2025
2025
—Pyromaniac—
Der September ist sehr trocken.
Man erwartet ja immer, dass der Herbst regnerisch und kalt wird, aber es ist echt angenehm warm.
Leider nur zu passend für Brände.
Viel zu häufig stehle ich mich aus der Schule um dort zu helfen.
Irgendwann bekomme ich von den Polizisten mit, dass sich die Brände nicht um Zufälle handeln. Sie sind geplant gelegt.
Als ich nachfrage, wollen sie mir aber nichts verraten.
»Echt viele Feuer in letzter Zeit«, sagt Luc einmal nach der Schule.
»Du musst ja echt viel zu tun haben.«
Ich nicke nachdenklich.
»Es gibt einen Brandstifter«, kläre ich ihn auf.
»Echt?«, fragt er überrascht.
»Also normale Brände bei trockenem Wetter sind ja noch verständlich, aber so viele Hausbrände ... hätte ich mir auch denken können, bevor ich es von der Polizei erfahren habe.«
»Wer würde denn so etwas machen?«, fragt Luc verwirrt.
»Keine Ahnung. Manche Menschen kann man einfach nicht verstehen. Ich werde aber versuchen ihn zu erwischen.«
—Too late—
Neben Jamie laufe ich über den Schulhof, die erste Stunde beginnt in ein paar Minuten.
Mein Holo-Phone vibriert in meiner Hosentasche und ich hole es raus.
Vielleicht eine Nachricht von Dad oder so.
Ich öffne WhatsApp.
Nein, Luc hat mir geschrieben.
Ich öffne unseren Chat und erstarre, als ich seine Nachricht lese.
Luc
Hilfe feuer zuhause
Seine Nachrichten sind nie so abgehackt. Er muss nicht viel Zeit gehabt haben, sie zu schreiben.
»Was ist, Sky?«, fragt Jamie verwirrt, weil ich einfach so stehen geblieben bin.
»Wir müssen in unsere Klasse –«
»Es brennt bei Luc«, presse ich hektisch hervor, aktiviere meine Ringe, die mich sofort unsichtbar machen und fliege vom Schulhof.
Schon von Weitem sieht man den Rauch und ich fliege noch ein bisschen schneller.
Bei Luc's Haus angekommen lande ich bei der Menschengruppe.
»Ist noch jemand da drinnen?«, frage ich, als ich Luc nirgendwo entdecken kann.
Eine vom Ruß verschmierte Frau sagt schluchzend: »Mein Sohn! Luc ist noch da drinnen!«
Mein Herz vibriert in meiner Brust.
Das ist seine Mutter.
»Sonst noch jemand?«, zwinge ich mich zu fragen.
Sie schüttelt den Kopf.
»Und die Feuerwehr ist informiert?«
Der Mann neben ihr nickt.
Ich erkenne sofort an seinem schwarzen Haar und dunkelblauen Augen, dass er sein Vater ist.
»Ich hole Ihren Sohn, versprochen«, sage ich noch, dann fliege ich zu dem Stockwerk, wo ich meine mich zu erinnern, dass Luc in diesem Stock wohnt und fliege durch das schon brüchige Fenster.
Ich lande in einem Flur mit einer einzigen Wohnungstür, Feuer um mich herum.
Die Kälte, die meinen Anzug durchströmt, um die Hitze abzuhalten, ist richtig angenehm und hilft mir, klarer zu denken.
»Luc!«, rufe ich laut, als ich sie öffne.
Keine Antwort.
Ich hetze durch die Räume, öffne jede Tür, ohne irgendein Lebenszeichen von ihm.
Als ich durch die letzte Tür stürze, entdecke ich ihn sofort, er liegt auf dem Boden.
Er muss zusammengebrochen sein.
Ich knie mich neben ihn und bette seinen Kopf auf meinem Schoß.
Er regt sich nicht und ich werde langsam panisch.
Du musst es ihm sagen, bevor es zu spät ist, ertönt die Stimme von Peter 1 in meinem Kopf.
