Iron Man 2 (2010)
Iron Man 2 (2010)
—Heterochro-was?—
»Ich glaube denen aber nicht, Pep«, grummelt Tony, als sie zurück ins Schlafzimmer laufen. Sky schläft friedlich in ihrem Gitterbett, als die Sonne durch das Panoramafenster scheint.
»Also ich finde schon, dass du den Ärzten glauben solltest«, widerspricht Pepper. »Heterochromie ist nichts Schlimmes, wie sie gesagt haben.«
Tony streicht Sky vorsichtig über den Kopf.
»Ich dachte nur, der Arc-Reaktor könnte sich negativ bei ihr ausgewirkt haben.«
Er versucht ein schwaches Lächeln. »Ich mein, es gibt noch keine Studie darüber, ich bin ja der Einzige mit Palladium in der Brust ...«
Skys Lider öffnen sich blinzelnd, und überrascht schaut sie in die Gesichter ihrer Eltern. Ihr rechtes Auge erstrahlt in der Morgensonne in einem hellen goldbraun, während das linke Peppers aquamarinblaue Farbe angenommen hat. Der Arzt hatte Tony und Pepper am vorherigen Tag erklärt, dass sich das Goldbraun bis zu ihrem ersten Geburtstag wahrscheinlich noch verdunkeln würde.
Pepper legt eine Hand auf Tonys Rücken und flüstert: »Tony, sie ist perfekt. Genau wie du bei ihrer Geburt gesagt hast.«
Er nickt langsam und schaut seiner Tochter weiter nachdenklich in die Augen, bevor er langsam anfängt zu lächeln.
»Okay, du hast mich überzeugt«, murmelt er. Er blickt wieder zu Pepper und hebt die Augenbrauen. »Wusstest du, dass vollständige Heterochromie nur einer von 1.600 Menschen hat? Also, ja, sie ist mehr als perfekt. Aber was hast du erwartet, immerhin ist sie unsere Tochter.«
Pepper schüttelt grinsend den Kopf. »Du bist unmöglich, Tony.«
—Genial—
Das erste, was Pepper auffällt, als sie ins Wohnzimmer kommt, ist Skys helles Lachen.
»Hey, rate mal, wer das genialste Baby auf diesem Planeten ist?«, fragt er mit leichter Babystimme, als Sky fasziniert nach dem Arc-Reaktor greift.
»Wenn du versuchst, sie zum Sprechen zu bringen, dann kannst du noch lange warten. Sie wird dir nicht antworten«, kommentiert Pepper trocken, aber mit einem amüsierten Lächeln im Gesicht und setzt sich neben die beiden.
Mrs Stark, wenn ich unterbrechen dürfte?, fragt J.A.R.V.I.S. Sky hebt den Kopf und schaut sich um, als würde sie nach der Stimme suchen, die gerade gesprochen hat.
Sky unternimmt schon erste Kommunikationsversuche.
»Hab ich nicht gesagt, dass sie genial ist?«, wirft Tony ein, und Sky schaut wieder zu ihm.
»Hey, Skylee, das ist Jarvis. Er ist eine künstliche Intelli-«
Ich denke nicht, dass Miss Sky den genauen Wortlaut sowie die Bedeutung verstehen wird, Sir.
Sky kichert und grinst breit, wobei ihre zwei kleinen vorderen Zähnchen aufblitzen und ihre zweifarbigen Augen funkeln.
»Hast du das gesehen?«, fragt Tony Pepper triumphierend, die nur grinsend nicken kann. »Sie hat auf Jarvis reagiert. Das ist Fortschritt!«
Doch als seine Tochter sich weiter nach J.A.R.V.I.S. umsieht, runzelt er die Stirn.
»J, wenn sie dich bald mehr mag als mich, zieh ich den Stecker.«
—Stark Expo—
»Es geht um ... unser Vermächtnis. Es geht darum, was wir zukünftigen Generationen hinterlassen wollen«, spricht er zu der Menge, die ihm aufmerksam zuhört.
Darum, was ich Sky hinterlassen will , schießt es Tony durch den Kopf. Er lässt sich jedoch nichts anmerken und führt seine Rede fort.
