Countertop (nach Chapter 29 von NaD)
Countertop (nach Chapter 29 von NaD)
Hinweis: Das folgende Chapter kann jederzeit nach Kapitel 29 von Night and Day gelesen werden.
17. Countertop
Es fiel ihm zunehmend schwer, klar zu denken. Erst recht nicht, als er vor ihr hockte und versuchte, dem verdammten Film zu folgen - während sie sich immer wieder an ihn presste und ihre Hände über seine Brust wandern ließ. Und ja, kurz hätte er seine eigenen Prinzipien über Bord geworfen und hätte sie gewähren lassen, als ihre Hände immer größer werdende Kreise über seine Brust gezogen hatten und immer mehr in Richtung seines Schoßes gewandert waren. In Richtung seines verdammten Schwanzes, der irgendwann - dem Alkohol sei Dank - die Verbindung zu seinem Hirn gekappt und die Kontrolle übernommen hatte, als er sie da hatte an der Tür stehen sehen.
Gedankenverloren und in dieser elenden Hose steckend, die ihren Hintern so wunderbar zum Vorschein brachte. So gut, dass er es irgendwann nicht mehr hatte ignorieren können. Und so war ihm der verdammte Faden gerissen, welcher auch immer es war, und so fand er sich irgendwann mit ihr in der Küchenzeile wieder, wo er sie gegen einen der Schränke presste und sie versuchte in sich aufzusaugen.
Seine Lippen pressten sich wie von selbst immer wieder gegen ihre, während sie ihm am Piercing spielte, an seiner Unterlippe knabberte oder saugte und sich seiner Zunge widmete. Eines musste er ihr lassen, sie wusste, wie sie diese Lippen nutzen musste. Übergreifend, aber auch beim Küssen. Oder vor allem beim Küssen … sie küsste auf eine verdammt verruchte Art und Weise, ohne verrucht zu sein. Sinnlich und verspielt zugleich und verdammt: Es machte ihn hart. So verdammt hart, dass er sie binnen Sekunden in den Schrank nieten wollte …
Kurz überkam ihn der Drang, sie umzudrehen und sie von hinten zu nehmen. Er konnte es regelrecht vor seinem inneren Auge sehen. Sie, wie sie über der Insel lehnte, auf Zehenspitzen stehend und sich mit den Händen abstützend, um sich weit genug oben halten zu können. Aber dann konnte er sie nicht mehr küssen und das war gerade absolut keine Option.
Also hievte er sie irgendwann mit diesem verdammten Hintern auf die Insel, befreite sie - möglichst ohne ihre Küsse lange zu unterbrechen - aus ihrer Hose und ihrem Höschen und trieb sich schließlich in sie - nachdem er sich bei der Aufgabe eines der Kondome aus seinem Rucksack aus dem Schlafzimmer zu holen fast auf die Fresse gelegt hatte.
Gott bewahre, dass er sich hier ernsthaft hingelegt hätte. Und im Grunde wäre es das einzig richtige gewesen, sich die zwei Minuten zu gönnen, um sich die verdammte Hose wenigstens halbwegs wieder hoch- und anzuziehen. Aber sein Schwanz hatte bekanntlich das Kommando und der wollte keine Sekunde zu viel verschwenden.
Eine Sekunde wünschte er, er hätte sich wenigstens so sehr betrunken, dass er ihn nicht mehr wirklich hoch bekam - wenn er sich schon so sehr verlor, dass er das Kommando übernehmen konnte. So leicht jedenfalls. Leider brauchte es da bei ihm viel. Zu viel jedenfalls. Und so bereute er es letztendlich nur eine Sekunde lang, bevor er sich wie im Rausch und von ihrem Körper, ihrer Nähe und ihren Küssen eingenommen in sie trieb. Immer und immer wieder. Benebelt von diesen kleinen verlockenden Lauten, die sie gegen seine Lippen oder in seinen Mund stöhnte, wann immer er den richtigen Winkel fand.
Und dann kam er. Viel zu schnell und viel zu unerwartet … es war nicht das erste Mal. Übergreifend nicht und beschämenderweise auch nicht mit ihr, aber es häufte sich und spitzte sich zu. Und so ärgerte es ihn und er verfluchte sich ein zweites Mal dafür, dass er sich nicht so sehr betrunken hatte, dass er keinen mehr hoch bekam. Ebenso wie er sich und seinen elenden Schedule dafür verfluchte, dass er nicht die Zeit gefunden hatte, sich vorher noch vorsorglich einen runterzuholen - so wie er sich selbst dafür verfluchte, dass er diese lächerliche No Sex-Agenda so lange verfolgt hatte.