Was, wenn es zu spät ist?
»Nein nein nein nein ... Luc ...«, flüstere ich schwach.
»Ich bin Sky Stark, okay? Ich bin es. Wach bitte auf!«
Meine Maske verschwindet und die Hitze erschlägt mich fast.
Tränen schießen mir in die Augen und tropfen auf seine Brust.
Aber er wacht nicht auf. Ich kann kaum was sehen wegen dem ganzen Rauch.
Ohne nachzudenken beuge ich mich zu ihm runter und lege meine Lippen auf seine.
Seine Lippen schmecken nach Rauch, aber er erwidert meinen Kuss nicht.
Weil er nicht kann.
Ich löse mich von ihm und lege meine Stirn auf seine.
»Bitte wach doch auf«, flehe ich ihn leise an.
Egal wie laut ich ihn rufe und ihn versuche wach zu rütteln, er rührt sich kein bisschen.
Was, wenn er tot ist?
Ich lege ein Ohr auf seine Brust und spüre wie sich hebt und senkt, während ich einen schwachen Herzschlag spüre.
In meinem Kopf macht es plötzlich Klick.
Was mache ich hier eigentlich noch? Anstatt zu versuchen, ihn aufzuwecken, müsste ich ihn hier rausbringen, damit ihm geholfen werden kann!
Mein Anzug verschwindet in meinen Ringen, ich reiße sie ruckartig von meinen Fingern und ziehe sie Luc an.
Die Suit wird sofort aktiviert und legt sich um ihn.
»Eve?«, frage ich verzweifelt.
Lebensfunktionen kritisch.
Panik überkommt mich, als mir ein Flashback von Dad auf dem Schlachtfeld durch den Kopf schießt. Friday hatte genau das gesagt.
Ich presse meine Lippen zusammen und zwinge mich zur Konzentration.
»Stabilisierst du ihn?«
Natürlich.
Also nehme ich die Wingsuit von seinem Rücken und lege sie mir selbst an.
Hoffentlich hält das.
Ich schiebe meinen einen Arm unter seinen oberen Rücken, den anderen unter seine Kniekehlen und stehe auf.
Sein Gewicht ist rein gar nichts für mich, aber es fällt mir trotzdem schwer, ihn so im Arm zu halten, weil er sich so schlaff anfühlt, wie als würde er nicht mehr aufwachen.
Ich springe mit den Füßen voran durch das Fenster und breite die Flügel aus.
Er ist geschützt durch meinen Anzug, also wird ihm nichts passieren.
Wenn es nicht schon zu spät ist.
Die Menschenmenge schnappt nach Luft, als sie mich entdeckt.
Ich lande vor Luc's Eltern und die Maske über seinem Kopf zieht sich kurz zurück, damit sie sehen, dass er es ist, bevor ich sie wieder schließe.
»Ich bringe Ihren Sohn in ein Krankenhaus. Es muss schnell gehen, ich werde Sie dann informieren.«
Alles was sie tun können, ist zu nicken und mich mit großen Augen anzustarren.
Ja, mir ist klar, dass sie jetzt alle wissen, wer ich bin.
Aber Luc ist jetzt wichtiger.
Ich springe wieder in die Luft und rufe Dad an.
»Dad ich brauche ein Krankenhaus Luc muss behandelt werden er war zu lange in diesem Feuer und ist bewusstlos ich weiß nicht was ich machen soll«, sage ich schrill. Und viel zu schnell, ich verstehe mich selbst kaum.
Aber Dad bleibt konzentriert.
»Wo bist du gerade?«, fragt er ruhig.
Ich schaue mich um.
Mir fällt sofort etwas auf.
»Ich bin in der Nähe vom Avengers Tower«, sage ich schnell.
»Okay, warte dort. Ich bin in 3 Minuten da.«
Dann legt er auf.
Ich fliege hoch zum Tower auf der Landebahn der Quinjet's und warte.
