Fear (nach Chapter 9 von NaD)
Fear (nach Chapter 9 von NaD)
Hinweis: Das folgende Chapter kann jederzeit nach Kapitel 9 von Night and Day gelesen werden.
5. Fear
- 9. April 2022 -
Er war nervös. Das war er bereits seit sie vor einigen Tagen hier gelandet waren - und es war von Tag zu Tag intensiver bis hin zu unerträglich geworden. Glücklicherweise konnte er es auf die bevorstehenden Shows schieben. Oder eher: Bisher hatte er das gekonnt. Gestern hatten sie die erste Show jedoch hinter sich gebracht und eigentlich müsste er nun wieder etwas ruhiger werden. Da die Shows aber dieses Mal nicht der alleinige Grund für seine Nervosität waren, war dies selbstredend nicht der Fall.
Und so kam was kommen musste und er flog irgendwann inmitten des vorbereitenden Trubels für die zweite Show auf. Zwar hatte sich Jungkook extra auf die Tribünen zurückgezogen, um dem hiesigen Staff bei den Vorbereitungen zuzusehen, allerdings konnte man hier niemandem wirklich davonlaufen. Selbst auf mehr als 32.500 Quadratmetern nicht. Ja, er hatte es mit random Facts zu den Örtlichkeiten, an die es sie verschlug.
Während andere fragten, wie viele Zuschauer in ein Stadion passten, wollte er wissen wie groß oder alt es war. Und ja, damit hatte er den Staff schon so manches Mal offensichtlich an den Rand des Verständnisses gebracht.
"Tut mir leid, das weiß ich nicht", war eine der Standardantworten, die er bekam. Gemeinsam mit diesem Blick, der ihm auch ohne Worte sagte, was sie dachten. "Was läuft bei ihm bitte falsch?"
Ebenso war ihnen dieser Blick nichts neues, der sie überkam, wenn sie nach ihren Tourbesprechungen die obligatorische Frage "noch Fragen?" in die Runde warfen. Mittlerweile stand wirklich jedem von ihnen ins Gesicht geschrieben, dass sie hofften, er möge dieses Mal doch bitte die Klappe halten.
Aber, zurück zum eigentlichen Thema ...
"Was ist los mit dir, du wirkst angespannt. Angespannter als sonst", kam ihm Jimin irgendwann, etwa zwei Stunden vor dem Soundcheck, auf die Schliche.
"Das hier ist nur eine verdammt große Sache. Das ist Las Vegas", versuchte Jungkook sich herauszureden und starrte auf sein Handy hinab, dessen Display wie so oft erloschen war, während er in seinen Gedanken verloren auf dieses gestarrt hatte. Ja, manchmal fragte er sich, ob das normal war. Also, dass er manchmal so unfassbar tief in sich abtauchte.
Ihm war bewusst, dass es ein kleiner und lustiger Insider im Fandom war. Kookie und seine eigene, kleine Welt. Und ja, er war ein Tagträumer und konnte im Zweifelsfall alles um sich herum ausblenden. Manchmal tat er dies gewollt und bewusst, manchmal passierte es einfach so. Hin und wieder blieb in seinem Kopf hingegen alles leer. Aber häufig mochte er diese Stille, die sich so anfühlte, als würde er mit offenen Augen schlafen.
Aber, zurück zum Thema ... ja, manchmal nervte er sich auch selbst.
Jimin sah ihn an und zog die Hand zurück, mit der er gerade vor seinen Augen geschnippt hatte, um ihn zurück ins Hier und Jetzt zu holen. "Geht's dir gut?"
"Ja, ich bin nur-" Er zuckte mit den Schultern.
"Hast du das mal untersuchen lasen?", fragte Jimin sichtlich besorgt, "ich meine-" Er deutete auf seinen Kopf.
"Wohingehend? Dass ich einen an der Waffel habe?", gab er abwehrend zurück.
