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Geblendet (Leseempfehlung nach Chapter 1 von NaD)

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Geblendet (Leseempfehlung nach Chapter 1 von NaD)

Diese Geschichte ist fiktiv, ich kenne die in ihr vorkommenden Personen nicht persönlich und die hier beschriebenen Handlungen, Ansichten, Ereignisse und Co. sind reine Fiktion. Ebenso sind es ein Großteil der anderen Charaktere, die euch in dieser Geschichte begegnen werden. Neben wenigen Ausnahmen (etwa der Band) werde ich mich nämlich überwiegend an frei erfundenen Charakteren bedienen, sofern diese in dieser Geschichte mehr als eine vage und angedeutete Rolle spielen. Zudem verdiene ich mit dieser Geschichte natürlich kein Geld.

Bei dieser Story handelt es sich um eine kleine Sidestory zu meiner Hauptstory “Night and Day”. Hier werden wir bestimmte Szenen aus Jungkooks Perspektive erleben. Demnach macht es natürlich wenig Sinn, diese Geschichte im Alleingang zu lesen.

Um euch nicht für die Hauptstory nicht zu sehr zu spoilen, empfehle ich euch, diese Geschichte nicht in einem Rutsch zu lesen, sondern den Empfehlungen nach, die ich euch zu jedem Chapter geben werde. Entsprechende Empfehlungen wird es auch in der Hauptstory geben.

Hinweis: Das folgende Chapter kann jederzeit nach Kapitel 1 von Night and Day gelesen werden.

Day and Night

1. Geblendet

- 1. Dezember 2021 -

Ein halbes Dutzend Hände zerrten an ihm, oder eher an seiner Kleidung - mit dem Ziel, ihn von dieser zu befreien. Hier, schräg neben der Bühne in einem kleinen, abgeteilten Bereich und dennoch vor drei Dutzend Augen, die alle mit nervöser Anspannung auf ihm zu liegen schienen. Doch anstatt sich zu wehren, wie es ein Teil von ihm nach wie vor manchmal aus Scham verlangte, half er mit flinken Fingern nach. Ignorierte dieses beklemmende Gefühl, das wie so oft in ihm aufstieg, als er aus seiner Hose stieg und für etwa 15 Sekunden nur in seinen verdammten Unterhosen und Socken mitten im Trubel stand. Glücklicherweise nicht lange, denn kaum war die eine Hose vor seinen Füßen verschwunden, tauchte die nächste auf, in der er steigen konnte. Keine zwanzig Sekunden später wurde sie an seinen Beinen hochgezogen - allerdings nur bis kurz unter die Gürtellinie. Von da an übernahm er. Wenigstens das überließ man ihm.

Vier Finger …

… waren es, die Kibum ihnen mittels seiner hochgehaltenen Hand signalisierte. Damit wollte er ihnen sagen, dass sie noch vier Minuten hatten. Dann mussten sie zurück auf die Bühne. Er und die sechs anderen jungen Männer, die gerade ebenso wie er halbnackt in mehreren kleinen Trauben aus an ihnen zerrenden und zupfenden Menschen standen. Verdammt, so sehr er es liebte da oben zu stehen und ihren nach wie vor anhaltenden Rufen zu lauschen, so sehr hasste er dieses erniedrigende Ritual, dem sie sich jeden Abend unterziehen mussten. Und er wusste, er war nicht der einzige, der sich wahrscheinlich niemals vollständig an das hier gewöhnen würde. Glücklicherweise hatten sie nie viel Zeit und somit vergingen diese Momente stets schnell.

Drei Finger …

Sana schoss vor, um seine Frisur zu richten, die durch das Gezerre und den Schweiß, der ihm von der Kopfhaut in den Nacken und in die Stirn lief, etwas aus der Form geraten war. Noch bevor sie fertig war und er das nächste Outfit - unterstützt von einem weiteren Paar Händen - richtig in Position gezupft hatte, gesellten sich weitere Hände dazu, um ihm nahezu zeitgleich den Schweiß aus Nacken und Stirn zu tupfen und sein Make-up aufzufrischen. Draußen schien ein Raunen durch die Menge zu gehen, das ihn kurz aufhorchen ließ. Manchmal wäre er gerne ein Teil von ihnen, um das alles hier aus ihren Augen sehen zu können.

