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Jeju (nach Chapter 33 von NaD)

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Jeju (nach Chapter 33 von NaD)

Hinweis: Das folgende Chapter kann jederzeit nach Kapitel 33 von Night and Day gelesen werden.

22. Jeju

- Anfang Juli 2022 -

“Ihr seid Spaßbremsen”, tönte Gunwoo sichtlich missgelaunt in die Runde, die sich um den Grill herum erstreckte, den sie genau zwischen ihren beiden Zelten positioniert hatten.

Wie gewünscht, lagen diese direkt nebeneinander und eigentlich hätte Hyunjin heute ihre Runde vervollständigen sollen. Allerdings war er kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen ausgefallen und Gunwoo war eingesprungen. An sich störte Jungkook das nicht, aber da er den jungen Mann, der ein guter Freund von Yejun war, bisher nur zweimal zuvor gesehen hatte, machte ihn das zugegeben wenigstens etwas nervös und argwöhnisch.

Und ja, deshalb waren sie - also er und Mingyu als das zweite Idol in der Runde - noch größere Spaßbremsen als sie es eh schon waren.

Nicht dass sie unter anderen Umständen dazu bereit gewesen wären, den Abend spontan zu einer größeren Gruppe wildfremder Menschen zu verlegen. Allen voran noch überwiegend zu nicht-asiatischen Fremden. Ja, das mochte eventuell den Vorteil haben, dass man sie nicht kannte. Die Betonung lag hier jedoch auf eventuell. Und das würde er sehr klein schreiben, da sich unter der Gruppe, die aus schätzungsweise zwölf Leuten bestand, die sich zusammengetan zu haben schienen, auch Koreaner befanden.

Selbst wenn ein Teil sie also nicht kannte und davon ausging, dass es sich bei ihnen ebenfalls um 08/15-Urlauber handelte, hieß das nicht, dass das so bleiben würde. Zudem machten sie Videos und Fotos. Reichlich … und es befanden sich Frauen unter ihnen. Viele Frauen, die alle in ihrer Altersklasse waren. Das roch in dieser Kombination also nach Ärger. Ärger, dem sie meistens versuchten, so weit es ging aus dem Weg zu gehen. Vor allem aber er … er hatte es in puncto Waghalsigkeit in letzter Zeit etwas zu weit getrieben.

Nicht nur auf die Company bezogen, auch auf den Rest der Band. Bekanntlich saß die am Ende des Tages nach wie vor mit in seinem Boot. Demnach wären diese alles andere als erpicht darauf, dass er schon wieder Grenzen überschritt und aus dem Impuls heraus handelte. Wie am Pool, beim Videodreh und nicht zuletzt in New York. Ja, da hatte er es übergreifend ziemlich weit getrieben.

Natürlich hatte das Konsequenzen gehabt. Konsequenzen, die in erster Linie Jimin hatte ausbaden müssen. Zwar hatte sich die Lage wie erwartet recht schnell wieder beruhigt - vor allem da sich herausstellte, dass besagte fremde Schönheit in einer festen Partnerschaft zu sein schien. Dennoch hatte diese Sache Spuren hinterlassen. Vor allem intern …

Man behielt sie aktuell noch stärker im Auge, als man es zuvor getan hatte. Weil sie momentan dazu zu neigen schienen, sich zu sehr ‘von der Euphorie des Augenblicks überrumpeln zu lassen’ oder weil sie sich neuerdings anscheinend ‘unsterblich und unantastbar’ zu fühlen schienen. So hatte Nahm es jedenfalls bei einem von insgesamt drei Meetings, die die ganze Band über sich hatte ergehen lassen müssen, gesagt.

Einen weiteren Fehltritt konnte Jungkook sich gerade also absolut nicht leisten. Egal wie klein und unbedeutend er auch sein mochte. Dass das hier aber alles andere als nach einem kleinen Fehltritt roch, sagte ihm, dass auch sein Nebenmann wenig begeistert von der Idee aussah, hier mit einem Haufen Wildfremden Party zu machen.

Glücklicherweise verstand jedoch auch Yejun die Brisanz der Lage und sprang für sie in die Bresche. “Das ist einfach zu riskant. Außerdem sollte das hier ein Abend unter uns werden. Das war dir doch von Anfang an bewusst.”

