LNCrawler

2023 (Teil 2)

Daughter Of Iron, Powers Of A Spider — www.fanfiktion.de · All chapters

2023 (Teil 2)

Hey, danke für den anonymen Favo und Marvellovergirl's zweiter Review!

Viel Spaß beim Lesen ❤️

———

—Reality—

Piep Piep Piep.

Flashbacks zurück vor vier Jahren, dasselbe Piepen und meine Erinnerungen von meinen raspelkurzen Haaren.

Meine Rückkehr von Hydra zum Compound.

Ich reiße die Augen auf und werde von der Realität überschwemmt.

Wanda ist tot.

Schnell setze ich mich auf – und breche sofort wieder zusammen, weil mich meine gebrochen Rippen schlecht aufrechthalten können.

Ich presse meinen Kiefer zusammen.

Das tut verdammt weh.

Imerhin ist es schon besser als ... als ich das letzte Mal wach war.

Wann war das? Der Kampf gegen Thanos. Wie lange ist das her?

Aber noch viel wichtigere Fragen –

»Hey, hey, langsam«, beschwichtigt Mom mich und ist sofort an meiner Seite.

»Wo ist Dad? Wo ist Wanda? Wo sind wir?«, frage ich hektisch.

Mom deutet neben mich.

Da liegt Dad. Gesund und atmend.

Erleichtert atme ich auf.

Aber ...

»Wandas Beerdigung ist, wenn es allen Avengers wieder gut geht. Das könnte allerdings noch ein wenig dauern.«

Tränen schießen mir in die Augen.

»Wir sind hier in Wakanda.«

Ach deswegen sieht hier alles so ... anders aus. Und es riecht, als wäre hier alles komplett neu. Wie in einem neuen Auto.

»Es gibt eine Menge Verletzte, aber nur Schwerverletzte wie du und Tony oder Steve und Thor wurden hierhergebracht, weil das sicherer ist.

Die Wakandaner haben sehr fortschrittliche Technologie, sie wissen, wie sie euch helfen können.

Wenn sie sich nicht gerade selbst um ihre eigenen Verletzten kümmern müssen.«

»Sky«, flüstert eine leise Stimme.

Ich schaue über die Bettkante und sehe Morgan, die zu mir hochblickt.

»Hey Morgan«, sage ich und lächle schwach.

Sie klettert auf das Bett, setzt sich neben mich und kuschelt sich an mich.

»Du hast so lang geschlafen! Ich dachte du wachst nicht mehr auf.«

Ich lege eine Hand an ihren Rücken und drücke sie an mich.

»Jetzt bin ich ja wach. Wie lange ...«

»Wirklich nicht lange. Gestern war der Kampf. Für Morgan hat es sich nur wie eine Ewigkeit angefühlt.«

Achso. Ich nicke.

»Daddy wacht immer noch nicht auf«, sagt Morgan traurig.

»Er wird noch aufwachen, versprochen, Morgan.«

Später kommen Tasha und Clint, ich hatte Mom gebeten sie zu holen, als ich erfahren habe, dass sie auch hier sind.

Sie wurden schon behandelt und ihnen geht es eigentlich ganz gut.

Sie freuen sich, dass ich wieder wach bin und wollen mich von meiner Traurigkeit ein wenig ablenken.

Dad ist mittlerweile aufgewacht, er ist gerade draußen mit Mom und Morgan.

»Fünf Jahre waren so lange! Das letzte Mal, als ich dich gesehen habe, warst du acht und jetzt bist du vierzehn!«, lacht Tasha.

Clint nickt.

»Erzähl mal woher du deine Superkräfte her hast und warum deine Haare auf einmal so kurz sind, Squirt.«

Also erzähle ich alles.

Vom Anfang, als ich Bogenschießen war, über Hydra und so weiter, bis ich wieder nach Hause kam, erfuhr, dass ich eine Schwester habe, und schließlich als SkySpider zur neuen Superheldin New Yorks wurde und es schaffte, Black Cat zu einer weiteren Heldin zu machen.

Von Luc erzähle ich auch, aber die beiden tauschen nur ein verschwörerisches Grinsen aus.

»Wow«, sagt Tasha beeindruckt.

»Wir haben ganz schön viel verpasst«, sagt Clint grinsend.

»Aber das Wichtigste ist, dass ihr wieder da seid. Ich habe euch so vermisst«, sage ich, diesmal kommen Freudentränen in mir hoch und ich umarme meine beiden Freunde gleichzeitig.

»Ich muss dir jemanden vorstellen«, sagt Tasha, bevor sie gehen.

