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Hungover (nach Chapter 33 von NaD)

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Hungover (nach Chapter 33 von NaD)

Hinweis: Das folgende Chapter kann jederzeit nach Kapitel 33 von Night and Day gelesen werden.

21. Hungover

“Es tut mir leid, Hyung”, ließ er leise verlauten, während er die Tür zu Jimins Zimmer möglichst lautlos hinter sich schloss und in dieses trat. Ebenfalls auf jeden Schritt bedacht, den er tat. Zum einen, weil auch ihm zu laute Geräusche nach wie vor Kopfschmerzen bereiteten …

… zum anderen aber auch, weil besagter Hyung - nachdem er ihm die Tür geöffnet hatte - mittlerweile wieder im Bett des abgedunkelten Raumes saß und so aussah, als würde es ihm ähnlich ergehen. “Für was?”, meldete er sich mit rauer Stimme zu Wort und nahm einen Schluck Wasser aus einer Flasche, die der an die Jungkook sich nach wie vor klammerte zum Verwechseln ähnlich sah, “du hast mich nicht gezwungen, mit schönen Frauen zu flirten.”

Einen Moment ließ Jungkook die Worte unbeanwortet zwischen ihnen im Raum stehen. Sah sich in diesem um. Sein Blick fiel auf Jimins Macbook, das aufgeklappt auf der Bettkante lag. Es schien in den Standby gefallen zu sein, was das kleine Lämpchen an der Seite ihm verriet, das immer wieder aufleuchtete. Dass es das tat und das Ladekabel auf dem Nachtschrank lag, sagte ihm jedoch auch, dass es das wahrscheinlich noch nicht allzu lange tat.

Die meisten von ihnen vergaßen oft und gerne, elektronische Geräte wie diese auszuschalten und aufzuladen. Allen voran Jimin, weshalb seine meistens dann ihren Dienst versagten, wenn er sie nutzen wollte. Alles sprach also dafür, dass er es zuvor eingesteckt und geladen hatte. Und dementsprechend auch genutzt, um sich eine grobe Übersicht über das Ausmaß der Katastrophe zu verschaffen, in der er sich gerade befand.

“Hätte ich euch nicht in den Club geschleppt, wäre das alles nicht passiert”, sagte der Jüngere und ließ sich ebenfalls aufs Bett fallen. Genau neben den Laptop, den er an sich zog und entsperrte.

Jimin war einer derjenigen in der Band, die seine Pins und Co. wussten - und ebenso wusste er die seinen. Aus Sicherheitsgründen, aber auch, weil sie sich so unfassbar nahe standen. Er war wie ein großer Bruder - und noch mehr. Bester Freund und großer Bruder in einem. Und ja, ihnen war mehr als nur bewusst, dass es für Außenstehende oft und gerne so aussah, als wäre da mehr … nicht ganz unbeabsichtigt. Allerdings standen sie sich auch übergreifend so nahe, dass man sie manchmal missverstand und ihre Nähe falsch deutete.

Wie auch immer, er kannte Jimins Pin und entsperrte dessen Macbook demnach schweigend, um sich ebenfalls einen groben Einblick zu verschaffen. Wie erwartet führte es ihn auf Jimins geheimes Naver-Profil - im Hintergrund hatte er jedoch auch Twitter, Instagram und Weibo geöffnet. Fast alle von ihnen waren auf jeder Plattform vertreten, wie es die Fans häufig vermuteten. Nur dass sie meist bedeutend diskreter waren, als so mancher Fan es zu vermuten schien.

Natürlich war auch er während seiner Reisen durch das World Wide Web des Fandoms über so manchen Fake gestolpert. Meistens bestanden diese aus einer Ansammlung von Bildern von Freunden und Familienmitgliedern - oder aber aus Bildern, die man anscheinend irgendwo im Netz gefunden und gewählt hatte, weil sie passten. Wenn man nicht absolut indiskret auf offizielle Bilder zurückgriff und demnach nur schwer von einem Fanaccount zu unterscheiden war …

Die Wahrheit sah jedoch anders aus. Sie hießen Ian, Gunter, CrazyGonzales, Lauren_on_the_hunt oder Autmn758 … um nur wenige Beispiele zu nennen. Und sie hatten nur selten Fotos oder Follower. Ebenso wenig beteiligten sich die meisten von ihnen an Diskussionen oder Ähnlichem. Meistens jedenfalls nicht. Natürlich war ihnen manchmal danach, zu trollen oder den Kontakt zu suchen. Das war vor allem Taes Ding. Meistens ging es jedoch eher darum, nicht aufzufallen. Gesichtslos in der Masse zu verschwinden und wie Geister unter ihnen zu wandeln.

