Abyss (nach Chapter 66 von NaD)
Abyss (nach Chapter 66 von NaD)
Hinweis: Das folgende Chapter kann jederzeit nach Kapitel 66 von Night and Day gelesen werden.
46. Abyss
Die Show war ein einziger Rausch gewesen. Vor allem die Gewissheit, dass sich Hannah irgendwo da unten in der Menge befunden und ihn angesehen hatte, hatte ungute Dinge mit ihm angestellt. Hatte ihn unkonzentriert gemacht und aufgeputscht. Glücklicherweise hatte er es auf das Konzert und die übergreifende Situation schieben können. Und ja … natürlich hatte auch diese ihn eingeholt. Immer wieder, vor allem aber am Schluss, als die letzten Klänge verstummten und die Lichter ausgingen.
Ein Gefühl, das noch etwas nachgehallt hatte, während sie sie zurück zu ihrem Hotel brachten - wie sie erst einmal eine Weile die Fans bespaßen und trösten sollten. Da das bereits vorab ausgemacht gewesen war, hatte er Blondie vorgewarnt. Es würde dauern, bis er zu ihr stoßen würde. Und zu behaupten, er konnte es kaum mehr erwarten, wäre untertrieben gewesen.
Aber er nahm sich die Zeit. Für seine Fans. Das war er ihnen immerhin schuldig und er und Blondie hatten noch die ganze Nacht. Jedenfalls ging er davon aus. Bis Kim Eojin ihn regelrecht an der Hotelzimmertür abfing, aus der er trat - kaum dass sie das Live beendet hatten. Praktisch auf dem Weg in das seine … in das Zimmer, in dem sie wartete.
Sie war bekanntlich … unpässlich. Und ja, bekanntlich hatte er nicht allzu viel Erfahrung in diesem speziellen Bereich. Vor allem das Gespräch mit Joon hatte ihm das noch einmal deutlich gemacht. Deshalb hatte er die letzten beiden Tage damit verbracht, sich noch einmal zu informieren. Gründlich … weil er doch gerne wissen wollte, was ihn erwartete, bevor er sich auf diese Sache einließ. Um sich mental darauf vorbereiten zu können - aber auch, um ihr diese ganze Sache so angenehm wie möglich zu machen. Und das bestenfalls über Klischees wie schokoladige Mitbringsel hinaus.
Gemeinsame Bäder kamen gut an, hatte er gelesen. Zum einen, weil sie entspannten, was zum Beispiel Krämpfe lindern konnte - zum anderen aber auch, weil das das Frischegefühl erhöhte. Und da er davon ausging, dass sie beide beides nach einem Abend wie diesem willkommen heißen würden, hatte er vorgesorgt. In Form eines wahrscheinlich lächerlich teuren Badebombensets, über das er bei Coupang gestoßen war.
Die Bewertungen waren vielversprechend positiv gewesen. Echte Goldpartikel sollte es in diesem geben. Und scheinbar auch ein Geschenk in Form eines Schmuckstücks, das echte Diamanten enthielt. Demnach war der Spaß natürlich für ein Set bestehend aus vier Bomben auch nicht ganz billig gewesen. Nunja … für normale Verhältnisse. Aber den Gag war es wert, vermutete er. Oder auch die Überraschung. Wobei sich das Schmuckstück nur in einer Bombe befand … sie würden also im Zweifelsfall alle verwenden müssen, bis es irgendwann im wahrsten Sinne des Wortes im Badewasser auftauchte.
Wie auch immer …
Kim Eojins angespanntes Gesicht, das ihn direkt hinter der Tür erwartete, kaum dass sie das Live beendet hatten, holte ihn jäh aus den Gedanken - und aus den Vorbereitungen für ihren gemeinsamen Abend, bevor diese überhaupt begonnen hatten.
“Gibt es ein Problem?”, stellte er die Fragen der Fragen.
Die, deren Antwort er bereits kannte, bevor sein Gegenüber sie ihm gab: “Ich fürchte ja.”
Jungkook schluckte und nickte. Spürte, wie sich die Tür hinter ihm öffnete und auch die anderen drei Männer, mit denen er in den vergangenen zwanzig Minuten in diesem Zimmer gemeinsam vor den Fans Ramen gegessen und gescherzt hatte, zu ihm auf den Flur traten.
“Was ist los?”, wollte Jimin wissen, der neben ihm auf der Bildfläche erschienen war. Kurze Zeit später erschien Taehyung ebenfalls neben ihm und schob ihn ein wenig zur Seite - sodass er und Hoseok aus dem Türrahmen und ebenfalls auf den Flur treten konnten. Und auch sein Blick sagte ihm, dass er wissen wollte, was hier vor sich ging.
