümmere ich mich. Wo wohnst du? Dann kann ich dir ein neues vorbeibringen.«

In der Schule könnte ich es ihm ja nicht geben, dann wüsste er von meiner wahren Identität.

Ich merke, wie er noch irgendwas erwähnen will, geht dann aber auf den Themenwechsel ein.

Er nennt mir seine Adresse und ich nicke bestätigend.

»Willst du es dir nicht aufschreiben?«

Ich schüttle den Kopf.

»Nö. Wo soll ich denn jetzt Stift und Zettel herkriegen?!«

Ich tippe mir an meine Schläfe.

»Hab's im Kopf. Eve wird mir dann den Weg zeigen.«

Ich fahre meine Flügel aus und fliege, ohne mich zu verabschieden, davon.

»Warte! Wer ist Eve?«

Hoffentlich findet er selbst den Weg nach unten, denn ich lasse ihn einfach stehen.

Ich habe schon viel zu viel preisgegeben.

An Lucs Haus angekommen, mit einem neuen Smartphone in der Hand, laufe ich waagrecht an der Wand entlang.

Ich habe mich unsichtbar gemacht, weil ich nicht will, dass irgendwer sieht, wie ich einem Jungen ein Handy überreiche.

Ich schaue in jedes Fenster, um herauszufinden, welches seins ist.

Plötzlich entdecke ich ihn, direkt vor mir. Er schaut aus dem Fenster, durch mich hindurch.

Einen Moment lang beobachte ich ihn.

Er sieht so aus, als würde er auf etwas warten.

Aber er schaut in den Himmel. Wartet er auf mich?

Na ja, egal.

Ich klopfe an und mache mich sichtbar.

Er zuckt erschrocken zusammen, fängt sich aber wieder und macht das Fenster auf.

Ich gebe ihm das Handy und springe von der Wand ab.

»Warte! Wieso willst du denn gleich wieder gehen?«

»Wieso sollte ich bleiben?«, frage ich zurück und zische davon.

Er ruft mir noch ein »Danke!« hinterher und ich spüre seinen Blick in meinem Rücken, drehe mich aber nicht um.

Ich will ja nicht gegen irgendein Gebäude knallen.

In der Schule sehe ich Luc ein paar Mal.

Es ist irgendwie anders, jemanden zu kennen, dem man geholfen hat.

Bis jetzt war das nämlich noch nie der Fall.

Aber er bemerkt mich natürlich nicht, er verhält sich eigentlich wie alle, wenn sie mich sehen.

Was auch nicht sooo besonders ist.

Seit Dad die Rede auf der Bühne gehalten hat, ist das nämlich ein wenig anders als vorher.

Und irgendwie ... bemerke ich Luc immer nach der Schule auf dem Nachhauseweg.

Falls so etwas noch einmal passieren, bekomme ich es wenigstens mit. Dabei sollte ich viel mehr nach Black Cat Ausschau halten!

Luc läuft wieder mit Kopfhörern und Handy über die Straße.

Ich sehe, das ein Bus auf ihn angefahren kommt.

Natürlich, die Ampel ist ja auch rot!

Von dem Brückenbalken aus schieße ich ein Netz auf seine Brust, ziehe ihn hoch und fange nebenbei auch noch sein Handy ein.

Dad soll ihm ja nicht noch ein Neues kaufen.

»Machst du das absichtlich?!«, frage ich Luc sauer, als er neben mir auf dem Balken steht.

Ich werfe ihm sein Handy zu.

Das wievielte Mal rette ich ihn jetzt schon von der Straße?!

Das ... dritte Mal, glaub ich!

Er grinst verschmitzt.

»Also, bisher hast du mich jedes Mal gerettet ... Kann es sein, dass du mich beobachtest?«

Mist. Erwischt. Ich gebe mich cool und zische: »Also WAR es Absicht. Du wolltest mich testen. Und du wolltest herausfinden, ob ich dir hinterherspioniere. Was wenn ich dich einmal von diesen drei Malen nicht gesehen hätte? Dann würdest du jetzt im Krankenhaus liegen. Nächstes Mal guck ich mit Absicht nicht mehr hin.«

Seine wunderschönen blauen Augen blitzen hinterlistig auf.

»Also HAST du mich beobachtet!«, grinst er triumphierend.

Ich bin froh, dass er nicht sieht, wie ich unter meiner Maske erröte.

Reflexartig drehe ich meinen Kopf verlegen ein wenig zur Seite.

»Und wenn schon. Du kannst froh drum sein.«

»Irgendwas schwirrt dir doch im Kopf rum, Skyle, was ist los.«

Es sind ja eigentlich zwei Sachen.  Black Cat UND Luc.