»Ich muss sie nur finden.«

Clint fiel dann noch etwas ein und er sagte mir, er würde Lila zu mir schicken. Seine Familie ist auch hier, weil sie ihn besucht hatten, als es ihm noch nicht so gut ging und sie waren hiergeblieben.

»Sky!«, begrüßt sie mich freudig.

»Wir haben uns echt lang nicht mehr gesehen.«

Ich umarme sie kurz.

»Aber für mich war es länger, weil du ja für fünf Jahre weg warst.«

Sie lacht. »Stimmt!«

»Aber jetzt sind wir gleich alt! Obwohl fünf Jahre Altersunterschied ja nicht so schlimm waren«, merke ich an.

Sie nickt.

»Du musst mich unbedingt mal besuchen! Wir wohnen jetzt auch so abgelegen wie ihr. Aber an einem See im Wald. Es richtig schön dort.«

»Cool! Das müssen wir unbedingt machen.«

Dann macht sie ein nachdenkliches Gesicht.

»Dad hat gesagt, dass dir was richtig Krasses passiert ist, während wir weg waren. Ich hätte mit Dad und Nat zu dir kommen sollen, dann müsstest du es mir nicht noch einmal erzählen. Vorausgesetzt du möchtest es mir erzählen.«

»Nein, natürlich erzähle ich es dir!«

Sogar Carol kommt mich besuchen.

»Hey, du hast dich echt gut geschlagen«, lobt sie mich.

»Danke.«

Sie macht ein nachdenkliches Gesicht.

»Woher weißt du, dass ich vorher lange Haare hatte?«, fragt sie neugierig.

»Ich habe über alle Superhelden recherchiert die es so gibt und dann habe ich dich in einer Akte von S.H.I.E.L.D. gefunden. Ich musste sie zwar erst hacken, um reinzukommen, aber na ja.

Sag's keinem weiter«, flüstere ich. Sie grinst und nickt.

»Da war nicht so viel von dir drin, aber eben ein Foto von dir. Wie hast du eigentlich deine Superkräfte bekommen? Ich habe irgendetwas von einem Flugzeugabsturz gelesen, aber mehr stand nicht drin.«

Sie überlegt kurz.

»Nach dem Absturz lag Dr. Lawson – wie ich dann herausfand, Mar-Vell – schwerverletzt auf dem Boden. Sie wollte den Energiekern von dem Flugzeug zerstören, wurde dann vorher aber von einem Mann, Yon-Rogg, erschossen. Er wollte den Energiekern, aber bevor er ihn holen konnte, tat ich das, was Mar-Vell tun wollte, ich schoss auf den Kern.

Er explodierte und ich ... ich habe die Energie scheinbar absorbiert.

Ich wurde eine Hybrid-Kree.

Die Kree haben mir meine Erinnerungen genommen, um mich als Waffe zu benutzen. Das ist aber schon länger her.«

»Und dein Blut ist wirklich blau? Krass.«

Sie nickt auffordernd in meine Richtung und fragt: »Und du?«

Das viele Erzählen wird langsam anstrengend. Aber zu Caron habe ich nicht dieselbe Bindung wie mit Tasha, Clint und Lila, deswegen halte ich mich kurz.

»Ich wurde als ich acht war von Hydra entführt, alle dachten ich wäre beim Snap gestorben und dort wurde ich von einer Spinne gebissen. Von der bekam ich die Superkräfte und konnte dadurch dann fliehen. Auf dem Rückweg nach Hause bin ich den Washington Tower hochgeklettert und wäre fast wieder gestorben, weil ich runtergefallen bin, aber es ist alles gutgegangen.«

Sie hebt anerkennend die Augenbrauen.

»Es war schön dich kennenzulernen, Sky. Aber das Universum ist groß, deswegen muss ich jetzt ein paar Planeten retten gehen«, sagt sie und umarmt mich kurz.

Dann fliegt sie aus dem Fenster und verschwindet im Himmel.

Irgendwie ist sie echt cool.

»Sky, das ist meine Schwester Yelena. Sie war auch fünf Jahre ... weg«, begrüßt mich Tasha, als sie zurückkommt.

Bei ihr ist eine hübsche Frau mit einem blonden Zopf und freundlichen Augen. Noch eine Person, die wir gerettet haben.

»Ja, deswegen war ich auch so verwirrt, dass Natasha blonde Haare hat! Du solltest dir das dringend rauswachsen lassen.«

Hatte Tasha auch mal so einen Akzent? Er klingt aber irgendwie sympathisch.

Ohne eine Reaktion abzuwarten dreht Yelena sich zu mir.

»Hey!«, sagt sie lächelnd.

»Ihr seid Schwestern?«, frage ich erstaunt.

