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Mornings (nach Chapter 56 von NaD)

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Mornings (nach Chapter 56 von NaD)

Hinweis: Das folgende Chapter kann jederzeit nach Kapitel 56 von Night and Day gelesen werden.

40. Mornings

Wenn es vor allem eines gab, das ihm an diesen Tagen mit Blondie ganz besonders gefiel, waren es eindeutig die Morgen. Übergreifend … sei es der Morgen wegen, an denen sie ausschlafen konnten oder zu früh erwachten. Diese Morgen, an denen sie einfach nur nebeneinander lagen und redeten oder auch die, in denen sie einander schweigend beobachteten, bis auch der andere erwachte.

Ja … da waren sie beide schuldig. Taten es scheinbar beide viel zu gerne.

Sich anzusehen … beschämend und im Grunde auch erbärmlich lange. Aber irgendetwas schien es ihnen zu geben und wenigstens ein Teil von ihm wollte sich keine näheren Gedanken dazu machen was. Dieser Teil, der dieser Sache manchmal nach wie vor eher skeptisch gegenüberstand. Er hatte sie zu nahe an sich hereingelassen. Hatte sie Grenzen überschreiten lassen, die sie nicht hätte überschreiten dürfen.

Ja, zum Teil gezwungenermaßen. Aber nicht nur. Er mochte es Nahm und Co. weismachen können, sich selbst jedoch nicht. Oder eher diesem nüchternen und skeptischen Teil von sich. Jungkook … Jungkook, dem es nach wie vor vordergründig darum ging, sich wegen ein paar euphorischer Momente nicht alles in Schutt und Asche zu legen, was er sich in den vergangenen Jahren so verdammt mühselig erarbeitet und aufgebaut hatte.

Allerdings gab es da bekanntlich noch diesen anderen Teil. Den Teil, der es mochte, dass sie da war, wenn er die Augen schloss und wieder öffnete. Der es mochte, sie nachts neben sich atmen zu hören. Der es genoss, ihre Wärme zu spüren, wenn sie sich an ihn drückte, während sie schlief. So sehr, dass er ihre Nähe suchte, wenn sie es mal nicht tat.

Ihre Körper schienen sich im Schlaf anzuziehen wie Magneten. Das war eine weitere Sache, die auf gewisse Weise absurd war. Es hatte nicht einen einzigen Morgen gegeben, nicht einen einzigen Moment in der Nacht, in dem sie nicht wie zwei Magnete aneinander geklebt hatten. Sei es auch nur Rücken an Rücken und Hintern an Hintern … meistens hatten sie aber aneinander oder aufeinander gelegen. Brust an Rücken, Kopf auf der Brust oder Arm in Arm …

Und ja … er mochte es. Wenigstens zum Teil. Dem Teil, der verdrängen konnte, dass das hier es nicht besser machte. Dass das hier weitere Abgrenzungen einriss, die intakt bleiben sollten. Vor allem die Ereignisse der vergangenen Tage, oder eher die Reaktionen auf diese, hatten ihm das mehr als deutlich gezeigt.

Seine Fans mochten den Gedanken nicht, dass es da jemanden gab, neben dem er einschlief und erwachte. Wenigstens ein erdrückend großer Teil von ihnen nicht. Und das war nicht nur Jungkook bewusst, sondern auch Jeongguk. der Unterschied war, dass es letzterem zunehmend … egal war nicht das richtige Wort. Aber es kam dem, was dieser kleine und zunehmend selbstsüchtiger werdende Teil fühlte, verdammt nahe.

Er hatte es satt, sich selbst so sehr in den Hintergrund zu stellen, dass er sich vergaß. Sich im Sinn dieser kleinen, unbedeutenden und unsicheren Version von sich. Der, die nicht immer alleine erwachen wollte. Der, die nicht in eine leere Wohnung kommen wollte. Ohne Stil, Plan und Leben. Er hatte es satt, darauf zu verzichten, zu leben - nur weil es einen Haufen Menschen da draußen verletzte, dass er es tat. Schon allein der Gedanke daran.

Daran, dass es da jemanden gab, der mit ihm aufstand und ihn dabei beobachtete, wie er sich fertig machte. Aus dem Bett heraus oder unter der Bettdecke kichernd, wenn er das Licht anmachte, um sie zu triezen - nur um sich selbst damit am meisten zu strafen. Immerhin konnte er sich nicht verstecken, wenn er mitten im Zimmer stand.

