Blown up (nach Chapter 42 von NaD)
Blown up (nach Chapter 42 von NaD)
Hinweis: Das folgende Chapter kann jederzeit nach Kapitel 42 von Night and Day gelesen werden.
32. Blown up
Das hier war ganz große Scheiße. Natürlich war ihm das bereits bewusst gewesen, als er Blondie mit seiner Kreditkarte losgeschickt hatte. Ja, es war nicht das erste Mal gewesen, dass er diese jemandem überlassen hatte. Dafür war sie immerhin da. Allerdings hatte damit noch nie zuvor jemand etwas so Brisantes wie Kondome gekauft … und dann die Sache mit dem verdammten Model. Natürlich hatte er sie nicht mehr auf dem Schirm gehabt. Er hatte sie und die Gerüchte, die kurz nach dem Abend im Club umgegangen waren, verdrängt - kaum dass es das erste bestreitende Statement gegeben hatte.
Warum hätte er sich auch weiterhin Gedanken darüber machen sollen? Er kannte diese Frau nicht und würde sie niemals wiedersehen.
Aber Blondie war blond … was in diesem Zusammenhang tatsächlich ein Problem darstellte. Dass man versuchte die Fäden zu verknüpfen, wenn Gerüchte wie dieses in Umlauf gerieten, war ein altbekanntes Schema. Hätte es diese blöde Sache mit dem Model nicht gegeben, wäre das Ganze also vielleicht sogar recht schnell wieder als Fake untergegangen. Nun war es allerdings ein gefundenes Fressen für die da draußen, die eh stets auf der Jagd nach Skandalen waren. Und leider auch für die, die es nicht waren - sich durch diese aber dennoch beeinflussen ließen. Vorausgesetzt, sie erschienen wenigstens halbwegs glaubhaft.
Also ja ... er hätte es besser wissen müssen. Allerdings hatte er mindestens eine Sache nicht bedacht. Wobei er zugegeben so einiges ausgeblendet hatte. Allen voran seinen Verstand und die Vernunft. Weil er geil und nicht ganz oben auf gewesen war … das allein war schon erbärmlich genug. Bisher hatte er über all die Leute gelacht, die aus Geilheit Dummheiten begangen - beispielsweise wie die ohne Gummi zu ficken, wenn keins in greifbarer Nähe war. Wenigstens so tief war er nicht gesunken. Gerade war das aber natürlich nur ein schwacher Trost.
Gerade, als sie ihn durch die Straßen Seouls karrten - zu einem Ort, den er nicht kannte. Was typisch für Situationen wie diese war. Würden sie ihn jetzt nämlich postwendend in den Hauptsitz bringen, wäre das ein halbes Geständnis. Er durfte nicht dabei gesehen werden, wie sie ihn zu möglichen Katastrophen-Sitzungen brachten. Und ja ... natürlich schüchterte das auch ein. Gab dem Ganzen noch einmal ein wenig mehr Schwere. Immerhin würden sie nicht zu solchen Mitteln greifen, wäre die Scheiße nicht wirklich in ganz großem Stile am dampfen.
Der Wagen hielt in einer beunruhigend abgelegenen Gegend - wo er in einen Hinterhof abbog, dessen Anblick ihm tatsächlich kurz anders werden ließ. Aber ja … er kannte das Prozedere bereits. Ähnlich war es zuletzt 2019 zugegangen - als sie ihm wegen diesem elenden Tattooskandal regelrecht aus dem Urlaub ins Industriegebiet gebracht hatten. Damals hatte die Notfallsitzung rund drei Stunden gedauert. Er ahnte, dass es heute nicht anders laufen würde. Also richtete er sich darauf ein, als man ihm - nachdem man die Lage gecheckt hatte - andeutete auszusteigen.
Lee Seoyeon wartete, wie es für seine Managerin üblich war, direkt hinter der Tür auf ihn. Mit bedenklich großen Augen. Ja, sie war zu gewissen Teilen in diese Sache involviert gewesen. Hatte das Airbnb gemietet und alles weitere geregelt, was notwendig gewesen war. Etwa einen geeigneten Fahrer ausgewählt, der Blondie von A nach B bugsiert hatte. Einen Fahrer, den die Fans bisher noch nicht kannten, da er in anderen Bereichen des Unternehmens tätig gewesen war.
Im Grunde wäre sie die Option B gewesen, die er Blondie nicht genannt hatte. Diejenige, die sie aufgrund der fehlenden Kondome hätten kontaktieren können … natürlich war jedoch auch das keine brauchbare Option gewesen. Hätte er es getan, wäre sie jetzt eventuell nicht nur als seine Managerin hier. Im schlechtesten Fall hätte nämlich auch das Gerüchte geschürt. Zudem hatte er sie nicht fragen wollen. Schon allein der Gedanke daran war ihm extrem unangenehm gewesen.