Sie sehen sich gar nicht ähnlich.

»Ich wusste gar nicht, dass du eine Schwester hast, Tasha.«

Sie lächelt kurz und erklärt: »Adoptivschwestern.«

Bevor ich reagieren kann, dreht sich Yelena mit offenem Mund in Zeitlupe zu Tasha.

»Sie nennt dich Tasha?«, fragt sie begeistert mit strahlenden Augen.

Ist etwas daran falsch?

Sollte ich sie nicht so nennen?

Tasha beantwortet die Frage ihrer Schwester mit einem Nicken.

»Dieser Spitzname ist sooo niedlich!«, quietscht sie.

Dann wird sie schlagartig wieder ernst und wendet sich mir zu.

»Dieser Name ist genial «, sagt sie ernst.

Ein kleines Lächeln erscheint auf ihrem Gesicht.

»Seit wann nennst du Natasha so?«

Das war doch ... als ich die Avengers kennengelernt habe, oder?

»Da war ich drei«, sage ich.

Mir ist bis eben gar nicht bewusst gewesen, dass ich die Avengers schon so lange kenne! Einfach elf Jahre!

Yelena grinst frech und blickt zu Tasha.

»Ich werde dich –«, setzt sie an, wird aber von Tasha unterbrochen.

»Nope. Nur Sky darf mich so nennen.«

»Na gut«, gibt Yelena widerwillig nach, beugt sich aber zu mir und hält die Hand vor den Mund, um mir zuzuflüstern: »Ich sage trotzdem Tasha zu ihr, wenn ich sie ärgern will.«

Ich muss lächeln, und Yelena erwidert mein Lächeln.

»Oh!«, ruft sie plötzlich.

»Du wolltest mir noch dein ganzes anderes Team zeigen, ... Tasha .«

Sie schlendert aus der Tür und winkt mir zum Abschied kurz zu.

Bevor Tasha ihr folgt, umarmt sie mich noch und sagt lächelnd: »Danke übrigens, dass du dich für mich und Clint eingesetzt hast.«

Sie sieht meinen überraschten Blick und fügt hinzu: »Tony hat es mir erzählt.«

»Klar doch. Ihr habt mir gefehlt, und ich fand es einfach falsch, nichts zu tun«, erwidere ich.

»Na, Tasha , kommst du?«, ertönt Yelenas Stimme.

Ich unterdrücke mein Lachen über das Wortspiel.

Tasha verdreht die Augen, drückt noch einmal meine Hand und wirft mir ein letztes Lächeln zu, bevor sie ihrer Schwester folgt.

—Fault—

Sky, ich glaube, du solltest das hier sehen, sagt Eve plötzlich.

Träge hebe ich den Kopf. Über einem Monat ist Wanda's Tod her und morgen ist ihre Beerdigung.

»Ist es wichtig?«

Ich nehme an, dass es wichtig ist.

»Okay. Was denn?«

Ich habe eine Videodatei von Tony gefunden.

Er hat sie am Tag vor dem Versuch mit der Zeitreise aufgenommen.

Nun setze ich mich doch gespannt auf. Vielleicht ist das wirklich wichtig.

Vor mir erscheint ein bläuliches, leicht durchsichtiges Hologramm von Dad, er sitzt auf einem Stuhl.

Eve startet das Video und Dad fangt an zu sprechen.

»Jeder wünscht sich ein Happy End, oder? Aber, so läuft es nun mal nicht immer.«

Allerdings.

Mir kommen wieder die Tränen.

»Dieses Mal vielleicht.«

Nein. Dieses Mal nicht.

»Ich hoffe, wenn ihr das hier abspielt, gibt es Grund zur Freude.«

Eine Träne rollt über meine Wange. Das hier ist das Gegenteil von Freude.

»Ich hoffe, Familien sind wiedervereint, ich hoffe, wir kriegen es wieder hin und haben so was wie eine normale Version des Planeten wiederhergestellt.

Falls es die jemals gab.

Gott, was für eine Welt.

Was für ein Universum.

Hätte man mir vor 10 Jahren gesagt, dass wir nicht allein sind – noch dazu in diesem Ausmaß – es hätte mich nicht überrascht, aber mal ehrlich, wer konnte das ahnen? Diese gewaltigen Mächte von Gut und Böse, die aufeinandertreffen – und wohl oder übel ist das die Realität, in der Morgan und Sky es schaffen müssen, sich zurechtzufinden. Wenn Sky nicht schon längst dabei ist.

Darum dachte ich, ich zeichne lieber einen kleinen Gruß auf, für den Fall eines zu frühen Ablebens meiner Wenigkeit.«

Er deutet mit seinen Händen auf sich.