“Am besten kommst du mit”, ließ Manager Kim sie wissen …
… und Jungkook schüttelte schwach den Kopf. “Sag mir bitte erst, was los ist. Hatte sie einen Unfall, ist sie verletzt oder krank?”, waren die ersten Dinge, die ihm durch den Kopf schossen und als er ein Kopfschütteln erntete, fuhr er fort: “Gut. Was ist es dann? Sind wir aufgeflogen oder ist irgendwas anderes passiert?”
“Hat sie sich mit ein paar Fans geprügelt?”, wollte Jimin neben ihm breit grinsend wissen und der Jüngste der Runde bedachte ihn dafür schief grinsend und einem angedeuteten Ellenbogen in den Rippen - was seinen Hyung zum Lachen brachte …
… allerdings erstrab sowohl Jimins Lachen als auch Jungkooks Grinsen, als sie in Kim Eojins nach wie vor angespanntes Gesicht blickten.
“Was ist los?”, wollte nun Hoseok wissen.
“Es sieht ganz so aus, als würde sie speziellen Kreisen angehören”, ließ sein Manager die Bombe hochgehen.
Und ja … sie alle hier wussten, was das bedeutete. Hatten besagte Angst schon mehr als einmal verspürt. Die, auf einen von ihnen reinzufallen. Manchmal waren sie nämlich gewitzt. Beschäftigten sich so intensiv mit einem und den eigenen Gewohnheiten, dass sie sich hinterrücks in dein Leben schlichen. Dabei war nicht jeder aggressiv und offensichtlich. Manchmal waren sie sogar mehr als nur unscheinbar.
Der Pool, schoss es ihm durch den Kopf, während seine Beine weich und sein Magen nervös wurden. Der Pool … Ihm war bekannt, dass es eine oft und gerne verbreitete Information in diesen speziellen Kreisen war, dass er in den Hotels abends oder nachts schwimmen ging. Genau aus diesem Grund hatte er es irgendwann eingestellt. Bis er Blondie hatte durch die Lobby spazieren sehen.
Und dann war da ihre Liebe zu … Informationen. Informationen über eventuelle Krankheiten, über die sie angeblich nur aus Zufall gestoßen war. Ja … er mochte es nicht zugeben, aber so machte das alles doch etwas mehr Sinn.
“W-wie sicher sind wir uns?”, hörte er Taehyung neben sich fragen und spürte dessen Hand über seinen Rücken streicheln. Beruhigend … allerdings kam davon nichts in seinem Inneren an.
Deshalb stand er einfach nur bewegungs- und wortlos da, als Kim weiter sprach: “Leider ziemlich sicher. Der Verdacht trat erstmals vor einigen Monaten auf. Sie wurde in der Nähe dieses Clubs in New York gesehen, in dem ein Teil von euch war”, bei diesen Worten sah sein Gegenüber den jungen Mann eindringlich an. Und ja, bei dem Gedanken daran, dass es hier nur um diesen verdammten Club ging, entspannte er sich wieder etwas. Immerhin war ihm mehr als nur bewusst, dass sie ebenfalls dort gewesen war. Allerdings sagte Kims Gesicht ihm, dass das hier noch nicht alles war. Dass da noch mehr kam: “Danach entschloss man sich, sie eine Weile zu beobachten.”
Dabei sog Jungkook einen Moment die Luft ein. Ihm gefiel der Gedanke nicht, dass sie Hannah … beobachtet hatten. In anderen Worten bedeutete das nämlich, sie hatten sie überwacht.
Da er jedoch wie bereits erwähnt ahnte, dass da noch mehr kam, schwieg er und ließ Kim weiterreden: “Sie wurde vermehrt mit Leuten aus der Szene gesehen. Zuletzt gestern und heute morgen.”
“Was genau heißt aus der Szene? Von welcher Stufe sprechen wir?”, fand schon wieder jemand die Sprache und demnach Fragen, die Jungkook gerade nicht in den Sinn oder Mund kommen wollten. Dieses Mal war es erneut Hoseok.
“Stufe A”, gab sein Manager zurück. Entsetzlich leise und fast schon mit etwas Entschuldigendem im Blick.
Und ja … jetzt überkam es Jungkook doch. In Form eines leisen “Shibal”, das ihm über die Lippen rutschte. Binnen Sekunden spürte er sowohl Jimins als auch Taes Hand auf seinem Rücken. Was unterstrich, wie beschissen diese Situation war.
Stufe A war, was diese speziellen Kreise anging, der absolute Worst Case. Sie hatten es hier also nicht mit ein paar mehr oder weniger harmlosen Sasaengs zu tun, die sie an den Flughäfen abfingen, um einen Blick auf sie zu erhaschen. Auch nicht mit denen, die sich in ihren Hotels einbuchten und ihnen auf den Fluren und in den Aufzügen auflauerten. Noch nicht einmal die, die vor ihren Apartments campierten wurden auf dieser Stufe geführt …
Stufe A war für diejenigen, die die Strippen zogen. Diejenigen, die nicht selten brisante Kontakte in ihren Reihen hatten und demnach oft intime Informationen sammelten. Informationen, die sie an jeden weitergaben, der bereit war, ihre teils horrenden Preise zu zahlen. Nahmen wir also an was Kim sagte stimmte und Blondie war eine von ihnen, stand er gerade praktisch bis zum Hals in der Scheiße. Immerhin hatte sie in den letzten … Monaten nicht an irgendeiner Strippe gezogen, sondern an seiner.