Dass Dad so ruhig mit mir gesprochen hat, hilft mir, mich auch zu beruhigen.
»Skylee«, sagt Dad, als er kurz neben mir landet.
»Soll ich ihn nehmen?«, fragt er mitfühlend, aber ich schüttele verbissen den Kopf.
»Okay, dann folge mir.«
Stumm fliege ich ihm hinterher und blende alles aus.
Wohin wir fliegen, wie lang wir fliegen.
Ich fokussiere mich auf Dad und auf Luc.
»Wir sind da«, sagt er und wir landen auf dem Dach eines Gebäudes und Dad's Anzug verschwindet in dem Nano-Reaktor.
Wir gehen die Treppen hinunter und betreten das Wartezimmer eines Krankenhauses.
Alle Wartenden starren uns überrascht an, aber wir ignorieren sie.
Ich folge Dad zum Empfang und Dad erklärt der Frau die Situation.
Sie handelt sofort und eine Minute später kommt eine Trage angefahren.
Ich lege Luc sanft ab und folge dem Wagen zu einem Krankenzimmer.
Ich setze mich neben Luc's Bett, auf das sie ihn abgelegt haben und warte auf den Arzt.
Als er kommt, fragt er: »Miss Sky, würden Sie ihm den Anzug abnehmen?«
Also setze ich ihm die Wingsuit an und sie verschwindet mit dem restlichen Anzug in den Ringen, die ich mir wieder anziehe.
»Helfen Sie ihm bitte!«
»Erklären Sie mir erst einmal, was passiert, damit wir wissen, wie wir ihm helfen können.«
Meine kleinen Schnittwunden habe ich erst bemerkt, als mich der Arzt darauf angesprochen hat. Ich habe ein paar Pflaster bekommen, die ich aber nicht benutzt habe.
Als ich mit Luc durch das Fenster gesprungen bin, muss ich am scharfen Glas hängen geblieben sein.
Das einzige, was ich hoffe, dass sie ohne Narben verheilen, nicht so wie die Schnittwunde an meiner Wange, die mir der Grüne Kobold zugefügt hat.
Ich streiche mir über die Wange und spüre die Unebenheit.
Na, wenigstens ist es eine Erinnerung an meine Erlebnisse aus dem anderen Universum.
»Miss Sky?«
Ich hebe träge den Kopf.
»Die Diagnose ist abgeschlossen.«
Gespannt setze ich mich auf und schaue den Arzt abwartend an.
»Luc hat eine Rauchgasvergiftung. Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um ihn am Leben zu erhalten. Aber wir können nicht zu 100 Prozent sagen, dass er überleben wird.«
Ich lasse meinen Kopf auf sein Bett fallen, um meine Tränen zu verbergen.
»Aber, Miss Sky, es besteht eine Chance. Hätten Sie ihn fünf Minuten später da rausgeholt oder hätten Sie ihm nicht Ihren Anzug gegeben, wäre er jetzt bereits tot.«
Eine Stunde sitze ich jetzt schon hier. Ich habe zugeschaut, wie Luc an alle möglichen Geräte angeschlossen wurde. Er trägt eine Sauerstoffmaske über Nase und Mund und ist an ein Beatmungsgerät angeschlossen.
Außerdem wurden Blutuntersuchungen bei ihm durchgeführt.
Ein Herzmonitor zeigt mit regelmäßigen Piepen, dass er noch am Leben ist.
Das gibt mir Hoffnung.
Die Polizei kam vorbei und erklärte mir und Dad, dass es sich wieder um Brandstiftung handelte.
Zwischendurch sollte ich seine Eltern holen, damit sie irgendeine Dokument zu Luc ausfüllen, aber sie mussten gehen, nachdem sie kurz bei ihm waren, weil ihnen die Ärzte gesagt haben, dass sie selbst untersucht werden müssen, ob das Feuer Schäden in ihrem eigenen Körper hinterlassen hat. Davor haben sie sich noch aufrichtig bei mir bedankt, was ich aber nicht richtig annehmen konnte, weil ja noch keiner weiß, ob ich ihn wirklich gerettet habe.