“Kommt schon, da sind Europäerinnen bei. Ihr wisst was man über die sagt. Schneller und unkomplizierter Sex”, sagte Gunwoo schneidend und warf ihnen allen abwechselnd einen vielsagenden Blick zu. Vor allem ihm und Mingyu, so als erwartete er Zustimmung. “Nichts? Keine Erfahrungen auf dem Gebiet? Ich dachte, ihr könnt sie alle haben”, schloss er und Yejun warf ihnen einen entschuldigenden Blick zu.

“Wir haben dir gerade gesagt, dass es zu riskant ist, mit Fremden zu feiern. Wie genau stellst du dir dieses ‘wir haben sie alle’ also bitte vor?”, warf Mingyu neben ihm ein. Und Jungkook war erleichtert und froh, dass er den Mund halten konnte.

“Außerdem sind das Klischees”, sprang Yejun erneut für sie - oder in dem Fall eher unbewusst für ihn - in die Bresche. “Nicht alle Europäerinnen sind leicht zu haben. Mal ganz davon abgesehen, dass da auch viele Männer bei sind. Einige, wenn nicht sogar die meisten dieser Frauen, werden vergeben sein. Immerhin sind wir hier auf Jeju Island.”

“Campen”, zischte Gunwoo.

“Glampen”, verbesserte Jungkook und ärgerte sich zugegeben über sich selbst. Weil er eigentlich richtig stellen wollte, dass nicht alle Europäerinnen leicht zu haben waren.

Obwohl Blondie es im Grunde gewesen war. Allerdings war sie nicht unkompliziert genug, um wirklich in diese Sparte Mensch geschoben zu werden. Aber … er bekam wie so oft den verdammten Mund nicht auf, was unter anderem auch daran lag, dass er Gunwoo weder vertraute, noch besonders mochte. Jedenfalls seinem zunehmenden Eindruck nach nicht. Er befürchtete jedoch, das würde sich nicht mehr ändern.

Ihm gegenüber für seine europäische Freundschaft plus, oder was immer das zwischen ihnen beiden war, einzustehen, war keine wirklich Option. Noch nicht einmal Yejun wusste von ihr und selbst Mingyu wusste nur das Gröbste. Im Grunde wussten nur die Jungs aus der Band von ihr, weil es nicht vermeidbar gewesen war, ihnen von ihr zu erzählen. Immerhin waren sie bei gut 80 Prozent seines Lebens stets in der ersten Reihe dabei.

Einige weitere Diskussionen später, hatte sich Gunwoo schmollend ins Zelt zurückgezogen, das er sich mit Yejun teilte. Wie bereits angedeutet, handelte es sich bei diesem Trip um einen Glamping-Trip, also um einen besonders luxuriösen Camping-Trip.

Die Zelte hier konnte man mieten, sie waren voll möbliert und mit einer Heizung und Klimaanlage ausgestattet. Die Idee eines Trips wie diesem war ihm gekommen, als sie Ideen für ihren nächsten Blog gesammelt hatten. Er mochte den Gedanken zu Campen. Mit der Band oder mit Freunden. Oder eventuell mit einer Partnerin, wie es viele der anderen anwesenden Gäste hier taten.

Natürlich waren sie ihm aufgefallen. Mit und ohne Anhang in Kinderform, wobei es tatsächlich noch eher die letztere Variante - also die ohne Nachwuchs war - in der er sich wenigstens ab und an mal sah. Ja, er liebte es frei zu sein und demnach auch den Kopf für diesen Job frei zu haben, der sein Leben bedeutete. Eine Partnerin passte da schlichtweg nicht rein, vor allem weil er dieser so unendlich viel abverlangte.

Jungkook wusste, dass viele diesen Traum träumten - in den verschiedensten Altersklassen. Den Traum, den Lieblingsstar zu daten. Allerdings sahen die Vorstellungen von vielen schlichtweg zu rosig aus. Vor allem, wenn es um die Branche ging, in der er sich bewegte.

Bei den Frauen mochte es noch minimal anders aussehen. Männer wie er, vor allem die in seinem Alter, waren realistisch gesehen allerdings eher ein Albtraum als der Traum vom Partner. Und das jetzt mal ganz abgesehen vom Charakter. Natürlich unterschied sich der hier ebenfalls von Mensch zu Mensch enorm. Eines hatten sie aber dennoch alle gemeinsam: An erster Stelle kam der Job und demnach auch das Fandom. Dann kam das Privatleben und demnach die Familie und die Partnerin.