"Nein, einfach mal so ... du driftest im Moment wirklich häufig ab. Häufiger als sonst jedenfalls. Wir machen uns nur Sorgen", seufzte sein Hyung entschuldigend.
"Ich will einfach meine Ruhe haben", gab er zurück und wandte den Blick demonstrativ ab, "einfach mal ein wenig Zeit für mich. Du weiß selbst, dass das hier Luxus ist." Ließ ihn über die unendlichen Weiten des Stadions gleiten. Die unzähligen leeren Sitze, die später zu großen Teilen gefüllt sein würden. Rund 65.000 Zuschauer fanden hier Platz-
"So wie vorgestern Abend?", hörte er Jimin schmunzeln, bevor er ihn Schmunzeln sah. "Da hattest du Zeit für dich und die hast du luxuriös genutzt."
Ihm lief es wieder eiskalt den Rücken runter. Was vorgestern Abend passiert war war eines der Dinge, die er möglichst schnell vergessen wollte. Da hatte er nämlich ... er mochte nicht einmal dran denken. Um es kurz zu fassen, hatte er den ganzen Hotelflur mit dem Porno beschallt, der ihm den Abend versüßen sollte. Seinen innovativen Kopfhörern sei dank, denn die konnten Umgebungsgeräusche so gut unterdrücken, dass er erst gemerkt hatte, dass die Audioausgabe sowohl über seine Kopfhörer als auch über sein Macbook stattfand, als Hoseok und Jimin gemeinsam gegen seine Tür und die Wand neben seinem Bett gehämmert hatten. Tja ... er ließ sich gerne laut beschallen. Sehr laut ...
"Ich bin nervös wegen diesem Treffen mit ihr", gab er zu - vor allem, um das verdammte Thema zu wechseln.
"Warum?", fragte der Ältere der beiden Maknaes sichtlich verdutzt nach. "Es ist nur Sex und der ist kein Neuland für dich. Übergreifend nicht, aber ja auch nicht mit ihr. Oder ist es-" Jimin stockte und setzte vorsichtig an: "Oder gehts darum, dass sie Amerikanerin ist und du Asiate. Ich meine, so mit Blick auf ihre Männer und was man so über die und uns im Vergleich sagt. Auf bestimmte Körperbereiche bezogen."
"Nein", zischte er und fügte hinzu: "Außerdem ist sie, wenn ich das jetzt richtig in Erinnerung habe, Europäerin."
"Ach ja, und über die sagt man was anderes? So, rein statistisch gesehen?", bohrte Jimin mit zuckenden Mundwinkeln nach.
"Nein, darum geht es mir nicht. Ich hatte nicht den Eindruck, dass das irgendwie ... ein Problem gewesen wäre."
"Also war der Gedanke da?"
"Natürlich war er das, wann ist er es bei uns denn mal nicht? Blöde Sprüche mal außen vor, haben wir alle schon westliche Pornos gesehen", schnappte er. Nein, er war nicht unzufrieden mit sich und seiner Ausstattung. Er war aber auch kein verblendeter Narr.
Der ältere Mann schien kurz zu überlegen und sinnierte schließlich: "Ich denke, die Männer in diesen Filmchen sind meistens überdurchschnittlich gut ausgestattet."
Jungkook runzelte die Stirn. "Ja, das denke ich auch, aber darum geht's hier nicht!"
"Worum dann?", setzte Jimin nach wie vor grinsend an. Ja, er hatte ihn.
"Babo", seufzte er und begann dann ehrlich: "Ich fürchte, ich steigere mich da eventuell zu sehr rein. Also, dahingehend, dass es diesen-" Er stockte und suchte nach den richtigen Worten.
Jimin schien jedoch auch so zu verstehen. "Du hast Angst, dass das zweite Mal deinen Erwartungen nicht gerecht werden wird. Dass sie sich plötzlich doch wie ein Fan verhält. Aber das hat sie vorher nicht getan, warum sollte sie es jetzt tun?"
