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Afterglow (nach Chapter 31 von NaD)

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Afterglow (nach Chapter 31 von NaD)

Hinweis: Das folgende Chapter kann jederzeit nach Kapitel 31 von Night and Day gelesen werden.

19. Afterglow

Im Grunde war es nicht wirklich seine Absicht gewesen, heute hierher zu kommen. Ja, er hatte sie gefragt wie dieser verdammte Club hieß und ja, er hatte Joon davon erzählt - in einem schwachen Moment, in dem er noch vom verdammten Afterglow geblendet gewesen war, das diese surreale Nacht, die er mit ihr verbracht hatte, in ihm hinterlassen hatte.

Natürlich hätte er damit rechnen können, dass Joon schon alleine aufgrund des Namens wenigstens ein kleines Bisschen neugierig sein würde. Neugierig genug jedenfalls, um kurz zu googeln. Dass es damit enden würde, dass sie aber alle ernsthaft in diesem Laden enden würden, damit hatte er nicht gerechnet.

Das Ganze war zu einem verdammten Selbstläufer geworden. Erst war Joon äußerst interessiert gewesen, dann klinkte sich ausgerechnet Yoongi mit ein und schließlich auch Jimin. Einzig Tae blieb zurück, da er mit einer fetten Erkältung flach lag und diese lieber auskurieren wollte. Aber ein Gutes hatte es: Wenigstens Jin und Hoseok würden das hier nicht aus nächster Nähe miterleben. Die mussten aufgrund von anderen Verpflichtungen nämlich in Südkorea bleiben und würden erst in zwei Tagen hinzustoßen.

Das Ding war, dass sie wegen Aufnahmen für ein paar kommende Projekte hier waren. Hier im Sinne von in einem kleinen Anwesen außerhalb des Stadtkerns - und sowas wurde erfahrungsgemäß schnell langweilig. Irgendwann wollte man also raus aus dem Anwesen und der Aufnahmekabine und da kam einem jede Abwechslung recht. Und da es eh die Runde gemacht hatte, dass sie hier waren, hatten sie auch nichts zu verlieren. Dachten seine Hyungs jedenfalls … woher er von diesem Club inklusive seiner Eröffnung wusste, hatte er nämlich nicht erwähnt. Weil er es nicht für nötig gehalten hatte.

Welche Folgen das hätte haben können, war ihm immerhin nicht in den Sinn gekommen … oder auch viel zu spät.

Und nun waren sie also hier … auf der Empore, von der er aus in die Menge blickte, in der sich Blondie irgendwo befand. Jedenfalls tat sie das seinen Informationen nach. Bisher war er allerdings nicht fündig geworden, was dafür sprach, dass er eventuell Glück im Unglück haben könnte. Vielleicht hatte sie nach ihrer gemeinsamen Nacht doch einen Rückzieher gemacht. Immerhin hatte sie wenig Schlaf bekommen … ebenso wie er es hatte, aber im Gegensatz zu ihm, hatte sie sich vielleicht noch etwas hinlegen können. Dennoch war sehr gut möglich, dass sie sich entschieden hatte, zuhause zu bleiben.

Jungkook hoffte es inständig. Nicht, weil er ihr das hier nicht gönnte und auch nicht, weil ihn der Gedanke sie hier zu sehen nicht doch irgendwie kirre machte. Allerdings wusste er, dass das keine guten Konsequenzen haben würde … je nachdem, wer sie hier noch so sah.

Ihm blieb also nur zu hoffen und sich eine gute Ausrede auszudenken. Wenn das hier doch noch auf die eine oder andere Art und Weise aufflog. Bei ihr, weil sie ihn hier im Club sah - entweder vor Ort, weil sie doch irgendwo dort unten in der Menge lauerte, oder später im Internet, wo das hier sicherlich die Runde machen würde. Hier blieb ihm jedoch die Hoffnung, dass sie so etwas nicht erreichen würde. Und dann war die Variante B: Die Jungs würden herausfinden, was hier vorging und was er sich bei dieser Aktion gedacht hatte, ohne zu denken.