Damit kamen die meisten Frauen - und sicherlich auch Männer - verständlicherweise nicht wirklich lange zurecht. Ja, er wusste, wovon er sprach. Natürlich hatte er dieser Sache namens Beziehung bereits mehr als einen Versuch gegeben. Allerdings hatte er dabei jedesmal ein Herz gebrochen - und es war nicht nur sein eigenes gewesen. Deshalb hatte er es nach dem letzten Versuch vor rund drei Jahren aufgegeben. Jedenfalls fürs Erste. Es hatte an dem Punkt, an dem er sich gerade in seinem Leben und seiner Karriere befand, keinen Sinn. Sofern er es vermeiden konnte, würde er kein weiteres Herz brechen.

Ja, das klang hart, er wusste jedoch, dass das bei den meisten seiner “Art” ähnlich war. Nur die wenigsten hatten die Waagschalen da anders ausgelegt - die brachten es aber in der Regel auch nicht weit oder hatten es nicht weit gebracht und hatten demnach weniger zu verlieren. Umso weiter oben man war, umso tiefer konnte man jedoch fallen. Und meistens fiel man nicht allein, man riss einen ganzen Haufen anderer Menschen mit in die Tiefe. Selbstredend den Rest der Band, wenn diese unterging, aber auch noch andere Menschen wie eventuell das nähere Management, persönliche Assistenten und mehr. Jeden, der einem so nahe gestanden hatte, dass er in gewisser Weise von einem abhängig war.

Die meisten von ihnen konnten zwar wieder aufstehen, wenn sie am Boden waren - dennoch war der Aufprall für jeden von ihnen erst einmal hart. Vor allem, wenn man ihnen eventuell die Mitschuld gab, weil sie bestimmte Dinge möglich gemacht oder unterstützt hatten. Das wirkte sich enorm auf die Waagschalen aus, außer man war egoistisch genug. So dass es einem egal war, wen man beim Blindflug eventuell mit sich riss, wenn man abstürzte.

Erst mit fortschreitendem Alter änderte sich die Auslastung der Waagschalen. Allerdings würde es noch viele Jahre dauern, bis er einen solchen Trip unbehelligt mit so etwas wie einer Partnerin angehen konnte. Außer es lief in nächster Zeit extrem schlecht, was er nicht hoffte. Denn wie gesagt, so wehmütig er manchmal auch wurde, wenn er dieses Lebensmodell sah, das ihm in gewisser Weise verwehrt blieb - am Ende des Tages wollte er dieses Leben, was er stattdessen führte. Auch wenn er dafür das eine oder andere Opfer bringen musste.

“Wie läuft es eigentlich bei dir und dieser Trainee?”, fragte er, als der Abend in die Nacht überging und auch er und Mingyu sich in ihr Zelt der Luxusklasse zurückgezogen hatten und somit unter sich waren.

Auch das war nämlich eine Information, die nur die wenigsten wussten. Also, dass da wenigstens zeitweise mal was mit einer 22-jährigen Trainee gelaufen war, die mit ihrer Girlgroup kurz vor dem Debüt stand. Allerdings war das aus vielerlei Gründen ein eher brisantes Thema, das sie überwiegend für sich behielten. Zum einen, weil sie laut Vertrag noch gar nicht daten durfte, zum anderen aber auch weil es in ihren Reihen recht verpönt war, als Idol der älteren Generationen etwas mit einem Trainee zu haben.

“Das habe ich beendet, das birgte einfach zu viel Frust- und Skandalpotential. Außerdem hätte es wahrscheinlich das Ende ihrer Karriere bedeutet, die noch nicht einmal begonnen hat, wäre das rausgekommen”, gab einer seiner besten Freunde zurück und machte durch seine Körpersprache deutlich, dass er das Thema nicht weiter vertiefen wollte. Was unter anderem sicherlich daran lag, dass er sie wirklich gemocht hatte.

Dass sie sich vor einigen Monaten also bei einem internen Event auf den Fluren der Company über den Weg gelaufen waren, war ein typischer Fall von zur falschen Zeit am falschen Ort. Die meisten von ihnen hatten so etwas bereits erlebt. Und ja, manchmal tröstete man sich selbst oder gegenseitig mit dem Gedanken, dass die richtige Zeit eventuell noch kommen mochte. Da es sich in diesem Fall aber meistens um mehrere Jahre handelte, die einen nicht selten in andere Richtungen trieben, traf das allerdings nur selten zu.

“Und wie sieht es bei dir und deiner Amerikanerin aus?”, schwenkte Mingyu das Thema in Jungkooks Richtung und blickte ihm vom Sofa, auf das er sich mit einer Dose Bier in der Hand hatte fallen lassen, an.

