Distraction (nach Chapter 43 von NaD)
Distraction (nach Chapter 43 von NaD)
Hinweis: Das folgende Chapter kann jederzeit nach Kapitel 43 von Night and Day gelesen werden.
33. Distraction
“Schatz, geht es dir gut?”, wollte seine Mutter hörbar angespannt wissen.
“Ja, Eomma, es ist alles okay. Wirklich. Äußerst unglücklich, aber es geht mir gut”, gab er im wahrsten Sinne des Wortes zwischen Tür und Angel zurück.
Er kam gerade aus einem weiteren Meeting, in dem man ihm mitgeteilt hatte, dass man das Go dazu gab, Blondie zu ihm zu bringen. Jedoch nur unter einer ganzen Reihe Voraussetzungen, die unter anderem darin bestanden, dass er sich bereit erklärte, einen Schadensersatz zu leisten, wenn das Ganze nach hinten losging und die Lage sich verschlechterte. Ebenso hatte er sich dazu verpflichten müssen, mit ihr das Haus nicht zu verlassen - was an sich unnötig gewesen war, allerdings schienen sie ihm seit der jüngsten Aktion nicht mehr zuzutrauen, dass er klar denken konnte.
Offensichtlich erwartete man, dass er direkt den nächsten Knall verursachte - etwa, indem er mit Blondie auf seiner Terrasse knutschte. Oder indem er Hand in Hand ein wenig mit ihr um den Block spazierte. Und ja, so verlockend das klang, war ihm durchaus bewusst, dass das jemandem wie ihm nicht möglich war. Er machte diesen Job nicht erst seit gestern. Und noch einmal würde er sich nicht von seinem Schwanz und der Naivität leiten lassen.
“Und … ich weiß, ich sollte diese Frage nicht stellen, aber da man dir solche Dinge für gewöhnlich zentimeterweise aus der Nase ziehen muss, tue ich es. Sie lässt mich nämlich nicht los: Was ist da dran? Ist das alles nur ein Hoax oder-” Seine Mutter stockte und er meinte, seinen Vater im Hintergrund gequält stöhnen und leise etwas flüstern zu hören, das stark nach “welche Rolle spielt das?” klang.
Vor seinem inneren Auge sah er, wie sich seine Mutter wortlos rechtfertigte. Und ja, irgendwie verstand er, dass sie wissen wollte, was an dem Elend eventuell dran war - und was nicht. Dennoch war die Frage, was genau die Frage war. Also hakte er vorsichtig nach: “Um welchen Teil geht es genau?”
“Dieses Mädchen-” Wieder stockte seine Mutter, aber damit wusste er genug.
“Ist nicht das Mädchen, das … mit meiner Karte shoppen war”, gab er leise und bedacht zurück - indem er sich einmal umsah, bevor er sprach.
“Also ist das alles nur die halbe Wahrheit?”
“Ja … der Teil mit dem Shop ist wahr”, gab er leise zu und hoffte, dass er damit nichts weiter sagen musste, “allerdings hält man sie für jemanden anderen.”
“Ich verstehe”, gab seine Mutter zurück.
Tat sie im Grunde nicht, aber das spielte keine Rolle. Keine wirkliche jedenfalls. Trotzdem war da eine Frage, die eventuell noch im Raum stand. Also schuf er diese aus der Welt, bevor sie weiter brüten und heranwachsen konnte. “Aber … das blonde Haar ist echt. Sie ist … Europäerin”, sagte er und spürte, wie die Anspannung in ihm binnen einer Sekunde ins Unermessliche anstieg.
Ja, seines Wissens waren seine Eltern tolerant und gaben vor, nur bedingt traditionell zu sein. Nun würde sich zeigen, ob sie es wirklich waren.
“Das ist okay”, gab seine Mutter zurück … und ja, es erleichterte ihn.
Wahrscheinlich etwas zu sehr, wenn man bedachte, dass er sich bei dieser Sache zwischen Blondie und ihm alles andere als sicher war. Aber auch das war gerade - Hier und Jetzt - nur eine weitere Sache von vielen, die keine wirkliche Rolle spielte.
