LNCrawler

2014

Daughter Of Iron, Powers Of A Spider — www.fanfiktion.de · All chapters

2014

—Therapy—

Es ist Ende Januar, mitten in der Nacht.

Pepper und Tony werden durch einen lauten Schrei von Sky, die zwischen ihnen liegt, plötzlich wach. Tony fährt sich müde über das Gesicht und stützt sich auf den Ellenbogen.

»Hey, Sky, hattest du wieder einen Alptraum?«, fragt er sanft.

Er gibt Pepper stumm ein Zeichen, dass er sich um Sky kümmert.

Sky nickt verängstigt, ihre Wangen sind nass.

Also setzt er sich ein wenig auf, schlingt seine Arme um sie, zieht sie an seine Seite und fährt ihr beruhigend über die Haare.

»Erzähl mir, was du geträumt hast«, fordert er sie sanft auf.

»Mommy ist wieder ins Feuer gefallen und ich konnte nichts machen! Dann hat das Feuer mich gejagt und ich musste wegrennen, aber es hat mich eingeholt!«

Ihr Atem wird wieder hektisch, als sie sich an den Traum erinnert.

»Hey, es ist nur ein Traum, okay? Nur ein Traum ... Und ich bin ja da. Du bist in Sicherheit.«

Langsam beruhigt sich ihr Atem wieder, während Tony ihr sanft weiter zuspricht.

Es ist nicht das erste Mal, dass Sky so etwas träumt. Seit letztem Jahr hat sie eine panische Angst vor Feuer entwickelt und ist viel schreckhafter geworden. Außerdem hat sie Angst, von ihren Eltern getrennt zu werden. Deshalb schläft sie seit einiger Zeit mit ihren Eltern im Bett.

Doch auch bei Pepper hat sich etwas geändert. Sie leidet auch unter Panikattacken, Angstzuständen und Hypervigilanz.

Tony litt ja schon seit 2012 unter Schlaflosigkeit und Panikattacken, das hat sich nichts geändert. Nach den Ereignissen Ende letzten Jahres hat er aber auch starke Verlustangst gegenüber seiner Familie entwickelt.

Nachdem es ihnen und auch Rhodey und Happy aufgefallen war, dass das ein echtes Problem ist, entschieden sie sich, als Familie eine Therapie zu machen.

Um Therapiesitzungen verschrieben zu bekommen, füllte Tony Bögen aus, in denen er die bisherigen Vorkommnisse beschrieb. Der Therapeut erklärte ihnen dann, dass es sich bei der Familie um PTBS handelt, das sich unterschiedlich äußert. Sie bekamen Sitzungen alle zwei Wochen für das ganze Jahr.

Der Therapeut nutzt die Methode EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing), bei der durch Augenbewegungen der REM-Schlaf simuliert wird und somit die Verarbeitung traumatischer Erinnerungen ermöglicht wird.

Es ist sehr wirksam, wahrscheinlich wird Ende des Jahres alles einigermaßen normal sein, aber komplett weg wird es bei ihnen einzelnen nie sein.

Besonders der Umgang von Pepper und Tony mit den Skys Problemen ist wichtig, wenn wie gerade die Situation von Skys Alptraum eintritt.

Der Therapeut erklärte den beiden, dass sie alles dafür tun müssen, um Sky zu verstehen zu geben, dass das nicht real ist. Der Alptraum oder Flashbacks. Außerdem sollten sie Sky ein Gefühl von Sicherheit vermitteln.

Klar, eigentlich machen Eltern so etwas instinktiv, aber trotzdem muss es mal gesagt sein, besonders wenn die Eltern selbst mit solchen Problemen zu kämpfen haben.

»Geht's wieder?«, fragt Tony seine Tochter vorsichtig. Sie nickt und schnieft einmal.

Sie legen sich wieder in die Schlafposition, doch Tony hält Sky weiterhin fest in den Armen. Nach kurzer Zeit ist Sky eingeschlafen und Tony kann beruhigt die Augen schließen.

»Sky, weißt du, was du machen musst, wenn die Angst oder Panik kommt?«

Der Therapeut, er heißt Stan, lächelt sie aufmunternd an.