Jungkook zuckte mit den Schultern. "Nehmen wir an, sie wusste beim ersten Mal wirklich nicht, wer ich bin, weiß sie es jetzt. Wir beide wissen, dass das durchaus etwas bis alles ändern kann. Sie wäre nicht die Erste, die uns plötzlich mit gänzlich anderen Augen sieht."
"Stimmt", raunte sein Hyung und einer seiner besten Freunde. "Aber du wirst das auf dich zukommen lassen müssen, wenn du es herausfinden willst. Und offensichtlich willst du das. Versuch dich nicht von negativen Gedanken übermannen zu lassen. Das macht es nur schlimmer."
Der Jüngere der beiden Männer seufzte und einen Moment sahen sie beide ein paar Staffmitgliedern dabei zu, wie sie den Stand mit dem Merchandise aufbauten. "Das ist leichter gesagt als getan", gab er irgendwann schließlich leise zurück.
"Natürlich ist es das. Wir alle waren mindestens einmal schon in einer ähnlichen Situation. Wir alle wissen, wie frustrierend es ist, sich auf etwas einzulassen und dann bitter enttäuscht zu werden. Aber ... wer nichts wagt, der gewinnt bekanntlich nichts", entgegnete Jimin.
"Das ist nur Sex", gab er zurück.
"Und dennoch lässt er dich nicht zur Ruhe kommen", schien ihn sein Nebenmann zu durchschauen.
"Hört auf damit", knurrte er.
"Mit was?", entgegnete Jimin gespielt unschuldig.
"Mehr in diese Sache hinein zu interpretieren, als da eigentlich ist. Ja, sie hat mich neugierig gemacht. Das war es aber auch schon."
Ein leises Lachen. "Das tun wir nicht, es ist aber ziemlich offensichtlich, dass dir etwas an dieser Sache liegt. Warum auch immer, das tut es. Es lässt dich nicht los, bis zu diesem Grad, dass es dafür sorgt, dass du dich in dich zurückziehst - mehr als du es sonst tust. Natürlich besorgt uns das."
"Dazu besteht kein Grund. In ein paar Tagen weiß ich mehr und dann kann ich diese Sache hoffentlich hinter mir lassen", sagte er gedankenverloren und starrte etwas unschlüssig auf das schwarze Display in seiner Hand hinab.
Jungkook hatte nicht den blassesten Schimmer, warum ihn das alles so sehr tangierte. So war er normalerweise nicht ... so anfällig. Die Zeiten, in denen er sich schnell in etwas hineingesteigert hatte und lichterloh gebrannt hatte, waren vorbei. Dazu hatte er sich einmal so oft viel zu stark verbrannt. Vor allem beim letzten Mal. Er war also ein gebranntes Kind, wie es im Buche stand. Das Feuer hatte ihn aber glücklicherweise abgehärtet. Abgehärtet und in gewisser Weise auch abgeschreckt.
Aus der Ferne sahen sie das kleine Team nahen, das Videomaterial für die kommenden Projekte sammelte. Bangtan Bombs, Blicke hinter die Kulissen für die Konzertmitschnitte und mehr. Und ebenso Material, das den Fans die Zeit verkürzen würde, in der sie alle - einer nach dem anderen - im Militär verschwinden würden. Die Tatsache, dass Jimin sich neben ihm anspannte sagte ihm, dass auch er sie kommen sah.
Die Zeit für private Gespräche war also vorbei. Sie mussten zurück in ihre Rollen schlüpfen. Stets ganz genau bedacht, was sie sagten und taten. Und das taten sie beinahe zeitgleich. Mit einem letzten, tiefen Atemzug und den Rücken durchdrückend warfen sie diese Versionen von sich ab, die es nur hinter den Kameras geben durfte.
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Ihr Lieben, ich habe etwas Zeit und Muße und die Verbindung spielt mit: Daher gibt es den nächsten Teil ausnahmsweise heute schon. :) Auch ein wenig als Dankeschön für eurer Feedback, die Sternchen und Co. Habt alle einen schönen Sonntag. <3