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Manipulation (nach Chapter 54 von NaD)

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Manipulation (nach Chapter 54 von NaD)

Hinweis: Das folgende Chapter kann jederzeit nach Kapitel 54 von Night and Day gelesen werden.

39. Manipulation

Der nächste Tag schien wie ein Fiebertraum an ihm vorüberzuziehen. Zum einen, weil er die Nacht mit Blondie mal wieder zum Tag gemacht hatte. Zwar ließ er es sich nicht anmerken und grundlegend war er so Dinge wie wenig Schlaf mittlerweile gewohnt, aber Sex kam da meistens doch eher selten hinzu. Wenigstens nicht in dieser Frequenz. Seine Eier schienen momentan so leer wie schon lange nicht mehr zu sein - weil er kaum dass sein Körper neuen Saft gebildet hatte, er diesen mit ihr regelrecht in die Luft blies und ihn dort verpuffen ließ.

Zum anderen aber auch, weil das alles hier nach wie vor sehr zehrend war. Seine Tage bestanden aus Meetings und Proben oder daraus, Hannah bestmöglich vorzuspielen, dass alles bestens sei. Oder sie zu ficken. In allen möglichen Positionen. Oder manchmal auch nur mit dem Mund und den Händen.

Nicht dass es ihn störte, gerade den letzten Part genoss er. Ebenso wie er es genoss, mit ihr zur Ruhe zu kommen. Einfach nur dazuliegen. Beide in den eigenen Gedanken versunken. Ihr Gewicht auf sich zu spüren, wenn sie sich an ihn presste. Den Kopf auf seiner Brust ruhend und meist ein Bein über seine Hüften gelegt. Ihre Finger, die verträumt und verspielt über seine Brust wanderten oder mit seinen Haaren spielten.

Oder wenn sie miteinander sprachen. Es war zunehmend weniger frustrierend, weil die ganzen Tage und Nächte, die er sich neuerdings damit um die Ohren schlug, Vokabeln zu lernen oder Sätze zu wiederholen, die man ihm auf dem Band vorsprach, langsam Früchte zu tragen schienen. Diese blöden Übungshefte, die er zwischendurch ausfüllen musste und die ihm das Gefühl gaben, er sei wieder in der Grundschule mal außen vorgelassen. Aber … es fruchtete. Zwar war sein Englisch nach wie vor noch nicht perfekt und er verstand grundlegend maximal die Hälfte, von dem, was sie sagte - aber er verstand und sprach es bedeutend besser, als er es noch vor einem halben Jahr getan hatte.

Das war ein Anfang … von was auch immer.

Sein Telefon klingelte, als er gerade mit ein paar Snacks, die er sich aus der Cafeteria der Company geholt hatte, zurück in den Aufzug stieg. Also stieg er wieder aus diesem, weil er da drinnen keinen Empfang hatte und suchte sich einen Platz in der Lobby, der etwas abgelegener und nicht so gut überhörbar war. Einen Platz, den hier unten viele aufsuchten, um wenigstens halbwegs ungestört telefonieren zu können.

Hyunjin rief an, wie ihm sein Display wissen ließ. Der Anruf endete, bevor er das stille Plätzchen hinten links erreicht hatte, aber er rief zurück, kaum dass er es getan hatte.

“Hyung”, sagte er, kaum das Besagter abgehoben hatte, “was gibt es?”

“Störe ich?”, wollte sein Freund wissen.

Im Grunde einer seiner besten. Sie kannten sich noch aus Busan, genau genommen aus der Grundschule. Allerdings hatten sie sich aus den Augen verloren, weil Hyunjins Familie weggezogen war. Später waren sie sich in der Oberstufe in Seoul erneut über den Weg gelaufen. Damals hatte er auch Yejun kennengelernt. Danach hatte es sie allerdings wieder eine Weile getrennte Wege gehen lassen - bis diese sich wieder vor rund drei Jahren gekreuzt hatten. Zuerst mit Yejun, der nach wie vor Kontakt zu Hyunjin hatte … und der Rest war Geschichte.

