LNCrawler

2022

Daughter Of Iron, Powers Of A Spider — www.fanfiktion.de · All chapters

2022

Danke für die über 2000 Aufrufe ❤️

Danke an Marvellovergirl's Review und danke an den anonymen Favo!

Sorry dass ihr so lange warten musstest wegen diesem Kapitel, dafür kommt Endgame Teil 1 relativ schnell weil ich an beiden parallel gearbeitet habe.

(Ich wollte noch sagen, dass ich Black Cats Geschichte, Vergangenheit und Kräfteherkunft verändert habe, also wundert euch nicht. Natürlich habe ich an den grundlegenden Dingen von ihr festgehalten.)

———

—Finally?—

»Hey, warte!«, rufe ich ihr hinterher.

Dann sehe ich Black Cat einmal nach fast einem Jahr wieder und bin dabei sie sofort wieder zu verlieren. Mit meinen Netzen kann ich wieder nicht treffen.

»Du bist ein Feigling, wenn du jetzt nicht stehen bleibst und mir einfach zuhörst!«, rufe ich laut.

Und endlich wirkt es. Sie zögert und bleibt schließlich stehen.

Genervt dreht sie sich zu mir um.

»Ich bin kein Feigling«, zischt sie.

Ich lande ein paar Meter entfernt von ihr.

»Ich möchte nur reden«, sage ich und hebe abwehrend die Hände nach vorne.

Sie verschränkt ihre Arme vor der Brust und wartet.

»Ja, nicht hier«, meine ich selbstverständlich.

Ich werfe ihr ein Netzende zu.

»Halt dich fest«, sage ich noch, dann fliege ich nach oben, auf das Dach eines Wolkenkratzers und setze sie vorsichtig ab.

Sie bleibt cool und versucht, ihr Zittern zu verbergen. Tja, Fliegen ist wohl nichts für sie.

Ich setze mich auf die Kante des Daches und bedeute ihr, dasselbe zu tun.

Aber sie bleibt stehen und sieht von oben zu mir herab.

»Eine Katze mit Höhenangst«, witzele ich.

»Ich dachte, ihr landet immer auf den Füßen.«

Bei ihrem ernsten Gesicht reiße ich mich zusammen. Jetzt ist keine Zeit für Witze.

»Letztes Jahr hast du gesagt, dass man dich nicht davon abhalten kann, Gerechtigkeit zu schaffen«, fange ich an.

»Ja, dich wird doch auch keiner abhalten, oder nicht?«, fragt sie.

Ich nicke.

»Das Problem ist nur, dass wir beide und die Welt unter Gerechtigkeit verschiedene Dinge verstehen.«

Weil sie nichts sagt, sage ich weiter: »Ich finde, Gerechtigkeit ist, wenn alle fair behandelt werden, egal was für ein Mensch sie sind. Ich habe nich nie gegen einen Bösen wie Thanos gekämpft, aber ich denke trotzdem nicht, dass es gerecht ist, was er findet, was gerecht ist, nämlich die halbe Menschheit auszulöschen. Und ich kämpfe gegen Ungerechtigkeit wie Diebstähle und so.«

Ich hole tief Luft.

»Und du empfindest unter Gerechtigkeit, von den Reichen zu nehmen und den Armen zu geben. Aber dabei raubst du unschuldige Menschen aus und bestiehlst sie. Das finde ich wiederum ungerecht.«

»Aber du musstest auch nie unter Ungerechtigkeit leben«, sagt sie bitter.

»Meine Familie ... Ach, das brauchst du nicht zu wissen. Wir wurden mehr als ungerecht behandelt. Und ich möchte diese Ungerechtigkeit den Menschen, die in derselben Situation sind wie ich, einfach zurückzahlen.«

Danach verwindet sie einfach.

Ich muss die nächsten Tage viel über das nachdenken, was sie gesagt hat.

Sogar Luc fragt nach, was mich beschäftigt.

Was wohl mit ihrer Familie passiert ist, dass sie so verbittert ist?

Was hat sie für Ungerechtigkeit erlebt?

In welcher Situation ist sie?

Ich muss sie definitiv noch einmal abfangen.

Irgendwann, als sie lange nicht auftaucht, denke ich, muss ich mir was einfallen lassen, damit sie nich einmal zu mir kommt. Freiwillig. Ich will sie nicht zwingen. Aber wenn sie dann zu mir kommt, ist sie dazu bereit.

