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Wreck (nach Chapter 21 von NaD)

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Wreck (nach Chapter 21 von NaD)

Hinweis: Das folgende Chapter kann jederzeit nach Kapitel 21 von Night and Day gelesen werden.

10. Wreck

- 29. Mai 2022 -

Der Gang zurück in den Make-up- und Stylingbereich glich einem Walk of Shame. Wirklich jeder, dem er begegnete, sah ihn irritiert, skeptisch oder direkt entrüstet an. Vor allem Misuk, die heute für sein Make-up zuständig war, sah aus, als hätte sie einen Geist gesehen. Dabei war sein Make-up gar nicht mal das Schlimmste. Ja, es war durchaus eine Katastrophe. Seine Frisur hatte, dank Blondies Zungenkünste und anscheinend im Anschluss auch den seinen wegen, am meisten abbekommen.

Sie dachte wahrscheinlich, er hätte es nicht gemerkt, aber sie hatte ihm die Zotteln streckenweise büschelweise ausgerissen. Glücklicherweise hatte er dichtes Haar. Noch … wenn sie irgendwann mal mit ihm fertig war, sah das Ganze vielleicht anders aus.

“Was ist passiert?”, fragte Misuk wie vom Donner gerührt, nachdem sie ihm auf den letzten Metern entgegen gehechtet war, um das Ausmaß der Katastrophe genauer betrachten zu können.

“Ich bin eingeschlafen”, log er … weil nichts zu sagen auch keine wirklich gute Option war, auch wenn er Blondie … Hana gegenüber das Gegenteil behauptet hatte. Ja, er wusste, ihr Name schrieb sich anders. Mit jeweils zwei Hs Ns und As. Außerdem war er ein Palindrom, er las sich rückwärts genauso wie vorwärts. Das war eines der ersten Dinge, die ihm aufgefallen waren, als er ihren Namen das erste Mal in geschriebener Form gesehen hatte. Auf dem ersten NDA, den sie in seinem Beisein unterschrieben hatte.

Aber … wie auch immer, absolut nichts zu sagen, machte das hier wahrscheinlich nur schlimmer.

“Eingeschlafen?”, fragte Misuk sichtlich misstrauisch, als er sich auf dem Stuhl vor dem Spiegel und ihren ausgebreiteten Schminkutensilien niederließ.

“In der Badewanne oder unter der Dusche?”, hörte er Yun hinter sich mit spottendem Unterton in der Stimme fragen. Er begutachtete, wie Jungkook es nicht anders von einem Hairstylisten erwartet hatte, ohne Umschweife das Chaos auf seinem Kopf.

Das hier war einer der Momente, in dem er besser schwieg. Ein Blick in Yuns Gesicht sagte ihm nämlich, dass er ihm kein einziges Wort geglaubt hatte. Den Fön in der einen und eine Bürste in der anderen, warf er Jungkook durch den Spiegel ihnen gegenüber einen mehr als nur vielsagenden Blick zu.

Misuk murmelte etwas Undeutbares und er schwieg weiterhin, während die beiden Staffmitglieder daran arbeiteten, ihn wieder vorzeigefähig instandzusetzen. Oder noch mehr als das … immerhin musste er wieder vor die Kamera, ohne dass die ganze Welt ihm ansah, was er getrieben hatte.

Etwa eine halbe Stunde später, sah wenigstens sein Haar wieder ansehnlich aus. Misuk pinselte und puderte allerdings nach wie vor an ihm herum. Als sie sich kurz abwandte, um einige ihrer Utensilien zu sortieren, flüsterte Yun sichtlich belustigt: “Ich hoffe das Nickerchen war es wert.”

Erneut entschied er sich zu schweigen, erwiderte einfach nur möglichst neutral den Blick des etwa gleichaltrigen Mannes, der ihn nun fast schon wissend dreckig angrinste. Aus den Augenwinkeln ertappte er Misuk dabei, wie sie ihn und Yun verdächtig interessiert musterte.

Um diese Frage wenigstens in Gedanken zu beantworten: Ja, das ‘Nickerchen’ war es wert gewesen. Zwar hatten ihm die Teile, in denen ihn Blondie mit der Hand und den Lippen bearbeitet bedeutend besser gefallen als die anderen - aber übergreifend hatte es sich verdammt gut angefühlt.

Besser als er es von seinen bisherigen Erfahrungen in Erinnerung hatte, verstand sich. Bora hatte sich da quer gestellt, hatte sich aber liebend gerne hingelegt und ihn machen lassen. Es hatte zwei nahezu abschreckende Versuche gegeben, nach denen er absolut kein Interesse an einem dritten Try gehabt hatte. Wahrscheinlich hätte sie sich bei diesem auf ihm übergeben. Yumi war … Yumi. Süß, manchmal etwas langsam und ziemlich ungeschickt. Sie hatte sich Mühe gegeben, hatte ihre Zähne aber einfach nicht unter Kontrolle gehabt. Die Einzige, bei der das Ganze halbwegs vielversprechend gewesen war, war Midori gewesen. Es war aber auch niemals wirklich grandios gut gewesen. Jedenfalls für ihn nicht … alles was sie tat, wirkte zu gespielt. Zu aufgesetzt.