Lee führte ihn stillschweigend und mit gesenktem Blick durch die Gänge und in einen Aufzug, mit dem sie in den dritten Stock fuhren. Dort angekommen, ging es weiter bis zu einem Besprechungsraum, bei dem die Tür bereits offen stand. Im Inneren wartete, wie er es im Grunde schon erwartet hatte, Nahm auf ihn. Nahm, sowie Social-Media- und Deskalations-nim - plus zwei weitere Anwesende, die er bisher noch nie gesehen hatte. Ihre Anwesenheit legte jedoch nahe, dass es sich um hohe Tiere handelte. Also nickte er auch ihnen mit einer halbherzig angedeuteten Verbeugung zu und ließ sich auf einen der freien Plätze an den Tischen fallen, die man, wie er es bisher gewohnt war, wie ein U aufgestellt hatte.
Am Ende von diesem, auf der linken Seite des Us, stand wieder ein Laptop, der an einen Bildschirm am Ende der Wand angeschlossen zu sein schien. Auf diesem zu sehen war - ebenfalls wie bereits erwartet - Naver. Eines der beiden Bilder, die Blondie zeigte, sprang ihm auf 52 Zoll entgegen, als er sich am langen Ende des Us und somit gegenüber der Wand und allen anderen Anwesenden niederließ. Lee tat es ihm gleich und ließ sich rechts neben ihn fallen.
“Kannst du uns das vielleicht erklären?”, fragte Nahm an ihn gewandt, kaum dass einer der anderen Anwesenden die Tür hinter ihnen geschlossen hatte.
Ja, das konnte er. Er war ein Idiot, der statt den elenden Kondomen die scheiß Socken in seinen Rucksack geworfen hatte, als er fluchtartig und unter Schmerzen stehend sein Apartment verlassen hatte. Das würde hier aber niemanden interessieren.
Und der Rest war Geschichte …
“Ich denke, die Bilder sprechen für sich. Oder welche Fragen gibt es, die ich beantworten oder aus der Welt schaffen soll?”, gab er also zurück. Mit geübt fester Stimme - einzig seine Finger, die er auf dem Tisch zusammengelegt hatte und die nervös miteinander spielten verrieten ihn. Also ließ er sie so beiläufig wie möglich unter dem Tisch verschwinden, als ihm das bewusst wurde.
Nahm seufzte und sah einmal ihn und einmal Lee strafend an. “Gerüchten nach hat eine junge Frau - mit einer deiner Kreditkarten - Kondome gekauft. Das ist korrekt, oder gibt es dazu etwas hinzuzufügen? Im Sinne von: Deine Karte wurde gestohlen? Oder der Beleg, der ebenfalls umgeht, ist gefälscht?”
Jungkook schluckte und schüttelte den Kopf. “Nein. Das ist korrekt.” Es brachte nichts, zu lügen. Wenn er das tat, konnten sie die Lage nicht einschätzen und nicht deeskalieren. Denn ja, auch wenn es nicht so wirkte, ging es ihnen in erster Linie darum, Schaden abzuwenden. In erster Linie von der Company, aber eben auch von ihm - da Schaden, der auf ihn fiel, meistens auch die Company zu spüren bekam.
Nahm sah ihn an. Lange und eindringlich. “Ich hoffe dir ist bewusst, wie überaus fahrlässig das war”, gab er dann schneidend von sich.
“Ist es, aber … wir dachten es wäre … sicher. Sie hat ein Selbstbedienungsterminal genutzt. Es war Nacht und der Laden war leer. Wir vermuten, der Kassierer hatte Interesse an ihr - und hat deshalb versucht, ihr über die Kreditkartenzahlung nachzustellen”, dass besagter Kassierer anscheinend einen Blick auf die Karte erhascht hatte, ließ er bewusst weg. Das spielte keine Rolle, das änderte immerhin nichts. Nahm sah nach wie vor unzufrieden aus, aber er schwieg. Das war in Anbetracht der Umstände ein gutes Zeichen.
“Wenn das so wäre, wäre das ein besorgniserregender Vorwurf. Damit werden wir uns an das Kreditkarteninstitut und an den US-Hauptsitz des Einzelhandelkonzerns wenden. Man wird sich sicherlich kooperativ zeigen - um diese Sache und Vorwürfe, die mit dieser einhergehen, aus der Welt zu schaffen”, warf einer der beiden ihm unbekannten Anwesenden ein. “Und sicherlich wird man diskret sein, wenn wir es ebenso sind”, fügte der zweite hinzu - und schob gleichzeitig etwas, das nach einer Vollmacht aussah, zu ihm herüber.
