Possibilities (nach Chapter 59 von NaD)
Possibilities (nach Chapter 59 von NaD)
Hinweis: Das folgende Chapter kann jederzeit nach Kapitel 59 von Night and Day gelesen werden.
43. Possibilities
Jungkook hockte gerade halbherzig in einen Film vertieft auf seinem Sofa und aß eher mäßig gutes rotes Thai-Curry mit Reis und Huhn vom Lieferservice, als vollkommen unerwartet sein Telefon klingelte, das mit seinem Vape vor ihm auf dem Tisch lag. Und wie so oft wägte er einen Moment ab, ob er rangehen oder es klingeln lassen sollte. Da es aber Yejuns Name war, der auf dem Display aufleuchtete, ging er ran.
“Annyeonghaseyo”, flötete er zwischen zwei wenig befriedigenden Bissen ins Handy, das er auf dem Tisch hatte liegen lassen und einfach nur den Lautsprecher eingeschaltet hatte. Allerdings herrschte am anderen Ende der Leitung Schweigen. “Was ist, hat es dir die Sprache verschlagen?”, scherzte er heiser lachend … als jedoch nach wie vor nichts ertönte, wurde er skeptisch. “Hyung?”, hakte er also nach und machte sich dazu bereit aufzulegen …
… bevor es dazu kam, sprach sein Gegenüber allerdings doch. Jedoch war es nicht wie erwartet Yejuns Stimme, die durch die Leitung ertönte. Unsicher und leise: “Jeongguk-ssi. Es tut mir sehr leid, dass ich diesen Weg nehmen musste. A-aber … bekanntlich habe ich deine Nummer nicht und Hyunjins Anrufe beantwortest du nicht”, ertönte ausgerechnet Jang Minjis Stimme.
Jungkook legte die Stirn kraus. “Muss ich jetzt wirklich alle meine Freunde aus meiner Freundesliste streichen?”, fragte er schließlich leise und mit hörbar harter Stimme.
Es raschelte, was ihm andeutete, dass der Hörer weitergereicht wurde. Kurz darauf ertönte wie erwartet Yejuns Stimme. “Hör ihr bitte einfach zu. Nur einen Moment lang”, sagte er und gab den Hörer scheinbar wieder zurück.
Jungkook seufzte und griff zum Handy. Machte sich bereit aufzulegen. Doch Minjis Worte ließen ihn innehalten. “Ich wollte mich entschuldigen. Was ich letztes Mal gesagt habe, war absolut daneben. Du magst sie und offensichtlich mag sie dich”, sie stockte. Schien abzuwarten, ob ein Piepen in der Leitung erschien. “Ich war einfach-Ich stand einfach neben mir. Also noch einmal: Es tut mir sehr leid und könnte ich, würde ich das alles zurücknehmen.”
“Es geht mir nicht nur um den Sex”, meinte er sich noch einmal erklären zu müssen. Und ja, es ärgerte ihn, dass es ausgerechnet das war, was ihm als Erstes in den Sinn kam.
“Ich weiß”, gab Minji leise zurück. Er hörte, wie sie erleichtert aufatmete. “Keine Ahnung, was ich mir dabei gedacht habe. Mir geht es ebenfalls nicht nur um … Sex. Und mir ist bewusst”, sie stockte, “mir ist bewusst, dass es dir im Zweifelsfall nicht besonders schwer fallen würde, jemanden für schnellen Sex zu finden.”
In der Tat war es das nicht. Und warum auch immer, entwischte ihm das in Form eines leicht in Sarkasmus getränkten: “Wäre es tatsächlich nicht. Wenn ich es wollte, könnte ich noch heute so viel Sex haben, dass ich letzten Endes nie wieder Sex haben will”, sagte er schneidend und fügte mit einem schiefen Grinsen hinzu: “Bevor ich dann das Land verlassen muss, weil das sicherlich irgendein armer Irrer mitbekommen würde, der es jeden wissen lässt.”