Oder daran, dass es da jemanden gab, der sich schlaftrunken neben ihn an den Spiegel stellte und jeden seiner Schritte nachahmte. Vom Zähneputzen bis hin zur Rasur … natürlich mittels seinem Rasierer, den er ihr reichte. Dem Rasierer, mit dem sie sich schelmisch grinsend - und natürlich nur angedeutet - die Achseln und die Zunge rasierte … sie war … besonders. Außergewöhnlich … auf eine Art und Weise, die er so bisher noch nicht erlebt hatte.

Und das lag nicht nur daran, dass sie ihn immer wieder ungläubig den Kopf schütteln oder schallend lachen ließ. Selbst wenn er schlaftrunken und lustlos vor dem Spiegel stand und sich für einen weiteren dieser unerträglichen Tage fertig machte. Zum Beispiel indem sie zu ihm unter die Dusche stieg. Im Halbschlaf und nach wie vor im Slip, der nach wie vor zum Trocknen über seiner Heizung hing und ihn viel zu breit zum Grinsen brachte, wann immer er ihn passierte.

Es lag ebenfalls nicht nur daran, dass er die Spielchen liebte, die sie spielten - vor allem die am Morgen. Wenn sie zu früh erwachten oder ausnahmsweise mal alle Zeit der Welt und des Tages hatten. Um sich langsam aus dem Schlaf zu streicheln. Manchmal mit wenig braven Absichten … dem Atem des anderen lauschend, aber eben auf diese besondere Art und Weise. Darauf horchend, dass er sich beschleunigte. Oder auf diese wundervollen und verrucht verbotenen Laute, die man sich gegenseitig entlocken konnte.

Sie kannten sich mittlerweile gut. Teilweise wahrscheinlich zu gut. Was etwas Positives war. Mittlerweile wusste er nämlich ganz genau, wie er sie anfassen musste, um sie dazu zu bringen, sich unter ihm zu winden. Ihn stumm oder lauthals zu verfluchen - oder sich mit nach hinten verdrehten Augen und durchgedrücktem Rücken an ihn oder gegen die Hand zu pressen, die er zwischen ihren Beinen arbeiten ließ.

Das Problem oder eher das Negative war, dass auch sie ihn mittlerweile zu gut kannte. Gut genug jedenfalls, um ihn ebenfalls durch die Hölle, in den Himmel und zurückfahren zu lassen. Und ja … er liebte es. Manchmal etwas zu lautstark und zu sehr. Und das ärgerte wieder diesen Teil von ihm, der sich bestenfalls nicht anmerken lassen wollte, wie sehr es ihm gefiel. Schon gar nicht so lautstark, dass er sich selbst durch diese verräterischen Laute irritierte, die sie ihm entlockte.

Dabei lag es gar nicht mal daran, dass er so unfassbar prüde war. Er war es schlichtweg nicht gewohnt. Von jeher hatten die äußeren Umstände ihn darauf trainiert, bei diesen Dingen möglichst still und leise zu sein. Schon in den ersten Phasen, in denen er begonnen hatte, sich und seinen Körper selbst zu entdecken. Damals, in diesem winzig kleinen Apartment, in dem er in Busan mit seinen Eltern und seinem Bruder gelebt hatte. Das mit den Wänden, die so dünn wie Papier zu sein schienen und in dem er sich noch ein Zimmer und streckenweise sogar ein Bett mit Junghyun hatte teilen müssen.

Dicht gefolgt von den ersten Jahren im Dorm, bei dem stets mindestens sechs Ohrenpaare in näherer Reichweite gewesen waren. Streckenweise jedoch auch mehr, etwa wenn sie sich das Zimmer mit einem Manager oder anderen Staffmitgliedern hatten teilen müssen - was zu Beginn zwar äußerst selten, aber durchaus vorgekommen war.

Natürlich hatte er sich gerade in solchen Situationen zurückgehalten. Wenn es nicht die ständig an ihm nagende Erschöpfung getan hatte. Da war es ihnen allen sehr ähnlich ergangen. Irgendwann forderte der Körper jedoch etwas Aufmerksamkeit ein. Sei es auch nur, weil es anders schier unmöglich gewesen war, den immensen Druck abzubauen, der stets auf ihnen gelastet hatte. Der Tausch war dabei dennoch jedes Mal erniedrigend gewesen. Ein Eimer voll Scham für eine Handvoll Endorphine, die einen kurz vergessen ließen, in welcher Lage man sich befand.

Kurzum: Er hatte nahezu sein ganzes Leben lang gelernt, leise zu sein. Hatte gelernt, es möglichst still und unauffällig unter dem Schutz der Bettdecke zu tun. Und ja … wenigstens letzteres hatte er übergreifend etwas ablegen können. Ersteres stellte jedoch nach wie vor eine Herausforderung für ihn dar.