Warte ... was? Hat Dad geplant, uns zu retten? Hat er angenommen, er würde sterben und uns zurücklassen?

Fassungslos starre ich ihn an.

»Ich mein, eigentlich ist ein zu frühes Ableben immer zu früh.

Dieses Zeitreisending, das wir morgen versuchen, bereitet mir schon ein bisschen Kopfzerbrechen bezüglich der Überlebenschancen, das ist so 'ne Sache. Allerdings ... so ist das Helden-Dasein.

Das Ende ist ein Teil des Weges.

Was mach ich mich verrückt, alles wird ganz genau so kommen, wie es soll.«

Er steht auf und läuft zur Quelle des Aufzeichnens.

Vermutlich sein Iron-Man-Helm.

Bevor er aber den Knopf drückt, schaut er hoch, mir genau in die Augen und sagt:

»I love you to the sky.«

Er lächelt mich an, mit einem leicht mitfühlenden Ausdruck, dann geht sein Blick neben mich, ins Leere.

»I love you 3000«, sagt er zu Morgan, die nicht da ist.

Er lächelt wieder und verschwindet.

Eve sagt nichts, lässt mich in meinen Gedanken schweifen.

Er hätte sich nie von uns verabschiedet, hätte er nicht gwusst, dass er sterben würde.

Er hat so gesprochen, als würde es wirklich passieren.

Aber er wäre auch gestorben, wäre nicht Wanda gewesen.

Und Wanda ist  statt Dad gestorben. Wegen mir hat sich Wanda geopfert, damit ich nicht denselben Schmerz fühlen muss wie sie, aber sie hat völlig außer Acht gelassen, dass ich auch wegen ihr trauerm würde.

Und hätte nicht versucht, uns alle zu retten, hätte er nicht gewusst, dass er sich opfern würde, sterben würde, hätte Wanda nicht seine Stelle eingenommen.

Carol zum Beispiel wäre bestimmt stark genug dafür gewesen, die Energie der Steine auszuhalten, sie besteht ja förmlich aus purer Energie.

Aber Dad dachte, er muss das tun, und deswegen hat sich Wanda geopfert. Jetzt ist sie tot.

Und Dad ist schuld.

Ich laufe langsam die Treppe runter.

Wütend.

Unten ist Dad nicht. Ich schaue in die Werkstatt und sehe Dad wie er dasitzt ... Und nichts macht.

Ich öffne die Tür zur Werkstatt.

»Dad.«

Meine Stimme ist eisig, ist ich wusste gar nicht, dass ich so klingen kann.

Er dreht sich langsam auf seinem Stuhl um und sieht mein wütendes Gesicht.

»Hey, was ist denn, Skyle?«, fragt er verwundert.

»Du bist schuld, dass Wanda gestorben ist!«, werfe ich ihm vor.

Ich halte mein Holo-Phone nach oben und lasse seine Aufnahme abspielen.

Dad wird blass.

»Hättest du nicht geplant, dich für dieses ganze Universum zu opfern, hätte Wanda nicht eingegriffen, um dich zu retten, damit ich dich nicht verliere.

Und jetzt ist sie tot.«

Er öffnet ein paar Mal den Mund, ohne dass er etwas sagt.

Schließlich wischt er sich mit einer Hand über sein Gesicht und murmelt:

»Ich wollte doch gar nicht, dass sie stirbt. Es war keine Absicht.«

Ich schnaube.

»Aber es war deine Absicht, versuchen zu sterben! Uns zu retten. Aber mich, Mom und Morgan alleine zu lassen!«

Dad lässt den Kopf hängen, er weiß nicht mehr, was er sagen soll.

In mir brodeln Wut und Traurigkeit.

»Irgendwer musste gewinnen«, sagt er leise.

»Und hätte Thanos gewonnen, wären wir alle tot.«

»Dann müsste ich Wanda jetzt aber auch nicht vermiss –«

»Stopp«, sagt eine unbekannte Stimme.

Dr. Strange tritt aus einem funkensprühenden, orangenen Portal.

Er war auch bei dem Kampf dabei, fällt mir ein.

»Wir müssen unter vier Augen sprechen«, wendet er sich an meinen Vater.

»Sky's Wahrnehmung der Ereignisse ist unvollständig. Ihre Existenz ist eine Abweichung. Wenn ich jetzt nicht eingreife, destabilisiert sich diese Zeitlinie weiter.«

Ohne eine Reaktion abzuwarten, wickelt sich eine Ecke des roten Umhangs um meinen Arm, und Dr. Strange zieht mich durch das Portal.

