Ablenkungsmanöver (nach Chapter 68 nach NaD)
Ablenkungsmanöver (nach Chapter 68 nach NaD)
Hinweis: Das folgende Chapter kann jederzeit nach Kapitel 68 von Night and Day gelesen werden.
49. Ablenkungsmanöver
- 9. November 2022 -
Nahezu vier Wochen war es jetzt her. Vier Wochen, in denen er den Jammerlappen gespielt hatte und sich hatte hängen lassen. Teils verborgen und teils für jeden sichtbar. Und ja … nun war die Zeit gekommen, in der er genau das ändern würde. Bekanntlich hatte er kein schwarzes Heftchen, in dem sich Nummern fanden. Hatte nie ein solches geführt …
Seine Auswahl an Frauen für gewisse Stunden war bescheiden gering. Oder auch beschämend. Wie man es nahm. Aber … er war nicht gut in sowas. Und mit sowas meinte er flirten.
Ja, manch einen mochte seine selbstsichere Stagepersona in die Irre führen. Die, die sich über die Bühne bewegte, als gehöre ihr die Welt. Jungkook … so nannten und kannten ihn die meisten. Aber bekanntlich nicht alle. Selbst einige der Fans wussten, dass er real so nicht war. Klar, er war nicht mehr der kleine, schüchterne Junge, der sich vor Frauen fürchtete. Wenigstens dieses Extrem hatte er vor geraumer Zeit ablegen können.
Was nicht hieß, dass er gerne und gekonnt flirtete. Ganz und gar nicht. Dazu war in Situationen, wo es dazu kam, diese andere, unsichere Seite von ihm viel zu präsent Jeongguk. Und der fiel vor Schreck schon mal ins Glas, wenn man ihn zu sehr anging. Oder wenn es etwas oder jemand tat. Der Gedanke, jemanden auf diese Weise ansprechen zu müssen, war ihm schier ein Graus. Es ließ ihn in kalten Schweiß ausbrechen … und trinken, wenn Alkohol in greifbarer Nähe war.
Was wiederum half … hatte er ein paar Gläser intus, fühlte er sich nämlich entspannter und sicherer. Was nicht hieß, dass er wirklich offensiv flirtete. Das hieß aber, er sah nicht hektisch weg, wenn man versuchte, mit ihm zu flirten.
Wie auch immer … er war nicht gut darin, zu flirten. Demnach war er alles andere als gut darin, sich … Frauen für gewisse Stunden klarzumachen. Alle Frauen, die sich in seinem nicht vorhandenen schwarzen Buch verewigt hatten, hatten es selbst getan. Indem sie ihn klargemacht hatten. Hea, Miga, Somin, Midori … und Hannah. Das war sie. Seine sagenumwogene Liste an Frauen, mit denen er nur bedingungslosen Sex gehabt hatte. Zum Spaß und nicht mehr als das.
Wobei … im Grunde gehörte Blondie da nicht wirklich drauf. Auf besagte Liste. Zwar hatte sie ihn klar gemacht und es war lange nur Sex gewesen … aber …
Das Aber war kein solches. Ja, sie hatte definitiv so einen Unsinn wie “ich liebe dich” gesagt, während er sie genommen hatte … oder am Telefon, während sie im Medikamentenrausch gewesen war. Allerdings gehörte das wahrscheinlich zu ihrem kleinen, morbiden Spiel. Leere Worte also. Sollte sie also auf seiner Liste bleiben.
Auf seiner Liste, auf der wirklich niemand in Frage kam, um … naja. Um halt … Sex zu haben … und so. Unverbindlichen und schnellen Sex. Weil das scheinbar gerade alles war, wozu er gut war. Und ja … er musste sich beweisen, dass er gut darin war - und es nicht nur Teil von Blondies perfidem Spiel gewesen war, es ihm weiszumachen.
Zudem musste er sie aus seinem Kopf bekommen. Es gefiel ihm nämlich nicht, dass sie nach wie vor in diesem herumgeisterte … es gefiel ihm ganz und gar nicht.