Eine Vollmacht darüber, diese Angelegenheit in seinem Namen mit den Verantwortlichen seiner Bank und des 7-Eleven-Franchises zu klären. Das hier war jemand aus dem companyeigenen Anwaltsteam. Beziehungsweise beide waren es - nur dass Person A als Vertreter der Company und Person B als sein Vertreter hier war, wie dieser ihm mitteilte als er ihm eine Visitenkarte zuschob. Das erklärte natürlich einiges. Jungkook las sich die Vollmacht durch und unterschrieb sie schließlich. Anderes blieb ihm immerhin nicht übrig.
“Was ich mich allerdings frage ist, warum nicht jemand anderes … diese äußerst spezielle Besorgung gemacht hat”, hakte Nahm scharf nach.
“Da gab es niemanden … der geeignet gewesen wäre. Alle Anwesenden oder verfügbaren Kräfte waren den Fans bekannt oder nicht eingeweiht”, beantwortete er das Offensichtliche. Nahms Blick fiel auf Lee, die neben ihm saß und in ihrem Stuhl immer kleiner wurde. Also kam Jungkook ihm zuvor und schuf auch diese Frage aus dem Raum, bevor sie gestellt werden konnte: “Es gab bereits Gerüchte über uns. Einschlägige Gerüchte, wie den meisten Anwesenden bekannt sein dürfte. Es hätte den Ausgang wahrscheinlich nicht geändert oder vielleicht sogar verschärft, hätte ich Lee-nim losgeschickt.”
Nahm nickte wissend. “Ich verstehe … das ist in der Tat ein Problem. Eines, das wir aus der Welt schaffen werden müssen”, sagte er und blickte Lee neben ihm durchdringend an. Und auch ohne dass er sprach, war allen Anwesenden klar, was das bedeutete. Man würde Lee ersetzen … und ja … das war ganz große Scheiße, wie ihm auch ihr Gesichtsausdruck sagte. Darüber könnte und würde er sich jedoch später Gedanken machen.
“Gut … in Anbetracht der Umstände. Aber wir müssen das Beste daraus machen”, sagte Nahm und übergab das Wort an Deeskalations-nim.
“Wir werden die Echtheit des Belegs abstreiten. Das wird dem Gerücht Substanz und den Boden nehmen. Dennoch wird es Zeit brauchen, bis es verebbt ist. Bis dahin bitten wir dich, dich zurückzuhalten. Wie immer: Bitte keine Äußerungen zur Sachlage. Versuche zudem auch darüber hinaus, in den nächsten Tagen auf jegliche Posts zu verzichten. Um zu vermeiden, dass du die Gerüchteküche versehentlich anheizt.”
Jungkook nickte. Ja, das Prozedere kannte er. “Was ist mit … dieser Frau, für die sie alle halten? Alva?”, hakte er nach.
“Wir stehen in Verhandlungen mit ihrem Management”, gab Nahm, wie er es im Grunde schon erwartet hatte, zurück.
“Und … Hannah?”, fügte er leise hinzu und konnte das verräterische Schlucken, dass sich seine Kehle hinauf bahnte, nicht unterdrücken.
“Wir schaffen sie außer Landes, sobald sich die Möglichkeit ergibt. Und wir würden dich bitten, den Kontakt zu ihr in den nächsten Wochen stark einzuschränken - oder besser noch, komplett einzustellen”, ließ Nahm ihn wissen.
Ja, das hatte er erwartet. “Ich denke nicht-”, setzte er an …
… doch Nahm fiel ihm ins Wort: “Ist dir bewusst, was du hier riskierst? Nicht nur für dich, sondern für euch alle? Eine Ausländerin. Dazu noch mit deutschen Wurzeln. Weißt du, was man über die Deutschen sagt?”, fragte er schneidend und fügte eine Spur leiser hinzu: “Weißt du, in welcher Verbindung die Deutschen im Zweiten Weltkrieg mit den Japanern standen? Die waren so”, zischte er und verschlang die Finger beider Hände miteinander.
“Das ist mir bewusst. Aber … soweit ich weiß, war ihre Familie unseren Erkenntnissen nach nicht in entsprechenden Kreisen aktiv. Oder etwa doch?”, gab er zurück. Natürlich war sie das nicht, wäre sie das gewesen, hätte man es ihm ganz sicher schon vor Wochen als Totschlagargument unter die Nase gerieben.
“War sie nicht”, bestätigte Nahm matt, “aber ändert das etwas?”
“Ja, ich denke schon”, gab er zurück. Und ja, er klang definitiv trotzig …
… was auch Nahm nicht entgangen war, denn der lenkte mit kapitulierender Miene ein und sagte: “Gut. Wir kommen hier nicht weiter. Dennoch sollten wir sie erst einmal aus dem Land schaffen-”
“Warum?”, fiel nun der jüngere dem älteren Mann ins Wort. Nahm sah ihn erneut strafend an, aber er fuhr fort. “Ich werde mich in den nächsten Tagen eh verschanzen müssen, oder nicht? Warum kann ich es nicht mit ihr gemeinsam tun?”