—I'll avenge him—
Als Dad kurz aus dem Raum geht, um mit Mom zu telefonieren, nehme ich Luc's Hand.
»Wozu bin ich ein Avenger?«, frage ich mich selbst.
Ich werde Luc rächen und diesen Brandstifter finden!
Damit öffne ich das Fenster und springe hinaus.
Bei Luc's Zuhause spreche ich mit der Feuerwehr und der Polizei, was die Beweise für die Brandstiftung sind.
Sie erklären mir, dass sie Spuren von Benzin gefunden haben.
Captain Stacy erklärt mir seine Vermutung: Es soll anscheinend Benzin ausgegossen und mit einem Feuerzeug angezündet worden sein.
Ich spreche daraufhin mit der Polizei und wir einigen uns darauf, dass ich uhre Funkfrequenz mithören kann.
Ich suche die ensprechende Frequenz auf meinem Holo-Phone und verbinde sie.
Jetzt kann ich sofort hören, wenn ein Feuer gemeldet wird.
Also fliege ich zurück zum Krankenhaus, wo Dad in Luc's Zimmer auf mich wartet.
Er will schon mit einer Standpauke anfangen, wieso ich einfach verschwunden bin, aber ich unterbreche ihn.
»Ich suche diesen Brandstifter. Ich habe die Funkfrequenz der Polizei bekommen, ich bekomme mit, wenn es einen neuen Brand gibt.
Ich bin ein Avenger, Dad. Und ich werde Luc rächen.«
Dad nickt nur.
»Tu, was du für richtig hältst. Wenn du meine Hilfe brauchst, bin ich da.«
Dad lässt es zu, dass ich bei Luc über Nacht bleibe. Und all die nächsten Nächte auch. Ich bin jetzt sechzehn, er kann mir nichts mehr vorschreiben. Obwohl ... eigentlich schon, aber er weiß, wie wichtig mir Luc ist.
Auch wenn ich es ihm nicht gesagt habe. Er merkt es.
Ich verlasse sein Krankenzimmer nur, wenn die Polizisten einen neuen Brand über Funk melden.
Doch bisher war ich jedes Mal zu spät und konnte den Brandstifter nirgendwo entdecken.
Aber jedes Mal findet die Feuerwehr Spuren von Benzin, das heißt, es muss einen geben.
Ich schrecke aus dem Schlaf hoch, als wieder eine Stimme aus dem Funk ertönt.
»Wieder ein Brandvorfall«, meldet Captain Stacy.
Als er die Straße genannt hat, öffne ich das Fenster und werfe noch einen Blick zurück auf Luc.
Er ist bewusstlos, und das schon seit drei Tagen.
Die Ärzte sagten, dass sie ihm Schlafmittel verabreichen müssen, um seinen Körper zu entlasten und ihm so eine bessere Regeneration zu ermöglichen.
Ich schließe das Fenster von außen und stoße mich von der Wand ab.
»Sky!«, höre ich eine vertraute Stimme, als ich auf dem Gebäude neben dem brennenden Haus lande.
Ich drehe mich um.
»Felicia! Was machst du hier?«
Sie schaut sich verstohlen um und flüstert dann: »Ich muss dir was erzählen!«
»Okay. Wenn ich die Menschen aus diesem Haus gerettet habe.«
Sie schüttelt den Kopf.
»Es sind schon alle draußen. Die Feuerwehr kommt gleich.«
»Aber was ist mit dem Brandstifter?«
»Ist schon entwischt«, erklärt sie.
»Aber genau darüber will ich mit dir reden.«
»Mein Vater ist der Brandstifter«, sagt sie kurz darauf, als wir uns ein Dach ausgesucht haben, wo keiner stören kann.
Ich runzle die Stirn.
»Ist deine Familie nicht tot?«
Sie nickt mit zusammengepressten Lippen.