Heute war einer dieser Tage, an denen sie darauf bedacht waren, möglichst im Hintergrund zu bleiben. Also agierte Jungkook behutsam und bedacht, während er sich durch die zahlreichen Threads, Posts und mehr wühlte, die sich bei Jimins Suche aufgetan hatten - und teils auch ganz ohne eine starten zu müssen. Auf vielen Portalen waren er und die geheimnisvolle Fremde namens Elle gerade nämlich eines der Top-Themen. Das und die 1001. Theorien, was zwischen ihnen abgelaufen sein könnte.

Da auch Jungkook, dem Alkohol sei Dank, nicht die geringste Ahnung hatte, welche Theorie eventuell gefährlich nahe an der Wahrheit kratzte, fragte er behutsam nach - bevor sein Hyung seine Frage beantworten konnte, klopfte es jedoch erneut an der Tür. Nachdem er einen Blick mit Jimin getauscht hatte, stand er auf und öffnete diese. Wie ein Geist taumelte nun Tae zu ihnen in das nach wie vor abgedunkelte Zimmer. Langsam und bedacht - die beiden anderen Männer musternd.

“Krisenbesprechungen?”, wollte er heiser wissen, während er sich auf dem Stuhl niederließ, der neben einem Schreibtisch stand. Heiser, weil die Erkältung mittlerweile scheinbar auf seine Stimmbänder übergegangen war. Jimin nahm schulterzuckend einen weiteren Schluck Wasser und Jungkook ließ sich schweigend zurück auf die Bettkante sinken. Und das war alles, was der Dritte in der Runde als Bestätigung benötigte.

“Wie viel weißt du?”, wollte der Älteste ihrer kleinen Runde wissen.

“Du und eine Frau?! Ich habe es bei Naver gesehen - und ein paar Posts bei Twitter”, gab Tae zurück und auch das war alles, was sie wissen mussten. Er wusste scheinbar alles, was es zu wissen gab. Also ließ Jimin ihn das wissen - was Taehyung nahezu noch einmal dieselbe Frage stellen ließ, die auch Jungkook zuvor gestellt hatte. Die Frage, die sie sich in solchen Situationen immer stellten - die jedoch unbeantwortet geblieben war.

Bisher jedenfalls …

Jimin zuckte mit den Schultern, nahm einen weiteren Schluck Wasser und entgegnete dann: “Wir haben geredet, offensichtlich etwas zu vertraut. Das war es aber auch schon. Man hat mich wie ihn nahezu hierher tragen müssen”, sagte er mit einem Nicken in Richtung des Jüngsten und fuhr fort: “Sie war nicht hier und wir haben auch keine Nummern getauscht. Aber du weißt, wie sie sind …”

Da der Redeschwall des Älteren verstummte, Jungkook aber tatsächlich wusste, wie sie so waren, nickte er. “Und nun? Haben sie dich schon zu einem Gespräch beordert?”

Ein Nicken. “Nahm rief mich heute morgen direkt an und gab mir den üblichen Talk, ala unnötiger Unvorsicht und den Schaden, den ich mit solcher anrichten kann. Alles weitere werden wir bei einem persönlichen Gespräch klären, wenn wir wieder in Seoul sind. Bis dahin werden sie die Lage weiterhin im Auge behalten.”

“Wie gesagt, es tut mir leid-”, setzte der Jüngere erneut an, doch sein Hyung fuhr ihm dazwischen.

“Wie gesagt, muss es nicht”, sagte er, rutschte etwas zu ihm runter, klappte den Laptop zu und schwang seine Beine aus dem Bett. Im Anschluss richtete er sich auf, stellte seine Wasserflasche auf dem Nachttisch ab und machte sich auf den Weg ins Bad.

Im Türrahmen angekommen machte er jedoch kurz Halt, wandte sich noch einmal zu Jungkook um und raunte mit einem breiten Grinsen: “Ich habe trotzdem was gut bei dir. Ich habe euch beiden den verdammten Arsch gerettet, ich hoffe, das ist dir bewusst. Sie sind nämlich so beschäftigt mit der lächerlichen Scheiße, die ich angerichtet habe, dass sie alles andere ausgeblendet haben.”