Denn ich habe noch etwas Wichtiges zu sagen.

Also hacke ich eine Anzeigetafel beim Time Square (mit Eve's Hilfe, allein hätte ich das nicht ganz hinbekommen) und schicke ein Video von mir selbst im Anzug hin, wo ich laut und deutlich sage: »Black Cat, wenn du mutig genug bist, treffe mich  auf dem Empire State Building. Ich warte dort.«

Das wiederholt sich den ganzen Tag, und ganz New York ist aufgeregt. Tausende von Menschen warten vor dem Empire State Building auf Black Cat – genau wie ich. Sogar ein Hubschrauber ist dabei und hält einen Lichtkegel auf mich, sodass ich mich schließlich unsichtbar mache und aus dem Licht trete.

Ich klettere an die Spitze und warte. Und warte. Kurz bevor ich denke, dass ich bald nach Hause muss wegen der Sperrzeit von Dad, höre ich ein Flüstern hinter mir.

»Wir bleiben doch nicht hier«, fragt sie skeptisch.

»Nein«, sage ich zurück.

»Kannst du dich in den Schatten halten?«

Bei einem entfernten Hochhaus angekommen brauchen wir uns keine Sorgen mehr machen, dass uns jemand filmen könnte.

»Also, warum hast du ganz New York zum Empire State Buildimg gebracht, nur damit ich deine Nachricht bemerke?«, fragt sie.

»Ich hab dich nicht mehr gesehen und ich konnte nicht wieder ein Jahr lang warten. Außerdem wusste ich, dass es sehen wirst, wenn ich einfach mal kurz den Time Square hacke.«

»Aha. Eine Frage, wo hast du hacken gelernt?«

Ich zucke mit den Schultern.

»Vor kurzem haben mir in einem Kurs in der Schule darüber geredet, dann war ich neugierig und habs gelernt. Es ist nicht sooo schwer. Aber meine KI hat mir geholfen«, sage ich leichthin.

»Also, was willst du ständig von mir?«, wechselt sie das Thema.

Ich atme tief ein und aus. Ihre genervte Stimme – sie hat gefühlt keine andere – regt mich langsam auf.

»Letztes Mal hast du behauptet, ich hab noch nie unter Ungerechtigkeit gelebt.«

Sie nickt, also erkläre ich weiter: »Tut mir leid, aber da liegst du falsch. Ich wurde schon zweimal in meinem Leben entführt. Beim zweiten Mal habe ich bei Hydra eineinhalb Jahre gelebt, unter Ungerechtigkeit, bis ich fliehen konnte.«

Sie reagiert nicht. Ich frage mich, ob ich jemals mit diesem Charakter klarkommen werde.

»Na ja und deshalb wollte ich sagen, dass ich dich ein bisschen verstehen kann. Ich weiß zwar nicht, was du genau erlebt hast, aber trotzdem.«

Ihr Gesicht verzerrt sich vor Wut und plötzlich geht sie auf mich los.

Ich weiche reflexartig aus und springe in die Luft.

»Du hast keine Ahnung , was ich durchgemacht habe«, zischt sie wütend und springt mir hinterher.

Immer wieder weiche ich aus, versuche, sie mit Netzen von mir zu halten, die natürlich wieder nicht treffen.

Wie macht sie das nur?

Plötzlich zieht sie mich an einem Netz zu sich auf das Hausdach zurück, zieht mir ihre Krallen mitten über die Maske und schlägt mich in den Bauch, sodass ich keuchend auf dem Boden lande. Ich versiche, wieder aufzuspringen, aber sie stellt einen Fuß auf meine Brust und nagelt mich am Boden fest. Schwach versuche ich, ihn wegzustoßen.

Ihre Krallen haben mir nichts getan, aber der Schlag hat ins Schwarze getroffen.

Wo war mein Spinnensinn, der mich warnen sollte? Wo ist meine Superstärke?

»Wieso ... habe ich –«, fange ich an, höre aber keuchend auf.

»Wieso du nichts gegen mich machen kannst?«, fragt sie spöttisch.

»Tja, das nennt man Pech. Ist bei Leuten, mit denen ich so zu tun hab, besonders stark.«

»Wie funktioniert ... das?«, frage ich leise.

