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Schmetterlingseffekt (nach Chapter 49 von NaD)

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Schmetterlingseffekt (nach Chapter 49 von NaD)

Hinweis: Das folgende Chapter kann jederzeit nach Kapitel 49 von Night and Day gelesen werden.

37. Schmetterlingseffekt

Es war sonderbar, Blondie hier zu sehen. In seinen vier Wänden. Sonderbar, aber auf angenehmere Art und Weise, als er es erwartet hatte. Um nicht als er es befürchtet hatte, zu sagen. Um ehrlich zu sein, war es sogar schön. Ihre Gesellschaft war so angenehm, wie es ihre Nähe war. Sie erdete ihn und holte ihn runter, wenn er da draußen diesem Irrsinn gegenübertreten musste, den sein Leben gerade darstellte.

Fragen über Fragen darüber, was er so mit wem trieb. Fragen über Fragen darüber, warum er nicht achtsamer gewesen war. Von allen Seiten - überwiegend jedoch von Seiten der Company und der Fans. Seine Member waren hingegen wie seine Familie und ein Großteil seiner Freunde erfreulich verständnisvoll und unterstützend gewesen. Nur hin und wieder tuschelte man über ihn - allerdings geschah das sehr selten und meistens handelte es sich um Trainees oder Staffmitglieder, die er kaum oder nur flüchtig kannte,

“Wir alle machen mal Fehler”, hatte Hoseok zu ihm gesagt, als er wie so oft in den letzten Tagen zwischen den Meetings und den Proben hin und her gehetzt war. Als er sich unzählige Male dafür entschuldigt hatte, dass er so viel der regulären Probezeit verpasste, weil er sich da oben vor den Projektor setzen und sich ansehen musste, was das Fandom und Alva so gerade trieben.

Namjoon hielt sich mit Zurechtweisungen zurück, auch wenn er als Leader ebenfalls einen Teil der strafenden Blicke abbekam. Immerhin hätte er in nicht wenigen Augen dafür sorgen müssen, dass der Jüngste der Runde es besser machte. Jedenfalls sahen das die Köpfe der Company und auch einige der Fans so. Glücklicherweise nicht alle.

“Da gibt es nichts, wofür du dich entschuldigen musst”, hatte Joon zwischen zwei Meetings zu ihm gesagt, als er sich für seinen Patzer entschuldigt hatte. Sich zu rechtfertigen hatte er gar nicht versucht. Das änderte immerhin nichts und wie Namjoon passend hinzufügte: “Du bist dir selbst bewusst, dass das kein besonders guter Schachzug war. Und du bekommst den Großteil des Schadens ab, den dieser angerichtet hat.”

Joons Worte waren ein schwerwiegender Fakt. Jungkooks Fehler war gravierend gewesen. Gravierender als das Chaos in diesem New Yorker Club, das er aus mittlerweile nicht mehr nachvollziehbaren Gründen losgetreten hatte. Er hatte Hals über Kopf agiert. Damals hatte er allerdings einen großen Teil der Band mit ins Chaos gezogen. Das hier war anders. Zwar traf es die Band ebenfalls, aber nur zu kleinen Teilen. In erster Linie war es er, der in der Schussbahn stand.

Darüber hinaus hielt man die Member aus dieser Sache heraus, soweit es ging. Aus den verschiedensten Gründen, überwiegend aber sicherlich, weil es schlicht sicherer war, so wenige von ihnen wie möglich in diese Sache zu verwickeln. Einzig Namjoon war bei ein paar der Meetings anwesend gewesen. Zum einen als Unterstützung, aber zum Teil eindeutig auch, weil man wollte, dass er sah, was passierte, wenn man sich verhielt wie der Jüngste der Band - und das an die anderen Member weitertragen konnte. Als Prävention, um möglichst dafür zu sorgen, dass niemandem von ihnen ein ähnlicher Fehler unterlief.

Also ja … sein Fehler war ihm stets präsent. Vor allem, wenn er diese vier Wände verließ, in denen Blondie auf ihn wartete und ihn der Realität etwas entzog. Ja, natürlich kam die Erinnerung an das, was da draußen gerade passierte, immer wieder zu ihm durch. Allerdings schaffte er es diese Scheiße zum größten Teil auszublenden, wenn sie bei ihm und die Tür zur Außenwelt verschlossen war.