Zwei Finger …

… und er spürte, wie die bereits bestehende Hektik anstieg. “Wasser”, krächzte er und bewegte seinen Kopf unbedacht nach rechts - in die Richtung, in der Chunji stand - und endetet beinahe mit dem Make-up-Pinsel im Auge. Glücklicherweise nur beinahe, denn das Wirrwarr an Händen, das ihn umkreiste, hatte eines gemeinsam: Verdammt gute Reflexe

Ein Finger schoss hoch und zwei Paar Hände zogen gleichzeitig am Kragen seines Hemdes und am Saum seines T-Shirts. Und das alles, während er versuchte ein paar Schlücke Wasser aus der Flasche zu nehmen, die Chunji ihm nur wenige Sekunden nach seiner Frage durch das Wirrwarr aus fremden Händen hindurch gereicht hatte - und das ohne durch das Gezerre zu sehr ins Wanken zu geraten und sich von oben bis unten mit Wasser vollzuspritzen. Nicht dass er es nicht genießen würde. Ihm war heiß … entsetzlich heiß. Aber die Dusche würde warten müssen. Wenigstens bis er auf der Bühne war, musste der aufgefrischte und neue Look erhalten bleiben.

Jemand zerrte erneut an seinem Kragen und indirekt an einem seiner Ohrringe, was zur Folge hatte, dass dieser sich im Kabel seines In-Ears verhedderte. Und noch während er versuchte, den Ohrring vom Kabel zu trennen, schlug Kibum die Faust in die Höhe und schrie “Go!”

Binnen Sekunden entfernten sich die Trauben von ihnen und er und die anderen sechs Männer setzten sich in Bewegung. “Fuck”, entwischte es ihm, als er die Treppe hochsprang, weil der verdammte Ohrring immer noch festhing. Nur noch wenige Meter und er würde wieder da draußen stehen. Ihm fehlte also die Zeit, um sich-

Eine Hand gesellte sich zu seiner und er ließ erleichtert von seinem Ohrring ab. Nur wenige Sekunden später löste sich dieser vom Kabel und Jimin schoss an ihm vorbei auf die Bühne. Jungkook folgte ihm und tauchte in das Tosen ein, das sie wieder auf den Brettern empfing, die für ihn die verdammte Welt bedeutenden. So ließ er sich von der tobenden Menschenmasse und von diesem Hochgefühl, das ihn nahezu augenblicklich flutete, mitreißen.

Sein Körper arbeitete auf Hochtouren, während er über die Bühne schoss, sprang und tanzte. Ging nach dem kurzem Moment der Euphorie kurzzeitig in so etwas wie den Autopilot über, der ihn alles ausblenden ließ. In diesen Phasen lag sein Fokus einzig und alleine auf der Performance. In diesen Phasen hörte er nur seine eigene Stimme durch die Monitore in seinen Ohren. Alles andere verschwamm zu einer homogenen Masse, was ihm dabei half, die Fassung zu bewahren. Allerdings hielten diese Phasen stets nur kurz an. Je nach Intensität der Songs und seiner eigenen Verfassung waren sie länger und hartnäckiger oder eher brüchig und instabil.

Spätestens in den Pausen ebbten diese Phasen aber immer ab und hielten sich bei eher seichten Songs zurück. So wie jetzt, als er während des kurzen Breaks zwischen zwei Songs - den Blick auf die Gesichter in den ersten Reihen gerichtet - von Bühnenrand zu Bühnenrand hechtete und in ihren Schreien und-

Ein paar Millisekunden …. so lange brauchte es, bis die Euphorie in ihm starb und der Autopilot sich in ungreifbare Ferne bewegte, als er sie da unten stehen sah. Inmitten von all diesen unbekannten Gesichtern, die alle doch etwas beruhigend Bekanntes gemeinsam zu haben schienen. Kurz geriet er ins Wanken, spürte wie er sich selbst entglitt und versuchte das letzte Bisschen Fassung, das sich noch in ihm befand zu greifen, bevor es ihm mit dem Rest von ihm vor die Füße fiel. Leider erfolglos …

Somit stockte er und starrte sie einfach nur an, während sich alles um ihn herum aufzulösen schien. Er spürte die Hektik, die Hysterie der Massen und sie drohten ihn zu übermannen und sich zu einer unguten Art von Gefühl in ihm zu vereinen. Panik, realisierte er … das war Panik, die die Oberhand gewinnen wollte. Hier oben. Von allen Orten dieser Welt ausgerechnet hier oben …

Blondie starrte zurück, aus diesen elenden blassblauen Augen, die ihn in die Falle gelockt hatten. Eine Falle, in die er blindlings gerannt war. Der Illusion verfallend, dass es ausnahmsweise mal um ihn ging - und nur um ihn. Nicht um diese überdimensional große Version von ihm, die er ihnen allen vorspielte. Tag für Tag. Nacht für Nacht. Hier und jetzt … oder auch bis gerade eben noch, als ihr Anblick sie aus ihm heraus gehämmert hatte. Zurückblieb Jeongguk, um den es - so hatte er jedenfalls gedacht - heute Nacht gegangen war. Um den unbedeutenden Jeongguk aus Busan, der viel zu naiv und mit viel zu großen Ambitionen durchs Leben ging. Der sich ständig übernahm, der seine eigenen Grenzen nicht respektierte und ständig das Gefühl hatte, nicht gut genug zu sein. Der in seinem eigenen Schatten stand. Einem Schatten, der alle so sehr blendete, dass sie alles und doch nichts sahen … und am wenigsten ihn.