»Ich habe ein kleines Gerät an meiner Haut, das mir mein Vater gegeben hat. Er hat gesagt, es hilft beim Erfolg als Diebin. Tut es auch. Es leitet so spezielle Wellen um mich herum ab, sodass ich nur Glück habe und andere Pech. Wie es genau funktioniert, habe ich keine Ahnung. Es hilft aber auch im Kampf, wie du siehst. Alle Angriffe meines Gegners schlagen fehl und meine treffen.«

»Ich bin nicht dein Gegner«, widerspreche ich.

Sie fährt ruckartig ihre Krallen aus.

»Alle sind meine Gegner, die behaupten, zu wissen, wie ich mich fühle.«

»Du kannst mir auch einfach alles erzählen, dann könnte ich es verstehen und dir helfen«, biete ich an.

Verblüfft lässt sie direkt von mir ab und ich rapple mich auf.

»Meinst du das ernst?«, zischt sie, nicht mehr so wütend wie gerade, eher skeptisch. Ich nicke.

»Und das ist kein Trick, um mich irgendwie zu besiegen oder so?«, bohrt sie nach.

Diesmal schüttle ich denk Kopf energisch.

»Ich will niemandem wehtun, ich will dir nur helfen«, verspreche ich ehrlich.

»Das ... das hat mir noch nie jemand angeboten«, haucht sie.

»Meine Familie war arm, wir wurden von reichen Menschen betrogen und hintergangen. Dann sind sie während der Schlacht hier in New York gestorben, weil ihnen der Unterschlupf von ranghöheren Menschen verweigert wurde, die mehr als genug Platz hatten, um sich vor den Aliens in Sicherheit zu bringen! Mir ist nur nichts passiert weil ich da gerade nicht in New York war. Mein Vater hat mir das Einbrechen und Stehlen beigebracht, damit wir überleben konnten.

Deswegen bin ich seinem Beispiel gefolgt.«

»Das tut mir leid«, sage ich mitfühlend.

»Außerdem mag ich meine Pech-Fähigkeit gar nicht so. Es hilft mir beim Einbrechen und Stehlen, aber zwischenmenschlich ist es katastrophal. Wenn ich versuche, Freunde zu finden oder was auch immer, ständig haben die Leute Pech um mich herum und wollen schnell nichts mehr mit mir zu tun haben.«

»Wo ist denn dieses Gerät?«, frage ich.

Sie macht den Reißverschluss ihrer Jacke ein bisschen auf, der bis zu ihrem Kinn geht und zeigt ihn mir. Er sitzt direkt über ihrem Schlüsselbein, ein kleiner, flacher, schwarzer Chip.

»Wäre er irgendwo anders, an meinem Arm oder so, könnte ich ihn rausschneiden, aber direkt an meiner Kehle ist das keine so gute Idee. Der sitzt so tief drin, dass ich das nicht überleben würde.«

Ich bin überrascht, wie offen sie ist, seit ich ihr Mitgefühl zeige. Ich denke, sie hat das noch nicht so oft erlebt.

»Ich kann dir helfen. Wenn du es wirklich weg haben willst.«

Sie nickt.

»Das würdest du wirklich tun?«, haucht sie.

»Dazu sind Helden da. Um zu helfen«, erwidere ich.

Dann fällt mir ein, dass ich ja nach Hause muss.

»Wie heißt du eigentlich?«, frage ich noch schnell.

»Du kennst ja meinen Namen, deswegen ...«

»Felicia. Felicia Hardy.«

»Schön, dich kennenzulernen, Felicia«, sage ich, gebe ihr die Hand und breite die Flügel aus.

»Morgen können wir uns wieder hier treffen, dann können wir uns um das Pech-Problem kümmern.«

Sie nickt dankbar.

Ich verabschiede mich und fliege nach Hause.

Wie viel man mit Freundlichkeit erreichen kann , denke ich.

Ihr Sarkasmus und diese Kälte ihres Charakters sind auch nur Schutzmechanismen. Eigentlich ist sie ganz nett.

—Partners and Friends—

Damit ich ihr helfen kann, muss sie nur mit zu mir nach Hause. Auf dem Weg falle ich zweimal fast aus der Luft, kann mich aber gerade noch so fangen. Blödes Pech.

Sie musste versprechen, nichts zu stehlen, sie sagte, bei Menschen, die ihr helfen, stiehlt sie nicht. Ich werde sie trotzdem beobachten, weil ich mir nicht sicher bin, ob ich ihr schon vertrauen kann.