Mit Blondie war es anders gewesen, was aber durchaus auch daran liegen konnte, dass sein Körper übergreifend sehr sensibel auf sie reagierte. Schon die kleinste Berührung traf ihn manchmal wie ein verdammter Stromschlag und er konnte sich an ihr teilweise nicht satt sehen. In erster Linie, weil sie den Sex genoss - und sie hatte auch diese Sache genossen. Und natürlich auch, weil sie ihm gefiel. Überaus gut, um ehrlich zu sein. Dabei waren Frauen wie sie - wie bereits angedeutet - bisher nicht wirklich sein Beuteschema gewesen.

Zwar war er da stets sehr wankelmütig, aber es gab bestimmte optische Gemeinsamkeiten, die alle seiner, nennen wir sie mal Eroberungen, gehabt hatten. Und das waren lange, dunkle Haare und große, dunkle Augen. Dabei mussten sie nicht unbedingt asiatisch sein. Wenigstens auf den ersten Blick hin hatte schon so manche dunkelhaarige Schönheit, die mit denselben Argumenten bestechen konnte, seine Aufmerksamkeit geweckt - egal welche Nationalität sie zu haben schien. Bisher war da allerdings nie mehr draus geworden. Jegliche Erfahrungen, die er bisher hatte sammeln können, hatten mit asiatischen Frauen stattgefunden … und mit einem Mann, wobei der Fokus da ebenfalls auf der Frau gelegen hatte, die ihr Dreiergespann vervollständigt hatte.

Allerdings hieß das nicht, dass er Frauen wie Blondie bisher unattraktiv gefunden hatte. Sie hatten nur nie wirklich sein Interesse geweckt. Bisher … seitdem er Blondie kannte, hatte sich dahingehend einiges geändert. Was man auch in der Auswahl der Pornos sah, die er neuerdings ab und an zur Inspiration schaute. Das bedeutete aber natürlich im Umkehrschluss auch, dass seine Auswahl an den Orten, wo er normalerweise verkehrte, um einiges kleiner geworden war.

Was nicht hieß, dass er es vorher extrem wild getrieben hatte. Das hatte er nicht. Alles andere als das. Vor allem wenn man bedachte, dass er früher tatsächlich mal extrem naiv und romantisch veranlagt gewesen war. Stets auf der Suche nach der großen Liebe. Bora und Areum hatten ihm das ausgetrieben. Sie hatten ihn angeheizt und dann so stark in Brand gesetzt, dass er die Wunden noch heute spürte.

Es hatte ihn jede Menge Nerven und auch Won gekostet, damit Areum all die lustigen kleinen Dinge vernichtete, die sie während ihrer Beziehung gesammelt hatte. Sieben Monate und von Tag eins an. Jeden Chat und jedes Foto hatte sie abgespeichert, jeden Videocall und jedes Telefonat aufgezeichnet. Damit er blieb oder zahlte. Bevorzugt mit seinem Ruf. Oder eben mit Tränen, Betteleien und Geld. Die Verschwiegenheitsvereinbarung, die sie unterschrieben hatte, war ihr dabei egal gewesen. Offenbar war sie nicht abschreckend genug gewesen. Deshalb hatte man da nachgelegt. Gehörig … und Bora … Bora hatte dem Ganzen auf ihre eigene Weise die Krone aufgesetzt.

Aber ja. Um auf das eigentliche Thema zurückzukommen: Er hatte das ‘Nickerchen’ mit Blondie genossen. Das wie auch die drei davor. Und er hätte nichts dagegen, es noch mindestens ein weiteres Mal zu wiederholen. Übergreifend … auch auf das Drumherum bezogen. Er verbrachte gerne Zeit mit ihr. Sie war angenehm und auf eine gewisse Weise erfrischend unkompliziert. Außerdem lebte sie verdammt weit weg. Das war in gewisser Weise ein Vorteil, da es sie zwang eine gewisse Distanz zu wahren. Weil es alles weitere als das, was sie momentan hatten, unendlich kompliziert machen würde. Komplizierter als es eh schon war, versteht sich. Das sorgte, trotz all dem Hype und aller Euphorie, für die nötige Erdung und Abschreckung. Hoffentlich für beide Seiten. Er wusste, dass sich irgendwann meistens auf kurz oder lang Gefühle einstellten, wenn man sich körperlich und emotional zu nahe kam.

Genau deshalb würde er trotzdem auf der Hut sein. Nüchtern betrachtet gefiel es ihm nicht, was sie in ihm auslöste und was ihre Nähe mit ihm machte. Noch einmal würde er nicht alles auf eine naive Karte setzen.

***

Ihr Lieben, da ging er dahin: Der bisher heißeste Tag des Jahres. Wie ist es euch ergangen? Ich dachte streckenweise ganz ehrlich, es brutzelt mir das Hirn weg …