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XOXO (nach Chapter 5 von NaD)

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XOXO (nach Chapter 5 von NaD)

Hinweis: Das folgende Chapter kann jederzeit nach Kapitel 5 von Night and Day gelesen werden.

3. XOXO

- Januar 2022 -

“Wen stalkst du da?”

Jungkook blickte auf und in Seokjins überaus neugieriges Gesicht, das ihm scheinbar in den vergangenen drei Minuten, in denen er sich auf das Smartphone in seiner Hand konzentriert hatte, unbemerkt verdammt nahe gekommen war. Nun blickte sein Hyung also mit gehobener Braue nicht mehr auf sein eigenes Handy, in das er noch vor rund drei Minuten vertieft gewesen war, sondern auf das des Jüngeren.

Heute teilten sie sich einen Van, der sie gemeinsam zu einem Fotoshooting etwas abseits von Seoul bringen sollte - und er verteufelte es bereits. “Hyung”, raunte Jungkook anklagend und drehte seine Hand, sodass das Display zum Fenster zeigte uns somit aus Jins Blickfeld verschwand. "Privatsphäre? Schonmal davon gehört?”, fragte er dabei schneidend.

Seokjin lachte amüsiert auf. “Wir haben uns gegenseitig masturbieren gehört, als wir alle uns noch ein Zimmer teilen mussten. Es ignorierend, weil wir alle im selben kläglichen Boot saßen. Sowas wie Privatsphäre gibt es bei uns schon lange nicht mehr, das solltest du eigentlich wissen”, warf der ältere der beiden Männer ein, lehnte sich aber dennoch wieder zurück und wandte den Blick ab, “außerdem wird es langsam auffällig. Ständig sitzt du da und starrst untätig auf das Handy. Untätig, bis es ausgeht. Da fragt man sich halt, was genau du da anstarrst und tust.”

“Nichts”, gab er abwehrend zurück und schaltete das Display ab. Natürlich musste sein verdammter Körper ihn verraten. Er spürte, wie seine Ohren verdächtig rot wurden - was Seokjin nicht entging, so viel sagte ihm das wissende Lächeln des Älteren. Allerdings beließ er es dabei und ritt nicht darauf herum. Wenigstens das …

“Ist es die Kleine aus LA?” Falsch gedacht, schoss es Jungkook durch den Kopf und er stöhnte genervt auf. “Komm schon, sei ehrlich. Mittlerweile haben wir es alle schon mal zufällig gesehen, wenn wir an dir vorbeigegangen sind, als du zu vertieft warst, um es zu merken. Füße … man sieht da nur Füße und du stehst nicht besonders auf Füße. Jedenfalls soweit wir im Bilde sind nicht. Und sie heißt-”

“Ja”, zischte er, “ich denke, das ist sie. Ich denke, weil ich es eben nicht sicher weiß, weil ihr Profil privat ist und man nur ihre Schuhe sieht. Aber-” Er zuckte aggressiv mit den Schultern. “Ich habe keine Ahnung, was meine Intentionen sind. Ich habe nicht vor ihr zu schreiben, ich bin einfach nur neugierig.”

Ja, sie hatte ihn überrascht. Bisher jedenfalls, denn bis jetzt hatten ihre Leute keine Gerüchte oder Informationen kursieren gesehen, die darauf schließen ließen, dass sie von ihr stammten. Und aufgrund der besonderen Umstände hatten sie da gerade ein sehr achtsames Auge drauf. Sie hatte ihn also überrascht.

Was natürlich die Frage aufwarf, ob ihre Geschichte tatsächlich stimmte. Hatte sie wirklich nicht gewusst, wen sie vor sich hatte? Ein Teil von ihm wollte das zunehmend glauben, nachdem er den ersten Schock verarbeitet und die erniedrigenden und ermahnenden Gespräche hinter sich gebracht hatte, die sein unvorsichtiges Verhalten zur Folge gehabt hatten. Mit der Band, mit ihrem Management, mit ihrem Legal-Team und auch mit dem Big-Boss. Und mit jedem Tag, mit dem etwas mehr Normalität eingekehrt war, war er wieder ruhiger geworden und dieser naiv-hoffnungsvolle Part war wieder lauter geworden.