Und dann waren da diese andere Art von Spielen, die sie spielten. Die Spielerischen und Sanften. Sich raufend, kitzelnd oder die Nasen aneinander reibend … weil es zum Küssen einfach noch … zu früh war. Zu früh im Sinne von vor dem Zähneputzen. Das war eine dieser Sachen, bei denen sie sich einig waren. Eine von unfassbar vielen. Und ja, auch das war einer der Gründe, warum er den Morgen mit ihr so mochte.

Einer der Morgen, die er jedoch alles andere als mochte, war der, an dem sie ging. Die Nacht war viel zu kurz und viel zu aufwühlend gewesen. Gefüllt von Gesprächen, von denen keines erheiternd genug sein konnte, um die stetig wachsende negative Stimmung, die sich wie eine Decke um sie legte und alles einzunehmen schien, aufzuhalten oder wenigstens etwas aufheben zu können.

Selbst der Sex, der durchaus gut gewesen war, konnte dies nicht ändern …

Ja, es hatte etwas. Sie so zu sehen, auf allen Vieren vor sich. Sie herunterzupressen - was sie so überaus verlockend zitternd und spürbar noch etwas feuchter werden ließ, als sie es eh schon war. Er mochte den Anblick ihres schmalen Rückens und ihres für seine asiatischen Verhältnisse fast schon prallen Hinters vor sich. Ihre helle Haut, zu der die seine einen ungemein starken Kontrast bildete. Und ihre kleine, rosafarbene Spalte, die ihm schon so manche schlaflose Nacht beschert hatte … selbst oder auch vor allem, wenn sie nicht einmal annähernd in Reichweite gewesen war.

Dann war da diese … Sache gewesen. Diese Sache, die ihn einen Moment überrumpelt und für eine Situation wie diese viel zu verwirrt zurückgelassen hatte. Sie hatte ein paar undeutliche Wortfetzen in das Laken und Kissen unter sich geraunt. Und ja … sein Geheimnis war, dass er sich bei der Kommunikation mit ihr meistens an Wortfetzen bediente. In der Regel sprach sie nämlich viel zu schnell und nutzte viel zu viele ihm unbekannte Worte.

Jungkook horchte also speziell nach denen, die er verstand. Groben Schätzungen nach waren das pro Geschichte, die sie ihm für gewöhnlich erzählte und je nach Länge zwischen drei bis zehn. Eventuell auch fünfzehn oder mehr. Wie gut er verstand, hing zugegeben auch von seiner Verfassung ab. Zudem verstand er mal mehr und mal weniger zusammenhängend. Und ja, er wurde besser. Allerdings gab es da nach wie vor extrem viel Raum nach oben. Daher musste er nach wie vor häufiger improvisieren, als es ihm lieb war. Er zog sich also das heran, was er verstanden hatte. Versuchte sich, ihre Körperhaltung und ihren Gesichtsausdruck sowie die Situation oder die Umstände einbeziehend, einen Reim daraus zu machen, was sie ihm wohl hatte sagen wollen.

Manchmal gelang ihm dies … manchmal nicht. Das war nichts Neues und sie kamen dennoch gut zurecht. Besser, als er es zu Beginn erwartet hatte. Und bekanntlich fielen selbst Affen mal vom Baum. Oder wie sie ihn einmal hatte wissen lassen, Lernen machte den Meister … oder wie genau sie es ausgedrückt hatte.

Das hier war jedoch anders … anders als ein “dadadadadadada Flug landet dadadadadada 16.50 Uhr” ein “du dadadadadada Minji dadadadada was geht wohin und was wusste er noch” oder “dadadadadadada wie is dadadadada Stand der Dinge dadadadadadada”.

Das hier klang wie … ‘ich liebe dich’.

Aber … bekanntlich war sein System noch stark verbesserungsfähig. Oder in anderen Worten: Sein sprachliches Können. Demnach tat er es als das ab, was sie ihm im Nachhinein hatte wissen lassen. Oder verkaufen wollen - und beließ es dabei. Weil es weder ihm noch ihr etwas brachte, sich weiterhin unnötig Gedanken über Dinge wie dieses zu machen. Da waren sich Jungkook und Jeongguk ausnahmsweise mal einig … und das sollte was heißen.