»Eigentlich schon. Aber mein Vater hat anscheinend doch überlebt.«
Sie schaut mich ernst an.
»Er hat mich vor ein paar Monaten abgefangen und hat mir angeboten, ein richtig großes Ding abzuziehen. Also, einen Raub.«
Sie seufzt.
»Ich habe abgelehnt und ihm erklärt, dass ich jetzt für das Gute kämpfe und keinen mehr beklaue. Und
... Und dass du und ich jetzt so Partner sind. Er fragte, ob diese "Möchtegernsuperheldin" mir diese Flausen in den Kopf gesetzt hat. Ich habe ihm erklärt dass du mir geholfen hast das mit dem Pech, also, dem Gerät an meinem Hals, zu lösen, da ist er richtig ausgerastet und hat gezischt, dass ich so eine gute Diebin war.«
Sie schaut mich traurig an.
»Ich glaube, dass er sich an dir rächen will. Es kann sein dass er dich beobachtet hat, und dann gemerkt hat, dass du viel Zeit mit Luc verbringst. Wahrscheinlich ist er ihm nach Hause gefolgt und wusste dann, wo er wohnt, um das Feuer zu legen.«
Mit jedem ihrer Sätze wurde mein Herz schwerer. Ich versuche, nach irgendeiner Hoffnung zu greifen.
»Was ist mit den anderen Bränden? Warum hat er die gelegt, wenn er es auf mich abgesehen hat?«
Sie zuckt mit den Schultern.
»Grausamkeit. Spaß. Oder um dich einfach nur zu kontrollieren. Er weiß, dass du überall versuchst zu helfen.«
Kaum hat sie ihren Satz beendet, ertönt die Ankündigung eines neuen Feuers durch mein Holo-Phone.
Ohne zu zögern springe ich in die Luft.
»Er will mich kontrollieren, aber deswegen lasse ich keine unschuldigen Menschen sterben. Stattdessen müssen wir ihn fangen. Hilfst du mir oder nicht?«
Sie nickt kurz und sofort machen wir uns auf den Weg.
Aber wir kommen zu spät. Er ist schon weg.
Felicia und ich machen einen Plan aus.
Ich kreise unsichtbar über New York, dann sehe ich jedes Feuer sofort, besonders wenn Eve die Wärmesignaturen erkennt. Jetzt in der Nacht ist das auch ein wenig einfacher.
Als Eve eine winzige Flamme erkennt, mache ich mich sofort auf den Weg und gebe dann Felicia Bescheid. Auch über Funk sage ich es den Polizisten und Feuerwehrleuten, die dann auch schneller am Tatort sein können.
Sie macht sich vom Boden aus auf den Weg dorthin und wir versuchen ihn einzukesseln.
Beim Brand angekommen sehe ich einen Schatten, dem ich sofort hinterherfliege.
Immer noch unsichtbar.
Ich biege um eine Ecke und ... Plötzlich ist er weg. Sogar Eve findet keine Wärmesignatur seines Körpers.
Er ist uns schon wieder entwischt.
Felicia kommt angerannt und bleibt vor mir stehen.
»Er ist weg, nicht wahr?«, fragt sie enttäuscht, und ich nicke.
Ich werde langsam müde, als die Morgendämmerung anbricht.
Wärmesignatur erkannt , meldet Eve auf einmal.
Sie zeigt mir den Weg und ich gebe ihn an Felicia weiter.
»Für's Erste aber mal die Letzte Verfolgung, klar?«, fragt sie keuchend, während ich im Sturzflug auf das Ziel zusteuere.
»Ich muss dringend ins Bett.«
Ich stimme ihr zu, und bin kurz darauf ich beim Brand angekommen.
Ein Mann rennt aus dem Gebäude, komplett schwarz gekleidet.
Diesmal war ich schnell genug!
Ich zische auf ihn zu, packe ihn und hebe ihn in die Luft.
»Hey!«, ruft er wütend und zappelt herum.
Aber ich lasse nicht los.