»Ähmm, Daddy oder Mommy rufen?«, sagt sie schüchtern.

»Ja, das natürlich auch. Aber, ich zeige dir jetzt etwas, das dir hilft, die Angst zu besiegen, okay?«

Als Sky nickt, fährt er fort: »Also, wenn dein Dad oder deine Mom bei dir sind, dann helfen sie dir, dich auf deine Sinne zu konzentrieren.«

Sky runzelt fragend die Stirn.

»Welche Sinne kennst du denn?«, fragt Stan.

Sie überlegt kurz und zählt dann mir den Fingern auf: »Sehen, Schmecken, Hören, Fühlen und Riechen.«

Stan nickt und erklärt weiter: »Wenn ich sage, du musst dich in einer Angstsituation auf deine Sinne konzentrieren, machst du das so: Du gehst die Sinne Sehen, Hören, und Fühlen durch, indem du aufzählst, welche fünf Dinge du mit diesen 3 Sinnen wahrnimmst.«

Sky hat es noch nicht ganz verstanden, weshalb Stan gleich eine Proberunde macht.

»Wir können das ja mal ausprobieren.«

Dann geht er mit ihr Schritt für Schritt die Übung durch und fragt am Ende noch einmal nach, ob sie es jetzt verstanden hat.

Sky nickt, dann driftet sie mit den Gedanken ab, als Stan sich an ihre Eltern wendet.

—The Jarvis-Scan—

Sky hat sich für heute Abend Pizza und einen Film gewünscht. Das können ihre Eltern ihr nicht abschlagen. Sie hat sich für Ein Zwilling kommt selten allein entschieden.

Der Film gefällt ihr richtig gut. Sie muss ständig lachen, weil so lustige Sachen passieren, und sie fiebert richtig mit, ob Annie und Hallie es schaffen, ihre Eltern wieder zusammenzubringen.

Gerade sind sie fast am Ende angelangt, in dem die Zwillinge mit ihrem Vater und Meredith campen gehen. Die Szene wechselt zum Abend, an dem sie um ein Lagerfeuer sitzen. Sky erstarrt. Die Flammen waren zwar nur einen Augenblick zu sehen, aber als sie auch noch vom unteren Bildschirmrand nach oben züngeln, sieht sie nichts mehr außer das Feuer, alles andere verschwimmt.

Sie hört die Stimmen nur noch dumpf, als wären sie durch Wasser gedämpft und wird direkt in die Erlebnisse vom Vorjahr katapultiert. Bilder von Feuer und ihrer Mom, die in die Flammen fällt, prasseln auf sie ein. Riesige Angst baut sich in ihr auf, sie fängt an zu zittern und zu wimmern. »Mommy!«, ruft sie panisch.

Tony merkt sofort, was los ist und weist Jarvis an: »Ausschalten!«

Der Fernseher wird schwarz, aber damit ist es noch nicht vorbei.

»Das wusste ich nicht. Mist, ich wusste nicht, dass die da ein verdammtes Lagerfeuer machen!«, regt sich Tony über sich selbst auf.

Pepper, die Sky beruhigend über den Rücken streicht, macht große Augen, als er das Wort Feuer in den Mund nimmt.

Das macht es nämlich noch schlimmer. Sky vergräbt das Gesicht in ihren Händen und schreit nach ihren Eltern.

Währenddessen schießen weitere Bilder durch ihren Kopf.

Tony bemerkt seinen Fehler und sucht nach einer Lösung. Da fällt ihm der Tipp aus der Therapie ein und er nimmt Sky in die Arme.

»Ich mach das schon«, formt er stumm mit den Lippen, an Pepper gerichtet. Sie nickt, lässt die beiden jedoch nicht aus den Augen.

Tony streicht Sky über die Haare, küsst sie immer wieder auf Stirn und Wange und flüstert: »Du bist in Sicherheit. Ich bin da, alles ist gut. Alles ist gut.«

Langsam öffnet Sky die Augen und atmet tiefer, aber ihre Augen huschen immer noch panisch im Raum umher.