Sie hätten diesen Abend so viel besser nutzen können, als redend. Aber … er hatte es dennoch genossen. Und das fuchste ihn einen Moment noch mehr als die Tatsache, dass er wie ein erbärmlicher 16-Jähriger viel zu schnell gekommen war.
So schnell, dass sie es mehr als offensichtlich nicht geschafft hatte. Er hatte sie also irgendwo auf halber Strecke zurückgelassen. Was passieren konnte, aber sie war nicht ehrlich zu ihm. Und das war, jedenfalls soweit er im Bild war, kein gutes Zeichen. Wenn sie einem mit Ausreden oder Lügen kamen, wollten sie nicht, dass man es versuchte. Oder sie glaubten man war blöd genug, um diese zu glauben. Und was immer es war, was sie angetrieben haben mochte - es gefiel ihm nicht und sprach nicht für ihn und seine … Performance. Daran würde er arbeiten müssen.
Und so schmollte und verfluchte er sich und sie, während sie gemeinsam ins Bad gingen. Er, um eine zu rauchen und sie, um ihm Gesellschaft zu leisten. Warum auch immer sie es tat. Sie verwirrte ihn, schoss es ihm durch den Kopf, während er sie beobachtete und sich schließlich dazu entschloss, sie auf die Probe zu stellen - und ein paar unangenehme Fragen zu stellen, die ihm zum Teil schon lange auf der Seele brannten. In manchen Fällen monatelang …
Fragen wie: “Warst du wirklich da, aus Zufall? Bei unserem Konzert?”
Ja, er zweifelte ihre Geschichte an. Tat es seit dem ersten Tag an, obwohl er ihr glauben wollte. Wenigstens ein Teil von ihm wollte das.
"Ja", gab Blondie fest zurück, “das war nicht besagte Freundin, für die ich eingesprungen bin. Das war eine Arbeitskollegin, wir gehen heute Abend zusammen zu einer Cluberöffnung. Also … ich und ein paar Frauen, die ich bei Soulcycle kennengelernt habe. Die wissen alle ganz sicher nicht einmal, was K-Pop ist.”
Das klang ehrlich. Also nickte er und nahm einen weiteren Zug. “Weiß jemand-”, er stockte, wappnete sich für Frage Nummer zwei. Die Frage, die ihn heute immer wieder gerädert hatte. “Ich … hier?”, gelang es dem Idioten, der er war, nicht die richtigen Worte zu finden.
Jungkook hasste wie brüchig, unvollständig und wackelig sein Englisch nach wie vor klang, Eine weitere Sache, an der er arbeiten musste. Er hatte es leid, sich so unfassbar … ungebildet in ihrer Gegenwart zu fühlen. Wenigstens was das Sprachliche anging.
“Dass du hier bist?”, schloss sie wie so oft richtig. “Jasper”, entgegnete sie leise, aber scheinbar ehrlich, “du erinnerst dich, mein Freund aus dem Hotel. Er hat mir geholfen, Getränke hochzubringen und … aufzuräumen. Aber er kennt keine Details.”
Ja, das warf ihn einen Moment etwas zurück. Er hatte es sich gedacht, allerdings war es etwas anderes, es laut ausgesprochen zu hören. Aber …. wenigstens war sie ehrlich. Was ihn erneut umso verwirrter zurückließ, da sie ihm wenigstens mit so manchem Eingeständnis Angriffsfläche bot. Im Grunde bedeutete das aber, dass sie ihm vertraute. Weit genug, um in dieser Sache ehrlich zu sein.
“Okay”, gab er also wenig einfallsreich zurück und nahm einen weiteren Zug, um die Nervosität zu bekämpfen, die aufzusteigen schien.
Ja, er mochte nicht, dass sie mit anderen Menschen über sie redete. Aber er war nicht weltfremd und realitätsfern genug, um nicht nachvollziehen zu können, warum sie es tat … oder manchmal tun musste.
“Okay? Das heißt jetzt, was? Dass ich bald eine Rechnung bekomme, oder-” Ihre Stimme zitterte, als sie hörbar ungläubig antwortete.
Einen Moment schwieg er, sah sie an und konnte dabei deutlich sehen, wie ihre Anspannung mit jeder Sekunde weiter anstieg. Ein weiteres Zeichen dafür, dass sie ehrlich war und wusste, was auf dem Spiel stand. “Nein. Aber … bleibt besser unter uns”, gab er schließlich zurück. Oder versuchte es jedenfalls. “Nicht zu sprechen ist-”, setzte er an, um das Thema zu vertiefen. Weil er im Grunde verstand, was sie antrieb. Natürlich tat er das, sei es auch nur ansatzweise. Allerdings ließen ihn seine dürftigen Sprachkenntnisse wieder einmal im Stich. Also zuckte er hilflos mit den Schultern und hoffte, sie verstand auch so, wie sie es meistens zu tun schien.