Aber von Black Cat kann ich ja nichts sagen, dann wüsste Dad, dass ich nach ihr schaue, um mit ihr zu reden. Er hat ja gesagt, ich soll mich an den Deal halten. HAB ICH JA AUCH.

Nur ... nicht ganz so wie erwartet, stimmt schon.

»Dieser Junge, deren Smartphone kaputt gegangen ist, der ist heute zum dritten Mal in so 'ne Situation geraten. Als würde er von mir gerettet werden wollen , nur vergisst er dabei, dass er sein eigenes Leben riskiert. Und dann geht er auch noch auf meine Schule.«

Ich gucke zu Dad hoch.

Er hat ein breites Grinsen im Gesicht.

»Was guckst du so?!«, frage ich eingeschnappt.

»Da will wohl jemand deine Aufmerksamkeit«, sagt er und lacht.

»Blödsinn! Das stimmt doch gar nicht!«

Also teste ich es aus. Unsichtbar folge ich Luc nach der Schule – zu Fuß.

An einer Straße hebt er den Kopf und schaut in den Himmel, als hofft er, irgendjemanden zu finden.

Ich mache einen Schritt nach vorne, sodass ich neben ihm stehe.

Er ist einen halben Kopf größer als ich, merke ich. Na ja, wenn er in meinen Jahrgang geht, dann ist er wie alle anderen auch ein Jahr älter als ich, dann macht das auch Sinn.

Ich tippe ihm auf die Schulter und beobachte belustigt, wie er ertappt zusammenzuckt.

Ich mache mich sichtbar und grinse ihn an.

(Obwohl er das natürlich nicht unter der Maske sieht.)

»Nach wem hast du denn da im Himmel gesucht?«, frage ich wissend.

»Ähhhh ...«, sagt er nur und wird ein bisschen rot.

»Ich weiß schon. Brauchst nix sagen. Ich sage nur: Auf frischer Tat ertappt.«

Damit mache ich mich wieder unsichtbar und fliege nach Hause.

Ich hätte es wissen müssen , denke ich, als ich mich neben Luc am nächsten Tag auf YouTube entdecke.

Mit sehr vielen Theorien.

»So sieht er also aus«, sagt Dad, als ich zuhause ankomme.

»Ich hab ihn nur ertappt, wie er nach mir den Himmel abgesucht hat, bevor er über die Straße gelaufen ist. Ich hoffe nur, er hört endlich damit auf. Ich will nicht dafür verantwortlich sein, dass er mal NICHT von der Straße gerettet wurde.«

»Okay, wir sollten mal Klartext reden«, sage ich zu Luc.

Ich habe ihn vor der Schule abgefangen.

»Aber nicht hier«, entscheide ich.

Ich fliege ein Stück in die Höhe, schieße ein Netz um ihn und ziehe ihn mit.

Er schreit auf und klammert sich an den Faden.

Auf einem Hochhaus in der Nähe setze ich ihn ab und er atmet erleichtert auf.

»Das hat sich überhaupt nicht sicher angefühlt«, sagt er.

Ich muss lachen. Keine Ahnung wieso.

»Über was wolltest du Klartext reden?«, fragt er unschuldig.

»Über alles! Es ist extrem leichtsinnig, dich einfach einer Gefahr auszusetzen, nur damit ich dich bemerke. Das tue ich auch so, nach diesen vielen Malen.«

Er zuckt mit den Schultern.

»Weißt du, wenn du mich so anhimmelst, kannst du auch einfach NACHFRAGEN, ob wir was zusammen machen können. Dazu brauchst du nicht dein Leben aufs Spiel zu setzen.«

»Hey Sky, wer weiß eigentlich von deiner Identität?«, fragt Luc.

Ironischerweise hat er mir den Spitznamen 'Sky' verpasst, kurz für SkySpider.

Bei dem Vorschlag musste er lachen und sagte: »Lustig, wenn du Sky Stark wärst!«

Wenn er nur wüsste, wie richtig er damit liegt.

Auf seine Frage antworte ich: »Meine Familie und meine beste Freundin.«

»Und die Avengers?«, fragt er nach.

»Ach so. Ja, klar.«

Fast hätte ich mich verraten. Die Avengers gehören ja zu meiner Familie, deswegen habe ich sie damit auch gemeint. Aber wenn ich Luc das erkläre, dann muss er wissen, dass ich mit ihnen aufgewachsen bin, was wiederum bedeutet, dass er weiß, dass ich Sky Stark bin, weil sonst keiner außer Dad eine Familie hat. Obwohl, bis auf Clint, aber er und seine Familie sind ja ... tot. Betroffen starre ich auf New Yorks Straßen unter uns, ohne sie richtig wahrzunehmen.