Wir gehen sofort in die Werkstatt, statt durch das Haus zu gehen.

Dad weiß nichts davon, deswegen.

Felicia setzt sich auf einen Stuhl und mit Eve in meinem Interface meines Anzugs scanne ich das kleine Gerät erstmal und frage dann Eve, wie ich es abbekommen kann.

Dazu muss man die exakt gegensätzlichen Wellen absenden, dann wird es ausgeschaltet und löst sich von selbst von der Haut, erklärt sie.

Dann hilft sie mir, ein Gerät zu bauen, das genau das machen kann. Felicia ist auch ein bisschen technische Erfahrung, deswegen kann sie auch ein wenig helfen.

Das Gerät ist bereits fertig, nur finden wir die richtige Wellenlänge.

Mein Spinnensinn schlägt plötzli h an, ich fahre herum und sehe, wie Dad die Tür öffnet.

»Was macht diese kriminelle Diebin hier drin?«, fragt er warnend.

Felicia dreht sich auch um.

»Ich helfe ihr bei einem Problem«, erkläre ich.

Er wirft mir einen skeptischen Blick zu und ich werfe einen flehenden zurück. Ich kann das jetzt so gut erklären, aber er muss wissen, dass es mir wichtig ist.

Schließlich nickt er nachgiebig und fordert mich auf, zu erzählen, was für ein Problem es ist.

Als ich fertig bin, sagt er: »Das ist doch leicht, es herauszufinden. Das Gerät muss einfach die Wellen von dieser kleinen Pech-Platte oder was auch immer das ist, auffangen und nutzt automatisch das Gegenteil von ihnen. Probier's mal aus.«

Als sich die kleine schwarze Platte von ihrer Haut löst, juble ich auf und in Felicias Gesicht entsteht echtes Lächeln, das ich noch nie gesehen habe.

Sie wirft es auf den Boden und tritt es kaputt, sammelt es auf und geht sie nach draußen, um es in den See zu werfen.

Ich folge ihr und bedeute Dad, drinnen zu bleiben.

»Nur zu Sicherheit«, sagt sie, als das kaputte Gerät auf den Seeboden sinkt.

Ich nicke.

Für ein paar Minuten ist es still, dann hole ich Luft.

»Danke dass du mir geholfen hast, obwohl ich dich angegriffen habe.«

»Klar. Weißt du ... ich weiß, du willst für deine Gerechtigkeit kämpfen. Dadurch verursachst du aber auch Ungerechtigkeit. Ich kämpfe auch gegen Ungerechtigkeit, deswegen fange ich Diebe und so. Aber du stiehlst und beraubst Menschen. Du bist nicht böse, wie viele finden, man muss dich nur verstehen, weil du es wegen der Ungerechtigkeit getan hast, die du erlebt hast. Ich habe darüber nachgedacht. Ich werde dich nicht davon abhalten, Gerechtigkeit zu schaffen, wie du es formuliert hast. Ich finde nur, vielleicht gibt es einen anderen Weg, das zu machen. Vielleicht möchtest du mit zu  uns Avengers? Wir kämpfen gegen die Ungerechtigkeit, bestiehlen und rauben aus. Dann hättest du Freunde.«

Sie schaut mich prüfend an.

»Du bist ziemlich weise für dein Alter. Aber es tut mir leid, dich enttäuschen zu müssen, ich bin nicht so der Team-Typ. Eher Einzelgänger.«

»Okay, wie wäre es dann damit, dass wir ein bisschen zusammen arbeiten? Ist kein Muss, dass wir das immer machen, aber einfach, wenn der andere vielleicht Hilfe braucht?«

Ziemlich lange schaut sie mich einfach an. Also strecke ich meine Hand aus.

»Partner?«

Sie gibt sich einen Ruck und schlägt ein.

»Partner.«

Wieder lächelt sie so ein glückliches Lächeln.

»Dankbarkeit ist ein schönes Gefühl. Irgendwie ... möchte ich anderen auch helfen, damit sie so ein Gefühl spüren. Mein Dad hat mir immer das Stehlen beigebracht, aber meine Mutter und meine Geschwister fanden das immer blöd. Sie wollten sich ehrlich durchs Leben schlagen. Ich denke, wir hätten mehr Superhelden da draußen wie dich gebraucht, die sich um die kleinen Leute kümmern, nicht wie die Avengers, die große weltbedrohende Gegner besiegen. Danke, dass du mir gezeigt hast, was ich sein kann. Du bist meine erste Freundin, die ich seit Langem habe.«

—Die Ruhe vor dem Sturm—

Vor ein paar Tagen hat das neue Schuljahr an der Highschool angefangen.