Auch nicht, als er mir einen Kinnhaken verpasst.
Doch als ich einem Tritt in den Magen bekomme, lockere ich meinen Griff unwillkürlich und er springt auf den Boden.
Ich schieße ein Netz nach ihm, verfehle aber knapp.
Er rennt in eine Gasse und ich folge ihm schnell.
Als ich Felicia am Ende der Straße erkenne, lande ich auf dem Boden und mache mich sichtbar.
»Es ist aus, Dad!«, ruft Felicia.
Er knurrt grimmig.
»Verbündest du dich mit ihr gegen mich ?«, fragt er fassungslos.
Felicia nickt nur.
Plötzlich höre ich einen Schuss.
Alles läuft wie in Zeitlupe ab, als ich die Kugel sehe, die genau auf mich zufliegt.
Im letztem Moment kann ich nach rechts ausweichen, da trifft mich die Kugel an der Schulter.
Überraschenderweise spüre ich nur einen starken Stoß, aber sonst nichts.
Die Kugel prallt von meiner Schulter ab und ich fange sie auf.
Ich starre sie an, dann hebe ich sie hoch und strecke sie dem Mann entgegen.
»Kugelsicher, sorry!«, rufe ich grinsend.
Das einzige, was sie hinterlassen wird, denke ich, ist ein blauer Fleck.
Alles ist besser als angeschossen zu werden, also komme ich schon damit klar.
Der Mann schaut entgeistern auf die Kugel in meiner Hand, dann rennt er auf einmal los.
Er versucht noch einen letzten Fluchtversuch und springt an Felicia vorbei, aber ich treffe ihn mit einem Netz am Rücken und kurz darauf ist er eingewebt, ohne sich irgendwie bewegen zu können.
Als Captain Stacy hier bei uns ankommt, übergeben wir ihn der Polizei und er nickt anerkennend.
»Danke, SkySpider.«
»Gern. Er hat es verdient. Aber ...«, ich werfe einen Blick auf Felicia, »... Ohne Black Cat hätte ich es nicht so gut geschafft.«
Wieder bei Luc schlafe ich sofort ein, als ich mich an seinem Bettrand anlehne.
Dad weckt mich ein paar Stunden später und hält mir eine Zeitung entgegen.
SkySpider & Black Cat fangen Feuerteufel
»Ich erinnere mich, gesagt zu haben, dass ich dir helfen würde. Hast du gar nicht an mich gedacht?«, fragt er gespielt enttäuscht.
Ich muss grinsen.
»Nee, sorry Dad, das ist mir komplett entfallen.«
Für mehr reicht meine Energie aber auch nicht aus. Meine Lider werden wieder schwer.
»Du warst die ganze Nacht draußen, nicht wahr?«, fragt er.
»Willst du nicht in ein richtiges Bett, Skyle?«
Ich schüttle trotzig den Kopf.
»Ich bleibe bei Luc«, nuschele ich verschlafen.
»Okay. Aber willst du nicht wissen, wie es um Luc steht? Es ist jetzt schon der fünfte Tag und er schläft immer noch wie ein Murmeltier im Winterschlaf.«
Plötzlich bin ich hellwach.
Den Arzt an seiner Seite hatte ich gar nicht bemerkt. Genau wie die fehlenden Schläuche um Luc herum oder die Sauerstoffmaske, die jetzt auf eienm Tisch auf der anderen Seite des Bettes liegt.
»Sein Körper ist fast vollständig regeneriert«, sagt er.
»Wir lassen die Schlafmittel jetzt weg, das heißt, er wird in ein paar Stunden sicherlich aufwachen.«
Vor Aufregung und auch Hoffnung nehme ich mir fest vor, wach zu bleiben, bis auch er wach wird, aber nach ein paar Minuten nicke ich wieder ein.
—Happy End?—
Ich wache plötzlich auf, als das Piepen des Herzmonitors schneller wird.
Kurz darauf spüre ich eine Regung.