»Hey, alles klar?«, fragt Luc besorgt und stupst mich an.

Ich schrecke hoch.

»Ja ... ich musste nur an die denken, die beim Snap gestorben sind.«

Ich rapple mich auf.

»Ich muss jetzt nach Hause«, sage ich und springe vom Hochhausdach.

—Fire—

Mitten im Unterricht schwillt mein Spinnensinn plötzlich an und ich schaue aus dem Fenster.

Noch ist nichts zu sehen, aber ich höre die Sirenen laut und deutlich.

Gleich werden die Feuerwehrautos vorbeifahren.

In meiner Klasse arbeiten alle alle seelenruhig an ihren Aufgaben, keiner dreht den Kopf Richtung Fenster. Natürlich, die haben die Sirenen ja noch nicht gehört, ohne Supergehör.

Ich melde mich schnell und frage Mr. Cooper, ob ich auf die Toilette darf, weil mir übel ist.

Ich schauspielere ein bisschen, halte mir die Hand an den Bauch und versuche, ein gequältes Gesicht hinzubekommen.

Ich darf gehen, und direkt als ich aus der Tür bin und keinen auf den Gängen entdecke, aktiviere ich meine Ringe.

Ich öffne das nächste Fenster und springe raus.

Da fährt die Feuerwehr schon vorbei.

Aber ich brauche ihnen nicht zu folgen, man sieht das Feuer schon von Weitem, über dem Gebäude ist eine dichte Rauchwolke.

Weil ich nicht so viel Zeit habe bis mein Fehlen in der Klasse verdächtig wird, nutze ich meine Höchstgeschwindigkeit und komme weit vor den Feuerwehrfahrzeugen an.

Ich kann zwar kein Feuer löschen, aber ich kann bei der Evakuierung helfen.

Doch ich bin anscheinend zu spät, es stehen schon ziemlich viele Menschen draußen.

Ein Mann kommt mit einem Auto angefahren, steigt aus und sieht sich um.

Plötzlich höre ich einen Hilferuf aus dem Gebäude. Da ist noch jemand drin!

Ich fliege durch ein Fenster im obersten Stock, das wegen der Hitze leicht nachgibt. Hinter mir höre ich Protestrufe, die mich aufhalten wollen und die Sirenen, die näher kommen.

»Hallo?«, rufe ich durch das Haus. Ich spüre die Wärme auf meiner Haut, aber das Feuer kann mir durch den Anzug nichts anhaben.

»Hilfe!«, höre ich den Ruf wieder. Neben der Stimme ist auch noch ein leises Weinen zu hören, es hört sich an wie ein Kind.

Das war ganz in der Nähe!

Ich folge der Stimme, die wieder und wieder ruft und komme vor einer Tür am Ende eines Gangs an. Sie ist verklemmt. Deswegen kommt die Person wahrscheinlich auch nicht raus.

»Geh von der Tür weg!«, warne ich und trete dagegen. Nach ein paar starken Tritten kracht die Tür auf, und ich erkenne eine Frau, mit einen kleinen Kind unter einem Tisch kauern. Das kleine Mädchen wimmert leise und die Frau atmet auf.

Kaum habe ich einen Schritt ins Zimmer gemacht, kracht hinter mir die brennende Decke ein.

Das ist gar nicht gut. Ich kann da noch durch, aber die Frau mit ihrer Tochter nicht.

»Wie heißt ihr?«, frage ich.

»Ich bin Heather und meine Tochter heißt Maddy«, antwortet sie.

»Okay. Keine Sorge, ich bringe euch hier raus«, sage ich zuversichtlich.

Ich kann das Zeug nicht aus dem Weg tragen, das dauert zu lange, weiter vorne im Gang fällt auch immer mehr in den Weg.

Das einzige Fenster ist zu klein, um zu dritt durchzupassen. Mist.

Aber dann fällt mir die Lösung auf den Kopf. Wortwörtlich.

Na ja, fast.

Ich bemerke die Decke, die geradewegs auf meinen Kopf zufällt, gerade noch rechtzeitig und fange sie knapp mit den Händen ab.

Ich schwanke ein bisschen, weil es so groß ist, schaffe es aber, es abzulegen, ohne den Boden einzureißen.

Das Loch in der Decke ist die Lösung. Es ist groß genug, um mit den beiden rauszufliegen.

»Wir fliegen jetzt hier raus, Heather«, spreche ich der Mutter gut zu.

»Ich muss euch nur noch sichern.«

Sie nimmt ihre Tochter in den Arme und ich wickle Netze um sie, damit keiner den Halt verliert.