Nach sehr langen Diskussionen mit Dad habe ich jetzt nur noch die Sperrzeit bis 23 Uhr. Immerhin gehe ich jetzt auf die Highschool in die 9. Klasse und bin jetzt schon dreizehn.

Heute war Luc nirgendwo aufzufinden, aber er schrieb mir, dass wir uns auf dem Dach treffen, wo wir schon öfters waren und er auch zu Fuß hochkommt.

Wir hatten vor ein paar Wochen Nummern ausgetauscht, weil da die Sommerferien anfingen und ich ihn dann nicht an der Schule 'abholen' kann.

Und jetzt sitze ich hier und warte auf Luc.

»Hey, Sky!«, höre ich seine Stimme hinter mir.

Ich drehe mich um und da ist Luc, er hält irgendetwas hinter seinem Rücken.

Er läuft auf mich zu und holt hervor, was er versteckt hatte. Einen Picknickkorb. Er lächelt mich an und setzt sich neben mich.

»Du warst in den letzten Tagen so schlecht gelaunt, deswegen dachte ich, ich muntere dich ein bisschen auf.«

Ich merke fast gar nicht, wie ich strahle. Er hat an mich gedacht. Und möchte, dass ich mich besser fühle.

In dem Korb sind Sandwiches und Slushies.

Er hält mir den Becher mit dem blauen Eis hin.

»Ich hab dir den mit Blaubeere mitgebracht, weil ... keine Ahnung, ich dachte du magst blau. Ich hab zuerst gedacht ich hole dir Cola so wie mir aber dann habe ich mich erinnert dass du mal gesagt hast du magst keine Cola, deswegen ...«

Unsicher schaut er mich mit seinen blauen Augen an. Ja, ich liebe blau. Besonders seine Augen.

Das sage ich natürlich nicht laut.

»Ja, Blaubeere ist voll okay.«

Ich schaue auf den Strohhalm und will gerade daraus trinken, als der Strohhalm gegen meine Maske stößt. Oops. Die hab ich voll vergessen.

Luc muss grinsen und automatisch steckt er mich damit an.

»Und wie soll ich das jetzt machen?«

Verschwörerisch schaut Luc mich an.

»Du kannst mir auch einfach zeigen, wer du bist«, schlägt er vor.

Ich schüttle schnell den Kopf.

»Hast du deswegen das Picknick mitgebracht? Um mein Alias rauszukriegen?«

Ehrlich erschrocken schaut er mich an.

»Nein, das wollte ich wirklich nicht. Ich habe das auch echt vergessen!«

Er meint es wirklich so, deswegen glaube ich ihm.

»Eve, kannst du vielleicht irgendwie nur meinen Mund frei machen?«

Klar.

Meine Maske über meinem Mund und meiner Nase wird frei und ich probiere den Slushie.

»Der ist echt lecker«, lobe ich.

Luc starrt mich auf einmal so komisch an und ich werfe ihm einen fragendem Blick zu.

»Alles okay?«

Langsam schüttelt er den Kopf.

»Deine Stimme ...«

Oh nein. Das habe ich echt vergessen! Wie soll ich ihm das jetzt erklären?

Er lässt den Kopf hängen.

»Hast du mir die ganze Zeit etwas vorgemacht?«, fragt er leise.

»Nein!«, sage ich panisch.

Ich überlege kurz, wie ich es erklären kann, sodass er es versteht.

»Ich habe den Stimmenverzerrer immer angehabt, wenn ich draußen bin, damit mich keiner aus Versehen hört. Ich höre mich trotzdem noch in meiner normalen Stimme, deswegen habe ich nicht gemerkt, dass er bei dir immer an war.«

Er hebt zweifelnd den Kopf.

»Wirklich. Tut mir leid. Ich kann es ab jetzt auch auslassen.«

Dann nickt er, immer noch nicht richtig überzeugt.

»Ich hab sowieso geglaubt, dass es nicht deine echte Stimme ist, war mir aber nicht sicher. Ich wollte mich dir nur nicht aufdrängen.«

Ich beuge mich über den Korb und lege meine Arme um Luc, um ihn zu umarmen.

