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Madness (nach Chapter 24 von NaD)

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Madness (nach Chapter 24 von NaD)

Hinweis: Das folgende Chapter kann jederzeit nach Kapitel 24 von Night and Day gelesen werden.

14. Madness

- Mitte Juni 2022 -

Das hier war verrückt. Irrsinn auf insgesamt über 15 Seiten, wenn er das richtig sah. Nie im Leben würde sie das unterschreiben. Himmel, er würde so einen Wisch nicht unterzeichnen. Für absolut niemanden. Das Ding, das ihn irritierte war, dass es laut Pak Jiyong-nim und seinen beiden Assistenten, die ihn heute überraschenderweise zu sich in den achten Stock gerufen hatten, schon mehr als eine ihrer … Bekanntschaften getan hatten.

Sie bekamen diese Wische selten zu Gesicht. Zwar mussten sie immer wieder ähnliche unterschreiben, in diesen ging es aber meistens eher darum, dass sie sie in die Pflicht nahmen, der Company und allem, was an dieser hing, nicht durch unbedachtes Verhalten Schaden zuzufügen. Das bezog natürlich auch ein, nicht mit irgendeiner Liebschaft öffentlich rumzuknutschen, was essen zu gehen (jedenfalls nicht allein) oder mit jemanden Hand in Hand öffentlich durch die Straßen zu flanieren. Ebenso hatten sie dafür zu sorgen, dass es möglichst kein Material gab, das man gegen sie verwenden konnte. Also beispielsweise Aufnahmen von Videocalls, Telefonanrufen oder Bilder.

Ja, ihm war bewusst, dass man gerade diese Punkte nach seiner kurzen Liaison mit Areum extrem stark verschärft hatte. Ebenso wie die Wische, die ihre kommenden Liebschaften zu unterzeichnen hatten - um ein Desaster wie das mit Areum zukünftig vermeiden zu können. Aber kurzum, hatte er diese Wische noch nie gesehen. Jedenfalls nicht bewusst. Natürlich hatte man sie darüber in Kenntnis gesetzt, dass es eine neue Version gab - und hatte ihnen diese als Kopie überreicht.

Und natürlich hatten sie es gelesen und waren sich einig: Diese Dinger würde niemand unterschreiben. Sie würden demnach alle wahnsinnig frustriert und einsam enden. Aber solange es niemanden gab, der diese Dinger unterschreiben sollte, wirkte das alles immerhin unendlich surreal. Also hatten sie den Wisch irgendwann beiseite gelegt und seinen Inhalt verdrängt. Alle außer Seokjin und Hoseok jedenfalls … beide steckten in etwas, das man wahrscheinlich eine längere Beziehung nennen konnte. Ihren Maßstäben nach, verstand sich.

Jungkook erinnerte sich vage, dass beide den Schrieb äußerst kritisch betrachtet hatten. Was danach geschah, wusste er jedoch nicht. Da Pak-nim jedoch angedeutet hatte, dass Blondie nicht die Erste wäre, die diesen Wisch unterschrieb, hatte er die Antwort eventuell bereits. Immerhin kam dieser nicht bei einem simplen One Night Stand ins Spiel.

Soweit er im Bild war, hatte der Rest von ihnen gerade niemanden. Niemand ernsten, jedenfalls. Yoongi verarbeitete immer noch eine mehrere Jahre lange on and off-Beziehung. Diese hatte zwar bereits vor rund zwei Jahren ihr finales Ende gefunden, aber die Tatsache, dass sie sich Mitte letzten Jahres verlobt hatte und in diesem Sommer heiratete, hatte verständlicherweise alte Wunden erneut aufgerissen. Vor allem, da sie es beendet hatte, weil sie in dieser Sache keine Zukunft sah und es scheinbar nicht mehr aushielt, sich und ihre Beziehung vor allem und jedem zu verstecken. Er versuchte es zwar vor ihnen zu verbergen, aber die Tage und Stunden, die er momentan im Studio verbrachte, verrieten ihn.

Namjoon hatte wie Jungkook ein paar eher unschöne Erfahrungen gemacht, die ihn letzten Endes irgendwann im vergangenen Jahr die Entscheidung hatten treffen lassen, er würde sich jetzt erst einmal nur und ausschließlich auf die Musik konzentrieren. Jimin ließ es nach einer längeren Affäre gerade ebenfalls etwas ruhiger angehen. Wahrscheinlich lag das daran, dass sich auf seiner Seite letzten Endes doch Gefühle entwickelt hatten, die nicht erwidert wurden.

Ja, das passierte auch Leuten wie ihnen. Und Tae hatte seit geraumer Zeit etwas, das sich gegebenenfalls zu mehr entwickeln konnte. Aber sie war Schauspielerin und beide hatten wenig Zeit. Demnach ging alles eher langsam voran. Sehr langsam.

Aber, zurück zum eigentlichen Thema: Offensichtlich gab es Leute, die diesen Wisch unterschrieben haben mussten. In seiner Ursprungs- oder in abgewandelter Form, wie er ihm gerade vorlag.

Jungkook erinnerte sich daran, wie man ihnen das erste Mal unterbreitet hatte, dass sie von nun an jedem außer ihrer engeren Familie einen solchen Wisch unterschreiben zu lassen hatten. Sie waren entsetzt, beschämt und außer sich gewesen … aber es war wie so vieles irgendwann zur Gewohnheit geworden.

Natürlich trugen sie Wische wie diesen nicht ständig mit sich herum. Natürlich machten sie auch flüchtige Bekanntschaften ohne diese. Aber sobald man für sie mehr als eine flüchtige Bekanntschaft sein wollte, kam irgendwann so ein Wisch ins Spiel. Wobei natürlich nicht alle so hart waren wie der, der hier vor ihm lag.

