Chlamydia (nach Chapter 56 von NaD)
Chlamydia (nach Chapter 56 von NaD)
Hinweis: Das folgende Chapter kann jederzeit nach Kapitel 56 von Night and Day gelesen werden.
41. Chlamydia
- 3. September 2022 -
“Manager-nim, hast du einen Moment für mich?”, raunte Jungkook nach wie vor etwas atemlos in den Hörer, während Hoseok im Hintergrund die Musik leiser stellte, die nach wie vor aus den Boxen dröhnte, die im Proberaum an verschiedenen Positionen angebracht waren.
Ja, hatte er, ließ ihn sein Manager wissen. Ob er runterkommen oder sein Schützling raufkommen wolle, wollte er wissen. Und weil ihm danach war, sich wenigstens einen Moment die schweren Beine zu vertreten, ließ er sein Gegenüber durch den Hörer wissen, dass er raufkommen würde.
Also machte er sich daran, genau das zu tun. Zwar waren seine Beine nach wie vor schwer vom rund zweistündigen Training, das gerade hinter ihm lag. Allerdings krampfte seine linke Wade und seinen Erfahrungen gemäß, wäre es jetzt sein metaphorischer Tod, wenn er sich hinsetzen oder hinlegen würde.
Zumal er später, bei seinen Gesangsproben und im Anschluss bei seinem Englischunterricht, der rund zwei Stunden und via Videoschaltung stattfinden würde, noch genug Gelegenheit haben würde, sich zu setzen und sich den Muskelkrämpfen zu ergeben, die ihn bis dahin sicherlich nach wie vor plagen würden. Aber das war nichts, das er nicht kannte und das ein paar Dosen hochdosiertes Magnesium nicht regeln können würden.
Schon während er zu den Aufzügen lief, merkte er jedoch, dass sich sein Bein etwas entspannte. Nicht gänzlich, aber etwas … dafür verspannte er sich, als sich die Aufzugtüren öffneten und er in fünf entgleisende Gesichter blickte. Drei Männliche und zwei weibliche … Trainees, wie er vermutete. Mindestens der Hälfte von ihnen wich die Farbe aus dem Gesicht, als sie ihn vor dem Aufzug stehen sahen und begannen sich kurz und überschwänglich vor ihm zu verbeugen. Ihre Verbeugungen erwidernd schob er sich zu ihnen in den Aufzug.
Was an sich kein Problem war. Hier passten rund zwölf Personen und bis zu 980 Kilogramm rein. Etwas, das der Großteil der Menschen, die hier arbeiteten, nicht einmal ansatzweise knacken würden - selbst wenn sie sich hier tatsächlich bei voller Personenbelastung zusammen reinquetschen würden. Hier war Untergewicht nämlich angesagt … vor allem in ihren Kreisen. Und so wunderte es ihn nicht, dass er mindestens einen Magen knurren hörte, während sie gemeinsam hinauf fuhren.
Die 5, 7 und 9 leuchteten, stellte er fest, nachdem er den Knopf der neunten Etage gedrückt hatte, in der sich sein Manager gerade befand. Das bedeutete, er war der letzte, der aussteigen würde - stand aber ganz vorne. Also drehte er sich etwas und machte schon einmal Platz, was wieder eine kleine Verbeugungsaktion auslöste, weil er sich ihnen so erneut zuwandte und sie ansah, nachdem er ihnen zuvor den Rücken zugekehrt hatte.
Und ja … das hatte manchmal etwas ungewollt Lächerliches. Vor allem, weil es oft so hektisch und angespannt geschah. Aber, so gehörte es sich hier nun einmal und er war häufig nicht besser. Vor allem wenn er jemandem begegnete, der vom Rang her über ihm stand oder den er bewunderte.
Sein Bein krampfte, also schüttelte er es. Und wandte den Blick kurz ab, als sich die Türen öffneten und noch ein paar weitere Personen in den Aufzug stiegen. Dieses Mal offensichtlich vom Staff. Ihre Kleidung verriet sie, die eher nach Büropersonal als nach Trainee oder Idol aussah. Zudem verbeugten sie sich zwar ebenfalls, aber bedeutend entspannter und nicht so überschwänglich.
Was zugegeben jedoch auch daran liegen konnte, dass sie ihn inmitten der Trainees nicht wirklich gesichtet hatten. Denn sie drängten ihn zurück in diese, so bestimmt und teils zugegeben schon etwas grob, dass er einfach nur mit gesenktem Kopf zurückwich. Nun stand er also inmitten der Trainees, die wie vom Donner gerührt neben ihm standen - und zum einen nicht wagten ihn anzusehen, zum anderen scheinbar aber ebenfalls nicht, ihn zu berühren. So wie das Meer, das sich angeblich mal für Moses geteilt hatte, teilten sie sich links und rechts von ihm und sahen ihn aus den Augenwinkeln an.