»Okay, Sky, weißt du noch, was Stan gesagt hat? Wenn so etwas passiert wie gerade, dann musst du dich auf deine Sinne konzentrieren. Wir nennen das jetzt ... äh ...«, er sucht nach einer passenden Bezeichnung, »Jarvis-Scan. Okay?«

Sky nickt zögerlich. Also nimmt Tony sie unter die Arme, setzt sie in einem geraden Sitz auf seinen Schoß und lehnt ihren Hinterkopf an seiner Brust. Er tut so, als würde er ihr einen unsichtbaren Helm aufsetzen und sagt: »Jarvis, tu so, als würdest du den Raum scannen.«

Während Jarvis einen blauen holografischen Scan über den Raum legt, sagt Tony: »Du spielst jetzt Jarvis, okay? Welche fünf Dinge siehst du?«

Sky atmet einmal tief ein und aus.

»Hmmm, das Sofa. Meinen Pizzarand und das Popcorn. Und meine Hände. Und das Wohnzimmer ist überall blau.«

Tony streicht ihr über die Haare und fragt weiter: »Jetzt ... was hörst du?«

»Deine und meine Stimme, ein komisches Piepen im Ohr. Mein Sprudelwasser blubbert. Und ... ich höre mein Atmen.«

»Sehr gut. Du hast es gleich geschafft, Skylee. Was fühlst du?«

Sie drückt sich an ihn.

»Dich. Ich spüre dein Atmen, Daddy, bei deiner Brust. Du pustest mir die Haare durcheinander, wenn du atmest.«

Sie kichert. »Und ähm ... ich habe mich an einem Popcorn verschluckt. Der steckt mir im Hals.«

Ihr nächstes Kichern wird von einem Husten unterbrochen, also reicht Pepper ihr das Sprudelwasser und sie trinkt einen Schluck.

Sehr gut, Miss Sky, du hast alles richtig aufgelistet , lobt Jarvis.

Das hätte ich nicht besser machen können.

Sky lächelt. Sie atmet spürbar leichter.

»Können wir weitergucken?«, fragt sie.

Tony zögert.

»Ich weiß nicht, Sweetie«, sagt Pepper sanft.

»Es wäre besser, wenn nicht.«

»Aber dann weiß ich doch nicht, ob Hallie und Annie es schaffen! Ihre Mom und ihr Dad müssen wieder zusammen sein!«, regt sie sich auf.

»Okay, dann spulen wir einfach vor«, schlägt Tony vor.

»Ich geh noch kurz aufs Klo«, sagt Sky und verschwindet im Bad. Währendessen weist Tony Jarvis an, zur nächsten Szene vorzuspulen.

»Und, gab es in den letzten zwei Wochen irgendwelche Vorkommnisse?«, fragt Stan am Anfang der Sitzung.

Tony und Pepper erzählen abwechselnd von der Panikattacke, die durch das Lagerfeuer im Film ausgelöst wurde und wie sie es durch den Jarvis-Scan geschafft haben, Sky zu beruhigen.

»Jarvis-Scan?«, fragt Stan verwirrt.

»Ja, so haben wir Ihren Tipp genannt, dass sie sich auf ihre Sinne konzentrieren kann.«

Stans Blick ist immer noch irritiert. Er hat ja keine Ahnung, wer Jarvis ist.

»Ach so, Jarvis ist unsere persönliche KI, die solche Scans durchführen kann, wissen Sie?«

Da nickt der Therapeut verstehend und wendet sich Sky zu, um sie zu fragen, wie der Jarvis-Scan denn aus ihrer Sicht geklappt hat.

—Kakao, die Allzweckmedizin—

Sky fährt hoch. Kerzengerade sitzt sie in ihrem Bett und erinnert sich genau an ihren Traum.

Sie schluchzt leise und springt auf, um in das Zimmer ihrer Eltern zu laufen.

Sie wollten wieder Schritte in Richtung Normalität machen, deshalb hat Sky wieder in ihrem Zimmer geschlafen.

Was anscheinend keine so gute Idee war. Denn diesmal hat sie nicht nur geträumt, dass Pepper wieder ins Feuer gefallen ist und Sky glaubt, das sie tot ist – nein, diesmal wollte ihr Gehirn ihr auch zeigen, wie es wäre, wenn sie wirklich nicht mehr da ist.