Fünf minus eins … das waren vier. Und ja … das war tragischer, als es ihm bisher bewusst gewesen war. Er war ein verdammter Superstar. Da draußen gab es Dutzende von Männern und Frauen, die mit ihm hier und jetzt die Laken zerwühlen würden. Und auf seiner Liste standen fünf … ein Name, den er am liebsten komplett streichen würde. Einer, der mittlerweile verheiratet war. Einer, bei dem er, soweit er sich erinnerte, schon damals keinen Nachschlag gewollt hatte. Einer, dessen Nummer er nicht mehr hatte. Und einer, dessen Trägerin nicht allzu gut auf ihn zu sprechen war.
Eine seiner Exfreundinnen zu fragen, stand nicht zur Debatte. Ebenso wenig, einen Aufruf zu starten. Eine Irrsinnsidee, die er glücklicherweise wieder verworfen hatte, schon bevor er wieder nüchtern genug gewesen war, um sie bitter zu bereuen. Irrsinnsidee, weil er den Text schon verfasst hatte. Mithilfe der App … nicht etwa, damit es auch möglichst jeder verstand, sondern damit er sagen konnte, er wurde gehackt, wäre die Nummer schief gegangen.
Ja … er war selbst sprachlos. Was auch immer ihn da geritten hatte, er war nicht ganz bei Sinnen gewesen. Fast einer ganzen Flasche Whiskey sei Dank nicht. Doch wie gesagt. Glücklicherweise war er nicht betrunken genug gewesen, um diesen absolut irren Plan durchzuziehen.
Er hatte also das nicht Naheliegendste getan … er hatte Midori kontaktiert. Schon bevor er für ein paar Modeshootings nach Tokio aufgebrochen war - um die Wogen vorab zu glätten. Und wider seiner Erwartungen, hatte es funktioniert. Oder eher, wie Jimin es prophezeit hatte … natürlich hatte sie zu Beginn die Unnahbare gespielt, aber sie war eingeknickt. Wie sie es ja im Grunde vor ein paar Wochen via Textnachricht bereits angedeutet hatte. Nach der er sie abermals hatte auflaufen lassen.
Dennoch hatte sie sich letzten Endes wieder auf ihn eingelassen. Auf ihn und darauf, sich hier und heute mit ihr zu treffen. In irgendeinem Hotel und in irgendeinem Zimmer im 18. Stock, aus dem sie über die ganze Stadt blicken konnten.
Und genau das tat sie gerade. Ein Glas Champagner in der Hand, weil sie vorab gesagt hatte, eine Flasche gehörte zu ihren Bedingungen. Also die, unter denen sie herkommen würde. Eine Flasche Champagner, die mindestens 5000 Won oder in dem Fall knapp 500.000 Yen kostete, ein gemeinsames Essen, mehr als nur ein wenig Smalltalk, ein Outfit, das sie sich ausgesucht hatte und das er tragen sollte und ein gemeinsames Frühstück.
Und ja… er war erbärmlich genug gewesen, sich auf alles einzulassen. Er hatte einen sündhaft teuren Fusel geordert und hatte sich in die von ihr gewünschte Schale geworfen. Eine schwarze Hose und ein schwarzer Rollkragenpulli, der ihn jetzt schon in den Wahnsinn trieb, weil sein Nacken nicht aufhören wollte zu jucken. Ebenso wie seine Brustwarzen, die an dem viel zu rauen Stoff rieben. Was drunter zu tragen war nämlich nicht erlaubt. Übergreifend nicht. Und ja … es war unangenehm. Er ging sonst nie ... unten ohne.
Das gemeinsame Essen und das gemeinsame Frühstück würden irgendwann folgen. Und ja … vor allem letzteres war alles andere, als in seinem Sinne. Er wollte niemanden neben sich haben, wenn er schlief. Nicht nach dieser Scheiße, die zurücklag und die ebenfalls jemanden beinhaltet hatte, der neben ihm geschlafen hatte. Nicht nach dem, was genau das in ihm ausgelöst hatte. Aber … er hatte keine andere Wahl gehabt. Das waren ihre Bedingungen gewesen und er hatte sie heute hier haben wollen. Oder eher … einfach irgendjemanden. Und sie lag nun einmal nahe. Das bedeutete also, dass er sich in unbequeme Schale warf und heute Nacht neben ihr wach liegen würde.