“Bin ich mir”, flüsterte der Jüngere und schenkte dem älteren Mann ein müdes Lächeln.

Jimin seufzte und sein Blick ging kurz ins Leere. “Ich habe zu lange und zu intensiv mit einer Frau gesprochen und die Welt steht in Flammen”, flüsterte er hörbar benommen.

“Das wird wieder verebben, das weißt du”, gab Taehyung tröstlich zurück.

“Ja, ich weiß, aber”, der Ältere stockte, sah auf und lehnte sich einen Moment gegen den Türrahmen. “Ist immerhin nicht das erste Mal, dass so etwas passiert. Wir alle haben das schon mehrfach erlebt. Aber es ist immer wieder surreal, egal wie oft es auch passieren mag.”

Jungkook nickte, weil sein Gegenüber recht hatte. Und aus den Augenwinkeln sah er, dass es ihm Tae gleich tat. Denn ja. Das war es. Jedesmal aufs Neue. Ebenso wie es ermüdend war, stets jede Handlung, jeden Schritt und jedes Wort, das sie sagten, ganz genau zu überdenken. Aber … das war einer der Preise, die sie für ihren Traum zu zahlen hatten. Damit würden sie leben müssen, auch wenn ihnen der Preis manchmal etwas zu hoch erscheinen mochte.

Nachdem Jimin im Bad verschwunden war, verfielen die beiden anderen Männer in Schweigen. Ein Schweigen, das Taehyung schließlich brach, als sie im Bad das Wasser rauschen hörten. Ein Zeichen dafür, dass Jimin wahrscheinlich unter der Dusche stand.

“Du riskierst viel … für sie .. oder auch wegen ihr.” Eine Feststellung und keine Frage …

… deshalb wusste er auch nicht, wie er darauf reagieren sollte. Oder was genau die richtige Antwort war. Also versuchte er es mit einem Schulterzucken. Wohl wissend, dass das nicht genügen würde. Natürlich hatte er geahnt, dass sein kleiner Fauxpas schnell die Runde machen würde. Jedenfalls in ihrer kleinen, exklusiven Runde - die aus sieben Personen bestand.

Wie erwartet, lachte Taehyung bestätigend auf. “Komm schon. Offensichtlich ist sie dir unter die Haut gegangen. Was an sich schön ist … aber-” Tae sah ihn milde lächelnd an.

Und er nickte wissend. Ja, das war etwas Schönes - nicht aber, wenn er darüber den verdammten Verstand verlor. “Ich habe nicht nachgedacht. Kommt nicht nochmal vor.” Das elende Lächeln wollte nicht aus Taes Visage verschwinden. Also fügte er - minimal gereizt an: “Ich weiß, wie selten dämlich das war-”

“Darum gehts mir nicht”, fuhr ihm sein Hyung sanft aber bestimmt dazwischen, “du magst sie. Es zu verdrängen macht es nicht besser. Du musst dich damit auseinander-”

“Ich weiß”, fuhr nun Jungkook dem anderen ins Wort. Allerdings weniger sanft als bestimmt. “Du klingst schon wie Yoongi, verdammt.”

“Das ist nichts Schlechtes", lachte Taehyung leise, “aber auch ein Zeichen dafür, dass wir recht haben und es nur gut mit dir meinen. Es zu verdrängen, mag erst einmal einfacher wirken. Aber-”

Die Badezimmertür öffnete sich und Jimin trat ins Zimmer. In einen Bademantel gehüllt und sich das Haar trockenrubbelnd. “Nur Sex, das funktioniert meistens nicht. Auf kurz oder lang verliebt sich wer. Körperliche Nähe und sowas. Das macht was mit uns. Simple Psychologie. Und seien wir ehrlich, niemand und deine Mama nimmt dir dieses ‘Man hat mir den hoffnungslosen Romantiker vollkommen ausgetrieben’-Gefasel wirklich ab.”

“Ich habe nie behauptet, dass ich-” Er stockte, weil gut … vielleicht hatte er das.

“Du bist nicht der Blechmann aus der Zauberer von Oz. Der ohne Herz”, warf Taehyung ein.

“Das ist mir bewusst. Das habe ich so definitiv nicht behauptet”, gab er zurück. Hatte er nämlich tatsächlich nicht. “Aber … es hat uns beide erwischt. Das macht es echt nicht einfacher.” Keine Ahnung, warum er das nun zu seiner Verteidigung einwerfen musste. Er konnte jedoch nicht anders. Da die beiden anderen Männer schwiegen, fragte er minimal gereizt nach: “Was?”

