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Gangnam (nach Chapter 43 von NaD)

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Gangnam (nach Chapter 43 von NaD)

Hinweis: Das folgende Chapter kann jederzeit nach Kapitel 43 von Night and Day gelesen werden.

34. Gangnam

Blondie schien es schrecklich zu gehen. Ja, natürlich hatte er nicht erwartet, dass sie das hier einfach so problemlos wegstecken würde - allerdings war sie aufgebrachter, als er es erwartet hätte. Immerhin war sie in diese Sache nicht wirklich involviert. Man hatte sie nicht erkannt und belästigte und bedrängte sie demnach nicht. Und bestenfalls würde das auch so bleiben.

Das Problem war also die Tatsache, dass sie nach wie vor in diesem elenden Apartment festhing. Allein. Und anscheinend fühlte sie sich zudem auch noch alleingelassen, was bekanntlich nichts Gutes war. Umso eher sie sie da rausholen konnten, umso besser also.

“Danke, dass du das hier mit mir durchziehst”, sagte er also an einen seiner besten Freunde gewandt, als sie seine Wohnung gemeinsam in Richtung der Tiefgarage verließen.

“Schon okay”, gab Mingyu zurück. Dabei konnte er die Nervosität, die scheinbar auch ihn etwas eingenommen hatte, nicht gänzlich überspielen.

Ebenso wie Jungkook es nicht konnte. Da waren sie beide sich in vielen Dingen sehr ähnlich. Wahrscheinlich hatte es damals deshalb auch Klick zwischen ihnen gemacht. Sie verstanden sich recht häufig ohne Worte und konnten nicht selten etwas zu gut nachvollziehen, wie der andere sich gerade fühlte. “Dafür hast du was bei mir gut”, gab er leise zurück, als sie gemeinsam in den Aufzug gestiegen waren.

“Davon gehe ich doch mal aus”, gab sein Gegenüber schief grinsend zurück, was den jüngeren der beiden Männer leise lachen ließ.

Nicht so selbstsicher, wie er es sich erhofft hatte. Die Nervosität war deutlich zu hören. Allerdings war das okay. Sie waren unter sich. In sehr vertrauter Gesellschaft, in der nicht beurteilt und noch weniger verurteilt wurde. Und sie beide wussten, dass das hier kein besonders spaßiger Nachmittag werden würde - auch wenn er bestenfalls so aussehen sollte. Wie ein entspannter und geselliger Nachmittag unter Freunden und nicht wie der Spießrutenlauf, der es eigentlich sein würde.

Zugegeben war es das immer. Egal wie entspannt es auch übergreifend sein mochte, es gab immer mindestens eine handvoll Leute, die sie erkannten - und es im besten Fall dabei beließen. Im zweitbesten wurde nur getuschelt, im dritten sprach man sie an, im viertbesten machte man Fotos und im schlechtesten verfolgte man sie und drängte sie so sehr in die Ecke, dass sie das Weite suchen mussten. Im besten Fall im Alleingang, im schlechtesten, mit Unterstützung …

Es gab so viele Stufen und Unterteilung von den schlechtesten und besten Fällen eines jeglichen Szenarios, dass es im Grunde lächerlich war. Wäre es nicht so tragisch, versteht sich. Immerhin mussten sie auf jedes dieser Szenarien vorbereitet sein. Wenigstens mental.

Natürlich schaffte man es dennoch, sie immer wieder zu überraschen. Etwa, indem man so tat, als kannte man sie nicht. Etwa um neue Freunde zu machen - oder bestenfalls mehr. Vor allem wenn die anderen in Gruppen waren, kam das immer wieder vor. Hier war man mutiger und schien sich auch einzureden, dass sie dadurch offener sein würden.