“Nein, ich habe einen Moment. Was gibt es?”, wollte er wissen und ließ sich mit dem Rücken gegen die Wand fallen.

“Dieses Mädchen. Wie ernst ist es dir mit ihr?”, wollte Hyunjin wissen …

… und da das zugegeben ziemlich ungewöhnlich für ihn war, sprach Jungkook seine Überraschung laut aus. “Welche Rolle spielt das? Vor allem für dich?”

Eindeutig sprach da Yejin aus ihm. Immerhin war er sich relativ sicher, dass die Intention ihn mit Minji zu verkuppeln vordergründig von ihr ausgegangen war. Wenigstens zu Beginn. Und ja … er glaubte ihnen, dass es nur gut gemeint war. Und dass Minji im Grunde eine gute Partie war. Allerdings mochte er es nicht, wenn man ihn verkuppelte. Schon gar nicht, wenn man es ohne sein Wissen tat und er nicht alle Beteiligten kannte und einschätzen konnte.

Und Minji war … er konnte sie und ihre Intentionen nach wie vor nicht ganz einschätzen. Sie hatten sie damals auf eine Art Doppeldate bei Hyunjin gelockt. Nur das noch recht frisch gebackene Paar, er und Minji - die wie vom Donner gerührt aussah, als man sie einander vorstellte. Bis heute wusste er nicht, ob Minji gewusst hatte, was oder auch wer sie erwartete. Fakt war aber, dass sie wenigstens in puncto Verkupplungsversuch im Bild gewesen war.

Was er dabei aber noch weniger vergaß als ihr vollkommen entgleistes Gesicht und ihre zitternden Hände, war Yejins schelmisches Grinsen. Und das Geflüster …

“Ich habe dir doch gesagt, er wird dir gefallen”, hatte sie ihr gesagt und hatte ihrer nach wie vor komplett überforderten Freundin einen Schulterstoß gegeben, wobei sie erneut atemlos “hab ich das, oder hab ich das nicht?” geraunt hatte … wie bereits bekannt sein dürfte, war sie nicht gut darin zu flüstern.

Wie auch immer. Alles in allem hatte es so gewirkt, als hätte man ihn wie den verdammten Hauptpreis verschenken wollen. So als hätte er nicht mitzureden. Denn scheinbar wussten alle Beteiligten Bescheid - außer ihm. Und das gefiel ihm nicht, so ansprechend Minji auf den ersten und auch die weiteren Blicke gewesen sein mochte.

“I-ich frage nur”, stammelte dieser Mann, den er einmal zu seinen besten Freunden gezählt hatte. Aber Zeiten ändern sich bekanntlich … und diese hatten sich bereits geändert, als vor einigen Monaten Yejin in sein Leben getreten war. “Einfach so. Ganz ohne Hintergedanken.”

Damit dies nicht falsch verstanden wurde: Er gönnte Hyunjin sein … Glück. Aber irgendetwas hatte diese Frau an seiner Seite, das Jungkook in gewisser Weise abstieß. Das ihn vorsichtig und zurückhaltend machte. Das seine Alarmglocken schellen ließ. Wahrscheinlich war er unter anderem auch deshalb so verhalten, was diese Sache mit Minji anging.

“Ganz ohne Hintergedanken? Bist du dir da sicher?”, fragte er schneidend.

Hyunjin seufzte am anderen Ende der Leitung hörbar gequält. “Komm schon. Sie passt nicht zu dir. Du weißt doch, was man über Frauen aus dem Westen sagt.”

“Weiß ich das?”, schoss er mit harter Stimme zurück.

“Komm schon”, murmelte Hyunjin und er konnte Stimmen im Hintergrund hören.

“Sind sie bei dir?” Ein leises Ja. “Beide?” Erneute Zustimmung. “Hör zu, ich habe euch mehrfach gesagt, dass-”

“Hey”, ertönte es weich und mit bebender Stimme. Offenbar hatte man den Hörer weitergegeben. Er hörte Schritte. “Ich gehe mal eben ins Schlafzimmer, okay?”