Das alles gab ihm ein sehr angenehmes und wohliges Gefühl von Sicherheit. Eine Art Vorgeschmack auf dieses Leben, das er führen konnte, wenn er nicht wäre, wer er war. Wenn sich der Hype in ein paar Jahren etwas gelegt hatte und man einen Teufel darum gab, wer sich mit ihm eventuell hier drin verschanzt hatte. Wenn da draußen nicht eine ganze Horde verrückter und weniger verrückter Fans und Schaulustiger auf der gegenüberliegenden Straßenseite lauern würde. Stets in Alarmbereitschaft und jeden sondierend, der das Gebäude verließ oder betrat.

Hier und jetzt war das jedoch nur ferne und entsetzlich leise Zukunftsmusik. Kaum hörbar hallte sie durch die Nacht, wenn er neben Blondie lag, ihrem Atem lauschte und ihn die Realität einholte. Diese ihm bewusst machte, dass er nicht wie jeder andere Mann da draußen war. Oder auch jeder normale Mann, wenn man es so nennen konnte. Männer wie Yejun und Hyunjin zum Beispiel. Zwei seiner ältesten Freunde, von denen wenigstens einer gerade vergeben war.

Und so erwischte er sich während seiner kleinen Überraschungsparty mehr als einmal selbst dabei, wie er einen seiner besten Freunde aus dem Grundschulalter und seine bessere Hälfte beobachtete. Aus den Augenwinkeln. Minjis und Blondies Blicke ausblendend, die immer wieder auf ihm hafteten. Und ja, natürlich hatte er sie bemerkt. Natürlich wusste er, was hier vor sich ging. Man wollte ihn verkuppeln. Wollte ihm einen Hauch dieser Sache geben, die er sowieso nicht haben konnte. Nicht jetzt jedenfalls.

Jungkook hatte gehofft, es würde ihnen bewusst werden - spätestens nach dem dritten oder vierten Mal, bei dem sich die beiden Frauen wie zwei Einbrecher getarnt in sein Apartment schleichen mussten. Oder die beiden Male, in denen sie zu unbedacht gewesen waren und deshalb die Runde gemacht hatten. Allerdings schien dem nicht so zu sein.

Wobei er nicht ganz sicher war, wie ehrlich Minjis Intentionen waren. Sie hatte überraschend und erfreulich nonchalant gewirkt, als man sie einander vor ein paar Monaten vorgestellt hatte. Fast schon zu entspannt … allerdings nur fast. Es waren ihr angespannter Kiefer und ihre verkrampften Finger, die sie verraten hatten. Egal wie sehr sie auch versucht hatte, sich nicht anmerken zu lassen, dass sie innerlich schrie, während sie versuchte, sich so entspannt wie möglich mit ihm zu unterhalten. So als wäre er irgendein ganz normaler Typ, den sie auf der Straße oder zufällig auf einer Party bei Freunden getroffen hatte,

Ja, er war ehrlich. Sie wäre perfekt gewesen. Hübsch, freundlich, zurückhaltend und sportlich. Allerdings war das Timing undenkbar schlecht gewesen … damals waren seine Gedanken nur um Blondie gekreist. Er war nicht aufnahmefähig für irgendjemand anderen gewesen. Und das lag nicht nur am Sex allein.

Schon damals im Hotel war sie ihm nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Sie und ihre eisblauen Augen, die sich nicht weniger für ihn hätten interessieren können, als sie an ihnen vorbeigezogen war. Sie in diesem winzig kleinen Bikini, den ihr Shirt nur dürftig verdeckte, während sie spätabends durch die Lobby schlenderte. In Richtung des Pools …

Damals waren er und Jimin für eine Runde im Hof spazieren gegangen. Spazieren, Rauchen und Reden. Nur sie allein. Ohne Bodyguards und ohne sich abzumelden. Wie sie es manchmal taten, um sich wenigstens für kurze Zeit wie zwei normale Menschen zu fühlen.