Und das schien sie. Wie so oft, was ein weiteres dieser absolut schrägen Dinge war, die er bisher nur bei ihr erlebt hatte. Sie verstanden sich, teilweise sogar ganz ohne Worte. “Ich-wir … wir sprechen selten über dich, und wenn auch nur, weil ich Rat brauche, oder-” Wieder zitterte ihre Stimme, wieder machte sie eine kleine Pause, um sich zu sammeln, bevor sie ihn wissen ließ: “Ich bin ehrlich, das ist manchmal ziemlich verwirrend und-” Nun war sie es, die hilflos mit den Schultern zuckte.
“Ich verstehe", ließ er sie wissen, weil er genau das tat. “Ich rede auch darüber. Nicht mit vielen ... aber ich verstehe.”
Ja, sie lebten - was das anging - in gänzlich verschiedenen Welten. Aber das hier war, was sie verband. Sie und er und Momente wie dieser. Und sie beide schienen wenigstens teilweise zu verstehen, wie sich das alles auf den anderen in seiner eigenen Welt auswirkte. Oder auch, sie versuchten es zu verstehen. Und der Gedanke, was das bedeuten könnte - und was das bei ihm auslöste, verwirrte ihn umso mehr. Ließ seinen nach wie vor vom zurückliegenden Orgasmus benebelten Verstand übertakten und plagte ihn mit einer ganzen Reihe weiterer Fragen, auf die er keine Antworten bekommen würde - weil er sie nicht stellen konnte und wollte.
Was empfand sie für ihn, war beispielsweise eine davon? Dicht gefolgt von der, was er für sie empfand und was das alles für sie bedeutete und wo es enden würde? Nichts Gutes, das wusste er, auch wenn er es nicht wagte, besagte Fragen zu stellen. Weder sich noch ihr … vor allem, da er die Antworten bereits wusste. Unausgesprochen oder nicht …
Hier ging es schon lange nicht mehr nur um Sex. Allein, dass er heute hier war, bestätigte das mehr als deutlich. Unterstrichen von der Wirkung, die sie auf ihn hatte. Allein wie sie da saß und ihm offen und ehrlich gestand, dass sie die Regeln gebrochen hatte. Weil sie ihm zu vertrauen schien. Dabei war er ein Teil des Problems, das der Feind darstellte. Der Feind, den er stets in seinem Sack voller Scheiße mit sich umher schleppte. Der Sack, der aus einer gigantisch großen Sprachbarriere und weitaus mehr als einem Grund bestand, der gegen ihn sprach. Heimlichkeiten, Geldstrafen und den Konsequenzen, wenn sie aufflogen zum Beispiel. Immerhin gab es da draußen jede Menge Leute, denen es missfallen würde, wenn das hier kein Geheimnis mehr sein würde. Und das bezog sich nicht nur auf einen Teil der Fans …
Etwas sagte ihm, sie war sich der Scheiße ebenso bewusst, wie er es sich war. Wenigstens zum Teil. Das verrieten ihm ihre Fragen, aber auch ihr Verhalten. Denn ja, sie hatte Regeln gebrochen, aber nicht auf die Art und Weise, wie er es gewohnt war oder zu Beginn befürchtet hatte. Vertrauenswürdig genug, dass sein Vertrauen zu ihr zunehmend wuchs. Und das war im Grunde ebenso besorgniserregend wie der Fakt, dass seine Ausdauer zunehmend zu sinken schien, wenn es um sie ging.
Wie bereits gesagt, gefiel es ihm nicht … allerdings schien auch das Missfallen mehr und mehr zu schrumpfen, umso mehr er darüber nachdachte, all dem ein Ende zu bereiten. Dazu war er bereits zu tief drin. Hatte sich viel zu sehr auf sie und diesen Irrsinn eingelassen. Und etwas sagte ihm, ihr ging es nicht anders.
***
Joah …wie auch das letzte Chapter, war dieses etwas *heißer*. Hoffe, das war euch nicht zu viel. ;) Vor allem, da JKs Sicht in diesen Dingen etwas weniger blumig ist.
An dieser Stelle übrigens wie so oft: Danke für die ganzen Votes, Kommentare, Favoriten und Co. Zudem sind scheinbar einige neue Leser dazu gekommen. Willkommen, ihr Lieben. Habt morgen einen schönen Feiertag, ich hoffe, ihr habt etwas Schönes vor.