Jungkook war sprachlos … starrte einen Moment einfach nur ins Leere. Denn zugegeben hatte er mit allem gerechnet, nur nicht damit, plötzlich von allen Menschen dieser Welt ausgerechnet Jang Minji am Telefon zu haben. “Hör zu, es geht hier nicht-”

“Um mich, ich weiß”, sagte sie und er hörte, wie sie eine Tür hinter sich zu schließen schien. “Du magst sie. Das war mehr als offensichtlich. Und … ich urteile nicht. Das da waren also nicht meine Gedanken oder Worte”, sagte sie seufzend. Luft holend und sich scheinbar nach wie vor durch das Zimmer bewegend. “Aber … ich möchte dennoch, dass du weißt, dass ich dich wirklich mag. Sehr gerne sogar. Wahrscheinlich war es mein Fehler. Ich hätte da … deutlicher sein müssen”, ihre Stimme brach und er war nach wie vor sprachlos.

Wenigstens einen Moment lang. “Der Fehler liegt bei niemandem”, gab er leise zurück, “ich kenne sie schon länger. Und ja … ich mag sie. Sehr sogar. Es liegt also nicht an dir. Es liegt … an mir.”

Ein Seufzen. “Also ist es nicht nur”, sie zögerte und sprach dann sehr leise und bedacht weiter, “Sex. Weil … ich möchte, dass du weißt, dass ich auch sehr gerne Sex haben würde … mit dir.”

Nun war er es, der wie vom Donner gerührt da stand. “Das ist nicht … okay”, raunte er fassungslos, weil ihm für alles sonst die passenden Worte fehlten. Schäbig hätte aber wahrscheinlich auch sehr gut gepasst.

“Ich weiß … aber versetze dich in meine Position. Stell dir vor, du wärst ich und du …. du wärst sie”, gab sie zurück, “würdest du es nicht wenigstens versuchen? Würdest du nicht wollen, dass sie weiß, was du für sie empfindest?”

“Das ist schäbig”, platzte es schließlich doch aus ihm heraus.

“Ich weiß”, flüsterte sie und ja, sie klang tatsächlich ein wenig beschämt. “Aber, ich hätte es bereut-”

“Ich werde jetzt auflegen”, fuhr er ihr dazwischen, “sag den anderen - speziell Hyunjin - bitte, dass ich fürs Erste mit ihnen fertig bin.”

“Warte”, rief sie … doch er legte wie angekündigt auf.

Stellte das Telefon auf lautlos und spielte bereits jetzt mit dem Gedanken, alles und jeden zu blockieren, der oder die ihn in den kommenden Stunden anrufen würde. Das würde er sich nämlich nicht geben. Das im Sinne von ihren blöden Sprüchen und Manipulationsversuchen. Er hatte sich entschieden … und er würde sich nicht umentscheiden, nur weil ihnen nicht passte, wie seine Entscheidung aussah. Aus welchen Gründen auch immer.

***

Das hier ist mal … naja, ein kleiner Trost wäre das falsche Wort. Zumal es sicherlich wieder einige aufwühlen wird. Aber wie ich schon sagte, hab ich hier einen beachtlichen Staffel aufgebaut. Und ich denke, wir wollen gerade alle etwas zeitiger als in ein paar Monaten wissen, was JK in bestimmten Situationen denken wird.

Was nicht heißt, dass ich den zeitlichen Abstand zwischen dieser und der Hauptstory komplett zunichte machen werde. Den gibt es nach wie vor nicht ganz grundlos. Ich möchte nicht, dass wir gleichzeitig wissen, was bei JK vorgeht und was er weiß und denkt. Ein wenig soll das hier schon noch ein Mysterium bleiben. Ein wenig aufholen können wir aber durchaus. Wir lesen uns aktuellen Planungen nach hier also nochmal morgen und Sonntag.

Habt einen wundervollen Tag und fühlt euch alle mal ganz doll gedrückt. Auch wenn mich manch einer gerade sicherlich ein wenig verteufelt. <3