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Tokio (nach Chapter 35 von NaD)

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Tokio (nach Chapter 35 von NaD)

Hinweis: Das folgende Chapter kann jederzeit nach Kapitel 35 von Night and Day gelesen werden.

24. Tokio

- 20. Juli 2022-

Jungkook mochte Japan … wirklich. Er mochte die Kultur, die Orte und die Menschen. Sogar an einem Tag wie diesen, wo die Luft dick und der Himmel vom Feinstaub verhangen war. Wie viele Länder Asiens hatte auch dieses ein Problem mit der Luftverschmutzung. Vor allem in Metropolen wie der, in der er sich gerade befand. Da es in Seoul jedoch nicht anders war, war er es schon gewöhnt. Was nicht hieß, dass es ihn nicht störte und er es nicht schade fand, wenn ihn die Luft sozusagen einengte. Er wusste jedoch, wie er damit umgehen musste.

Womit er gerade nicht umzugehen wusste, war Midori. Wie so oft wusste sie, wann es ihn in ihre Heimatstadt zog. Kontakte wegen, das war ihm bewusst. Jedoch wollte er nicht näher darüber nachdenken, woher. Allerdings lag es nahe, dass es in ihrem Job bei einem großen Fashionmagazin nicht die Art der Kontakte waren, vor denen er sich wirklich hüten musste. Was nicht hieß, dass er gar nicht auf der Hut sein musste. Vor allem nicht, wenn man sein Gegenüber verprellte, wie er es bekanntlich seit Monaten bei Midori tat.

Er war sich sicher, dass sie wusste, dass diese Sache für ihn beendet war. Offensichtlich sah das für sie jedoch anders aus: Weshalb sie immer wieder versuchte, den Kontakt wenigstens halbwegs am Leben zu erhalten oder wieder aufleben zu lassen. Vor allem in Zeiten wie diesen aka Zeiten, in denen er in Tokio war.

>Ignoriere mich nicht, ich sehe, dass du meine Nachrichten liest. Lass uns noch einmal über diese Sache reden. Nur du und ich! Bitte!<, schrieb sie und ja … sie wiederholte sich. Dass sie jedoch nicht zwischen seinen nicht vorhandenen Zeilen lesen wollte oder konnte, war nichts Gutes. Er hatte sie so eingeschätzt, als würde ihr das hier nichts ausmachen … als würde sie ihn einfach so fallen lassen, wie er es getan hatte.

Offensichtlich hatte er falsch gelegen. Der Status, den er innehatte, verlieh ihm immer wieder eine gewisse Sonderstellung. Man war meistens sehr nachsichtig mit ihm und ließ ihm bedeutend mehr durchgehen, als man es anderen Männern zugestehen würde. Und man kämpfte stärker um ihn - vor allem, wenn er sich entzog. Das mochte manchmal zwar schmeichel- oder vorteilhaft sein, sehr oft war es aber auch ermüdend … vor allem, da es umso offensichtlicher machte, dass es dabei nicht wirklich um ihn ging. Und das warf weitere Fragen auf … und Bedenken.

Meistens nahmen Menschen, denen es eher um seinen Status als um ihn ging, ein Nein oder ein Good Bye nicht kampflos hin. Er würde sich also etwas einfallen lassen müssen - mindestens aber nochmal ein Gespräch mit ihr führen. Um die Lage besser einschätzen zu können und dann - notfalls mit Unterstützung der Company - einen Schlachtplan zu entwickeln.

Aber … das würde er später tun.

Nun musste er sich erst einmal auf Blondie konzentrieren. Die hatte immerhin Geburtstag, wie sie ihn hatte wissen lassen - und die hatte er nicht vor, in nächster Zeit abzusägen. Auch wenn es realistisch gesehen das Beste wäre.

Jungkook begann sich in dieser Sache zu verrennen - und Blondie tat es ihm gleich. Natürlich vermutete er nur, jedoch ging er davon aus, dass es um sie schlimmer stand als um ihn. Und das war nichts Gutes … übergreifend, aber vor allem mit Blick auf Midori nicht, die er zu Beginn ebenfalls als distanziert und desinteressiert genug eingeschätzt hatte, um sich auf sie einzulassen. Auf sie und diese unverbindliche Sache, die sie lange Zeit gehabt und gepflegt hatten.

Er wollte nicht, dass das mit Blondie ebenso … unschön endete.

Jedoch war er nicht stark genug dafür, das Richtige zu tun und das hier zu beenden. Das wurde mit jedem Tag und jedem Telefonat, das sie führten, offensichtlicher. Himmel, es fiel ja sogar den anderen Jungs auf - weil er beschämend schnell zu seinem Smartphone griff, wenn dieses auch nur das kleinste Lebenszeichen von sich gab. Es war offensichtlich. Zu offensichtlich. Und zu offensichtlich bedeutete zu gefährlich.

Obwohl er es besser wusste, machte er es nicht besser. Nicht dass er es erwartet hätte, als er ihren Rückruf annahm und ihr kurze Zeit später große Versprechungen machte. Über Geschenke, die er ihr irgendwann machen würde … das war Zukunftstalk. Ein Gespräch, das sie nicht führen sollten. Das machte ihr Hoffnungen. Falsche Hoffnungen.