So fand er sich schließlich schweigend und mit sich selbst und mit der Situation hadernd neben ihr im Flur wieder. Half ihr ihren Koffer vor die Tür zu verfrachten, wo man sie jeden Moment aufsammeln würde und sah sie vom Eingangsbereich aus an, wie sie es in den vergangene Tagen nahezu jedes Mal getan hatte, wenn er morgens das Apartment verlassen und sie in diesem zurückgelassen hatte. Weil er ihr bekanntlich nicht mehr bieten konnte als das.

Das im Sinne von gemeinsamen Abenden vor dem Fernseher oder im Bett und nicht da draußen, wie es andere … Paare taten. Kaffee an seinem Tisch oder wie gerade eben auf dem Sofa. Während sie gemeinsam schwiegen und ins Leere starrten - und versuchten sich diese Beklommenheit nicht anmerken zu lassen, die sie mittlerweile vollkommen und erbarmungslos eingenommen hatte.

Selbst Bam konnte es spüren. Brachte ihnen immer wieder die verschiedenen Spielzeuge und mehr, so als könnte er damit irgendetwas ändern. Oder eher ihm … zwar ließ er sich hin und wieder von Blondie streicheln, was diese über ihre Kaffeetasse, die nahezu unbeachtet in ihrer minimal zitternden Hand verwaiste, milde lächeln ließ. Allerdings schien er nach wie vor nicht warm mit ihr geworden zu sein. Was nicht an ihr lag. Dass sie ihn anfassen durfte, war schon eine verdamt große Sache. Er brauchte mehr Zeit …

Sie brauchten mehr Zeit, schoss es ihm durch den Kopf, während er sie ein letztes Mal an sich zog und ihrem rasselnden Atem lauschte, der seinen Nacken kitzelte. Während er sie an sich drückte. Viel zu lange. Viel zu fest.

Bis er sie schließlich doch losließ, weil sie keine Zeit mehr hatten. So widerwillig, wie sie sich von ihm zu lösen schien. Ihn von unten herab ansah, während er gegen den Drang umkämpfte, sie zu küssen. Einen Kampf, den er kläglich verlor. Doch wie erwartet schmeckte der Kuss bitter. Verdorben von dem Wissen darüber, was gleich kommen würde.

“Okay. Ich rufe an …. gelandet”, sagte sie, als sich ihre Lippen wieder voneinander gelöst hatten. Und er nickte. Machte sich etwas von ihr los und sah sie von oben herab an. Schenkte ihr ein schiefes Lächeln, das sie mit verdächtig glasigen Augen erwiderte.

Sie wollte nicht gehen. Es war mehr als deutlich … und ganz ehrlich wollte auch er nicht, dass sie ging.

Es war ein elendes Dilemma, indem sie sich da befanden. Eines, das hätte vermieden werden sollen und können, flüsterte etwas in ihm. Doch er ignorierte es, während sie aus der Tür trat und er sie ansah, bis der Aufzug sein Stockwerk erreicht hatte. Dann sah er sie ein letztes Mal an … schenkte ihr ein letztes schiefes Lächeln, welches sie ein letztes Mal erwiderte … und schloss die Tür, bevor sich die Türen des Aufzugs öffneten.

So war immerhin die Anweisung. Und wenigstens ein kleiner Teil von ihm war nach wie vor erpicht darauf, diese einzuhalten. Natürlich auch weil er wusste, dass es so besser war … dass es zu ihrer beider Schutz war.

Obwohl es natürlich lächerlich war. Auch wenn der Fahrer, der Hannah holen würde, nicht offiziell wusste, woher sie kam, wusste er es inoffiziell eben doch. Und so verfiel er wieder in diesen kleinen Kampf, indem der eine Teil von ihm die Tür öffnen und der andere verschlossen halten wollte.

Also ließ er sich gegen die Tür fallen. Presste die Stirn und die Hände gegen diese und atmete ein paar Mal tief durch … während sie ging und ihn allein hier zurückließ.

Ihn und Bam, dessen Tatzen er hinter sich auf den kühlen Fliesen hörte. Und schließlich war es sein leises und unsicheres Wimmern, das Jungkook wieder aus der Starre riss und ihn dazu brachte, sich von der Tür abzustoßen und diese schließlich doch ein letztes Mal zu öffnen. Nur einen winzig kleinen Spalt breit. Und wie erwartet, war der Flur leer und der Aufzug fort.

***

Hello again … ich weiß, auch dieses Chapter war in gewisser Weise wieder etwas schwerere Kost. Abschiede und so … diese Szene hatten sich aber einige von euch gewünscht. Ich hoffe, sie gefällt euch - auch wenn ich mich weniger an Worten als an Gedanken bedient habe.

Bis Freitag und habt einen wundervollen Tag heute.