Allerdings war eher das Gegenteil der Fall. In einer Gruppe verlor man zu schnell den Überblick. Und ehe man sich versah, saß jemand neben einem und ein anderer machte ein Foto …

Im schlechtesten Fall war der Nebenmann dabei eine Frau. Im besten Fall nur ein Mann, der mit der Tatsache angeben oder bei anderen punkten wollte, dass er einen vermeintlich kannte. Deshalb mieden sie vor allem Gruppen. Doch auch kleine Gruppen oder Einzelpersonen konnten gefährlich werden. Mehr als einmal hatte sie plötzlich von hinten jemand überrascht, während jemand anderes aus dem Off den Auslöser einer Kamera drückte.

Kurzum: Man musste immer aufmerksam sein. Die Augen überall haben. Deshalb waren sie sicherer, wenn sie in größeren Gruppen waren. Umso mehr Augenpaare sie hatten, umso besser konnten sie ihre Umgebung immerhin überblicken. Zudem schüchterte es ein, wenn ihre Zahl größer als die der Anwesenden war.

Deshalb war er froh, dass er das hier nicht allein angehen musste. Zwar waren zwei Augenpaare nicht optimal, aber sie waren besser als eins. Darüber hinaus würde ihm Mingyus Anwesenheit jedoch auch etwas Sicherheit und Ruhe geben. So war er mit dieser Scheiße und was immer sie ihm da draußen in freier Wildbahn bringen würde, wenigstens nicht gänzlich allein.

Leider würde dadurch auch sein bester Freund einen gewissen Preis zahlen müssen. Ganz sicher wären seine Fans nämlich alles andere als begeistert davon, dass er sich in diese Sache hineinziehen ließ. Dass er Jungkook und seinem ausschweifenden Lebensstil, für den man ihn gerade streckenweise aufs Übelste verurteilte, unterstützte.

“Deine Fans werden das nicht mögen”, sprach er das Offensichtliche aus, als sie gemeinsam in seinem Mercedes saßen und er den Wagen mittels Knopfdruck anwarf.

Mingyu nickte schwach und flüsterte:  “Ja. Einige jedenfalls. So wie einige deiner Fans diese Sache durchschauen werden. Also, unser kleines Ablenkungsmanöver”, lenkte er das Thema um, da es grundlegend nichts brachte, weiter auf Dingen rumzureiten, die ihnen beiden bewusst waren.

Sein Vorschlag, ausgerechnet einen anderen companyeigenen Geldesel mit in diese Sache hineinzuziehen, kam in dieser wie es zu erwarten gewesen war, alles andere als gut an – auch wenn es sich nur um eine weitere der zahlreichen Tochterfirmen handelte. Viele andere Optionen hatte er aber nicht. Keine andere Company da draußen würde zulassen, dass er einen ihrer Klienten da hinein zog. Also hatte man schließlich widerwillig in den sauren Apfel gebissen - in der Hoffnung, dass der Schaden nicht allzu groß werden und diese Sache schnell wieder in Vergessenheit geraten würde.

Und ja … Jungkook ging es da ähnlich. Wenigstens in Bezug auf seinen Freund, der das alles über sich ergehen ließ. Für ihn und Blondie … und das hatte er getan, ohne zu zögern. Etwas, das den jüngeren der beiden Männer ungemein dankbar machte.

Ebenso wie seine folgenden Worte: “Wichtig ist erst einmal, dass wir dein Mädchen da raus holen. Das würde ich für meins immerhin auch wollen.”

Jungkook lachte heiser: “Dein Mädchen? Warum weiß ich von dem nichts?”

“Weil ich sie noch nicht gefunden habe. Mein hypothetisches Mädchen also. Für die du dann die Kondome kaufst, die ich vergessen habe”, lachte sein bester Freund mehr als nur offensichtlich gegen die Nervosität an, die merklich zwischen ihnen und im Auto anstieg, als sie aus der Tiefgarage und in den Straßenverkehr in Richtung Gangnam fuhren.

“Deal”, raunte er und schluckte den Kloß herunter, der sich in seinem Hals zu bilden drohte. Seine Hände klammerten sich so fest an das Lenkrad, dass seine Knöchel weiß wurden.