Was sollte er ihr immerhin bieten können?

Nichts … nichts, außer einer verkümmerten Version einer Beziehung, die hinter vorgehaltener Hand und verschlossenen Türen stattfinden würde. Stets in der Angst entdeckt zu werden. Das war es nicht wert. Nicht für sie und noch weniger für ihn. Allerdings wurde der Part in ihm, der sich einredete, das wäre sie, immer lauter … begann seinen Gegenspieler zunehmend zu übertönen.

Was nicht nur töricht, sondern auch egoistisch war. Da war so vieles, was gegen sie sprach. Sie als eine Einheit, die sie gerade definitiv im Begriff waren zu werden. Eine verdammt verkorkste Einheit, aber das ließ er außen vor - wie er die speziellen Umstände außen vorließ, die ihn umgaben. Mal ganz davon abgesehen, dass er gerade alles andere als bereit für etwas Ernstes war und ihr nichts geben konnte - und es in den nächsten zehn Jahren wahrscheinlich noch nicht sein würde …

Blondie war Ende 20 … ihre biologische Uhr tickte. Er raubte ihr also kostbare Zeit, um jemanden zu finden, mit dem sie diese nutzen konnte. Und ganz sicher würde sie ihm dies irgendwann vorwerfen, wenn ihr klar wurde, was und wie genau diese Scheiße ablief. Immerhin war es schmerzlich offensichtlich, dass sie bisher nicht einmal ansatzweise einen blassen Schimmer hatte.

‘Was tust du hier!’, schrie Jungkook also Jeongguk an, während dieser sich wie der letzte Volltrottel verhielt und mit offenen Augen ins Messer rannte. Dabei verletzte er jedoch nicht nur sich, sondern auch sie. Der Unterschied war, dass sie sich über das Ausmaß der Verletzungen, die er ihr zufügte noch nicht im Klaren war.

Aber wie gesagt war er egoistisch … und er übte sich in Verdrängung, weil das so viel einfacher war als das Richtige zu tun. Deshalb machte er ihr falsche Versprechungen - und riss Hürden und Grenzen ein. Etwa, indem er ihrem Wunsch nach einem Videocall nachging.

Was brachte es ihnen, außer dass sie nur noch weiter in diesem Sumpf aus Gefühlen - die sie nicht haben sollten - versanken? Nichts … absolut nichts …

Aber offensichtlich liebte er das Abenteuer. Es machte ihn leicht in der Birne und schwer im Magen, während er sie mit einem mehr als nur erbärmlichen Kribbeln im Bauch dabei beobachtete, wie sie zerzaust und mit von der Morgenröte erhellten Gesicht durch dieses viel zu große Zimmer stiefelte - um ihm den Sonnenaufgang zu zeigen. Sie war verloren. Stand bis zum Hals im Sumpf … er musste vorsichtiger sein.

Stattdessen schnulzte er … nein Jeongguk schnulzte herum und machte sich Gedanken darum, was er ihr nachträglich zum Geburtstag schenken konnte. Er spürte, wie sich Jungkook bei diesem Gedanken gequält in ihm wandte … gegen diese Meter hohe Wand redete, die diese naive und hoffnungsvolle Seite von ihm errichtet hatte, um sich vor der Wahrheit zu verstecken.

Doch er blendete ihn aus. Wie so oft erfolgreich. Eigentlich sollte es ihm ein Trost sein, dass sie aktuell in unerreichbarer und unbenennbarer Ferne lag. Vielleicht würde ihr nächstes Treffen nie stattfinden. Beispielsweise wenn sie das Interesse verlor - oder wenn er sie dazu zwang, sich diese Sache aus dem Kopf zu schlagen, indem er sie absägte, wie er es mit Midori getan hatte. Oder auch versuchte … aber das war der kleine und feine Unterschied. Bei Blondie versuchte er es nicht einmal.

Stattdessen zermarterte er sich den Kopf darüber, wann und wie er sie wiedersehen konnte. Das war so ... falsch … so unendlich dämlich und kontraproduktiv.

Vielleicht würde es helfen, wenn er sich Ablenkung verschaffte … wenn er es schaffte, Blondie aus seinem verdammten Schädel zu hämmern. Dieser Gedanke holte ihn ein, kurz nachdem sie das Gespräch beendet und es ihn für seinen Geschmack viel zu beflügelt zurückgelassen hatte. Also drängte er das Kribbeln in seinem Magen beiseite und nahm das Handy zur Hand. Öffnete Midoris Nachricht und starrte einen Moment auf diese hinab.

Vielleicht hatte sie recht. Vielleicht sollten sie “reden” …

***

Bevor ihr mich und JK killt: Hear us out. Oder wartet wenigstens bis zum nächsten Chapter. Ich gehe bis dahin dann mal in Deckung. ;) Habt einen wundervollen Tag heute und wir lesen uns Freitag bei NaD.