»Deswegen werden ein ganzes Jahr lang – und das zum ersten Mal seit 1974 – die besten und intelligentesten Männer und Frauen aller Nationen und Unternehmen ihr Wissen teilen, um die Welt für kommende Generationen zu einem besseren Ort zu machen.
Was ich also sage, wenn ich überhaupt etwas sagen will: Willkommen zurück zur Stark Expo!«
Die Menge jubelt, und nachdem er seinen Vater angekündigt hat, verlässt er die Bühne.
Während Howard spricht, steht Tony abseits und nimmt ein Gerät von einem kleinen Tisch. Er drückt seinen Daumen auf die Nadel, und es ertönt ein leises Surren. Auf dem Bildschirm erscheint ein Wert.
BLOOD TOXICITY: 19%
Tony runzelt besorgt die Stirn und dreht sich wieder zu seinem Vater.
—Co-CEO—
Bedauerlicherweise bringt Sie auch das Gerät, das Sie am Leben erhalten soll, langsam um. Eine Lösung ist dringend nötig.
Tony betrachtet die lila Adern um den Arc-Reaktor, schließt für einen Moment die Augen und seufzt. »Ich weiß. Ich will sie aufwachsen sehen.«
Dieser Meinung bin ich auch, Sir.
Mrs Stark nähert sich. Mein Vorschlag, informieren Sie Sie über...
»Ton aus«, unterbricht er die KI.
Als Pepper bei ihm ankommt, bemerkt er ihre dunklen Augenringe. »Hey, alles okay?«, fragt er besorgt und deutet bei sich unter die Augen.
»Nein, es ist nicht alles okay. Ich muss mich um Sky kümmern. Du bist ständig weg. Und die Expo ist eine unglaubliche Zeitverschwendung! Du könntest stattdessen auch Zeit mit uns verbringen«, wirft Pepper ihm vor und folgt ihm, als er zum hinteren Teil der Werkstatt läuft.
Tony dreht sich im Laufen zu ihr um. »Du bist mir wichtig. Sky ist mir wichtig. Aber die Expo auch! Ich führe das von meinem Vater fort, verstehst du?«
»Aber bei Stark herrscht das reinste Chaos, um das ich mich dann kümmern muss, weil du es nicht tust. Verstehst du das nicht?«, fragt sie verärgert.
»Doch, aber ich bin nicht für Firmenkram-Organisation gemacht. Du kannst das doch gut, warum erledigst du das dann nicht?«
Plötzlich bleibt er stehen und fängt an zu grinsen.
»Was ... soll ich erledigen?«, fragt Pepper verwirrt.
»Das ist eine gute Idee«, sagt er lächelnd. »Wir werden die Firma zusammen leiten!«
»Zusammen?«, fragt sie skeptisch.
»Pepper. Ich mach dich zu meiner CEO-Partnerin«, wiederholt er und legt seine Hände auf ihre Schultern. »Hiermit ernenne ich dich mit sofortiger Wirkung zur Co-CEO und zum COO von Stark Industries und zwar unwiderruflich«, sagt er feierlich.
Aber bevor sie etwas erwidern kann, fügt er hinzu: »Ich habe natürlich auch einen Posten, falls du dich das fragst. Ich übernehme den Part des anderen Co-CEO und des CTO.«
Pepper starrt ihn ungläubig an, während Tony eine Weinflasche öffnet und vollkommen ignoriert, dass sie überläuft, weil er nur sie anschaut.
»Weißt du, so können wir uns die Leitung teilen, du übernimmst die Organisation, ich den technischen Bereich. Und ich verspreche, ich werde erledigen, was meine Pflichten sind. Außerdem werde ich dir bei der Organisation nicht im Weg stehen. Dann haben wir beide mehr Zeit für Sky und füreinander. Außerdem ...«, er hebt ein wenig hilflos die Schultern, »... hätte ich gern eine friedliche Ehe, ohne ständigen Streit. Nicht nur für uns, sondern auch für Sky.«
Pepper sagt immer noch nichts, sondern setzt sich langsam und Tony streckt ihr das Weinglas hin.
»Herzlichen Glückwunsch, Partnerin.«
Als sie das Glas nicht nimmt und stotternd nach Worten sucht, fordert er sie auf:
»Jetzt nimm schon.«
»Ich weiß nicht, was ich sagen soll«, sagt sie überfordert, aber Tony setzt sich neben sie und sie stoßen an.