Ich fahre hoch und streiche mir die Haare aus der Stirn.
Luc blinzelt.
»Luc!«, jubele ich lächelnd und springe von meinem Stuhl auf.
»Du bist wach!«
»Hm?«, fragt er verwirrt.
»Autsch, meine Hand«, beschwert er sich heiser.
Erschrocken lasse ich sie los.
Ich habe sie viel zu fest gedrückt.
Er versucht, sich aufzurappeln, sinkt aber zurück.
Ich bin an seiner Seite, und lege eine Hand an seinen Rücken, um ihm auf zuhelfen.
Dann betrachtet er mich.
»Also war das kein Traum?«, fragt er leise. Seine Stimme klingt immer noch ein wenig rau.
»Was?«
»Ich habe irgendwie gehört, dass du nach mir gerufen hast und mir gestanden hast dass du Sky Stark bist, aber mein Körper war echt ausgeknockt, deswegen konnte ich nicht aufwachen oder so. Außer es war ein Traum.«
»Nein, das war kein Traum.«
Ich schaue ihm in die Augen.
»Ich bin sofort zu dir geflogen, als du mir die Nachricht geschrieben hast.«
Ich erzähle ihm, wie alles abgelaufen ist. Nur den Kuss lasse ich aus. Was, wenn er mich doch nicht mag?
Nachdem ich fertig mit Erzählen bin, stellt er fest: »Du hast deine geheime Identität aufgegeben, um mich zu retten.«
Ich nicke.
»Aber Peter hat mir geraten, dir zu sagen, wer ich bin, bevor es zu spät ist. Und ich habe mich nicht getraut, es dir zu sagen und jetzt war es so knapp ...«
»Hey, Sky«, unterbricht mich Luc sanft.
»Es ist okay.«
Meine Augen brennen wegen der Tränen, aber ich muss lächeln.
»Du hast mein Leben gerettet, und das nicht das erst Mal. Du hast den Brandstifter für mich verfolgt und ihn gefangen. Das ist völlig genug.«
Ich lache leise, während mir ein paar Tränen – Freudentränen natürlich – über die Wange laufen.
Luc hebt seine Hand und wischt sie sanft weg.
»Und du hast mich geküsst.«
Ich erstarre.
»Dachtest du, ich höre, wie du mir sagst, wer du bist, aber spüre so was nicht?«
Meine Wangen werden ganz heiß und ich senke verlegen meinen Kopf.
Ich habe keine Ahnung, was ich sagen soll.
Auf einmal spüre ich seine Hand an meinem Kinn. Er hebt meinem Kopf hoch und schaut mir in die Augen.
Seine Mundwinkel zucken, als würde er sich ein Grinsen verkneifen.
»Ich konnte ihn nur leider nicht erwidern, also, wir wäre es, wenn wir das einfach wiederholen?«
Nach ein paar Sekunden der Realisation strecke ich mich ihm entgegen und küsse ihn endlich.
Aber diesmal ... erwidert er den Kuss.
Mein Bauch kribbelt wie verrückt und mein Herz will gar nicht aufhören aufgeregt zu flattern.
Er legt eine Hand an meine Wange und ich verschränke meine Hände in seinem Nacken.
Glück explodiert in meiner Brust, es fühlt sich an wie tausend kleine Stromschläge.
»Na endlich.«
Wir fahren erschrocken auseinander.
Dad steht da, mit verschränkten Armen an die Wand gelehnt und einem amüsierten Gesichtsausdruck.
»Das erste Mal, als ich von dir erfahren habe, Luc, war vor vier Jahren, als Sky mich gebeten hat, dir ein neues Smartphone zu besorgen.«
Er grinst mich an.
»Ihr habt ganz schön lang gebraucht.«
»Dad!«, rufe ich empört.
»Ist schon gut, ich lass euch in Ruhe.«
Als er die Tür öffnet, sagt er noch: »Ich muss aber Bescheid geben, dass du wach bist, Luc!«
Ich verdrehe die Augen und Luc lacht.