Und ja … sie lachte. Nur sehr leise, unsicher und kurz, aber sie lachte. Und dass es seine Worte und der traurige Witz waren, der zwischen ihnen stand, die sie zum Lachen brachte und nicht die unbeholfene Wahl seiner Worte, versetzte ihm einen leichten Stich. Das war immerhin etwas, das Hannah verborgen bleiben würde. Diese bissige oder auch gewitzte Seite an ihm. Dabei war das nicht einmal besonders gut gewesen … auch das würde sie allerdings so schnell nicht erfahren. Wie gewitzt er wirklich sein konnte.
“Daran habe ich nie gezweifelt. Du bist anspruchsvoll. Und das bin ich im Grunde auch. Aber ... ich war von der Gesamtsituation etwas überrumpelt. Ich hatte mir etwas mehr erhofft, als ich an diesem Abend zu dir kam. Selbst mein Geschenk war überdachter, als es schien, ich-” Sie stockte, schluckte hörbar und setzte dann nach einer Pause erneut an: “Mir war klar, dass du ablehnen würdest. Mein Plan war, dir anzubieten, nur für dich zu tanzen. Eine Privatvorstellung also. Nicht ganz ohne Hintergedanken, aber … ich wäre dir sehr gerne näher gekommen. Wenigstens das war die volle Wahrheit. Aber … nicht um jeden Preis. Und ganz sicher nicht, weil ich mich von den falschen Dingen habe blenden lassen.”
Jungkook schwieg. Weil er nicht wusste, was er zu diesem Wortschwall sagen sollte. Er hörte, wie Yejun sich im Hintergrund leise und unbehaglich in den Nebenraum zu verabschieden schien. Offensichtlich wurden ihm die Themen, die hier gerade besprochen wurden, zu brisant.
“Eigentlich hat es mich eher abgeschreckt, als ich dich zum ersten Mal sah”, sprach sie weiter und auch wenn sie nicht konkret sagte, um was es hierbei ging, wusste er es dennoch. Es ging um die Tatsache, wer er war. “Aber, dann habe ich dich besser kennengelernt … und ich mochte, was ich sehe. Aber … darum geht es hier nicht. Ich wollte mich entschuldigen. Und ich wollte dass du weißt, dass ich nicht aus den falschen Gründen-”
Wieder stockte sie - und dieses Mal kam er ihr zuvor und fuhr ihr sanft, aber mehr als nur bestimmt dazwischen. “Okay, ich verstehe. Aber … das ändert nichts.”
“Das habe ich auch nicht erwartet. Mir ist bewusst, dass das Zeit brauchen wird. Aber ich würde mich freuen, wenn du mir wenigstens als Freundin eine zweite Chance geben könntest. Und Hyunjin auch. Er bereut ebenfalls sehr, was er gesagt hat.”
“Es ging nicht nur um das, was gesagt wurde”, gab Jungkook zurück und stocherte ein wenig in seinem Essen herum, das nach wie vor vor ihm stand.
“Das ist wohl etwas, das du mit ihm klären solltest. Ich wollte das einfach nur erwähnt haben. Weil es immerhin indirekt um mich ging und ich niemals beabsichtigt habe, dass ich der Grund dafür bin, dass eure Freundschaft ins Wanken gerät”, sagte sie.
“Der Grund dafür warst nicht du, sondern seine Worte”, stellte Jungkook richtig und sie stimmte leise zu. “Ich denke über alles nach. Und damit würde ich das hier auch gerne beenden. Mein Essen wird kalt und ich hatte einen langen Tag”, sagte er das Gespräch abschließend.
“Okay. Danke dir, für deine Zeit”, gab sie hörbar resigniert zurück.
Aber ja … zwar wirkte ihre Entschuldigung ehrlich und zum Teil glaubte er ihr ihre Worte. Aber eben nur zum Teil. Demnach konnte und würde er diese Sache nicht einfach so vergessen. Dazu gehörte mehr.