Sie hat eine Beerdigung hautnah miterlebt und die Tage danach, einen Alltag ohne ihre Mom. Wie zerstört ihr Dad und sie selbst danach waren.

Sky öffnet leise die Tür zum Schlafzimmer auf und glaubt, ein leeres Bett vorzufinden. Tony musste gestern irgendwohin fliegen, wegen irgendetwas, das Sky nicht verstanden hätte.

Aber da liegt Pepper. Sie reibt sich müde die Augen, als sie Sky entdeckt.

»Hey, Sweetie, was ist passiert?«

Weinend erzählt Sky ihr von ihrem viel zu realistischen Traum.

»Ohhh ... hey, ich bin ja da. Ich bin doch da. Das war nur ein Traum, Sky. Ich bin hier und du brauchst dir keine Sorgen zu machen.«

Sie streicht über ihre nassen Wangen, wischt ihre Tränen sanft weg und lächelt beruhigend.

»Können wir den Jarvis-Scan machen?«, fragt Sky leise.

Pepper schüttelt den Kopf.

»Tut mir leid, aber dafür ist dein Vater zuständig. Ich bin da nicht so gut drin. Aber ich kann mir etwas anderes überlegen.«

Schniefend blickt Sky nach unten. Sie zittert und ihre kleinen Hände sind kalt.

»Komm, Sky. Wir gehen dir einen Kakao machen.«

Normalerweise würde Pepper Sky mitten in der Nacht keinen Zucker erlauben. Als Tony einmal ein Mitternachtspicknick mit Sky gemacht hat, musste er sich danach eine Standpauke anhören. Was kann er denn dafür, wenn seine Tochter wach wird, weil sie Hunger hat und er sowieso wach ist, weil er an irgendetwas arbeitet? Na ja, die ganzen Mitternachtspicknicks davor hat Pepper wenigstens nicht mitbekommen.

Heute aber macht sie eine Ausnahme.

Während Sky am Tisch wartet, macht Pepper Milch warm und rührt Kakao darunter.

Als Sky sich die Hände wärmt, fragt sie plötzlich: »Wieso hast du den Kakao nicht mit der Maschine gemacht?«

In der Küche gibt es eine Maschine, mit der man sich Kaffee, Kakao und Tee in gefühlt tausend verschiedenen Varianten machen kann.

»Selbstgemacht schmeckt besser«, lächelt Pepper.

»Stimmt«, sagt Sky leise.

»Geht es dir besser?«

Sky nickt.

»Kakao ist ja auch eine Allzweckmedizin.«

Sky zieht fragend die Augenbrauen zusammen.

»Kakao hilft bei allem«, erklärt Pepper.

—Meine Mechaniker-Tochter—

Es ist der 14. September und Sky ist heute fünf geworden.

(Und in der Therapie schon so weit fortgeschritten, dass sie kaum noch Alpträume und Panikattacken hat.)

Aber das ist nicht der Grund, warum sie so aufgeregt ist. Und auch nicht wegen einer Party oder Geschenken.

Heute darf sie zum ersten Mal mit Tony in die Werkstatt. Sie hat schon so lange (seit sie zweieinhalb ist) darum gebettelt, mit ihrem Vater etwas bauen zu dürfen, aber Pepper hat es ihr nicht erlaubt. Selbst Tony konnte nichts dagegen tun. Aber sie hat Sky versprochen, dass sie in die Werkstatt darf, wenn sie fünf ist. Und sie hat diese anderen zweieinhalb Jahre geduldig gewartet. Pepper ist überrascht, dass sie sich das überhaupt gemerkt hat. Sky hat die ganze Nacht kaum geschlafen.

Nachdem sie aus heute früh aus dem Bett gesprungen ist, sich blitzschnell angezogen hat, ungeduldig die drei Minuten ihrer Zahnputzzeit abgesessen hat und ihr Frühstück so schnell verschlungen hat wie noch nie, wobei sie froh sein kann, sich nicht verschluckt zu haben, darf sie endlich zu der neuen Werkstatt hier im Avengers-Tower. Die sieht zwar ganz anders aus als die in der Villa, viel moderner, aber es ist trotzdem noch eine Werkstatt.