Sein Vater schien im Hintergrund etwas einzuwerfen und da seine Mutter zu erklären begann, über was sie gerade sprachen, nahm er an, es ging darum, was hier gerade gesagt wurde.
Schließlich hörte er auch ihn sagen: “Das ist egal. Das sollte er wissen.”
Seine Mutter stimmte zu und ließ ihn erneut wissen: “Woher sie kommt, spielt keine Rolle für uns. Wirklich nicht. Wichtig ist, was ihr füreinander empfindet und dass sie gut zu dir ist.”
“Ich weiß”, gab er leise zurück, hatte aber dennoch den Drang, ein leises Danke hinzuzufügen - dem er schließlich nachgab.
“Hör auf, für so etwas will ich kein Danke hören. Das ist jawohl selbstverständlich”, schoss seine Mutter zurück und ja, sie klang tatsächlich etwas gekränkt. Berechtigterweise, denn im Grunde sollte er es besser wissen.
Ihre Eltern hatten ihn und seinen Bruder immer unterstützt. Bei jeder noch so verrückten Idee oder auch jedem noch so waghalsigen Wunsch, den sie gehegt hatten. Die Tatsache, dass er gerade war, wo er bekanntlich war, sprach da bereits Bände. Denn nur wenige Eltern ließen ihren Teenangersohn, der im Grunde noch ein halbes Kind war, mit dem Traum ein Popstar zu werden, in die nächste Großstadt ziehen.
“Und wie sehen das ihre Eltern?”, wollte sein Vater aus dem Off wissen.
“Ich-ich … ich weiß es nicht”, entwischte es Jungkook, zugegeben mehr als nur etwas überrumpelt.
“Sie werden begeistert sein”, zischte seine Mutter hörbar aufgebracht, “unser Baby ist eine verdammt gute Partie. Und das sage ich nicht nur, weil er ein sehr talentierter junger Mann ist, er ist auch verdammt-”
“Wohlhabend”, warf sein Vater ein …
… was seine Mutter missmutig zischen ließ: “Gutaussehend!”
Und ja, er musste einen Moment heiser lachen. Prioritäten hatten seine Eltern. Das musste man ihnen lassen. “Außerdem bin ich auch sehr gutherzig und wohl erzogen. Das habt ihr vergessen”, warf er schneidend ein und fügte noch eine Spur schneidender hinzu: “und ich bin kein Baby mehr, Eomma.”
“Sagte ich doch, junger Mann. Und dass du gutherzig und wohl erzogen bist, das wissen wir. Das hast du von uns. Immerhin waren wir es, die dich rund eine Million Mal ermahnt haben, den anderen Kindern nicht das Spielzeug zu stehlen und deine Süßigkeiten mit ihnen zu teilen.”
Er hörte seinen Vater lachen, bevor er atemlos raunte: “Einen Krümmel für dich und der Rest des Keks ist für mich.” Auch seine Mutter lachte bei der Erinnerung daran.
Ja … er war nicht gerade das gönnerhafteste Kleinkind gewesen. Vor allem, wenn es ums Essen ging. “Jaja, ich war ein kleiner, egoistischer Rotzlöffel. Trotzdem bin ich kein Baby mehr”, unterbrach er sie beide in ihrer kleinen Lachsalve.
“Für mich wirst du immer mein kleines Baby bleiben”, gab seine Mutter, wie er es im Grunde bereits erwartet hatte, scharf zurück. Das hatten sie nämlich schon zig Mal genauso diskutiert.
“Ein Baby, das uns so schnell keine Enkel beschert, nehme ich an”, warf sein Vater aus dem Off ein. "Zugegeben, hättet ihr zwei diskreter sein können, aber trotzdem richtig gemacht.”
“Appa”, raunte er …
… während seine Mutter leise in den Hörer schnaufte. ”Hört auf, davon will ich nichts hören. Ich bin erleichtert zu wissen, dass ihr verhütet, aber ich muss es nicht in den Nachrichten, zwischen dem Wetterbericht und den wichtigsten News in 90 Sekunden, sehen.”
Und ja ... weil es ihm da ähnlich ging, stimmte er nur leise grummelnd zu und damit wechselten sie endlich das Thema.