Nachdem die Tür zu ist, schaut Luc mich mit nachdenklichem Blick an.
»Der Witz an der ganzen Geschichte ist, dass ich SkySpider den Spitznamen Sky gegeben habe, ohne zu wissen, dass du wirklich Sky heißt. Obwohl ich es ein wenig vermutet habe.
Weißt du ... Sky Stark und SkySpider waren immer zwei verschiedene Personen für mich.
SkySpider, die mich gerettet hat und in die ich mich verliebt habe, obwohl ich keine Ahnung hatte, wie sie aussieht und am Anfang nur raten konnte, wie alt sie ist.
Sky Stark, die jeder kennt, weil sie die Tochter von Iron Man ist, die auf meine Schule eine Stufe unter mir geht, die ich mal in der U-Bahn getroffen habe und zufällig echt attraktiv finde.«
»Du findest mich attraktiv?«, frage ich überrascht.
»Da fragst du noch?«, er lacht leise.
»Natürlich! Hast du schon mal jemanden mit zwei verschiedenen Augenfarben getroffen, dazu mit dieser Kombination mit den rotbraunen Haaren? Ernsthaft, jeder zweite Junge guckt dir hinterher.«
»Ey, du machst mich ganz verlegen«, beschwere ich mich lächelnd.
»Aber danke. Kann sein, dass du auch ganz okay aussiehst.«
Ich grinse ihn neckend an.
»Bisschen mehr als okay«, füge ich noch hinzu.
Diesmal küsst er mich.
—Happy End—
Hand in Hand laufen wir in die Schule hinein. Jamie läuft uns nach und quengelt, dass sie auch so gern einen Freund haben würde.
Sie hat mir erzählt, dass sie in einen Jungen in Luc's Klasse verliebt ist.
Aber ich habe leider keine Ahnung, wie er heißt, sie will es mir nicht verraten. Ich weiß nur, dass er hellblaue Augen und braune Haare haben soll.
Sie traut sich nur nicht, ihn anzusprechen.
Vor unserem Klassenzimmer gibt Luc mir einen Kuss auf die Stirn und löchelt mich kurz an, bevor ich durch die Tür gehe.
»Bis später!«, ruft er mir hinterher.
Drinnen lassen wir uns auf die Stühle fallen, und sofort fängt Jamie wieder an.
»Du hast soo Glück!«
Ich nicke strahlend.
Obwohl das nichts Neues ist. Seit Tagen strahle ich in Dauerschleife.
Die ganze Welt weiß davon, dass ich SkySpider bin. Und auch, dass Luc und ich zusammen sind.
Deswegen geben wir uns auch keine Mühe, es zu verstecken.
Luc genießt insgeheim das bisschen Scheinwerferlicht auch.
Auch mir macht es nichts aus.
Ich mein, jetzt bin ich berühmt. Ich finde es nicht schlimm, war es ja vorher schon, klar, jetzt irgendwie noch mehr, aber jetzt bin ich älter, ich kann besser damit umgehen. Außerdem ist Dad immer noch an meiner Seite, falls es Probleme geben sollte. Und Luc auch.
Dad hat außerdem gesagt, ich soll das alles genießen, bevor wieder irgendwelche Aliens auftauchen.
Und leider hat er damit recht. Ich hoffe nur, dass das nie wieder passiert.
Manchmal frage ich mich, wieso das dieser Peter aus Erde-616 nicht ausgehalten hat.
Mein Leben ist perfekt.
Ich habe Mom, Dad, Morgan, Luc und Jamie.
Ich habe die ganzen Avengers als Familie und ich bin SkySpider.
Die einzige, die fehlt, ist Wanda.
Aber mit ihr würde Dad fehlen.
Ich denke oft an sie und mein Versprechen.
Sie lebt in meiner Erinnerung weiter, und ich denke, sie hätte das auch so gewollt.
Dass ich trotzdem glücklich bin, auch wenn sie nicht da ist.
Und das bin ich.