»Hier kann sich Sky richtig austoben«, meint Tony. Woraufhin Pepper ernst hinzufügt, dass das hoffentlich nur mit seiner Aufsicht passieren wird. »Logisch, was denkst du denn?!«, antwortet er und macht ein Gesicht, als wäre das wohl selbstverständlich.

Pepper ist sich da ein wenig unsicher, gibt aber nach, da sie es ja versprochen hat und die beiden dürfen endlich hinein.

Staunend und mit leuchtenden Augen sieht Sky sich um. Dann dreht sie sich zu Tony um und sagt ernst: »Ich will alles lernen, wie du!«

Tony blinzelt überrascht und lächelt dann. »Alles? Ganz sicher?«

Sky nickt und sieht überzeugt aus.

»Dann fangen wir am besten an, meine Mechaniker-Tochter.«

Es bleibt natürlich nicht bei diesem einen Tag.

Jeden Abend, wenn sie mal wieder einen Tag zusammen in der Werkstatt verbracht haben und Zeit fürs Bett ist, quengelt Sky, dass das viel zu kurz war.

Wenn man Spaß hat, geht die Zeit eben viel zu schnell rum.

Doch das Hobby bringt wieder Licht in Skys Leben und vertreibt die Dunkelheit der Panikattacken und Alpträume. Bald ist sie wieder der Sonnenschein, der sie vorher war.

Zum Glück bietet Skys großes Zimmer genug Platz für all die Sachen, die sie zusammen bauen, wie z.B. einen programmierbaren LEGO-Roboter und 3D-gedruckte Figuren, die sie selbst programmiert haben.

Tony hatte sichtlich Spaß, Sky zu zeigen, wie ein Schaltkreis funktioniert, als sie sich dafür interessierte. Schließlich hat er selbst ungefähr in diesem Alter seinen ersten Schaltkreis gebaut. Sky war so begeistert davon, dass sie sofort die Idee hatte, aus ganz vielen Schaltkreisen einen wunderschönen Sternenhimmel an ihre Decke zu zaubern.

Gesagt, getan. Und das Ergebnis konnte sich sehen lassen, da konnte selbst Pepper nicht widersprechen.

—Linkin Park—

Einmal fragt Sky plötzlich: »Können wir Musik hören? Dann macht es noch mehr Spaß!«

»Was möchtest du hören?«, fragt Tony sie. »Rock!«, antwortet sie begeistert.

Tony ist überrascht, aber erfreut, dass sie anscheinend auch eine Vorliebe zu Rock hat, wie er selbst.

Während die ersten Töne von Back in Black von AC/DC ertönen, platzt auf einmal Pepper herein.

»Tony, du wirst Sky nicht mit deiner Rockmusik infizieren!«, sagt sie aufgebracht.

» Sky wollte Rock hören!«, versucht er sich zu rechtfertigen.

»Wirklich?«, fragt sie, an Sky gerichtet. Diese nickt.

»Aber kein AC/DC . Das ist zu alt!«, gibt sie zu.

In Tonys Gesicht zeichnet sich Enttäuschung ab.

»Siehst du?«, sagt Pepper zu Tony.

»Wie wäre es, wenn du einfach selber nach Rockmusik sucht und dir etwas aussucht?«, schlägt sie vor.

Sky nickt und sucht mithilfe von Jarvis nach Bands. Sie hört sich verschiedene Lieder an und sagt dann zu ihrem Vater: »Kann ich Linkin Park hören?«

Pepper hat in die verschiedenen Alben mal reingehört und klare Regeln aufgestellt, welche Sky hören darf und welche nicht.

Sie hat Meteora und Hybrid Theorie erlaubt, die anderen Alben, Minutes to Midnight, A Thousand Suns, Living Things und The Hunting Party allerdings nicht. Und das ist auch richtig so, das sieht Tony auch ein. Immerhin ist Sky erst fünf.

Und so hören die beiden leise im Hintergrund Linkin Park , während sie herumwerkeln. Tony findet die Band gar nicht so schlecht, das lässt er sich aber nicht anmerken.