»Gar nichts. Trink.«
—Bittere Wahrheit—
»Ich erinnere Sie an die Anhörung, bei der Mr. Stark sogar darauf beharrte, dass diese Anzüge nirgends existieren könnten. Doch seit Monaco ist uns klar geworden: Diese Anzüge existieren!«
Mit einem »Ton aus« unterbricht Tony die Live-Sendung von Senator Stern und setzt sich Pepper gegenüber.
»Er sollte mir einen Orden verleihen, ganz ehrlich«, sagt er und stellt eine Box und Besteck vor Pepper auf den Tisch.
»Was ist das denn?«, fragt Pepper stirnrunzelnd.
»Das hier ist dein Bordmenü«, erklärt er und hebt den Deckel an.
Sie lächelt leicht, als sie den Teller betrachtet. »Hast du das gerade zubereitet?«
»Was denkst du, was ich die letzten drei Stunden gemacht habe?«
»Tony ... was genau verschweigst du mir?«, fragt Pepper ernst.
»Gar nichts.«
Sie hebt eine Augenbraue.
»Willst du es wirklich wissen? Ich will dich nur warnen ...«
»Also verschweigst du mir etwas«, seufzt sie.
Er vergräbt sein Gesicht in seinen Händen, schaut wieder hoch und blickt sie ehrlich an. »Ich habe eine Vergiftung. Von dem Palladiumkern des Arc-Reaktors.«
»Und das bedeutet ...?«, fragt sie leise. In ihrem Blick sieht Tony die Angst davor, was er gleich sagen wird.
»Ich hab schon alles ausprobiert, nichts funktioniert. Es gibt keinen Ersatz für Palladium.«
Er räuspert sich und atmet tief ein. »I-ich sterbe«, sagt er knapp und presst die Lippen zusammen.
»Wie lange hast du noch?«, flüstert sie nach einer langen, stillen Minute. Tony hört, wie ihre Stimme leicht bricht und hebt seinen Blick. Als er die Tränen in ihren Augen sieht, geht er zu ihr, kniet sich neben sie und nimmt sie in den Arm.
»Keine Ahnung. Verdammt, Pepper, ich will dich nicht alleine mit Sky lassen.«
—29. Mai—
»Honey ... wie wäre es, wenn wir eine ruhige Geburtstagsfeier machen? Nur wir drei?«, fragt Tony am Morgen, als Pepper mit dem Frühstückstablett zurück ins Schlafzimmer kommt.
Weil es meine letzte sein könnte.
Pepper lächelt mit einem Hauch Traurigkeit. »Das wäre schön«, sagt sie und setzt sich neben ihn.
Es klopft kurz an der Tür, und als Pepper die Tür öffnet, betritt Natalie Rushman, alias Natasha Romanoff, den Raum. Ihr Blick fällt kurz auf Sky, aber dann rückt sie wieder ihr Pokerface zurecht. »Mr. und Mrs. Stark, benötigen Sie mich heute?«
Tony schüttelt den Kopf, und auch Pepper winkt ab. »Nein, Natalie. Wir machen heute nichts Geschäftliches.«
Als Tony Pepper hinunter zum Strand führt, seufzt Pepper selig, als sie sieht, was Tony vorbereitet hat.
»Das ist traumhaft«, sagt sie und setzt sich in einen der Strandstühle.
Tony lässt sich, mit Sky im Arm, neben sie fallen und atmet auf. »Willst du einen Drink?«, fragt er und deutet auf die Kühltasche, die zwischen den Stühlen steht. Sie schüttelt den Kopf, also zuckt er mit den Schultern und schenkt sich ein, darauf bedacht, dass Sky ihm nicht vom Schoß fällt.
»Weißt du, ich hätte nie gedacht, dass Eltern sein so schwer ist«, murmelt Pepper und starrt nachdenklich auf den Ozean.
»Und dann haben wir beide noch so viele Termine. Wir lassen Sky alleine mit einer Babysitterin. Ich frage mich, ob ich das schaffen würde. Eine Firma alleine leiten und mich um Sky kümmern, wenn du nicht mehr da bist.«
Er seufzt und greift über die Stuhllehnen sanft nach ihrer Hand.