“Sie wollen uns oder eher dich, ebenfalls schadensersatzpflichtig machen”, erklärte man ihm und deutete auf den entsprechenden Absatz, den er vor einigen Seiten gelesen hatte.

“Das habe ich gesehen. Ist ja im Grunde nur fair, nicht?”, sinnierte er.

Warum sollte er ohne Einschränkungen reden und dadurch gegebenenfalls ihr Leben zerstören können, wenn sie es im Gegenzug nicht durfte?

“Wir raten dir dringend davon ab, das zu unterzeichnen”, ließ ihn nun Pak Jiyong-nim wissen. Seine Miene war ernst.

Jungkook blickte überrascht auf. “Ist das wirklich so ungewöhnlich?”

Er bezweifelte, dass Hoseoks und Seokjins bessere Hälften das hier einfach so in seiner Ursprungsform unterschrieben hatten. Er kannte beide zwar bisher nur flüchtig, da sie sich aus Gründen der Sicherheit nicht ständig mit ihnen treffen konnten, aber anhand von kurzen Treffen und Erzählungen seiner Hyungs, ging er nicht davon aus. Genau genommen war er sich sogar ziemlich sicher, dass seine Hyungs die beiden diesen Wisch nicht einfach so in seiner Ursprungsform hatten unterschreiben lassen.

Mit einem unzufriedenen Kopfschütteln ließ man ihn wissen: “Nicht unbedingt, aber wir würden dir dennoch davon abraten, es zu unterschreiben. Das müssen wir schon aus Prinzip. Die Gegenseite hat einige Punkte gefordert, von denen sie nicht abrücken will.” Pak hielt inne und Jungkook sah ihn auffordernd an. Also fuhr der ältere Mann fort: “Es gibt eine erschwerte Beweispflicht, die es uns gegebenenfalls schwer machen könnte, unsere Forderungen durchzusetzen.”

“Sollte es nicht sein, sofern wir brauchbare Beweise haben, nicht? Immerhin geht's hier darum, uns zu schützen und nicht darum, uns an ihr zu bereichern”, hakte er nach und in Paks Miene veränderte sich etwas.

“Außerdem gibt es eine Klausel, die es euch erlaubt, mit der Einwilligung des anderen zu sprechen. Beidseitig", warf einer der anderen Umstehenden ein.

Jungkook zog die Stirn kraus. “War das nicht schon immer so?”

“Nicht ganz, das bezieht in diesem Fall nur euch beide ein, wir haben da kein Mitspracherecht”, stellte Pak klar.

“Nun ja, das betrifft ja auch nur uns beide und wenn ich die falsche Entscheidung treffe, stehe ich für jegliche Schäden gerade. Das ist doch bereits vertraglich geregelt. Übergreifend”, sagte er mit einem Schulterzucken und fügte leise hinzu, “außerdem hält mich eine Klausel nicht davon ab, im Zweifelsfall Rat zu suchen, wenn ich es für nötig erachte, oder etwa doch?”

Pak und Konsorten sahen äußerst unzufrieden aus. “Nein, natürlich nicht.”

Okay, er verstand. Immerhin hatte er es bereits geahnt, bevor er hierher zitiert worden war.

Sie wollten im Grunde nicht, dass Blondie unterschrieb. Problem gelöst. Für den Fall, dass sie es tat, wollten sie ihn und sich hingegen schützen. Bestmöglich. Und das taten sie offensichtlich gut, immerhin gelangte wenig von dem, was sie so trieben an die Öffentlichkeit. Allerdings war es nicht in ihrem Sinne, dass sie sich und ihn dabei schadensersatzpflichtig machten. Blondie zu schützen war dabei - wahrscheinlich bis zu einem gewissen Grad - eher nebensächlich. Sie brachte ihnen immerhin nichts ein. Ihnen oder auch den Aktionären … von denen er übrigens einer war.

Er trug das Risiko also mehrfach. Er und auch die Jungs, die an seiner Stelle - so vermutete er - nicht anders handeln würden. Und zahlreiche der anderen Künstler, die hier unter Vertrag waren, sicherlich ebenfalls nicht. Am Ende des Tages waren immerhin auch sie Menschen. Niemand von ihnen wollte ständig allein und einsam sein … und letztendlich waren es immer noch sie, die das größte Risiko trugen.

Wie auch immer, es war Blondies Aufgabe, sich zu schützen. Wer konnte es ihr übel nehmen, dass sie es - soweit es ihr möglich war - tat? Und in gewisser Weise war es auch seine Aufgabe, da sie ihm … etwas gab. Nicht nur in sexueller Hinsicht. Er mochte sie und ja … er vertraute ihr. Und er hatte nicht vor, sie beide auffliegen zu lassen - und bisher hatte sie nicht den Eindruck auf ihn vermittelt, dass es ihr da anders ging.

Die Frage war eher, ob sie unterschreiben würde … wie gesagt, er würde es nicht tun. Von ihrer Warte aus jedenfalls …

“Ich denke, das ist nur fair”, sagte er also und unterschrieb. Und aus seinen Augenwinkeln sah er die Hyänen, die ihn eingekreist hatten, unzufrieden zusammenzucken.

***

Hallo ihr Lieben, schon ist wieder eine neue Woche gestartet. Und bei uns ist der Herbst regelrecht mit der Tür ins Haus gefallen. Wtf … Samstag war ich noch im See schwimmen, heute Nacht habe ich im Bett gefroren und mir eine Decke geholt. Passt alle auf euch auf und kommt gut durch den Rest der Woche. Wir lesen uns Freitag.