Es hatte ihm gefallen. Dieses Gefühl, das sie ihm gegeben hatte. Das Gefühl, gewollt zu werden - und das aus absolut niederen Gründen. Weil er ihr gefiel und nicht, weil er Millionen anderen da draußen gefiel. Zudem hatte sie ihm gefallen. Nicht nur optisch, sondern weil sie sich so absolut ungewohnt ihm gegenüber verhalten hatte. So … unbeeindruckt und authentisch. Sie schien ganz sie selbst gewesen zu sein, wie er etwas nervös, aber nicht über diese teilweise schier unmenschlichen Maßen hinaus, mit denen er oft zu kämpfen hatte.

Auch auf diesem Feld. Klar, viele spielten ihm Besonnenheit und Coolness vor. Allerdings nur selten glaubhaft gut und irgendwann verloren sie ihre Masken. Jedenfalls war das bisher so gewesen, auf die eine oder andere Art. Bei manchen nahm die Nervosität irgendwann Überhand, bei anderen wurde deutlich, dass es nicht um ihn, sondern um seinen Status ging. Dass im Grunde komplett egal war, wer er war und dass man ihn genauso gut durch zig andere Jungs da draußen ersetzen konnte - vor allem aber durch sechs andere.

Für manche war er nur ein Symbol und ein Mittel zum Zweck, das für drei mittlerweile weltweit bekannte Buchstaben stand. BTS … ja, eine hatte es sogar in sein Ohr gestöhnt … als er gerade in ihr war. Nur eine von zahlreichen verstörenden Erfahrungen, die er hatte sammeln müssen - und auf die er hätte verzichten können.

Manchmal war es zermürbend … so wie Namjoon es ihr gesagt hatte. Und da hatte tatsächlich so etwas wie Mitleid in ihrem Blick gelegen, als er es getan hatte. Mitleid … das sah er selten, wenn man ihn ansah. Vor allem, wenn man ihn rund 24 Stunden zuvor nackt gesehen hatte. Also ja, sie faszinierte ihn. Warf eine ganze Reihe Fragen auf, die ihn nicht loslassen wollten. Allerdings kannte er sich. Das würde nicht von langer Dauer sein.

Seokjin nutzte den Moment seiner Unachtsamkeit, in der er in Gedanken abgetaucht war, und nahm sein Handy an sich. “Hey!”, rief er verdattert und aufgebracht zugleich und stürzte sich auf den Älteren, der sich abwandte und ihm den Rücken zudrehte. Der sich dabei zusammenkauerte und sein verdammtes Handy so abschirmte. Dennoch konnte Jungkook sehen, dass er sein Handy entsperrte. Er verfluchte sein verdammtes Vertrauen und seine Naivität, die ihn dazu gebracht hatte, seinen Code mit Jin zu teilen - für Notfälle. Das hier war allerdings kein Notfall. “HEY!”, brüllte er also und machte sich daran seinen Gurt zu lösen  - was ein donnerndes “Hey!”, von Jins Manager zur Folge hatte, der vor ihnen auf dem Beifahrersitz saß.

Jungkook katapultierte sich widerwillig selbst zurück in den Sitz, ließ vom Gurt ab und deutete eine halbe Verbeugung im Sitzen an. Jihun wandte sich ab und machte sich wieder daran, sie zu ignorieren, wie sie es meistens taten - wahrscheinlich um ihnen wenigstens ab und an die Illusion zu geben, nicht ständig überwacht zu werden.

“Hyung”, sagte er und streckte die Hand nach besagtem aus. Auffordernd. “Hyung, lass das. Das ist nicht lustig.”

Seokjin schien das anders zu sehen, denn er begann nach wie vor über seinem Handy kauernd zu kichern und murmelte: “Hey Babe, ich habe Chlamydien. Dachte das solltest du wissen. xoxo-”

Binnen Sekunden schwappte die Stimmung über, vor allem dadurch ausgelöst, dass Jin sich etwas zu ihm umdrehte und er einen kurzen Blick auf sein Display ergatterte. Das war eine geöffnete DM gewesen. Eindeutig. Also brannte ihm eine Sicherung durch. Er löste den Gurt und stürzte sich erneut auf den Älteren, was nun sowohl Seokjin als auch den nun mehr als offensichtlich entnervten Manager auf dem Beifahrersitz ins Spiel brachte.