Bevor er aber etwas sagen kann, patscht Sky auf Tonys Arm, schaut zu ihrer Mutter herüber und protestiert brabbelnd. Lächelnd nimmt Pepper sie zu sich in die Arme, und Sky umgreift mit ihren kleinen Händen jeweils einen Finger ihrer beiden Eltern.
Tony kann den Blick von seiner Tochter erst nach einem kurzen Moment losreißen, doch dann schaut er wieder Pepper in die Augen. »Ganz ehrlich, ich habe – noch – keine Antworten, keine Lösungen. Eigentlich würde ich jetzt irgendeinen sarkastischen Kommentar raushauen, aber …«, er zieht einen Mundwinkel verlegen nach oben, »ich will den Moment nicht zerstören. Was ich aber sagen kann, ist, dass ich alles daran setzen werde, einen Ersatz für Palladium zu finden. Aber... ich kann nichts versprechen.«
Beide schauen aufs Meer hinaus, und Pepper holt tief Luft.
»Danke, Tony. Dass du dir Zeit für uns nimmst. Und ...«, sie grinst, als sie seinen Wortlaut nachahmt, »dass du gerade keinen sarkastischen Kommentar rausgehauen hast.«
Als die Sonne untergeht und den Strand in rötliches Licht taucht, schläft Pepper mit Sky auf der Brust schon längst.
Tony küsst Pepper auf die Wange.
»Ich liebe dich, Pep.«
Sky brabbelt irgendwas, als Tony auch sie zärtlich auf den Kopf küsst und flüstert:
»Und dich liebe ich auch, Sky.«
Nachdem er die beiden nacheinander ins Bett getragen hat und sich zu ihnen legt, fügt er hinzu: »Und ich habe nicht vor, euch alleine zu lassen.«
—Fragwürdige Ideen—
Angekommen beim Hauptquartier von Stark Industries, läuft Tony in Peppers Büro, das direkt neben seinem liegt. Eigentlich sollte er auch gerade arbeiten, aber Pepper meinte, es wäre sehr viel wichtiger, eine Lösung für sein Überleben zu finden, als sich um Stark Industries zu kümmern.
Als er – ohne anzuklopfen – bei Pepper reinplatzt, telefoniert sie gerade, gibt ihm aber ein Zeichen, dass er nur einen Moment warten muss. Tony schaut sich währenddessen gelangweilt im Raum um, aber erstarrt, als er das riesige Modell entdeckt, das an der Wand lehnt.
Kaum hat Pepper das Telefon abgelegt, fragt sie: »Hast du was rausgefunden?«
Er schüttelt den Kopf.
»Aber fast. Mein Vater hat mir sowas ... wie 'ne Nachricht hinterlassen. Dieses Modell hier, das bräuchte ich. Wäre es okay, wenn ich es mitnehme?«
Er deutet auf das Modell, das nur noch halb vom staubigen Laken bedeckt ist.
»Hast du was zum Transportieren?«, fragt Pepper und hebt skeptisch eine Augenbraue.
Er grinst verlegen.
»Ähm ... ja. Meinen Audi R8.«
—Keine Pallidum-Ding-Vergiftung mehr—
Eine Millisekunde, nachdem Tony Pepper aus der Gefahrenzone gebracht hat, explodieren alle Anzüge unter ihnen. Auf einem Dach in sicherer Entfernung lässt er Pepper wieder runter.
Als er sich den Helm vom Kopf reißt, hat sie schon längst mit den Vorwürfen angefangen. »Ich halt das nicht mehr aus. Ich kann nie sicher sein, ob du gerade dein Leben, das von mir oder deiner Tochter riskierst!«
»Ich war gerade gar nicht so schlecht, denke ich!«, wirft er zurück.
»Was wenn du gestorben wärst? Es geht doch gar nicht darum, ob du gut oder schlecht warst, sondern darum, dass deine Tochter mit einem Vater aufwächst!«, kontert sie wütend.
»Also ich habe gerade dafür gesorgt, dass sie mit einer Mutter aufwachsen kann«, sagt Tony und zieht einen Mundwinkel schulterzuckend nach oben.
Bedrückte Stille legt sich über sie, bevor Pepper zögerlich fragt: »Tony, was ist eigentlich mit dieser Pallidum-Ding-Vergiftung? Stirbst ... stirbst du immer noch?«
Ihre Wut von einem Moment zuvor ist verschwunden, stattdessen taucht Besorgnis auf.