»Ich will aber nicht mir dir sprechen!«, rufe ich ihm zu, aber er ignoriert mich.

Hinter dem Portal gehen wir eine breite Treppe nach oben. Wobei ich nicht gehe, sondern eher stolpere, weil dieser rote Lappen immer noch an meinem Arm klebt.

Oben angekommen ist direkt über und ein riesiges, rundes Fester mit einem seltsamen Symbol.

Aber Dr. Strange geht schon weiter, und als ich mich umdrehe, erstreckt sich vor mir eine Bibliothek, mit vielen Regalen, Vitrinen und Truhen.

»Lass mich los!«, beschwere ich mich bei dem Umhang und plötzlich lässt er tatsächlich los, sodass ich nach hinten stolpere und mich im letzten Moment noch fangen kann.

Ich renne auf Strange zu, um ihn anzugreifen, da packt mich plötzlich ein goldenes Seil und ich werden ein einen Stuhl gefesselt.

»Das wäre wesentlich einfacher, wenn du ein wenig mehr Kooperation zeigen würdest«, sagt er ernst.

»Ich möchte dir nur helfen, damit du deine Situation besser verstehst.«

Also halte ich still und Strange entspannt sich ein wenig.

»Ich muss dir etwas zeigen«, sagt er und wischt er mit den Händen durch die Luft.

Zwischen uns erscheint ein langer, leuchtet blaue Faden, der duch den kompletten Raum führt.

»Das ist die Sacred Timeline, wir nennen sie Erde-616. Das Universum, in dem wir leben, diese Erde hier, ist Erde-1413.«

Von dem blauen Faden zweigt sich ein schmaler zweiter Faden ab.

»Unsere Parallelrealität wurde von der ursprünglichen Realität abgespalten.«

»Willst du mir sagen, dass unendlich viele Parallelwelten existieren? Gibt es das wirklich?«

Er nickt nur und macht die ganzen anderen Abspaltungen sichtbar, was ein großes Durcheinander ergibt.

Sogar an dem Zeitstrahl, das unser Universum darstellt, zweigen sich weitere ab.

»Der Grund, dass sich unsere Parallelrealität von der originalen abgespalten hat«, fährt Strange fort, »bist du. Deine Geburt.«

Er deutet auf den Punkt, an dem sich der Strahl von dem Hauptstrahl trennt.

»In all dieses anderen Zeitsträngen«, er zeigt auf den ganzen Rest, »existierst du nicht. Nur auf diesem Zeitstrahl und seinen eigenen Abzweigungen.«

Mir steht der Mund offen.

»Das heißt, bei der originalen Zeitlinie gibt es mich einfach nicht? Ist das ... ein Fehler, dass ich existiere?«

Beim letzten Satz zittert meine Stimme.

»Nein, das ist kein Fehler. Es ist einfach eine Abweichung, genau wie die anderen Paralleluniversen.«

Er wischt wieder durch die Luft und der Zeitstrahl verschwindet wieder.

»Was hat das jetzt mit Wandas Tod und Dad zu tun?«, zische ich wütend.

Er seufzt.

»Du verstehst das alles falsch. Dein Vater ist nicht schuld an Wandas Tod. Genauso wenig wie du. Es war ihre eigene Entscheidung, ihn zu retten.«

»Aber hätte Dad nicht versucht, sich zu opfern, hätte Wanda nicht eingegriffen!«

Nun seufzt er wieder.

»Das ist ja der Punkt. Deine Existenz und emotionale Bindung zu Wanda haben sie dazu bewegt, dir dieses Leid zu ersparen, was ihr selbst widerfahren ist. Das hat sie dir doch erklärt. In anderen Universen, so auch bei der Sacred Timeline, existierst du nicht – und damit auch nicht die emotionale Bindung von Wanda zu dir.«

Das ist doch keine Entschuldigung! Ich verstehe es einfach nicht. Wieso musste ausgerechnet Wanda sterben?!

»Heißt das, es gibt da draußen glückliche Universen mit Wanda am Leben?!«, frage ich.

Und da ist wieder dieses Seufzen. So langsam nervt das.

»Ich habe wohl keine andere Wahl, als dir zu sagen, was aus Wanda wird, wenn sie am Leben bleibt. Ihr könnt euch glücklich schätzen, dass diese Gefahr, die von ihr ausgeht, gebannt ist und dass du deinen Vater noch hast!«

»Hä?«

»Willst du sehen, wie Wanda aus Wut und Traurigkeit über den Tod von Vision und ihrer Familie eine ganze Stadt kontrolliert und unschuldige Menschen tötet, um ihre imaginären Kinder wiederzubekommen, nachdem sich diese aufgelöst haben?«, fragt er mit lauter Stimme.