Oder, und das war das verdammte Endzeitszenario, Nahm und Co. bekamen davon Wind, dass sie hier war. Und er war sich ziemlich sicher, dass das ebenfalls etwas war, was sie im Strahl kotzen und mit ihren Schadensersatzforderungen mit der Aufschrift “Verletzung der Sorgfaltspflicht” wedeln lassen würde …

Kleine nette Zahlungen, die sie ihnen manchmal aufbrummten, um sie in Zukunft davon abzuhalten, unüberlegte Fehler zu machen - bevorzugt, wenn sie ihnen zu oft in Folge zu viel riskierten oder ihnen zu unvorsichtig gewesen waren. Und Jungkook war sich sicher, dass bei ihm aktuell nicht mehr viel fehlte, bis der erste Wisch anflatterte. Zwar taten diese Zahlungen im Grunde noch nicht weh, aber wenn sie sich häuften, konnte das natürlich schon eine gewisse Wirkung haben. Demnach war das wahrscheinlich wie bei Katzen, die man bei unerwünschten Verhalten immer wieder mit Wasser abspritzte, in der Hoffnung, dass sie es irgendwann leid waren.

Offensichtlich funktionierte das stets nur bedingt … wobei er es bisher eher wenig wild getrieben und demnach eher selten in den fragwürdigen Genuss gekommen war. Aber bekanntlich gab es für alles ein erstes Mal.

So wie für Situationen wie diese, in der er sich gerade befand. Inmitten des Selbstläufers, aus dem es jetzt kein Zurück mehr gab. Jetzt noch zu behaupten, er hätte keine Lust auf Clubbing, wäre immerhin suboptimal. So würde er immerhin nicht herausfinden, ob sie hier war - und seien wir ehrlich, nur deshalb war er noch hier. Zudem konnte er nicht vermeiden, dass sie den anderen Jungs auffiel, wenn sie sie sahen. Jimin hatte sie nur kurz gesehen, also lag nahe, dass Jungkook da nicht allzu viel befürchten musste. Bei Namjoon war er sich da aber alles andere als sicher …

Es gab also kein wirkliches Zurück, das Beste wäre es jedoch, wenigstens ihren Leader einzuweihen. Da er aber absolut gut und geübt in Sachen Verdrängung war, berief er sich auf die Hoffnung, dass Blondie den Partyabend geknickt hatte - und machte sich daran etwas gegen die Zweifel und die Nervosität zu tun - indem er trank. Und das war leichter getan als gesagt - denn der schrullige Clubbesitzer, der noch nervöser zu sein schien als Jungkook es war, versorgte sie wie viele es tun würden mit Getränken aufs Haus.

Egal welcher Art und egal was es kosten würde, hatte er gesagt. Und ja, Angebote wie dieses waren ihnen nicht fremd, jedoch nach wie vor unangenehm und sie würden wenigstens obligatorisch versuchen zu zahlen - meistens prallten sie allerdings ab und nahmen den Tausch Freigetränke und kostenlose Snacks oder Speisen für etwas Publicity hin. Immerhin schien der Club es verdient zu haben.

Seine Hyungs schienen begeistert zu sein, allen voran Joon, der die Gemälde an den Wänden und die Schriften immer wieder interessiert studierte, während die beiden jüngsten in der Runde sich Cocktails und andere Drinks hinter die Binsen kippten. Jimin, weil er scheinbar den Hauch der Freiheit und des Gefühls, mal halbwegs normal zu sein genoss, und Jungkook bekanntlich, weil er sich das eine oder andere Gefühl wegkippen musste.