»Es tut mir wirklich leid«, flüstere ich.

Er erwidert überrascht meine Umarmung, da merke ich erst, was ich da tue.

Also löse ich mich aus der Umarmung und schaue verlegen auf den Boden.

»Wieso wolltest du eigentlich mit mir befreundet sein, wenn du keine Ahnung hattest, wie alt ich bin? Ich hätte ja dreißig oder so sein können«, sage ich mit einem leichten Grinsen.

»Ich hatte so ein Gefühl. Als du mich gerettet hast und dann so wütend warst, passte dein Verhalten irgendwie nicht dazu, wie alt du klangst. Außerdem klingt die Fake-Stimme nicht soo alt. Ich würde so sechzehn schätzen. Aber jetzt, wo ich deine Stimme kenne, kannst du mir dann auch sagen, wie alt du bist?«, fragt er neugierig.

Also gebe ich mir einen Ruck.

Ich starre verlegen auf den Boden.

»Zwölf«, seufze ich und beobachte seine Reaktion.

Seine Augen weiten sich ein wenig.

»Du bist sogar ein Jahr jünger als ich«, murmelt er.

Dann essen wir stumm das kleine Picknick.

»Danke dass du versucht hast mich aufzumuntern«, bedanke ich mich noch.

»Ich war aber ehrlich gesagt gar nicht mehr schlecht gelaunt, weil ich das mit Fe- ... ähm, Black Cat schon geklärt habe.«

»Achso«, sagt Luc, geht aber nicht weiter darauf ein.

»Klar doch.«

Er muss bisschen lachen.

»Ist aber schön zu wissen, dass ich nach der Schule nicht mit einem Erwachsenen abhänge.«

Er dreht seinen Kopf zu mir, lächelt mich an und irgendwas in meiner Brust fängt an zu flattern.

»Kannst du mir eine Geschichte erzählen?«, fragt Morgan.

Ich habe Morgan heute ins Bett gebracht.

Sie schaut mich mit ihren süßen brauen Rehaugen an.

»Okay«, sage ich lächelnd. Ihr kann man leider nicht widerstehen.

»Was für eine?«

Sie überlegt nicht lange.

»Du und Superheldin!«

»Willst du eine Geschichte von SkySpider hören?«, frage ich nach.

Sie nickt gespannt und wartet, dass ich anfange.

»Ich will auch Superheldin sein«, murmelt sie leise und ich muss lachen.

»Wenn du größer wirst kannst du bestimmt auch eine Superheldin werden«, verspreche ich.

Also fange ich mit meiner spannenden, begeisterten Stimme an zu erzählen, die ich immer benutze, wenn ich Morgan eine Geschichte erzähle.

»Einmal war ich in der Schule, es war Pause.

Dann habe ich die Polizei gehört.

Es sind ganz viele Autos vorbeigefahren! Ein riesiger Truck war vorne dran, die Polizei hat ihn verfolgt.

Ich bin ihnen schnell gefolgt und habe  den Truck angehalten. Und bevor die zwei bösen Männer fliehen konnten, habe ich die beiden mit Netzen gefesselt und der Polizeit gegeben.

In dem Truck war richtig viel Geld, die haben eine ganze Bank ausgeraubt! Aber ich hab sie aufgehalten. Jetzt sind sie im Gefängnis.«

»Oooh, wow«, haucht Morgan.

»Du bist meine Superheldin«, sagt sie ehrlich.

Ich muss lächeln. Das ist so süß.

Dad hätte jetzt bestimmt irgendeinen Scherz rausgelassen, aber das mache ich nicht.

»Oh, wirklich?«

Sie nickt und grinst mich an.

»Und deine Superheldin wird dich beschützen. Dir wird nichts passieren, das verspreche ich.«

Mom lehnt außen an der Tür, als Morgan eingeschlafen ist und ich leise die Tür schließe.

»Du beschützt sie also, hm?«, fragt sie lächelnd.

»Natürlich, sie ist meine kleine Schwester! Ich kann doch nicht zulassen, dass ihr dasselbe wie mir passiert!«

»Das ist so süß von dir«, sagt sie streicht mir über die Haare, was aber meine ganze Frisur zerstört.

»Hey!«, beschwere ich mich und Mom grinst. Sie hat das mit Absicht gemacht.

Dann küsst sie mich auf die Stirn.