Ich zucke zurück.

Das hat sie getan? Würde sie tun, wenn sie noch leben würde?

»Ich hätte sie davon abbringen können«, versuche ich schwach.

»Es bringt nichts«, sagt Dr. Strange resigniert.

Ich winde mich in den goldenen Fesseln, als er seine Hände an meine Schläfen legt.

~

Plötzlich stehe ich auf dem Schlachtfeld, auf dem wir gegen Thanos gekämpft haben.

Ich blicke an mir herunter. Ich bin durchsichtig. Ich bin nicht wirklich hier. Aber es wirkt so real!

Da erkenne ich die Szene wieder.

Dad kniet da, Thanos versucht zu schnipsen.

Die Steine schweben zu Dads Hand. Keine Wanda vor mir, die mir erklärt, dass es das Richtige ist.

»And I ... am ... Iron Man«, sagt Dad und schnipst.

Ohne eine Wanda, die ihn beschützt, die die Energie ableitet.

Verzweifelt stolpere ich zu Dad, nachdem das helle Licht abgeebbt ist.

Er sinkt zusammen und lehnt sich an einen Trümmerhaufen, seine komplette rechte Seite verbrannt.

»Dad«, schluchze ich.

Rhodey kommt angeflogen und streicht Dad über die Wange.

»Mr. Stark?«, fragt plötzlich ein Jungenstimme und jemand kniet sich vor Dad.

»Können Sie mich hören? Mr. Stark? Ich bin's, Peter.«

Peter ... an irgendetwas erinnert mich der Name, sein Aussehen.

Aber ich kann die Erinnerung nicht fassen.

Dad richtet seinen Blick auf Peter. Peter presst die Lippen zusammen und hat Tränen in den Augen.

»Wir haben gewonnen, Mr. Stark. Wir haben gewonnen. Sie haben es geschafft, Sir.«

Er senkt den Kopf.

»Es tut mir leid.«

Mom taucht auf, Peter geht zur Seite und sie nimmt seinen Platz ein.

»Tony?«

Sie legt eine Hand auf den Arc-Reaktor.

»Schau mich an«, sagt sie.

Sie hält ihre Tränen zurück, das merke ich.

Dad schaut sie an und Mom sagt: »Alles wird gut sein.«

Sie blickt ihn schmerzhaft an und fragt: »Friday?«

Lebensfunktionen kritisch.

Also verabschiedet sie sich mit den Worten: »Du kannst jetzt ruhen.«

Das Licht von dem Reaktor erlischt und Dads Hand rutscht von Moms.

Der Schmerz explodiert in meiner Brust. Ich weiß, dass das nicht real ist, aber es fühlt sich real an .

Ich habe das Gefühl, zu zerbrechen und nie wieder zusammengesetzt werden zu können.

Ich wimmere leise, für alles andere fehlt mir die Kraft.

»Bitte lass das nicht real sein, bitte nicht ... Dad ...«, hauche ich unter Tränen.

So etwas habe ich noch nie gespürt.

~

Urplötzlich werde ich aus der Szene gerissen, meine Wangen sind tränennass und der Schmerz in meiner Brust bleibt.

Vor mir in Strange mir verschränkten Armen.

»Hast du jetzt verstanden, das du in deinem Universum Glück hattest, dass Wanda sich für Tony geopfert hat? Oder muss ich dir noch zeigen, was aus der lebenden Wanda geworden ist?«

Ich schüttle den Kopf.

»Ich hab's verstanden.«

Die goldenen Fesseln lösen sich und ich stehe mit wackeligen Beinen auf.

»Wer ist Peter?«, frage ich.

»Oh, ich dachte, du erinnerst dich«, mein Dr. Strange.

»Dann helfe ich dir mal auf die Sprünge. 2015 hast du im Fernsehen die Nachricht von einem Jungen namens Peter Parker gesehen –«

»... der von einer Spinne gebissen wurde und ins Koma gefallen ist«, beende ich geschockt den Satz. Jetzt wird mir alles klar.

»Richtig. In diesem Universum, auch in ein paar anderen, hat Peter Parker die Superkräfte einer Spinne bekommen und ist zu Spider-Man geworden.

In deinem hat es dich betroffen, sodass du zu SkySpider wurdest.

Es existiert tatsächlich ein Universum mit dir, in dem Peter Parker trotzdem seine Superkräfte bekommen hat und ein Avenger wurde, wo du aber wiederum 2018 gar nicht draußen Bogenschießen warst, sodass du gar nicht von Hydra gefangen wurdest und du diese Kräfte nicht bekommen hast.