Und es funktionierte. So gut, dass er mit der Zeit lockerer wurde. Praktischerweise im Verhältnis zum Gefühl der Leichtigkeit, die sich mit jedem Drink mehr und mehr in ihm breit machte. Leider trübte es auch seine Sicht. Und während das zum einen praktisch war, weil es die Menge unter ihnen, die sie so skeptisch und sensationsgeil begafften, zu einer gesichtslosen Masse verschwimmen ließ - die ihn nicht mehr abschreckte, sondern eher vertraut zu wirken begann - machte es die Suche nach ihr schwer.

Dem eigentlichen Grund seines Hierseins … und nach dem zigsten Drink - er hatte aufgehört zu zählen - und während sein Kopf angenehm leicht und leer war, erblickte er sie schließlich. Unten links, in einer der Sitzecken. Und verdammt, sie sah gut aus … und alles andere als erbost darüber, dass er die Party hier geentert hatte. Und das beflügelte. Ihr Lächeln und der Ausschnitt ihres Kleids, das ihre Kurven so wunderbar umspielte. Ebenso wie ihr Haar, das in sanften und wohl geformten Locken ihre nackten Schultern umspielte. Nackt, weil das Kleid nur von dünnen Trägern über diesen gehalten wurde. Und sie glänzte …funkelte mit dem Licht der Discokugel um die Wette, die lauter kleine Lichtkugeln durch das Innere des Clubs warf.

Ihr Anblick schoss ihm gemeinsam mit dem Alkohol und der Musik, die ihn umgab, zu Kopf. Queen, nahm er nicht mehr ganz seiner selbst wahr und spürte, wie dieser Teil von ihm, den er sonst nur auf der Bühne beschwören konnte, die Kontrolle übernahm. Und so ließ er sich mitreißen, vergaß kurz alles um sich herum, außer den Klängen, den Gesang der gesichtslosen Meute und ihrem Lächeln, das er immer wieder durch die Lichtkugeln, die sie und den Rest des Clubs erhellten, sah.

Ein weiterer Drink, ein weiterer Song, ein weiteres -

Lächeln, wollte er benebelt sagen, aber sie war weg. Und mit ihr war es sein Handy. Doch bevor er sich darüber Gedanken machen konnte, war Jimin bei ihm und lotste ihn mit irgendeiner sinnfreien Ausrede zurück zu einem der Sofas. Und weil es ihm an Kontrolle und Beherrschung fehlte, folgte er ihm. Nahm sich vor, einem der Bodyguards zu sagen, dass sein Handy verschwunden war - vergaß es aber, über die einnehmenden Lichtkugeln hier oben und den Alkohol, der seinen Kopf so angenehm benebelte, hinweg.

Was folgte waren ein paar verzerrte Bilder, die mit dem nächsten Drink zunahmen. Ein Zeichen dafür, dass er langsamer machen musste. Ebenso wie die vernebelte Feststellung, dass er eindeutig zu verdächtig aufschreckte, als er ein paar schulterlange blonde Locken durch sein Blickfeld schwimmen sah. Er verengte die Augen, streifte ihren Blick - den sie mit einem Lächeln erwiderte und auf ihn zutrat. Auf ihn und das Sofa. Wie sie alle Hürden zu überwinden schien, weil sie Blickkontakt hielten. Jungkook spürte die fragenden Blicke ihrer Bodyguards auf sich ruhen. Aber er war bekanntlich nicht ganz bei sich und tat nichts … also ließen sie sie passieren.

Das Sofa sackte einige Zentimeter neben ihm ein und er hörte sie sprechen. “Hi”, sagte sie und lächelte ihn erneut an. Doch er reagierte nicht, da dass da nicht Blondie war und der Alkohol ihn langsamer als eh schon machte. Seine Zunge war schwer und untätig. Hing wie ein Lappen in seinem Mund, während er sie einfach nur schweigend ansah und sich an den Drink in seiner Hand klammerte. Einen weiteren Schluck nahm, während er sie nach wie vor weiterhin wortlos ansah. Und damit verschwamm alles um ihn herum gänzlich.