Nahms Gesicht überzog ein schiefes Grinsen und er deutete auf den Bildschirm, der nach wie vor hinter ihnen an der Wand hing - und Blondie zeigte. Zwei Packungen Kondome in den Händen. “Sag du es mir”, zischte er.
“Wie ich bereits sagte, war das nicht vorhersehbar. Und wir werden ganz sicher nicht noch einmal denselben Fehler machen”, warf er zu ihrer beider Verteidigung ein. Und weil er ahnte, dass das ziehen könnte, fügte er hinzu: “Außerdem hätte ich sie so im Auge. Sie hat diese Sache nicht besonders gut aufgenommen - und wir wissen, wie das enden kann, wenn wir sie mit dieser Sache alleine lassen. Wir haben es mehr als einmal erlebt.”
Natürlich ging es ihm nicht nur darum. Zum einen wollte er Blondie schlichtweg um sich haben - vor allem jetzt. Zum anderen war ihm aber auch bewusst, dass es das wahrscheinlich war, wenn er sie jetzt einfach in einen Flieger setzen würde. Immerhin würde ihr das vermitteln, dass diese Scheiße alleinig ihre Schuld war und sie aus diesem Grund abgestraft wurde. Schließlich wusste sie nicht, was wirklich hinter diesen elenden Kulissen abging - die vergangenen Stunden hatten ihm das mehr als deutlich gezeigt. Er habe nicht wie ein Fan ausgesehen, hatte sie gesagt. Wüsste sie es besser, wäre sie nicht auf den ältesten Trick von allen reingefallen. Denn meistens sahen die, die ihnen in den Rücken fielen oder am gefährlichsten waren, nicht aus wie Fans …
Und ja, das machte es nicht besser … das änderte jedoch nichts daran, dass das hier nicht allein ihre Schuld war. Demanach wollte er ihr das ebensowenig vermitteln wie das Gefühl, mit dieser Scheiße - jedenfalls soweit sie sie betraf - allein zu sein.
Denn ja: Leider hatten sie bereits erlebt, wie das ausgehen konnte. Ihren Erfahrungen nach alles andere als gut. Dieser Druck, dem man in einer solchen Situation ausgesetzt war, war enorm und ungewohnt - vor allem für Normalos, wie Blondie es war. Er konnte schnell unerträglich werden oder einem über den Kopf wachsen. Und dann tat man dumme Dinge … Dinge wie Reden zum Beispiel. Sei es auch nur, um sich selbst zu verteidigen.
“Und wie stellst du dir das vor? Euch ein weiteres Airbnb zu buchen ist gerade viel zu riskant”, gab Nahm hörbar skeptisch zurück.
Das war eine gute Frage. Eine, über die er sich bisher keine weiteren Gedanken gemacht hatte. “Man könnte sie zu mir bringen, wenn sich die Lage ein wenig beruhigt hat”, flüsterte er … und ja, ihm war bewusst, dass auch das nur eine blöde Idee von vielen war. Aber es war die einzig greifbare. Deshalb konkretisierte er sie, bevor Nahm auch diese in Grund und Boden reden konnte: “In meinem Komplex leben bekanntlich jede Menge Menschen - darunter überwiegend Leute aus der Unterhaltungsbranche. Man ist also diskret, weil man nicht möchte, dass über einen geredet wird. Eine Hand wäscht da die andere - und da alles recht abgeschottet ist, dürfte es kein Problem sein, sie da ungesehen rein und raus zu bringen. Oder wenigstens machbar … da gehen ständig irgendwelche Leute ein und aus. Auch ich hatte schon mehr als einmal … spezielleren Besuch. Wie den meisten Anwesenden bekannt sein dürfte. Und ja, es gab Gerüchte - das lag aber daran, dass man unvorsichtig war und für jeden sichtbar den Haupteingang genutzt hat.”
“Das werden wir uns durch den Kopf gehen lassen müssen”, gab Nahm zurück. Da das aber kein Nein war, war das gut … und deshalb nahm Jungkook es fürs Erste so hin.
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Ihr Lieben, hello again und es ist Bergfest. Habt ihr euch alle schon gut im neuen Jahr eingefunden? Ich habe erst gestern wieder 2024 geschrieben und da es einem Klienten von uns gerade auch so geht und er Grafiken, die automatisch einlaufen, ständig aufgrund des Datums falsch benennt, müssen wir sie aktuell ständig von Hand einfügen - was natürlich viel zusätzliche Arbeit ist. Hach ja … der Jahresanfang ist bekanntlich immer wieder holprig. lol