Du und Peter seid auf Erde-1415 ziemlich gute Freunde.

Dafür seid ihr auf Erde-1416 ein Team, weil ihr beide Spinnenkräfte habt.

Auf Erde-1421 bist du eine Waffe von Hydra geworden und hast dieselben Kräfte wie Steve Rogers.

Und auf Erde-1433 wurdest du wirklich mit der Hälfte der Menschheit ausgelöscht, da bist du jetzt immer noch acht, wobei, dann schon neun Jahre–«

»Stopp!«, sage ich energisch.

»Das reicht. Ich habe es verstanden und ich muss nicht unbedingt so genau wissen, was mit mir in anderen Universen passiert. Es ist schon genug, dass ich weiß, dass ich auf dem Großteil der Paralleluniversen gar nicht existiere.

Darüber werde ich mir schon genug Gedanken machen.«

Strange nickt und verstummt.

»Okay. Sehr gut. Dann haben wir das ja geklärt.«

Er hebt den Finger.

»Eine Sache noch. Du kannst froh sein, dass du sozusagen die Hauptzeitlinie von deiner Existenz bist. Von deiner Zeitlinie zweigen sich andere ab, aber dir wird immer das passieren, was dir passieren soll. Wenn man das so behaupten kann, immerhin bist du auch nur eine Parallelrealität von der Sacred Timeline.«

»Ja, ja. Kann ich jetzt nach Hause?«

Kaum sehe ich Dad hinter dem Portal, falle ich ihm um den Hals.

»Ich dachte, du wärst wirklich gestorben«, murmle ich in seine Schulter.

»Es tut mir soo leid«, sage ich traurig.

»Du bist gar nicht schuld.«

Ich schaue ihm in die Augen.

»Ich liebe dich wirklich. Und ich will dich nicht verlieren, das habe ich so gar nicht gemeint.«

—Forever in my Memory—

Wir alle stehen hier versammelt auf dem Friedhof.

Keiner fehlt.

Ich denke, das ist das erste Mal, dass wir alle so versammelt sind.

Nur Wanda und Sam sind nicht dabei.

Ich stehe in der ersten Reihe, genau vor mir liegt sie begraben.

Ich darf als Erste eine kleine Rede halten und trete nach vorne, auf ein kleines Podest, damit mich alle sehen.

»Wanda war meine beste Freundin, meine Schwester, seit sie ihren Bruder verloren hatte und ich mir so sehr eine Schwester gewünscht habe.

Sie war immer für mich da.

Einmal hatte sie mir versprochen, dass mir nie dasselbe passieren wird wie ihr.

Dass sie verhindern wird, dass ich so früh wie sie meine Eltern und meine Schwester verliere.

Und das war der Grund, warum sie sich im Kampf gegen Thanos für meinen Vater geopfert hat.«

Ich hebe mein Holo-Phone hoch, und ein Hologramm zeigt die Szene, als Wanda zu mir kommt und mir versucht alles zu erklären.

Ich möchte nur, dass alle anderen es auch verstehen.

Als das Video zu Ende ist, sage ich noch abschließend: »Ich dachte, mein Vater wäre schuld an ihrem Tod gewesen. Aber Wut und Trauer haben mich blind gemacht, und ich habe die Dankbarkeit gegenüber Wanda vergessen.

Es war Wandas Entscheidung, und ich bin zwar immer noch traurig, aber auch sehr dankbar.

Ich wüsste nicht, wie ich ohne Dad klarkommen würde.

Danke, Wanda.

Ich werde dich nicht vergessen.

Und ich werde mich von jetzt an an den Grundsatz halten, den du mir mitgegeben hast: Wenn ich etwas Gutes für andere tun kann, habe ich die Verantwortung, es auch zu tun.«

—Peggy or Bucky?—

»Also, denk dran, bring die Steine zu dem Moment zurück in dem sie entfernt wurden sonst erschafft man fiese Alternativrealitäten.«

Es wurde ein neues, kleineres Zeitreisemodell gebaut, um die Steine zurückzubringen, damit keiner mehr in Gefahr ist, sie zu benutzen.

Ich stehe hier mit Bucky und beobachte Steve und Bruce.

Steve schließt den Koffer mit den sechs Steinen.

»Keine Sorge, Bruce. Ich lege alle Nebenarme trocken.«

Bruce schaut nach unten und sagt plötzlich: »Ich hab's versucht. Als ich den Handschuh anhatte, habe ich versucht, Sam zurückzuholen. Es hat nicht funktioniert.«

Steve nickt mitfühlend, dann läuft er zu mir und Bucky.

»Du hast Peggy gesehen, nicht wahr?«, fragt Bucky ihn.