Die Neuzugänge stiegen in der vierten Etage wieder aus und ließen sie zurück. Und Jungkook trat erleichtert wieder ein paar Schritte vor und schüttelte erneut leise fluchend sein krampfendes Bein. Dieses Mal wanderte der Krampf jedoch hoch. Bis zu seinem Oberschenkel, den er möglichst unauffällig eine Sekunde zu massieren versuchte. Da er dafür aber mindestens mehr als einen skeptischen Blick erntete, ließ er es bleiben und wartete, bis er ein paar Augenblicke später endlich allein im Aufzug stand …
… und diesen schließlich nur wenige weitere Augenblicke später verließ.
Überraschenderweise wartete Kim Eojin bereits auf ihn, kaum dass er den Fahrstuhl hinter sich gelassen hatte. Aber … das war so seine Art. Er war ständig auf den Beinen und sprang von A nach B - und fing sie dabei oft und gerne irgendwo ab. Also nahm er es so hin und folgte dem rund zehn Jahre älteren Mann langsam über den Flur, kurz nachdem sie sich begrüßt hatten, in dessen Büro.
“Was kann ich für dich tun?”, wollte dieser wissen, kaum dass er die Tür hinter sich und dem Idol verschlossen hatte. Nahezu im selben Atemzug deutete er auf ein paar Getränke, die auf einem kleinen Wagen neben der Tür standen und ließ den jüngeren Mann wissen, dass er sich bedienen konnte, wenn er es wollte.
Wollte er. Also nahm er sich eine Coke … light.
Was auch immer ihn dabei geritten hatte. Der Gedanke daran, dass das hier Blondies erste Wahl wäre, ließ ihn jedoch etwas zu breit grinsen. Und er tröstete ihn etwas darüber hinweg, dass sie mittlerweile im Flieger zurück nach Hause saß. So absurd es auch klingen mochte.
Wie erwartet schmeckte es jedoch schrecklich, als er sich zu Kim Eojin an den Schreibtisch setzte und an seiner Flasche nippte, während er sein Anliegen darbrachte. Nämlich das, dass sie und ihr Freund nach Busan kommen würden. Erst gemeinsam zum Konzert … und im Anschluss daran nur sie.
“Ist ihr Freund … im Bild, über euch beide?”, stellte sein Manager diese verdammte Frage, die Jungkook im Grunde schon erwartet hatte. Immerhin lag genau das nahe, wenn er bat, die beiden auf die Liste zu setzen.
“Ja”, sagte er also gerade heraus, “war er immerhin von Anfang an und er ist vertrauenswürdig. Und hier kommt es uns zugute, denke ich”, sagte er und ließ seine Hände in den Taschen seines Hoodies verschwinden, damit er sich nicht darin verlor, nervös mit seinen Fingern zu spielen.
Weil es natürlich ein Problem sein könnte, dass es Mitwissende gab. Selbst wenn diese im Grunde von Anfang an solche gewesen waren. Allerdings versuchte er nonchalant zu bleiben, um sich nicht anmerken zu lassen, dass ihm das bewusst war. Mehr noch, er wollte sogar so wirken, als wäre es das in seinen Augen nicht. Damit diese Sache hier nicht in die falsche Richtung abrutschte. Etwa in einer weiteren Standpauke darüber, dass er zu unvorsichtig und gutgläubig war, wenn es um Blondie ging.
Wie er es erhofft hatte, hinterfragte Kim die Sache jedoch nicht weiter und nahm es so hin. “Das ist wohl korrekt. Den Namen haben wir bereits. Haben wir noch weitere Kontaktmöglichkeiten?”, wollte er wissen, woraufhin Jungkook ihm den kleinen Zettel reichte, auf dem Blondie ihm Jaspers Mailadresse notiert hatte. “Gut”, quittierte sein Manager, nachdem er den Zettel einen Moment beäugt hatte. “Ich kümmere mich darum.”
Das war gut … und weil er einen Moment das Gefühl hatte, das war etwas zu gut gelaufen, wartete er angespannt auf seinem Stuhl verharrend und sah sein Gegenüber erwartungsvoll an.
Deshalb wollte dieser schließlich wissen: “Kann ich sonst noch etwas für dich tun?”
Konnte er tatsächlich, wenn diese Sache hier geklärt war. Er wollte Blondie nach dem Konzert sehen … was laut Kim Eojin ebenfalls machbar sein sollte. Und dann wollte er auch danach ein paar Tage mit ihr verbringen. Und auch wenn ihm bewusst war, dass das im Grunde alles andere als mal eben so problemlos machbar war, ließ sich sein Gegenüber genau das nicht anmerken.
“Ich dachte an ein Airbnb. An irgendetwas … diskretes, aber … offeneres. Also kein Apartment, sondern eher ein abgelegenes Ferienhaus oder so etwas”, sagte er und spürte wie er sich wenigstens ein wenig entspannte.