“Hey!”, ermahnte Jihun ihn erneut.

Jin reichte ihm mit anklagender Miene sein Smartphone. “Schnall dich wieder an!” Der Jüngere tat, wie ihm geheißen wurde. “Du weißt genau, dass ich sowas nicht ernst meine”, fügte Seokjin hinzu, als der Jüngere wieder sicher angegurtet neben ihm saß.

Ein erleichterter Blick auf sein Handy sagte Jungkook, dass der ältere Mann nicht log. >Hey Babe< stand da, aber glücklicherweise nicht mehr. Und abgeschickt hatte er es natürlich auch nicht. “Das ist nicht lustig”, wiederholte er sich trotzdem und löschte die zwei Worte wieder. "Außerdem habe ich keine Chlamydien. Das war ein Helicobacter.”

Ja, er war sauber. Das hatte er direkt sicherstellen lassen, nachdem man bei einer Magen- und Darmspiegelung vor rund zwei Wochen herausgefunden hatte, was seine ständigen Bauchschmerzen verursacht hatte, die ihn seit einiger Zeit plagten. Natürlich hatte er es aufgeschoben, solange er konnte. Und natürlich zogen sie ihn damit auf, seitdem er etwa drei Tage nach der Untersuchung einen Anruf von seinem behandelnden Arzt bekommen hatte. Dass er zehn Tage Antibiotikum hatte nehmen müssen, machte es natürlich nicht besser … wobei er sich die Frage stellte, warum diese verrückte Horde, die er seine Brüder nannte, eigentlich wusste, dass man bei Chlamydien ebenfalls Antibiotikum nehmen musste.

“Okay, dann lass mich das berichtigen”, sagte Jin schmunzelnd und machte erneut Anstalten, nach seinem Handy zu greifen. Als Jungkook es ihm verräterisch hektisch entzog, begann er leise zu lachen. “Als wäre mein Englisch gut genug, ihr das zu schreiben. Vielleicht sollte sie das aber trotzdem wissen. Ist das nicht ansteckend?”

“Der Arzt sagte, das ist recht unwahrscheinlich, da die Ansteckungsgefahr bei Erwachsenen sehr gering ist. Die meisten haben es schon als Kind und merken es erst, wenn sie Beschwerden bekommen. Außerdem weiß man nicht wirklich, wie es sich überträgt. Wenn es danach geht, müsste ich also jedem Bescheid sagen, mit dem ich mal Kontakt hatte - auf welche Art auch immer”, verteidigte er sich und wieder wurden seine Ohren heiß.

Natürlich hatte er den Arzt gefragt. Er hatte sogar zugegeben, dass er kürzlich Sex gehabt hatte. Geschützt natürlich. Aber es hatte Küsse gegeben … intensive Küsse. Aber wenn der verdammte Arzt der Meinung war, es bestand wenig Grund zur Sorge, dann würde er sich auch keine solchen machen. Und er würde sich ganz sicher nicht die Blöße geben, sich wegen dieser Sache bei ihr zu melden.

“Was bist du bitte für ein Schwein? So haben ich und deine Mutter dich nicht erzogen”, entgegnete Jin mit anklagender Miene ... und wieder lag ein angedeutetes Schmunzeln auf seinen Mundwinkeln.

***

Sonnige Grüße, ihr Lieben. :)

Wie bereits angekündigt, befinde ich mich zurzeit im Urlaub und wie erwartet, ist das WLAN hier alles andere als stark und stabil. Vorerst werde ich also versuchen, die bereits bei Wattpad vorgeplanten Kapitel auch hier zu posten. Sollte ich mal die Zeit und Muße finden mehr zu posten, werde ich es tun.  Ich sage also mal vorsichtig bis Freitag bei "Night and Day"- und wenn hier nix kommt, schaut bei Wattpad (den Link findet ihr in meinem Profil).