»Ich hab es dir angesehen, nachdem sich alles ein wenig beruhigt hat.«

Steve senkt den Kopf.

Ein klares Ja.

Fragt sich nur, wer Peggy ist.

An Steve's Blick sehe ich, was sie ihm bedeutet.

Sie muss aus seiner Zeit kommen, und er ist hier in der Zukunft ohne sie.

»Du ... Du kannst bei ihr bleiben, Steve. Es ist okay.«

Steve's Blick verhärtet sich.

»Nein«, sagt er fest.

»Sam hat sich geopfert und hat gesagt, ich brauche dich. Genau so wie du mich brauchst. Und das stimmt. Ich brauche dich, deswegen werde ich nicht ohne dich zurückgehen.«

Bucky nickt.

Da kommt mir eine Idee.

Bucky kann doch mit ihm! Aber ich verwerfe sie gleich wieder.

Beide haben hier Freunde und ein Team, Familie.

Außerdem, wenn sie nach Hause gehen, sind sie wieder im Zweiten Weltkrieg, ich denke nicht, dass es eine gute Idee ist.

Also sage ich lieber nichts.

Steve tritt die Stufen hoch, aber plötzlich springe ich ihm hinterher.

»Warte kurz«, sage ich zu Bruce und beuge mich vor, um Steve etwas ins Ohr zu flüstern.

Er macht ein nachdenkliches Gesicht.

»Ich werde darüber nachdenken. Danke.«

Dann verschwindet er in der Zeit.

Nach 5 Sekunden taucht er wieder auf – mit einer Frau an seiner Seite.

Sie hat lockige, dunkelbraunen Haaren und braunen Augen.

Sie ist echt schön.

»Woah«, macht Bruce.

»Das habe ich nicht erwartet.«

Steve lächelt, er sieht glücklich aus.

»Leute, das ist Peggy.«

—NEW YORK, I'M BACK!—

Einen Monat habe ich meine Ringe nicht mehr angerührt. Habe Luc's verzweifelte Nachrichten ignoriert.

YouTube fragt sich, wo ich bin.

Aber jetzt bin ich wieder bereit, SkySpider zu sein.

Bevor ich Luc aber treffe, muss ich noch ein bisschen Crime fighten in New York City.

Als ich über Menschenmengen hinwegfliege, höre ich begeisterte Rufe.

»SkySpider ist wieder da!«

»Hey, SkySpider!«

»Yeahhh!«

Grinsend folge ich der Polizei zum Tatort, schnappe mir den Verbrecher, als er aus dem Juwelier schleicht und reiße ihm seine Taschen aus den Händen.

»Ich habe gedacht du kommst nicht wieder«, jammert er.

»Tja, falsch gedacht«, sage ich nur und übergebe ihn der Polizei.

Luc sitzt da, ganz allein auf unserem Dach.

Ich schleiche mich an.

»Wie lange sitzt du da schon?«, frage ich.

Entgegen meiner Erwartung, dass er erschrickt, springt er auf, schaut mich kurz an und umarmt mich fest, was mein Herz schneller schlagen lässt.

Ich traue mich aber noch nicht, ihm zu sagen, wie sehr ich ihn mag.

Irgendwann werde ich schon bereit dafür sein.

»Du bist wieder da!«, freut er sich.

»Also, meinst du, wie lange ich jeden Tag gewartet habe, oder meinst du nur heute?«, fragt er zurück.

Ich lache.

»Tut mir leid«, entschuldige ich mich.

»Waren schwere Wochen.«

»Was ist passiert?«, fragt er mitfühlend, setzt sich hin und klopft neben sich.

Ich setze mich neben ihn und lehne mich an seine Schulter.

»Hat es was mit dem riesigen Kampf zu tun und dass die halbe Menschheit wieder da ist?«

»Ja. Ich bin kurz in die Zeit zurückgereist und wir haben gegen Thanos gekämpft. Meine beste Freundin ist gestorben. Ich habe gedacht, mein Vater wäre schuld und deswegen musste mir ein Zauberer zeigen, dass ich in ziemlich vielen Parelleluniversen gar nicht existiere. Also, das ist so grob zusammengefasst.«

Ich dachte, er würde lachen, weil ich versucht habe, meine Unsicherheit so gut es geht zu überspielen.

Aber er legt mir einen Arm um die Schultern.

»Tut mir leid«, sagt er bedrückt.

Sein ehrliches Mitgefühl berührt mich.

»Sie hat es für mich getan. Außerdem konnte ich Thanos mal so richtig eine reinhauen!«

Dann lässt Luc mich nochmal alles genau erzählen.

Wir haben ja genug Zeit.