»Geh auch ins Bett, okay?«

Ich nicke nur und gehe unten ins Bad, um Zähne zu putzen.

Ich betrachte mich im Spiegel. Ich liebe meine beiden Augen, das braune von Dad und das blaue von Mom. Mein rotbrauner Pixiecut von beiden.

Aber manchmal wünschte ich, ich wäre normaler. Nicht so außergewöhnlich.

Die Welt würde mich nicht beobachten, Feinde hätten es nicht auf uns abgesehen.

Dann müsste ich Morgan gar nicht beschützen. Weil es gar keinen Grund dafür geben würde.

Aber auf der anderen Seite ist es cool, eine Superheldin zu sein. Ohne dass Dad berühmt wäre, würde ich die Avengers gar nicht kennen. Wäre ich normal, hätte ich diese Superkräfte gar nicht.

Außerdem hat Dad ja schon sein Möglichstes gemacht. Es weiß keiner (zumindest keiner, bei dem es gefährlich wäre, dass er es weiß), dass wir hier leben. Hier sind wir sicher.

Es ist richtig so, wie es ist, sage ich mir.

Du bist gut, so wie du bist.

Es klingelt an der Tür und ich stürme schnell die Treppe runter und öffen sie.

»Wanda!«, freue ich mich und falle ihr um den Hals.

»Hey Sky«, lächelt sie.

Es hat echt viel geschneit.  Der Schnee geht bis zu Veranda hoch und der See ist komplett zugefroren.

Überall auf den Bäumen liegt Schnee und es ist wie im Winterwunderland.

Wäre da nicht die Kälte.

Zumindest für alle andere. Mein Anzug wärmt mich mit seiner Heizung, nur leider kann ich Wanda nichts davon abgeben. Ich gebe ihr dafür meine dicke Wintermütze, sie hat eine viel zu dünne mitgebracht.

»Hast du Schlittschuhe dabei?«, frage ich sie aufgeregt.

»Klar. Und ist der See auch wirklich sicher?«

Ich zucke mit den Schultern.

»Diesmal ist der Winter im Dezember viel kälter als die letzten Jahre, deswegen wahrscheinlich schon. Deswegen probieren wir es ja aus!«

Wanda zieht ihre Schlittschuhe an und ich meine auch. Mein Nanoanzug kann vieles, aber keine Schlittschuhklingen aus dem Nichts erschaffen.

Dann trauen wir aufs Eis.

Morgan kommt auch mit, ich schiebe sie auf einem Schlitten vor mir her.

Es hält wirklich und Wanda schafft sogar ein paar Pirouetten.

Mit ihrer Hilfe versuche ich es auch – und schaffe es sogar einmal, was mich so freut, dass ich es gleich noch einmal versuche, ohne Wandas Hilfe.

Plötzlich kracht das Eis unter mir ein, Eve schließt automatisch meine Maske und alles um mich herum ist blau. Ich habe keine Ahnung, wo oben und unten ist, keine Orientierung. Es fühlt sich an wie Stunden, Monate die ich hier unten bin, keine Ahnung was ich machen soll und wie ich aus dem Wasser rauskomme.

Atmen, Sky, du musst atmen, weist Eve mich plötzlich an und ich schnappe nach Luft. Ohne zu merken, habe ich die Luft automatisch angehalten.

Eve hilft mir, klare Gedanken zu fassen.

Du hast nicht unendlich viel Sauerstoffvorrat, du musst einen Weg nach oben finden.

Wie durch Watte und einer Menge Wasser höre ich meinen Namen.

Wanda ruft mich.

Ich höre, woher die Stimme kommt und breite meine Flügel aus.

Mit einem Ruck reißen mich die Düsen an der Wingsuit aus dem Wasser, meine Flügel schneiden das dicke Eis, das im Weg ist, in Stücke und ich falle auf das Eis ein paar Meter entfernt.

Wanda fährt zu mir.

»Hey, alles okay?«

Ich nicke erschöpft.

»Ich hab mich nur erschreckt, aber mir geht's gut.«

Nur ein bisschen Kopfschmerzen, aber das sage ich nicht.

Da fällt mir Morgan ein.

»Ist Morgan etwas passiert?«, frage ich panisch.

Wanda schüttelt beruhigend den Kopf und hilft mir auf.

Sie besteht darauf, dass wir jetzt nicht weiter auf dem Eis bleiben, also gehen wir rein und machen uns einen Tee.