Das Geld für den Champagner und das Essen konnte er immerhin vertrösten. Blondie hatte ihn bedeutend mehr gekostet. Neben den Nerven natürlich auch Geld, wenn er all das zusammenzählte, was er-
“Du siehst gut aus”, raunte Midori vom Fenster aus und musterte ihn. “Und hör auf dich zu kratzen, sonst hast du gleich überall Ausschlag.”
“Das Ding ist kratzig”, gab er wenig geistreich zurück. Dass das eventuell daran lag, dass er irgendein Produkt geordert hatte, das dem in dem Link, dem sie ihm geschickt hatte, nahe kam, ließ er außen vor. Das Original war nämlich nicht schnell genug lieferbar gewesen.
“Komm schon, stell dich nicht so an. Du hast sicherlich schon Schlimmeres erlebt. Außerdem wirst du das da eh nicht lange anhaben”, sagte sie und trat auf ihn zu. Drückte ihm das Glas Champagner in die Hand und ließ ihre Finger zu seinen Seiten gleiten, um dort angekommen, am Stoff des Pullovers zu ziehen, den er sich wie bei der Vorlage, die sie dem Link beigefügt hatte, in den Hosenbund gesteckt hatte.
Dort angekommen, zog sie diesen heraus, sodass sie ihre Fingerspitzen unter den Stoff gleiten und über seine Haut fahren lassen konnte. “Erinnerst du dich? Damals … bei diesem Shooting haben wir uns kennengelernt”, raunte sie und sah ihn von unten herab an.
“Bei diesem Shooting”, raunte er lachend, ohne wirklich über seine Worte nachzudenken, weil ihre Finger auf seiner Haut ihn irritierten. “Ich habe mehrere Hundert im Jahr.”
Midoris Blick verfinsterte sich etwas. “Das Shooting”, sagte sie und deutete auf ihn. Jungkook runzelte die Stirn und nahm einen Schluck Champagner. “Das, in diesem Outfit.”
“Ah ja”, sagte er … und bluffte. Er hatte nach wie vor nicht den blassesten Schimmer, wovon sie sprach. Er kannte sie jetzt seit … etwa 2 bis 3 Jahren. Das waren eine ganze Menge Shootings, bei denen er gewesen war. Und bei nicht wenigen hatte er irgendwann mal schwarz von Kopf bis Fuß getragen.
Gut … er war blond gewesen. Oder war es blau oder grau gewesen? Das Referenzbild, das sie ihm geschickt hatte, war in Schwarz-Weiß gewesen …
Er hatte nach wie vor keine Ahnung. Also beließ er es dabei. Da es ihr allerdings scheinbar wichtig war, spielte er ihr Spiel mit. Und ja … sie sah zufrieden aus. Überaus zufrieden, während sie zurückwich und rüber zum Couchtisch schritt. Bei diesem angekommen, griff sie in den Eiskübel und holte die Champagnerflasche aus diesem.
Mit dieser in der Hand kam sie zu ihm zurück. Schenkte ihm noch etwas in das Glas ein, das er in der Zwischenzeit geleert hatte, und drängte ihn rücklings. Zum Bett, wo sie ihn so unvermittelt auf dieses stieß, dass er beinahe den Champagner verschüttete. “Langsam”, raunte er, während er sich etwas aufrichtete - und bei dem Versuch scheiterte, das Glas auf den Nachtisch zu stellen.
Bevor es dazu kam, war Midori nämlich über ihm. Die Flasche nach wie vor in der Hand und hin und wieder direkt aus dieser trinkend, hatte sie sich mit den Beinen links und rechts von ihm direkt auf seiner Körpermitte niedergelassen und sah ihn zwischen den Schlücken eine Weil einfach nur an. Schweigend …
Und er lag da … wahrscheinlich wie vom Donner gerührt aussehend. Nach wie vor das verdammte Glas in der Hand. “Kann ich das kurz weg-”, begann er zu sagen, während er sich erneut versuchsweise aufrichtete, um den Nachtschrank zu seiner Rechten zu erreichen - doch sie drückte ihn erneut zurück in die Laken.