“W-warte”, hielt sie ihn davon ab, das Gespräch zu beenden. “Wäre es okay, wenn Yejun mir deine Nummer gibt? Einfach nur, damit ich-” Wieder stockte sie. Offenbar weil ihr bewusst geworden war, dass es gerade absolut keinen Grund dafür gab, Nummern zu tauschen. Vor allem jetzt nicht. Also ließ er sie genau das wissen. “Ja, da hast du natürlich recht”, gab sie kleinlaut nach und verabschiedete sich.
Und damit legte er auf. Starrte einen Moment ins Leere. Beinahe hätte sie sich halbwegs gut geschlagen. Beinahe … und ja. Etwas in ihm belustigte es. Nicht etwa, weil er schadenfroh oder so ein gemeines Stück Scheiße war. Nein … es belustigte ihn, weil er sich nicht daran erinnerte, schon einmal zuvor so beliebt bei den Frauen gewesen zu sein.
Erst vor wenigen Stunden hatte er nämlich eine kryptische Nachricht von Midori bekommen. Nun verstand sie, was sein Problem gewesen war. Ebenso wie sie verstand, warum er sich auf die hübsche Schwedin eingeschossen hatte. Sie war betörend schön, hatte sie ihn wissen lassen. Dicht gefolgt von einem er solle sich melden, wenn er genug von blonden Haaren und blauen Augen hatte. Oder wenn sie jemanden für einen Spaß zu dritt suchen würden. Sie wäre unter Umständen nach wie vor für jeden Spaß bereit.
Und ja … man mochte es nicht glauben, aber so lief das bei ihm normalerweise nicht ab. Die Frauen standen bei ihm normalerweise nicht Schlange und sprengten alle an einem Tag sein Telefon. Blondie hatte sich heute immerhin auch mehrfach bei ihm gemeldet. Mit ein paar lustigen Bildern, ein paar amüsanten Sprüchen und einem kurzen Telefonat, das heute leider zwischen Tür und Angel hatte stattfinden müssen.
Das hier war also ungewohnt. Wenn man von Jeongguk sprach jedenfalls und wenigstens streckenweise konnte er sich einreden, dass es auch zum Teil um diesen ging. Die Möglichkeiten, die sich Jungkook boten waren hingegen grenzenlos. Aber sie waren dennoch unrealistisch fern. Denn wie er es bereits gesagt hatte: Würde er diese unbedacht und uneingeschränkt nutzen, würde es das Leben, das er bisher kannte, mit sehr großer Wahrscheinlichkeit beenden.
Demnach, man mochte es glauben oder nicht, war diese geballte Aufmerksamkeit gerade durchaus mehr als nur ungewohnt für ihn. Und ja … das hatte was. Sei es auch nur einen kurzen Moment lang. Bis er die 302 auf der Rechnung seines Essens erspähte. Also zückte er sein Handy, machte ein Foto für diese kleine, wunderschöne Plage mit den blonden Haaren und den unverkennbar blauen Augen und schickte es ihr.
Den Blick wieder auf den Film gerichtet, den er startete, kaum dass er das Handy wieder zurückgelegt und sich einen weiteren Bissen Reis in den Mund geschaufelt hatte. Und damit hatten sich die Gedanken an andere Frauen und all die Möglichkeiten, die sich ihm boten, wenn er etwas genauer hinsah und auf die Suche ging, wieder erledigt.
***
Ihr Lieben, wie war euer Wochenende bisher so? Meines war kurz, aber sehr schön. Ich war gestern mit Freunden asiatisch essen. Leider war nix koreanisches dabei, aber es war trotzdem sehr lecker und ein sehr schöner Abend. Und ja … in ein paar Stunden ist das Wochenende für mich schon wieder vorbei. Ich muss in der Spätschicht arbeiten.
Habt noch einen schönen Tag heute. <3