Er hätte nie gedacht, dass er eines Tages mit seiner fünfjährigen Tochter in der Werkstatt sitzen würde, gemeinsam das tun, was beide lieben – und dabei Linkin Park hören. Aber es gefällt ihm.

—Iron-Girl—

»Wann ist er fertig, Daddy?«, fragt Sky hibbelig und tippt mit der Fußspitze im Rhythmus von Numb auf den Boden.

Seit mehreren Tagen arbeiten Tony und Sky heimlich an einem kleinen Iron-Girl-Anzug für Sky – so, dass Pepper es nicht mitbekommt. Selbstverständlich ohne Waffen und begrenzter Flugfähigkeit.

Tony hat geplant, dass Sky ein paar Zentimeter über dem Boden schweben kann, sie einen Bildschirm im Helm hat und nur Jarvis den Anzug steuern kann.

»Du kannst dir schon mal überlegen, welche Farben er haben soll«, schlägt Tony ihr vor. Er bereitet gerade alles vor, damit Sky den Anzug später genauso wie er angezogen bekommen kann.

Selbstständig erstellt Sky mithilfe von Jarvis einen Holoscreen. Das hat sie in den letzten Tagen auch gelernt. Dann probiert sie verschiedene Farben für dem Anzug aus.

Bei Lila und Pink verzieht sie angeekelt das Gesicht, was Tony zum Lachen bringt. Genau das sind die Lieblingsfarben jedes Mädchens in ihrem Alter. Schwarz ist ihr zu dunkel und Regenbogenfarben viel zu bunt. Als sie den Anzug in Rot sieht, sagt sie: »Das ist Daddys Farbe, Jarvis. Das kann ich nicht nehmen.«

Jarvis stimmt ihr zu und schlägt dann Blau vor. »Nur Blau ist langweilig«, findet sie. »Können wir noch Silber dazu machen?«

Eine ausgezeichnete Idee, Miss Sky.

»Daddy, guck mal!«, ruft Sky, als Jarvis Silber und Blau in einem perfekten Zusammenspiel auf den Holoscreen gebracht hat.

»Das sieht super aus«, sagt er stolz.

»Ich bin auch fertig. Jetzt musst du Jarvis nur noch sagen, dass er es einfärben soll.«

»Jarvis, einfärben.«

Sky sagt das so professionell, dass Jarvis hat gar keine andere Wahl hat, als genau das zu tun.

Pepper steht mit offenem Mund vor Sky. Sie trägt den blau-silbernen Anzug und hat den Helm hochgeklappt. Sie grinst ihre Mutter an. »Guck mal, Mommy, ich kann fliegen!«

Wie auf ein Stichwort schaltet Jarvis die Schubdüsen an, der Helm klappt zu und Sky schwebt ein wenig über dem Boden. Der "Reaktor" auf ihrer Brust und die "Repulsoren" an ihren Händen sowie die Augen des Helm leuchten blau.

»Das ist ...«

Tony beugt sich zu ihr.

»Keine Sorge, höher kann sie nicht fliegen. Waffen hat sie natürlich keine und sie wird ausschließlich von Jarvis gesteuert. Es kann nichts passieren«, raunt er ihr zu.

Sie vertraut ihm. Als Sky vor ihr wieder auf festem Boden landet, den Helm wieder aufklappt und sie vor Freude anstrahlt, sagt Pepper lächelnd: »Da ist mein Sunshine wieder.«

Sky runzelt zuerst die Stirn – eigentlich wird sie von Pepper immer 'Sweetie' genannt – gibt sich dann aber mit dem neuen Spitznamen zufrieden.

Nach der langen, schweren Phase der Thrapie wegen der Alpträume und Flashbacks merkte Pepper, dass Sky das erste Mal wieder richtig gestrahlt hat. Wie ein Sonnenschein eben.

Nur das Sky das nicht so gut versteht.

»Sie sieht aus wie ein Model. Wir sollten unbedingt einen Fotografen holen«, sagt Tony stolz. Doch bei dieser Idee schüttelt Pepper sofort den Kopf.

Tony zuckt mit den Schultern.

»Dann macht Jarvis eben welche.«