Etwas anders brisant, aber nach wie vor brisant, war das nächste Meeting, das direkt nach dem Telefonat auf ihn wartete. In diesem ging es nämlich darum, wie sie Blondie möglichst ungesehen aus dem verdammten Apartment holen konnten. In den vergangenen Stunden hatte sich vor diesem eine beachtliche Traube von Schaulustigen gebildet.
Jungkook wählte bewusst diesen Begriff und nicht den von Fans, weil es sich genau um solche handelte. Ebenso hatte er auf den Begriff Sasaeng verzichtet, weil mehr als deutlich war, dass es sich nicht nur und allein um solche handelte.
Natürlich war auch diese spezielle Sparte ihrer Anhänger vertreten, aber die Meute wurde von neugierigen Fans oder interessierten Bystandern erweitert. Also Leuten, die eher zufällig vorbeikamen und sich der Meute aus Neugierde anschlossen. Immerhin hatte ihr kleiner Shoppingtrip für ziemlich viel Aufsehen gesorgt. Nahezu das ganze Land war im Bild darüber, was genau heute Nacht angeblich passiert war.
Aktuellen Einschätzungen nach, hatte sich die Zahl der Menschen - die vor dem Gebäude, in dem sich das Airbnb befand - auf was auch immer warteten, rund verfünffacht. Und die traurige Tendenz war steigend. Ebenso hatte es einige spontane Buchungen der weiteren Apartments gegeben, die in diesem Gebäude zur Miete oder für Übernachtungen zur Verfügung standen - bevor die Company hatte gegensteuern und alles buchen können.
Kurzum: Aktuell saß Blondie fest. Und niemand hier konnte sagen, wie lange. Nicht, wenn die Größe der Meute weiter anstieg und das Gebäude infiltriert wurde.
“Wir könnten sie tarnen und Leute auf den anderen Etagen positionieren. Wir schicken jemanden von uns zu ihr und die anderen lassen ihn via In-Ear wissen, ob und wenn die Luft rein ist. Unser Vorteil ist, dass nach wie vor niemand zu wissen scheint, auf welcher Etage sie ist”, sagte Deeskalations-nim.
Nahm sah wenig überzeugt und noch weniger zufrieden aus. “Sie ungesehen aus dem Gebäude zu bringen ist wahrscheinlich nicht das Problem. Das wird eher die Tiefgarage sein. Dort scheinen sich aktuell einige einschlägige Problemkinder zu befinden.”
“Wir haben mit dem Sicherheitsteam des Gebäudes gesprochen, sie werden die Tiefgarage räumen - und den Zutritt streng überwachen, bis wir ihnen Entwarnung geben”, gab ein ihm unbekanntes Gesicht zurück.
“Gut. Was ist mit den Leuten, die vor dem Gebäude lauern? Und damit meine ich nicht diejenigen, die einfach in der Hoffnung auf eine Sichtung dort verharren. Ich meine diejenigen, die in ihren Autos, in Taxis oder Ubers bereitstehen, um Fahrzeugen zu folgen, die das Gebäude verlassen? Aktuell sind es zu viele, um sie gezielt fehl- und ablenken zu können”, warf Nahm ein.
“Wir brauchen ein größeres Ablenkungsmanöver. Eines, dass die Zahl der Sasaengs und auch der Boulevardpresse senkt”, brachte das unbekannte Gesicht ein.
Und das hier war der Moment, in dem sich auch Jungkook unsicher zu Wort meldete. “Was ist, wenn ich für Ablenkung sorge?”, hauchte er und fügte auf Nahms mehr als nur skeptischen Blick hinzu: “Natürlich anderswo. Wenn ich das gerade richtig verstehe, gehen sie davon aus, ich bin noch dort. Bin ich es nicht und tauche stattdessen woanders auf … dann könnte sich die Meute eventuell auflösen und teilen.”
“Das könnte funktionieren”, kam es von Deeskalations-nim, “sicherlich werden einige der Wartenden ihren Posten verlassen, um zu Jeon Jungkooks Aufenthaltsort weiterzuziehen. Und wenn die Menge vor Ort schrumpft und bekannt wird, dass er nicht dort ist, werden sicherlich manche die Lust am Warten verlieren.”