»Pall adi um«, verbessert er sie knapp, bevor auch er ernst wird.
»Nein, ich sterbe nicht mehr...«, beantwortet er ihre Frage endlich. »Ich habe mithilfe meines Vaters ein passendes Element wiederentdeckt und du kannst noch lange nicht mit meinem Tod rechnen.«
Nach einer kurzen Pause fügt er hinzu: »Hey, wir kriegen das schon hin. Ja, Sky war ziemlich oft alleine mit einem Babysitter. Aber... ich liebe euch. Beide. Und ich werde nicht zulassen, dass euch irgendwas passiert. Was glaubst du, warum ich das überhaupt mache?!«
Pepper sieht nun wieder ein wenig besänftigt aus, und lächelnd macht sie einen Schritt auf ihn zu. »Ich finde es super, dass du dein Leben gerettet hast.«
Sie lehnt sich zu ihm und drückt ihre Lippen auf seine.
»Sucht euch ein eigenes Dach aus zum Rumknutschen«, unterbricht Rhodey sie genervt.
Die zwei drehen sich zu ihm um, aber er hat schon seine Repulsoren aktiviert und fliegt davon.
»Hast du ihm den Anzug geschenkt?«, fragt Pepper verwirrt, als die beiden dem silbernen Anzug hinterhersehen.
»So ungefähr …?«, sagt er mit gerunzelter Stirn.
Doch dann denkt er kurz nach und ruft Rhodey über das Intercom an. »Hey, habe ich irgendwas davon gesagt, dass du den behalten darfst?«
—Avengers Initiative—
»Avengers Initiative«, liest Tony leise vor. Er ist in einer Art Lagerhalle, um ihn herum S.H.I.E.L.D. Hologramme mit Berichten des Kampfes.
Fury nimmt ihm stumm diese Akte aus der Hand und hält ihm eine andere hin, die Tony verwirrt annimmt.
»Agent Romanoffs aktueller Bericht über Sie. Lesen Sie vor«, fordert er.
»Ähhh ... 'Persönlichkeitsüberblick:
Bei Mr. Stark ist eine Tendenz zu impulsivem Verhalten festzustellen.' Zu meiner Ehrenrettung, das war letzte Woche.«
Fury starrt ihn nur an und bedeutet ihm stumm, dass er weiterlesen soll.
» 'Ausgeprägte Risikobereitschaft.' Ich bin fast draufgegangen, ich meine, bitte, geht's nicht allen so?«
Als Fury wieder nicht reagiert, holt er tief Luft und spricht weiter.
» 'Stark ausgeprägtes Ego.' Das ... ist korrekt«, meint er mit einem kurzem Blick auf Fury, der ihn immer noch durchdringend anschaut.
» 'Außerdem wurde besondere Fürsorge gegenüber seiner Familie festgestellt.' Nach all den Vorwürfen hätte ich nicht gedacht, dass jetzt noch was Positives kommt«, sagt Tony überrascht.
» 'Verglichen mit früheren Berichten deutlich gesteigerte Kooperations- und Verantwortungsbereitschaft.' «
Tony hebt die Augenbrauen. »Technisch gesehen ist das auch eine Beleidigung zu meinem früheren Ich ...«
»Weiterlesen«, verlangt Fury, der mit jedem Kommentar genervter wurde, auch wenn man es ihm nicht ansieht.
»Okay, jetzt kommts … 'Rekrutierungsbewertung für Avengers Initiative:
Iron Man? Ja! Tony Stark wird ebenfalls empfohlen ...' «
Er lehnt sich in dem Stuhl zurück und runzelt die Stirn.
»Sie wissen schon, dass ihr hier zwei Empfehlungen für ein und dieselbe Person gemacht habt? Ich bin nämlich Iron-«
»Wissen wir«, unterbricht Fury ihn scharf.
»Stimmen Sie nun zu oder nicht?«
Tony zuckt mit den Schultern. »Unter einer Bedingung«, meint er schließlich.
Fury zieht erwartungsvoll die Augenbrauen hoch.