Jungkook tat es ihm gleich, holte sich eine Dose aus dem Kühlschrank und ging ebenfalls rüber zum Sofa, auf das er sich - nur in die andere Ecke - fallen ließ. “Ich mag sie”, gab er zu, ohne seinen Freund dahingehend zu verbessern, dass sie hier eigentlich von einer Europäerin sprachen. Das tat in diesem Moment nichts zur Sache. Stattdessen fügte er nicht minder ehrlich hinzu: “Sie und nicht nur den Sex. Das-Ich habe mich zu sehr auf diese Sache eingelassen. Und ich denke, ihr geht es ähnlich. Das wird ein Problem werden. Früher oder später, aber ganz bestimmt …”

Das tat es immer, denn auf kurz oder lang holte das Leben das Jungkook führte das, das Jeongguk sich teilweise aufzubauen versuchte, ein. Zumal es bei Blondie weitaus mehr als nur die üblichen Probleme gab. Sie lebte am anderen Ende der Welt und ihre Kultur hatte wenig mit der koreanischen gemeinsam. Und ja, seine Eltern waren recht offen – der Rest seiner Familie war es jedoch nicht. Ganz zu schweigen von der Gesellschaft, die bekanntlich jeden seiner Schritte beobachtete und bewertete.

Würde das zwischen ihm und Blondie herauskommen, würde das für manche sehr schwer verdauliche Kost werden. Wenn er sich alle möglichen Datingskandale ausmalte, die er sich ausmalen konnte, war das hier einer der extremsten. Einer der Endgegner sozusagen. Ja, manche würden sie hypen, weil sie schön, blond und erfolgreich war. Weil sie nicht der Norm entsprach. Aber sie würden sie ebenso zum Abschuss freigeben, weil sie es nicht tat - und vor allem, weil sie deutscher Abstammung war. Dabei ging es jedoch nicht nur um die deutsche Historie allein. Es ging auch darum, wie nah Japan und Deutschland sich in der Vergangenheit gestanden hatten. Während der eher düsteren Kapitel, die noch heute einen Keil zwischen ihnen und ihrem Nachbarland trieben. Das hier wäre also gefundenes Futter für jedes erdenkliche Kanonenfeuer.

“Was hast du vor?”, fragte sein bester Freund, weil der natürlich auch ohne Worte verstand, was in ihm vorging.

Das war der Vorteil daran, sich Freunde in den eigenen Reihen zu suchen. Freunde, aus anderen Bands - die saßen nämlich in einem ähnlichen, aber nicht im selben Boot. Das gab ihnen etwas mehr Distanz und dennoch das notwendige Verständnis.

Jungkook nahm einen großen Schluck und blickte hinaus in die Nacht, in der er eines der Paare runter zum Strand gehen sah. “Im Grunde müsste ich es beenden. Das wäre wohl das Beste für alle. Aber … es ist dieses Mal schwerer als sonst.”

Und während er das sagte, wandte sich Jeongguk ihn ihm. Dieser würde nämlich gerade viel lieber ebenfalls runter zum Strand gehen und sie anrufen. Dieser verdammte Drang wurde momentan Tag für Tag stärker und wollte ihn einfach nicht mehr loslassen … doch Jungkook hielt ihn davon ab. Dieses Mal erfolgreich. Viele Male zuvor war er das nicht gewesen - und genau das war ein Teil des Problems.

***

Hallo ihr Lieben, wie war eure Woche so bisher? Ich habe eine wichtige und anstrengende Untersuchung hinter mir, die gut verlief - allerdings stehen noch ein paar Ergebnisse aus. Drückt mir mal die Daumen, dass da keine böse Überraschungen mehr kommen. Zudem musste ich gestern nochmal zum Augenarzt … leider ist da was nicht so verheilt wie es sollte und jetzt habe ich eine leichte Vernarbung. Nun habe ich andere Medikamente und hoffe, dieses Mal klappt es besser. Wenn ihr also schon drückt, drückt auch mal hier mit …

Kurzum: Ich hoffe, euer Wochenstart war besser als meiner. Ach ja, und bitte nicht wundern, wenn das NaD-Chapter am Freitag etwas später kommt. Ich hänge in der Überarbeitung gerade etwas nach. Es kommt aber auf jeden Fall Freitag - nur eventuell etwas später als gewohnt. Habt alle einen wundervollen Tag und bis bald.