Gott, er war ein verdammter Idiot gewesen. Ein Idiot der sich eingeredet hatte, dass sie ihn wirklich nicht kannte und nicht nur eine verdammt gute Schauspielerin war. Eine verdammt gute und verdammt hübsche Schauspielerin. Dabei war sie nicht mal sein Typ.

Wobei ... manchmal wusste er selbst nicht, wer und was eigentlich sein Typ war. Offiziell wusste er es natürlich, aber es war verdammt lange her, dass er IU auf diese Art und Weise gesehen hatte. Seitdem wusste er nicht mehr so recht, auf was er eigentlich stand. Also Jeongguk und nicht Jungkook. Das war ebenso wankelmütig, wie es seine Haarfarben zu Bestzeiten gewesen waren. Er konnte sich da schlecht festlegen und verlor schnell das Interesse. Und weil er so ein Typ Mann nicht sein wollte, hielt er sich übergreifend etwas zurück. Was eh sinnvoll war, da er gerade keine Zeit zum-

Eine Hand legte sich auf seine Schulter. Namjoons Hand und es war sein besorgter Blick, der ihn aus dieser gottverdammten Starre riss. Ein kurzes Nicken, das seinem Hyung und Leader wissen ließ, dass es ihm gut ging. Also Jungkook, der sich schließlich Gott sei Dank wieder durchsetzte und in den Autopiloten schaltete - während Jeongguk sich erleichtert irgendwo ganz tief in ihm zurückzog. Er hatte keine Zeit für die Panik. Nicht hier oben jedenfalls. Also warf er sie ab, als er sich wieder in Bewegung setzte.

***

Das Anredesystem in Südkorea ist recht komplex und lässt sich nur sehr bedingt mit unserem vergleichen. Um mich und euch nicht zu sehr zu verwirren, bediene ich mich nur an den geläufigsten und das auch nur sehr bedacht. Ich werde es so oft es geht umschiffen und nur gelegentlich mal - dem Realismus zuliebe -  anwenden.

Für alle, die es interessiert oder denen das gar nichts sagt, hier einmal eine kleine Auflistung von denen, die ihr in dieser Geschichte finden werdet:

- Ältere männliche Freunde oder Brüder, nennen Frauen Oppa und Männer Hyung. Oppa nennen mittlerweile aber auch viele Frauen einen älteren Partner. Ältere Freundinnen oder Schwestern werden von Frauen als Unnie bezeichnet und von Männern als Noona.

- Eomma bedeutet Mama und Appa Papa.

- Die Endungen -ssi und -nim bedeuten in etwa sowas wie Frau/Herr. Sie sind geschlechtslos und während -ssi eher freundlich höflich ist, ist -nim sehr höflich und formal und wird zb bei Leuten verwendet, die man (noch) nicht so gut kennt, die älter und erfahrener als man selbst sind oder einen beruflich oder gesellschaftlich höheren Stand haben.

- Und last but not least: In vielen Feldern - etwa dem beruflichen oder schulischen - sagt man nicht Herr oder Frau Meier, sondern beispielsweise Herr oder Frau Lehrerin ... oder wie wir es hier manchmal erleben werden, Herr Manager bzw. Manager-nim.

Solltet ihr hier Ungereimtheiten oder Fehler finden, sagt mir bitte bescheid. Ich arbeite nach wie vor daran, hier den Durchblick zu erhalten. Wie gesagt, das System ist sehr komplex. Zudem könnte sich diese Auflistung erweitern, wenn doch nochmal neue Begriffe hinzukommen. Schaut bei Ungereimtheiten also nochmal hier vorbei.

***

Ihr Lieben, hiermit komme ich hoffentlich wenigstens etwas dem Wunsch vieler Leser nach, hin und wieder mal etwas über JKs Sicht der Dinge zu erfahren. Wie oft in den Reviews erwähnt, hatte ich eh bereits mit dem Gedanken gespielt, JKs Sicht wenigstens hin und wieder mal einzustreuen. Da ich euch allerdings nicht spoilern will, muss ich es etwas bedachter tun.

Einige Szenen habe ich bereits im Hinterkopf und manche sogar schon niedergeschrieben. Allerdings ist das hier zu großen Teilen für euch, also lasst mich gerne wissen, wenn ihr eine bestimmte Szene, Begebenheit ect. aus JKs Sicht sehen wollt. Sollte sie sich umsetzen lassen, ohne dem Geschehen in NaD in die Quere zu kommen, werde ich es gerne tun.