“Entspann dich”, sagte sie nonchalant, drückte ihm auch noch die verdammte Flasche in die Hand - natürlich in die andere - und begann mit ihren nun freien Händen den verdammten Pulli hochzuschieben.
Und er lag da … wie ein scheiß Fisch auf dem Trockenen. Starrte sie von unten herab an. “Kann ich das erstmal weglegen”, murmelte er und versuchte, sich erneut aufzurichten.
Doch wieder kam sie ihm zuvor und drängte ihn mit beiden Händen zurück aufs Bett. Begann seine Hose zu öffnen, nur um diese wenige Sekunden später einfach so ohne Vorwarnung runter zu ziehen. Jedoch nur bis zu seinen Hüften - also gerade eben bis unter seinen Hintern. Was ihn noch bewegungsunfähiger machte, als er es eh schon war.
“Was immer das hier für ein Spiel ist, ich mag es nicht”, sagte er schneidend und versuchte seine Worte mit seinem Gesichtsausdruck zu unterstreichen.
Midori blickte an ihm hinab. Direkt auf seinen nun entblößten Schritt. “Das sehe ich.”
Jungkook folgte ihrem Blick … und ja … was er erblickte, erfreute ihn offensichtlich noch weniger als sie. Er war klein. Vollkommen klein und weich. Nicht einmal die kleinste Regung zeigte sich in seinen südlichen Gefilden. “Ich bin-”, setzte er leise an, stockte jedoch, weil er nicht so recht wusste, wie er das erklären sollte.
Denn ja … eigentlich stand er auf sowas. Sowas im Sinne von Macht- und Fesselspielchen. Spielchen wie dieses also, auch wenn es auf den ersten Blick zugegeben etwas … sonderbar war. Aber es war definitiv nicht das Sonderbarste, was er bisher so getrieben hatte. Trotz fehlendem Buch war er dahingehend mäßig erfolgreich gewesen.
“Okay”, sagte Midori, nahm das Glas und die Flasche an sich und stellte beides auf dem Nachtschrank ab. Natürlich nicht ohne ein paar Verrenkungen, aber das war ihm gerade herrlich egal. Er sah sie einfach nur an. Verdattert … und das änderte sich auch nicht, als sie zu seinen Schultern griff, am Oberkörper hochzog und ihm den elenden Pullover auszog. “Besser?”, wollte sie wissen, als sie ihn beiseite geworfen hatte und Jungkook wieder unter ihr in den Kissen lag.
“Ja?”, flüsterte er und horchte in sich. Am Pullover lag es nicht … allerdings brachte er es nicht über sich, ihr das zu sagen. Also schenkte er ihr einfach nur ein … unsicheres Lächeln.
“Okay, entspann dich. Alles okay, das kann mal passieren”, sagte sie und begann, seine Brust und seinen Bauch zu streicheln … und es traf ihn wie ein Schlag.
Ähnliches hatte Blondie auch gesagt. Damals, als er nach dieser Scheiße mit dem 7-Eleven keinen hoch bekommen hatte. Genau das … nur natürlich auf englisch. Und sie hatte ebenfalls seine Brust und seinen Bauch gestreichelt. Nicht ganz so, aber ähnlich wie es Midori gerade tat … und ja, das machte es nicht besser. Alles andere als das. Wenn er könnte, würde sich sein Schwanz wahrscheinlich gerade komplett in seinen Körper zurückziehen. Mit einem lauten Plopp würde er verschwinden …
"K-kannst du”, begann er zu stammeln und griff nach ihren Händen, “w-warte mal kurz”, die Worte rieselten wirr und brüchig aus ihm heraus, während er versuchte Midoris Griffel, die ihn gerade schier kirre machten, weil sie einen ganzen Haufen falscher Emotionen in ihm erweckten, von sich zu bekommen.
Midori schien dennoch zu verstehen und zog ihre Hände zurück. Sah ihn forschend und eindeutig auch mehr als nur ein wenig besorgt an. “Alles okay? Geht es dir gut?”