Nahm sah nach wie vor alles andere als zufrieden aus. “Das ist riskant. Er genießt gerade sehr viel Aufmerksamkeit, das bedeutet, dass er große Menschenmengen anlocken könnte.”
“Wir schicken einige unserer Leute mit”, schien Deeskalations-nim Nahm besänftigen zu wollen.
“Natürlich tun wir das. Das ändert aber nichts daran, dass das riskant werden könnte. Außerdem wirkt es eventuell gestellt - was unsere Lage grundlegend nicht unbedingt verbessern könnte”, grummelte Nahm weiter vor sich hin.
Also brachte Jungkook sich erneut ein. “Ich könnte … mich mit Freunden treffen. Und die Bodyguards halten sich bedeckt und greifen nur im absoluten Notfall ein. Dann wirkt das im besten Fall einfach nur wie ein privates Treffen. So als tangiere mich diese Sache nicht oder, als wäre ich mir über ihr Ausmaß nicht bewusst, was doch im Grunde nur für unsere Version der Geschichte spricht.”
Nahm sah nach wie vor alles andere als glücklich und zufrieden aus. “Das gefällt mir ganz und gar nicht”, bestätigte er den Ausdruck auf seinem Gesicht schließlich auch verbal, fügte jedoch kapitulierend hinzu: “Allerdings haben wir keine Wahl. Wir müssen das Mädchen da raus holen, bevor es noch schlimmer wird.” Jungkook nickte bei diesen Worten wahrscheinlich etwas zu hektisch, doch es schien an Nahm vorüberzugehen, da dieser sich an den Kopf ihrer Sicherheit wandte, der ebenfalls anwesend war: “Ich will zehn-nein besser zwölf Männer, die ihn im Auge behalten. Nicht die üblichen, sie sollen nicht auffallen. Sie sollen sich in mehrere Teams aufteilen und ihn aus mehreren Positionen im Blick behalten. Eingegriffen wird nur im absoluten Notfall. Für den will ich außerdem vier Pkws an verschiedenen Positionen, die sich zur schnellen Flucht eignen.”
Der Sicherheitsmann nickte: “Sobald wir wissen, wo es hingeht, werden wir einen Plan ausarbeiten.”
“Sehr gut”, sagte Nahm und wandte sich wieder an das Idol in ihrer kleinen aber exklusiven Runde: “Überlege dir etwas, das zu deinen üblichen Gewohnheiten passt. Und nimm jemanden mit, mit dem du häufiger privat unterwegs bist. Keines der Member. Das wäre zu auffällig”, ließ ihn Nahm wissen.
Aber ja … das war ihm bewusst. Außerdem verbrachte er privat nicht mehr ganz so viel Zeit mit den Membern, wie manche Fans es annahmen. Ja, sie standen sich nach wie vor nahe und verbrachten durchaus auch über ihre Schedules hinaus Zeit miteinander. Allerdings brauchte man irgendwann mal Abstand voneinander, wenn man durchschnittlich sechs Tage die Woche miteinander verbrachte und jahrelang miteinander gelebt hatte - teils auf engstem Raum. Zudem hatten sie alle einen eigenen Freundeskreis, der sich zwar zum Teil überschnitt, aber nicht gänzlich.
Und genau das war den Problemkindern, wie Nahm sie zuvor genannt hatte, durchaus bewusst. Genau deshalb mussten sie bedacht vorgehen. Denn das hier sollte natürlich und authentisch aussehen. Deshalb musste er jemanden wählen, mit dem er außerhalb seiner Schedules bekanntlich viel Zeit verbrachte. Und darüber hinaus jemanden, der das alles mitmachte. Aber … Jungkook hatte da bereits eine Idee.
***
Ihr Lieben, endlich feiern wir wieder Bergfest. Die letzten Tage waren für mich sehr stressig, ich hoffe bei euch war es besser. Dafür werden die nächsten etwas entspannter. Jippie. :) Passt auf euch auf. Übergreifend aber vor allem bei diesem Wetter. Wir lesen uns Freitag. <3