»Meine Familie wird von euch unter allen Umständen geschützt.«
—Skys erstes Wort—
Tony und Pepper sind schon lange darauf gespannt, ob Skys erstes Wort »Mommy« oder »Daddy« sein wird. Sie veranstalten fast schon einen Wettstreit darüber. Tony hat J.A.R.V.I.S. sogar aufgetragen, alles aufzunehmen, damit sie einen Videobeweis haben.
»Ganz bestimmt wird sie zuerst Dad sagen«, sagt Tony überzeugt.
Pepper rollt mit den Augen. »Streiten sich alle Eltern darüber?!«, fragt sie erschöpft und lässt sich auf die Couch fallen, neben Sky, die munter auf dem Sofa herumkrabbelt.
»Die statistische Wahrscheinlichkeit liegt übrigens bei … « Tony tippt auf der Tastatur eines seiner Hologramme herum, und plötzlich gibt es einen lauten Knall aus seiner Werkstatt unten.
»Das war ich nicht!«, erklärt Tony sofort.
»Aber du solltest trotzdem nachsehen«, wendet Pepper ein, aber plötzlich hält Sky inne.
»Boom!«, ruft sie leise.
Tony und Pepper starren sie überrascht an.
Sky wiederholt es leise immer wieder, und nach diesem kurzen Moment der Realisation breitet Tony die Arme aus und lacht laut auf.
»Skyle kommt ganz nach mir. Obwohl sie Daddy nicht zuerst gesagt hat.«
Sky sieht kurz so aus, als würde sie nachdenken, dann stemmt sie sich aus ihrer Krabbelposition nach oben, steht kurz auf den Knien, bevor sie sich nach hinten in den Sitz fallen lässt.
Dann breitet sie ihre Arme aus, wie Tony eine Sekunde zuvor und sagt: »Boom, Daddy, Boom!«
Da grinst Tony triumphierend, hebt Sky hoch und dreht sich mit ihr im Kreis.
»Jarvis, hast du das auf Video?«
—14. September—
An Skys erstem Geburtstag haben Pepper und Tony eine kleine Party vorbereitet, bei der auch Happy und Rhodey eingeladen sind.
Pepper bereitet gerade das Essen vor und Happy und Tony unterhalten sich, während Sky auf dem Teppich sitzt und auf dem Kopf von einem Mini-Iron-Man-Spielzeug herumkaut. »Hey, Skyle, der ist nicht zum Kauen da ...«, versucht Tony sie gerade davon abzuhalten, als es an der Tür klingelt.
Kurz darauf kommt Rhodey ins Wohnzimmer, mit einem kleinen verpackten Geschenk in der Hand.
Sky schaut auf, erkennt ihn und ruft begeistert: »Woudiii!«
Dann tut sie etwas, womit weder Rhodey, Tony noch Happy rechnen.
Sie krabbelt zuerst los, drückt sich dann aber mit ihren Händen vom Boden ab und steht aufrecht!
Es ist totenstill im Raum.
Einen Moment steht sie unsicher da, dann macht sie einen vorsichtigen, kleinen Schritt nach vorne. Dann wird sie mutiger und macht noch einen. Als sie ein wenig wankt und umzufallen droht, macht Rhodey einen Satz nach vorn und ergreift ihre Händchen. »Hey, nicht so schnell, Kleine.«
Mit seiner Hilfe steht sie nun sicher vor ihm und strahlt ihn an.
Tonys Starre löst sich, und stolz schaut er seine Tochter an. Da merkt er, dass Rhodey immer noch in der gebückten Position verharrt, also steht er auf und geht schnell zu den beiden. Er klopft seinem Freund auf die Schulter und murmelt ein »Danke«, bevor er übernimmt.
»Ach, nicht dafür«, entgegnet Rhodey. »Übrigens hat sie jetzt wirklich dein Auge«, merkt er an und deutet auf Sky. Tony nickt grinsend. Skys rechtes Auge hat sich im Laufe des Jahres wirklich weiter verdunkelt, wie der Arzt sagte, und hat jetzt dasselbe Rehbraun wie die Augen ihres Vaters.
Da taucht Pepper im Türrahmen auf, mit dem warmen Topf in den Händen.
Als ihr Blick auf Sky fällt, weiten sich ihre Augen begeistert.
»Honey, du hast gerade verpasst, wie deine Tochter zum ersten Mal gelaufen ist.«