Sein Gegenüber nickte. “Da werden wir sicherlich etwas finden. Ich suche ein paar geeignete Angebote heraus und lasse sie dir zukommen. Was hältst du davon?” Das klang gut. Also ließ Jungkook genau das verlauten. “Wunderbar. Wie sieht es in puncto der benötigten Utensilien aus? Das Übliche, oder habt ihr irgendwelche speziellen Wünsche?”
“Das ist nicht nötig. Ich kümmere mich-”
Kim Eojins Gesicht verzog sich etwas, was den jüngeren Mann dazu brachte, die Stirn kraus zu legen und zu verstummen. Also erklärte dieser sich: “Das übernehmen wir. Nur zur Sicherheit. Eine Anordnung von ganz oben.”
Jungkook atmete schneidend aus. Natürlich. Das hätte er sich denken können … nach dieser beschämenden Nummer überließ man nichts mehr dem Zufall und somit ihm selbst.
“Was nicht heißt, dass ihr - was immer wir auch bereitstellen - nutzen müsst. Bringt mit, was ihr mitbringen wollt. Ich werde dennoch für die Grundausstattung sorgen. In Ordnung?”, warf Kim ein.
Und somit gab sich Jungkook fürs Erste geschlagen und stimmte mit einem Nicken zu. Weil er es besser wusste: Widerstand war in Fällen wie diesem zwecklos.
Keine zehn Minuten später stieg er wieder in den Aufzug, der ihn zurück auf die Etage bringen würde, in der sich die Proberäume befanden. Und wieder erwarteten ihn ein paar unbekannte und entgleiste Gesichter. Naja. Wenigstens einige. Mit ihm im Aufzug befanden sich ebenfalls seine Hubaes Soobin und Taehyun, Member von Tomorrow X Together. Auch sie verbeugen sich höflich vor ihm und er erwiderte die Verbeugung in die Runde. Dann drückte er seine Taste am Steuerpult und drehte ihnen, wie er es auch zuvor getan hatte, den Rücken zu.
Und so fuhren sie erst gemeinsam und allesamt schweigend ein paar Stockwerke rauf, wo wieder ein paar Leute hinzustiegen und sie so zwangen, etwas zusammen zu rücken. Und wieder teilte sich das Meer um ihn herum … und ja …
Auch wenn das im Grunde nur auf die hierzulande üblicherweise praktizierte Höflichkeit zurückzuführen war, war es dennoch … sonderbar. Allem voran, weil sich eine der weiblichen Trainees beinahe mit lächerlich panischem Gesichtsausdruck an die Aufzugswand presste. So als hätte er irgendwas … Ansteckendes, schoss es ihm durch den Kopf.
Also beäugte er das Schauspiel, bis die drei jungen Frauen wieder ausgestiegen waren. Nahezu panisch und hektisch. Stets lächerlich viel Abstand zu ihm haltend. Es war also mehr als nur klar …
“G-geht hier irgendwie um … ich hätte mir was eingefangen?”, raunte er also unbehaglich an seine beiden Hubaes gewandt, als sie für die kommenden Stockwerke glücklicherweise allein im Aufzug zurückblieben.
Soobin schluckte. “Ja”, erwiderte er anschließend leise, “Chlamydien.”
“Nein”, entwischte es Jungkook atemlos. Das ‘Shibal’, das ihm ebenfalls auf der Zunge lag, konnte er glücklicherweise herunterschlucken … er würde sie umbringen. Sie aka seine Hyungs. “Das ist Unsinn”, sagte er und spürte, wie seine Ohren heiß wurden. Was der Sache natürlich alles andere als behilflich war. Entsprechend sprach der Blick, den die beiden Männer ihm zuwarfen, Bände.
Unsicher sahen sie ihn an. Was wahrscheinlich in erster Linie an den jüngsten Ereignissen lag … sprich, den vielen lustigen Geschichten, die man sich hier sicherlich gerade über ihn erzählte. Allem voran der, dass er es mit schwedischen Models trieb und zu feige dazu war, sich selbst Kondome zu kaufen.
Er würde sie alle umbringen. Allen voran Seokjin, Jimin und Taehyung, die nach wie vor nicht müde wurden, ihn mit diesem elenden Running Gag zu foltern, der sich seit seinem Magenkeim hielt und einfach nicht absterben wollte. Anders als dieser es getan hatte. Bereits vor Monaten wohlgemerkt.
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Ihr Lieben, ich mach es gerade mal kurz und bündig. Komme gerade erst von einem kleinen, spontanen Wochenendtrip heim und muss erstmal ankommen - wollte euch aber nicht noch länger warten lassen. Habt alle einen wundervollen Sonntag und bis Mittwoch. <3