Blondie wusste nahezu alles von ihm … sie wusste wie er lebte, wusste wie seine besten Freunde hießen und sie hatten über seine beziehungstechnische Vergangenheit gesprochen. Sie hatte ihn nackt gesehen, war alleine in seiner Wohnung gewesen und beim letzten Skandal live dabei …
Den Skandal, den sie mit verursacht hatte … eventuell, um damit Geld zu machen. Das war also ganz große, fucking-
“Hey”, holte Jimin ihn aus diesem elenden Abgrund aus Gedanken, in den er gerade drohte zu fallen - und begann behutsam seine Schultern zu massieren. Mehr als offensichtlich einfach nur, um irgendetwas zu tun. Ebenso mit dieser Information überfordert, wie er es war.
Genauso wie Taehyung und Hoseok es waren, die stillschweigend und mit beinahe lächerlich entsetzt-betrübten Gesichtsausdrücken neben ihm standen. Auch ihnen war der Schock mehr als nur ins Gesicht geschrieben. Schließlich sah Hoseok ihn an. Griff nach seiner Hand und drückte diese. Was dem Jüngsten der Runde bewusst machte, dass diese zitterte. Nicht nur ein wenig. Sie zuckte in Hoseoks Griff, so als wollte sie diesem entkommen.
Jungkook schluckte. Versuchte sich zu sammeln. "Gibt es Beweise?”, fragte er schließlich brüchig und verräterisch heiser. Seine Stimme klang erschreckend fremd und dass Jimins Griff um seine Schulter etwas stärker wurde, sagte ihm, dass das keine Einbildung war.
Kim nickte. “Ein Wagen steht bereit.”
Das klang … gut, sofern gerade irgendetwas gut klingen konnte. Er war auf einen verdammten Sasaeng der Stufe A reingefallen. Hatte sie, ohne ihre elektronischen Dinge wegschließen zu lassen, komplett alleine in seinen vier Wänden gelassen. Hatte sie neben sich schlafen lassen … wahrscheinlich hatte sie unzählige Bilder und Videos gemacht. Von allem, inklusive ihm, wie er nackt und vom Afterglow ausgemergelt neben ihr lag. Er war geliefert … er war verdammt noch einmal geliefert.
Dieses Mal befreite Jungkook sich selbst aus dem Strudel, in den er erneut zu geraten drohte. Er musste Ruhe bewahren. Wenigstens bis er diese Beweise gesehen hatte. Also löste er sich aus Hoseoks und Jimins Griff und setzte sich in Bewegung. Zu seiner Überraschung, dicht gefolgt von seinen drei Hyungs, die leider Zeugen dieser unschönen … Szene werden mussten.
“Wir schaffen das allein, oder nicht?”, ließ sein Manager diese wissen und wandte sich mit fragendem Blick an den jungen Mann, der unschlüssig aufsah.
“Wir kommen mit”, sagte Hoseok mit fester Stimme … und Jimin und Tae stimmten nicht minder fest zu.
Zugegeben beruhigte der Gedanke ihn, dass er sich diese Scheiße, die ihn erwartete, nicht im Alleingang ansehen und antun musste. “Sie kommen mit”, gab er also das Okay, das Kim hatte aus seinem Mund hören wollen.
Und so setzten sie sich in Bewegung. Auf diesen gigantischen Abgrund zu, der sich mit jedem Schritt vor ihm mehr und mehr aufzutun schien. Bereit ihn und das kleine Bisschen Hoffnung, das nach wie vor in ihm aufzukeimen versuchte, zu verschlingen. Hoffnung, dass sich das alles nur als verdammt blöder Scherz herausstellen würde …
Kims Gesichtsausdruck sagte ihm jedoch, dass es keinen Grund zur Hoffnung gab. Wie es die Tatsache tat, dass man ihn in diese Sache und die Machenschaften, die diese umgaben, eingeweiht hatte.
***
Hallo ihr Lieben und da sind wir. Am Abgrund angekommen. Und ja … nun kann man JKs Reaktion eventuell auch etwas besser nachvollziehen. Mehr dazu aber im kommenden Chapter. In diesem und den kommenden werden dann auch noch einige weitere Fragen beantwortet, die noch offen sind und die ihr euch eventuell stellt.
Habt einen wundervollen Tag ihr Lieben und wir lesen uns Freitag. Falls nicht hier, dann wie gesagt auf jeden Fall bei Wattpad. Genießt die Woche und das hoffentlich auch bei euch schöne Wetter. <3