Die Enden der Netze halte ich fest und nutze sie, um die beiden zu tragen.

Langsam erhebe ich mich in die Luft.

Am Anfang ist es noch ein bisschen schwer, das Gleichgewicht zu halten, aber langsam habe ich den Dreh raus.

Heather hat ängstlich die Augen geschlossen und Maddy ist verstummt. Sie starrt auf den weit entfernten Boden.

»Wir sind gleich wieder unten«, sage ich zu ihr.

Als Richtung Boden fliege, sehe ich den Mann, der mir vorhin aufgefallen ist.

Er ruft nach den beiden und wedelt mit den Händen herum.

Ich steuere auf ihn zu.

Er gehört wahrscheinlich zur Familie.

Fast bei ihm angekommen streckt er die Arme aus, sodass ich seine Frau und Tochter in seine Arme legen kann.

Ich lasse die beiden Netze los und

lande auf dem Boden.

»Matthew«, haucht Heather schwach.

Der Mann löst die Netze von den beiden und nimmt Maddy in den Arm, Heather lehnt sich an ihn.

»Passen Sie auf die beiden auf, Feuerwehr und Krankenwagen sind gleich da«, sage ich zu ihm.

»Danke, vielen vielen Dank, dass du meine Familie gerettet hast«, sagt Matthew aufrichtig. Ich nicke nur.

Meine Flügel öffnen sich schon und ich bin schon halb in der Luft, da höre ich, wie Matthew seiner Frau zuraunt: »Sie klang wie eine Jugendliche, fast wie ein Kind. Und sie hat euch gerettet ...«

»Ja, sie klang fast wie Sky Stark«, sagt Heather leise.

Ich erstarre mitten in der Luft und drehe ich mich um. Ich habe den Stimmenverzerrer vergessen!

Ich fliege zu der Familie und lande vor ihnen.

»Bitte, bitte sagt niemandem, wer ich bin. Es wäre echt schlecht wenn das rauskommt«, sage ich fast schon verzweifelt.

Heather und Matthew nicken, noch bisschen erschrocken davon, dass ich das gehört habe und sofort zurück gekommen bin.

Die beiden schauen sich kurz an.

»Dein Geheimnis ist bei uns sicher«, sagt Matthew.

»Danke.«

Ich muss dringend zurück, deswegen springe ich in die Luft und fliege zurück zur Schule.

»Sorry, mir ging es wirklich nicht gut«, sage ich, als ich wieder ins Klassenzimmer gehe.

»Geht es dir jetzt besser?«, fragt Mr. Cooper.

Ich nicke und gehe zurück auf meinen Platz.

Jamie beugt sich zu mir.

»Hat deine plötzliche Übelkeit was damit zu tun, dass hier die Feuerwehr vorbeigefahren ist?«, flüstert sie leise.

Ich nicke unauffällig.

»Konnte eine Frau mit ihrem Kind retten. Siehst du dann heute wahrscheinlich eh im Fernsehen oder auf YouTube, also brauch ich dir jetzt nicht alles zu erzählen«, erwidere ich.

Jamie kichert leise.

»Stimmt.«

Mittlerweile habe ich sogar einen eigenen YouTube-Kanal. Nicht von mir, sondern von irgendeinem Fan.

Er heißt SkySpider_Sightings und postet alles über mich, was er finden kann.

Das Profilbild bin ich. Es ist bisschen verschwommen, weil ich ja fliege, aber eigentlich ganz gut gelungen.

Ich hoffe nur, dass Mom und Dad nicht bemerken, dass ich während der Schule SkySpider war.

Natürlich passierte es trotzdem.

Da hab ich zwei Leben gerettet und bekomme trotzdem fast Ärger.

Also, war nicht sooo schlimm. Ich soll's nur nicht so oft machen, nur im Notfall. Versteh ich auch.

(Irgendwann würden mir in der Schule eh die Lügen ausgehen.)

—Complicated—

Heute gehe ich mit Jamie in die Stadt, deswegen kommt SkySpider bisschen kurz. Im Notfall kann ich immer noch einspringen.

Wir laufen die Treppen zur U-Bahn runter und warten auf unseren Zug, der uns nach Midtown bringt. Jamie hat gefragt, ob wir nicht zusammen fliegen können.

Es wäre zwar kein Problem für mich, sie zu tragen, aber es ist einfach komisch, mit ihr im Schlepptau herumzufliegen.

Deswegen habe ich nein gesagt.

5 Minuten noch, steht auf der Anzeigetafel.

Da bemerke ich laute Stimmen.