Mingyu lachte. Leise und nach wie vor hörbar nervös. “Stell dir mal vor, was das gibt. Wenn du für mich und nicht für Jimin oder Taehyung Kondome holst”, hauchte er mit zunehmend angespannter Miene gegen die verdunkelte Scheibe neben sich.

“Mord und Todschlag”, gab Jungkook zurück und lachte erneut heiser bei dem Gedanken daran, wie sich seine bandeigenen Shipper mit Minguys Fans den Kopf einschlagen würden. Oder auch mit seinen Shippern. Und weil er nicht wusste, wie die Lage da im Detail aussah und die Lage gerade eh schon absurd genug war, hakte er vorsichtig nach: “Mit wem … mit wem wirst du eigentlich geshippt?”

Sein bester Freund sah ihn kurz irritiert und belustigt an. Die Frage, welche verdammte Rolle das spielte, mehr als nur breit ins Gesicht geschrieben. “Mit Wonwoo zum Beispiel. Und mit Jun”, er seufzte, “ich hab das nicht so ganz im Blick. Das sind bei unserer Zahl natürlich einige.”

“Natürlich”, imitierte Jungkook seinen besten Freund mehr ungewollt als beabsichtigt heiser lachend …

… was diesen ihn einen Moment ungläubig taxieren ließ. “Hey, mach dich nicht lustig über mich. Du bist hier der schräge Vogel, der das wissen wollte”, schoss er zurück.

“Touché”, gab er nach und lachte einen Moment erneut unbehaglich und heiser, während er sich weiterhin so gut auf den Verkehr konzentrierte wie möglich. Und Mingyu stimmte in das Lachen ein. Weiterhin hörbar nervös … jedoch konnte er es ihm nicht verübeln. Immerhin fühlte sich das hier gerade ein wenig so an, als würden sie auf ihre eigene Hinrichtung zusteuern.

“Das wird schon. Wir gehen in den erstbesten Laden, essen was und warten, bis sie deine Kleine da raus geholt haben. Dann gehen wir wieder”, schien der ältere der beiden Männer die Anspannung etwas lösen zu wollen.

Jungkook stimmte zu … und so gingen sie genau so vor. Er parkte seinen Mercedes auf einem der kostenpflichtigen Parkflächen, sie steuerten auf das erstbeste Restaurant zu und bestellten sich jeweils ein Gericht, ein paar Beilagen, die sie sich teilten und zwei Drinks. Natürlich ging dabei alles auf ihn, das hatten sie schon zuvor ausgemacht, das war immerhin das Mindeste.

Und es war okay. Nicht angenehm oder gut, denn da waren definitiv mehr als ein Dutzend interessierter Blicke, die auf ihnen hafteten, während sie versuchten möglichst gute Miene zum unangenehmen Spiel zu machen - und mindestens ebenso viele Kameras und Handys, die man mal heimlich und mal mehr als offensichtlich auf sie richtete.

Allerdings hielt man sich darüber hinaus zurück. Man belästigte sie nur aus der Ferne und drängte sich ihnen nicht auf. So als hätten die jüngsten Geschehnisse eine Barriere um ihn gezogen, die man nicht überschreiten wollte. Und das machte es erträglich. Wenigstens ein wenig und er hoffte inständig, seinem Gegenüber erging es ähnlich. Und so aßen sie und ließen sich begaffen und ablichten wie ein paar Tiere im Zoo, während man Blondie hoffentlich ungesehen aus dem Airbnb schaffen konnte.

***

Hello again, erneutes Bergfest ihr Lieben. Ich hoffe, ihr kommt bei dem Wetter gerade gut durch die Woche. Das ist hier echt schrecklich. Und dann der Nebel. Teilweise kann man die Hand nicht mehr vor dem eigenen Auge sehen. So oder so, passt auf euch auf und wir lesen uns Freitag.