Er nickte fahrig. “J-ja ich bin nur-” Vollkommen verückt geworden, schoss es ihm durch den Kopf. Dem Kopf, der zunehmend heiß zu werden schien. Den Kopf, den wieder einmal Blondie flutete. In allen ihren scheiß Facetten. “Kannst du-” Sein Mund wurde trocken. Unfassbar trocken. So trocken, dass er nicht mehr imstande war zu sprechen. Naja, fast … kaum dass Midori wieder ihre Hände über seine Brust gleiten ließ, entwischte ihm ein weiteres, heiseres “warte.”
“Worauf?”, wollte sie wissen, während sie innehielt und sich zurücklehnte.
Das war eine verdammt gute Frage, stellte er fest. Richtete sich auf, was Midori dieses Mal zuließ und griff nach dem Glas, das er erneut mit nur wenigen Schlucken leerte. Sie sah ihm dabei zu. Musterte ihn, während er das Glas abstellte und erneut ansetzte: “M-möchtest du-” Und das war erneut alles, was über seinen verdammten Mund rollte, bevor er abermals verstummte. Stumm und schwer atmend blieb er zurück. Sah sie wahrscheinlich aus lächerlich großen Augen an.
Was zur Hölle war bloß los mit ihm?
Ähnliches schien sich auch Midori zu fragen. “Okay, kannst du bis zehn zählen?”, fragte sie und kletterte von ihm. Irritiert tat er, wie ihm geheißen wurde. “Lächle mich mal an”, auch das tat er. Maßlos irritiert - was unter anderem daran liegen könnte, dass er hier nach wie vor mit heruntergelassenen Hosen lag. “Gut”, sagte sie, “du weißt, wie du heißt und wo du bist?”
“Was wird das hier?”, fragte er heiser und machte sich daran, sich die Hose wieder hochzuziehen und diese zu verschließen.
Midori beobachtete ihn erneut dabei. “Sag du es mir. Ich habe lediglich gecheckt, ob du einen Schlaganfall oder sowas hast.” Jungkook sah sie strafend an, was sie mit einem “komm schon” quittierte. Untermalt mit einer gehobenen Braue und vielsagendem Blick.
Und ja … sie hatte wohl recht. Diese scheiß Sache mit Blondie hatte ihm anscheinend die scheiß Hirnwindungen frittiert. “Ich bin nur mit den Gedanken ganz woanders”, gab er leise zu und lehnte sich frustriert seufzend zurück.
Midori lachte und richtete sich auf. Ging rüber zum Tisch, auf dem neben den Kondomen und dem Gleitgel auch der Kübel mit dem Champagner stand. Als ihr bewusst wurde, dass die Flasche jedoch neben ihm auf dem Nachttisch stand, kam sie kopfschüttelnd zu ihm zurück. Für Verwirrung sorgen … wenigstens das hatte er noch drauf.
“Offensichtlich, bist du das. Würde es helfen, wenn ich mir eine blonde Perücke aufsetze?", fragte sie … merkwürdig ruhig. Mit einem schiefen Grinsen auf den Lippen. “Oder reicht es dir, wenn du mich bei ihrem Namen nennst?”
“H-habe ich ihren Namen gesagt?”, entwischte es ihm überrumpelt …
… und das war es anscheinend, was sie leise und bestätigt lachen und zur Champagnerflasche greifen ließ. Mit dieser in der Hand, ließ sie sich wieder neben ihm nieder. Kopf an Kopf lagen sie da. Eine ganze Weile lang. Schweigend, während er sich sammelte und sie trank. In kleinen und bedachten Schlucken. Ins Leere starrend.
“Es tut mir leid”, wagte er schließlich zu sagen - kurz nachdem er sich eines der Kissen genommen und seine nackte Brust damit bedeckt hatte. “Das war … nicht okay.”
Midori nahm einen weiteren Schluck. Schien über seine Worte nachzudenken und sagte dann: “Nein, ist okay. Ich habe es irgendwie geahnt. Nächstes Mal warne mich einfach vor, damit ich weiß, woran ich bin.”