»Beleidige sie nicht so!«, ruft eine bekannte Stimme wütend.

Luc!

»Was geht dich das an?«, fragt eine tiefe Stimme und lacht.

Da sehe ich ihn.

Mittlerweile schauen alle bei der Haltestelle zu.

Er steht vor einem großen Typ, der grinsend auf ihn herabschaut.

Aber Luc schüchtert das nicht ein.

»Es ist egal, ob mich das was angeht! Sky ... SkySpider ist ein guter Mensch und versucht nur zu helfen! Es ist nicht fair, so über sie zu reden! Du bist doch nur neidisch!«

Er verteidigt mich! Mein Herz geht auf. Unwillkürlich muss ich lächeln, obwohl die Situation eigentlich ziemlich ernst ist.

Jamie stupst mich an.

»Da will dich wohl jemand beschützen«, flüstert sie grinsend.

Da sieht sie meinen Blick.

»Du kennst ihn doch nicht etwa?«

Sie schaut noch mal zu Luc, der immer noch mit dem Mann diskutiert.

»Geht der nicht in unsere Parallelklasse?«, fragt sie.

Ich nicke.

»Ich habe ihn ein paar Mal gerettet«, erkläre ich.

»Ohhh«, nickt sie verständnisvoll.

»Ich muss ihm helfen, sonst passiert noch irgendetwas Schlimmes«, sage ich mutig.

Jamie hält mich am Arm zurück.

»Er weiß doch nicht, dass du SkySpider bist?«, fragt sie leise.

Ich schüttle den Kopf.

»Ich muss trotzdem etwas machen«, sage ich bestimmt und bedeute ihr, hier auf mich zu warten.

Die Leute, die um Luc und den Typ herumstehen, fangen an zu tuscheln, als ich mir einen Weg durch die Menge bahne.

Bei Luc angekommen lege ich ihm die Hand auf die Schulter.

»Es reicht«, sage ich leise, aber selbstsicher.

Verwirrt schaut mich Luc an. Seine Augen werden groß, als er mich erkennt.

Der Mann zögert kurz, als er mich sieht, fängt sich aber wieder.

»Ha, die kleine Stark«, lacht er.

»Lass Luc und SkySpider in Ruhe«, sage ich laut.

Dann nehme ich Lucs Arm und ziehe ihn mit.

»Feiglinge!«, brüllt der Typ uns hinterher.

Luc protestiert zuerst, lässt sich dann aber von mit mitziehen.

Bevor er irgendetwas sagen kann, sage ich leise, aber freundlich: »SkySpider hat Fans, aber auch Feinde. Das lässt sich nicht ändern. Du solltest dich nicht mit Typen anlegen, die doppelt so groß sind wie du.«

Er nickt verdattert.

»Kenne ich dich? Woher weißt du, wie ich heiße? Warte ... bist du doch ...?«

Schnell schüttle ich den Kopf.

»Ich kenne sie. Sie gehört doch zu den Avengers, schon vergessen? Und mein Vater auch, deswegen. Sie hat mir von dir erzählt, als ich euch auf YouTube gesehen habe.«

Er sieht mich ein bisschen skeptisch an, scheint es dann aber zu akzeptieren.

»Ich richte ihr aus, dass du sie mutig verteidigt hast«, sage ich noch, bevor Jamie zu mir kommt und wir in die U-Bahn einsteigen.

»Krass, dass du Sky Stark kennst«, sagt Luc.

»Eigentlich nichts Besonderes. Ich bin ein Avenger, deswegen kenne ich ihren Vater und dann halt auch sie. Sie ist mit den Avengers aufgewachsen, weißt du. Jeder dort kennt sie. Sie hat mir erzählt dass du mich verteidigt hast. Voll cool.«

Luc grinst mich an und wird sogar ein bisschen rot.

»Ach, das war doch nichts.«

»ABER du hast dich wieder in Gefahr begeben. Wegen mir. Sky musste dich da rausholen, bevor was Schlimmeres passiert. Sie hat schon recht, ich kann nichts dagegen machen dass ich auch Feinde habe.«

»Ja, das hat sie mir auch gesagt.«

Er muss lachen.

»Ey, das ist so kompliziert. Ich hab dir den Spitznamen Sky gegeben, ohne dass ich wusste, dass du Sky Stark kennst! Warum hast du nichts gesagt?«

Ich zucke mit den Schultern.

»Macht mir nichts aus. Sky ist ein schöner Name.«

Luc nickt zustimmend. Und wird prompt wieder verlegen. Nur weiß ich diesmal nicht, ob es wegen mir oder ... meinem anderen Ich ist.

Ja, das ist eindeutig kompliziert.