Und bevor er sie hatte durch die Lobby springen sehen, hatte er nicht einmal im Traum daran gedacht, nach dieser Show - die er nur wenige Stunden zuvor geliefert hatte - noch schwimmen zu gehen. Allerdings hatte sie sie erneut nicht beachtet. Hatte ihnen nur einen flüchtigen Seitenblick geschenkt, während sie so schnell wieder von der Bildfläche verschwunden, wie sie auf dieser erschienen war.

Das hatte ihn gereizt. Unendlich gereizt. Und so war er in dieser Nacht doch noch in seine Badeshorts gesprungen und ebenfalls zum Pool gehechtet. Ohne Kopf und noch weniger ohne Plan. Er wollte sie aus der Nähe sehen. Wollte sie auf die Probe stellen. Wollte sehen, wie sie auf ihn reagierte, wenn er nicht komplett vermummt und demnach nicht erkennbar war. Und ja, sie reagierte vielversprechend. Interessiert, aber nicht auf diese spezielle Art interessiert. Die, bei denen sie unter Spannung standen und innerlich schrien. So laut, dass sie es trotz verschlossenem Mund nicht verbergen konnten.

Der Rest war Geschichte. Und nun war sie hier. Sah ihn mit diesen eisblauen Augen an und durchbohrte ihn. Eine Erklärung fordernd, die er nicht liefern konnte. Nicht nur, weil er dieser Sprache, in der sie kommunizierten, trotz unzähliger Stunden noch nicht gänzlich mächtig war, sondern weil er diese Sache auch so beim besten Willen nicht erklären konnte.

Ihn wollten viele und demnach versuchten ihn ebenso viele seiner Freunde, Bekannte und Kollegen zu verkuppeln. Letzteren Teil behielt er allerdings lieber für sich. Das hätte es immerhin nicht besser gemacht. Ebenso wie die Tatsache, dass die Dinge zwischen ihm und Minji eventuell heute anders stehen würden, wäre Blondie in dieser Nacht Anfang Dezember nicht runter an den Pool gegangen.

Aber so war das manchmal im Leben. Es gab zig Szenarien, in denen sie sich nicht begegnet wären. Angefangen mit ihrer Freundin, deren Karte sie hatte übernehmen müssen, damit diese nicht verfiel. Dicht gefolgt davon, dass er sie in der Lobby nicht gesehen hätte. Bei ihrer ersten oder zweiten Begegnung. Um nur mal zwei von sicherlich unzähligen zu nennen. Das hier war der sogenannte Schmetterlingseffekt.

Zum einen ein verdammt guter Film mit Ashton Kutcher aus den 2000ern, den er vor einigen Jahren mal während einem ihrer unzähligen Flüge gesehen hatte. Zum anderen aber auch eine These, die unter anderem besagt, dass selbst kleinste Entscheidungen, die wir trafen, unsere und die Zukunft von anderen verändern konnten.

Eine weitere dieser Szenerien waren die Kondome. Hätte er sie nicht vergessen, stünden sie jetzt sehr wahrscheinlich nicht hier. Gemeinsam in seinem Kämmerchen, in dem sich eine zweite Kochnische, seine Waschmaschine, der Trockner und einige Vorräte befanden.

Etwa die Snacks, die er in der Hand hielt, während sie ihn fragend ansah. Aus diesen blauen Augen. Und plötzlich wurde ihm bewusst, dass er keinen dieser Momente mit ihr dafür eintauschen würde. Auch wenn das bedeuten würde, dass er hier und jetzt anderswo wäre. In einer anderen Situation, die beispielsweise nicht bedeutete, dass man ihn da draußen für eine kleine Fehlentscheidung abstrafte und kritisierte.

***

Ihr Lieben, wir haben es mal wieder bis zur Mitte der Woche geschafft - Bergfest, wie man hier bei uns dazu sagt. Das Wetter ist ja gerade wieder eher angenehm. Das kann gerne so bleiben. Ich mag den Februar meistens nicht besonders, weil es da häufig so klirrend kalt ist. Habt ihr einen oder mehrere Monate, die euch so gar nicht liegen?

So oder so, habt noch einen wundervollen Tag heute und wir lesen uns Freitag. Und an dieser Stelle auch noch einmal danke für die lieben Kommentare, Votes, Sternchen, Favos und Co. Es ist wirklich schön zu sehen, dass diese Geschichte nach wie vor so gut anzukommen scheint.