“Das ist kein Geheimnis mehr - auch wenn du es bisher nicht wirklich gewagt hast, auszusprechen. Ihr beide verbiegt euch etwas zu sehr, um das alles am Laufen zu halten. Also … den Fast-Sex und so”, gab Jimin zurück, während er sich langam anzog. Unter dem Schutz des Bademantels - jedenfalls zum Teil.

Aber ja ... sie hatten auch dahingehend die Hemmungen voreinander verloren. Was nicht ausblieb, wenn man jahrelang so nah beieinander hauste, wie sie es getan hatten.

“Fast-Sex?”, hakte Taehyung äußerst interessiert nach.

Und ja, Jungkook ärgerte sich, dass er dahingehend mal wieder nicht die Klappe hatte halten können, als Jimin ihn gestern kurz nachdem er von Blondie zurückgekommen war, ausgequetscht hatte.

Jimin lachte, zog sich den Bademantel aus und brachte ihn zurück ins Badezimmer, wo er ihn an einen der dafür vorgesehenen Haken hing. “Das habe ich auch gefragt. Jetzt mal ernsthaft, was stellt man sich darunter vor? Dass sie zusammen masturbiert haben … nicht dass sie einen Quickie auf ihrer Kücheninsel hatten”, warf er ihnen durch die geöffnete Badezimmertür zu.

“Nein, ich meinte … kein-” Ehrlich gesagt hatte er keine Ahnung, was er da gestern total verballert gemeint und von sich gegeben hatte. "Ausgiebigen Sex. Bei dem man sich Zeit füreinander lässt. Das ist doch nicht dasselbe”, versuchte er zu retten, was nicht zu retten war.

“Also Liebemachen?”, wollte Taehyung wissen.

“Nein”, entwischte es ihm peinlich berührt und viel zu schnell, “das ist doch auch wieder etwas anderes. Das ist-”

“Wenn man Gefühle füreinander hat. Wie ihr sie offensichtlich füreinander habt. Da will man natürlich nicht nur eine schnelle Nummer auf der Kücheninsel schieben, da will man sich Zeit füreinander lassen. Weil man nicht genug voneinander bekommen kann”, warf Jimin schelmisch grinsend ein …

… dass da mehr als nur die Nummer auf der Insel gewesen war, behielt er für sich. Warum auch immer, etwas sagte ihm, dass das gerade wenig hilfreich wäre. Also schwieg er und schluckte, was auch immer er impulsiv von sich geben konnte, herunter.

“Du magst sie. Dass es dir nicht genug ist, einfach das Schiff zu versenken, ist also vollkommen okay”, versicherte Jimin ihm und legte ihm die Hand auf die Schulter.

“Was habt ihr sonst so gemacht?”, wollte schließlich Taehyung wissen. Und als er bedeutungsschwer schwieg, fügte er hinzu: “Komm schon, ein paar Details bist du uns schuldig. Auch wenn sie nicht schmutzig sind. Immerhin war es unsere Idee, sie zu besuchen.”

“Stimmt”, stimmte Jimin ein und begann ihn zu massieren. “Außerdem bist du mir noch etwas schuldig. Schon vergessen?”

Und Jungkook schluckte … weil er wusste, dass er sich mit jedem weiteren Wort selbst zum Abschuss freigeben würde. “Wir haben gegessen und Filme geschaut”, flüsterte er dann aber doch. Weil sie recht hatten. Er war ihnen beiden etwas schuldig. Und es brachte nichts, was auch immer da zwischen ihm und Blondie war, totzuschweigen. Zudem waren ihm diese Details tatsächlich lieber, als die schmutzigen. Letztere wollte er nämlich nicht teilen. Letztere wollte er allein für sich.

***

Meine Lieben, hier sind wir wieder. An dieser Stelle schon einmal danke für eure zahlreichen Kommentare zu meiner Frage über das Splitten des Chapters oder nicht - ihr habt mir da bei der Entscheidung echt weitergeholfen.

Dieses Chapter ist für Jasbir. Ich hoffe, ich kam deinem Wunsch wenigstens halbwegs nahe. Demnach auch hier nochmal als Ausruf an alle, wenn ihr etwas Bestimmtes aus JKs Sicht lesen wollt, lasst es mich gerne wissen. Habt alle einen wundervollen Tag.