Mit diesen Worten reichte sie ihm die Flasche und er nahm einen Schluck. Gab sie ihr schließlich zurück und sagte: “Tut mir leid. Ich weiß nicht, was ich mir dabei gedacht habe.”
Midori zuckte mit den Schultern. Schließlich lachte sie heiser und reichte ihm die Flasche, nachdem sie einen großen Schluck genommen hatte. “Ganz offensichtlich hast du gar nicht gedacht”, sagte sie triezend und blickte an ihm hinab. Zu seinem mittlerweile wieder verhüllten Schoß. Das sagte ihm mehr als tausend Worte es konnten. Und sie hatte recht. Ganz offensichtlich hatte er nur mit dem Schwanz gedacht.
Zum einen Teil. Der andere hatte sich erhofft, dass er Blondie und diese Bilder, die die Erinnerungen an sie oder alles, was auch nur im Entferntesten mit ihr zu tun hatte, ihm immer wieder vor Augen riefen, vertreiben konnte. Falsch gedacht ... ebenfalls mehr als offensichtlich.
Einen Moment saßen sie also einfach da. Die Flasche untereinander hin- und herreichend und immer wieder einen Schluck nehmend. Bis irgendwann - warum auch immer gerade jetzt - der Groschen bei ihm zu fallen schien: “Dieses Shooting … da haben wir uns nicht kennengelernt. Das war … letztes Jahr. Wir haben uns … irgendwann 2019 kennengelernt. Bei einem Shooting in Tokio.” Er sah sie stirrnrunzelnd an.
Was sie offenbar verschmitzt zum Grinsen brachte: “Sorry, du bist echt zu süß, wenn du versuchst zu lügen. Und nicht sorry … ich wusste, ich muss dich in diesem Outfit haben, als ich diese verdammten Bilder sah.” Sie sah ihn an. Musterte ihn eindringlich. “Das sage übrigens nicht nur ich, das sagen da draußen einige. Das und dass das bisher eines deiner besten Shootings war.” Jungkook schüttelte ein wenig überrumpelt den Kopf und wandte den Blick unbehaglich ab. Jedenfalls, bis sie ihm erneut die Flasche reichte und amüsiert flüsterte: “Komm schon, spiel nicht den Schüchternen oder Überraschten. Ich weiß, dass du dich ebenfalls da draußen rumtreibst und verfolgst, was sie so über dich und über aktuelle Projekte und mehr sagen.”
“Erwischt”, gab er kapitulieren zu … was sie bestätigt zum Lachen brachte und sie beide wieder eine Weile in Schweigen verfallen ließ. “Hab ich ihren Namen gesagt?”, wiederholte er sich schließlich irgendwann leise.
Sie schüttelte zwischen zwei Schlucken ihren Kopf, was ihre schulterlangen schwarzen Haare in Bewegung brachte. “Es war auch so mehr als nur offensichtlich.”
“K-kennst du ihn?”, hörte er sich selbst raunen, nachdem sie ihm die Flasche erneut gereicht und auch er einen weiteren Schluck genommen hatte.
“Naja … kennt den nicht nahezu jeder?”, antwortete sie, kaum dass sie die Flasche wieder an sich genommen hatte. Und Jungkook rutschte das Herz einen Moment in die Hose. Bevor sie leise und schmunzelnd “Alva Larsson” raunte. Dabei sah sie ihn an. Eindringlich … so als müsse das etwas in ihm auslösen.
Das tat es. Erleichterung, weil sie nicht Hannah Pries gesagt hatte - und das bedeutete, dass sein kleiner Ausrutscher nicht doch bereits die ganz große Runde gemacht hatte. Dass scheinbar nicht doch schon jeder da draußen wusste, wer ihn nach allen Regeln der Kunst verarscht und nach Informationen heischend ausgenommen hatte.
Dennoch machte es etwas Ungutes mit ihm. Es deutete nämlich an, dass nach wie vor niemand wusste, dass Alva eigentlich Hannah hieß. Und ja … das tat etwas mit ihm. Das verunsicherte ihn … und er mochte nicht, dass es ihn verunsicherte. Oder auch, ein Teil von ihm mochte es nicht …